Alltag

Piratenpartei | 22.06.2009 11:00 | Steffen Kraft

Ein schwankendes Schiff

Der Übertritt des Kinderporno-Verdächtigen Jörg Tauss bringt die Piratenpartei in fast unlösbare Schwierigkeiten. Und dann ist da noch die Frage: Wer soll diese Partei wählen?

Jörg Tauss hat sich entschieden, er tritt zu den Piraten über, jener Partei, die sich ein freies Internet auf die schwarze Fahne geschrieben hat. Passt ja auch gut: Hier der langjährige neue-medien-affine SPD-Sprecher für Bildung und Forschung, von Kinderporno-Ermittlungen in seiner Partei politisch neutralisiert. Dort eine Kleinpartei, die nicht nur kampagnenfähige Themen, sondern auch erfahrene und bekannte Personen braucht, um bei der Bundestagswahl einen Achtungserfolg zu erzielen.

Unvoreingenommen betrachtet sind die Piraten auf diesen Erfolg schlicht angewiesen – damit die Wahlkampfkostenerstattung ihr finanzielles Überleben sichert. Dennoch kann man ihnen eine gewisse Unerschrockenheit nicht absprechen. Welche Partei sonst würde einen unter Kinderporno-Verdacht stehenden Politiker derart überschwänglich begrüßen? Es stimmt natürlich, was deren Vertreter seit Freitag wie ein Mantra herunterbeten: dass die Unschuldsvermutung so lange zu gelten hat, wie Jörg Tauss nicht veruteilt ist. Das Problem ist: Mantren – auch solche, die Wahrheiten aussprechen – überzeugen in der Politik selten.

Zugegeben, es ist möglich, dass die Überzeugungskraft der Piratenpartei durch Tauss keinen Schaden nimmt, oder sie sogar an Glaubwürdigkeit gewinnt: wenn die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Tauss schnell von sich aus einstellt. Dann hätten die Piraten an ihrer Spitze ein lebendes Exempel, wie die Kontrolle von Netzinhalten Karrieren zerstören kann.

Sollte das nicht geschehen – wonach es im Moment aussieht –, kann Tauss versuchen, seine Unschuld in einem Prozess bestätigt zu bekommen. Das aber kostet Geld, wovon Tauss im Moment so wenig besitzt, dass er sein Eigenheim zum Verkauf gestellt hat. Am wahrscheinlichsten scheint zurzeit die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldbuße zu sein – was in den Augen der meisten Wähler jedoch einen Schatten auf Tauss' Lebenslauf hinterlassen wird.

Tauss ist Politiprofi genug, um zu wissen, dass er bei der nächsten Bundestagswahl wahrscheinlich kein Mandat erringen wird. Anfang vergangener Woche sagte der 55-Jährige dem Freitag noch: "Ich bin in einem Alter, in dem man nicht unbedingt etwas Neues anfängt". Dass er es sich anders überlegt hat, ist dennoch logisch. Er kann von seinem Übertritt nur profitieren.

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Tauss gewinnt mit der Piratenpartei eine leicht nutzbare Plattform für den Kampf um seinen Ruf. Überzeugt er seine neuen Parteifreunde, die Ermittlungen gegen ihn für den Wahlkampf zu nutzen, hat er die Anwaltskosten schon einmal vom Hals. Brachte die Berichterstattung über den Pirate-Bay-Prozess der schwedischen Schwesterpartei bei der Europawahl nicht immerhin neun Prozent? Und sollten die Piraten nach der Bundestagswahl dann noch eine Aufwandsentschädigung für den Bundesvorsitzenden beschließen, käme vielleicht sogar die monatliche Rate für die Hypothek wieder zusammen.

Das Geld dafür hätten die Piraten dann wahrscheinlich sogar. Für die ersten vier Millionen Wählerstimmen erhält jede Partei, die bei einer Bundestagswahl mehr als 0,5 Prozent erringt, 85 Cent pro Stimme. Für jede weitere Stimme gibt es dann noch 70 Cent.

