Alltag

Geschlechterrollen | 24.11.2009 17:26 | Amelia Hill, The Guardian

Der Mythos vom nutzlosen Mann

Karrierefrauen wollen auch im Haushalt die Oberhand behalten. Laut einer Studie bezichtigen sie ihre Männer der Faulheit - um sich weiblicher zu fühlen

Berufstätige Mütter sind sich in der Regel vor allem in einer Sache einig: Ihre Partner bringen sich im Haushalt zu wenig ein. Nun aber wurde ein Forschungsbericht veröffentlicht, der offenbart, dass den Männern diese Vorwürfe zu Unrecht gemacht werden: Vielmehr würden berufstätige Mütter den Mythos vom „nutzlosen Mann“ bemühen, um sich selbst weiblicher zu fühlen. „Berufstätige Frauen, die den größeren Teil zum Familieneinkommen beitragen, beschreiben sich selbst als diejenige, die 'es sieht', wenn im Haushalt Unordnung herrscht und etwas dagegen getan werden muss. Sie wollen damit ein Stück weit eine traditionelle weibliche Identität aufrecht erhalten“, erklärt Dr. Rebecca Meisenbach, die nächste Woche ihre Forschungsarbeit „The Female Breadwinner“ in der Zeitschrift Sex Roles veröffentlichen wird.

Meisenbach ist der Ansicht, dass die angebliche Entwicklung hin zu immer mehr Karrierefrauen und äquivalent dazu mehr männlichen Faulenzern ein Märchen ist, das sich Frauen gegenseitig erzählen, um „überwältigende Schuldgefühle“ auszugleichen. Von diesen würden die meisten karrierebewussten Frauen geplagt werden, weil sie immer weniger die Rolle der Mutter und Ehefrau ausfüllen.

„Diese Frauen kämpfen mit dem Konflikt, der zwischen ihrem Status als arbeitende Frau, die das höhere Einkommen hat, und den traditionellen Erwartungen an ihr Geschlecht besteht“, so Meisenbach. „Indem sie betonen, dass sie ihren Männern sagen müssen, was diese im Haushalt zu tun haben, versuchen sie die Rolle der Ehefrau, die den Haushalt managt und die Kinder versorgt, zurückzuerobern, damit sie sich irgendwie innerhalb der klassischen Geschlechtergrenzen bewegen. Wenn sie die Hausarbeit, die ihr Mann erledigt, anordnen, dann bewahren sie sich das Gefühl, weiterhin die weibliche häusliche Domäne zu dominieren. So versuchen sie, sowohl zuhause als auch im Berufsalltag Kontrolle und Verantwortung zu übernehmen. Für berufstätige Mütter ist das vielleicht notwendig, um mit den beiden konkurrierenden Diskursen – auf der einen Seite die perfekte Frau im Beruf, auf der anderen die hingebungsvolle Mutter – klarzukommen.“

"Erdbebenartige Veränderung"

Meisenbach fragte 15.000 Frauen, die mehr verdienen als ihre Männer, wie sie ihre Rolle in der privaten häuslichen Sphäre und am Arbeitsplatz einschätzen. Meisenbach sah ihre Theorie auch dadurch bestätigt, dass unter den Befragten nur diejenigen, die keine minderjährigen Kinder hatten, kein starkes Verantwortungsgefühl für ihre Haushaltsangelegenheiten äußerten.

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Die Frauen gaben gleichzeitig an, im Haushalt die Oberhand zu haben und unter einem Kontrollverlust zu leiden. „Berufstätige Mütter sind vielen Konflikten ausgesetzt, die sich aus Fragen der Geschlechteridentität ergeben. Dazu gehört auch der Druck, gleichzeitig eine gute Mutter und eine erfolgreiche Berufstätige sein zu müssen“, so Meisenbach. Obwohl es in den Industriestaaten längst keine Seltenheit mehr ist, dass die Frau den Großteil des Einkommens erwirtschaftet und sich damit den klassischen westlichen Geschlechternormen widersetzt, wurde dazu bislang kaum geforscht.

