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Man muss schon sehr genau hingucken, um ihn zu entdecken. Wie bei einem Suchbild wandern die Augen von links nach rechts, von oben nach unten und wieder zurück. Plötzlich lösen sich die Konturen eines Mannes aus einem braunen Bretterverschlag, aus dem Reifen eines Baggers, einem Berg grauer Betonröhren oder der roten Schrift einer Parteiparole. Der chinesische Künstler Liu Bolin ist ein Meister der Tarnung. Für die Fotoserie „Camouflage“ ließ er seinen Körper bemalen und wurde nach und nach eins mit der Umgebung. Stundenlang musste er in der gleichen Position verharren, während seine Assistenten mit Pinsel und Farbe an der perfekten Illusion arbeiteten. In seinen Bildern, die zumeist ohne technische Nachbearbeitungen auskommen, überführt der 35-Jährige das Mimikry-Verhalten von Tieren in den menschlichen Zusammenhang. Wo in der Tierwelt bestimmte Spezies das Aussehen wehrhafter oder ungenießbarer Artgenossen annehmen, um ihre Feinde zu täuschen und damit ihre Überlebenschancen zu erhöhen, sieht Bolin Anpassungsstrategien des modernen Menschen in einer leeren, von außen beschreibbaren Identität. Der Anpassungsdruck – nicht nur in einer autoritären Gesellschaft wie der chinesischen – wird von ihm bis in die letzte Konsequenz gedacht: bis zur Auflösung des Einzelnen, seinem totalen Verschwinden. MS
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Ein echter Künstler ...
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