Konkurrenzkampf, Neidgefühl, Besserwisserei, verletzte Eitelkeit: Diese unangenehmen Zustände unseres sozialen Lebens fühlen sich nicht nur in Büroetagen oder auf Parteisitzungen wohl. Oft finden sich diese Zustände an Orten, an denen sich Eltern kleiner Kinder treffen. „Fünf Monate alt, und sie kann schon krabbeln?“ Oder: „Was, sie ist vier Jahre alt und hat immer noch einen Schnuller?“ Jede elterliche Entscheidung und jedes Entwicklungsstadium des Kindes wird beäugt und abgeglichen. Abstrakt diskutieren? Unmöglich. Viel zu nah ist dafür die eigene Entscheidung, viel zu nah die Angst, es vielleicht verkehrt gemacht zu haben. Ein kleines Plastikteil, das in diesem Kontext schon lange für Streitereien sorgte, wird nun 60 Jahre alt: Der Schnuller. Streit hin, Streit her: Er erspart seit Jahrzehnten Babys und Eltern etliche Weinstunden, ist Tröster seit Generationen. Erfunden wurde er nach Ende des Zweiten Weltkriegs von einem deutschen Zahnarzt und einem deutschen Kieferorthopäden. Die beruhigende Wirkung spricht die Wissenschaft der Ausschüttung von Glückshormonen zu, die das Gehirn durch das Nuckeln freisetzt. Beteiligt sind daran wahrscheinlich vor allem Endorphine und Dopamin. RK
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