Darf es was kosten?
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Darf es was kosten?

Notdurft |

Ryanair ist immer wieder gut, wenn es darum geht, Grundsatzfragen aufzuwerfen. Das wird oft als medienwirksam kalkulierter Tabubruch missverstanden. Diesmal geht es unter anderem um das menschlichste aller Bedürfnisse: das Pinkeln. Sobald eine praktikable Technik gefunden sei, solle die Toilettenbenutzung im Flugzeug zusätzlich kosten, gab Ryanair-Chef Michael O’Leary unlängst bekannt. Dabei ist das Recht, sich zu entleeren, sogar vom Gesetzgeber geregelt, im sogenannten „Notdurft-Paragrafen“, laut dem man niemandem die Notdurft verweigern darf. Max Goldt hat das einmal bis zur letzten Konsequenz zu Ende gedacht: „Selbst wer Hitler nicht bei sich kacken lässt, wird wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht gestellt.“ Bleibt die Frage: Darf es was kosten? Offensichtlich schon, sonst wäre jedes städtische Klohäuschen ein Verstoß gegen das Gesetz. Demnach dürfte Ryan-Air die müssenden Fluggäste zur Kasse bitten, müsste einen klammen Fluggast im Notfall aber auch aufs Klo lassen. Und sind nicht alle Ryanair Fluggäste klamm? Sonst würden sie schließlich Lufthansa fliegen. Eine ähnlich grundsätzliche Frage wirft die von Ryanair ausdauernd am Schwelen gehaltene Diskussion um die Fat-Tax auf, nämlich die nach der Gleichheit. Ist es unfair, wenn der Dicke mehr zahlen muss als der Dünne? Ja, wird der Sozialromantiker inbrünstig rufen, was kann der Dicke für seine schweren Knochen? Wer weiß, ob es nicht das Leiden an unserer zutiefst ungerechten Gesellschaft ist, das ihn in den Kummerspeck getrieben hat? Der Neoliberale wird sagen: Unfair ist, wenn der Dünne gezwungenermaßen für den Dicken mitzahlt. Soll er doch abnehmen. Wie viel Gleichheit wollen wir? Und welche Gleichheit soll es denn sein? Zumindest in Sonntagsreden herrscht in der Politik Konsens: Chancengleichheit soll es sein. Wenn Chancengleichheit herrscht, darf der Rest ruhig ungleich sein. Ryanair sollte also zumindest vor dem Check-In einen Hometrainer aufstellen, um dem Fetten die Chance zu geben, sich die Pfunde abzustrampeln, bevor er in den Flieger steigt. ES

 
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