Alltag

Bewertungsportale | 02.09.2009 13:00 | Alexander Wragge

Das Urteil des Schwarms

Lehrer, Ärzte oder Hotelzimmer – von der Netzgemeinde wird alles bewertet. Die Weisheit der Vielen ist aber nicht immer der beste Ratgeber

Nach einem Bandscheibenvorfall konnte sich der anonyme User „kaum rühren vor Schmer­zen“. In einer Münchner Privatklinik wartete Hilfe, schnell und ohne offene Operation, wie in dem Erfahrungsbericht auf der Internetseite klinikbewertungen.de nachzulesen ist. Am Ende vergab der User für die Klinik Bestnoten in allen Kategorien. Doch über dem Eintrag mit dem Titel „Danke für ein schmerzfreies Leben“ steht rot gefettet: „Diese Bewertung geht nicht in die Gesamtbewertung ein.“

Die Redaktion des Onlineportals vermutet hinter dem Jubeleintrag für die „Alpha Klinik“ eine Manipulation durch das Klinikpersonal. Inzwischen hat die Klinik geschlossen, einer der Ärzte steht zum wiederholten Mal wegen Behandlungsfehlern vor Gericht. Andere User, offenbar echte Patienten, berichteten auf dem Bewertungsportal auch von „Pfusch“, „Abzocke“, und einem Chirurgen, der so präzise vorging „wie ein Schlachter“.

Alles wird gemeldet

Im Internet werden heute nicht nur für Flachbildfernseher oder literarische Neuerscheinungen Noten vergeben. Unter regelmäßiger Beobachtung stehen auch Lehrer, Professoren, Rechtsanwälte, Pflegeheime, Hotels, Autovermietungen – die Liste ließe sich fast unbegrenzt fortführen. Die anonyme Cybergesellschaft wirkt wie die Spezies der Borg aus der TV-Serie Star Trek: Jedes Erlebnis mit der Außenwelt wird an das Kollektiv gemeldet, damit die anderen Borgs bei einem erneuten Kontakt gewappnet sind. Dabei steht viel auf dem Spiel.

Im Juni beschäftigte die wuchernde Bewertungskultur sogar den Bundesgerichtshof. Eine Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen hatte mit Unterstützung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gegen das soziale Netzwerk spickmich.de prozessiert. Der Bundesgerichtshof entschied, die Community des Portals darf der Lehrerin weiterhin anonym Noten ausstellen, anklicken wie „cool und witzig“ sie ist – oder wie „fachlich kompetent“. Das Recht auf freien Meinungsaustausch erhielt von den Richtern ein höheres Ranking als das Recht der Lehrerin auf „informationelle Selbstbestimmung“. Allerdings, betonte die vorsitzende Richterin, sei das Urteil kein Freifahrtschein für andere Bewertungsportale. Man müsse in jedem Einzelfall die beiden Rechte neu gegeneinander abwägen.

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Der Spickmich-Fall löste eine heftige Debatte um die virtuelle Bewertungskultur aus, weil er so plakativ das hierarchiefreie, antiautoritäre Wesen des Web 2.0 ins Bewusstsein rief. Alle dürfen alles bewerten und kommentieren – und jeder muss sich das gefallen lassen. Nur ist die „Weisheit der Vielen“ ein guter Ratgeber, wenn es um die Wahl der richtigen Schule oder des besten Krankenhauses geht? Bewerten im Internet nicht vor allem frustrierte und feige Menschen, die sich nicht trauen, ihrem Gegenüber in der Offline-Welt ihre Unzufriedenheit ins Gesicht zu sagen?

Die Anonymität der Bewertungsportale verspricht eine Aufhebung der Machtverhältnisse, die außerhalb des Netzes gelten. Bei Spickmich etwa wechseln Schüler und Lehrer die Rollen. Pädagogen laufen dagegen Sturm. Sie fühlen sich an einen Online-Pranger gestellt.

Auch viele Patienten fühlen sich Ärzten gegenüber ausgeliefert. Deshalb wechseln sie im Netz gern in die Rolle desjenigen, der die Leistungen des Mediziners beurteilen darf. Zurzeit plant die Krankenkasse AOK ein eigenes Bewertungsportal für ärztliche Leistungen. Aus der Ärzteschaft schlägt der Krankenkasse Wut entgegen, die Angst vor anonymen Rufmord durch die Medizin-Laien scheint groß. Doch die Entwicklung scheint nicht mehr umkehrbar.