Eine der wenigen Forschungsarbeiten hat Maria Shriver veröffentlicht, die Ehefrau des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger. „A Woman’s Nation“ ist laut Shriver das erste Projekt, das „ein Bild der modernen Amerikanerin“ zeichnet – zumindest seit ihr Onkel, John F. Kennedy, die ehemalige First Lady Eleanor Roosevelt in den sechziger Jahren mit der selben Aufgabe betraut hatte. „Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes ist die Hälfte aller Berufstätigen weiblich. Nie zuvor gab es so viele Familien, in denen die Frau das Einkommen sichert“, sagte Shriver. Das sei eine „erdbebenartige Veränderung“ in der wirtschaftlichen und kulturellen Landschaft Amerikas.

Klassische Rollenmuster

Der einzige Bericht, der sich bisher genauer mit der Situation in Großbritannien befasst, wurde 2007 von der Future Foundation veröffentlicht. Er kommt zu dem Schluss, dass lediglich in 14 Prozent aller britischen Haushalte die Frau für den Lebensunterhalt sorgt. Die Studie geht allerdings auch davon aus, dass sich diese Zahl bis 2030 verdoppeln werde. Nichtsdestotrotz hat die Gesellschaft mit diesem Thema immer noch zu kämpfen. Auch wenn die Rollen, die für die Geschlechter in der Familie vorgesehen sind, längst nicht mehr so streng festgelegt sind wie einst, fand eine Studie im Auftrag des Observers im vergangenen Jahr Überraschendes heraus: 30 Prozent der Befragten stimmten der Behauptung „Die Rolle der Frau in der Gesellschaft ist es, eine gute Mutter und Ehefrau zu sein“ zu. Unter den Jüngeren waren es sogar 32 Prozent.

„Einerseits erzählten die Frauen, sie würden die Kontrolle über die Hausarbeit behalten“, so Meisenbach. „Sie sagten, ihre Männer würden zwar ihren Anteil leisten, aber nur, wenn sie von der Frau dazu aufgefordert würden. Sie alle äußerten sich zum Verhalten ihres Partners mit genderspezifischen Kommentaren, wie etwa: 'Er ist ein Mann, die sehen einfach nicht, wenn Unordnung herrscht', oder: 'Mein Mann ist ein Macho. Er sucht sich ganz genau aus, welche Hausarbeiten er erledigen will'. Aber wenn sie sein Verhalten in eine Geschlechterrolle pressen, zwingen sie damit auch sich selbst in die Rolle der Frau und Mutter anstatt in die der Werktätigen.“

Auch wenn viele der berufstätigen Frauen ein diesbezügliches Unbehagen äußerten, genossen gleichzeitig die meisten die Kontrolle und Macht, die ihnen ihre Stellung im Haushalt gab. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass diese Frauen in irgendeiner Form ihre Macht an ihre Männer abgegeben hätten“, so Meisenbach. „Über 60 Prozent gaben an, sie würden es genießen, die Oberhand zu haben. Sie waren ausdrücklich froh darüber, anders zu sein als die Hausfrauen der fünfziger Jahre, und auch als diejenigen unter ihren Freundinnen, die noch immer die traditionellen Rollenvorstellungen leben."

Übersetzung: Christine Käppeler
 
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Artikelaktionen
Kommentare
mh schrieb am 24.11.2009 um 18:30
haushälterin anstellen = problem gelöst.

mfg
mh
romano schrieb am 25.11.2009 um 08:50
=Beispiel für Zynismus.
mh schrieb am 25.11.2009 um 09:04
ich wollte das eher als praktischen beitrag gesehen wissen.

