Zur Knoblauchpresse habe ich kein einfaches Verhältnis. Zwar liegt das verheißungsvolle Gerät in meiner Küchenschublade, doch wartet es dort oft vergebens auf seinen Einsatz. Allein bei seinem Anblick hinterfrage ich jedes Mal meinen Plan, den Knoblauch tatsächlich so zu pressen, wie es im Rezept empfohlen wird. Gepresst oder geschnitten?
Je nach Gericht spricht einiges für die gepresste Variante, schließlich ist dieses rein mechanische Gerät äußerst effizient darin, die Knoblauchzehen komplett auszupressen. Ein griechisches Tsatsiki etwa, das spanische Aïoli oder die französische Rouille könnten mit Presse einfacher nicht sein: Zehe rein, Essenz raus – ohne sich dabei die Finger wirklich schmutzig zu machen. Sehr praktisch. Aber nur, bis die Gäste gegangen sind und die Knoblauchpresse ganz unten im Spülbecken liegt, inklusive den unterdessen angetrockneten Resten der Knoblauchzehe, die langsam aber hartnäckig den perforierten Boden des Zylinders verklebt haben.
Tatsächlich entlarvt dieser Moment den wahren Charakter eines jeden Hobbykochs oder jeder Hobbyköchin: Die sorgsam Agierenden werden so schlau sein und die Knoblauchpresse noch vor dem Beginn des Essens in ein Glas Wasser stellen, damit die Reste des Knoblauchs nicht eintrocknen und nachher besser zu entfernen sind. Jene aber, die diese Gelegenheit verpassen und auch nicht mit einer Spülmaschine gesegnet sind, werden beim Herauspulen der Reste in Ruhe über die Tischgespräche sinnieren können – und die eilige Entscheidung, sich für dieses vermeintlich praktische Gerät entschieden zu haben, bereuen.
Fast zu Staub vertrocknet
Beim Saubermachen werden die Finger also doch noch schmutzig, und stinken nachher womöglich mehr, als wenn man den Knoblauch selbst geschnitten hätte. Natürlich, es gibt auch Modelle, die eine integrierte Schablone besitzen, mit der sich die Presse und das perforierte Sieb ganz leicht reinigen lassen.
Doch wer sich so wie ich einst in studentischer Sparsamkeit für die einfache Variante entschieden hatte, der weiß, dass jetzt nur noch eine Zahnbürste hilft, die hängen gebliebenen Knoblauchfasern von der mit vielen kleinen Nägelchen gespickten Druckplatte zu entfernen. Die Reste, die trotzdem darin stecken bleiben, werden – fast zu Staub vertrocknet – beim nächsten Gebrauch von allein herausfallen.
Karl Zysset, von seinen Freunden liebevoll Charlie genannt, hat dieses ambivalente Gerät erfunden, vermutlich Ende der vierziger Jahre. Damals hatte der gelernte Fahrradmechaniker in dem kleinen beschaulichen Schweizer Städtchen Lyss ein Fahrradgeschäft betrieben und gerade seinen 40. Geburtstag hinter sich.
„Velohaus Zysset“ stand damals über seinem Geschäft in dem kleinen, einstöckigen Riegelbau. In den fünfziger Jahren gründete er hier die Firma Zyliss und versammelt unter ihrem Dach seine zahlreichen Erfindungen. Auf die Knoblauchpresse folgte der Zwiebelhacker, auch unter dem Namen „Blitzhacker“ bekannt, sein erstes aus Kunststoff hergestelltes Produkt. Reklame machte er mit dem Slogan „Zick Zick Zyliss“.
Durch Knoblauchpresse und Zwiebelhacker wurde aus dem umtriebigen Tüftler ein reicher Mann – auch weil die Marke Zyliss bis zum Tod von Charlie 1998 in der ganzen Welt bekannt war: für ihre äußerst praktischen Haushaltsgeräte. Und das ist sie bis heute geblieben. Besonders die Amerikaner lieben die Quality made in Switzerland, selbst wenn die meisten Schweizer Produkte inzwischen in China hergestellt werden.
Doch der Einsatz der Knoblauchpresse ist nicht nur bei mir zuhause jedes Mal wieder eine heikle Entscheidung, er hält auch für ein abendfüllendes Gesprächsthema her. ‚Auf keinen Fall‘ meinen die einen erbost und schlagen sich damit auf die Seite vieler Spitzenköche. Diese argumentieren, dass das Aroma des Knoblauchs zerstört werde, weil der Geschmack der Zehe durch Oxidation während des Pressens bitter werde. ‚Unbedingt‘, meinen dagegen die anderen und können sofort argentinische Wissenschaftler zitieren, die bei Kochversuchen herausgefunden haben wollen, dass beim Pressen zwar das Enzym Alliinase freigesetzt werde. Doch bilde dieses den gesundheitsfördernden Wirkstoff Allicin, das eigentlich gesunde Geheimnis des Knoblauchs.
Nur vermeintlich bequemer
Dieses ist mitunter der Grund, warum ältere Menschen hierzulande gerne ihre Knoblauchmilch zum Frühstück preisen. Wenn sie sie am Mittelmeer trinken, kauen sie mitunter sogar auf ganzen Knoblauchzehen. Denn gepresster Knoblauch, so haben Wissenschaftler herausgefunden, beugt Arterienverkalkungen und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, weil er das Ablagern von Blutfetten in den Adern verhindert. Das Lauchgewächs mit seinen antibakteriellen Eigenschaften hilft außerdem jungen Menschen und schützt vor Infektionen. Um an eben diese gesunde Essenz zu kommen, werden immer wieder diverse Methoden vorgeschlagen, die allerdings unseren Charlie aus Lyss um sein Vermögen gebracht hätten: Etwa die Knoblauchzehe mit einem scharfen Messer, einer Rasierklinge oder einem speziellen Hobel zu zerkleinern oder einfach mit einer Gabel und etwas Salz auf einem Küchenbrett zu zerdrücken.
Ob gepresst oder geschnitten – eine Beurteilung aus kulinarischer Sicht überlasse ich getrost dem Koch. Handwerklich betrachtet ist die Knoblauchpresse eines jener Geräte, das unseren Alltag nur vermeintlich bequemer macht. Aber das ist ein sehr persönliches Fazit.
Dies ist der vierte Teil einer losen Reihe, konzipiert von Gina Bucher, in der die Autorin erzählt, wie sich unser Alltag durch Haushaltsgeräte verändert – meist revolutioniert, selten verkompliziert – hat. In kleinen Essays erfahren wir, was wir mit diesen Geräten tun oder was wir lassen sollten. In der nächsten Folge geht es um Haartrockner und Windfrisur. Alle Teile der Serie finden Sie unter freitag.de/bequemeralltag
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So ein hartnäckiges Vorurteil gegenüber dem Knoblauch in Deutschland noch im Jahr 2011 - ein halbes Jahrhundert, nachdem italienische und türkische "Gastarbeiter" ihre knoblauchhaltige und gesunde Mittelmeerküche mitgebracht und in das Sortiment hiesiger Gemüseläden integriert haben?!
Tasächlich lässt sich eine Knoblauchpresse in wenigen Sekunden ganz einfach reinigen: Direkt nach Gebrauch unter kaltem Wasser mit einer Nagel- oder Küchenbürste ausspülen. Dabei werden die kurzen harten Borsten in die Löcher der Presse gedrückt. Danach ist sie völlig sauber und wird im Abtropfgitter an der Luft getrocknet. Voraussetzungen - auf das richtige Küchenwerkzeug kommt es an: 1. Die Borsten der Bürste sind hart und kurz genug, sodass sie nicht nach mehrmaliger Verwendung abknicken (und die Bürste nicht mehr zu gebrauchen ist). 2. Bei der Knoblauchpresse handelt es sich um ein robustes Küchengerät, welches sich einfach reinigen und trocknen lässt. Alle Teile sind wirklich rostfrei und haben keine Verzierungen (meine Presse besteht aus zwei einfachen Alublöcken mit einem Scharnier) - im Gegensatz zu den verbreiteten teuren und oft nutzlosen Deko-Wohnaccessoires. Alternativen: - Statt einer Nagelbürste (8 x 2,5 cm) tut es auch eine etwas größere Küchen-Handbürste, wenn deren Borsten hart und kurz genug sind. - Statt Küchenwerkzeuge sofort zu spülen, können sie im Spülbecken in Wasser gelegt werden. - Der aromatische Knoblauch-Rückstand kann aus der Presse mit der Gabel in die Tomatensoße oder direkt auf die Nudeln geschnippt werden (Spaghetti mit Olivenöl). Erst dann wird gespült. Mir schmeckt dieser Knoblauch-Trester am besten. Warum ich über diesen Artikel den Kopf schüttele: Wozu heute Geschirrspüler Unmengen an Zeit, Energie, Wasser und Stellfläche benötigen, das erledigen universelle Küchenhelfer in Sekunden. Zu diesen Geräten gehören Nagelbürsten, Gläser- und Flaschenbürsten oder Topfkratzer. Vom Tier unterscheidet sich der Mensch durch die Werkzeugverfeinerung. Meine Mutter stammt noch aus der Vor-Geschirrspüler-Generation und benutzt daher solche praktischen Geräte. Allerdings verwendet sie diese nicht für den Knoblauch, denn der ist ihr bis heute suspekt und wird fast nur im Restaurant gegessen. Wenn sie ihn ausnahmsweise doch zuhause verarbeitet, dann schnippelt sie ihn sehr aufwändig mit dem Küchenmesser in winzige Würfel - so wie es der Freitag nun empfiehlt ... |
