Damien Hirst und seine Buntstifte
Getty Images

Damien Hirst und seine Buntstifte

Rache |

Quizfrage: Was wurde bei dem bislang wahrscheinlich größten Kunstraub in der Geschichte Großbritanniens entwendet? Ein Chagall, ein Picasso oder ein paar Sonnenblumen von van Gogh? Nein, schlimmer: Buntstifte. Sie waren Teil der Installation Pharmacy von Damien Hirst im Londoner Tate-Britain-Museum. Ein Graffitikünstler, der sich Cartrain nennt, hatte die Stifte mitgehen lassen – aus Rache. Zuvor hatte Cartrain das Motiv von Hirsts Juwelen-Totenschädel in eigenen Collagen verwendet und diese über seine Website verkauft. Sie wurden wegen Urheberrechtsverletzungen konfisziert. Nun forderte Cartrain in mehreren Erpresserschreiben an Hirst seine Arbeiten zurück, andernfalls würde er dessen Buntstifte anspitzen. Ein tolldreister Coup, der leider nicht aufging. Erst wurde Cartrains Vater verhaftet, weil bei ihm die Stifte vermutet wurden, kurz daraufhin stellte sich sein Sohn der Polizei und gab die Beute zurück. Er hat nun eine Klage von 570.000 Euro am Hals, so viel seien laut Hirst die Buntstifte wert. Ein echter Hirst eben. Gelohnt hätte sich auch der mit 8601 Diamanten besetzte Platinabguss eines echten Totenschädels, mit einem 52-Karat-Diamant auf der Stirn: For the Love of God (siehe Bild) wurde im August 2007 für umgerechnet 75 Millionen Euro verkauft und stellt britischen Medienberichten zufolge die aktuell teuerste Arbeit zeitgenössischer Kunst dar. MS

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Megan Fox-Smith schrieb am 12.12.2009 um 09:54
Diamanten sind halt teuer.
LarsG schrieb am 20.07.2010 um 20:26
Damien Hirst war selbst Mitglied der Bietergemeinschaft, die den Schädel ersteigerte. Das hat er jedoch nicht selbst preisgegeben, es wurde gegen seinen Willen entdeckt. Somit war dies kein popironischer Kommentar zum neoliberalen Künstlerunternehmertum, sondern eine glasklare Strategie zur Steigerung des Wertes des eigenes Gesamtwerkes.
Wer schon mal in einem Raum stand mit der Hirst-Kuh, dem Hirst-Hai und auch dem Hirst-Schwein, wird vielleicht auch schon den schalen Beigeschmack des Selbstzitates gespürt haben. Extrem gut sind nicht alle seine Sachen, aber alle seine Sachen erzielen immense Erlöse.
Ein bissl kritischer Blick hätte auch dem Text oben gut getan.
"Ein echter Hirst eben" erscheint da wie die Stimme des Fans.

Best Of

r wie Riesenmikroben
Wer sagt, dass Krankheiten nicht kuschelig sein können? Die Stofftiere des US-amerikanischen ... >> mehr
l wie Lesenlernen
 „Rettet die Alphas“ lautet die Mission der Kinder in 500 Tagesstätten und anderen Einrichtungen, ... >> mehr
k wie Kloake
In Galerien und Museen erfreuen sich unter den Besuchern immer wieder zwei Sätze hämischer ... >> mehr
m wie My Name is Earl
Der Loser Earl Hickey ist der Alptraum jedes politisch Korrekten. Earl lebt in einem Trailer-Park, ... >> mehr
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG