Achtermann
22.03.2013 | 09:52 73

Tanzen an Ostern nicht erlaubt

Tanzverbot Wer an Ostern tanzen will, hat Pech. Die deutschen Feiertagsgesetze verbieten uns das. Christen denken an ihren Religionsbegründer, junge Menschen wollen Spaß

Tanzen an Ostern nicht erlaubt

Foto: Patrick Baz/ AFP/ Getty Images

Einmal in der Woche flattert es ins Haus: das Amtsblatt. Die Postille ist dazu da, die Aktivitäten des Bürgermeisters in Wort und Bild nachvollziehen zu können, aber auch den verehrten Mitbürgerinnen und Mitbürgern den Zeigefinger entgegenzustrecken. Wenn die Obrigkeit meint, wir kehrten den Gehweg nicht ausreichend oder die Vorgartenpflanzen ragten zu weit in den öffentlichen Raum, werden wir ermahnt und auf bestehende Satzungen und Erlasse verwiesen.

Diese Woche ist es wieder so weit: Wir werden aufgefordert, anlässlich des anstehenden Osterfestes das Tanz- und Veranstaltungsverbot zu beachten. Wer dagegen verstößt, wird uns angedroht, hat mit einer Geldbuße von bis zu 1.000 Euro zu rechnen. Verboten werden uns öffentliche Versammlungen, Auf- und Umzüge, soweit sie nicht der Religionsausübung dienen oder dem Charakter des Feiertags entsprechen. Unter das Verdikt fallen auch "sportliche und turnerische" Veranstaltungen. Vormerken müssen wir uns die Zeit von Gründonnerstag bis Ostersonntag.

Wer von diesen Verboten hört, ist überrascht, dass sie überhaupt existieren. So erging es 2011 einigen Frankfurter Clubbesitzern, die bis dato davon keine Ahnung hatten, weil die Stadtverwaltung bisher kein Aufheben darum machte. Überregional bekannte Clubs, wie der Sinkkasten oder das Odeon, fanden entsprechende Schreiben des Ordnungsamtes im Briefkasten. Dabei waren Events schon fest eingeplant. DJs waren gebucht, die mehr als 10.000 Euro für einen Auftritt nehmen. Angedroht wurden eine vierstellige Geldbuße und ein Konzessionsentzug bei dreimaliger Missachtung der Vorschriften. Einige Clubs haben ihre Veranstaltungen durchgezogen und wurden prompt bestraft. Für dieses Jahr haben sie sich arrangiert.

Plakat der PiratenGescheitert ist letztes Jahr auch die hessische Piratenpartei, die das Bundesverfassungsgericht angerufen hat. Erfolglos ist sie allein schon deshalb geblieben, weil sie den formalen Klageweg nicht eingehalten hat. Sie hätte zuvor den Verwaltungsgerichtshof anrufen müssen. Ohne Erfolg blieben auch die Bemühungen, Demonstrationen gegen das Tanzverbot durchzuführen. Das Verwaltungsgericht gab 2012 der Stadt Wiesbaden Recht, die eine Demo nicht genehmigte. Der Schutz des Feiertagsgesetzes sei höher zu bewerten als das Recht auf Versammlungsfreiheit.

Trotz all dieser Misserfolge, wollen die Tanz- und Veranstaltungsaktivisten nicht klein beigeben. Sie argumentieren mit der individuellen Freiheit und behaupten, das Feiertagsgesetz sei unzeitgemäß. Die Gesellschaft habe sich gewandelt. Der Einfluss der christlichen Kirchen auf das Alltagsleben sei zurückgegangen. Außerdem lebten in Deutschland mittlerweile rund 30 Millionen Menschen, die nicht einer der beiden Kirchen angehörten.

Die christlichen Befürworter berufen sich auf ihre Tradition. Ostern sei für viele die höchste Feiertagszeit des Jahres. So viel Toleranz könnten sie erwarten, den Tag in Stille begehen zu können. Sie haben den Vorteil, dass ihre Haltung gesetzlich verankert und der Staat in jüngster Zeit zunehmend bereit ist, das Tanz- und Veranstaltungsverbot durchzusetzen.

