Anna R.
30.12.2012 | 20:37 165

Weg mit der Wärme

Weiblichkeit... ...und wie sie hinter dem Nutzen zurückbleibt.

Eigentlich genügte ein Blick in die Zeitung, egal ob in den Berufsseiten oder in der Werbung, um einen Eindruck zu bekommen, wie man sich heutzutage eine gebildete, kompetente Frau vorzustellen hat. Im dunklen Hosenanzug, der Ausschnitt auf keinen Fall zu tief, die schwarze Hornbrille, ein starres, ausdrucksloses Lächeln. Wenn man Glück hat, findet man noch lange Haare, das ist dann aber schon genug der Weiblichkeit. Nichtsdestotrotz erschrak ich nicht wenig, als mir eine Freundin, die sich nun in Richtung Management orientiert, ihr Bewerbungsbild zeigte. Mit streng zurückgebundenen Haaren, einer sämtliche weiche Gesichtszüge überdeckenden dunklen Hornbrille und schwarzem Blazer mit Schulterpolstern bis zu den Ohren starrte sie von unten ausdruckslos in die Kamera, das Kinn auf einmal so kantig wie der Blick kühl, so dass ich nicht wusste, ob das androgyne Wesen auf dem Bild vor mir wirklich sie ist oder nicht. Schnell wurde ich jedoch aufgeklärt. Im Managementbereich würden die männlichen Eigenschaften zählen, deswegen muss frau auch möglichst männlich wirken. Dass man Führungsqualität aber doch auch mit offenen Haaren und einem kurzen Rock haben kann, wurde als Einwand ignoriert. Über Weiteres wurde ich nun von einer Ingenieurin, die kurz vor ihren Bewerbungsgesprächen steht, aufgeklärt. „Im Ingenieurbereich“, begann sie: „darf man als Frau keinen Rock tragen und nicht weiblich wirken“. Ich verstand nicht. Ich hakte immer und immer wieder nach, die einzige Antwort, die mir gegeben wurde, war die Folgende: Man muss doch Autorität ausstrahlen. Richtig!, entgegnete ich: Aus-strahlen!, nicht anziehen. Ausstrahlung ist etwas Inneres, und respektiert man eine Frau nicht viel mehr, wenn sie eben das ist, was sie ist und nicht meint, sich als Mann verkleiden zu müssen? Verleumdet und diskriminiert man sich nicht selbst, wenn man überhaupt versucht sich anzugleichen, anstatt eine Angleichung durch ein Einfach-sein von Vornherein unnötig zu machen?

Vielleicht gilt es, zumindest für die wenigen, die sich das noch vorstellen können, eine Rückbesinnung in Betracht zu ziehen. Zurück zu den eigenen Eigenschaften, zurück zu dem, was man eigentlich ist. In der Entwicklung nicht vom Mädchen in den Pseudo-Mann zu hüpfen, sondern einen Moment lang über das Frausein nachdenken. Sich zu fragen, ob die eigenen Eigenschaften nicht einen Nutzen haben, eigentlich nicht gut genug sind, dass man sich die der anderen nicht hinzunehmen oder sie gar als Ersatz gebrauchen müsste. Die wahre Selbstfindung und wahre Selbstverwirklichung, nicht die, die man meint, im Beruf durch Selbstaufgabe zu finden, würde eine Möglichkeit bieten, um herauszufinden, wer man ist, wer man sein will und wie man sein will, und nicht den Zwang fördern, sich aus Mangel an Zeit und Selbstkenntnis irgendwelchen angeblichen Vorgaben unterzuordnen und blind die eigene Identität darüber auszuradieren. Aber Selbstfindung kostet, Zeit und Geld und Gedanken, und bringt doch nur das Finden des eigenen Selbsts, von dem man weder Miete noch Essen bezahlen kann. Und so bleibt der Selbstfindung zu wenig Nutzen, als dass sie verwirklicht wird, denn gerade im privaten Bereich spürt man die Auswirkungen der Kosten-Nutzen-Gesellschaft so deutlich. Es gilt, dass Geben und Nehmen ausgeglichen sein müssen. Gefühle, Aufmerksamkeit, Nähe gibt es gegen Gegenleistung, nicht umsonst. Eine längere Zeit zurückstecken? Das lasse ich mir nicht bieten! Einen Fehler des anderen? Da kann er sehen, wie er das wiedergutmacht! Doch wie so oft vergisst man schnell, dass einem der Stolz ganz schnell das Leben ruinieren kann. Zeugen  nicht Verständnis, Großzügigkeit, Verzeihen von wahrer Größe und Stärke? Sind die Sanftheit und der treue Rückhalt nicht Eigenschaften, die irgendwie mal weiblich waren? Aber vielleicht ist es einfach nicht mehr die Zeit für Weiblichkeit.

Es kommt mir immer kälter vor um mich herum. Jeder will alles, das berufliche Glück, das private Glück, und rennt letztendlich doch nur im Kreis. Das große Geld, die Führungsposition. Die Jahre werden im Voraus geplant, der Job muss sicher sein, das Geld muss sicher sein, die Rentenversicherung (once more); am Liebsten würde man noch den Traumpartner schnell im Internet per DNS-Test finden, sodass man Sicherheit hätte, dass dann auch alles passen wird. Alles haben wollen, nur hat man keine Zeit mehr, vielleicht dafür Geld und eine angezogene Autorität. Schnell kommt Irritation auf, wenn der Herumrennende mit jemandem konfrontiert wird, der einfach ist. Wovon willst du denn leben?, schreit er ihm zu, und dieser fragt zurück, mit dem schönsten Lächeln der Welt auf den Lippen: Und wofür willst du leben…?  

Kommentare (165)

Costa Esmeralda 30.12.2012 | 21:03

Liebe

@ANNA R

So ist es, weg mit der Wärme, weg mit der Menschlichkeit, weg mit dem Humanismus!

Was Du an vielen Karrierefrauen kritisierst, kritisiere ich an unserer "fortschrittlichen, aufgeklärten, linken" Mittelschicht. Die/der Nonkonformist/in gibt seine Identität auf, um den Herrschenden zu gefallen, zumindest ihnen nicht auf den Wecker zu gehen. Ein falscher, oder besser gesagt, ein eigener Schritt kann oft über materielle Bestrafung für das ganze Leben entscheiden. In meiner Berufskarriere, wenn ich über Mitarbeiterinnen entscheiden konnte, habe ich mich stets für die "Weiblichkeit" entschieden und bin damit mehr als belohnt worden. Wenn andere über meine Anstellung entschieden, habe ich meine Identität stets bis aufs Messer verteidigt. Das hatte jedoch die fatale Konsequenz der Marginalisierung und materiellen Abstrafung, besonders bei deutschen Arbeitgebern. Das ist die "condición humana", wir kennen sie und werden immer darum streiten, sie nicht allzu erdrückend werden zu lassen. Und auch der Widerstand ist ja Teil der "condición humana" und kann das Leben belohnen.

Dir ein gutes Neues Jahr!

LG, CE

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Ehemaliger Nutzer 31.12.2012 | 08:29

Sie haben Ihrer Freundin auf jeden Fall die richtigen Fragen gestellt - darüber hinaus bleibt Selbstfindung ein persönlicher Prozess:  der Erfahrung, der Anstregung, der Reflexion, ja eben auch der eigenen Fehler.

Übrigens weist jede "soziologische Umgebung" eine gewisse Uniformität auf, also sichtbare und unsichtbare Merkmale und Codes, die diese Gruppe kennzeichnet, aber noch nichts über einen Mangel an Persönlichkeit und Charakter sagen muss.

Ich denke, das es um das wohlbestimmte Maß von Anpassung geht, den Grenzen darin. Und die muss jeder für sich selbst bestimmen.

Um irgendwie 'rund zu kommen' arbeite ich stundenweise bei der Postsortierung und besorge bei Bedarf manchmal auch Post an Haus. Ich trage dann eine gestellte TNT-Jacke, die warm und regenundurchlässig ist. Meine Persönlichkeit "ziehe ich dann keinesfalls aus". Es sind die Anderen, die mich als Postbote "qualifizieren und den entsprechenden Gedankenbildern.

Ein kurzer Minirock, das noch zur Weiblichkeit gesagt, ist ebenfalls ein äußeres Merkmal und vielfach interpretierbar, im Geschäftsleben und in der Werbung oftmals als "nutzbringende Waffe" - oder etwa nicht?

Freundlichen Gruß aus den Niederlanden und ein gutes, inspirierendes 2013!

 

 

 

 

Costa Esmeralda 31.12.2012 | 16:33

Lieber/liebe Duinder,

ich habe über "Weiblichkeit" im Sinne des Artikels gesprochen. Wenn das bei Dir Assoziationen von Sex hervorruft, ist das ganz Dein Problem. Da ich mit Frauen wie auch Männern aus vielen Kulturen gearbeitet habe, kann ich mir einigermassen ein Urteil erlauben, dass Frauen "sozialer" als Männer sind und in erster Linie um ihre Familien kämpfen, während die Männer allgemein Egoisten sind, und nur durch soziale Kontrolle und Erziehung zum gemeinschaftlichen Lebensbeitrag zu kriegen sind. Nicht umsonst setzen Entwicklungsprogramme in den meisten Ländern der Welt vor allem auf das "Sozialkapital" der Frauen.