mfg
mh
Rahab schrieb am 25.11.2009 um 08:55
schuldgefühle ausgleichen? wasn quatsch! nicht auf ner müllkippe leben, das ist es!
... wie heißt die frau? Meisenbach?
Nelly schrieb am 25.11.2009 um 13:57
Absolute Zustimmung !
DS37 schrieb am 25.11.2009 um 17:53
Ja, das mit den Schuldgefühlen ausgleichen halte ich auch für ausgesprochenen Quatsch. Vermutlich hat sich die Autorin der Studie aber einfach nicht getraut die Sache beim Namen zu nennen: Frauen haben ein weitaus größeres Kontrollbedürfnis als Männer und erweitern selbiges gern um den beruflichen Bereich, ohne diesen Einfluss im häuslichen Bereich verlieren zu wollen.
Rahab schrieb am 25.11.2009 um 19:43
ich vermute, dass es sich etwas anders verhält. nämlich so: männers leben derartig in kontrollwahn, dass sie bei anderen immer und überall kontrolle vermuten, zwanghaft. selbst da, wo gar keine ist. bei sich selbst nennen sie das natürlich anders. poor guys.
DS37 schrieb am 25.11.2009 um 20:26
Super Theorie und so schön zeitgeistgemäß. Hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Die Realität.
THX1138 schrieb am 25.11.2009 um 22:01
Dein ausgeprochen negatives Männerbild quillt so richtig raus aus Deinen spontanen Zeilen- für diese Ehrlichkeit müsste ich Dir eigentlich dankbar sein, auch wenn sie alles andere als beabsichtigt sein dürfte.

Dein Frust muss beinahe unendlich gross sein.

Im Normalfall ein Grund für Mitleid.

Im Normalfall.

Oben erwähnte Studie dürfte wirklich ein Fall für die Sondermülldeponie sein.
Rahab schrieb am 25.11.2009 um 22:30
ich muß auch sagen... DS37 sein/ihr männerbild: echt voll grass bedenklich.
iMo schrieb am 25.11.2009 um 20:32
Hier gibts ein paar weiterführende Infos zur Studie, u.a., dass Frau Meisenbach 15 Tiefeninterviews geführt hat - und nicht 15.000 Frauen befragte ... qualitative Methode, nicht quantitativ.
u.nu/7zvy3 (seite des Springer Buchverlags, wo die Studie veröffentlicht ist bzw. Sex Roles erscheint).
Der Artikel macht natürlich gleich viel mehr daraus ...

Grüße Moritz
THX1138 schrieb am 25.11.2009 um 22:53
Singlehaushalte hast Du vergessen in Deine hochkomplexe Rechenübung miteinzubeziehen.

Und wie Du weisst, könnte ich Dir die Zahlen ganz genau servieren, nach Kohorten aufgesplittet, nach Einkommensklassen, nach Bildungsbschlüssen, nach Erwerbsstatus u.v.a.m.

Doch dafür bin ich jetzt einfach zu faul.
THX1138 schrieb am 25.11.2009 um 22:11
Und noch etwas zu dem in unserer Gesellschaft zweifellos wahnsinnig weit verbreiteten Phänomen der Allein- oder Haupternäherinnen: Statistisch betrachtet, machen diese gemeinsamen Haushalte (mit oder ohne Kinder eigentlich?) gerade mal ein einziges Prozent aus.

Ein einziges Prozent!!!!

Die Anzahl der Allein- und Haupternährer liegt etwas höher:

Haupternährerhaushalte in Deutschland (Mann Vollzeit / Frau Teilzeit): Gute dreissig Prozent.

Alleinernährerhaushalte in Deutschland (Mann Vollzeit / Frau Haushalt: Ebenfalls 30 Prozent.

Und as nach dreissig Jahren Emanzipation!

Es gibt also noch viel zu tun: Packen wir's an!
Rahab schrieb am 25.11.2009 um 22:33
also, ich hab da mal noch ne frage. 30+30=60+1=61. fehlen also zu 100 noch ... moment ...39. willst du mit deinem komischen beispiel sagen, dass sich 39% der haushalte garnicht ernähren? oder dass es die nicht gibt? oder was eigentlich?
THX1138 schrieb am 25.11.2009 um 22:49
Der Kürze halber: Singlehaushalte hast Du vergessen in Deine Rechenübung miteinzubeziehen. Und da weiter oben im Text noch die Rede war von gemeinsamen Haushalten, ist es kein langer Denkweg mehr zur Annahme, dass unter Haupternährer- bzw. Alleinernährerhaushalten ebenfalls gemeinsame Haushalte verstanden werden.