Doch sollte sich die Piratenpartei von plötzlichen Geldflüssen und medialer Aufmerksamkeit nicht täuschen lassen. Ihr stehen programmatische Herausforderungen bevor, welche die Schwierigkeiten bei der Integration der Risikofigur Jörg Tauss weit in den Schatten stellen. Denn um mittelfristig ausreichend Stimmen zu gewinnen, braucht selbst eine Partei wie die der Piraten ein Milieu, aus dem sie vornehmlich ihre Wähler gewinnt. Die jungen, urbanen und netzaffinen Kreativarbeiter scheinen da eine natürliche Zielgruppe zu sein.

Damit die aber nach Abklingen der Anfangseuphorie Sympathisanten bleiben, braucht es mehr als die Forderung nach einem offenen Netz. Es braucht einen Blick dafür, wie sich die Forderung nach einem laxeren Urheberrecht auf die Prekariatsexistenz dieser Menschen praktisch auswirkt.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Boomel schrieb am 22.06.2009 um 14:08
helmschrott.de/blog/causa-jorg-tauss-ergebnisse-nach-einer-stunde-internetrecherche/

ein kleiner überblick was da vorgeht.

Solange Herr Tauss nicht verurteilt ist, und nach meinem Wissensstand geht es nicht um hudnerte , tausende sondern 20-30 Bilder, hat man ihm mit der Unschuldsvermutung gegenüber zu stehen.

Von der Thematik her ist er sehr sehr passend für die Piratenpartei!

Und nachdem links und rechts Vermutungen den Piraten gegenüber nicht erfolgreich sind, versucht man es eben gleich die Tauss´sche Kipo-Keule über die ganze PArtei zu schwingen.

Ich finde es schön mit anzusehen wie immer mehr Panik an Bord der derzeitigen Regierung aufkommt.

Piratenpartei ftw!
jfricke schrieb am 22.06.2009 um 14:39
Schade, dass der Freitag auch nur das wiederkaut, was andere Medien bereits schreiben. Der Link von Boomel zeigt, wie eigenständiger Journalismus aussehen kann. Alle von Mainstream verfasste Meldungen lesen sich hingegen so "Natürlich gilt die Unschuldsvermutung, aber ...".
Steffen Kraft schrieb am 22.06.2009 um 14:52
Nun, das könnte auch daran liegen, dass Vorverurteilungen nun leider zur gesellschaftlichen Realität gehören - was eben politische Auswirkungen hat, egal ob man sich diesen Urteilen anschließt oder nicht.

Aber wenn andere Medien auch über anstehende Programmdebatten und die möglicherweise eigennützigen Motive von Tauss bei den Piraten einzutreten, geschrieben haben, kann das den Piraten doch nur Recht sein (bin für Links dankbar).
Daniel B. schrieb am 22.06.2009 um 15:56
Vielleicht ist ja auch die Piratenpartei ein Beleg dafür, dass es nicht nur in den "Mainstreammedien" mediale Hypes gibt. Diese dauernde Selbstbestätigung der Bedeutsamkeit des Achtungserfolgs einer radikalen Ein-Punkt-Partei ist schon eher amüsant. Deshalb sehr schön, dass hier auch einmal eine kritische Perspektive eingenommen wird.

Zumal ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass hinter der Begeisterung, die so mancher zeigt und der gleichzeitigen heftigen Kritik an den etablierten Kräften eine gewisse demokratische Unreife steckt.

Schließlich ist es ja eigentlich nicht so erstaunlich, dass es eine lebhafte gesellschaftliche Diskussion darüber gibt, was im weitgehend rechtsfreien Raum des Inet zukünftig möglich sein soll und wie eine Regulierung überhaupt aussehen kann. Und wenn ich mich nicht ganz irre, dürften da die Verfechter des Standpunkts, dass jeder Versuch des Eingriffs aufgrund von dessen natürlich logisch folgender Ausweitung auf legitime Formen der Selbstbetätigung (vor allem auf poltische Blogger hat es der teuflisch-geniale Masterplan wohl abgesehen) illegitim ist, klar in der Minderheit sein.

