Alltag

Netzgeschichten | 10.02.2010 17:00 | Philipp Brugner

Rudel-Shoppen mit Rabatt

In den USA sind neue online Rabatt-Modelle bereits erfolgreich. Nun versuchen Start-Ups, sie auch in Deutschland zu etablieren. Die Idee: je mehr Käufer, desto billiger

Amerikanern wird ja oft eine übertriebene Konsumfreudigkeit nachgesagt. Endlose Shopping-Malls, in denen sich sowohl der Südstaaten- als auch der Nordstaatenamerikaner nur allzu gerne herumtreibt, gelten gemeinhin als „Orte des Freizeitvergnügens“. Nicht umsonst aber hatte schon Max Weber in seinem Buch Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus eben jenen als von den USA und Nordwesteuropa ausgehend beschrieben. Heute müssen wir nur eine Begriffserweiterung durchführen und von Europa statt Nordwesteuropa als kapitalistisch indoktriniert sprechen.

Gute Voraussetzungen also für ein Rabatt-Modell wie das „Groupon“. Die Wortverbindung aus „group“ und „coupon“ steht für eine Form des gemeinschaftlichen Einkaufens, bei dem sich eine bestimmte Anzahl an Kaufwilligen im Internet für ein spezielles Produkt zusammenfinden muss, so dass dieses dann im Preis fällt und in verbilligter Form an die Käufer abgegeben wird. Durchaus eine Anstiftung zum Massenshopping und großen Kapitalumsatz. Der amerikanische Start-up groupon.com gilt als so etwas wie der Vorreiter in der Branche, seit einiger Zeit gibt es aber auch deutsche Anbieter dieses Konzeptes. Hierzulande aber läuft das Geschäft mit kollektiven Rabatten eher schleppend an. Seiten wie dailydeal.de oder citydeal.de, die mit Angeboten wie verbilligten Manikürepaketen (bei zehn Käufern) oder einem günstigen Steak-Essen (bei fünf) werben, hätten mit der deutschen Marktmentalität zu kämpfen, so Stefan Uhrenbacher, Gründer des Bewertungsportals qype.com.

Das Geschäft beschränke sich hauptsächlich auf persönliche Dienstleistungen und dieser Markt sei nun mal viel kleiner als in den USA. Zweitens seien es die lokalen Anbieter der so genannten „Deals“ nicht gewohnt, mit großen Rabatten auf Kundenfang zu gehen. Bis dato haben sich in den meisten deutschen Großstädten Groupon-Start-ups entwickelt. Wie viele davon wirklich überleben, bleibt offen. Uhrenbacher geht von einem oder zwei aus. Wenn da nicht der Investment-Boom wäre.

Vor kurzem stieg der Investor Stefan Glänzer bei dailydeal.de ein und auch citydeal.de erfreut sich einer Geldspritze. Vor allem geht es perspektivisch darum, die lokalen Gutscheinaktionen nicht nur für eine Stadt anzubieten sondern städte- und länderweit zu expandieren. Und das geht meist nur mit finanzieller Unterstützung.

Wenn sich dann noch die deutsche Marktkultur ändert, sieht es für das große Groupon-Shopping doch nicht schlecht aus.

 
Senden Bookmarken Drucken
Artikelaktionen
Kommentare
gweberbv schrieb am 10.02.2010 um 18:23
Das gab es schon um das Jahr 2000 herum: japablo.wordpress.com/2008/05/15/let%C2%B4s-buy-it-web-10-fossilien-und-gescheiterte-ideen/

Hab damals nen Entsafter dort gekauft - und wohl ganze drei Mal benutzt.
meinnamesei schrieb am 11.02.2010 um 10:17
in der tat gab es das schon in ähnlicher form während der dotcom phase. allerdings kommt jetzt die lokale komponente hinzu und das allerwichtigste: seit 2000 hat sich die zahl der aktiven internet-shopper dramatisch erhöht. die kritische masse ist erreicht. in kombination mit sozialen netzwerken kann diese idee sehr spannend sein. stefan glänzer scheint ja eine ganz gute nase zu haben...
Philipp Brugner schrieb am 11.02.2010 um 10:25
Ich glaube auch, dass vor allem soziale Netzwerke dafür sorgen könnten, diese Entwicklung voranzutreiben. Nichts fällt heutzutage leichter, als ein paar Leute über's Netz zu mobilisieren.
Franko schrieb am 24.02.2010 um 19:39
Meiner Meinung nach ist die Zeit im Moment wirklich nicht ganz ungünstig für einen weiteren Versuch dieser Form von eCommerce, da ich es ebenfalls so sehe, dass sich die Selbstverständlichkeit zu spontanen Onlinekäufen allgemein schon verändert hat. Natürlich ist das nicht die Neuerfindung des Rades, aber der Unterschied zum Umgang mit eCommerce Portalen von vor 5 bis 10 Jahren ist doch ersichtlich und die Chancen für kleinere lokale Dienstleister und Gastronomen sind noch ziemlich ausbaufähig. Interessant finde ich Klon-Übersichten wie www.tagesangebote.de, wo man sogar Groupons in über 16 Städten vergleichen kann.
julia.i schrieb am 03.03.2010 um 15:20
Es kommen immer mehr Anbieter hinzu. Die Groupon Shopping Übersichten haben also wohl echt ein Daseinsberechtigung. Bin noch auf www.dealmob.de gestoßen.
Guido von Regiodeals schrieb am 01.07.2010 um 22:36
Die Deutsche Grouponszene bleibt in Bewegung. Nachdem Reduti nun von DailyDeal geschluckt wurde, tritt ein neuer Berliner Startup: getdeal.de auf die Bühne. Die aktuellen Angebote sind bei uns auf regiodeals.de ganz frisch gelistet. Grüße Guido


Meistkommentiert
7 Tage
Monat
Bisher
David Graeber Schulden. Die ersten 5000 Jahre Klett-Cotta 2012

536 Seiten. Gebunden.

26,95
 
Seit der Erfindung des Kredits treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Ziemlich beste Freunde

Ausgabe 20/2012
16.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

Blog-Tipps

Boing Boing
Ein Verzeichnis wundervoller Dinge

Wired News
Technologie-Trends von heute und morgen

Jezebel
Das US-Frauennetzwerk

maedchenmannschaft. net
Das Blog der Alphamädchen

flannel apparel
girlism. großkariert.

nutriculinary.com
Große Küche von Herrn Paulsen

Frau Freitag
Na, wie war's in der Schule

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG