Alltag

Namenskritik | 22.12.2009 17:00 | Susanne Lang

Jetzt wird abgewrackwickelt!

Die West LB hat nun ihre eigene "Bad Bank". Das sind nicht nur aus kapitalistischer Sicht gute News, auch aus sprachlicher. Denn sie heißt: "Erste Abwicklungsanstalt"

Achtung, gute Nachrichten aus der Wirtschaftswelt: Die WestLB hat nun auch eine Bad Bank, die sich um ihre faulen Papiere kümmert. Prinzipiell lobenswert. Noch ruhmreicher jedoch ist die Umtauf-Aktion der krasskreativen Landesbank. Denn „Bad Bank“ ist irgendwie so was von 2009 – so negativ, so amerikanisch, so vorbelastet – und muss nun einer ordentlichen Bezeichnung weichen: „Erste Abwicklungsanstalt“.

Da erinnern auch wir Alltagsmenschen uns an unser Großes Latinum, Nomen est Omen und so. Ein Name ist nie nur ein Name, schon gar nicht, wenn man ihn sich selbst gegeben hat, sondern ein großes Identitätsprojekt. (Wir wollen hier gern auf den Namensforscher Joachim Schaffer-Suchomel verweisen, der ein ganzes Buch über den Einfluss von Vornamen auf den Charakter verfasst hat; Joachim kommt eher jammerlapprig weg, aber nun gut.)

Die WestLB jedenfalls folgt nicht nur der aktuellen Mode im Unternehmensmarketing, von Kunstnamen bzw. englischen Konstruktionen abzulassen, weil, wie Markus Lindlar, Geschäftsführer der „Namingagentur Nambos“, erkannt hat, die Wirtschaftskrise die Etats für Markteinführungen habe schrumpfen lassen, weswegen einfache Namen leichter zu „kommunizieren“ seien. Nein, die WestLB hängt sich nahtlos an das andere große Erfolgsmodell des Jahres: die Abwrackprämie. Sie ist beim Konsumentenbürger nachhaltig positiv besetzt und wurde nicht ganz grundlos zum Wort des Jahres gewählt. Jetzt wird der Rest des ökonomischen Zwischenfalls abgewrackwickelt. Nach guter, alter deutscher Manier in einer Anstalt. Aufschwungsähnliche Zustände sind das!

 
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Artikelaktionen
Kommentare
archinaut schrieb am 22.12.2009 um 17:31
.... erinnert an die Umfirmierung der Arbeitsämter zu Agenturen.... weiss man schon, wieviel das Logo der EAA kostet (oder ist die Meldung ein Weihnachtsscherz?)
mh schrieb am 22.12.2009 um 21:08
nein, ein scherz ist das wahrlich nicht. :) dieser seriös wirkende mensch hier leitet das alles:



wenn ich mir den so anschaue.. abgewrackwickelt passt da irgendwie sehr gut. :)

mfg
mh
Susanne Lang schrieb am 23.12.2009 um 12:09
HILFE! ;)
Rainer Kühn schrieb am 23.12.2009 um 19:00
Brille: Dealman!
rusti schrieb am 22.12.2009 um 18:02
Ich kann dem absolut nix Gutes abgewinnen.
Man stelle sich nur vor, daß in diesem Bad Think
Gartenhäuschen an der S-Bahn, mit dem Buchwert einer Tessiner Villa sind, ungefähr 80Mrd, dann ist dies doch der reine Wahnsinn.
Für was eigentlich diese irren Subverstionen.
Eigentlich gibt es nur eine Antwort - Insolvenz.
gweberbv schrieb am 23.12.2009 um 18:48
Die Landesbanken haben sich bis vor ein paar Jahren mittels staatlicher Bürgschaften günstig finanzieren können. Da dürfte es noch viele, viele, viele Mrd € an Anleihen geben, für die im Fall der Insolvenz ohnehin die Ländeshaushalt haften müssten.
mh schrieb am 23.12.2009 um 19:56
gna. theoretisch müssten wir dafür nicht gerade stehen. also wenn man so praktisch da rangehen würde wie dubai. man tuts nur nicht, aus der angst heraus es würde destabilität vermitteln.^^

mfg
mh
gweberbv schrieb am 24.12.2009 um 14:26
@MH

Wikipedia sagt, dass alle Anleihen der Landesbanken und Sparkassen, welche bis 2005 aufgenommen wurden und nicht erst nach 2015 auslaufen, der Gewährträgerhaftung unterliegen. Sprich: Die Kommunen/Länder haften dafür.