Kommentare (73)

h.yuren 22.03.2013 | 10:07

lieber achtermann, es ist eine historisch nicht zu leugnende tatsache, dass die rückwärtsrepublik von anfang an bis heute durch die c-partei geprägt ist. das pompöse getue um verkleidete komiker ist kein zufall. hier regiert die vorvergangenheit.

über muslime und andere abergläubische konkurrenz ist gut lästern. aber der eigene muff von tausend jahren will konserviert und frisch gehalten sein. recht und gesetz wird von den talaren gepflegt, unter denen der muff sich besonders lange hält.

grüße, hy

Achtermann 22.03.2013 | 11:00

Ich hab' da mal ein paar Zahlen gefunden: 1960, also in der Vorvergangenheit, besuchten durchschnittlich 11,9 Millionen Gläubige die rk-Gottesdienste. Im Jahr 2011 sind es nur noch 3,0 Millionen. Nicht mal der Anschluss der DDR konnte die Zahl nach oben bringen. Aber ich bewundere die Katholiken ob ihrer Fähigkeit schon, einen alten Mann jenseits der 70 oder 80 zur Pop-Ikone aufzubauen.

Ernstchen 22.03.2013 | 14:38

Prinzipiell finde ich ja dass das Jahr genug Tage zum Tanzen hat und es auch nun mal schon immer so ist dass am Karfreitag nicht getanzt werden soll, das ist ähnlich klar wie dass im Herbst keine Schneeglöckchen blühen.

Auf der anderen Seite soll das Tanzverbot dazu da sein um religiöse Gefühle nicht zu verletzen oder so ähnlich. Das wiederum ist natürlich ein großer Haufen Mist. Es gibt jede Menge Tage im Jahr, einen ganzen Ramadan sogar, indem die alltägliche Praxis der meisten Menschen in diesem Jahr anders ist als es die religiösen Gefühle mancher vorschreiben. Und darum scheren wir tollen "Christen" uns einen Dreck. Ich finde, wenn die Muslime das hier aushalten müssen, müssen die Hardcore-Christen es auch aushalten dass ein paar Menschen zu lauter Musik herumhüpfen wollen. Es will ja niemand eine Loveparade durch die Innenstadt auf den Karfreitag legen. Das Tanzverbot ist eine willkürliche Regelung, die vermutlich etwas mit der sogenannten christlich-abendländischen Kultur zu tun hat, aber keinen Sinn ergibt.

That being said, die alljährliche Aufregung darüber dass an ein paar Tagen im Jahr keine Parties stattfinden dürfen, ist genauso total überzogen. Lebensgefahr durch Tanzentzug besteht jedenfalls nicht.

GEBE 22.03.2013 | 15:53

Sind Prozessionen eigentlich nicht auch als eine Art Schreittanz anzusehen?

Sind Prozessionen eigentlich nicht auch als eine Art Schreittanz anzusehen?

Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ... Step-Vor-Zurück ...

Achtermann 22.03.2013 | 16:15

"Karfreitag , da ist ein Tanzverbot gerechtfertigt. Auf freiwilliger Basis, wäre die bessere Lösung."

Deinen Gedanken verstehe ich nicht. Das Verbot sei gerechtfertigt, sagst du einerseits, aber eine freiwillige Lösung sei besser, meinst du andererseits.

Es geht aber nicht nur um den Karfreitag. Die Verbote mögen in den Bundesländern ungleich sein. In Rheinland-Pfalz sind Tanzveranstaltungen nicht gestattet von Gründonnerstag ab 4.00 Uhr in der Früh bis Ostersonntag 16.00 Uhr. Das heißt Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend läuft nix. Gemeinsam ist allen Bundesländern, dass der Karfreitag mit einem Tanzverbot belegt ist.

P.S.: Die Tagesbezeichnungen habe ich an die christliche Diktion angelehnt.

Achtermann 22.03.2013 | 16:33

Das ist erlaubt: die Echternacher Springprozession. Es gibt unterschiedliche Tanzschritte: etwa drei vor, zwei zurück. "Diese Regelung, die immer für ein regelrechtes Chaos sorgte, wurde 1947 definitiv abgeschafft. Seither springt man nur noch mit seitlichen Schritten vorwärts, abwechselnd nach links und nach rechts. Das Ganze, indem man bei jedem Schritt kurz auf dem jeweiligen Fuß verweilt und dann mit dem anderen Fuß zum nächsten Schritt ansetzt, immer im Takt des Prozessionsmarsches", schreibt Wikipedia.

flosyforever 22.03.2013 | 17:40

Wieso das denn? Was innerhalb einer Diskothek  oder Kneipe stattfindet, sollte doch den stillebedürftigen Christen nicht stören!

In der Kirche oder zu Hause oder auf dem Osterspaziergang werden die niemals merken, daß die Diskos am Bahnhof, in der City oder am Rande eines Industriegebiets am Osterwochenende gut besucht waren.

Der "heiligen Sonntag" konnte doch auch den Bedürfnissen angepaßt werden. Shoppen und so. Und trotzdem ist es ein ruhiger Tag, für den, der es will.

fridolin 22.03.2013 | 19:40

Traurig genug das man die Menschen in einem christlichen Land per Tanzverbot daran erinnern muss, das es angebracht zumindest am höchsten Tag des christlichen Jahres der Kreuzigung des Herrn zu gedenken. Noch trauriger ist dieser Wind der jedes Jahr darum gemacht wird, weil sich anscheinend das halbe Land ausgerechnet deshalb aufgerufen fühlt ausgerechnet an diesem Tag tanzen gehen zu wollen. Auch die welche sonst niemals auf die Idee kommen würden es an irgend einem anderen Tag zu tun. Man lässt sich ja nichts verbieten.

Helmut Eckert 23.03.2013 | 08:05

@Achtermann

Herr Achtermann, Karfreitag ist ein hoher kirchlicher Feiertag besonders für die evang. Christen. Verbote sind immer schlecht. Freiwilligkeit ist die beste Lösung.. Aber! Wie reagieren Christen, wenn direkt neben ihrer Kirche ein Tanzschuppen an diesem Tag richtig Remmi, Demmi macht? Meine Mutter hätte nie am Sonntag Wäsche auf die Leine gehängt. Das gehört sich nicht. War ihre Meinung. Was du nicht willst, was man dir tut, das füge keinem anderen Menschen zu! Dieses Sprichwort gilt nicht mehr, in dieser Gesellschaft. Rücksicht und Anteilnahme.. ein Fremdwort! Ich wohne im Norden und lebe im Moment mit viel Schnee auf den Straßen. Schneeräumung der Bürgersteige. Für ganze Straßenzüge ein Fremdwort. Gehen Sie einmal bei Regen durch die Straßen. Innerhalb von 5 Minuten spritz Sie ein Auto bis zur Gürtellinie nass! Es hätte ja abbremsen müssen! Fahren sie einmal die Strecke von Hamburg nach Frankfurt. Beobachten Sie die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer. Steigen Sie einmal in ein öffentl. Verkehrsmittel. Erleben Sie die dortige beginnende Gewalt. Beim Einstieg, im Zug, beim Ausstieg, auf den Rolltreppen.. Wer hilft denn einem Behinderten, einer älteren Dame? Weil unsere Gesellschaft eine Gemeinschaft der Egoisten wurde, darum gibt es die vielen Verbote!

Ich wohnte vor Jahren in Mölln. Im Wohnhaus, gegenüber meiner Wohnung lebte eine Familie vom Kosovo. Er war Albaner, die Ehefrau eine Türkin. Beide waren Moslem. Zum Ende von Ramadan, klopften meine Ehefrau und ich an deren Tür und beglückwünschte das Ehepaar. Wir wurden eingeladen und feierten mit den vielen Gästen deren Fest. An Weihnachten saßen wir zusammen und freuten uns es war Weihnachten. Achtung und Ehrfurcht vor den Sitten und Gebräuchen der Mitmenschen. Müsste das das nicht selbstverständlich sein?  Zurück zum Tanzverbot an den Kartagen und dem Ostersonntag. Christen hängen an ihren alten Gebräuchen. Auf dem Lande mehr als in den Städten.  Sie selbst sollten es sein, die diese alten Vorschriften lockern, oder ganz abschaffen wollen. wie gesagt, wegen der vorhandenen Unvernunft vieler Mitbewohner bin ich für ein Verbot am Karfreitag. Ich bin für die Möglichkeit des Sonntagseinkaufes. Allerdings müsste das Verkaufspersonal  diese Arbeitszeit mit 100 % Aufschlag  vergütet bekommen! Eine Münze hat immer zwei Seiten! Zur negativen Seite eines Geschehens will sich der Mensch nicht bekennen. 

