Lego hat Occupy okkupiert. Das ist das Szenario, das ein Werbespot entwirft, den sich die Macher des Onlinemagazins Slate.com ausgedacht haben. Es ist ein Spot, wie er morgens bei SuperRTL tatsächlich laufen könnte: Zwei Jungs spielen darin mit ihrer Lego-Ausrüstung die Welt nach. Sie setzen sich, wie Kinder das so machen beim Spielen, für die Sache der Minderheit ein, weil es besonders schön ist, als Außenseiter zu gewinnen. Und nebenbei ist die Minderheit beim Spielen ja das Gute, das es gegen die Bösen zu verteidigen gilt.
In diesem Fall besteht die winzige Minderheit freilich aus jenen, die von den zerstörerischen „99 Prozent“ bedroht werden. Die Kinder im Spot spielen die Staatsbediensteten, in deren Händen „das Schicksal des einen Prozents“ liegt, wie der Hintergrundsprecher dramatisch sagt. Sie haben dafür „the New Occupy Wall Street Riot Brigade“ von Lego – ein fahrendes Polizei-Kommandozentrum mit schicker Überwachungstechnik und kleinem Knast. (Es gehört hier, im Slate-Spot, zur fiktiven Legoserie „Bürgerunruhen“, in der auch ein „Arabischer Frühling“-Wasserwerfer erscheint.) Die 99 Prozent sind grimmig schauende Rauchbombenwerfer und schmutzige Parolenschleudern.
So wird in diesem kleinen Spot, indem er die Welt mit Kinderaugen betrachtet, noch einmal Entscheidendes über
2011 erzählt: Es war das Jahr, in dem die Mehrheit als solche, die Vielen, eine Aufwertung gegenüber den Wenigen erfahren hat. Um es in eine Formulierung von 2004 zu packen: Die Mehrheit ist die neue Minderheit. Jemand muss es den Kindern sagen.
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Es sind doch Kinder an der Macht.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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