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Wie recht Sie haben, lieber Philipp – tatsächlich bin ich auch eine Verfechterin des Do-it-möglichst-yourself-Haushalts und schwöre auf die kleinen Helfer. Auch wenn womöglich ein Geschirrspüler tatsächlich wassersparender ist, als wenn ich von Hand spüle. Dem müssen wir noch auf den Grund gehen.
Und à propos: Vom Tier unterscheidet sich der Mensch durch die Werkzeugverfeinerung. Ob es Tiere gibt, die Knoblauch essen? Und wenn ja, wie? |
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@Gina Bucher
Ob es Tiere gibt, die Knoblauch essen? Und wenn ja, wie? Also, mein Hund schätzt Knoblauch nicht sonderlich. Wenn ich ihm Wurstanschnitte aus der Metzgerei gebe, dann läßt er tatsächlich die Salami liegen. Ciao Wolfram |
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@philipp9x
So ein hartnäckiges Vorurteil gegenüber dem Knoblauch in Deutschland noch im Jahr 2011 - ein halbes Jahrhundert, nachdem italienische und türkische "Gastarbeiter" ihre knoblauchhaltige und gesunde Mittelmeerküche mitgebracht und in das Sortiment hiesiger Gemüseläden integriert haben?! Daß der Knoblauch mit den Gastarbeitern aus dem Mittelmeer-Raum nach Deutschland gekommen oder zumindest durch sie erst populär geworden sei, halte ich für ein wildes Gerücht. Die Tant' Anna, eigentlich war sie meine Großtante, hat gerne und oft Knoblauchbrot gegessen. Eine Scheibe Schwarzbrot, etwas Butter drauf, und darauf wieder reichlich (!) Knoblauch; ob gepreßt oder gewürfelt weiß ich nicht mehr. Die Tant' Anna ist 1958 gestorben, also noch vor den Gastarbeitern. Sie hat mir erzählt, Knoblauch sei wahnsinnig gesund und man würde durch reichlichen Knoblauchkonsum alt werden. Das hat mich beunruhigt, denn mir war damals - und noch lange danach - der Knoblauch ausgesprochen widerwärtig. Also würde ich, so befürchtete ich, nicht sonderlich alt werden. Daß in der Knoblauchwurst tatsächlich Knoblauch drin ist, habe ich nicht gerafft. Als ich so etwa dreißig war, habe ich mal von Tsatsiki genascht und war hin und weg. Seither bin ich ausgesprochen knoblauchaffin und gebe das Zeug in rauhen Mengen in die Gerichte. Im übrigen darf ich dran erinnern, daß das Gebiet zwischen Erlangen und Nürnberg seit Jahrhunderten als "Knoblauchsland" bezeichnet wird. Ich habe 10 Jahre lang in Kampanien gelebt, meine Söhne haben dort Abitur gemacht. Als mein Ältester mit seiner Klasse eine Klassenfahrt nach Österreich und in die Tschechei gemacht hat, bekam er reichlichst zu essen, denn die meisten seiner italienischen Klassenkameraden konnten sich mit der dortigen Küche nicht anfreunden und reichten ihre Teller gern an ihn weiter. Na ja. Die Klasse meines Jüngsten war mal in der Toskana und fanden die dortige Küche nahezu ungenießbar. Nach der Klassenfahrt habe ich mit der Gemüsefrau in Castellabate (deren Tochter ebenfalls dabei war) darüber gesprochen. Sie meinte, sie wäre auch schon mal in Deutschland gewesen und habe gefunden, daß die Deutschen viel zu viel Knoblauch in ihre Gerichte täten. Meine Anmerkung, daß umgekehrt die Deutschen sämtliche Mittelmeerländer als Knoblauchländer ansähen, nahm sie sehr verwundert zur Kenntnis. Ciao Wolfram |
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Wer es nicht schafft die Knoblauchpresse direkt nach dem Benutzen in ein Glas Wasser zu stellen, oder wenigstens wenn sie eingetrocknet ist und zudem noch angst hat vor "Knoblauchfingern", sollte vielleicht besser Essen gehen statt selbst zu kochen. :-)
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Airan selber herstellen geht auch nur mit Schneiden und Zerdrücken der Knoblauchzehe im Ganzen auf etwas Salz. Dann Wasser zum Yoghurt und fertig ist das Getränk.
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Nö, zum Ayran gehört kein Knoblauch.
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ah, das gefällt mir: Ein Tröpfchen Öl und man ist fein raus? Perfekt.
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Je nach Gericht spricht einiges für die gepresste Variante, schließlich ist dieses rein mechanische Gerät äußerst effizient darin, die Knoblauchzehen komplett auszupressen.
Dann habe ich bislang immer die falschen Geräte erwischt oder ich mache etwas grundsätzlich falsch. Wenn ich Knoblauch mit der Presse kleingequetscht habe, dann sind zwar vorne die Würstlein herausgekommen (niemals so richtig, ich mußte noch stets den Rest mit dem Messer abkratzen), in der Presse aber befand sich ein gar nicht mal kleiner Teil der Zehe, der sich nicht und nicht pressen lassen wollte, so sehr ich mich auch mühte. Also mußte ich diesen Rest herauskratzen und ihn so, wie er war (also als relativ großes, zusammenhängendes Stück) zu dem gepreßten Knoblauch geben oder ich mußte den Rest dann doch noch mit dem Messer würfeln. Heute würfle ich die Zehen oder, wenn es wirklich fein sein soll, gebe ich sie in die Moulinette. Ciao Wolfram |
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Aha, Moulinette – was ist das: Ein Mörser, elegant ausgedrückt?
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@Gina Bucher
Aha, Moulinette – was ist das: Ein Mörser, elegant ausgedrückt? Sag bloß, dir ist noch nie eine Moulinette über den Weg gelaufen? Also Moulinette ist nur der Markenname des Marktführers, eigentlich heißt es Küchenhäcksler oder Küchenzerkleinerer und sieht etwa so aus: Ciao Wolfram |
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schrieb am
26.09.2011 um 23:51
Küchenhäcksler hab ich auch. Plus Wetzstein.
Auf den Klingen sind die Zwillinge, der Wetzstein ist noname. Die Werkzeuge werden mich vermutlich überleben. Und einen Mörser, im Labor geklaut. Und, ähem, unplugged. >>Wenn ich Knoblauch mit der Presse kleingequetscht habe, dann sind zwar vorne die Würstlein herausgekommen (niemals so richtig, ich mußte noch stets den Rest mit dem Messer abkratzen),<< Alternative: Mit einer scharfen Klinge hacken. Dann je nach Bedarf mit etwas Öl mörsern. Oder den Hack verwenden. Oder auf einem flachen Stein mit dem Löffelstiel quetschen und den Saft z.B. in die Salatsauce träufeln. Oder. Im Frühling aber Bärlauch sammeln: Bärlauch ist eine echte Alternative zu Knoblauch. Abgesehen davon, dass Waldspaziergänge ja noch andere Freuden bieten können. |
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voilà, doch doch: aber ich nenne dies eine Kräuterhexe. Leider das letzte Mal eine untaugliche Marke gekauft…
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schrieb am
27.09.2011 um 14:35
".... wenn es wirklich fein sein soll, gebe ich sie in die Moulinette."