Trotz Deiner Anmache: Auf ein Frohes Neues Jahr!

Vielleicht kommt auch Dein "Sex-Komplex" einmal aus Deinem Kopf!

Costa Esmeralda 31.12.2012 | 17:07

Liebe Magda, der altmodische Herrenton ist natürlich seit Gedenken ad acta gelegt, oder sollte es zumindest sein. Aber leider zwingt unsere, bisher, machoregierte Welt viele Frauen dazu, ihre Identität hinter einer äusseren Fassade zu verstecken und sich "männlich" zu gerieren, um ihre Karriere nicht in Frage zu stellen. Ist Dir das nicht in der deutschen Gesellschaft aufgefallen? Aber dieses Phänomen gibt es so auch in anderen europäischen Ländern wie auch in den USA/Kanada. Und das Fernsehen hilft da gewaltig nach. Gottseidank ist das Verhalten von Frauen in "Dritte Welt"-Ländern bisher vom Idol der "erfolgreichen" Geschäftsfrau, die es den Männern gleich tut, infiziert, obwohl in der Oberschicht auch im Kommen.

Costa Esmeralda 31.12.2012 | 17:27

Magda, noch Eines: Vergleiche einmal Suu Kyi mit Merkel. Fällt Dir dabei etwas auf? Von Mme Thatcher erst gar nicht zu reden. Merkel versucht sich auf Teufel komm raus in der Männerwelt mit typischem Männerverhalten durchzusetzen, möglichst Männerverhalten hoch zwei. In Griechenland gibt sie einen Kommentar ab, dass Ihr die Griechen leid tun. Im nächsten Augenblick, in Deutschland zurück, fällt das "Merkelsche TOTSPARDIKTAT" wie ein Hammer auf Millionen von Familen herab, auch in Portugal. Wo ist da die Empathie geblieben? Und Merkel ist diesbezüglich fast "männlicher" als Schröder/Fischer, die die Euro-Zone in völlig falscher Richtung angetrieben haben. Aber Merkel verstärkt die unbarmherzige und falsche Politik und treibt sie auf die Spitze. Warum geht die "oberste" deutsche Frau mit Elefantenschritten in der Weltgeschichte herum  und tritt alles kurz und klein mit ihrer "Soziale-Kälte-Politik", dass nicht nur Deutschland und Europa darunter leiden müssen, sondern die gesamte Weltwirtschaft? (Was nicht nur etliche Nobelpreisträger so sehen) So schnell wird es dieser Frau kein Mann nachmachen können, die Weltwirtschaft um zwei, drei Wachstumspunkte zu senken. Leider gibt es weibliche Vorbilder dieser Art seit den 60er Jahren immer mehr und viele junge Frauen tun es ihr nach. 

Anna R. 31.12.2012 | 17:29

@Costa Esmeralda: Ich möchte erst einmal für die Ausweitung meiner kleinen Beobachtung auf die Mittelschicht und die Arbeitswelt insgesamt danken, und will Ihnen recht geben, dass die eigene Identität selbst auf die Gefahr von Nachteilen hin immer zu verteidigen ist. Auch für die anderen Kommentare und Ihre Anregungen herzlichsten Dank.

@Magda: Nichts lag mir ferner als einen jammernden Altherrenton anzustimmen. Es sind aber durchaus, wenn auch zum jetzigen Zeitpunkt absolut noch nicht als eine Bewegung oder Neuausrichtung zu bezeichnen, hier und da gerade bei Frauen zwischen 20 und 30 (so beobachte ich das zumindest in meinem Umfeld) wieder einige Stimmen zu hören, die den Wunsch äußern, "Frau sein" zu dürfen. Ich wollte mit meinem Text aber weder in die Genderdebatte noch in die Feminismusdebatte und auch nicht in die Klischedebatte; stattdessen wollte ich meinen Unmut darüber äußern, wie kopflos sich manche Frau diesem angeblichen Diktat der männlichen Eigenschaften unterordnet. Es geht mir also nicht darum, irgendein mögliches Bild / eine Rolle der Frau als besser zu verkaufen als ein anderes, sondern nur um ein gewisses Nachdenken über sich selbst und Respekt, wie auch immer man sich entscheidet, zu sein...

@Duineder: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich wollte keineswegs den Zweck von Arbeitskleidung in Frage stellen und vermute dahinter auch absolut kein grundsätzliches Ablegen der Identität. Dass die Automechanikerin der Praktikabilität wegen Hosen trägt, ist ja verständlich. Ich wollte stattdessen mein Unverständnis darüber äußern, warum man etwas einzig und allein aus dem Grund tut, weil das angeblich so erwartet wird, auch wenn es eigentlich keinen wirklichen Nutzen oder Sinn hat. Oder wie erklären Sie sich, dass Jurastudenten inzwischen trotz vollständigen Sehvermögens massenweise "Modebrillen" tragen? 

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Ehemaliger Nutzer 01.01.2013 | 10:29

Guten Morgen und ein gesundes gutes 2013, @Anna R.

Oder wie erklären Sie sich, dass Jurastudenten inzwischen trotz vollständigen Sehvermögens massenweise "Modebrillen" tragen?

Die erklärte ich bereists- wie in meinem Kommentar angedeutet - als allgemeines "soziologisches "Gruppenphänomen.  Man  passt sich äußerlich (in Attitüden,Kleidung oder Mode, Verhaltns sogar der jeweiligen Gruppe oder Umgebung an, manchmal grenzenlos. 

Dies ist auch hier im Forum offensichtlich, jedenfalls für mich. Hier ist es auch chic und politisch konform  sich möglichst "links, progressiv, biswelen rebellisch und avantgardistisch zu geben. Plakate eben. Anpassung. 

Und passen Sie auf, gleich schreibt eine/r, dass ich es ja auch tue! Und es stimmt: Denn jede Umgebung versucht immer und überall "gleich zu machen"...deshalb gilt es ja auch seine persönliche Freiheit jeden Tag in den banalsten Angelegenheiten zu verteidigen, denn Nichts ist für alle Zeit gewonnen.

 

 

 

 

 

 

Anna R. 01.01.2013 | 16:25

Liebe Magda,

nachdem ich den Eindruck habe, dass weder Sie noch Ihr 'Gefolge' (oder wie auch immer man die einfach ohne jede eigene Argumentation auf einen Äußerungszug aufspringenden User auch nennen mag) an einer sachlichen Dikussion über meinen Text interessiert sind, bitte ich Sie, von weiteren 'Kommentaren', die man aufgrund ihrer Aussagearmut wohl eher unter "Spam" einordnen könnte, abzusehen.

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Ehemaliger Nutzer 01.01.2013 | 20:35

Hallo Costa,

Was Frau Merkel betrifft muss ich Ihnen widersprechen. Es ist mir zu pauschal, alles an der Kanzerin aufzuhängen. Die Dinge verhalten sich komplexer und ich sehe mich außerstande hier dem Chor der Vorwurfs- und Jammerarien beizutreten. Die Meien leiern hier täglich dieselben Lieder 'runter.

Man begreift hier total nichts von innen- und außenpolitischen(globalen) Machtverhältnissen, Machtkonzentrationen, Handlungszwängen und Geo-poitischen Strategien und Gesamtzusammenhängen. Man begreift ja noch nicht einmal was Demokratie konkret bedeutet.

Frau Merkel hat nicht nur in den Niederlanden eine sehr gute Reputation,  komisch nicht? Die linken Schreiberlingen betreiben hier Kabarett, und darüber lache ich gern - ernst nehmen kann diesen einseitigen gehässigen Pauschalismus wirklich nicht. 

Vor einiger Zeit habe ich Ihnen und dem Forum hier den  deliberativen Demokratie- als Reformansatz nahegelegt. Meine soeben beschrieben Analyse wurde damals und wird bisher  täglich neu  bestätigt. (Insoweit ich hier täglich lese..)

Aber, lassen Sie sich nicht bremsen... schöner Zeitvertreib - und man lernt ja hinzu.

 

 

 

Costa Esmeralda 01.01.2013 | 23:02

Lieber Duineder,

kannst Du mir noch einmal den Link zu Deinem Ansatz nach Panamá hinüberschicken?

Was Merkel und die deutsche Seilschaften-Republik anbelangt (in Holland habt Ihr sicherlich ein ähnliches Gesellschaftsmodell) nur Eines als typisches Beispiel:

Gestern Merkels Neujahrsansprache mit der Aufforderung der Bürger, fleissig zu arbeiten und mit dem Versprechen des Staates (sprich Merkels), sich verantwortungsvoll um den Bürger zu kümmern. Genau das spiegelt unsere repräsentative Demokratie wider: Der Bürger übergibt sein Schicksal an den Staat, welcher von der BT-Parteien-Diktatur gesteuert wird. Der Bürger gibt alle vier Jahre seine "Volkssouveränität" an die politischen Seilschaften ab, die die Lebens- und Arbeitsbedingungen des Volkes bestimmen. Das hat mit Demokratie herzlich wenig zu tun. Und in diesem Sinne funktioniert Mme Merkel in ausgezeichneter Weise im Interesse der Kapitaleigner. 200 Jahre nach der Aufklärung sollten wir weiter sein in Sachen Demokratie. Vor allem nach den fürchterlichen Jahren des deutschen Faschismus, in denen der Bürger ebenfalls seine Interessen am Wahltag ein für alle Mal abgegeben hat. Wenn auch heute die Bundestagsparteien-Diktatur eine "sanftere" ist, so bleibt sie doch in ihrem Wesen "Diktatur".

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Ehemaliger Nutzer 02.01.2013 | 09:26

Lieber Costa,

Googeln Sie doch einfach "Deliberative Demokratie", dann finden Sie alles Wissenswerte daüber. Wenn Sie wirklich interssiert wären, hätten Sie es bereits damals bei Ihrem Eintritt hier beim Freitag - wie von mir empfohlen- nachgelesen.

Ihre Ausführungen zeugen von einer einseitigen Sichtweise. Man mag vom derzeitigen Saus Qou hlten was man will, er ist eine Tatsache. Mit schrittweiser, demokratischer Erneuerung und einem entsprechenden realistischen (verantwortungsvollen) demokratischen Instrumentarium bin ich einverstanden, aber nicht mit linken Hirngespinsten und völlig irrealen Maximalpostulaten, die hier täglich die Revue passieren.  Ich sag ja: linkes Kabarett, lächerlich, peinlich und kindlich naiv zuweilen.

Die Disqualifizierung von rechtstaatlich gewählten PolitikerInnen (Angela Merkel o. A.) ist zwar beliebt und schon deshalb zu billig. Es geht nicht um einzelne Personen, sondern um ein Reformbedürftigket und mehr Bürgerbeteiligung .

Sie müssen selbst wissen, womit Sie Ihre Zeit vergeuden, schade, denn ich nehme Ihnen Ihr politisches Engagement durchaus ab. 

Gruß!

Costa Esmeralda 02.01.2013 | 17:40

Lieber Duineder,

dank für den Hinweis. Da ich bisher im Wesentlichen in "Dritte Welt"-Ländern gearbeitet habe und noch lebe, war mir der Begriff "deliberative Demokratie" selten untergekommen, dafür aber umso mehr "partizipatorische Demokratie", die ich in meiner Arbeit seit den späten siebziger Jahren in der Praxis anwandte, und die auch als wesentliches Element im Paradigma des "Sustainable Human Development" (A. Sen u. a.) Aufnahme gefunden hat (zweite Hälfte der 80er Jahre), d. h. lange bevor Habermas dieses für Metropolen-Demokratien thematisiert hat. Dieser partizipatorische Demokratie-Ansatz steckt ja auch hinter Begriffen wie "Direkte Demokratie". 

Wenn Du von, ich sage einmal polemisch, "linker Träumerei" einiger Zeitgenossen (für mich selbst nehme ich die libertäre, humanistische Weltanschauung in Anspruch), die mit unserem Demokratie-Modell auf Kriegsfuss stehen, sprichst, muss ich Dir widersprechen (wie Du selbst schon ahnst, da Du meine Meinung zu kennen scheinst). Selbstverständlich verlaufen gesellschaftliche Veränderungen, und Fortschritt, nur in mehr oder weniger gestreckten Zeiträumen. Und sie müssen mehrheitsfähig sein. Das ist uns allen klar. Voraussetzung ist die Analyse dessen, was ist. Und da behaupte ich weiterhin, dass Merkel an der Spitze einer BT-Parteien-Diktatur steht, die sich anschickt, die Mehrheit unseres Volkes zum turnusmässigen Abnicken ihrer Herrschaft zu bewegen. Ich jedenfalls finde es wichtig beizutragen, die Art des Funktionierens unserer Seilschaften-Republik in aller Öffentlichkeit in partizipativer Weise zu analysieren (wie ja auch hier in dF geschieht), wie bspw. Hannah Arendt das mit totalitären Systemen (auch mit dem deutschen Faschismus) gemacht hat. Dieses wäre dann der Ausgangspunkt, die Deliberation in der Zivilgesellschaft in verständlicher Weise zu verbreitern, und anhand eines Paradigmas der zukünftig möglichen "Direkten Demokratie" zu abgestuften Schritten einer Reform unseres gesellschaftlichen Systems zu kommen. Es geht nicht nur um Vermeidung des "Merkelschen TOTSPARDIKTATES" oder ihrer "Soziale Kälte-Politik" (mit beiden Begriffen wird sie einmal in die Geschichte eingehen), es geht darum, dass der Staat in Händen von Seilschaften zu einem Staat in Händen des Bürgers wird. Diese Utopie muss als Leitbild für stete Korrekturen unseres derzeitigen Systems dienen. Und das Ideal der Bürger-Republik existiert in Europa seit der Aufklärung vor 200 Jahren. 

Warum diskutieren wir das in @ANNA R 's Beitrag. Ich glaube zumindest, d. h. weiss selbstverständlich nicht, dass die massenhafte Partizipation von Frauen mit "Weiblichkeit", d. h. nicht mit Nachahmung typisch "männlicher" Verhaltensweisen, mit ausschlaggebend dafür sein wird, dass der Staat vom Seilschaften-Staat zum Bürger-Staat hin entwickelt wird.  

Dir noch einen schönen Tag!

LG aus Panamá, CE

Martin Gebauer 02.01.2013 | 19:47

Wo nichts mehr aufzufinden ist, kann auch nichts gefunden werden.

Unsere Entwicklung schreitet, beharrlich, eisern, unaufhörlich fort und führt uns immer weiter dahin, wo ein eigenes Selbst, als pathologisiert gilt.

 "Normale" Kinder eine aussterbende Spezies?

"Schon Kleinkinder werden in unserer Gesellschaft immer mehr normiert: Sie sollen sich auf eine ganz bestimmte Art und Weise entwickeln. Um schon kleine Abweichungen von der "normalen" Entwicklung zu erfassen, werden sie in Kindertageseinrichtungen immer häufiger anhand von Beobachtungsbögen und Tests genau untersucht. ...

Entsprechen Kinder nicht mindestens zu 80% oder 90% den Vorstellungen und Erwartungen ihrer Eltern, Erzieher/innen bzw. Lehrer/innen, werden sie sofort pathologisiert, also z.B. als "verhaltensauffällig", "sprachgestört", "seelisch behindert" oder "entwicklungsverzögert" klassifiziert. Dann wird umgehend nach professioneller Unterstützung gerufen. So hat bereits jedes vierte Kind mit acht Jahren eine (Ergo-, Logo-, Psycho-) Therapie hinter sich. Und ohne Nachhilfeunterricht geht es auch nicht mehr - beispielsweise bekommt in Bayern schon jeder fünfte Dritt- und Viertklässler Nachhilfe." Quelle: http://www.kindergartenpaedagogik.de/1682.html

Das authentische Potential, soweit noch vorhanden, wird in Zukunft als krankhaft eingestuft werden und dementsprechend, medikamentös oder psychotherapeutisch behandelt. 

janto ban 02.01.2013 | 20:21

|| Also, wenn Sie wirklich eine Frau sind, dann fresse ich meinen Handfeger. So ein klischeebeladener Quatsch fällt keiner Frau mehr aus dem Keyboard. ||

|| Solches Gejammer stimmen Frauen selten an. (...) Da klingt ein seltsam altmodischer Herrenton mit. ||

Das gefällt mir aber auch nicht gut. Nicht, dass ich mich nicht selbst erst unter Frau Wagners Blog vergalloppiert hätte, aber wo bleibt denn die inhaltliche Auseinandersetzung? Das ist doch eines deiner Themen. Du gabst noch mit der Gießkanne zu Protokoll, dass Männer gesundschrumpfen sollen. Ist gut, machen wir. Aber was ist an diesem Text so ablehnenswert? Es radiert/e mit Sicherheit nicht jede Frau, die Karriere machen will/macht/machte ihre eigene Identität blind aus. Aber es muss ja auch nicht jeder Mann gesundschrumpfen. So what?

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Ehemaliger Nutzer 02.01.2013 | 20:58

ähhhm, lies mal das :

Vielleicht gilt es, zumindest für die wenigen, die sich das noch vorstellen können, eine Rückbesinnung in Betracht zu ziehen. Zurück zu den eigenen Eigenschaften, zurück zu dem, was man eigentlich ist. In der Entwicklung nicht vom Mädchen in den Pseudo-Mann zu hüpfen, sondern einen Moment lang über das Frausein nachdenken. Sich zu fragen, ob die eigenen Eigenschaften nicht einen Nutzen haben, eigentlich nicht gut genug sind, dass man sich die der anderen nicht hinzunehmen oder sie gar als Ersatz gebrauchen müsste. Die wahre Selbstfindung und wahre Selbstverwirklichung, nicht die, die man meint, im Beruf durch Selbstaufgabe zu finden, würde eine Möglichkeit bieten, um herauszufinden, wer man ist, wer man sein will und wie man sein will, und nicht den Zwang fördern, sich aus Mangel an Zeit und Selbstkenntnis irgendwelchen angeblichen Vorgaben unterzuordnen und blind die eigene Identität darüber auszuradieren. Aber Selbstfindung kostet, Zeit und Geld und Gedanken, und bringt doch nur das Finden des eigenen Selbsts, von dem man weder Miete noch Essen bezahlen kann. Und so bleibt der Selbstfindung zu wenig Nutzen, als dass sie verwirklicht wird, denn gerade im privaten Bereich spürt man die Auswirkungen der Kosten-Nutzen-Gesellschaft so deutlich.

das erklärt nicht den besenstil, aber...puuhhh, naja...ähhh

:roll: ...

wieviel viel kostet denn nu das selbst?

:roll:

 

 

Anna R. 02.01.2013 | 21:06

Können Sie mir vielleicht darlegen, was genau Sie meinen? Wenn es das Thema der Selbstverwirklichung, die nichts mit einer Selbstaufgabe im Beruf zu tun hat, ist, dann will ich dazu nur klarstellen (es kann gut sein, dass das im Text missverständlich ausgedrückt war), dass ich das nicht geschlechterspezifisch meinte. Das Problem der Selbstfindung, dass sie nicht genügend "Nutzen" hat, um ausgeführt zu werden, betrifft Männer ja genauso.

Ich habe an keiner Stelle des Textes ein Karrierebewußtsein der Frau kritisiert, an absolut keiner Stelle. Ich habe kritisiert, dass man blind einem angeblichen Diktat der Männlichkeit, das ich eben gar nicht gegeben sehe, folgt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir einen weiteren Kommentar hierlassen; ich würde nämlich gerne wissen, was ich in meinem Text denn geschrieben habe, dass sich die Kommentare, die sich mit seinem Inhalt überhaupt versuchen auseinanderzusetzen, immer noch an einer Hand abzählen lassen.

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Ehemaliger Nutzer 02.01.2013 | 21:39

ich mag ehrlichgesagt nicht und meine es nicht bös, wenn ich nur noch sag: Sie haben sicher ihre Thera oder Ihren thera oder, keine ahnung, was "schlimmer" ist, ihren "mann des lebens"...

nur eine kleinigkeit (vielleicht versuchen, sich zu finden im sich-selbst-überlesen/-studieren?) :

Sie beklagen die kosten-nutzen-gesellschaft und stellen ne kosten-nutzen-rechnung der "selbstfindung" in den raum...

klar geht das zusammen, kann mensch machen, nur schien mir, daß Sie das nicht wollten so ganz eigentlich, aber Sie tuns... und naja, Sie tun eben so einiges mit Ihren sätzen/absätzen/blogs, was Ihnen augenscheinlich nicht klar ist und keiner der lieblichen männekens hier klarmachen kann bzw vielleicht auch nicht will...das ist das ärgerlichste an alledem...

mensch müßt Ihr gesamtes blog zitieren, zerstückeln und drauf eingehen, das ist mir nach meinem urlaub bis gestern (hierdrin schreibend) zuviel zu "tun" , es tut mir leid, wirklich, aber vielleicht machts ja jemand, weil ich Ihnen glaube, daß Sie für sich da grad was (zusammen)suchen wollen...

sorry, das klingt bestimmt überheblich und die mannschaft mag sich drauf stürzen, egal, ...

einfach sich selbst überlesen! und natürlich: immer wieder schreiben, um sich erlesen zu können+begreifen ;-)

 

lg

jana

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Ehemaliger Nutzer 02.01.2013 | 22:15

wofür willst du leben?

Das ist - nehmen wir die Bemerkungen JantoBan´s als gleichgeschlechtlich Verpartnerter hier mal aus - für gegengeschlechtlich Interessierte gar nicht so einfach.

Der Autorin sei gesagt, daß meine Frau auch leitende Angestellte ist und sie die von Ihnen geschilderten Probleme - vor allem aber die von Ihnen gestellten Fragen nach dem Erhalt von Weiblichkeit in Führungsposition gar nicht kannte, weil sich diese überhaupt nicht stellten.

Und das aus einem einfachen Grund: sie wusste bzw. weiß, daß eine Führungsposition im Kapitalismus bzw. in einem kommerziellen Unternehmen nicht weiblich konnotiert ist, d.h. die von Ihnen angemahnten weiblichen Eigenschaften - welche ich hier mal als solche infragestelle, denn es gibt zahllose Männer denen mitmenschliche Wärme durchaus nicht abgeht - in diesem Job keine Rolle spielen - so die Regeln.

Meine Frau ist folglich in der Partnerschaft mit mir Frau - wie sollte es auch anders sein - und nicht in ihrem Job.

Wieso überfrachten Sie Führungsaufgaben mit angeblich weiblichen Eigenschaften = Kompetenzen?

Ich kenne sehr viele Frauen, die Ihren Vorstellungen von sog. weiblichen - z.B. sozial-emotionalen - "Ur"Kompetenzen durchaus nicht entsprechen, aber auch gar nicht vorhaben diesem Bilde zu entsprechen, daß ich Ihnen im Gespräch mit Ihrer Freundin nur einen guten Rat geben kann:

Downsizing both.

Ihre Freundin braucht einen verlässlichen und kompetenten Freund.

Dann aber braucht sie Sie nicht mehr.

Das ahnen Sie vielleicht.

Anna R. 02.01.2013 | 22:40

Ihr Kommentar steht repräsentativ für alle anderen negativen Kommentare.

Im ersten Kommentar scheinen Sie etwas ausgesprochen Erwähnenswertes gefunden zu haben: "ääähm, lies mal das:" und Sie zitieren in Folge einen längeren Absatz von mir. Darunter dann Erstaunen "puuuuh....naja, ääh..." und nochmal "roll, roll".

Nun bat ich Sie, Stellung zu nehmen, was Sie denn mit dem Zitieren meines Absatzes meinten.

Daraufhin folgt nun Ihr zweiter Kommentar. Ein nicht endenwollendes Geschwurbel mit dem Verweis darauf, dass ich mich bestimmt in (Selbst-)therapie befände, und mit meinen Sätzen nunmal Dinge anstellen würde, die Sie aber nicht benennen könnten und sonst puh, ääh...naja (um mal mit Ihren Worten zu sprechen) auch keiner.

Dass die Seite, die meinem Text eher positiv geneigt war, Argumente vorbringen konnte, oder Anregungen oder sonstwas, und die Seite, die meinen Text negativ gegenübertrat in der Masse ihrer Kommentare kein einziges, ich wiederhole: KEIN EINZIGES Argument vorbringen konnte, ist doch bezeichnend für die Debatte, so bezeichnend wie auch Ihr Kommentar ist. Wenn Sie nicht wissen, was Sie mit dem Text anfangen sollen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie fragen nach, oder Sie schweigen. Aber sich wichtig zu machen und dann doch nur sich mit den Argumenten "Ich weiß jetzt auch nicht, äh, keine Zeit" aus der Affäre zu ziehen versuchen, hinterlässt doch einen faden Beigeschmack.

Auch von meiner Seite ist das nicht böse gemeint, ich will das hier vielmehr als Resumé der gesamten Debatte, die von vor Peinlichkeiten nur so strotzenden Kommentaren überquillt, ziehen.

mymind 03.01.2013 | 01:11

Vorab:

Die meisten Kommentare sind äußerst UNFAIR!

Vielleicht ist der Bloginhalt für die eine & den anderen Kiki-Kram & ich frage mich dann aber: warum beschäftigt ihr euch damit? Diese überheblichen BLABLABLA-Reaktionen sind grauenhaft. Warum?

Fakt ist, dass es Berufszweige gibt, in denen tatsächlich äußere Erscheinung & Fake im sämtlichen Habitus einen höheren Stellenwert haben als Knowhow, Charakter & Persönlichkeit. O.K. man/frau muss das nicht mitmachen, aber es gibt genügend, die meinen, dass es dazu gehört. Nun schreibt Anna R. einen Blog zu dem Thema im DF & der wird  gnadenlos zerfleddert. O.K. einzelne Sätze & Formulierungen bedürfen eines Korrektivs, aber nicht jeder hier kann toll schreiben. Kommt es nicht auch auf Aussagen an, die zwischen den Zeilen gelesen werden können?

Es kommt mir immer kälter vor um mich herum. Jeder will alles, das berufliche Glück, das private Glück, und rennt letztendlich doch nur im Kreis. Das große Geld, die Führungsposition. Die Jahre werden im Voraus geplant, der Job muss sicher sein, das Geld muss sicher sein, die Rentenversicherung (once more); am Liebsten würde man noch den Traumpartner schnell im Internet per DNS-Test finden, sodass man Sicherheit hätte, dass dann auch alles passen wird. Alles haben wollen, nur hat man keine Zeit mehr, vielleicht dafür Geld und eine angezogene Autorität. Schnell kommt Irritation auf, wenn der Herumrennende mit jemandem konfrontiert wird, der einfach ist. Wovon willst du denn leben?, schreit er ihm zu, und dieser fragt zurück, mit dem schönsten Lächeln der Welt auf den Lippen: Und wofür willst du leben…?

blog1 03.01.2013 | 04:21

Sie haben den Finger in die Wunde gelegt und wundern sich nicht wirklich, wie viel Feindseligkeit Ihnen entgegen schlägt. Oder doch?