Aber das ist natürlich nur der Tatsche geschuldet, dass all die anderen Dumpfbacken - pardon Wähler - manipuliert oder uninformiert sind. Wenn sich andere Standpunkte durchsetzen, ist dass ja der eindeutige Beleg, dass die Demokratie nicht funktioniert. Schlimmer als in China!
Steffen Kraft schrieb am 22.06.2009 um 15:59
:-)
Boomel schrieb am 22.06.2009 um 16:27
rechtsfreier raum?
radikale Partei?

setzen 6...

beides stimmt nicht im geringsten!
Baszlo schrieb am 22.06.2009 um 16:09
Vorverurteilungen? Die gibt es - warum auch nicht?
Tauss hat doch zugegeben Kinderpornos besessen zu haben und damit gehandelt zu haben und das ist nun mal illegal (auch wenn er damit angeblich einen Kinderpornoring sprengen wollte....).
Es spielt eigentlich gar keine Rolle ob die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt und Tauss verurteilt wird, denn wenn nicht, wird man darin sowieso nur die Vorzugsbehandlung eines Politikers vor Gericht sehen. Was sie ja auch wäre, denn wie gesagt, der Besitz und Handel von Kinderpornografie ist illegal - auch für Politiker!
M.M.n. hat sich die Piratenpartei mit der Aufnahme von Tauss keinen Gefallen getan, auch wenn sie so in die Medien kommt, denn an Tauss wird nun stets der Ruf des Pädophilen kleben.
Boomel schrieb am 22.06.2009 um 16:30
der Ruf klebt, genauso wie die Piratenpartei in die linke oder rechte Ecke zu drängen.

Frau von der Laien hat sich ebenfalls Kinderpornografie zeigen lassen und diese auch rumgezeigt. Also die Familienministerin darf das und der beauftragte Abgeordnete für "neue Medien" in der Bundesregierung darf das nicht?

Alles eine Farce für mich, hier nochmal zum mitlesen was da etwas genauer gelaufen ist:

helmschrott.de/blog/causa-jorg-tauss-ergebnisse-nach-einer-stunde-internetrecherche/
Baszlo schrieb am 22.06.2009 um 16:36
"Also die Familienministerin darf das und der beauftragte Abgeordnete für "neue Medien" in der Bundesregierung darf das nicht?"

Ich bin nicht die Justiz und ich schrob ja von der "Vorzugsbehandlung eines Politikers vor Gericht"!
Ich würde als Staatsanwalt beide anklagen! Und müsste mir danach vermutlich einen anderen Job suchen... :-(
Steffen Kraft schrieb am 23.06.2009 um 11:40
Achtung, Tatsachen (und Unterschiede) beachten: Tauss hat den fragwürdigen Kontakt in seinem Urlaub hergestellt und niemand darüber informiert, von der Leyen hingegen machte das ganz offiziell.
ebertus schrieb am 22.06.2009 um 18:59
Wiederkäuen, Vorverurteilen, Existenz begrenzen!

Aus der Distanz ist die Ächtung von Kinderpornographie kein Naturgesetz, in manchen Ländern bis heute wohl nicht mal strafbar und in unseren Breitengraden stand z.B. Homosexualität ebenfalls auf dem Index, erlaubt dennoch heute hohe und höchste Staatsämter. Nein, nein, Äpfel mit Birnen...?

Dann anders herum. Die Inhalte und ggf. zu besetzenden Positionen/Funktionen der Piratenpartei sind vollkommen und absolut unabhängig von Tauss. Sich über eben diese Inhalte auseinander zu setzen wäre Aufgabe der Medien, und speziell des Freitag, in seiner bewußten Abgrenzung vom medialen Mainstream, wie das Augstein in seinem kürzlichen Interview mit der FR noch so selbstbewußt postulierte.

Dieser Artikel hier ist das vordergründige, "freitägliche" Pauli-Bashing in bester "sex sells" Manier und daüber hinaus vollkommen inhaltslos, beinahe ein reload des doch so staatstragenden Radikalenerlasses, zumindest in Anlehnung an Degenhardt's Schmuddelkinder. Als weitere Empfehlung hier bzw. in Erwartung des "Koch-Mehrin Babybauch" vs. "INSM-Support/Europawahl" (wegen der hier mehrfach angesprochenen Piraten-Finanzierung) verbleibe ich...mfg
Steffen Kraft schrieb am 23.06.2009 um 11:15
Sie halten die Ächtung von Kinderpornographie für vergleichbar mit der Diskriminierung von Homosexuellen? Da scheint mir was durcheinander geraten zu sein: Soweit ich sehe, geht es den meisten Homosexuellen (genauso wie den meisten Heteros) nicht darum, jemanden für eigene Zwecke zu missbrauchen.

Jenseits dessen geht es natürlich um die Inhalte und Ziele der Partei genauso wie ihrer herausragenden Mitglieder. Und da scheint mir den Piraten noch einiges an Programm- wie Integrationsarbeit notwendig, wollen die Piraten nicht selbst missbraucht werden.
ebertus schrieb am 23.06.2009 um 12:47
Durcheinander geraten? Ja, natürlich. Wenn man den jeweils geltenden kulturellen und ethischen Kontext vollkommen negiert, wenn man in Bezug auf Homosexualität "lediglich" und absolut blauäugig von Diskriminierung spricht, geographische und historisch-zeitliche Wahrheiten ausblendet, ja dann gerät da schon mal etwas aus der Bahn.

Dennoch sei Ihnen die Recherche überlassen bzw. anempfohlen: Bis wann auch hierzulande Homosexualität strafbedroht war, welche Strafen wurden im Einzelfall vollstreckt und wo in der globalisierten Welt dieses analog gilt - bis heute. Vielleicht finden Sie dabei auch Länder, mit denen wir ganz neutral bis positiv Handel und Wandel betreiben.

Btw. Als Vater zweier (mittlerweile) erwachsener Mädchen hatte/habe ich natürlich immer Sorge, dass meinen Kindern und ggf. Enkeln "so" etwas negatives zustößt. Noch mehr Sorge habe ich allerdings vor der leyenhaften Instrumentalisierung incl. derer medialer Lautsprecher. Das mündet in der Regel im sog. "gesunden Menschenverstand", auch "am deutschen Wesen..." und schlußendlich in Selbstjustiz, deren Ächtung nun wirklich ein hohes ethisch-kulturelles Gut ist.

Wehe den Instrumentalisierern!
Steffen Kraft schrieb am 23.06.2009 um 13:28
Ich verstehe nicht. Zu welcher Zeit, in welchem Kontext ging es den Homosexuellen denn um Missbrauch?
M1xP1yne schrieb am 22.06.2009 um 20:35
Interessant.
Wie kommt man denn zu folgenden Behauptungen:

1."Unvoreingenommen betrachtet sind die Piraten auf diesen Erfolg schlicht angewiesen – damit die Wahlkampfkostenerstattung ihr finanzielles Überleben sichert"

Welche Hinweise haben Sie, dass die Piratenpartei ohne die WKE nicht überleben kann? Es ist für mich nicht ersichtlich, worin hier die riesigen Ausgaben bestehen sollten, welche die Partei in den Ruin treiben könnten.

2. "Welche Partei sonst würde einen unter Kinderporno-Verdacht stehenden Politiker derart überschwänglich begrüßen?"

Soweit ich weiß, gab es doch ziemlich Kontroversen innerhalb der Partei um den Eintritt von Jörg Tauss...