Wie Du weisst, hätte ich die Zahlen ganz genau- nach Kohorten aufgesplittet, nach gemeinsamen Haushalten mit oder ohne Kindern, nach Haushalten mit hohem Bildungsniveau (tertiär), oder niedrigen, etc., Du kennst mich ja langsam.

Nur wäre dann mein Post meterlang ausgefallen.
THX1138 schrieb am 25.11.2009 um 23:19
"Singlehaushalte hast Du vergessen in Deine Rechenübung miteinzubeziehen."

Fehler im System, sorry: Vollzeit / Vollzeit, bzw. Teilzeit / Teilzeit-Haushalte und Haushalte, in denen beide nicht erwerbstätig sind (beide pensioniert, arbeitslos etc.), NICHT Single-Haushalte.

Copy & Paste ist auf die Schnelle doch nicht vorteilhaft- die Zahlen habe ich aus einem langen, eigenen Text herauskopiert.
Rahab schrieb am 26.11.2009 um 03:39
na klasse! du schreibst schrot zusammen und wenn ich danach frage, wie ich den verstehen soll, krieg ich zurück, ich hätte beim zusammenzählen was vergessen!
und auf der basis möchtest du mit wem auch immer diskutieren? - ansonsten: könnte sein, dass wir für die gemeinsamen haushalte schon mal die frage hatten, seit wann der mensch geld essen kann....
THX1138 schrieb am 26.11.2009 um 08:51
Nun, die schamlose Unterstellung mit der erfundenen, duckelhäutigen Frau zwecks Beisshemmungen kürzlich- war auch nicht gerade die feine Art. Abgesehen davon: Ich kann Fehler wenigstens zugeben. Inhaltlich hat sich an meiner Feststellung dadurch überhaupt nichts verändert: Von einer fairen Aufteilung aller Rechte und Pflichten sind wir auch im 21. Jahrhundert noch meilenweit entfernt.

ansonsten: könnte sein, dass wir für die gemeinsamen haushalte schon mal die frage hatten, seit wann der mensch geld essen kann....

Ja, kann ich mich erinnern- eine sehr hypothetische Frage: Wie willst Du sie beantworten? Ich hätte da wieder haufenweise Zahlen auf Lager- kein Irrlichtern wie der ältere Herr weiter unten.
chrislow schrieb am 26.11.2009 um 12:47
Ich bin schon ganz tod argumentiert. Lauter zahlen und Fakten und Ergebnisse und Meinungen und Wahrscheinlichkeiten. Interpretationsbeladen sind ja viele Statistiken und deren Vollständigkeit und Plausibilität steht immer im Raum. Hier z.B. frage ich mich:

Sind eigentlich die Alleinernährer noch Alleinernährer, wenn deren Partner im Zuge einer Bedarfsgemeinschaft ergänzende Beihilfen vom Jobcenter bekommen? Ich meine wohl ja, denn das Taschengeld kann ja wohl nur unter Einfluss von Schizophrenie als "Einkommen" angesehen werden. In trockenen Statistiken bereitet es aber wohl auch keine Probleme, diese Gruppe einfach in andere Summen herein zu rechnen. ....

Das könnte jetzt vielleicht "kleinlich" wirken. Aber wenn schon an statistischen Bewertungen gearbeitet wird, dann sollten eine Masse an Detailfaktoren aus dem Stamm separat erfasst werden. Ich liebe Vollständigkeit...
Rahab schrieb am 26.11.2009 um 13:00
thx.. mein lieber, das war keine unterstellung, auch keine schamlose, sondern eine frage.

faire aufteilung von rechten und pflichten - du bemißt das, wie mir scheint, einzig und allein in geld(ach ja, und in wehrdienst/pflicht). nun, ich halte das für zu kurz gesprungen!
.
THX1138 schrieb am 26.11.2009 um 13:11
@chrislow: Die "Ergänzungsleistungen" kann man ganz einfach miteinbeziehen: Dafür gubt es Sozialhilfestatistiken. Ja, eine einzige oder zwei Statistiken und Studien sagen in der Summe nicht sehr viel aus. Steht einem aber vergleichendes Material en masse zur Verfügung, lassen sich durchaus Schlüsse ziehen, die der Wirklichkeit zumindest sehr nahe kommen.

@Rahab: Nein, nicht allein im Geld sehe ich die Wahrheit, sondern auch und vor allem bei den Arbeiten in Haushalt und Erwerbswelt. In ihren bemerkenswert traditionell gebliebenen Lebensformen sind Männer und Frauen- in gemeinsamen Haushalten notabene- heututage stundenmässig pro Woche gleich ausgelastet. Insofern hätten wir also eine gewisse Gleichheit bereits erreicht- in Arbeitsstunden gerechnet.
Rahab schrieb am 26.11.2009 um 13:38
nun, ich meine mich zu erinnern gelesen zu haben, dass das mit der auslastung nach arbeitsstunden auch nicht so ganz hinhaut.
aber ... das ist nun eigentlich garnicht das, worum es im ausgangsartikel geht. da geht es um was anderes und nicht um dein lieblingsthema.

weiter geht es weiter unten.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 25.11.2009 um 22:13
Immer wieder lustig zu sehen, wie die feminismuswatch-Typen auf Zack sind. Kaum ist der Artikel da, tauchen sie hoch und nölen rum. War mal ne Frau ganz, ganz böse zu Euch? Außer Mama natürlich!
THX1138 schrieb am 25.11.2009 um 22:30
Fällt Dein altmodisches Weltbild auseinander, Alter?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 26.11.2009 um 07:37
Du musst noch lernen, Kleiner, die richtigen Vokabeln zu wählen. Weltbild? Na, wenn Deines von der Art ist...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 26.11.2009 um 13:25
@ THX1138
Alda, digga. Ey!

Deaktivierter Nutzer schrieb am 26.11.2009 um 13:40
Gute Zusammenfassung, chrisamar, bisschen redundant vielleicht. Interessant, dieses Zerrissensein zwischen Kopf und Schwanz.
Magda schrieb am 26.11.2009 um 13:47
"Kaum ist der Artikel da, tauchen sie hoch und nölen rum. War mal ne Frau ganz, ganz böse zu Euch? Außer Mama natürlich!"

Vielleicht gerade Mama nicht. :-))
THX1138 schrieb am 26.11.2009 um 16:01
Also chrisamar: Gab es kein BDSM-Video?

Och nich schlecht odda'?

Gudda anfangk ;-)
Rahab schrieb am 26.11.2009 um 13:40
hier geht es weiter:

das, worum es meiner meinung nach geht, möchte ich so benennen: die studie von frau Meisenbach kann als bestandsaufnahme gelesen werden und/oder als teil von ideologie-produktion. letzteres in dem sinne, dass sie geschlechterstereotypen wie fakten behandelt, die in den geschlechtern angelegt seien, unwiderruflich. weshalb nach ihrer lesart die frauen eben nicht aufhören können, frauen zu sein -> haushalt versorgen und zugleich damit zu kämpfen haben, dass sie ihrem geschlecht fremde anforderungen -> chef sein + viel geld verdienen erfüllen müssen. weil das so schwierig ist, naturgemäß womöglich, sollen sie den mythos (ob hier das wort richtig verwendet wurde?) kreiert haben.

mir gefällt sowas überhaupt nicht. aus verschiedenen gründen. die führe ich gerne aus, sobald wir uns darauf geeinigt haben, dass es um solches geht und nicht um den prozentualen anteil von etwas an etwas.
mh schrieb am 26.11.2009 um 13:59
"„Diese Frauen kämpfen mit dem Konflikt, der zwischen ihrem Status als arbeitende Frau, die das höhere Einkommen hat, und den traditionellen Erwartungen an ihr Geschlecht besteht“, so Meisenbach."

ich habe mir letztens erklären lassen, dass 60% der europäer die frau zurück an den herd wünschen. ich habe bestritten, dass die formulierung, um die es damals ging, so ausgelegt werden kann.

würde ich dieser formulierung jedoch folgen, dann müsste ich mir nun sicher darin sein, dass ein gesellschaftliches anspruchsdenken an die rolle der frauen besteht.

wäre das der fall, würde ich der meisenbach kaum negativ besetzt nachwerfen können, "dass sie geschlechterstereotypen wie fakten behandelt", denn ich hätte ja selbst vorher behauptet, dass es diese fakten gibt.

mfg
mh
Rahab schrieb am 26.11.2009 um 14:05
himmel arsch und zwirn! ich habe frau Meisenbach nicht "negativ besetzt vorgeworfen"! ich habe versucht, den sachlichen kern herauszupuhlen.

und was bitte-schön ist ein gesellschaftliches anspruchsdenken an die rolle der frauen? nen fakt? nen bündel von fakten? oder nicht vielleicht doch ne kollektive meise?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 26.11.2009 um 14:32
@MH
So etwas ähnliches dachte ich mir auch. Im Grunde habe ich Rahab aber eher so verstanden, dass es nach dem politisch korrekten, feministischen Weltbild nicht sein darf, dass Frauen sich solche althergebrachten Werte - egal wie verbreitet sie in der Gesellschaft noch immer sein mögen - zu eigen machen. Denn in der Parallelwelt, in der Feministinnen leben, ist es ja so, dass ausschließlich Männer an konservativen Rollenbildern festhalten, Frauen dagegen sind längst vollständig "emanzipiert". Und wenn sie es einmal nicht sind, dann sind garantiert "die Männer" daran schuld.

Nur so kann man darauf kommen, einer Studie, die den Einfluss althergebrachter Ideologien auf ansonsten recht emanzipierte Frauen (beruflich erfolgreich) untersucht, vorzuwerfen, sie würde diese Ideologie selbst erzeugen. Weil diese Fakten in Bezug auf Frauen eben nicht beim Namen genannt werden dürfen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich darf man darüber diskutieren, in wie weit die genannte Studie die Realität abbildet. Wenn man seine Kritik allerdings an dem ebenfalls althergebrachten Motto "Was nicht sein darf, kann nicht sein" aufhängt, dann kommt nur Quark dabei heraus.
Rahab schrieb am 26.11.2009 um 14:54
und noch mal himmel arsch und zwirn! es geht nicht um Meisenbach ./. korrekten feminismus - gibt's den überhaupt? außer jetzt grad mal in der phantasie von derDonnerstag? um vorwürfe geht es auch nicht! um schuldfragen ebensowenig.
es geht - abgesehen von der frage, ob und wie sie realität abbildet - um die frage, was die studie für wen und wohin austrägt. ist das so schwer zu kapieren?
damit stehen - natürlich - auch die deutungsmuster zur diskussion, welche frau Meisenbach ihrer studie unterlegt hat.
mh schrieb am 26.11.2009 um 15:16
@derdonnerstag: das problem könnte dann sein, dass mancher von der argumentation her etwas völlig anderes auf den tisch bringt, als er diskutieren möchte und das selbst irgendwie nicht realisiert.

ich fragte da mal nach schizophrenie. hat aber auch keinem gefallen.

mfg
mh
Rahab schrieb am 26.11.2009 um 15:26
ne mei guudsder... das problem ist vielmehr, dass du nicht raffst, was zur disussion gestellt wurde.

und da männer ja bekanntlich nie emotional reagieren greifst du mal wieder in die psychiatrisierungskiste. ich an deiner stelle täte anfragen, ob der stuß von 15:16 nicht wieder gelöscht werden könnte!
chrislow schrieb am 26.11.2009 um 14:35
toc toc toc, ...