Menschliches Grundbedürfnis

Eine Entwicklung, die der Berliner Medientheoretiker Norbert Bolz grundsätzlich positiv bewertet. Er sieht in der Lust am Notengeben eine anthropologische Konstante: „Das Bewerten liegt tief in unserer Natur.“ So flüchtig und belanglos das Meer der vergebenen Sternchen und schnell geschriebenen Beurteilungen wirken mag, für Bolz ist die Bewertungskultur nicht irgendeine Applikation des Web 2.0, sondern schafft einen entscheidenden Mehrwert. „Bei dem Überangebot von Informationen, das charakteristisch für unsere heutige Welt ist, gibt es kein größeres Bedürfnis als das nach Orientierung.“

Genau dies versprechen die Skalen, Rankings, Punkte und Sterne. Sie reduzieren die Komplexität, das unüberschaubare Angebot. Und sie geben den Usern die vermeintliche Gewissheit beurteilen zu können, was wichtig ist, was gut und was schlecht. Diese Bestimmtheit fasziniert. Ein Film mit sieben Sternen muss besser sein als einer mit vier. Oder können tausende Nutzer irren? Unabhängig von der tatsächlichen Aussagekraft der Bewertung sieht Bolz eine „Revolution der Amateure“, die im Netz eine „enorme soziale“ Kontrolle ausüben.

Lange vor Lehrern und Ärzten spürten dabei Unternehmen die Macht der virtuellen Bewertung. Studien zeigen, so gut wie alle Menschen mit Internetzugang nutzen das Netz, um sich vor Kaufentscheidungen zu informieren. Der Kampf um Passagiere, Hotelgäste und Stromkunden spielt sich heute nicht mehr auf Plakatwänden ab, sondern auf Testportalen, Preisvergleichsseiten und in Produktforen. Je schwieriger eine Leistung im Voraus einzuschätzen ist, desto eher sucht der Verbraucher online Orientierung. Wer kann schon wissen, wie lange ein Laptop-Akku hält oder ob ein Hotel inmitten von Bauruinen steht? Eigentlich nur Menschen, die es selbst erlebt haben.

Negative Bewertungen wirken indes weit stärker als positive. Beobachtungen des Surfverhaltens ergaben: Nutzer googeln vor dem Einkauf gezielt nach negativer Kritik, tippen etwa neben der Produktbezeichnung das Wort „unzufrieden“ ins Suchfeld. Die Unternehmen lassen deshalb Mitarbeiter und Agenturen ihr „Web-Image“ beobachten und versuchen möglichst früh herauszufinden, von welchem Forum, von welchem Blogger Gefahr drohen könnte.

Horrorvision der Web-Monitoring-Branche ist der Fall Apple. Der Blog engadget.com soll mitverantwortlich dafür sein, dass der Aktienwert der Firma zeitweilig um vier Milliarden Dollar verlor. Engadget hatte die Falschmeldung verbreitet, Apple müsse den Verkaufsstart seines I-Phones in den USA verschieben.

Noch nie stand die Leistungsgesellschaft und ihr virtuelles Abbild derart unter Beobachtung. Die Netzkontrolle hat dabei die Produkt- und Dienstleistungswelt auch schon gewaltig verändert und zu Verbesserungen vieler Produkte geführt. Wer vor 20 Jahren Ramsch verkaufte, hatte noch keinen virtuellen Ruf zu verlieren, der innerhalb von Sekunden weltweit abrufbar war. Heute wirken millionenfache Empfehlungen von Verbrauchern für Verbraucher glaubwürdiger als die beste Werbekampagne.

Krise der Experten

Die Autorität des „Schwarms“ sorgt aber auch für neue Abhängigkeiten, in die sich der einzelne Verbraucher begibt. Er orientiert sich immer wieder an der punktevergebenden Masse oder am Kommentar des Amateurs. Wissenschaftler und Fachjournalisten verlieren rapide an Einfluss. Ein auf jahrelanger Beschäftigung mit dem Gegenstand gegründetes Urteil ist im Netz erstmal nicht mehr wert als das Sternchen-Ranking eines anonymen Nutzers. Norbert Bolz spricht gar von einer „Krise der Experten“. Aber ist der Schwarm unfehlbar?