3."Tauss gewinnt mit der Piratenpartei eine leicht nutzbare Plattform für den Kampf um seinen Ruf. Überzeugt er seine neuen Parteifreunde, die Ermittlungen gegen ihn für den Wahlkampf zu nutzen, hat er die Anwaltskosten schon einmal vom Hals. Brachte die Berichterstattung über den Pirate-Bay-Prozess der schwedischen Schwesterpartei bei der Europawahl nicht immerhin neun Prozent? Und sollten die Piraten nach der Bundestagswahl dann noch eine Aufwandsentschädigung für den Bundesvorsitzenden beschließen, käme vielleicht sogar die monatliche Rate für die Hypothek wieder zusammen."

Könnte natürlich auch sein, dass Tauss einfach von der Partei überzeugt ist. Aber vielleicht bin ich einfach nicht so zynisch wie der Autor.

4. "Denn um mittelfristig ausreichend Stimmen zu gewinnen, braucht selbst eine Partei wie die der Piraten ein Milieu, aus dem sie vornehmlich ihre Wähler gewinnt. Die jungen, urbanen und netzaffinen Kreativarbeiter scheinen da eine natürliche Zielgruppe zu sein."

Durchaus zutreffend, könnte man vielleicht aber etwas mehr ausführend.

Kritik zu leisten ist das eine, und oft auch ein Freundschaftsdienst. Wenn sie konstruktiv ist, natürlich. Kritik zu leisten, die weder besonders fundiert, noch besonders fair formuliert ist, ist was ganz anderes. Vielleicht ist es nur so ein Gefühl von mir, aber Ihre Artikel über die Piratenpartei scheinen schon sehr gehässig formuliert zu sein.
Steffen Kraft schrieb am 23.06.2009 um 11:36
Vielen Dank für Ihre Anmerkungen, auf die ich gerne antworte:

Zu 1.: Wie jede Partei werden die Piraten sich nicht von Spenden allein über Wasser halten können - außer sie machen sich abhängig von finanzkräftigen Sponsoren, die dann allerdings auch Einfluss ausüben. Das aber will und kann ich der Piratenpartei bisher nicht unterstellen.

Zu 2.: Wenn es diese Kontroversen an der Basis gibt, werden Sie von den Vertretern, mit denen ich gesprochen habe, ausgezeichnet unterm Deckel gehalten. Das waren der Berliner Landesvorsitzende, der stellvertretende Bundesvorsitzende sowie ein führendes Mitglied des Landesverbands Baden-Württemberg.

Zu 3.: Sicher stimmt Tauss mit vielen Zielen der Piratenpartei überein, das sagt er ja selbst. Anfang vergangener Woche sagte er dem Freitag allerdings auch, dass er die Piraten lieber zur SPD ziehen wolle als überzutreten. Dass sich am Donnerstag seine inhaltlichen Überzeugungen schlagartig geändert haben, wage ich zu bezweifeln. Wahrscheinlicher scheint mir nach der offenbar gewordenen Isolation in der Fraktion eine Kosten-Nutzen-Analyse, die seine persönliche Situation einbezieht.

Zu 4.: Keine Sorge, wird geschehen. Kenne die Planung des Kulturteils nicht genau, aber wenn nichts schief läuft, sollte es etwas zur Frage vom Urheberrecht in der kommenden Ausgabe geben.

Kritisch sind wir, auch gegenüber der Piratenpartei, das ist unser Anspruch. Aber gehässig? Schauen Sie hier:

www.freitag.de/politik/0924-piratenpartei-zensursula-partei-online-petition

www.freitag.de/alltag/0924-piratenpartei-europaparlament-schweden-europawahl

www.freitag.de/alltag/0917-piratenpartei-urheberrecht-interview
M1xP1yne schrieb am 23.06.2009 um 20:38
Danke auch für Ihre Antwort.