Jedes menschliche Wesen hat m.W. 46 Chromosomen, bestehend aus 23 Chromosomenpaaren. Frauen und Männer unterscheiden sich dadurch, dass beim Mann xy und bei der Frau xx auftritt. Es kommen aber immer 23 Chromosomen von der Frau und die gleiche Zahl vom Mann. Hier herrscht also absolute Gleichberechtigung.

Mediziner, die sich mit dem Hormonhaushalt von Männer und Frauen beschäftigen, stellen die These auf, dass eine Frau auch männliche Hormone braucht, so wie der Mann auch weibliche Hormone benötigt. Allerdings ist dabei sehr entscheidend, wie hoch der jeweilige Anteil ist. Wenn ein Mann zu weibliche Hormone hat bzw. eine Frau zu viel männliche, kommt es Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu massiven Erkrankungen.

So viel zum medizinisch biologischen Hintergrund.  Da wir doch alle endlich sind, stellt sich natürlich auch die Frage. Wofür willst Du sterben? Sicherlich erst dann, nachdem Du ausreichend gelebt hast.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 08:46

Alle Beiträge von Anna R. behandeln das Menschsein im gegenwärtigen Kontext an sich, also die Orientierungssuche, Reflexion, um sich die gegebenen Umstände verständlich zu machen und sich dazu zu verhalten. Die Beiträge sind lebensnah und nachvollziehbar. 

Viele beleidigende Kommentare beweisen die fortgeschrittene Entfremdung, die Hilfslosigkeit und Unsicherheit sich inhaltlich mit den Themen auseinanderzusetzen. Die entsprechenden verbalen Armseligkeiten von @Magda, @Jana, @Weinzstein @Ich @Anne Mohnen - sind ja nachzulesen.  Wenn völlig klar ist, dass hier Argumentationsleere kompensiert und verschleiert werden soll - Resultat von irgendwelchen Frustrationen, dann lange ich gern auch schon mal hin. Die zu erwartenden "Retourkutschen" verdiskontiere immer schon vorher - Hobelspäne, was soll's. Alles zu Ihrem Besten, edel nicht wahr? Der Andere sieht unsere Stärken und Schwächen immer besser, als wir selbst. Sie werden''s nicht glauben, aber ich lerne daraus. Bei Ihnen, unwerte Foristen habe ich inzwischen begründete Zweifel. 

Die Beiträge von Anna R. fügen hier etwas hinzu, was fehlt. So simpel ist es.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

anne mohnen 03.01.2013 | 10:50

Ich halte die Überfrachtung mit Rollenaufträgen auch für problematisch: die Karrierefrau, die Reformmutter, die Sexy-Woman, die Bioköchin, die intellektuelle Buchleserin in High-Heels, die Wellness-Expertin etc. Da kann Frau und ehrlicherweise auch Mann schwindelig werden, und mächtig geschwindelt wird allemal.  Davon handelt der Blog allerdings nicht, und das ist das Problem.  Dass sich hier zunehmend Leute zu Wort melden, die weder irgendwie links, irgendwie aufgeklärt konservativ oder gar links-liberal sind, sondern einfach nur bräsig Themen kleindampfen, die so in keinem Landfrauenjournal  Platz fänden, geht mir auf den Geist.

Übrigens gegen Hausfrauen, die als Abonnementen den dF bei ner Tasse Kaffee lesen -z.B. beim Friseur ihres Vertrauens -  und darüber plärrende Kinder und das Fensterputzen vergessen, habe ich ganz und gar nichts. Soviel Wärme muss einfach sein.

 

Anna R. 03.01.2013 | 11:06

Sie halten die Überfrachtung mit Rollenaufträgen für problematisch und sehen es zugleich als Problem, dass mein Blog nicht davon handelt? Dass Sie den Inhalt / die Aussage meines Blogs nicht mögen, war von Ihrem ersten Kommentar an ersichtlich und ist auch Ihr gutes Recht; allerdings frage ich mich, wieso Sie ihn dann nicht einfach ignorieren, und stattdessen immer und immer wieder kommentieren? Was an meinem Text "bräsiges Kleindampfen" ist, würde ich auch gerne wissen, allerdings zeigt hier ja die Erfahrung, dass jeder sehr groß im Maulaufreißen ist (dass Ihnen Ihr Kommentar mit dem Drei-Wetter-Taft und die Tatsache, dass Sie drei Anläufe brauchen, um der Allgemeinheit ein gutes Neues Jahr zu wünschen, eigentlich nicht peinlich ist...), aber auf Nachfragen nicht antwortet oder, wie man am Beispiel Janas sieht, mit nebulösem Geblubber reagiert.

Sie kritisieren, dass sich hier zunehmend Leute zu Wort melden, die nicht von vornherein auf eine gewisse Haltung festzulegen sind. Auch wenn mir der Grund dafür nicht recht einleuchten mag, frage ich Sie: Ist es nicht viel schlimmer, wenn man sich andauernd zu Wort meldet, obwohl man nicht einmal eine Haltung hat? Man andauernd in die Tasten haut, obwohl man strenggenommen nichts, aber auch gar nichts zu sagen hat?

Sparen Sie sich doch Ihre Energie und tun Sie Ihnen und mir damit etwas Gutes.

anne mohnen 03.01.2013 | 11:27

Werte AnnaR,

ja, das wäre ein Möglichkeit, den Blog zu ignorieren. Und ganz ehrlich verdient hätte er es. Nur häuft sich solch ein Schmoo.

Haltung, also:

„Vielleicht gilt es, zumindest für die wenigen, die sich das noch vorstellen können, eine Rückbesinnung in Betracht zu ziehen. Zurück zu den eigenen Eigenschaften, zurück zu dem, was man eigentlich ist. In der Entwicklung nicht vom Mädchen in den Pseudo-Mann zu hüpfen, sondern einen Moment lang über das Frausein nachdenken“

Geht’s noch? Das fällt weit hinter Konservatismus zurück, das ist schlimmstenfalls nur frauenfeindlich und ehrlich gesagt auch männerfeindlich. Bestenfalls ist es weltfremd,   da Sie hier ein Problem vortragen, das es so nicht gibt. Frauen und Männer haben andere Sorgen.

Und nochmals zum mitschreiben: Die Tatsache, dass Sie so ein Gedankengut woanders nicht mehr unterkriegen, frage ich Sie, muss dafür dF-Forum herhalten? Jedenfalls nicht ohne Ihnen passend zu antworten.

Ihre am

Anna R. 03.01.2013 | 11:46

Ich verstehe nicht, was Sie stört: Ich schreibe davon, dass man darüber nachdenken sollte, was "Frausein" für einen bedeutet. Zu welchem Ergebnis man kommt, ist dabei vollkommen egal; wichtig ist, dass man sich die Frage stellt, was man will. Ich beschrieb das deswegen, weil (wie Sie eigentlich dem Text entnehmen könnten, hätten Sie ihn gelesen, und nicht das, was Sie wollen, in ihn hineingelesen) ich in letzter Zeit häufig damit konfrontiert wurde, dass Frauen versuchten, sich männliche Eigenschaften anzueignen / sich äußerlich maskuliner zu machen, weil sie meinten, es würde erwartet werden. Dagegen plädiere ich in meinem Text, indem ich sage: zu der eigenen Identität (was auch immer diese sein mag) ist unbedingt zu stehen; sie ist nicht zugunsten eines angeblich männlichen Diktat, das vielleicht nur ein Hirngespinst ist, aufzugeben. Was an dieser Haltung frauenfeindlich sein soll, kann ich nicht nachvollziehen.

"Die Tatsache, dass Sie so ein Gedankengut woanders nicht mehr unterkriegen, frage ich Sie, muss dafür dF-Forum herhalten? Jedenfalls nicht ohne Ihnen passend zu antworten." - Davon abgesehen, dass auch beim Freitag Meinungsfreiheit herrschen sollte: wenn Sie ein Problem damit haben, dass in einer Internet-Community auch einmal neue Autoren mit neuen Meinungen und neuen Themen kommen, sollten eher Sie sich überlegen, ob Sie hier (noch) richtig sind. Und von passender Antwort kann im Hinblick auf Ihre Kommentare nun wirklich nicht die Rede sein.

eulen nach athen 03.01.2013 | 12:12

"… ich wiederhole: KEIN EINZIGES Argument vorbringen konnte, ist doch bezeichnend für die Debatte, so bezeichnend wie auch Ihr Kommentar ist. Wenn Sie nicht wissen, was Sie mit dem Text anfangen sollen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie fragen nach, oder Sie schweigen. Aber sich wichtig zu machen und dann doch nur sich mit den Argumenten "Ich weiß jetzt auch nicht, äh, keine Zeit" aus der Affäre zu ziehen versuchen, hinterlässt doch einen faden Beigeschmack."