Der erfahrene Mafioso nimmt eine Rasierklinge und schneidet damit hauchfeine Scheiben. [Aus: Goodfellas ;-) ] |
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@rago42
".... wenn es wirklich fein sein soll, gebe ich sie in die Moulinette." Der erfahrene Mafioso nimmt eine Rasierklinge und schneidet damit hauchfeine Scheiben. [Aus: Goodfellas ;-) ] Das mit der Rasierklinge macht Luigi, ich schneide mich damit nur in den Finger. Ciao Il padrino |
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Genau. ..."dass Waldspaziergänge ja noch andere Freuden bieten können..." steht im "§ 39 des Bundesnaturschutzgesetzes genießt der Bärlauch auch außerhalb von Schutzgebieten einen Mindestschutz, der es untersagt, "ohne vernünftigen Grund wildlebende Pflanzen von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten" sowie deren "Lebensstätten zu beeinträchtigen oder zu zerstören."[11] Die Pflanzen dürfen nur für den Eigenbedarf gesammelt werden; die gewerbliche Nutzung von Bärlauchbeständen hingegen muss behördlich genehmigt werden. [12]"
Erspart man sich auch den Fuchsbandwurm und anderen Kram. Wie Begegnungen mit dummen Frauchen von ahnungslosen Hunden, die da rum rennen. Nä, der Wald ist auch nicht meher wie einst, seit da nicht ausgelastete Muttis mit dem SUV hinbrettern und ihre Tölen rauslassen. Dann lieber Importknobi. |
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schrieb am
28.09.2011 um 14:36
>>Nä, der Wald ist auch nicht meher wie einst, seit da nicht ausgelastete Muttis mit dem SUV hinbrettern und ihre Tölen rauslassen.<<
Da wo ich hingehe kommen die mit dem "SUV" gar nicht hin ;-) |
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Da wir persönlich das Vermehren im eigenen Garten als durchaus "vernünftigen Grund" für das "Entnehmen" einiger (unter zehn) properer Bärlauchpflanzen an unserer tölen- und bis dato auch fuchsbandwurmfreien Stelle gehalten haben, brauchen wir im Frühjahr gar nicht mehr dahin, denn die Bärlauchfläche im Garten wächst jedes Jahr von ganz allein um zirka 30 Prozent, und man kommt mit dem Verarbeiten kaum noch nach nd noch ein Tipp fürs Gina: Knobipressen mit Nädeli an der Druckplatte? Nein danke. Ich nehme die aus Württemberg mit den drei Buchstaben im Firmennamen. Die ist a) aus Edelstahl (verträgt auch eine kleine halbierte Schalotte, ohne gleich abzubrechen ...), hat b) eine absolut glatte Druckplatte, und c) lässt sich der Knobibecher entnehmen und ganz einfach reinigen.
@Eine(!) Knoblauchzehe in der Moulinette? Das ist aber eine gewaltige Kanone für einen Spatzen. Da gestaltet sich die Suche nach dem Resultat wahrscheinlich so wie die Suche nach Higgs-Bosonen im CERN ;-) |
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@Rene Artois
@Eine(!) Knoblauchzehe in der Moulinette? Das ist aber eine gewaltige Kanone für einen Spatzen. Da gestaltet sich die Suche nach dem Resultat wahrscheinlich so wie die Suche nach Higgs-Bosonen im CERN ;-) Erstens begnüge ich mich selten mit einer Knoblauchzehe. Zweitens gibt’s so Abschabdinger aus Plastik, mit denen geht das ganz leicht. Meistens aber würfele ich den Knoblauch. Ciao Wolfram |
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@ Hallo Wolfram, Deinen Beitrag vom 26.09.2011 entecke ich jetzt erst
