Alltag

Netzgeschichten | 16.02.2011 12:30 | Maxi Leinkauf

Dem Feind ins Netz gegangen

Jeder Dritte zwischen zehn und 18 Jahren hat negative Erfahrungen mit Erniedrigungen im Netz gemacht. Digitales Mobbing ist inzwischen auch ein Stoff fürs Theater

Wer auf dem Schulhof gedemütigt wird, verliert seinen Ruf nur vor zwei, drei anderen, die mit herumstehen. Und er weiß, wo der Feind lauert.

Cyber-Mobbing, das „virtuelle Dissen“, wird anonym betrieben. Doch üble Gerüchte oder peinliche Fotos kursieren dann in der gesamten Netzgemeinde. So wie vor Kurzem in Frankfurt: Dort fanden sich immer mehr Schüler auf einer Online-Plattform zusammen, die eigens dafür geschaffen wurde, sich gegenseitig und auch Lehrer fertigzumachen. Schüler von rund 60 Schulen waren beteiligt. Der Direktor der Frankfurter Wöhlerschule bat daraufhin um Hilfe und schickte einen Brief an alle Eltern sowie an das staatliche Schulamt, das Jugendamt und die Polizei. Er forderte dazu auf, Maßnahmen gegen den Betreiber des Schmäh-Portals zu ergreifen. Mehrere Geschmähte er­statteten Anzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft, denn auf der Seite finden sich strafrechtlich relevante Aussagen. Nur, wie soll man jemanden rechtlich belangen, den man nicht kennt?

Lover erfunden, um zu kränken

Digitales Mobbing nimmt rasant zu. Laut der Bitkom-Studie Jugend 2.0 hat jeder Dritte der zehn- bis 18-Jährigen negative Erfahrungen im Netz gemacht. Jedes sechste Mädchen berichtet von sexueller Belästigung. Nirgends ist es leichter, andere zu verleumden als im Web 2.0. In sozialen Netzwerken, in Foren bringen Nutzer fiese Gerüchte in Umlauf oder posten Fotos, um andere zu erniedrigen. Auf den Seiten können sie sich rasch verbreiten, und solche Schikanen können für die Betroffenen psychosoziale Folgen haben. Viele Opfer von Cyber-Mobbing werden schwächer in der Schule und weisen zwei- bis dreimal häufiger Symptome von Depressionen auf.

Ein paar Beispiele: Eine 13-jährige US-Amerikanerin hatte sich in einen 16-Jährigen virtuellen Lover verknallt. Doch der wandte sich bald ab und beschimpfte sie. Bald kam heraus: Es gab ihn gar nicht. Eine Nachbarin hatte ihn nur erfunden, um sie zu kränken. Die 13-Jährige nahm sich das Leben. Im Mai 2010 fand ein 13-jähriger Österreicher einen Link auf seiner Facebook-Pinnwand, der zu einer Homepage führte, auf der er als „arschgefickter Homo“ bezeichnet wird. Am selben Abend beging er Suizid. Immer mehr Prävention soll nun verhindern, dass man dem Feind ins Netz geht.

Digitales Mobbing ist mittlerweile auch ein Stoff fürs Theater: Im Stück Chatroom, das in Frankfurt/Main gespielt wird, wird eine harmlose Netzunterhaltung zum Spiel mit dem Leben – ein depressiver Junge soll in den Selbstmord getrieben werden.

 
Senden Bookmarken Drucken
Artikelaktionen


Meistkommentiert
7 Tage
Monat
Bisher
David Graeber Schulden. Die ersten 5000 Jahre Klett-Cotta 2012

536 Seiten. Gebunden.

26,95
 
Seit der Erfindung des Kredits treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

Blog-Tipps

Boing Boing
Ein Verzeichnis wundervoller Dinge

Wired News
Technologie-Trends von heute und morgen

Jezebel
Das US-Frauennetzwerk

maedchenmannschaft. net
Das Blog der Alphamädchen

flannel apparel
girlism. großkariert.

nutriculinary.com
Große Küche von Herrn Paulsen

Frau Freitag
Na, wie war's in der Schule

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG