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Vor Jahren fing Sarah Morris’ Kameraauge Bill Clinton ein, wie er in einer Kabinettssitzung Kaffee trank. Capital hieß der Film, für den sie Zugang zum inneren Zirkel der Macht in Washington bekam. Nun hat die amerikanische Künstlerin, die eigentlich für monumentale, knallbunte Gemälde mit ihren abstrakten Formen und ihrem Genremix aus Werbung, Mode und Design bekannt geworden ist, einen neuen Dokumentaressay vorgelegt. Beijing porträtiert die neokapitalistische Metropole Peking in einem Moment extremer Selbststilisierung: während der olympischen Sommerspiele 2008. In schnellen Bildmontagen scannt Morris die repräsentativen Bauten der westlichen Stararchitekten ab und zeigt die perfekte Showinszenierung der Gastgeber zwischen Offenheit und Zensur. Dabei bleibt sie immer wieder an scheinbar unbedeutenden Details hängen. In einer Szene greift ihr Teleobjektiv den Pianisten Lang Lang bei den Vorbereitungen zur Eröffnungsfeier heraus, als verlorenen Punkt im Riesengetriebe. Der Film ist ein pulsierender Wechsel zwischen dem Außen der Medienöffentlichkeit und den verborgenen Lücken in den Fassaden. Beijing ist noch bis zum 30. August im Frankfurter Museum für moderne Kunst im Rahmen einer Sarah Morris-Retrospektive zu sehen. MS
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