Alltag

Werbekritik | 16.02.2012 12:14 | Klaus Raab

Doping für das Image

Alpecin ("Doping für die Haare") und Jan Ullrich kooperieren: Der Radrennfahrer wirbt für das Unternehmen. Passt, irgendwie. Nur eine Sache, die passt dann doch nicht

Der ehemalige Radrennfahrer Jan Ullrich, der am 9. Februar vom Internationalen Sportgerichtshof für schuldig befunden wurde, gedopt zu haben, ist seit 8. Februar Werbepartner von Alpecin. Gutes Timing ist die halbe Miete in der Aufmerksamkeitsökonomie. Zudem passen Unternehmen und Sportler auf den ersten Blick zusammen. Alpecin erfand vor einigen Jahren den Slogan „Doping für die Haare“. Darüber beschwerten sich Sportfunktionäre; so werde Doping verherrlicht. Die Kritik wurde zurückgewiesen; was die Kooperation Ullrich-Alpecin reflexartig erwähnenswert erscheinen lässt, ist dennoch, dass man mit beiden spontan irgendwas mit Doping assoziiert.

Das ist freilich erst einmal eine negative Assoziation, und so scheint die Strategie darin zu bestehen, die Dopingsache, die Ullrichs Biografie überlagert, zur exemplarisch-menschlichen Epi­sode zu erklären. Ein Alpecin-Mann sagte über Ullrich: „Sein Beispiel zeigt, dass es nicht immer nur bergauf geht, sondern dass man auch fallen kann. Dann heißt es wieder aufzustehen.“

Es ist natürlich völlig in Ordnung, wenn ein schwer gestürzter Posterboy des Radsports, dessen Leistungssportkarriere definitiv vorbei ist, resozialisiert wird. Andererseits muss man doch sagen: Als Werbeträger verdient man sein Geld mit Image – und da könnte Ullrich noch ein wenig Training vertragen. „Fehler“ gibt er zwar seit Neuestem zu. Dass er gedopt hat, spricht er aber immer noch nicht aus. Dass ein solches Geständnis aber schlechter für seine Sympathiewerte wäre als ein Wulffscher Umgang mit „Fehlern“, glaubt er hoffentlich selbst nicht.

 
Senden Bookmarken Drucken
Artikelaktionen
Kommentare
Gustlik schrieb am 16.02.2012 um 12:45
"Nur eine Sache, die passt dann doch nicht...", geht mir auch so beim Betrachten mancher Werbung um das Freitagskästchen.
antares56 schrieb am 16.02.2012 um 15:30
Eigentlich muss man zu Ullrich doch nichts mehr sagen - und erst recht nicht seine Werbe-Kampagnen unterstützen.
brefcourte schrieb am 16.02.2012 um 15:46
Ein Sportler ohne Alpecin ist wie ein Chefredakteur ohne Koks


Meistkommentiert
7 Tage
Monat
Bisher
David Graeber Schulden. Die ersten 5000 Jahre Klett-Cotta 2012

536 Seiten. Gebunden.

26,95
 
Seit der Erfindung des Kredits treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

Blog-Tipps

Boing Boing
Ein Verzeichnis wundervoller Dinge

Wired News
Technologie-Trends von heute und morgen

Jezebel
Das US-Frauennetzwerk

maedchenmannschaft. net
Das Blog der Alphamädchen

flannel apparel
girlism. großkariert.

nutriculinary.com
Große Küche von Herrn Paulsen

Frau Freitag
Na, wie war's in der Schule

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG