Mit 14 ist die Welt ein öder Ort, ein undurchdringlicher Morast, ausweglos umzingelt von Feinden (Eltern, Lehrer, böswillige Altersgenossen). Die Verheißungen der Zukunft liegen noch in unerreichbarer Ferne. Fernsehen ist da der beste Eskapismus – umso mehr, wenn es dort um Menschen in derselben, pubertätsbedingt leidvollen Lebensphase geht. Willkommen im Leben (engl. My So-Called Life, was den Serienstoff wesentlich besser beschreibt als der viel zu optimistische deutsche Titel) erzählt vom Erwachsenwerden der 15jährigen Angela, hinreißend verkörpert von der jungen Claire Danes. Angela rebelliert gegen ihre liebevollen, aber spießigen Eltern, bricht mit alten Freunden und findet neue. Sie betet den coolen, introvertierten Schulverweigerer Jordan Catalano (Jared Leto) an, und diese Liebe ist genauso verzweifelt, bittersüß und von Sprachlosigkeit geprägt, wie es das erste Aufwallen romantischer Gefühle nun mal an sich hat. Im Gegensatz zu den üblicherweise realitätsresistenten, klinisch reinen Settings von Teenagersoaps (wie das zeitgleich ausgestrahlte Beverly Hills, 90210) ermöglicht My So-Called Life eine wirkliche Identifikation des Zuschauers mit den Protagonisten. Die Serie bemüht sich um einen sensiblen und anspruchsvollen Umgang mit den Höhen und Tiefen im Leben von Heranwachsenden, behutsam fängt sie deren Melancholie ein, die man nach vollendeter Adoleszenz schnell vergisst. My So-Called Life bringt Erinnerungen zurück, nicht nur an Ereignisse, sondern an subtile Stimmungen, die das Leben einige entscheidende Jahre lang geprägt haben. Nele Jensch
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