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„Was soll ich tun?“, formulierte Kant die ethische Suche nach dem guten Leben, die im berühmten Kategorischen Imperativ mündete. „Was tun?“ titelte Lenin in seinem Hauptwerk und gab sogleich die revolutionäre Antwort. Und Fallada fragte angesichts der Wirtschaftskrise 1929: „Kleiner Mann – was nun?“ In diese Linie Auskunft erbittender Bücher reiht sich „Was tun, Herr Luhmann?“ wunderbar ein. Darin sind Interviews mit dem Soziologen aus den 1990ern zusammengetragen. Sie stellen gerade nicht den großen Ruf zur Weltveränderung dar – Luhmann hätte solch Ansinnen auch von sich gewiesen. Eher leiserer Natur zeugen die Interviews von seinem wachen Geist in Sorge um die Gesellschaft. Sie sind obendrein so verständlich, dass der Leser fast nebenbei eine kleine Einführung in die Systemtheorie erhält und das hochkomplexe Gedankengebäude quasi über die Hintertreppe betritt. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob sich Luhmann etwa zum Medienphänomen Berlusconi äußert, über die Hilflosigkeit der Politik im Kampf gegen Arbeitslosigkeit oder zu Chancen und Schwächen ökologischer Bewegungen redet. Ein Interview schließt mit einem Satz, der erahnen lässt, warum Gesellschaftstheorie keine leichte Kost sein kann: „Für mich ist die Zeit, wo man die Gesellschaft von ihrer Einheit her beschreiben kann (...) ausgelaufen: Man muss sie von ihrer Differenz her beschreiben.“ TP
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Offne Systeme haben noch nie eine Einheit gebildet.
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Vom Differenzgedanken her habe ich Luhmann noch nie betrachtet. Gut das zu lesen. Öffnet mir die Augen wieder ein Stückchen mehr.
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