Alltag

Werbekritik | 09.07.2009 14:40 | Felix Lüttge

Na Lobo!

Der Blogger Sascha Lobo wirbt für Vodafone. Daran sind zwei Dinge fraglich: 1. Dürfen Blogger Werbung machen? 2. Als iPhone-Besitzer müsste er Telekomkunde sein

Sascha Lobos Markenzeichen ist sein roter Irokesenschnitt. Wenn man Werbung glauben darf, ist er „der bekannteste Blogger Deutschlands.“ So beschreibt ihn zumindest das Mobilfunkunternehmen Vodafone auf einem neuen Plakat. Ebenso wie in dem neuen TV- und Kinospot, in dem Lobo ebenfalls einen kurzen Auftritt hat. Für die Kampagne hat er sich in einen Berliner Bus gesetzt und ein Smartphone in die Hand genommen. Der Werbespot, in dem mit Ute Hammelmann noch eine weitere Bloggerin auftaucht, richtet sich laut Vodafone an die „Generation Upload“. Das sollen all die Menschen sein, die die Welt verändern wollen – und dafür die Produkte von Vodafone nutzen.

Nun ist Sascha Lobo selbst als "bekanntester deutscher Blogger" noch kein Prominenter. Außerhalb der Blogosphäre kennt ihn so gut wie niemand, innerhalb der Szene ist er zumindest umstritten: Narzissmus und Ausverkauf werfen ihm Kritiker vor. Und tatsächlich steht die Frage im Raum, wie authentisch Blogger sein können, wenn sie Werbung machen. Immerhin halten sie sich für unabhängiger als die Mainstream-Journalisten und wehren sich gegen jede Art von Zensur, auch gegen Selbstzensur.

Bei der ist Lobo vielleicht schon angekommen. Denn das Smartphone in seiner Hand ist natürlich kein iPhone, denn die gibt es mit einem Vodafone-Vertrag offiziell nicht zu kaufen. Innerhalb der Blogosphäre ist freilich bekannt, dass Lobo iPhone-Besitzer ist und damit eigentlich Telekomkunde sein müsste. Für Vodafone ist das ein Risiko: Das Unternehmen will mit der "Generation Upload" eine auf Authenzität bedachte Käuferschicht erreichen. Für Lobo wenigstens ist es ein Glück, dass er keine Werbung für T-Mobile macht: Dann hätte er sich seine Vodafone-roten Haare magenta färben müssen.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
dk1982 schrieb am 09.07.2009 um 15:29
Geld lockt alle. Nicht nur "heute"- oder "Tagesthemen"-Moderatoren. Vielleicht nutzt er privat aber auch einfach ein gehacktes iPhone?
klara schrieb am 09.07.2009 um 17:10
"Dürfen Blogger Werbung machen?" Das finde ich, mit Verlaub, eine unsinnige Frage. Sascha Lobo zählt selbsterklärtermaßen zum Prekariat, er nennt es Arbeit. Er braucht Geld. Wie jeder andere.

Interessanter an diesem Werbeauftritt ist, dass er - Mitglied des Online-Beirats der SPD - wegen deren Netzsperren-Zustimmung die Arbeit dort "ruhen" lässt. netzpolitik.org/2009/online-beirat-der-spd-gegen-zensurgesetz/

Für Vodafone zu arbeiten, kollidiert offenbar nicht mit Lobos Moral, obwohl dieser Provider die Netzsperren (trotz "Bedenken" is.gd/1sjXF) unterstützt: is.gd/1sjSt

Die Arbeit im Online-Beirat ist meines Wissens "ehrenamtlich" (allerdings darf man dann allerlei Interviews führen, um noch bekannter zu werden und noch mehr Kontakte zu machen, noch mehr Leuten seine nervtötenden Haare zu zeigen...)

Moral darf halt nichts kosten. Und Selbstvermarktung ist doch die große Kunst in dieser Wirtschaft, egal, ob Blogger oder nicht. Sascha Lobo beherrscht sie wie kein zweiter: ein großer Selbstvermarktungskünstler. Der immer langweiliger wird.

"Und tatsächlich steht die Frage im Raum, wie authentisch Blogger sein können, wenn sie Werbung machen."
Authentizität ist eine Zuschreibung. Mithin: PR-tauglich. Lobo hat nie behauptet, dass er als Diogenes in der Tonne sich mit der Sonne begnügt. Er hat nie verheimlicht, dass er geil ist darauf, bekannt zu sein - und nichts dagegen hat, Geld zu machen.(Im Übrigen ist der Spot grottig)Sobald jemand ein "Markenzeichen" hat, ist Schluss mit authentisch. Sobald es um Geld geht, gibt es authentisch nicht mehr. Wir machen uns alle zu Waren in der Warenwelt, weil wir uns alle verkaufen - Lobo besser als die meisten.

Sobald von "A-Bloggern" die Rede ist, wird einem doch schon übel. Zuschreibungen! Etiketten. Ehrennadeln. Mit denen sich offenbar echtes, haptisches Geld verdienen lässt. Noch kann man Buchstaben auf Bildschirmen ja nicht essen, nicht wahr?

Die eigentliche Frage lautet nicht, was Blogger dürfen (wer sollte das eigentlich "erlauben), sondern: Warum glaubt man immer wieder all diesen Leuten, die im eigenen Interesse glauben machen wollen, sie seien etwas Besseres, Anderes, "Authentischeres"? Blogger sind auch nur Menschen. Denen man auf den Leim geht. Die der schönen neuen Welt auf den Leim gehen.
;-)
klara schrieb am 09.07.2009 um 17:14
PS Was hat Lobo eigentlich mal Interessantes gesagt? Kann man sich an irgendwas erinnern, das der Erinnerung wert wäre? Das sich eingebrannt hätte? Ein kostbarer Gedanke wäre (nicht ein aufmerksamkeitsheischender Gag). Irgendwas? Außer dem Haarschnitt?

...
na also.
Titta schrieb am 09.07.2009 um 17:25
Ich kenn den nicht mal.
Aber ich kenn ja auch Karl-Heinz nicht.
Und viele andere kenn ich auch nicht.
klagefall schrieb am 09.07.2009 um 17:29
Vielleicht ist er ja gerade deshalb so beliebt in der online-Welt, klara.
mh schrieb am 09.07.2009 um 17:37
seh ich soweit genauso.

und wenn die unternehmen die blogger mitnehmen, ihnen was abgeben vom kuchen, dann wird die blogosphäre auch ruhiger werden.

was alle eint, scheint der glaube, langfristig anders zu sein als alle anderen. aus der aktuelleren geschichte heraus betrachtet, zeigen spätestens die grünen mit frontman joschka, dass dem nicht so ist und wohl niemals so sein wird.

nur die mittel ändern sich und suggerieren, es gäbe einen fortschritt und eine tiefgehende wandlung.

mfg
mh
Jan Jasper Kosok schrieb am 09.07.2009 um 17:45
Was ich an Blogs immer so spannend finde, ist dass eigentlich jeder Blogger - ich inklu - glaubt, man könnte den klassischen Medien ein Schnippchen schlagen und sie überholen. Wir sind ja schneller, besser, moderner. Ist klar.

Was ich aber noch viel spannender finde, ist, dass wir dabei vergessen, dass wir offensichtlich auch viel schneller darin sind, uns auf unseren dicken Hintern zu setzen und dem Status Quo zu huldigen. Das ist vor allem spannend, weil wir aus Produktzyklensicht einen Teil der Medien darstellen, der sich überholt, bevor er überhaupt rentabel geworden ist. Zumindest das haben die Altforderen besser hinbekommen.
Steffen Kraft schrieb am 09.07.2009 um 17:53
Es stimmt, Authentizität und Unabhängigkeit sind Zuschreibungen.

Allerdings scheinen es mir auch die Selbstzuschreibungen vieler Blogger zu sein. Gehören diese beiden Begriffe meiner Erfahrung nach doch zur Standardantwort auf die Frage, was Blogger von professionellen Journalisten unterscheidet (obwohl viele Blogger als Journalisten arbeiten).