Mit der Bedeutung des Web-Images steigt wie im Fall von klinikbewertungen.de die Versuchung zu manipulieren. Manche Bewertungsportale für Versicherungen sollen etwa komplett durch die Anbieter selbst finanziert werden. Auch eine der größten Rezensionssammlungen der Welt, das Verkaufsportal Amazon, wird immer wieder von Werbern infiziert, zugunsten der eigenen Produkte oder zum Schaden der Konkurrenz.

Die Manipulation ist die Kehrseite der viel gepriesenen Internetöffentlichkeit, die alles transparenter und demokratischer machen soll. Die Nichtregierungsorganisation Lobby-Control warnt vor „bezahlter, verdeckter Meinungsmache“ im Netz. Lobbyisten und PR-Agenturen agierten immer geschickter. Ende Mai deckte Lobby-Control auf, dass die Deutsche Bahn Agenturen beauftragt hatte, ihr Image im Netz durch gekaufte Blogbeiträge und Kommentare aufzupolieren. So wurden etwa 2.400 Beiträge in Bahn-Foren von Spiegel Online gepostet, um Meinungen zu Lokführerstreik und Börsengang zu beeinflussen. Auch der Bauernverband versuchte verdeckt in Foren für die eigene Position zu werben. Die Debatte um verheimlichte Interessen im Netz hat gerade erst begonnen.

Befürworter der digitalen Bewertungskultur setzen aber auf die Selbstreinigungskräfte. „Je wichtiger ein Thema ist, desto genauer und qualitativ hochwertiger sind die Einträge“, sagt Norbert Bolz. Bei wirklich breitem Interesse hätten auch falsche Bewertungen daher kaum Chancen. Am Ende kontrolliert die Netzgemeinschaft also nicht nur die analoge Welt, sondern auch sich selbst.

 
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Kommentare
SteinMain schrieb am 02.09.2009 um 13:51
Sehr gut, vor allem: "Ein virtuelles Abbild der Leistungsgesellschaft", darf ich die Formulierung weiterverwenden ? Mal im Ernst, die technischen Anstrengungen und Entwicklungen der letzten 20 Jahre haben sich doch dahin ausgerichtet, ein Informationsnetzwerk zu schaffen, das mal vorsichtig ausgedrückt, für einfachst gestrickte Menschen nutzbar ist und sie in eine Abhängigkeit führt wie die Versuchsratte von ihrer elektrisch bedienbaren Futterklappe.
mh schrieb am 02.09.2009 um 15:23
schwarm-intelligenz ist natürlicherweise mittelmaß. ok, aber nie überragend.

experten haben meinem empfinden nach noch nie einen guten ruf gehabt. im gegenteil .. im zeitalter käuflicher studien und nicht vorhandener internationaler forschungsregelungen besteht absolut gar kein grund, einem vermeintlichen experten etwas zu glauben. in meinem büro gilt diese bezeichnung mittlerweile als beleidigung.

ebenso wertlos wie "gerne" .. aber das ist ein anderes thema.

ansonsten liegt es wie immer am umgang mit den sternen. ich gehe bspw. wie folgt vor:

a) was will ich (ich lege bspw. wert auf gute verarbeitung, da darfs dann auch teurer sein und bei vielen produktarten kristallisieren sich lauf der zeit marken heraus. z.b.: schuhe = clarks; preisklasse um 100 rum)

b) gute bewertungen sind nur interessant bei vielen bewertungen, da die manipulation dabei untergeht

c) generell lese ich als erstes nur die contrapunkte und wäge diese dann mit denen der konkurrenz ab

d) bestenfalls hat man ohnehin ein mindestmaß an ahnung oder zumindest halbwegs professionelle testberichte als ergänzung.

e) nach 5-6h recherche sollte man dann auch mal was kaufen, sonst wird das nichts.

natürlich entstehen abhängigkeiten. diese entstehen aber immer, wenn man zeit sparen und nicht das rad neu erfinden will ... sprich perfekt wirds nur, wenn man alles durchprobiert und dann ne meinung hat. kosteneffizient muss das auch nicht gerade sein.

