Auf Sibylle Bergs Website gibt es viele Räume zu entdecken, darunter ein Kinderzimmer, ein Elternzimmer und sogar ein Sterbezimmer. Uns interessiert hier aber das Klassenzimmer. Klickt man da nämlich drauf, wird man erst mal provoziert: Sie wollen so reich, berühmt und gutaussehend werden wie Frau Berg? Drücken Sie hier: So steht das tatsächlich da, und wenn man Frau Bergs Suggestion erliegt – gedrückt ist ja schnell, heutzutage im Internet – landet man auf einer Seite namens die-schreibschule.com, die von der „Fachfrau fürs Zynische“ (Kulturzeit) gemeinsam mit ihren Freundinnen Milena Moser und Anne Wieser betrieben wird.
Für erfreulich stolze Preise – 1.000 „Stutz“ (SFr) sind für eine Woche Intensivaustausch zu berappen: oh, wären nur alle Geistesarbeiter so selbstbewusst in den Zeiten des Gratiswahns! – kann man sein Manuskript in allen möglichen Stadien der Textwerdung von Frau B. betreuen lassen. Und zwar online – die Kommunikation, „mehrmals täglich“, findet nämlich ausschließlich per E-Mail statt. Bei Frau Wieser kann man dann noch lernen, wie man das fertige Werk auch beim richtigen Verlag unterbringt.
Aber wieso Geld nehmen für solche Lektionen, wozu gibt es Werbebanner? Dachten sich da die Damen und Herrschaften von der Audio Media Digital GmbH – und entwickelten lieber gleich einen Gratis-Web-Lehrgang für angehende Romanciers. Die österreichische Firma betreibt auch den Hörbuchverlag hoerbuch.cc und die Internetseite buchdownload.cc, die seit kurzem kostenlos Hörbücher zum Download anbieten. Alle drei Gratisangebote sollen sich über Werbeeinnahmen finanzieren – so ganz scheint das aber noch nicht zu klappen, flehen doch lauter kleine digitale, gelbe Post-it-Zettel: „Werben Sie hier!“
Auf schreibdichfrei.de erklärt die österreichische Wirtschaftsjournalistin Silvia Jelincic (Die nackte Elite) in zehn Video-Kapiteln, „wie du einen genialen Roman schreibst“. Mit der Duzerei soll eine junge, schreibinteressierte Zielgruppe angesprochen werden, vermutlich mit dem Hintergedanken, für die Gratis-Lektionen später auch Gratis-Content abgreifen zu können. In der Old Economy gab (und gibt) es dafür Anbieter wie den Frieling Verlag („Sie suchen einen Verlag? Wir suchen Autoren!“). In einem persischroten Pulli die Balance zwischen seriös und lässig auslotend, erklärt Jelincic, dass man für einen Roman eine Hauptfigur, ein Ziel und ein Hindernis brauche und immer auf die innere Stimme hören solle. Vor allem aber schärft sie uns ein: „Du musst nur fleißig und geduldig sein.“
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Vielleicht hätten es solche Angebote nicht so leicht, auf Dummenfang zu gehen, wenn es im deutschsprachigen Raum vergleichbare Bildungsangebote gäbe, wie im englischen. Creative Writing als Kurs an Colleges ist seit langem üblich. Nur hier herrscht noch immer die Auffassung, Schreiben könne nicht gelehrt werden. Warum eigentlich? Es gibt Kunsthochschulen, Theaterwissenschaften - auch angewandte - nur das Schreiben, das kann man oder nicht, angeblich. Keinesfalls wäre es ein Lehrfach an einer germanistischen Fakultät.
Ob es auch daran liegt, dass der Markt mit Literatur aus dem englischsprachigen Bereich überscshwemmt wird? |
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Find ich echt interessant, diesen Artikel über Berg, Moser und Wieser und die diversen Anleitungen zum Schreiben.
In der VHS gibts auch einen Kurs "Kreatives Schreiben". Solange es keinen Schaden anrichtet...;) |
Ausgabe 20/2012
16.05.2012
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Na, wie war's in der Schule