Auch wenn natürlich beides wahrscheinlich nicht stimmt (im Fall der Unabhängigkeit ist meist wohl das Gegenteil wahr), scheint es sich doch um einen hartnäckig gehaltenen Selbstanspruch zu handeln.
klara schrieb am 09.07.2009 um 17:53
"Was ich aber noch viel spannender finde, ist, dass wir dabei vergessen, dass wir offensichtlich auch viel schneller darin sind, uns auf unseren dicken Hintern zu setzen und dem Status Quo zu huldigen. Das ist vor allem spannend, weil wir aus Produktzyklensicht einen Teil der Medien darstellen, der sich überholt, bevor er überhaupt rentabel geworden ist. Zumindest das haben die Altforderen besser hinbekommen."
Gut gesagt. Da beißt sich sozusagen die Katze in den Schwanz - in rasender Geschwindigkeit... Neu neuer am neuesten sieht eben am Ende - ganz schön alt aus. Am spießigsten sind die verkrampften Nichtspießer (man kennt das). Am wenigsten "innovativ" die selbsternannte Avantgarde. Des Kaisers neue Kleider sind fadenscheinig. Lasst uns ein, zwei viele A-Blogger werden, das ganze Alphabet hindurch, jeder, der A sagt, muss dann auch B sagen.

"nur die mittel ändern sich und suggerieren, es gäbe einen fortschritt und eine tiefgehende wandlung."
Hm. Einem derartigen Kulturpessimismus zu huldigen wäre m.E. nicht nur aus psychologischen Gründen kontraproduktiv, sondern auch unsachlich. Das ist aber auch eine Definitionsfrage: Was ist Veränderung? Worin besteht sei? Für wen ist sie fühlbar und sinnvoll? Wenn ich meine Meinung - hier, oder anderswo, egal welche, - sagen kann, schreiben kann, ohne dafür eingesperrt zu werden, dann ist das durchaus ein Fortschritt im Vergleich zu, sagen wir, der Hexenverbrennung. Man sollte das nie gering schätzen. Fortschritt bleibt Fortschritt auch dann, wo er selbstverständlich ist.
Streifzug schrieb am 09.07.2009 um 18:11
Es gibt den Blogger so wenig, wie es das Handy gibt.
Wenn ein Blogger für ein Handy Werbung macht bedeutet das Nichts.
Matthias Dell schrieb am 10.07.2009 um 00:17
@streifzug
d'accord
mh schrieb am 09.07.2009 um 18:09
@j: das leben ist schon spannend, hm? ;)

ich bezweifle allerdings, dass blogger wirklich schneller sind. das ist mE nur ein reiner masseneffekt, den ein einzelner blogger aber niemals wird leisten können. bei der schieren masse dann wiederum die rauszufiltern, die aktuell und schneller sind, für jede einzelne situation, kann der leser wiederum kaum leisten.

mein halber tag findet innerhalb eines informationssystems statt. passiert was wichtiges, gibts ne blaue zeile seitens ner agentur, kurz drauf folgt es etwas ausführlicher, dann kommen immer mehr news rein die den ursprungsartikel resp. die erste infozeile ergänzen.
das system der agenturen ist da an schnelligkeit kaum zu überbieten.

blogs lese ich nur aus zwei gründen: ergänzende informationen fernab vom mainstream + ggf. diskussion darüber. wobei beides auch themenspezifische boards mit größerer userschaft zu leisten vermögen.

ansonsten sind blogs für mich purer personenkult mit dem zusatz, dass man noch darüber labern kann.

soll heissen: man braucht keine blogs, um aktuell informiert zu sein. es mehr eine gesellschaftliche angelegenheit mit bestenfalls ergänzender information.

zeitungen hingegen brauch ich gar nicht, da eine eindimensionale information stattfindet. wären die internetangebote von zeitungen gut, würden sie all das vereinen und zentralisieren. hierhin wird sich journalismus bewegen müssen.

mfg
mh
sport schrieb am 09.07.2009 um 19:08
Es muss im Sommer 2006 gewesen sein. Ich stolperte in der größten Buchhandlung in der Innenstadt über ein Buch:

-Wir nennen es Arbeit: Die digitale Boheme oder: Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung -

Autoren waren ein gewisser Holm Friebe und ein gewisser Sascha Lobo.