Achtermann 23.03.2013 | 08:08

"Ihr Nichtstaatreligiösen, seid dann aber konsequent und setzt alles dran, um die Feiertage als solche abzuschaffen."

Ich habe nichts gegen Feiertage. Das Problem verstärkt sich aber: Zu Beginn der Bundesrepublik waren über 90 Prozent der Bürger katholisch oder evangelisch. Die Bevölkerungsstruktur hat sich in dieser Hinsicht völlig gewandelt. D.h. eine Minderheit besteht nach wie vor auf der althergebrachten Regel, wie diese Tage zu begehen sind. Darin liegt der Konflikt. Gerade auch deshalb, weil diese Minderheit in der Politik Befürworter gefunden hat, die ihre Vorstellungen in Recht umgegossen haben.

Oft sind die Gründe, weshalb sie begangen werden, gar nicht mehr im Bewusstsein, etwa die Maifeiertage "Himmelfahrt" und "Fronleichnam". Diese haben immerhin einen festen Wochentag, nämlich den Donnerstag. Da lohnt sich doch immer, den Freitag fei zu nehmen, wenn es geht. Unangenehmer sind die Feiertage, die sich auf das Datum beziehen, z.B. der 1. Mai. Schlecht ist, wenn er auf Samstag oder Sonntag fällt. Hier müsste die Regelung greifen, wie sie es in anderen Ländern gibt, den freien Tag dann auf Montag verschieben zu können.

Achtermann 23.03.2013 | 09:37

"…Karfreitag ist ein hoher kirchlicher Feiertag besonders für die evang. Christen."

Das bestreite ich nicht. Nun bin ich kein evangelischer Christ. Deshalb ist für mich dieser Tag kein hoher Feiertag. Jedoch soll ich mich den Verboten, die die beiden christlichen Kirchen sich staatlich haben absichern lassen, beugen. Warum? Das heißt doch nicht, dass ich die evangelischen Christen bei der Begehung ihres Feiertags provozieren würde. Und: Ein "Tanzschuppen" neben einer Kirche kommt so häufig nicht vor. Hierfür hätte ich Verständnis, wenn dort nichts stattfände. Was stört es einen evangelischen Christen, wenn der "Tanzschuppen" etwa im Gewerbegebiet angesiedelt ist und kein Gläubiger durch eine Feier- oder Tanzveranstaltung gestört werden würde? – Trotzdem gilt das Verbot. Das ist der Punkt, der aufzeigt, welchen Einfluss die christlichen Kirchen im Staatswesen geltend machen. Hier geht es um Ausübung von Macht.

"Weil unsere Gesellschaft eine Gemeinschaft der Egoisten wurde, darum gibt es die vielen Verbote!"

Diese Behauptung will ich so nicht stehen lassen. Die Frage, die erlaubt sein muss, ist die nach der Henne und dem Ei. Was war zuerst da? Der Egoismus oder die Gesetze? Nicht jeder in unserer Gesellschaft muss die selben Verbote ertragen. Ein Hartz-IV-Betroffener hat sicherlich mehr Zwänge über sich ergehen zu lassen als ein Investor (= Spekulant), dem von der Politik die gesetzlichen Fesseln deutlich gelockert worden sind. Schließlich leben wir in einer marktkonformen Demokratie.

Achtermann 23.03.2013 | 09:46

"Traurig genug das man die Menschen in einem christlichen Land per Tanzverbot daran erinnern muss, das es angebracht zumindest am höchsten Tag des christlichen Jahres der Kreuzigung des Herrn zu gedenken."