In Dubai scheint dagegen keine direkte Haftung des Staates für die überschuldeten Entwicklungsgesellschaften zu bestehen.
mh schrieb am 24.12.2009 um 14:47
die probleme gibts aber nicht wegen der anleihen..

mfg
mh
gweberbv schrieb am 25.12.2009 um 02:27
Ok, wenn du es sagst...
SteinMain schrieb am 23.12.2009 um 23:54
Ich mach mal ein FAQ auf:

Was sagt eigentlich die SCHUFA dazu ?

Wie sind denn die Konditionen, wenn man bei einer BadBank sag mer mal ein Girokonto eröffnen will ?
Wieviel Insolvenzen und ab wieviel Millionen Schulden muss man da haben ?

Muss man unbedingt Vollkaufmann sein, um eine Verbraucher-BadBank aufzumachen, oder reicht es, wenn man mal Schatzmeister in der FDP war ?

Muss man ab ein bis zwei Milliarden Schulden eigentlich damit rechnen, irgendetwas zurückbezahlen zu müssen ?

Kriegt man das Gehaltskonto in faule Kredite umgetauscht, bzw. durch wie viele Falschspielerhändchen geht das Geld, falls man so etwas wie Arbeiten in Erwägung ziehen würde ?

Die kapitalistische volkswirtschaftliche Wertschöpfung ist eigentlich als geplatzt zu betrachten.
rusti schrieb am 24.12.2009 um 16:17
Außer der Chaostheorie existiert wahrscheinlich keine Logik in der allgemeinen Wirtschaftswissenschaft der heutigen Zeit. Daher gibt es ein Scheitern für diese Gangster nicht.
Die Wirtschaftsclaquere gehen immer von "Ideal Standard" Kloschüsseln aus, nur jibbet die in der Realität nicht. Man könnte genau so gut in die Glaskugel schauen.

Daher ist ein grundsätzlicher Systemwechsel von Nöten, in dem klare Grenzen, gesellschaftspolitsche Werte und eine Ethik dem Wirtschaften gegeben werden.
Nur dazu müßte man die Freiheiten und Macht dieser Kaste beschränken bzw. entziehen.
Dies gibt natürlich "Ärger" - wie immer.

Allen ein friedliches Weihnachstfest.
mh schrieb am 24.12.2009 um 18:22
wirtschaftstheorie ist heutzutage ideologie und daher schädlich. die klingt bei dir, allein durch die wortwahl, aber auch schon durch .. also lass bitte die finger im system, wird sonst ähnlich enden, nur der weg ist anders. ;P

mfg
mh
SteinMain schrieb am 24.12.2009 um 22:45
ja, jetzt, warum haben die damals den sozialismus plattgemacht ? unproduktiver, sozialistischer schlendrian, seit die nichgt mehr den kapitalistischen mehrweerzt, aso seit 1980 sind die realeinkoomen nicht mehr gestiegen und die produktivität ist umm 400 prozent gestiegen hey wirtschaftstheoretiker, was bringt der reale globalkapitalismus ?
rusti schrieb am 25.12.2009 um 10:43
Hier geht es nicht um Sozialismus, Kapitalismus oder so, sondern um Freiheit, Gerechtigkeit und Chancengleichheit für so viele Menschen wie möglich.
Nicht für eine elitäre Kaste mit ihren faschistoiden Lebensweisheiten, die nur eines garantiert - Ihre Freiheit, Reichtum und Macht.

Irgendwann muß es auch den gutmütigsten Bürger auffallen, daß mit Appellen an die Vernunft dieser Kaste nichts zu erreichen ist. Sie verhalten sich wie kleine Kinder die ständig ihre Grenzen austesten. Wenn man sie gewähren läßt, entwickeln sie Strategien um ihre Gelüste
100% zu befriedigen. Sie erweitern und verfestigen mit „ihrer“ Kohle ihre Macht ständig.
Es ist zwar traurig aber bittere Realität. Viel zu viele Menschen sind einfach zu kaufen.
Die Methoden diese Käuflichkeit zu fördern werden immer ausgefeilter und subtiler. Wir erleben im Moment eine Phase der Desinformation oder Nichtinformation. Eine echte öffentliche Diskussion entfällt,weil politische Themen nicht quotenfreundlich sind? Warum eigentlich?
Weil der private Mainstream eben dieser Ideologie huldigt und keine Kritik zu läßt und sogar mit gemeinsamen Aktionen Andersdenkende regelrecht öffentlich hingerichtet werden Z.B. in Form von Verleumdungskampanien. Die beliebteste ist ihnen eine Radikalisierung zu unterstellen, um sie damit gewissermaßen aus zu grenzen.
Faschistoid eben.
Der Mammon ist eben die Autorität, dem sich alles unter zu ordnen hat.

Vor über 2000 Jahren passierte übrigens ähnliches.


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