Mir ist mal auch fraglich, ob es sich lohnt über die "Oberhand", also der Führerschaft im kleinsten gemeinsamen Nenner - der Familie/Partnerschaft - zu diskutieren. Dort wo es am Persönlichsten wird, dort ist quasi Persönlichkeit nicht gefragt, da äußere Zwänge überwiegen. Und wenn nun einer meint, er/sie alleine könne produktiver über diese Zwänge denken, müsste dem/der anderen klar sein, was er von seinem gegenüber denkt...
THX1138 schrieb am 26.11.2009 um 16:03
Bittebittebittebittebittebittebittebittebittebittebittebittebittebittebitte Rahab:

UM WAS GEHT ES DENN HIER ÜBERHAUPT- 40 BEITRÄGE- UND KEINER, WEISS, WORUM ES GEHT!

Klär' uns doch bitte auf, ja?
Rahab schrieb am 26.11.2009 um 16:26
al hamdullilah! kannste nich lesen?
Knüppel schrieb am 26.11.2009 um 15:19
Ich frag' bloß 'mal ganz harmlos:

Und wie ist das, wenn 2 Männer gemeinsam einen Haushalt führen und Bett und Tisch miteinander teilen? Kommen diese (gar nicht so wenigen Haushalte) nicht vor, weil sie die Statistik "ruinieren" würden? Wird ein, nicht sooo geringer, Teil der Realität schlicht ignoriert oder verdrängt?

Ich fühle mich also hier schlicht übergangen und daher stelle ich die ganze "Studie" hiermit in Frage! :-)

SP

P.S. Frag' mich doch ruhig, wie es funktioniert (nach ca. 35 Jahren Man-To-Man könnte ich sicher einiges klarstellen) :-). Nur soviel vorweg: Rollenklischees kannst Du getrost auf den Müll werfen, wenn Du Dich entschließt als Mann mit einem Mann Leben und Wohnung zu teilen. Solche langweiligen Tätigkeiten, wie Putzen, Einkaufen, Müll rausbringen etc. sind dann nicht "per Geschlecht" zugeordnet. Dann heißt es "warum ich?" oder "wenn Du essen willst, dann koch' Dir was :-)" ...
Rahab schrieb am 26.11.2009 um 15:28
frag weiter! vielleicht rafft es der eine und die andere ja dann!
mh schrieb am 26.11.2009 um 15:40
@sexpower: zwischenmännliche beziehungen sind bei untersuchungen über weibliches verhalten irgendwie nicht so ganz zweckdienlich, oder?

mfg
mh
Rahab schrieb am 26.11.2009 um 15:44
ach ne?! woher denn diese weisheit?
Streifzug schrieb am 26.11.2009 um 15:57
Um was geht es?
mh schrieb am 26.11.2009 um 16:02
du bist doch für was zu gebrauchen. hat eine frau in einer studie rausgefunden.

mfg
mh
THX1138 schrieb am 26.11.2009 um 16:05
Mooooment mal, nicht so voreilig: Wir Männer sind doch noch für etwas zu gebrauchen- aber für was genau wurde nicht gesagt!

Ich warte auf Erleuchtung.
Streifzug schrieb am 26.11.2009 um 16:15
MH,

das hat mich neugierig gemacht. Hab meine Frau angerufen und sie gefragt, wofür ich zu gebrauchen bin. Sie will darüber nachdenken. Wenn ihr was einfällt, sagt sie es mir heute Abend.
mh schrieb am 26.11.2009 um 16:30
wenn denn dabei nichts rauskommen sollte, lieber streifzug, dann kannst du dich daran festhalten, dass diese studie deiner frau mächtig zu denken gegeben hat.

als sinn und zweck, daran und drüber zu denken, könnte mann sich doch gewöhnen. das hat was von einem kuscheltier. meist liegt es nur dämlich rum, ab und an wirds aber unabdingbar gebraucht.

mfg
mh hach wie schön
konfusius schrieb am 26.11.2009 um 23:23
kann es sein, dass hier einer handvoll kommentatorinnen die pferde durchgegangen sind?
THX1138 schrieb am 27.11.2009 um 11:23
Nein, das ist unmöglich.
truchsess77 schrieb am 27.11.2009 um 12:01
Ich bin zwar auch ein wenig skeptisch, was die Detailinterpretation angeht. Allerdings deckt sich einiges im Artikel mit meinen persönlichen (teilnehmenden) Beobachtungen.