Das mag für dich so sein. Ob der "Herr" gekreuzigt worden ist, kann man so genau nicht sagen. Dass er wenig später sich selbst dem Tod entrissen haben und sein Körper verschwunden sein soll, nun ja, das magst du glauben. Ich hege da, denke ich, berechtigte Zweifel. Der Punkt ist doch, dass dieses Gedenken, das ich dir und deinen Brüdern und Schwestern zugestehe, staatlich für alle erzwungen wird. Ihr müsstet euch in eurer Kirchengemeinde dafür stark machen, dass das Verbot für Sport-, Turn- und Tanzveranstaltungen, das über drei Tage währt, aufgehoben wird.

Achtermann 23.03.2013 | 11:13

Sicher liegt hier ein Problem für die Verbote. Diese Tanztage werden wohl anders bewertet als eine gemeine Tanzveranstaltung. Immerhin wird folgendes geboten:

Am 28. März ist dann das Badische Staatsballett Karlsruhe zu Gast im Opernhaus. Um 19:30 Uhr öffnet sich der Vorhang für Tim Plegges "Momo". Beim dritten Gastspiel am 30. März tanzt die Compagnia Aterballetto aus Italien Eugenio Sciglianos Choreographie "Casanova" – und zwar zum ersten Mal überhaupt in Deutschland. Los geht's wieder um 19:30 Uhr.

Wer sich auf diese Art und Weise unterhält (amüsiert), steht vielleicht eher auf einem anderen kulturellen Level als der Abtänzer aus dem Volk. Die Stadtverwaltung entscheidet. Sie wendet das Gesetz an.

flosyforever 23.03.2013 | 11:27

Oh, warum, Ihr Religiösen, tut ihr nichts gegen die traditionellen Besäufnisse am sog. Vatertag?

 

Ich steh da zwar ungefähr genauso drauf wie auf eine Predigt, kann mich aber beidem leicht entziehen. Und wenn ich einen Bierbollerwagen sehe, denk ich nur jesusmäßig:  "Nachsicht walten lassen...."

 

Die Springprozession hat mich erinnert an einen Brauch aus irgendwo-in-Oberfranken, wo die Gläubigen auf Knien zu ihrem Wallfahrtsort rutschen. Sowas würde ich echt verbieten!

Achtermann 23.03.2013 | 11:56

"Oh, warum, Ihr Religiösen, tut ihr nichts gegen die traditionellen Besäufnisse am sog. Vatertag?"

Das ist eben Männer-Kultur. Dieser Feitertag "Himmelfahrt" wurde, das finde ich bemerkenswert, 1936 eingeführt. Dass daraus ein anderes, ein volkstümliches Bedürfnis der Männer entstanden ist, folgte erst später, abgeguckt bei der US-Amerikanern. Jedenfalls sollen lt. Statistiken an diesem Tag die meisten Verkehrsunfälle passieren.

Michael 23.03.2013 | 13:26

„Euch Scheinheilige hat der Prophet Jesaja treffend im Voraus beschrieben! In seinem Buch heißt es ja: Dieses Volk ehrt mich nur mit Worten, sagt Gott, aber mit dem Herzen ist es weit weg von mir. Ihr ganzer Gottesdienst ist sinnlos, denn sie lehren nur Gebote, die sich Menschen ausgedacht haben. Das Gebot Gottes schiebt ihr zur Seite und haltet euch stattdessen an Vorschriften, die von Menschen stammen“ (Markus 7,6-9)

Mike Merten 24.03.2013 | 18:02

Bei diesem Artikel kann man nur mit dem Kopf schütteln.

Zunächst: Es gibt kein deutsches Feiertagsgesetz. Es gibt nur Landesgesetze. Ein Journalist hätte das vorher entsprechend recherchiert.

Ich kenne nicht alle 16 Gesetze, nur das aus NRW. Dort gibr es eine entsprecende Regelung nur von Donnerstag-Abend 18 Uhr bis Samstag Morgen 6 Uhr. Vorschriften, die das Tanzen und den restlichen Samstag, den Oster-Sonntag- oder -Montag betreffen, habe ich dort nicht gefunden. In welchem Bundesland soll denn dieses Verbot gelten?

Außerdem sind wir hier in Deutschland und nicht im bilble belt. Dort mag es tatsächlich solche Verbote geben. Wir haben früher gerne den Karfreitag für Feten genutzt, und ich kann mir nicht vorstellen, daß einem ein Gesetz das verbietet.

Vereinfachende Stimmungsmache schien hier wohl wichtiger als korrekte Informationen.

Achtermann 25.03.2013 | 10:05

Warum bist du bei deinem ersten Posting hier im Freitag so aggressiv? Klar, wenn du an mich den Maßstab des Berufsjournalisten anlegst, um mich dann zu verurteilen ("Bei diesem Artikel kann man nur mit dem Kopf schütteln."), hast du recht. Ich werde aber aus deinen Tippfehlern nicht den Schluss ziehen, dass du der Rechtschreibung nicht vollends mächtig seist.

Da du aber selbst schreibst, nur das NRW-Gesetz zu kennen, wäre ich an deiner Stelle mit einem Fallballurteil etwas zurückhaltender. Ich habe einige reale Begebenheiten beschrieben, die sich auf Hessen beziehen. So viel, dachte ich mir, könnte ich voraussetzen, dass die Städtenamen, wie Wiesbaden oder Frankfurt, aufgrund des Allgemeinwissens dem entsprechenden Bundesland zuzuordnen sind. Desweiteren habe ich mich auf das Amtsblatt bezogen, das mir ins Haus flattert. Ein Klick auf mein Profil hätte gereicht, zu erkennen, in welchem Bundesland dieses Gesetz gilt. Und hier ist der Ostersonntag einbezogen. Bis 16.00 gilt an diesem Tag das Tanzverbot. Nichts anders habe ich auch geschrieben: "Vormerken müssen wir uns die Zeit von Gründonnerstag bis Ostersonntag."

Du meinst doch hoffentlich selbst nicht, dass du ein gutes Argument einbringst, wenn du schreibst: "Wir haben früher gerne den Karfreitag für Feten genutzt, und ich kann mir nicht vorstellen, daß einem ein Gesetz das verbietet." Das mag ja für deine Biografie stimmen. Doch diese Argumentationsstruktur ist sicher nicht zur Beweisführung gut geeignet. Ich habe darauf hingewiesen, dass man in der Veranstaltungsszene in Frankfurt ungläubig reagierte: "Wer von diesen Verboten hört, ist überrascht, dass sie überhaupt existieren. So erging es 2011 einigen Frankfurter Clubbesitzern, die bis dato davon keine Ahnung hatten, weil die Stadtverwaltung bisher kein Aufheben darum machte."

"Vereinfachende Stimmungsmache schien hier wohl wichtiger als korrekte Informationen.", ist dein Fazit. Das sehe ich anders. Ich gestatte mir, einen subjektiven Anteil meiner Wahrnehmung und meines Empfindens in meinen Text einzubeziehen. Ansonsten hätte ich die Tanzverbotsregelungen einfach hier ins Netz stellen können.

Achtermann 25.03.2013 | 16:26

"Wir haben es also in erster Linie mit einem Scheitern der Politik zu tun!"

Das, denke ich, ist richtig. Die Anzahl der der rk-Gottesdienstbesucher geht kontinuierlich zurück: von 11,9 Mio im Jahre 1960 auf 3,0 Mio im Jahr 2011. Trotzdem gelten die gesetzlichen Regelungen weiterhin. Die Politik reagiert nicht. Die Frage, die sich stellt: Kann sich die Grenze weiterhin nach unten verschieben, ohne dass die Lebenswirklichkeit der Gesellschaft in veränderten Regelungen sich widerspiegelt?

Mike Merten 26.03.2013 | 12:01

Ich wiederhole des Anfang des Artikels: "Tanzverbot Wer an Ostern tanzen will, hat Pech. Das deutsche Feiertagsgesetz verbietet uns das." Eine Einschränkung auf Montag kann ich da nicht entdecken. Und auch keine Einschränkung auf Hessen.