Vorab:
Es ist ja nicht so, dass ich nicht einiges, was in diesem Artikel geschrieben wurde, durchaus ähnlich sehe. Allerdings kann ich mich weder mit der Art der Schreibe, noch mit der Tatsache anfreunden, dass Sie zwar einige Probleme sehr richtig aufzeigen, es dann aber dabei belassen, ohne Lösungen aufzuzeigen. Vielleicht rührt daher auch mein negatives Gefühl Ihrem Artikel gegenüber her.

Zu 1.
Nennen Sie mich naiv, aber ich denke, dass es durchaus ausreichend ist, sich auf WKE oder Spenden zu verlassen. Einen Sponsor oder eine Unternehmerische Tätigkeit der Piratenpartei sehe ich ebenfalls durchaus sehr kritisch, dass wird aber in nächstes Zeit nicht zu befürchten sein.

Zu 2.
Ich glaube nicht, dass Ihnen die Vorsitzenden der Partei die Schwierigkeiten einfach so auf die Nase binden. Natürlich sind Sie als Journalist darin so unbegabt wohl nicht, Menschen INformationen abzuknöpfen, die diese sonst nicht hergeben würden.
Trotzdem wäre es vielleicht von Vorteil, die Diskussion an der Basis direkt zu verfolgen. Diese wird ja zwangsläufig übers Internet stattfinden...

Zu 3.
Man kann nie wissen, was in einem Menschen vorgeht. Ich will Ihre logisch begründete Annahmen zwar nicht ausschliesen, aber mein Menschenbild ist dann doch zu positiv. Zudem denke ich, dass die Mehrheit der Menschen gar nicht in der Lage ist, die eigene Situation derart rational einzuschätzten, und die entsprechenden Schritte zu planen. Letztlich sind da zuviele Emotionen mit drin.

Zu 4.
Komme heute leider nicht zum lesen, werde es morgen tun.

MfG

Max
Steffen Kraft schrieb am 24.06.2009 um 10:51
Die Frage ist natürlich, ob man als Außenstehender der Piratenpartei die Programmarbeit abnehmen kann. Aber, wie gesagt: Zum Verhältnis von so genannten Raubkopierern und Kreativen wird es in der nächsten gedruckten Ausgabe (26/2009) einen Kulturkommentar geben - ab Donnerstag am Kiosk und dann auch im Netz.

Und dass eine Zeitung auch zu einzelnen politischen Fragen Alternativen zur Diskussion stellen sollte, stimmt ebenfalls: www.freitag.de/politik/0925-internetsperren-von-der-leyen-clearingstellen-alternativen

Offenbar haben wir uns bei der WKE missverstanden. Denn genau darum ging es ja: die Piratenpartei braucht neben Spenden Staatsgeld (abhängig vom Wahlkampferfolg), um langfristig bestehen zu können.

Zur Aufnahme von Tauss: Es gibt doch keine ernst zu nehmende innerparteiliche Bewegung (auch nicht im Netz), die sich gegen Tauss' Aufnahme wendet. Oder wollen Sie sagen, dass die Piraten schon eine massive Basis/Führung-Spaltung haben?

Ich denke, in ihrem Eindruck zum Stil auch unserer kritischen Begleitung an der Piratenpartei steckt in der Tat ein interessanter Kern. Zum einen stellt er natürlich eine Anfrage an uns (und mich), die ich sehr ernst nehme.

Allerdings habe ich zuweilen auch das Gefühl, dass die Piraten sich selbst als Partei nicht so ganz ernst nehmen, dass sie glauben, von politischen Gegnern und Medien anders - sanfter - behandelt werden zu müssen als andere Parteien.

Das aber lässt sich mit dem Ethos eines kritischen Journalismus doch eher nicht vereinbaren. Ich finde: Fairness ist das Entscheidende.
M1xP1yne schrieb am 25.06.2009 um 23:16
"Offenbar haben wir uns bei der WKE missverstanden. Denn genau darum ging es ja: die Piratenpartei braucht neben Spenden Staatsgeld (abhängig vom Wahlkampferfolg), um langfristig bestehen zu können."

