Der Mafiaboss als Familienmensch
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Der Mafiaboss als Familienmensch

Sopranos |

Normalerweise geht der Held raus in die Welt, um Abenteuer zu bestehen. Tony Soprano fährt nach getaner Arbeit erst mal nach Hause – wo das wahre Leben wartet. Jede Folge beginnt mit dem Ritual der Rückkehr. Zu den Klängen von Alabama 3s Woke up this morning, got yourself a gun steuert der Don, Zigarre im Mund, seinen Dienstwagen heimwärts, vorbei an rauchenden Schloten, Bahnlinien und Brücken, bis nach North Caldwell, New Jersey, dem gutsituierten Vorort, wo Tony – der im Laufe der Serie sichtbar altert – stets mit demselben jugendlichen Schwung aus seinem Wagen aussteigt. Und los geht’s: Die Ehefrau will wissen, was aus ihr werden soll, wenn ihm mal was zustößt, die Tochter möchte das elterliche Auto haben, und der Sohn hat keinen Bock auf Sozialkunde. Der Mafiaboss als Familienmensch, der sich eben noch um seine Kinder sorgt und im nächsten Moment kaltblütig einen unbotmäßigen Mitarbeiter zu den Fischen schickt – das hat es auch schon vorher gegeben. Hinreißend und neu an den Sopranos ist die soziologische Präzision, mit der der „bürgerliche“ Alltag des aufstiegsorientierten Mafioso geschildert wird, und die Konsequenz, mit der dieser Alltag in den Mittelpunkt gestellt wird. Auch Verbrechen ist eben nur ein Job, bei dem man sich ein Burnout-Syndrom holen kann. Axel Henrici

 
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Kommentare
Megan Fox-Smith schrieb am 23.03.2010 um 10:09
Sopranos sind Kult!
Mingus schrieb am 21.04.2010 um 10:04
Besonders liebenswert: Tony besucht eine Psychotherapeutin. Das dürfen seine Kumpels natürlich nicht wissen - und die Therapeutin fragt sich so manches Mal, ob sie das alles überhaupt wissen will.
Hab mir die Sopranos staffelweise ausgeliehen und reingezogen - hoher Suchtfaktor!
d353rt schrieb am 04.01.2012 um 12:50
Sopranos Sind Super
Helena Neumann schrieb am 06.02.2012 um 11:27
Die Sopranos sind die am meisten verkannte TV-Serie: Kult, TV at its best.
Einfach Klasse, wenn Tony auf der Couch, mal liegend oder mal sitzend, plötzlich sexuelle Phantasien entwickelt von seiner Psychiaterin, während die angewidert über seine vermeintliche Reue bezüglich seiner Mord- und Liebesaffären, seiner komplett kriminellen Mutter, seines missratenen Sohns sich hilflos eine Haarsträhne aus ihrem gepflegten New-Yorker-Intellektuellen-Gesicht streicht.
Großartig, wie Tonys Ehefrau, die Vorstadt-Idylle beieinander hält, die Tochter in Harvard sehen will und alles daran setzt, dass ihr Spross, Antony, seine kriminelle Energie nicht schon im zarten Grundschulalter verpufft, sondern erst mal gute Manieren lernt.
Am besten aber ist Tonys Mutter, die Patin. Aus dem Altersheim hat sie ihren ödipal mit ihr verstrickten Sohn im Griff.
Und dann immer wieder Tony und seine mordenden, intriganten Verwandten: der gebeutelte Familienvater, der gestresste Mafioso, der genervte Liebhaber, der schmachtende Klient auf der Couch und immer wieder der reuige Gattte.
Helena Neumann schrieb am 06.02.2012 um 11:29
Sorry, nicht Harvard: John-Hopkins-University

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