Alltag

Eheleben | 24.09.2011 16:00 | Pia Muzaffar Dawson, Carl Bigmore

Wie in einer Blase

In Thailand entstehen Vorortsiedlungen nach amerikanischem Vorbild. Dort wohnen Rentner aus dem Westen mit ihren thailändischen Ehefrauen in luxuriösen Häusern zusammen

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Ein Kind aus der Vorortsiedlung Pimon Chol, in der ältere Männer aus dem Westen mit ihren thailändischen Frauen zusammenleben, wird zu seiner Privatschule gefahren (Alle Fotos: Carl Bigmore)

Peters Freunde lachten schallend, als er ihnen von der seltsamen Sitte erzählte, dass thailändische Frauen nur zweimal im Monat Sex hätten. Wie Peter sind alle seine Freunde weiße, in Thailand lebende Ausländer – Farang werden sie genannt. Und sie sind alle mit Thailänderinnen verheiratet. Mit seiner Erzählung hatte Peter, 67 und Rentner, seinem Freundeskreis unbeabsichtigt offenbart, dass seine Frau nicht gerne mit ihm schläft.

Wenn man von "thailändischen Ehefrauen" hört, hat man sofort ein Klischee vor Augen: Der weiße Mann mittleren Alters, der seinen relativen Reichtum und seine relative Macht nutzt, um an eine viel jüngere und hübschere Frau heranzukommen, als es ihm sonst möglich wäre. Eine Beziehung, die auf gegenseitiger Ausnutzung basiert – er nutzt sie sexuell aus, sie ihn materiell.

In Pimon Chol findet man diese Vorurteile zunächst schnell bestätigt. Das Viertel ist eine amerikanisch anmutende Vorortsiedlung am Rand der 140.000-Einwohner-Stadt Khon Kaen im Nordosten Thailands. Um hineinzugelangen, muss man die Kontrolle eines privaten Sicherheitsdienstes überstehen. Dahinter: ruhige Einbahnstraßen, teure Autos vor neuen Häusern, makellose Rasenflächen, Swimmingpools. Farang mit nacktem Oberkörper gehen mit ihren Hunden Gassi, arbeiten im Garten oder spielen Tennis. Ihre thailändischen Ehefrauen besuchen sich währenddessen gegenseitig zum Kaffeetrinken. Die ganze Siedlung wirkt wie eine Blase, eine Parallelwelt, die kaum etwas mit der ungeordneten Stadtlandschaft um sie herum gemein hat. Thailändische Männer tauchen hier nur als Bauarbeiter oder Sicherheitskräfte auf.

Zurückgelassene Ehen und Hypotheken

Der 60-jährige John lebt seit zwei Jahren in Pimon Chol. Früher war er Geschäftsführer einer britischen Spezialgummi-Firma. Er ließ zwei gescheiterte Ehen und vier erwachsene Kinder zurück, um in Khon Kaen mit seiner neuen Frau neu anzufangen. Peter ist sein Nachbar. Er hat früher bei einem Versicherungsunternehmen gearbeitet und hat zwei Kinder aus Ehen mit einer Frau aus Honduras und einer aus den Philippinen. Jetzt ist er mit Pear verheiratet, der Frau, die sich weigert, mehr als zweimal im Monat mit ihm zu schlafen. Die Farang in der Siedlung kommen aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Schweden oder den USA. Wie John und Peter haben die meisten Ehen, Hypotheken und Familien zurückgelassen. In Pimon Chol ist das Leben billig, die Immobilienpreise sind günstig. Ein Haus mit drei Schlafzimmern und Pool gibt es für rund 50.000 Euro.

Die Ehen in dieser Enklave scheinen nichts mit jenen zu tun zu haben, die die Männer in Europa oder den USA mit ihren dortigen Frauen führten. Der Alters- und Kulturunterschied ist deutlich zu erkennen. Bei gesellschaftlichen Anlässen gibt es eine natürliche Geschlechtertrennung, weil Männer wie Frauen wegen ihres ähnlichen Hintergrundes und der gemeinsamen Muttersprache automatisch zusammenfinden.

Zu Hause sitzt John in seinem riesigen Wohnzimmer und schaut englischsprachiges Fernsehen, während seine Frau Tuey sich im Zimmer nebenan thailändische Filme ansieht. In der Regel nehmen die Männer sich auch gewisse sexuelle Freiheiten heraus – viele machen ab und zu ohne ihre Frauen Urlaub in Bangkok oder auf einer der Inseln. Sie gehen dort in die Bars und „treffen“ andere Frauen.

Wegen all dem könnte man vermuten, dass die Paare einander nicht besonders nahe stehen, vor allem, weil sie sich meist nicht einmal besonders gut verständigen können – viele Ehepaare unterhalten sich in einem seltsamen Mischmasch aus Pidgin-Englisch und Pidgin-Thai. Und trotzdem kann man, wenn man etwas länger hinschaut, auch als Außenstehender beobachten, dass es zwischen vielen Paaren in Pimon Chol eine gewisse Zuneigung und auch gegenseitigen Respekt gibt, die unsere Vorurteile in Frage stellen. Die Zuneigung entspringt sicher dem Tauschhandel, der die Beziehungen dominiert. Außenstehende mag es dabei besonders überraschen, dass die Paare überhaupt keine Versuche unternehmen, dies zu verstecken. Weder die Thai-Frauen noch ihre Farang-Männer finden, dass sie sich für irgendetwas schämen müssten.

