Alltag

Post-it-Krieg | 31.08.2011 17:59 | John Henley

Ab heute wird zurückgeklebt

Pariser Büroangestellte haben eine neue Lieblingsbeschäftigung. Sie kleben an ihre Fenster Figuren aus unzähligen Post-its und versuchen benachbarte Büros zu übertrumpfen

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Ein bunter Wikinger am Bürofenster (Alle Fotos: postitwar.com)

Ihren Anfang nahmen die Kampfhandlungen an den glänzenden Fassaden des Ost-Pariser Büroparks Montreuil, in dem der Computerspiele-Gigant Ubisoft und die IT-Abteilungen einer großen Bank ansässig sind. Dann dehnte sich der Konflikt auf den Geschäftsbezirk La Défence aus und erreichte die ebenfalls von Anzugträgern bevölkerte Enklave Issy-les-Moulineaux, die Frankreichs höchste Dichte an Telekommunikations- und Medienunternehmen beherbergt.

Schließlich war die ganze französische Hauptstadt ergriffen. Seitdem sorgt der als La Guerre de Post-it bekannt gewordene Firmen-Klebewettbewerb für etwas Abwechslung im Pariser Sommer. In dem Post-it-Krieg kämpfen vermutlich unterbeschäftigte Büroangestellte, die große Teile ihres Arbeitstages dafür aufwenden, tausende pinke, gelbe, orangene und grüne Haftzettel an ihre Fenster zu kleben und so pixelige Bilder zu schaffen.

Zunächst waren es Mitarbeiter des Energieversorgers GDF/Suez und der Geschäftsbank Société Générale in La Défence, die den im Mai in Montreuil geworfenen Fehdehandschuh aufgriffen, dann beteiligten sich auch in Issy Firmen wie der Nachrichtenkanal France 24 und Coca-Cola Frankreich. Kürzlich sind in den Fenstern von Werbeagenturen in eleganten Pariser Wohnhäusern und in anderen Städten wie Lyon und Lille ebenfalls Post-it-Collagen gesichtet worden.

Zur Mittagszeit treffen sich junge Angestellte der wettstreitenden Firmen, um ihre Kreationen zu vergleichen und Gegenschläge auszuhecken. "Wir müssen jedes Mal etwas Größeres, Verrückteres und Abenteuerlicheres bringen", sagte Julien Berissi, 28, Projektmanager bei Société Générale. Sein "Rivale" Stephane Heude von GDF-Suez sagte, sozial gesehen hätte der Post-it-Krieg "sehr gute Auswirkungen" gehabt, weil er Menschen zusammengebracht habe, die sich sonst nie kennengelernt hätten.

Die Oberhand beim Klebezettelwettstreit hat bis dato Ubisoft – die Firma, deren Büroleiterin Emilie Cozette die Eröffnungssalve losließ: Die jüngste Ubisoft-Offensive erstreckt sich über drei Stockwerke, besteht aus über dreitausend Post-its und ist so komplex gestaltet, dass eine Vorlage auf einem Computer erstellt werden musste.

Übersetzung: Zilla Hofman
 
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Artikelaktionen
Kommentare
Ullrich Läntzsch schrieb am 01.09.2011 um 14:41
Schööööön
Hellie Bu schrieb am 08.09.2011 um 10:20
Da kann man die Poren des Arbeitstages wohl noch ein wenig verdichten...
Ullrich Läntzsch schrieb am 08.09.2011 um 10:55
Lieber Hellie Bu Blogger,

indem, Sie den Arbeitstag ansprechen, der ja für die Poster in den tristen Büros ein Arbeitsalltag ist, grau und trist,frage ich mich wie soll man, nach erster Freude über die Kreativität an sich, sie letztlich bewerten? Dann, wenn sie primär dazu dient die Poren zu verdichten, aus denen der Protest gegen ein entfremdete Arbeitswelt eigentlich heraus pressen müßte. Höchst ungesund sind verstopfte Poren allemal.

PS
wie bloggt man eigentlich ohne Benutzerprofil in der FC? - ich finde keines.
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