Beobachtung I: Aus meiner eigenen Beziehungen weiß ich, dass die jeweiligen Partnerinnen gerne behaupten, die Hauptlast der Hausarbeit zu tragen. Weil ich das von meiner Erziehung her immer als schwerwiegenden, aber nicht treffenden Vorwurf empfand, habe ich einfach mal ein Buch angelegt, in dem die tatsächlich Minuten und Stunden an Haushaltsarbeit festgehalten wurden. Und siehe da: Die "gefühlte" Realität meiner Partnerin hielt der objektiven Realität in keiner Weise stand. Es ergab sich ein Gleichstand bzw. sogar ein leichtes Mehr an Hausarbeitsaufwand für mich (den Mann). Der Beziehung war diese Feststellung aber nicht unbedingt zuträglich, so dass ich irgendwann aufgehört habe, mich zu beschweren...

Beobachtung II: Die meisten Paare können aber ganz gut damit leben, nach außen hin es so zu verkaufen, dass SIE trotz allem den Haushalt managt und er angeblich weniger darin macht...(und es intern anders handhaben - so läuft es bei uns mittlerweile auch)

Beobachtung III: Selbst bei Paaren mit klassischer Rollenaufteilung kann nicht davon gesprochen werden, dass der Mann nichts im Haushalt macht, weil er "moderne" Haushaltsgegenstände wie z.B. den Heim-PC der Frau bitte wie selbstverständlich funktionstüchtig zu halten hat. Hier wird einfach nach Belieben umdefiniert, was zum Haushalt gehört, um die Rollenbilder vor sich selbst Aufrecht zu erhalten.

Auf Grund dieser Beobachtungen bin ich mir nicht so sicher, ob hier die Ideologie im Artikel oder in einigen Kommentaren zu finden ist...Aber jeder wird so seine eigenen Erfahrungen gemacht haben.
Lethe schrieb am 27.11.2009 um 15:21
zwei Aspekte stören mich besonders an dieser Arbeit (vorausgesetzt, der Artikel gibt ihre Tendenz und Intention korrekt wieder): zum einen, dass der Umstand eines Machtgefälles innerhalb einer Beziehung nicht selbst Gegenstand der Untersuchung ist. Ich würde jede Beziehung, in der ich stehe, sofort beenden, wenn sich ein Machtgefälle einschliche. Zum anderen die Unhinterfragtheit des Themas "Ordnung im Haushalt". Da frage ich mich: wer legt die fest? Bürgerliche Normalitätsvorstellungen? Angeblich weibliches Brutpflegeverhalten? Angeblich männliche Unordentlichkeit?

Eine Familie mit Kindern, selbst schon eine Paarbeziehung ohne Kinder, aber mit gemeinsamem Haushalt, führt immer auch zur Arbeitsteiligkeit. Es wäre besser, wenn die beiden Kombattanten selbige vorher genau absprechen würden; derartige Ungleichgewichtigkeiten in der Beziehungsführung könnten von vornherein vermieden werden, und wenn man merkt, die Vorstellungen passen nicht zueinander, braucht man sich die Beziehung erst gar nicht anzutun.

Wenn natürlich Beziehungen unter dem Aspekt der "Lust am Mächtigersein" geführt werden - weitermachen, ihr habt genau die Beziehung, die ihr verdient.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.11.2009 um 17:15
Mann weiß Frau mosert. Das ist so normal wie Wasser abwärts läuft. Und? Das geht schon 34 Jahre so.


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