Ich lese in Büchern immer ca. 40 Minuten quer in der Buchhandlung und entscheide dann über einen spontanen Kauf. Dieses Buch legte ich wieder ins Regal zurück.

Lobo sah ich dann irgendwann in einer Fernsehsendung. Okay die Fernbedienung war schnell gezückt.

Dieser Sascha Lobo ist kein Schwergewicht. Ich muss auch immer wieder schmunzeln wenn einzelne ihn als Vermarktungskünstler sehen. Oder als A a A ohh wie war das noch..achso Alpha Blogger.

Don Alphonso, Jens Weinreich, Jürgen Kalwa, Kai Pahl um nur einige zu nennen sind Schwergewichte in der deutschen Bloglandschaft. Die ersten drei sind Journalisten, Buchautoren und sehr erfahrene und oft gelesene und zitierte Blogexperten.

Don Alphonso alias Rainer Meyer hat momentan drei aktive Blogs am laufen. Er schreibt seit vielen Jahren in der Blogbar, in rebell ohne Markt und seit vielen Monaten sehr erfolgreich und gut dotiert für die FAZ in Die Stützen der Gesellschaft.

Jens Weinreich wurde gerade mit dem Grimme Online Award 2009 ausgezeichnet. Wie er momentan journalistisch wieder den Fall Claudia Pechstein im Blog jensweinreich aufarbeitet ist beispielgebend. Das ist investigativer Journalismus der Extraklasse. Er zeigte auch dem Funktionär Theo Zwanziger vom Deutschen Fußballverband die Stirn.

Journalist Jürgen Kalwa lebt seit vielen Jahren in New York und schreibt für Zeitungen wie die FAZ und betreibt sehr erfolgreich das Blog american-arena.

Kai Pahl hat auch bereits ein Buch mit Don Alphonso herasgegeben. Bis 30.04.2008 war er inhaltlich mit Don Alphonmso für die Blogbar verantwortlich. Kai Pahl betreibt seit vielen Jahren sehr intensiv das Blog allesaussersport.

Nun wieder zu Lobo. Sein Blog haut einen nicht um. Der Werbespot wurde bereits in der W&V Nr. 27 angekündigt. Da habe ich bereits das erste mal laut gelacht.

Jakob Augstein warf letztens in einem Interview Don Alphonso und Sascha Lobo in einen Topf. Nichts könnte unterschiedlicher sein wie das intellektuelle und meinungsstarke Schwergewicht Don Alphonso und das inhaltliche Leichtgewicht Lobo.
mh schrieb am 09.07.2009 um 19:23
don alphonso kann gut polemisieren, er kann, wenn er will, auch gut formulieren. aber intellektuell ist er nun wahrlich nicht. er tut nur gerne so und man nimmt es ihm ab.

was die qualität betrifft: wenn es denn mal um themen geht, in denen ich mich gut auskenne, finde ich dann doch zu viele ungenauigkeiten und falschheiten. da steigt die befürchtung, dass es generell so ist .. ichs nur nicht merke, weil ich mich da noch weniger auskenne. sowas ist nicht gut.

ansonsten: ok

mfg
mh
klara schrieb am 09.07.2009 um 20:58
sag ich ja, sportinsider: Zuschreibungen. Du schreibst den von dir genannten Qualitäten zu - weil andere sie ihnen zugeschrieben haben. Wenn A ("QUalitätsjournalist") über B (Alpha-Blogger) sagt, dass C (Newcomer) was dran ist, dann findet D (sportinsider) das sofort auch, denn dann ist D "sportinsider" gut informiert, zeigt Geschmack und befindet sich auf dem sicheren Dampfer. "Grimme Award" Aah, "lebt in New York " Oooh, "schreibt für die FAZ" Uuh! Und auch nocht "gut dotiert" - dann muss es ja gut sein! Ich nenne das: Namedropping.