Anna R., nicht genug damit, das sie für argumente (mehr als 2-3 sind hier nicht vonnöten) gar nicht zugänglich sind und offensichtlich eine exklusive deutungshoheit für "weiblichkeit" beanspruchen, beleidigen sie die kommentatoren mit unsachlichkeiten, ad hominem und bevormundendem gequengel. für wen halten sie sich, anderen menschen das wort verbieten zu wollen?
frauen wie sie verherrlichen ein bild von weiblichkeit, in dessen folge frauen täglich darum kämpfen müssen, dass ihre sachargumente nicht als menstruationsbedingte zickigkeiten abqualifiziert werden.

snow_in_june 03.01.2013 | 12:25

Liebe Anna R.,

zunächst will ich mich ausdrücklich von jenen distanzieren, die meinen, deinen Beitrag müsste man am besten einfach plattwalzen. Wenn du diagnostizierst, dass hier die große Mehrheit keine inhaltliche Stellung bezieht, dann sprichst du  ein großes Problem an, welches diese Community in meinen Augen hat. Vielleicht sollten mehr Teilnehmer sich öfter fragen wann es Sinn hat zu schreiben und wann es Sinn hat die Klappe zu halten. Paul Duroy hat darüber, wie ich finde, sehr klug geschrieben.

Nun zum Inhalt:

Unter dem Strich finde ich, dass dein Bild von dem, was weiblich ist, und von dem, was männlich ist, nicht zeitgemäß ist.

Du schreibst:

"Zeugen  nicht Verständnis, Großzügigkeit, Verzeihen von wahrer Größe und Stärke? Sind die Sanftheit und der treue Rückhalt nicht Eigenschaften, die irgendwie mal weiblich waren?"

So hat man das vielleicht mal gesehen, ja, auch wenn das vielleicht schon immer falsch war. Jedenfalls gegenwärtig verschwimmen doch die Grenzen zwischen dem, was männlich ist, und dem, was weiblich ist. Ich kenne genug Männer die sanft sind und auch treu, ich kenne aber auch einige Frauen, die in einem großen Wirtschaftsunternehmen (bei dem ich auch mal gearbeitet habe) eine gute Funktion (auch Führungsfunktionen) haben und mir dabei nicht irgendwie unweiblich vorkommen (und es mag dich beruhigen: Die tragen nicht alle immer Hosenanzüge. Eine stand beim internen Oktoberfest im Mittelpunkt, weil sie im Dirndl kam).

Ich will an dieser Stelle gar nicht behaupten, es gäbe gar keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Ich finde diese Frage nach wie vor interessant, habe an anderer Stelle ja auch - ebenso umstritten übrigends wie dein Beitrag - darüber was geschrieben. Aber diese Sache mit "Sanftheit" und - vor allem - "treuer Rückhalt", das klingt rückwärtsgewand und stimmt meines Erachtens einfach nicht. Dazu klingt "treuer Rückhalt" dann auch noch ein wenig nach Hausfrau, die ihrem Mann den Rücken freihält und abends das Bier bringt. Das hast du vielleicht nicht so gemeint, das könnte aber der Grund sein, warum die Leute hier so abgehen.

Gruß, Snow

 

Anna R. 03.01.2013 | 13:36

Lieber Snow,

danke zuallererst für Ihren Kommentar.

"Ich kenne genug Männer die sanft sind und auch treu, ich kenne aber auch einige Frauen, die in einem großen Wirtschaftsunternehmen (bei dem ich auch mal gearbeitet habe) eine gute Funktion (auch Führungsfunktionen) haben und mir dabei nicht irgendwie unweiblich vorkommen" - Damit haben Sie recht und das habe ich auch nie angezweifelt. Ich mache jedoch zunehmend die Beobachtung, dass gerade junge Frauen Bedenken haben, sich so zu verhalten oder zu kleiden, dass es mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht wird (wie auch immer diese zu definieren ist) aus Angst, dann weniger autoritär, kompetent und durchsetzungfähig zu wirken. Dagegen wandte sich mein Text, indem er von der Frau verlangte, sich wieder die Wahlmöglichkeit einzugestehen; eben (als zwar vollkommen unwichtiges, aber aufgrund der Einfachheit vielleicht ganz gutes Beispiel): Die Ingenieurin muss die Möglichkeit sehen, zum Bewerbungsgespräch einen Rock zu tragen, und nicht den Zwang zum Hosenanzug. Ich habe nie davon geschrieben, dass sie es tun soll, wenn sie es nicht möchte; ich plädiere aber dafür, dass sie sieht, dass sie die Möglichkeit hat, und nicht, "weil man das eben so tut und eben nicht weiblich wirken darf" stumpf angeblich auferlegten maskulinen Regeln (die es vielleicht gar nicht gibt?) folgt.

"Aber diese Sache mit "Sanftheit" und - vor allem - "treuer Rückhalt", das klingt rückwärtsgewand und stimmt meines Erachtens einfach nicht. Dazu klingt "treuer Rückhalt" dann auch noch ein wenig nach Hausfrau, die ihrem Mann den Rücken freihält und abends das Bier bringt." - Auch hier geht es mir nicht darum, dass ich irgendetwas als besser oder schlechter herausstellen will, und schon gar nicht, dass ich mich an die Gesamtheit der Frauen richte und von ihnen eine Kehrtwende verlange - weit gefehlt. Der Impuls für den Text und auch für die Teile, in denen ich von der Möglichkeit zur Rückbesinnung auf die eigene Weiblichkeit, wie auch immer diese für einen aussehen mag, sprach, kam daher: Die Akzeptanz für junge Frauen, die sich für weibliche Eigenschaften (ich rede nicht von Berufen, darum geht es mir nicht) entscheiden, obwohl sie durch ein Sich-Verstellen in eine maskulinere Richtung (auch hier rede ich nicht von denen, die tatsächlich so sind) angeblich (eben das bezweifle ich) dadurch mehr Erfolg oder Ansehen erlangen könnten, sinkt merklich. Die Kritik kommt dabei, das lässt sich hier ja witzigerweise in der Diskussion auch sehr gut betrachten, zu großen Teilen aus den eigenen Reihen.

Wichtig ist mir, dass mein Text als Plädoyer für das Beharren auf eine Wahlmöglichkeit gedacht war. Ich schrieb schon Magda auf ihren ersten Kommentar, dass ich ganz und gar nicht eine weitere (und auch unnötige) Genderdebatte anstoßen wollte, sondern über das Nachdenken und die Selbstfindung schrieb. Wenn Sie in meinem Text die Passagen, in denen manch einer frauenfeindliche Phrasen vermutet, auf die Länge des ganzen Texts sehen, werden Sie feststellen, dass sie nicht gerade den Großteil dessen ausmachen. Duineder hat in seinem Kommentar sehr gut zusammengefasst, worum es mir eigentlich ging - ich hoffe, ich konnte das auch in diesem Kommentar noch etwas deutlicher machen.

Mit den besten Grüßen,

Anna

Anna R. 03.01.2013 | 13:48

Und Kommentare wie Ihre, die sich auf nicht vorgebrachte Argumente (Snow In June kommentierte nach Ihnen) berufen und eine angeblich beleidigende Attitüde meinerseits kritisieren, obwohl gerade Sie sich da mal gehörig an die eigene Nase fassen sollten, lassen es mir nicht gerade unverständlich erscheinen, dass manch einer dazu neigen mag, ein solches Geblubber als (ich zitiere):"menstruationsbedingte Zickigkeiten" zu bezeichnen.

anne mohnen 03.01.2013 | 13:57

@ Eulen nach Athen tragen *****

@ Snow_in_ june

Hier will keiner einen "plattreden."  Nur frage ich mich zunehmend, ob Sponti-Spruch: „Wer für alles offen ist, ist nicht mehr dicht!“, nicht an Aktualität gewinnt.

@ AnnaR

In jedem Eignungstest, auf jeder Karrierestufenleiter, die Männer wie Frauen durchlaufen „west das Wesen“ von Eignungstests. Insofern ist der Schritt von der Hausfrau und Mutter in der Tat zwar ein Schritt, aber noch kein wirklich großer Wurf, da auch in jedem Frauenmagazin -von Elle, Brigitte bis BILDdFrau, auf der Internetseite „Gofeminin“ „das Wesen des Nachdenkens über fremdbestimmte Eigenschaften des „wahren Frausein“ (und spielgelverkehrt übrigens ein unterstelltes Wissen über Bedürfnisse von Männern) "west": „Wie gut sind Sie (Frau) im Bett, „Kleidung passend zum Teint“, „Entspannt an seine Grenzen gehen, ohne dass der Arzt kommt“ etc..

Was Sie, AnnaR, vortragen und wofür Sie andere hier verteidigen ist also weder neu noch alt. Es ist die schrullige Version eines Plädoyers für marktkonformes Verhalten mit dem Zuruf „ Nun jammer mal nicht so laut, es geht immer noch einen Zacken besser - etwa mit „Wärme“.

Emanzipation ist die Emanzipation von dem Festgenageltsein auf fremdbestimmte Eigenschaften, das setzt a) Reflexion und b) Entscheidung voraus. Viele haben noch nicht einmal die Voraussetzung dazu.