bei meinungen u.ä... die bilden sich einfach anders. um im internet verbale zustimmung zu bekommen, muss man schon sehr charismatisch, bekannt und vertrauenswürdig sein .. diskussionen an sich bewegen da mal so gar nichts da sie auf basis vorhandener meinungen geführt werden, die dann gegenseitig verteidigt werden.

inwieweit dass die meinung aussenstehender bildet .. niemand weiß das, jeder spekuliert drüber.

mfg
mh
marsborn schrieb am 02.09.2009 um 16:36
Das Internet mit seinen Bewertungslisten mag in der Tat mit Vorsicht zu genießen sein - aber gerade eben weil es NICHT die Schwarmintelligenz repräsentiert! Hier agieren (und manipulieren auf Teufel komm raus) ja Leute, die beileibe kein repräsentativer Querschnitt unserer Gesellschaft sind... wir/die Nerds, Blogger und vor allem die Werbestrategen haben hier dank der Unkontrollierbatkeit hier ja ein leichtes Manipulationsspiel. Zum Glück wissen das die meisten und berechnen das bei ihren Recherchen durchaus relativierend mit ein, Internet-User sind ja nicht doof.
Der Schwarmintelligenz, besonders auch der menschlichen, sollte man deshalb aber nicht
ihre wichtige Wirkung absprechen - viele Augen sehen auch 2009 immer noch mehr als zwei! Ob ungeliebte Volksentscheide oder nervende Bundestagswahlen - unser System basiert auf eben dieser Schwarmintelligenz, und die ist, frei nach Churchill von allen schlechten Systemen bislang immer noch das Vernünftigste, was wir zur Verfügung haben! Solange da niemand grundlegend unkontrolliert manipulieren kann (ob nun per Volksempfänger oder Internet, ist letztlich egal), ist die Vernunft der Masse in der Regel klüger als das vermeintliche Expertentum einzelner Auserwählter. (Amen.)
h.yuren schrieb am 02.09.2009 um 21:23
hallo marsborn, wenn churchill für jemanden das maß aller dinge ist, tja, dann ist ihm vielleicht nicht zu helfen.
"die Vernunft der Masse" sei "in der Regel klüger als das vermeintliche Expertentum einzelner Auserwählter", sagst du. kennst du die gegenbeispiele? waren und sind es nicht in der regel die mehrheiten, die sich für die heilsbringer und charismatiker (= einzelne Auserwählte) entscheiden? die namen dieser in des wortes eigenster bedeutung auserwählten muss ich nicht aufsagen; sie sind bekannt wie ein bunter hund.
in dem kontext von vernunft zu reden, halte ich für ein bisschen kühn.
Calvin schrieb am 03.09.2009 um 17:57
@Marsborn
Naja, in diesem Fall geht es um Kaufentscheidungen, die vermutlich basisdemokratischte der politischen Partizipationsmöglichkeiten. Außerdem, in einem faschistischen System wird ja die "Schwarmintelligenz" gerade außer Kraft gesetzt, indem abweichler der Mehrheitsmeinung ausgegrenzt / eingesperrt / liquidiert werden.
Und Churchill als Demokrat...naja, der hatte seine sehr eigensinnigen Vorstellungen von Demokratie.
Wie heißt es so schön: Meinungen sind wie A....-löcher, jeder hat eins.
marsborn schrieb am 03.09.2009 um 21:37
@h.yuren: ja, demokratie heißt das. aber churchill hin oder her: immer noch besser als alles andere! demokratie = schwarmintelligenz. nicht perfekt, aber alles andere ist noch schlimmer.
marsborn schrieb am 03.09.2009 um 22:07
und noch @h.yuren: ein extrem weiser mann hat kürzlich was recht interessantes zu thema schwarmintelligenz geschrieben: "wer auf demokratie schwört, muss auch für plebiszite sein. bei so wichtigen fragen wie atomkraft oder bundeswehr out of area wäre das votum der mehrheit interessant. das internet erlaubt neue verfahren direkter demokratie, die aus begreiflichen gründen lieber verhindert werden. wenn die bevölkerung direkt abstimmt, verliert die regierung, das regieren an herrlichkeit. allerdings, das notwendige gegengewicht zum plebiszit fehlt (übrigens auch gegenüber den repräsentanten): der prüfende sachverstand. der wille allein ist zu wenig." bravo, allwissender!
Jan Pfaff schrieb am 02.09.2009 um 18:02
@marsborn: Es gibt meiner Meinung nach gute Gründe nicht immer der Mehrheitsmeinung - sei sie auch ohne Manipulationen zustande gekommen - zu vertrauen. Bei dem "vernünftigen System" sprechen wir ja auch von einer repräsentativen Demokratie, nicht einer direkten - also von einer Schwarmintelligenz innerhalb bestimmter Grenzen.