Aber genau die bekommt Sie doch auch, oder habe ich das System jetzt falsch verstanden?

"Zur Aufnahme von Tauss: Es gibt doch keine ernst zu nehmende innerparteiliche Bewegung (auch nicht im Netz), die sich gegen Tauss' Aufnahme wendet. Oder wollen Sie sagen, dass die Piraten schon eine massive Basis/Führung-Spaltung haben?"

Naja, viel Basis hat die Piratenpartei ja eigentlich nicht ;- )
(2692 Behauptet zumindest die Partei)

wiki.piratenpartei.de/Mitglieder

Soviel zu spalten gibts da wohl nicht. So wie ich es gehört habe, war es definitiv nicht unumstritten, Jörg Tauss aufzunehmen. Alles andere würde mich doch sehr wundern. Aber es wird sich zeigen, ob das nur Netzrauschen war. Wenn es Risse gibt, muss man nur die erste Niederlage abwarten, dann wird sich alles zeigen.

Keine Ahnung, ob die Piraten gerne eine Kuschelkurs hätten, aber spätestens mit der Sache auf Phönix hat sich das ja erledigt. Die Frage war ja auch nicht, ob Sie kritisch sind, sondern wie kritisch Sie sind. Das Sie das aber aufgreifen, spricht aber für Sie. Ansonsten fand ich den Artikel gut, denn die Fragen, die gestellt wurden, werden noch beantwortet werden müssen. Sehen wir also mal, wohin das Schiff fährt...

Interessanterweise hat Herr Augstein ja eine sehr ähnliche Metapher für den Freitag benutzt. Schwankt Euer Schiff eigentlich auch schon ;- )
SteinMain schrieb am 23.06.2009 um 05:08
Ich weiss nicht, also irgendwie, wenn ich persönlich unter Kinder-(porno)-Verdacht stehen würde, würde ich mich mal ein paar Wochen völlig aus dem Licht der Öffentlichkeit fernhalten. Man kann so einen wirklich schwerwiegenden Vorwurf dann später, bei einer etwas gesetzteren Gangart und Redeweise, möglicherweise entkräften, wenn es keine Grundlage hat, aber sich so etwas anhängen zu lassen (wie gesagt, möglicherweise ohne Grundlage) und gleichzeitig an der Politikkarriere zu arbeiten, ist einfach kein Stil.
Schnabulant schrieb am 25.06.2009 um 14:16
Kann es sein, dass sich da ein Tippfehler eingeschlichen hat? Die 9% verwirren mich. Sind vielleicht 0,9% gemeint?#

Zitat: "Brachte die Berichterstattung über den Pirate-Bay-Prozess der schwedischen Schwesterpartei bei der Europawahl nicht immerhin neun Prozent?"
Steffen Kraft schrieb am 25.06.2009 um 14:28
In Deutschland kam die Piratenpartei auf 0,9 Prozent. Die schwedische Schwester hingegen sendet jetzt wegen ihres Wahlerfolgs ja gar einen Abgeordneten ins Europaparlament.

Aber ihr Hinweis hat mich trotzdem eine Inkorrektheit entdecken lassen. Die schwedischen Piraten bekamen laut amtlichem Endergebnis 7,13 Prozent, nicht neun wie in den letzten Hochrechnungen verkündet: www.elections2009-results.eu/de/sweden_de.html
Bildungswirt schrieb am 25.06.2009 um 15:10
Schade um den frischen Start der Piratenpartei, der auch im FREITAG ein positives Echo in der Community auslöste.

Warum solch eine Belastung mit Jörg Tauss eingehen? Die Piratenpartei handelt sich ohne Not unkalkulierbare Nebenschauplätze ein.
Die Gefahr besteht, das die Piraten zu Zauberlehrlingen mutieren ... und dann will es, wie immer, keiner gewesen sein.

Gruß BW


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