LG am

Anna R. 03.01.2013 | 14:10

Liebe Anna Mohnen,

Danke für den Kommentar. Vielleicht liegt hier ein Grund für die (für mich unerwartete Reaktion) auf den Text: Meine "Rückbesinnung auf Weiblichkeit" meinte ich so, dass, wenn ein Nachdenken über sich selbst und eine Annäherung an das, was man ist, stattfindet, man die "weiblichen Eigenschaften" (also die, die man selbst als weiblich erachtet) nicht aus dem Grund ausbootet, weil man meint, dann an Respekt zu verlieren. An das, was Sie anführen, hatte ich dabei gar nicht gedacht. Ich wollte kein vorgefertigtes Bild von Weiblichkeit in den Raum stellen, sondern dafür plädieren, selbst herauszufinden, was für einen Frausein bedeutet (womit ich nicht im Geringsten etwas im Sinne von Frauenmagazinen meinte).

In einem muss ich noch widersprechen: "Es ist die schrullige Version eines Plädoyers für marktkonformes Verhalten" - nein, eben nicht. Es ist das Plädoyer für das eigene Verhalten, selbst wenn es eben NICHT marktkonform und von daher für das Individuum von eventuellem Nachteil sein könnte.

anne mohnen 03.01.2013 | 14:35

Liebe AnnaR,

die Frage „Wer bin ich“ – steht am Ende von Fragen „Woher komme ich, wohin gehe ich?“ Dass dabei „Rock oder Hose“ eine eminent wichtige Rolle spielen, davon bin auch ich überzeugt, denn bei allem Ausweichen auf das „Allgemeinmenschliche“ halten ja inzwischen auch die Erfahrungswissenschaften Schritt mit der subjektiven Wahrnehmung von Mann und Frau über ihr jeweiliges Geschlecht und „wie es gemacht wird“.

Bei aller Sympathie, die ich für ihr Versöhnungsangebot habe, reden Sie jedoch allenfalls einer Form von „Entfremdung“ das Wort, in der wir zugegebenermaßen alle mehr oder minder stecken.

LG am

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 15:02

Liebe Anna R,

Weiterzuschreiben und trotz Anfeindung und Unverständnis inhaltlich zu antworten zeugt eben von jener tiefer interessierten Haltung in Zusammenhänge, die ich meine bei Ihnen festzustellen. 

Die reflexartigen undurchdachten Kommentare von den einschlägigen  Foristen zeigen deutlich deren Verwirrung.

Snow_in _June's Versuch inhaltlich zu reagieren springt da positiv heraus. Es ist ja durchaus richtig, dass sich die etablierten Rollenbilder verändert haben und weiterhin verändern, zum Guten einerseits. Zeitgemäß ist allerdings die in Ihrem Beitrag ja zur Diskussion gestellte Verwirrung, seine Rolle darin zu bestimmen. Und selbstverständlich löst dies eine Phase der (neuen) Selbstfindung und Selbstpositionierung von Individuen aus, weil Männer und Frauen eben noch immer sehr unterschiedliche Rollen in Bezug auf Aufgaben, Macht und Abhängigkeiten spielen. Die übertriebenen Reflexe negieren die (bilogische) Tatsache, dass Männer und Frauen nun einmal verschieden sind. Noch immer können wir davon ausgehen, dass Männer nach Autonomie und Unabhängigkeit und Frauen nach Bindung und Symbiose streben, was übrigens dem (historischen) Geschlechterkampf zugrunde liegt. (Quellen kann ich gern anreichen) Dass gewisse Grenzen nicht mehr klar zu ziehen sind (was ich prima finde) stellt sich trotzdem für jeden die Frage, wie er sein/ihr Mann/Frausein gestalten und austragen will.  Diese Ausgestaltung fällt zwar unter persönliche Freiheit, aber wenn sie ein oberflächliches Klischeeverhalten (wechselseitig) adoptiert, darf man das kritiseren -   und genau damit haben hier Foristen Probleme und deshalb wurde  verunglimpft. Diese Armseligkeit trat hierzutage. 

Ich freue mich auf Ihre weiteren Beiträge.

 

 

 

 

 

 

blog1 03.01.2013 | 15:55

@ Anna R.

@ Duineder

 Zum Thema Rollenbilder:

Es ist doch selbstredend, dass wir je nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe (Familie, Partnerschaft, Beruf, Freundeskreis etc. )  eine bestimmte Rolle einnehmen. Entscheidend dabei ist, ob ich mir dabei etwas aufzwängen lasse oder ob ich in meinem Rollenverhalten authentisch bin. Sie nennen das Selbstfindung. Erst wenn ich weiß,  was mich selbst ausmacht, kann ich ein bestimmtes Verhalten nach außen abstrahlen, das bei meinen Gegenüber überzeugend rüberkommt. Mein Gegenüber hat dann die Möglichkeit sich mir zuzuwenden oder sich von mir abzuwenden, wenn ihm mein Verhalten oder meine Sichtweisen nicht passen.

Die meisten Menschen verfügen aber nicht über genügend Selbstbewusstsein, die Rolle einzunehmen, die ihnen im Innersten entspricht. Also passen sie sich an und verbiegen sich. Sie sind dann gerade nicht authentisch und glauben aber, dass sie mit dieser Verhaltensweise besser durchs Leben kommen. Ein fataler Irrtum übrigens. Im Grunde genommen geht es um Frage „Wahl oder keine Wahl“, was sich in dem Verhaltensbarometer von „Three in one concepts“ sehr gut widerspiegelt. Dabei geht um die unterschiedlichen Ebenen „Bewusstsein“ , „Unterbewusstsein“ und „Körper“, in denen sich die Verhaltensparameter Wahl bzw.  keine Wahl  dokumentieren.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 17:30

ich habe extra dies "weiblich"-zeug nicht genommen und meine antwort auf die nachfrage beinhaltet die antwort auf die frage... was ich hier lese ist ein teen, meine tochter versucht sich ähnlich , irgendwas wie diskutieren-lernen-wollen...

keinerlei beleidigung und auch kein "schmäh", meinetwegen ein aufjaulen, ganz leis, meinerseits und hilfestellung in einer art, die ich selbst eben bevorzugt  selbst gern annehme ...

hier findet ein "sich-einklagen" statt irgendwie und ich kann nur fragen: ja, aber wo ist denn da ne instanz, wer/was soll diese klage denn annehmen... es gibt niemanden, bei dem "ich" eingeklagt werden kann...

zudem findet ein beklagen des eigenen tuns statt, weil eben wie am beispiel kurz angedeutet nicht "anders" getan wird, sondern ebenso, wenn auch nicht "gleich" ...

wie gesagt, ich kenns vom teen, aber eben auch von mir, aber ja, hier mag ich eben nichts, sonst hätt ich schon zum ersten blog was "abgeschickt" ...

es ist nicht nett und auch nicht hilfreich, nicht kritisiert zu werden, am text eben ... ich kann gut mit annas reaktion leben und...

so

*wink*

*in der versenkung verschwind*

 

 

 

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 20:37

was mir in diesem Beitrag fehlt, das ist die schlichte Wahrheit, daß eine Frau in Führungsposition hierzulande nicht nur einen ziemlich einsamen Job absolviert, sondern oftmals auch ein recht einsames Privatleben führt -jedenfalls wenn man diesen Öffentlichkeiten glauben will.

Deshalb ist dieser Beitrag leider doppelt abschreckend, denn er bestätigt, daß eine aufstrebende Frau nicht nur im Beruf, sondern auch im Privatleben keine Frau - geschweige denn eine Mutter - sein könne.

Das ist allerdings ein Irrtum, der darauf beruht, daß diese zum Typ stilisierte Frau nicht in der Lage sei eine glückliche und erfüllende Partner - und Elternschaft zu führen bzw. zu leben.

woher bitte nehmen Sie dieses Wissen um das beispielhafte Unglück dieser Frau, die in ihren Augen weit weniger Frau als sie sind, die Sie Ihre Freundin nennen?

Vielleicht wurden sie als Freundin von dieser aufstrebenden Frau aus gutem, ihnen jedoch nicht wirklich bekannten Gründen (bspw ein Mann im Hintergrund) abgewählt und sie übertragen den Verlust und die anhängigen Gefühle auf Ihrer Seite auf ihre Ex-Freundin...

who knows?

 

 

Anna R. 03.01.2013 | 20:57

Wie Sie auch meinen anderen Kommentaren entnehmen können, schrieb ich nicht über Karrierefrauen und Frauen im Beruf; ich habe auch keine Theorien bezüglich deren Privatleben aufgestellt und werde mich auch davor hüten, das zu tun. Wo Sie rauslesen, dass ich einer Frau mit Beruf gar noch die Fähigkeit zum Muttersein abspreche, ist mir vollständig schleierhaft.

Warum Sie sich so an dieser Freundin aufhängen, die mir ihr Bewerbungsbild zeigte (und in einem einzigen Satz erwähnt wurde), geht mir absolut nicht ein. Ihre Spekulationen entbehren jeglicher Grundlage und sind dermaßen absurd, dass ich mich wirklich fragen muss, was Sie eigentlich von mir wollen. Ich bitte Sie jedoch, darauf nicht mehr zu antworten und hier nun langsam aber sicher die schon längst überfällige Ruhe einkehren zu lassen...