Es gibt keine Qualität in sich. Namen machen mal dieses (gut) und jenes (schlecht) und zu viel Alphagerede schadet oft der Qualität.
Auf dem sicheren Dampfer ist es oft ziemlich langweilig (bis er untergeht).
Und es gibt - unter Bloggern wie Journalisten - so arg viele, die so arg viel nachplappern. Sich gegenseitig totsreicheln und in die Tonne Kloppen und Erwähnen gehört dazu. Ein Sich-Feiern. Eine einzige Preis-Ver-Leihung. Ohne Rückgabepflicht. Bei der übrigens - oha? - fast immer Männer das Wort führen, FÜR Männer. Reiner Zufall? (Eine Frage!)
klara schrieb am 09.07.2009 um 20:59
P.S. aber klar: Sascha Lobo ist kein Schwergewicht. Das macht es ihm so leicht.
klara schrieb am 09.07.2009 um 21:01
und sorry: Don Alphonso schlägt wild um sich, leidet unter verzerrter Wahrnehmung und verwechselt Außen mit Innen, SICH mit der "Welt". Egomania allerorten. Das sagt ja schon der alberner Nick.
Jakob Augstein schrieb am 10.07.2009 um 11:52
Lieber sportinsider,
Danke für den differenzierten Beitrag!

Ich glaube auch, dass man die nicht alle über einen Kamm scheren sollte. Es ging in der zitierten Stelle aber um das Verhältnis der Blogosphäre im Allgemeinen zu den klassischen Medien im Allgemeinen und um die Frage, wer die Rolle der klassischen Medien ausüben soll, wenn diese in die Krise geraten (noch sind sie das ja nicht wirklich). Und da habe ich gesagt, dass Blogger wie SL oder DA nicht die Last der 4. Gewalt tragen können. Es ging also nur darum, sie in ihrer Eigenschaft als bekannte Blogger gleichzusetzen, nicht in ihrer Qualität.
Ihr JA
Anna Dorothea schrieb am 10.07.2009 um 16:33
@Klara:

Was sind Ihrer Meinung nach eigentlich Zuschreibungen? Geht es nicht auch um Dinge, die ich herausfinde - um meinen eigenen unbestechlichen Massstab, den ich anlege, in harter Arbeit mühsamerworben? Trauen Sie das Menschen nicht zu? Warum so gnadenlos und gleich das Kind mit dem Bade ausschütten?

Authentisch ist für mich auch nicht nur eine Zuschreibung: Authentisch ist jemand, dessen innere Landkarte, ums mal salopp zu formulieren, mit seinem äusseren Handeln übereinstimmt. Da lassen sich die meisten Leute ohnehin nicht so leicht bescheissen, weil man das schnell merkt, obs stimmt. Oder haben Sie andere Erfahrungen gemacht?

Mit freundlichem Gruß, Anna
THX1138 schrieb am 09.07.2009 um 21:39
"Wir nennen es Arbeit", hat Sascha Lobo das zusammen einmal mit Holm Friebe beschrieben- oder war's jetzt doch etwas anderes? Das Buch war seinerzeit ganz gut, Prekariat und so- dazu die phantastischen Weiten der Blogsphäre und so... vor allem das kommerzielle Potential!

Offenbar hapert es gerade mit den Einnahmen aus der bunten, weiten Welt der Blogwelt, ergo: Vodaphone Airtouch!

Sacha Lobo wirkt für mich immer weniger überzeugend. Seine Message hab eich bis heute nicht begriffen- aber das mag ja auch an mir selber liegen.

Womöglich hat er gar keine Botschaft zu verkünden.