@MH: Das scheint mir ein ganz sinnvolles Vorgehen, nur d) ist eben manchmal das Problem. Es gibt eben Bereiche, in denen man nicht mal ein Mindestmaß an Ahnung hat.
mh schrieb am 03.09.2009 um 07:43
was solls, so oft kaufe ich atomreaktoren dann auch nicht.

aber mit der methodik habe ich mich bisher ganz gut durchgeschlagen. meine wissenslücke befindet sich im küchenbereich und...

... das persönliche gespräch war da immer eine hilfe. jeder kennt ja irgendwie jemanden, der sich mit etwas auskennt. zumindest was die lebensgrundlagen betrifft. ;)

mfg
mh
h.yuren schrieb am 02.09.2009 um 21:45
die schwarmintelligenz und die kräfte des marktes sind synonym. wenn schulgeschädigte es ihren peinigern heimzahlen wollen, ist das ein fall von notwehr. nicht mehr. von schwarmintelligenz keine spur. wenn von ärztlichen kunstfehlern geplagte rache im internet nehmen, ist das ein warnruf an die anderen. das kann so nützlich oder nutzlos sein wie der schrei eines tieres in not.
dass die heilenden kräfte des marktes immer wirksam sind, wissen wir inzwischen. warum sollten sie nicht auch im internet wirken? im finsteren mittelalter gab es den pranger ja auch nicht von ungefähr. er entsprach den vorstellungen jener jahrhunderte.

wenn sich user über ihre erfahrungen beim kauf von musikstücken oder elektrotechnik austauschen, kann das durchaus mal nützlich sein. bei fragen allerdings, die etwas mehr sachverstand voraussetzen als das bisschen für den hausgebrauch, versagen die gutgemeinten tipps im netz oder die meinung des nachbarn. die beliebige vermehrung der ahnungslosigkeit kann das ergebnis mitnichten verbessern. darum die pleiten der abstimmungen am markt- wie am wahltag.
das netz erweitert lediglich die ventilfunktion der medien. jeder user wird in den stand gesetzt, seine meinung kundzutun. das ist die realisierung des rechts der freien meinungsäußerung. was es defacto bedeutet, erleben wir gerade. aber wie gesagt, die addition von nullen führt zu keinen überzeugenden summen.
marsborn schrieb am 03.09.2009 um 22:27
und noch @h.yuren: ein extrem weiser mann hat kürzlich an anderer stelle in diesem forum was recht interessantes zu thema schwarmintelligenz geschrieben: "wer auf demokratie schwört, muss auch für plebiszite sein. bei so wichtigen fragen wie atomkraft oder bundeswehr out of area wäre das votum der mehrheit interessant. das internet erlaubt neue verfahren direkter demokratie, die aus begreiflichen gründen lieber verhindert werden. wenn die bevölkerung direkt abstimmt, verliert die regierung, das regieren an herrlichkeit. allerdings, das notwendige gegengewicht zum plebiszit fehlt (übrigens auch gegenüber den repräsentanten): der prüfende sachverstand. der wille allein ist zu wenig." bravo, allwissender! (und erkenne das zitat - von h.yuren...)
Skepsis schrieb am 03.09.2009 um 01:37
Jedem der manchmal einen Blick auf die Musik-Charts in Deutschland geworfen hat und dabei zur Kenntnis nehmen müsste, dass David Hasselhoff oder Dieter Bohlen diese zeitweise anführten, kommen doch relativ schnell ernsthafte Zweifel an der Idee der "Schwarmintelligenz".
Zumal die Vorstellung einer solchen Intelligenz des Schwarms besonders von denjenigen hochgehalten wird, die auch an die "Weisheit der Märkte" und an die ordenen Kraft einer "unsichtbaren Hand" glauben.
marsborn schrieb am 03.09.2009 um 21:39
sorry, @skepsis, aber die musik-charts haben mit intelligenz nichts zu tun... auch nicht mit schwarm-i! (höchstens mit schwärmen...)


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