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Selbst wenn sie den Namen Franken nie hörten, nicht wissen, wo Würzburg liegt – einen Namen kennen Weinfreunde aus aller Welt fast immer: den des Würzburger Steins.
Noch vor wenigen Jahren lag der Weinbau in Franken am Boden: die Lager voll, die Preise im Keller, und die Weine nur selten von einer Qualität, dass man sie wirklich empfehlen konnte. Dann aber schafften es die Winzer vom Main, sich mit großer Anstrengung, quasi am eigenen Schopf, aus dem Schlamassel zu ziehen. Sie reduzierten die absurden, in schlechtem Sinne rekordverdächtigen Ernteerträge, investierten in die Kellertechnik und setzten auf eine Rebsorte, die seit jeher als Synonym für die fränkischen Weinberge gelten kann: den Silvaner.
Großes Gewächs
Einer der maßgeblichen Erzeugerbetriebe bei dieser radikalen Gesundungskur war, nomen est omen, das Weingut eines Spitals. Jawohl, eines Krankenhauses, denn das historische Würzburger Juliusspital besitzt nicht nur eines der größten, sondern auch eines der renommiertesten Weingüter Deutschlands. Wer nach Würzburg kommt, sollte es nicht versäumen, diesem Spital mit seiner historischen Apotheke, mit seinen berühmten Arkaden und der in einem anmutigen Gartenpavillon untergebrachten Anatomie einen Besuch abzustatten. Direkt neben diesen historischen Gebäuden findet er das Weingut mit angeschlossenem Restaurant.
Von der Lage Würzburger Stein, deren legendäre, jahrhundertelang gereiften Rieslinge Weltruhm besitzen, erzeugt das Spitalweingut nicht nur einen unglaublich guten Renommier-Silvaner, der als „Großes Gewächs“ firmiert, sondern auch diesen außergewöhnlich guten, „normalen“ Kabinett trocken, einen Wein mit feinfruchtigem Aprikosen- und Apfelduft, in dem auch etwas Melone mitklingt, der Biss, Frucht und Kraft mitbringt und der sich trotzdem die gewisse Leichtigkeit bewahrt hat, die der „Gewichtsklasse“ Kabinett eigen ist oder sein sollte. Um sie vom „Großen Gewächs“ unterscheiden zu können, sozusagen.
Silvaner Würzburger Stein 2009 Kabinett trocken, Weingut Juliusspital, Würzburg (Franken/Deutschland), Preis: ca. 14,- EUR
Diese Kolumne basiert auf einer Kooperation mit ENO WorldWine Deutschlands ältestem unabhängigen Weinportal.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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