und möchte antworten: Dass NIEMAND in Deutschland Knoblauch gegessen hat, bevor die "Gastarbeiter" ihre Knoblauchküche mitbrachten, habe ich ja nicht behauptet. Mir geht es um die Aufnahme des Knoblauchs in die Küchenkultur des Mainstreams. - Und da bin ich mir aufgrund eigener Erinnerungen sicher, dass der Knoblauch über die "Gastarbeiter" (wieder??) Eingang in die deutsche Allerwelts-Küche fand. Auch will ich nicht ausschließen, dass deutsche Knoblauchliebhaber heute, wie Du meinst, etwas zu viel davon in die Tomatensoße geben, denn bekanntlich wird "den Deutschen" ja nachgesagt, dass sie, wenn sie etwas adaptieren, es besonders "gründlich" tun. Dass Du andere Sitten im Fränkischen beschreibst, ist mir sehr sympathisch: Dort wird in entlegenen Ecken althergebracht ein Rauschkraut angebaut und gemeinsam verkostet - und die Dorfbewohner bestreiten hartnäckig, dass es dasselbe sein soll, wie das gefährliche Haschisch, über welches das Fernsehen berichtet. Mit orientalischen Drogenhöllen soll ihr fränkisches Rauschkraut verständlicherweise nichts zu tun haben... Und das Butterbrot Deiner 1958 verstorbenen Tant' Anna - mit reichlich Knoblauch aus dem Nürnberger "Knoblauchsland" - gehört zur viel älteren Küchenkultur aus der bäuerlichen Zeit. Bis nach Russland haben deutsche Auswanderer ihre Butterbrote mitgebracht. In einfachen russischen Gaststätten stehen bis heute "Buterbroty" auf der Kreidetafel! Aber bäuerliche Sitten waren verpönt in den aseptischen Küchen der Wirtschaftswunderzeit, in denen ich aufgewachsen bin, übrigens ebenfalls in Bayern. (Die Musealisierung der früheren Volkskultur zu einem Fernsehbayern oder Fernsehhessen war in vollem Gange, während gleichzeitig die "proletenhafte" Berliner Mundart in West-Berlin bereits ausstarb.) Fette Sonntagsbraten sollten auf den Tisch, dazu dickbauchiger Maggi und danach Kaffee, "aber bitte mit Sahne". Als Ausnahme gab es im Sommer mal ein Butterbrot mit Schnittlauch aus dem Garten. Aber ich kann mich nicht erinnern, in jener Zeit außerhalb der Pizzeria jemals Knoblauch gegessen oder in einem Laden gesehen zu haben. Wahrscheinlich wusste ich noch nicht mal, was Knoblauch ist, vom Bärlauch ganz zu schweigen. In dem "Volkskochbuch", das meinen Eltern zu ihrer Hochzeit im Jahr 1960 vom Standesamt überreicht wurde, finden sich Knoblauch und Bärlauch nur als Exoten. Und später stellte ich dasselbe für entsprechende Kochbücher der DDR fest. Der Knoblauch ging langsam in meine Wahrnehmung ein, als es in der Grundschule zum guten Ton gehörte, über "Spagettifresser" herzuziehen. Noch in den 80er Jahren musste ich mich mit älteren Damen auseinandersetzen, die behaupteten, aus den Nachbarwohnungen "der Türken" stinke es immer so nach Knoblauch, den sie selber natürlich niemals essen würden. Dabei ist die türkische Gemüseküche eine der leckersten und variantenreichsten! Die Wende der Gewürzzwiebel kam erst in den späten 70ern. Bücher "Italienisch Kochen" kamen auf den Markt. Fette Hausmannskost war out, Maggi wurde von Peperoni und Tabasko verdrängt. Aldi-Supermärkte nahmen den Knoblauch in ihr Angebot auf, zusammen mit den damaligen Zwei- und Mehrliterflaschen Rotwein, Weinblättern und weiteren Produkten der nun populär gewordenen Mittelmeerküche. Aber ausgefallenere Zutaten zu "Italienisch Kochen" gab es weiterhin nur in den Gemüseläden von Einwanderern. Als regelrechte Revolution empfand ich, dass mir während meiner Lehre in einer Buchhandlung von der Chefin ausdrücklich erlaubt wurde, es ihr nachzutun und in der Mittagspause Knoblauchgerichte zu essen, "aber nicht zu viel". Das war 1980 mitten in einer Großstadt. In dem Jahr, in dem die "Cuisine Bocuse" auf der Bestsellerliste stand, war der Knoblauch für mich in der Küchenkultur des Mainstreams angekommen. Denn die Verkäufer durften bei ihren vielen Kundenkontakten nun etwas nach Knoblauch duften, und es gab keine Beschwerden. Für andere mag das Datum der Gewürzzwiebelrevolution einige Jahre früher oder später liegen. Selbstverständlich sind eigene Erinnerungen immer trügerisch. Da lasse ich mich gern korrigieren - aus Liebe zum Knoblauch! P.S. Und wenn Du unbedingt High-Tech bezahlen und verwenden willst, um ein Zwiebelchen zu zerkleinern, dann sei Dir diese fragwürdige Errungenschaft der Wirtschaftswunderzeit gegönnt. Ich selbst quetsche lieber per Hand und spüle in Sekunden. Zu den weiteren Möglichkeiten der Küchenwerkzeuge schrieb claudia am 26.09.2011 das Nötige. - Bärlauch wächst auch im Garten oder auf dem Balkon und bevorzugt lichten Halbschatten (unter Bäumen). Aber er riecht etwas... |