Wär' auch denkbar.
sport schrieb am 09.07.2009 um 23:49
@klara: Jens Weinreich lese ich bereits seit über 20 Jahren und nicht erst seit dem Grimme Online Award. Don Alphonso habe ich selber schon auf zwei Podiumdiskussionen live erlebt. Jürgen Kalwa lese ich sowohl in der FAZ wie auch in seinem Blog seit Jahren. Kai Pahl seinen Blog lese ich seit über 4 Jahren. Ich bild mir meine Meinung immer selbst. Lasse mir da von niemanden was einreden oder eine Zustandsbeschreibung wie ein Kochrezept rüberschieben.Ich bevorzuge übrigens nicht den sicheren dicken unbeweglichen Dampfer.
klara schrieb am 10.07.2009 um 09:08
das dachte ich mir auch so, dass Sie eine eigene Meinung und Sie sich möglichst unbeeinflusst bilden (das ist natürlich Illusion. Niemand ist unbeeinflusst). Umso weniger verstehe ich die Untermauerung Ihrer Meinung - wie zur Rechtfertigung - mit den von Ihnen angegebenen "Testimonials". Mehr wollte ich gar nicht sagen. Falls das falsch rüberkam: pardon.

Ich liebe dicke Dampfer ;-)
Auf zu kleinen Booten wird mir eher schlecht...
mh schrieb am 10.07.2009 um 09:17
und deigen wird angegriffen, weil andere auch ihre meinung dazu sagen?

komische reaktion. wer keine will, sollte sich nicht verbreiten.

mfg
mh
mh schrieb am 10.07.2009 um 09:17
die eigene

sollte das sein.

mfg
mh
misterl schrieb am 10.07.2009 um 09:23
nur eine kleine, zarte frage. sind blogger a priori bessere mitglieder der gesellschaft?
Streifzug schrieb am 10.07.2009 um 09:57
Hallo misterL,

klar, sie sind die Brahmanen des Internetzeitalters, während der Rest als Shudras rumkrebst. Bei besonderen Qualifikationen werden einige genehme Journalisten/Redakteure zu Kshatriyas befördert, während solch dumme Fragesteller in den Bereich der Unberührbaren, der Paria verbracht werden ;)
misterl schrieb am 10.07.2009 um 10:21
Nunja Streifzug.

Ich halte es da eher mit Hans Dieter Hüsch aus den frühen 70er Jahren und seinem Stück "Zuletzt"

Zuletzt sitzt man allein auf einer Bank
Da hock ich dann mit einem Transparent
Das man in eingeweihten Kreisen kennt
Es steht nichts drauf es ist nicht rot
Es ist schneeweiß und mancher droht
Seht da der alte Einzelidiot.

...
mh schrieb am 10.07.2009 um 10:38
sie sind mitglieder der gesellschaft. der aktivere teil davon vielleicht. aber ob das besser ist, wissen wir auch erst im nachinein.

mfg
mh
Streifzug schrieb am 10.07.2009 um 10:51
Hallo misterL,

auch passend:)
Streifzug schrieb am 10.07.2009 um 11:33
Auch passend :)
Ludwig Hasselberg schrieb am 10.07.2009 um 12:24
Diesen Sascha Lobo kenne ich aus dem Fernsehen, all die anderen Namen, die hier gefallen sind, sagen mir nichts... Wie geht das, einen Blogger aus der Kiste zu kennen?

Nach Lesen des Artikels stört es mich nicht mehr, was der Herr Lobo da für den Mobildunkanbieter macht - soll er doch. Authentizität: ich halte Vodafone für authentischer als die SPD.
Matthias Dell schrieb am 10.07.2009 um 12:44
da ist was dran
Jan Jasper Kosok schrieb am 10.07.2009 um 12:48
Mir schmecken Äpfel auch besser als Birnen. ;)
THX1138 schrieb am 10.07.2009 um 17:36
"Ich halte Vodafone für authentischer als die SPD."

Phantastisch: In einem einzige Hauptsatz etwas auf den Punkt gebracht, wofür andere zuerst ganze Parteikonzepte erstellen müssen!

Hut ab!
Friedland schrieb am 10.07.2009 um 14:11
In besagtem Spot kommen u. a. mehrere wohl bekannte (Internet)Figuren vor. Ich selbst habe nur Sascha Lobo wiedererkannt. Der Musiktext wechselt irgendwann von Englisch auf Deutsch - mit englischem Akzent: "Ieech binn dayn Koenig, und du Koenigeen...", irgendwie sowas, das soll wohl lustig sein. Der Spot endet mit der Aussage: "Es ist Deine Zeit."
Und genau die hab' ich bei zweimaligen Ansehen verplämpert.

Wenn Sascha Lobo sich davon etwas verspricht, mir recht. Der Spot wird dadurch nicht besser. Sascha Lobo bekommt dafür Geld, kann ein neues Buch schreiben über die "neueste Sache im Internet", für die ein Essay ausreichen würde, wenn dieser nicht auch ein wenig Geistreiches beinhalten müsste. Doch das Auffälligste findet bei Sascha Lobo leider auf dem Kopf statt und nicht darin...

Dennoch kann ihm im Bereich Marketing / Eigenvermarktung ("Die Marke leben") kaum jemand das (Flach)Wasser reichen.
THX1138 schrieb am 10.07.2009 um 17:47
Die Frage, die ich mir bei Sascha Lobo immer wieder stelle: Welche Message versucht er rüber zu bringen? Hat er überhaupt eine? Oder ist keine Message zu haben bereits auch schon eine?

Ist seine Message, auf gar keinen Fall eine Festanstellung zu haben? Was auch erklärt, warum ihn gewisse Kreise schon freudig als den buntesten Neoliberalen der Nation bezeichnet haben?

Oder: Ich blogge, also bin ich?

Oder..?

Oder ist er einfach ein Mensch gewordener Claim für das Label Blog & Freiheit?
Bildungswirt schrieb am 10.07.2009 um 17:37
Nach Beitrag und Kommentaren erscheint bie mir folgendes Bild:
Klara trifft von 10 Versuchen 9mal direkt auf die 12! Super Quote.
Neben den A- und B- und C-Bloggern, auch an die Z-Blogger, wie Zorro denken.
Und dann gibts noch die L-Blogger wie Lobo, na logo.
misterl schrieb am 10.07.2009 um 18:49
noch so eine peinliche frage. ab wann ist man A-, B-, C- oder eine 0815-blogger? wo werden die haltungsnoten vergeben und wer hat die notengeber ausgesucht? man muss ja vielleicht bei zeiten in die richtige kamera winken, da zählt gute vorbereitung fast alles. ;-)
Bildungswirt schrieb am 10.07.2009 um 19:19
Nur die Z-Blogger haben das Grinsen in die Kamera schon hinter sich gelassen. Hier beginnt die reflektierte Unabhängigkeit im Unterschied zum A-utisten-Blogger.
mh schrieb am 10.07.2009 um 22:18
a = 0815, aber lange genug dabei damit jeder mein einen lesen zu müssen

b = man hat den trend halt nicht verpennt und ist dabei, vor allem dabei den a-rschkriecher zu geben

c = man hat so seine meinung und die interessiert keine sau

müsste ich vermuten: c wäre gerne a, kann aber ob seines autistischen seins nur c bleiben. immerhin, es ist bedeutungslos ehrlich.

mfg
mh
Titta schrieb am 12.07.2009 um 01:22
Jungs,

das Prinzip ist doch ganz einfach:

Schreibt auch was Persönliches, dann seid ihr auch 9 von 10 Mal top.
Bildungswirt schrieb am 12.07.2009 um 12:29
@titta
nee, nee, das Persönliche kann auch ganz schön daneben gehen.(Bei klara hat's geklappt). Bitte keine Theoriefeindlichkeit entwickeln oder bestätigen.

Ansonsten: Ich mag deine direkte Art, gleichwohl ich manchmal laut aufheulen müßte. Mach ich aber nicht, winke öfter mal durch.

Wie immer die besten Grüße an die großen runden, brauen Augen
BW
Titta schrieb am 15.07.2009 um 00:26
Weil Männer nicht weinen, oder warum? ;-)
Joachim Losehand schrieb am 11.07.2009 um 08:38
"Es stimmt, Authentizität und Unabhängigkeit sind Zuschreibungen.

Allerdings scheinen es mir auch die Selbstzuschreibungen vieler Blogger zu sein. Gehören diese beiden Begriffe meiner Erfahrung nach doch zur Standardantwort auf die Frage, was Blogger von professionellen Journalisten unterscheidet (obwohl viele Blogger als Journalisten arbeiten)."

