Alltag

Casual Games | 10.03.2009 15:35 | Nina Ernst

Einfach lustig

Puzzles für Mutti, virtuelle Ponys für die Schwester, Gehirn-Jogging für den Onkel: Simple Software für Gelegenheitsspieler boomt - auch wegen der Wirtschaftskrise

Was früher als seltsames Hobby für Jungs abgetan wurde, beschäftigt inzwischen alle Gesellschaftsschichten. Seit etwa zwei Jahren sind Videospiele raus aus der Schmuddelecke und mittendrin im Massenmarkt. Eine Runde Gedächtnistraining am Display zwischen Staubsaugen und Abwasch ist ebenso alltäglich wie das Karaokespiel bei der heimischen Party.

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Dass die zurückhaltenden Deutschen eine Spielernation geworden sind, liegt vor allem an den sogenannten Casual Games. Die kleinen Spiele für zwischendurch sind so gestaltet, dass selbst Spieleneulinge sie sofort bedienen können. Tiefgang und Grafikpracht sind dafür in dem Genre eher selten anzutreffen.

Als mit dem Erfolg der Konsolen Wii und DS ein regelrechter Casual-Boom ausbrach, haben die Spielehersteller immer mehr Minigames produziert. Jetzt türmen sich die Produkte in den Verkaufsregalen. Manchmal reihen sich mehr als fünf Varianten desselben Spielkonzepts für dieselbe Konsole aneinander.

In der Casualbranche geht es nüchterner zu

Während die Entwickler klassischer Spielestudios ständig nach Ideen suchen, mit denen sie Disks und Module für PC und Konsolen füllen können, etabliert sich parallel eine andere Branche, die größtenteils auf diese Datenträger verzichtet. Vergleichsweise kleine Firmen, die sich auf Portale mit Online- und Downloadspielen für die begehrte Zielgruppe spezialisieren.

Die haben sich kürzlich auf der Fachmesse Casual Connect in Hamburg getroffen. Üppig ausgestattete Stände und laute Präsentation waren hier genauso wenig zu finden wie die großen, etablierten Spielehersteller. In der Casualbranche geht es nüchterner zu. Kleine Spiele, kleine Teams, kleine Budgets. Trotzdem hantiert die Branche mit großen Erfolgszahlen.

„Das Casual-Segment wächst trotz Krise“, sagt Alla Khramtsova von der Casual Games Association, dem Veranstalter der Messe. Der Branchenzweig macht jährlich weltweit Umsätze von mehr als zwei Milliarden Dollar und wächst laut dem Verband rund 20 Prozent im Jahr. Wichtigstes Zugpferd sind die Onlineportale.

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Die Erben des Moorhuhns

Dort finden sich die geistigen Erben des Bürospielklassikers Moorhuhn. Die laufen dank geringer Hardwareanforderungen auf fast jedem Rechner und sind oft kostenlos. Das senkt die Hemmschwelle zum Ausprobieren genauso wie die kurzen Levels. Die Top 10 der Gelegenheitsspiele wird angeführt von dem Kartenspiel Solitaire, dem Klötzchenklassiker Tetris und dem Sortieren von Edelsteinen in Bejeweled.

Auch Browsergames boomen. Diese Onlinespiele laufen im Browserfenster ab und sind ideal, um über einen längeren Zeitraum immer mal wieder kurz zu spielen. Man klickt zum Beispiel in der Mittagspause ein paar Minuten auf dem Screen herum, um Rohstoffe auf fremden Planeten abzubauen oder den Gladiatoren zum Geldverdienen zu schicken. Nachmittags laufen die vorbereiteten Aktionen selbständig ab. Abends zu Hause ist dann alles bereit für den Bau eines neuen Raumschiffs oder den Kauf eines Schwerts.

Gegen etwa zwei bis fünf Euro gibt es mehr Statistiken, neue Hintergrundlayouts und andere Extras. Während der Kauf eines Konsolenspiels für 60 oder 70 Euro gut überlegt sein will, greifen die Nutzer bei kleinen Beträgen einfach zu. „Die Leute sparen wegen der Krise. Viele scheuen sich, viel Geld für ein Spiel auszugeben“, sagt Khramtsova. „Die wandern zum Teil ab von den großen Herstellern und kommen zu uns, weil das Risiko geringer ist. Außerdem können sie vieles erstmal kostenlos ausprobieren“, sagt sie.

 
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