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725 Jahre wird die Sage vom Rattenfänger alt. Hameln erstickt zum Jubiläum in mittelalterlichen Mysterienspielen, dass es nur so in den Ohren pfeift. Die Geschichte von dem Flötenspieler, der erst die Ratten aus der Stadt in die Weser lotste und dann aus Ärger über den verweigerten Lohn alle Kinder entführte,
scheint jedoch so sagenhaft nicht. Historiker vertreten die Theorie, dass der teuflische Harlekin eher ein Werber für deutsche Siedler im Osten war. Schon Bertolt Brecht dichtete:
„Der Rattenfänger von Hameln / Aus der Stadt wollt er sie retten / Dass die Kindlein einen bessern / Ort zum Größenwerden hätten.“
Eine junge Generation allerdings, die in ihrer Heimat keine Perspektive mehr sah und deshalb die Koffer packte, eignet sich nur mäßig fürs städtische Marketing. Immerhin entschied sich der Hamelner Weltladen für eine zeitgemäße Interpretation der Sage. Er bietet einen Rattenfänger-Kaffee aus fair gehandelten Bohnen aus Bolivien an. Die Bauern erhalten einen garantierten Mindestpreis und dazu noch Zuschläge für ökologischen Anbau und soziale Gemeinschaftsprojekte. Eine möglicherweise vorbeugende Maßnahme gegen die materiell erzwungene Migration. Damit es den Kindern in Bolivien nicht einmal genauso geht wie denen von Hameln vor 725 Jahren. MS
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Süsse Ratte.
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