Als nächstes folgt noch, daß "Blogger" sich für die neuen Intellektuellen halten, weil sie meinen, der partielle oder umfassende Dilletantismus verleihe ihnen diesen Status. Zwar ist jeder Intellektuelle ein Dilletant, aber nicht jeder Dilletant ein Intellektueller.
sport schrieb am 11.07.2009 um 16:02
Wenn die Herren von Vodafone hier mitlesen, wird ein lächeln über ihr Gesicht huschen. Crossmediale Vermarktung zum Nulltarif. Das schafft nicht jeder Werbespot.

Felix Lüttge hat mit seinen Zeilen eine interessante Diskussion in Gang gebracht.

klara bekommt Fleiß-Bonuspunkte.

@mh120480: Besten Dank für Deine Sicht der Dinge.

@Jakob Augstein, Dein Interview in der langen Version war mit eines der bemerkenswertesten im ersten Halbjahr in Deutschland. Interessant war auch die Stelle wo Du zum monetäten Steuerkurs des kleinen und beweglichen Freitag-Bootes Stellung beziehst:

"Wobei auch hier die Lichter ausgehen, wenn wir kein Geld verdienen. Das ist in der momentanen Wirtschaftskrise auch nicht einfach. Andererseits sind wir so klein, dass die Krise gewissermaßen über unseren Kopf hinweg pustet. Wir hatten vorher keine Anzeigen und haben jetzt auch keine verloren. Wir haben allerdings auch keine gewonnen."

Für interessierte Leser geht es hier zum kompletten Interview:

www.planet-interview.de/interview-jakob-augstein-16062009.html

Das Projekt Verzahnung der Wochenzeitung mit der Freitag Plattform ist eines der spannendsten Experimente in Deutschland.

Meine Sympathie hast Du. Ich drück die Daumen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.07.2009 um 23:10
Im Prinzip ist man beim Begriff der Kritik erst angekommen, wenn man alles ablehnt - bis dahin bewirkt die eine Ausnahme die nächste Legitimation des eigentlich (Jargon) Abgelehnten, Verfluchten. - Hier: Mit einem gestylten Irokesenkritikschnitt in die oberste Mitte der gegebenen Gesellschaft zu kommen versuchen.
Titta schrieb am 12.07.2009 um 01:27
Es können ja auch nicht alle im Suizid enden.
Johnnie Foxtrott schrieb am 14.07.2009 um 13:39
Sich darüber aufzuregen finde ich ungefähr genauso peinlich wie sich damals über die GSG-9-Soldaten aufgeregt zu haben, die mit Totenschädeln unterm Arm vor der Kamera posiert haben - es gab doch nichts anderes zu erwarten.

Da prostituiert sich halt irgendein Aufmerksamkeits-geiler Quacksalber, weil er den Fleischtopf des Geldes gerochen hat.

Bitte, es gibt doch für "Den Freitag" wichtigeres als Vodafone in die Hände zu arbeiten.

Deaktivierter Nutzer schrieb am 15.07.2009 um 20:54
Wichtig ist immer popichtich: Mit Vodafone und auch mit Versatel habe ich jeweils eine unheimliche Begegnung, die nun von meiner Vebraucherzentrale am Spiekerhof weitergeführt wird. Ich habe auf solche Rabauken keine Lust mehr. Man wünschte sich ja ein Riesenhandy, so selbstexplodierende Zweitonner, die man dann nicht tragen kann. Wünschen hat ja noch nie geholfen, aber in der dummen Medienwelt ein roter Irokesenkleinbürgerhaarschnitt.
Harm schrieb am 14.07.2009 um 16:55
Diese Generation brauchte ein Gesicht und bekam einen Schnurrbart!

Wieviele sogenannte "Digital Natives", zwischen 18 und 30, sich wohl mit Lobo identifizieren können?
klara schrieb am 15.07.2009 um 20:39
der angemessenste kommentar hierzu: netzpolitik.org/2009/vodafone-meets-1984/


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