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@philipp9x
Dass NIEMAND in Deutschland Knoblauch gegessen hat, bevor die "Gastarbeiter" ihre Knoblauchküche mitbrachten, habe ich ja nicht behauptet. Mir geht es um die Aufnahme des Knoblauchs in die Küchenkultur des Mainstreams. - Und da bin ich mir aufgrund eigener Erinnerungen sicher, dass der Knoblauch über die "Gastarbeiter" (wieder??) Eingang in die deutsche Allerwelts-Küche fand. Da ist natürlich die Frage, was man unter Mainstream verstehen will. Ist kulinarischer Mainstream das, was die statistische Mehrheit der Leute ißt oder ist es das, was "allgemein" als fein und angesagt gilt? Wenn letzteres gilt, dann könntest du recht haben. Ich habe mich kurz (und wenig gründlich, ich gebe es zu) kundig gemacht und gefunden, daß Knoblauch jahrhundertelang als Arme-Leute-Gewürz galt, dort aber, bis in den kleinbürgerlichen Mittelstand hinein, recht verbreitet war. Ich erinnere mich jetzt auch an die Knoblauchsuppe, die bei uns gern und oft gegessen wurde (nicht von mir). In der Wurst war Knoblauch drin, in der Salami sowieso, aber auch in anderen Sorten. Und ein bayerischer Schweinsbraten wird immer mit reichlich Knoblauch eingerieben, ehe er ins Rohr kommt. Was sein kann ist, daß in den zwei bis drei Jahrzehnten nach dem Krieg der Knoblauch einen Hänger hatte, vielleicht auch schon in der Nazizeit. Vor den Gastarbeitern hat man ja schon den Juden etwas hämisch reichlichen Knoblauchkonsum zugeschrieben. "Erst Knoblauch, dann Weihrauch", hieß eine Parole, die meinte, erst würden die Juden kaltgestellt, dann die Kirche. Auch will ich nicht ausschließen, dass deutsche Knoblauchliebhaber heute, wie Du meinst, etwas zu viel davon in die Tomatensoße geben, denn bekanntlich wird "den Deutschen" ja nachgesagt, dass sie, wenn sie etwas adaptieren, es besonders "gründlich" tun. Gottchen, was heißt schon "zu viel"? Es ist wohl eine Geschmackssache. Und: Knoblauch hat ja auch therapeutische Wirkungen, er ist antibakteriell, macht das Blut dünnflüssiger etc. Wer also da Probleme hat, wird automatisch, ohne daß ihm das bewußt ist, eine größere Vorliebe für Knoblauch haben als ein anderer. Und das Butterbrot Deiner 1958 verstorbenen Tant' Anna - mit reichlich Knoblauch aus dem Nürnberger "Knoblauchsland" - gehört zur viel älteren Küchenkultur aus der bäuerlichen Zeit. Nein, nicht aus dem Knoblauchsland. Meine Familie stammt aus dem Sudetenland, ich bin in Niederbayern geboren und aufgewachsen. Bis nach Russland haben deutsche Auswanderer ihre Butterbrote mitgebracht. In einfachen russischen Gaststätten stehen bis heute "Buterbroty" auf der Kreidetafel! "Trocken Brot macht Wangen rot / Butterbröter macht sie röter." Aber ich kann mich nicht erinnern, in jener Zeit außerhalb der Pizzeria jemals Knoblauch gegessen oder in einem Laden gesehen zu haben. Wenn du Schweinsbraten, Salami oder Diätwurst (damals hieß sie noch Knoblauchwurst) gegessen hast, dann hast du auch Knoblauch gegessen. Und wenn Du unbedingt High-Tech bezahlen und verwenden willst, um ein Zwiebelchen zu zerkleinern, dann sei Dir diese fragwürdige Errungenschaft der Wirtschaftswunderzeit gegönnt. Du lieber Heiland, ich habe die Moulinette, das heißt den Zerkleinerer einer anderen, deutlich billigeren Marke, doch nicht wegen des Knoblauchs. Aber nachdem das Ding schon mal da ist... Ciao Wolfram |
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