Alltag

Der Freitag am Herd | 03.05.2011 15:25 | Jörn Kabisch

Ab in die Küche

Der Freitag durfte auf Einladung der Gourmet-Zeitschrift Effilee dem Berliner Sterne-Koch Tim Raue in die Töpfe schauen – und mithelfen. Ein preußisch-asiatisches Treffen

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Tim Raue stellt sich und sein neues Restaurant vor. Der 34-Jährige ist seit mehr als zehn Jahren Küchenchef. Aus seinem Ehrgeiz macht er keinen Hehl. Raue stammt aus Kreuzberg, hatte eine wilde Jugend, war Mitglied einer Straßengang. Er hat sich hoch gearbeitet – mit preußischer Disziplin, wie er sagt. In seiner Küche musste es schon immer Bumm machen, seit ein paar Jahren hat er die richtige Grundlage für starke Aromen gefunden. Die asiatische Küche (Foto: Andrea Thode)

Tim Raue liegt ein Satz immer auf den Lippen: „Das ist großes Kino“, schnalzt er, wenn der Sterne-Koch aus seinem Alltag erzählt, von einem neuen Geschirr, das er eben auf einer Messe in Frankfurt entdeckt hat, von Jiro Ono, denn Raue wird am Abend auf der Berlinale eine kulinarische Hommage an den Sushi-Meister auftischen, oder von den Tiger Prawns aus der Nähe von Bremen, die ihm ein kleiner Züchter geschickt hat. „Großes Kino“, das sind die Dekors der Teller, die Könnerschaft des japanischen Kochs, die knackige Frische der Garnelen. Fast übergangslos hangelt sich der Koch von Thema zu Thema, bevor er mit uns in die Küche geht. Seine unersättliche Begeisterungsfähigkeit, das ist der rote Faden bei allem.

„Ich weiß, was Hunger ist“, hat Tim Raue auf den Titel seiner eben erschienenen Autobiografie geschrieben. Und es ist diese Lust auf mehr, die Raue vielleicht auch zu dem Wagnis gebracht hat, sich mit einem Gourmet-Restaurant in der Hauptstadt selbstständig zu machen, ohne Investoren, ohne ein großes Hotel im Hintergrund zu haben, und es dann noch mit einem völlig neuen Ansatz zu versuchen, asiatischen Aromen. Aber manchmal geht so etwas eben nur allein.

Auf Einladung von Vijay Sapre, dem Herausgeber von Effilee, durften wir mit Tim Raue kochen. Mit einer befreundeten Redaktion in die Küche zu gehen, das macht das Gourmet-Magazin seit seinem ersten Erscheinen. Die Bilder von Andrea Thode sind auch in der aktuellen Ausgabe von Effilee als Fotostrecke abgedruckt, zusätzlich gibt es die kompletten Rezepte unseres Menüs. Effilee erschien etwa zeitgleich mit dem Relaunch des Freitag auf dem Markt und setzt wie wir nicht allein auf Print. Auf effilee.de entsteht unter Mitwirkung der Community ein kulinarisches Lexikon. Zutaten, Rezepte, Restaurants und Köche – zu allem gibt es Einträge, sie entstehen nach dem Wikipedia-Prinzip.

Das Treffen in Raues Restaurant war von großer Neugier geprägt. Zeitungsmacher, die sich ständig in verschiedenen Tempi bewegen und zwischen dem bedächtigen Alltag einer Wochenzeitung und der schnellen Online-Welt hin und her wechseln müssen, achten auch auf die unterschiedlichen Geschwindigkeiten eines Kochs, der Fleisch über Stunden im Niedriggarschrank lässt, aber damit auch blitzschnell und gegen alle Regeln der Fondszubereitung verstoßend einen Beef Tea kocht. Dazwischen noch einen Löffel Mandarinen-Möhren-Püree zu kosten oder sich eine schnell improvisierte Hummer-Ceviche in den Mund zu schieben ... Das war, um es mit Raue zu sagen, ganz großes Kino.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Technixer schrieb am 03.05.2011 um 17:59
Bin immer sehr geteilter Meinung über diese "Kunstwerke" der sogenannten Haute Cousine. Als Essen, zwecks Hunger stillen, würd ich diese Häppchen ja nicht unbedingt bezeichnen oder wurdet ihr davon satt?

Bei einem Studentenjob wurde das Firmenweihnachtsessen von Käfer ausgerichtet. Man sagte uns vorher, dass wir zu Hause ruhig deftig essen können und es kam tatsächlich so. Fünf Gänge mit Kunstwerken, die zusammen genommen soviel Kalorien wie ein Knäckebrot enthielten. Sogar die Frauen haben angefangen die Tischdekoration (Brotfiguren) zu essen.

Außerdem wirkt das Essen so steril, klinisch, ordentlich, sauber, im 90° Grad Winkel angeordnet.
Andererseits können diese Geschmacksexperimente auch mal ganz nett sein...
weinsztein schrieb am 15.05.2011 um 04:46
Jesses, diesen Beitrag hatte ich übersehen. Danke für den Hinweis auf Effilee.
Bin dann mal weg :-)
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