1. Das obligatorische "Darf-man-das?"
Ist im Fall des Gartenzwerges des Kunstprofessors Ottmar Hörl zunächst auf rein rechtlicher Ebene an die Staatsanwaltschaft Nürnberg deligiert worden. Die klärt nun, ob es sich bei dem 50 Euro teuren Objekt um die strafbare Verwendung von verfassungsfeindlichen Symbolen handelt. Moralisch darf vor dieser Klärung noch debattiert werden. Etwa folgendes:
2. Ist das Kunst?
Für die Kunstthese spräche, dass Hörl, Leiter der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, seine Meisterwerke bereits in mehreren Ausstellungen gezeigt hat, u.a. in Aschaffenburg und Belgien. Er hatte die Absicht, den "deutschen Herrenrasse als Gartenzwerg" darzustellen, so Hörl.
3. Ist das schlechte Kunst?
Nun ja. Sie findet jedenfalls tagtäglich mehr Interessenten, wie Galerist Erwin Weigl der Bild-Zeitung mitteilte.
4. Gibt das zu denken?
Die Vorstellung, ein freudiger Käufer entrisse den Zwerg aus seinem Kunstkontext Galerie und stellte ihn in seinen Schrebergarten irgendwo in oder um Nürnberg (die Reichsparteitage, damals, naja, Sie wissen schon...), vielleicht dann doch.
5. Warum kommt die Staatsanwaltschaft denn erst jetzt damit an?
Sie selbst ist leider den ganzen Tag über (Freitag!) für eine Antwort eher schwierig zu erreichen. Entweder ist besetzt oder der Platz vor dem Telefon nicht besetzt. Mit viel Glück sagt eine Männerstimme "Grüß Gott" und stellt sich im Laufe des Wortwechsels als "das Vorzimmer" vor. ("Mit wem spreche ich jetzt?" - "Mit dem Vorzimmer"). Laut Bild haben sich Passanten beschwert.
6. Verletzt das die Gefühle von Menschen?
Mit Sicherheit. Tut Kunst öfter, fällt unter das Freiheitsprinzip – außer siehe Punkt eins.
7. Wie sieht es mit der Würde des deutschen Gartenzwergs aus?
Bisher hat sich noch niemand beschwert oder für ihn eingesetzt. Nicht mal die Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge (Ja, die gibt es). Vielleicht sollte sie sich aber mal schnellstens einschalten, denn mittlerweile bildet das Zwergengewese nicht nur inbildlich die deutsche Spießbürgerlichkeit ab, die bisweile zu radikalen Methoden führen kann (siehe Muxmäuschenstill). Sie greift auch immer wieder aktuelle Themen aus der Politik auf. So gibt es Kohl oder Schröder als Miniaturen, oder Zwerge mit Messer im Rücken, Stichwort "typisch deutsch". Laut Wikipedia steht diese Traditionslinie unter der Desvise: "Humor ist, wenn viele darüber lachen müssen“.
8. Was ist, wenn niemand lachen muss?
Sommerloch. Und Zeit für wirklich komische Zugänge zum Themenkomplex. Etwa die Sammlung "Hitler-Katzen" . Oder die Abschlussarbeit des israelischen Grafik-Designers Nir Avigad (geb. 1981), der den Kopf von Hitler in diversen Piktogrammen zeigt - jeden Tag einen anderen: mal den "Dali-Hitler" mit spitzem Schnurrbart, mal den "Genius-Hitler" mit Einsteinfrisur, dann wieder den "Heidi"-Hitler mit Schleifchen und Zöpfchem am Bart. Oder aber, den immer wieder erfrischenden Walther-Moers-Adolf "im Bonker":
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Oh, die kannte ich noch gar nicht. Ich hab aber eine Horde Gartenzwerge auf der Bread & Butter entdeckt:
www.freitag.de/community/blogs/Tessa/sommer-sonne-gartenzwerge |
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Die Kunst ist ja auch so ein zweischneidiges Ei, und wenn der Gartenzwerg nur 50 Euro kostet, ist er wohl eher Ramsch und justitiabel. Würde die themensatte und fragwürdige Figur wenigstens 50.000 Euro kosten, des Professor Hörls Zwergenheil würde überall als sog. Provokation gefeiert. - Aber man mag es ja gar nicht glauben. Der Gartenzwerg war doch immer völlig unschuldig ... Ist er eigentlich schon eine Wachsfigur?
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Ausgabe 06/12
09.02.2012
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