In gewissen anderen Medien gehe ich von solchen "Vereinfachungen" aus. Hier aber hatte ich das nun gar nicht erwartet. Diese Enttäuschung war es wohl, die mich so aggressiv werden lies.

 

Im hessischen Gesetz habe ich von Ostermontag 16 Uhr übrigens auch nichts gefunden.

Achtermann 26.03.2013 | 13:34

Ergänzung: Heute steht in der hiesigen Regionalzeitung ein deutlicher Hinweis, der zur Einhaltung auffordert:

Karfreitag bis Ostersonntag: Tanzen verboten

Anlässlich der bevorstehenden Ostertage teilt die Ordnungsbehörde der Stadtverwaltung mit, dass gemäß den Bestimmungen des Landesgesetzes über den Schutz der Sonn- und Feiertage öffentliche Tanzveranstaltungen in der Zeit von Gründonnerstag, 4 Uhr, bis Ostersonntag, 16 Uhr, verboten sind. Am Karfreitag sind zudem öffentliche sportliche, turnerische sowie sonstige öffentlichen Veranstaltungen, soweit sie nicht der Religionsausübung dienen oder dem Charakter des Feiertages entsprechen, verboten, heißt es in der Pressemitteilung der Stadtverwaltung.

Achtermann 27.03.2013 | 18:48

"Wolltest du den Thread internationalisieren? Um die Tanz/Nichttanzregularien in EU-Land?"

Das wäre des Guten/Schlechten zu viel. Die Luxemburger dürfen am Karfreitag vermutlich tanzen, denn dieser Tag ist dort kein Feiertag. Der Grund: Die Luxemburger sind überwiegend Katholiken, und diese begehen ihren hohen Feiertag am Ostersonntag. Der Karfreitag (vom Althochdeutschen karen = wehklagen) wird von den Protestanten als wichtigster religiöser Tag des Jahres angesehen.

Die Echternacher Springprozession lässt niemanden in Ekstase verfallen.

Achtermann 28.03.2013 | 17:54

"Es ist so wunderbar, fremde Kulturen und Braeuche werden sehr zu Recht hochgehalten, aber warum muss man auf unseren herumhauen?"

Wahrscheinlich, weil diese für immer weniger Menschen relevant sind. Die Diskussion setzt sich jedoch fort. Die anstehenden Osterfeiertage nutzte der Zentralrat der Muslime, eigene Feiertage für seine Religion zu beanspruchen. Der Vorsitzende sagte:

"Es geht nicht um arbeitsfreie Tage, sondern darum, dass Politik, Verwaltung und Behörden diese Tagen entsprechend in den Kalender aufnehmen."

Interessant ist, dass die Vertreter der politischen Partei mit dem C im Namen, diesen Gedanken ablehnen:

"Deutschland ist ein Land mit einer christlich-abendländischen Tradition und Kultur, deshalb sehe ich keine Notwendigkeit, gesetzliche muslimische Feiertage einzuführen", sagte Schmid, der CSU-Fraktionsvorsitzende im bayrischen Landtag.

Quelle: Die Welt

 

Dr. Peter Brot 28.03.2013 | 18:12

"Wahrscheinlich, weil diese für immer weniger Menschen relevant sind."

Ich denke nicht, dass dies als Grund ausreicht. Auf Minderheiten muss schliesslich auch Ruecksicht genommen werden. Immerhin stellen manche Braeuche - auch die von Minderheiten - Kulturgut dar. Es geht hier wohlgemerkt auch nicht um Beschneidung oder aehnliches, sondern einen "Tanzverzicht", also eine Besinnung auf etwas anderes, das kann man auch als Satanist oder Hinduist gut heissen.

Muslimische Feiertage finde ich gut, am besten secht oder sieben Stueck, edel arrangiert mit den unsrigen.

MrMD15 28.03.2013 | 19:00

Sehen Sie das nicht ausschließlich als Antwort auf Ihren Kommentar:

 

Ich verstehe den Zusammenhang zwischen Rücksicht und Tanzverbot noch nicht. Christen, die den Feitertag entsprechend begehen wollen, werden von dem Treiben in Discos und bei Konzertern (Open Airs in der Mitte der Stadt kann man ja gerne verbieten.) kaum etwas mitbekommen, außer sie sind selber anwesend.

 

Es ist einfach ein unsinniges und wenig zeitgemäßes Gesetz. Die meisten haben auch kaum ein Problem mit einem ruhigen Abend, sondern mit einer Einschränkung ihrer Freiheit, die sie einfach nicht nachvollziehen können.

 

Hinzu kommt, dass viele an Ostern endlich mal ein langes Wochenende frei haben, dieses dann aber nicht entsperechend nutzen könne, weil 2 km entfernt Leute schlafen, die in 10 Stunden zum Friedhof gehen wollen (oder vor 10h schon dort waren).

 

Um dem Totschlagargument "Dann kann man gleich die Feiertage abschaffen, aber das will auch keiner" vorzubeugen:

Ich hätte auch kein Problem mit einer Abschaffung der Feiertage oder der Sonntage (bei gleichbleibenden Bedingeungen und entsprechend erhöhter Anzahl der Urlaubstage natürlich). Dennoch hat sich meiner Meinung nach das System eines Tages in der Woche, an dem Schüler, Studenten und Angestellte gleichzeitig frei haben, etabliert.

Das mag kleinlich wirken, aber am Ende wird man an Feiertagen nicht bezahlt. Wenn ich krank bin, dann zahlt meine Versicherung. Wenn ein Feiertag ist, zahlt aber die Kirche nichts. Und wenn  in einem Betrieb nichts erwirtschaftet wird, dann bekommt auch niemand Lohn. Man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass die Kirche mit den Feiertagen irgendetwas schenkt (was nicht wenige gerne mal behaupten.).

Achtermann 29.03.2013 | 07:51

"Das mag kleinlich wirken, aber am Ende wird man an Feiertagen nicht bezahlt. Wenn ich krank bin, dann zahlt meine Versicherung."

So weit sind wir zum Glück noch nicht. Es gilt derzeit immer noch die Regelung der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Und diese wird längstens 6 Wochen lang gewährt. Auch gilt das Lohnausfallprinzip. D.h.: Der gesamte Lohn wird ersetzt. Nach den 6 Wochen kommt die Krankenkasse ins Spiel. Sie zahlt 70 Prozent.

philmus 29.03.2013 | 21:59

Das Grundproblem, das ich da sehe, ist, daß für den traditionalistischen Christen anscheinend ein Widerspruch besteht zwischen der am Karfreitag geforderten "Besinnung" und dem Tanzen.

Daß das Tanzen nicht als ebenso legitimer Ausdruck einer spirituellen Besinnung auf die Urgründe des Seins gesehen wird wie das stille Gebet.

Ausdruck einer körperfeindlichen Geistigkeit, die den heiligen Geist nicht mehr erkennt, wenn er sich in körperlicher Freude äußert.

Lisa Linden 27.04.2013 | 18:03

Hallo,

 

ich bin Studentin der Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim. Meine Bachelor-Arbeit trägt den vorläufigen Titel „Kann jeder Journalist werden? – Eine Untersuchung zur Relevanz des Bürgerjournalismus und zum Rollenselbstbild der Bürgerjournalisten und professionellen Journalisten des Meinungsmediums „der Freitag“.  Ziel dieser Arbeit ist es, mit Hilfe eines qualitativen Leitfadeninterviews von fünf professionellen und fünf Bürgerjournalisten, herauszufinden, ob und inwiefern sich der Bürgerjournalismus, hinsichtlich des journalistischen Rollenverständnis und des journalistischen Arbeitsprozesses, vom professionellen Journalismus differenziert.

 

Für meine Untersuchung bin ich noch auf der Suche nach fünf Bürgerjournalisten, die sich für ein Interview via Skype, in dem Zeitraum vom 06.05.2013 bis zum 10.05.2013 zur Verfügung stellen würden. Ich hoffe, du kannst mir behilflich sein. Bei Interesse, melde dich bitte bei mir per E-Mail an: lvanderl@mail.uni-mannheim.de

Vielen Dank vorab!

 

Ich freue mich über deine Unterstützung!

Viele Grüße,

Lisa