Die Frauen sind stolz

Die Frauen von Pimon Chol genießen einen hohen Lebensstandard inmitten der ärmsten Provinz Thailands. Sie sind stolz darauf, für ihre alternden Eltern sorgen, ihre Kinder zur Schule schicken und sie in klimatisierten Häusern großziehen zu können. Und die pensionierten Männer aus dem Westen fühlen sich, als hätten sie den Jackpot geknackt: tropisches Klima, günstiges Essen und Frauen, die sich um sie kümmern, ohne viel dafür zu erwarten – keine Romantik und oft noch nicht einmal Treue.

Solange beide von Anfang das Gleiche wollen, sagen diese Paare, wird die Beziehung halten. Und nur weil das Verhältnis durch und durch praktisch ist, heißt das nicht, dass es darin nicht auch Zuneigung geben kann. Sie mag nur anders aussehen, als wir sie uns gemeinhin vorstellen.

Übersetzung: Zilla Hofman
 
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Artikelaktionen
Kommentare
eykiway schrieb am 26.09.2011 um 02:04
Diese NGO TANte
ist wie ein Schwuler Katholischer Pfarrer der mir was von EHE erzählt.
Der Faktor des Geld werten vorteils im ISAAN beträgt 1 zu 10.
Das wäre ungefähr so wenn ich einer Deutsche hartz 4 empfängerin sage ich habe 13400 euro netto willste mit mir gehen?
ist die deutsche h4lerin jetz eine Nutte? ich denke das NEIN.
dieser bericht hat Fehler erstens in Thailand ist es Verboten unter Strafe als AUSLÄNDER Land zu besitzen entweder das Haus ist gemietet oder es gehört der Ehefrau was meistens der Fall ist.
Wie kann es dann ein Nutten verhältnis sein wenn das Haus ihr gehört und sie gemeinsame Kinder haben?
Diese NGO TANTE sollte mal lieber über Weibliche Sextourismus schreiben nach zu lesen unter 1000 und 1 Nachtgeschichten.de
Thai Frauen haben Stolz und Respeckt und Achtung vor dem Alter. ein Spruch geht so Sorgst du für mich liebe ich dich
you take care for me i love you
war so ist so und wird auch so bleiben
In Thailand saufen die Alten Männer in Bars mit Frauen für ein Zehntel des Geldes gegenüber Europas in Europa zahlen Männer in Kneipen das Zehnfache für ihr ALK ohne Frauen.
so einfach ist 1 und 1
Lethe schrieb am 26.09.2011 um 16:45
hat vielleicht nicht ganz exakt was mit dem Thema zu tun, aber sehr viel mit dem Thema Thaifrauen, europäische Männer und Vorurteile:

ein guter Freund von mir ist mit einer Thai verheiratet. Trifft man sie unvorbereitet auf der Straße, ist im Augenblick alles klar, deutscher Bauerntrampel, aber mit viel Geld, kauft sich in Thailand junge Frau, die sich für ihre Familie opfert, weil die das Geld braucht. Vor allem er entspricht äußerlich so sehr dem Klischee, dass es wehtut^^ und sie geht immer noch als junge, sehr hübsche und ein bisschen naive Frau durch, obwohl ersteres und letzteres auch schon einige Jahre zurückliegen^^

Nun ja, er ist Professor für Anthropologie an der hiesigen Universität. Sie ist promovierte Biologin, die nach dem Studium in Deutschland geblieben war, weil ihr das Land so gut gefiel und ihr erster Ehemann zunächst noch ziemlich nett war. Kennengelernt haben sie sich zu einem Zeitpunkt, an dem sie, mittlerweile geschieden, schon 15 Jahre in Deutschland lebte, auf ganz triviale Weise, er ist ihr an der Ampel bei Rot ins Heck ihres Autos gerauscht. Und wenn man ihnen in die Augen schaut, wenn sie beide dann davon erzählen, wie das im Augenblicke völlig gegenstandslos wurde, dann weiß man, das Glück möglich ist, selbst zwischen einer Thai und einem Deutschen
redfox schrieb am 29.09.2011 um 20:58
Mich hätt der Artikel ja deutlich mehr interessiert, wenn wenigstens eine Witwe dabeigewesen wäre. Ob die dann auch so erbt, wie man sich das vorstellen würde & ob ihr auch wirklich das Haus bleibt, wie eykiway oben andeutet...

Um zu klären, ob es sich um eine Form von Prostitution oder um echte Zuneigung handelt, hätte man auch nachfragen können, ob die Frauen lieber nur das Geld ihres Mannes würden haben wollen - ohne ihn dafür umsorgen & bedienen zu müssen.
John Phatum schrieb am 12.11.2011 um 22:50
Entschuldigung, aber dieser Artikel wurde nicht richtig recherchiert und dient nur der Bestätigung von etablierten Vorurteilen.
Es gibt in Thailand keine mir bekannte Moo Ban (hier Vorort-Siedlung genannt) in der nicht auch Thais wohnen - meist sogar ist der überwiegende Anteil in der Siedlung thailändisch, somit gibt es in der Moo Ban auch thailändische Ehemänner !!
Das wird auch in Khon Kaen nicht anders sein.
Außerdem gibt es viele wirkliche Liebesehen zwischen älteren Europäer und jüngeren Thailänderinnen bei denen der weibliche Part den männlichen auch bei Altersarmut oder Gebrechen niemals verlassen würde und für den Partner bis "zum Schluss" sorgen wird. -- Sicherlich gibt es auch das Gegenteil, das liegt aber meist am Manne, wenn dieser nicht mit dem Herzen, sondern nur mit einem anderen Organ fühlt.
Es gibt weit weit mehr anständige Mädchen in Thailand die mit Europäern liiert sind, als man allgemein vermutet.
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