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 21:10

Jedenfalls erinnert mich Ihr statement bzw. Beitrag an die – mit wenigen Ausnahmen - von der Karriere abratenden Freundinnen meiner Frau, die ganz ähnliche Argumente wie Sie – allen voran den Verlust der Weiblichkeit – bei ihren Rat-Schlägen anwandten.

Das hatte etwas von „bleib´ bei bzw. unter uns, denn nur so wirst du nicht einsam sein“ und Ähnlichem aus dem Rat derjenigen Frauen und Mütter, die den Schritt in die Führungsetage niemals gewagt hätten und haben – ihren Gatten und ihrer eigenen soziokollektiven Eitelkeit im Verzichtsmodus (wozu eine Karriere die eine ja nicht nur in den Augen der Mehrheit der Männer, sondern vielmehr in den Augen ihrer Geschlechtsgenossinnen entweiblicht?) wegen.
Nun ja, meine Frau hat es – mit mir als ihrem Partner – dennoch getan und einen Haufen sogenannter Freundinnen – inkl. der selbsternannten Kolleginnen-Freundinnen – verloren.

Es war nicht schade darum. Denn die die ihr da beistehen wollten, haben lediglich alles versucht um „eine von ihresgleichen“ auszubremsen, auf daß diese sich nicht über deren (i.d.R. vom eigenen Gatten abhängigen) Status erhebe und für sich sorgen und ihre eigenen Pläne machen konnte.
Verstehen Sie?

Jedes Mal, wenn eine Frau sich aufmacht, dann ist die beste Freundin und andere Freundinnen zur Stelle, um ihr das Vorhaben im Namen der Weiblichkeit, was auch immer dies sei, auszureden und sie an den hohen Preis dafür zu erinnern, denn sie für die Realisierung zu zahlen habe.
Jede Frau die es trotz dieser Beratschlagung unternimmt ihre eigenen Ziele zu verfolgen, wird mit der „Abfreundung“ im sog. Freundeskreis abgestraft – das ist aber nur die erste Hürde.

Frauen wie Sie sind es,die es anderen Frauen oft mehr als "die" Männer schwer machen erfolgreich zu sein.

Denken Sie einmal darüber nach. Danke.

Anna R. 03.01.2013 | 21:19

Ich weiß beim besten Willen nicht, wo Sie in meinem Text lesen, dass eine Frau keine Karriere machen sollte. Ich weiß auch nicht, warum Sie sich zusammenphantasieren, ich hätte irgendein Interesse daran, irgendwen von irgendwas abzuhalten. Dass Ihre Frau eine Führungsposition hat und Sie sie dabei unterstützen, haben Sie in jedem Ihrer drei Kommentare nun zur Genüge ausgeführt; was das mit meinem Text und, nachdem Sie ja die ganze Zeit davon reden, was ich tue: mit mir zu tun haben soll - keine Ahnung.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 21:20

Hallo?

Ihr Opening thematisiert exakt Frau und Karriere und zwar nicht in zwei Sätzen, sondern einem Block der ca. 1/3 des Gesamtbeitrages ausmacht und überdeutlich ihre Relation zu dieser Frau zur Kenntnis bringt.

Die Unruhe übrigens geht von Ihrer diffusen Skizze von dem was weiblich sei aus.

Als Mann einer Frau die in Führungsposition durchaus erfolgreich war und ist - aller Wahrscheinlichkeit auch sein wird - stelle ich nur mal das durchscheinende Weiblichkeitskonzept Ihrerseits in Frage.

Mehr nicht.

Sie begünstigen und unterstreichen mit diesem Opening die Vorstellung, daß Frausein und Karriere nur um den Preis dessen was Sie für Weiblichkeit halten ginge - und da widerspreche ich Ihnen als ein Partner einer solchen Frau, die durchaus nicht vorhatte unter Frauen zur Solitärin zu werden, dies aber hinzunehmen hatte just in dem Moment, wo sie ihre Geschlechts - und Zeitgenossinnen im näheren Umfeld um Einiges zu überragen begann.

DAS ist der Punkt.

 

Anna R. 03.01.2013 | 21:28

Hätten Sie meinen Text gelesen und nicht nur einen Aufhänger gesucht, um nun zum vierten Mal davon zu erzählen, dass Sie der Mann einer Karrierefrau sind, hätten Sie gelesen, dass ich von einem angeblichen Zwang zum Maskulinen schrieb (den einige Frauen als solchen empfanden), und dessen Existenz ich eben anzweifelte. Wenn Sie mir das Gegenteil weiterhin unterstellen wollen, nur zu. Berichten Sie auch gerne noch weiterhin von Ihrem Alltag oder den Freundinnen Ihrer Frau; angesichts des Ausmaßes der Entartung dieser Debatte kann ich das auch noch verkraften.

Ich verabschiede mich (sofern nicht noch ernsthafte Fragen oder Anregungen auftauchen) an dieser Stelle aus dieser Dikussion.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 21:30

vielleicht lesen sie den 2ten Block ihres Beitrags nochmal.

Ich unterstelle Ihnen nicht, daß Sie schreiben, daß eine Frau keine Karriere machen soll. Davon habe ich übrigens auch nicht geschrieben. Sie stellen aber durchweg in Ihrem Beitrag den Konnex von Karriere und Verlust von dem was Sie für Weiblichkeit halten - auch zwischen den Zeilen her und fragen am Ende "wofür?"

Sehen Sie, ich meine, das Berufsleben ist auch - entgegen weitverbreiteter Annahmen - für Frauen kein Feld der Selbstverwirklichung, es sei denn Frau definiert außerhäusliche Erwerbstätigkeit als Vorbedingung für Unabhängigkeit vom männlichen Erwerbseinkommen als Selbstverwirklichung.

Was das mit Ihnen zu tun hat, kann ich aus dem Beitrag nicht entnehmen, daher kann´s mir auch nicht zum Vorwurf gemacht werden, d.h. ich kenne Sie nicht und erlaube mir daher keine Vorwürfe, sondern nur Hinweise auf inhaltliche Widersprüche.

Bitte definieren Sie um jedweden Zweifel auszuräumen für mich exklusiv den Begriff Weiblichkeit - und da ich ja Ihrer Ansicht nach so begriffsstutzig bin - tun Sie dies bitte in einer Sprachlichkeit, so als ob ich gerade 5 Jahre alt wäre, ja?

Danke.

janto ban 03.01.2013 | 21:30

Ich weiß nicht, wieviel das Selbst kostet. Dies muss aber auch nicht mein Lieblingsblogeintrag sein, um mich darüber aufregen zu können, dass bei Missfallen des Inhalts mir-nichts-dir-nichts die persönliche Integrität der Autorin untergraben wird. Wenn die dann um eine Erklärung bittet und man ihr antwortet: "ich mag ehrlichgesagt nicht...", dann ist die Frage, wieviel das Selbst kostet automatisch mein kleineres Problem. Das liegt aber an mir. So bin ich.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 21:42

Ich hatte nicht vor Sie aus Ihrem eigenen Blog zu vertreiben.

Es täte mir leid dies getan zu haben, obwohl ich mir nicht anmasse dazu ermächtigt zu sein, noch dies beabsichtigt zu haben - wenn es so wäre täte es mir wirklich leid.

Mir scheint jedoch, sie kommen auf das eigentliche Thema Ihres Beitrags zu sprechen, indem sie vom "angeblichen Zwang zum Maskulinen" schreiben, der vordem garnicht angeblich sondern manifest formuliert wurde.

Das ist, um Sie in den Diskurs zurückzuholen, in der Tat ein zweischneidiges Schwert.

Denn es gibt ganz klar für aufstrebende Frauen den Zwang maskulin konnotierte Eigenschaften anzunehmen bzw. entscheidungsfähig - und freudig zu reagieren, wenn sie Verantwortung für Personal und Sachwerte übernehmen - logisch.

Daran ist nichts Unweibliches, denn das tun Frauen als Mütter und Hausherrinnen jeden Tag (ist das nun maskulin?), nur eben nicht bzw. selten im Berufsleben.

Insoweit handelt es sich hier derzeit nicht um eine "Entartung der Debatte" (allein für die Wortwahl werden Sie wohl von Mitforisten nachfolgend abgestraft...), sondern um eine konzentrierte Zuspitzung eines überfälligen Diskurses.

Das meine ich durchaus ernsthaft und konstruktiv. Wenn Sie an diesem Punkte aussteigen, dann dürfen Sie sich nicht darüber wundern, wenn einige mir durchaus unfreundlich gesinnte Männer in diesem Forum sich darob die Hände reiben und ein unverdientes Grinsen aufsetzen.

Wollten Sie das?

janto ban 03.01.2013 | 22:07

|| Dass sich hier zunehmend Leute zu Wort melden, die weder irgendwie links, irgendwie aufgeklärt konservativ oder gar links-liberal sind, sondern einfach nur bräsig Themen kleindampfen, die so in keinem Landfrauenjournal  Platz fänden, geht mir auf den Geist. ||

Mein Gott. Was stand denn dann in dem editierten Kommentar??

|| Und nochmals zum mitschreiben: Die Tatsache, dass Sie so ein Gedankengut woanders nicht mehr unterkriegen, frage ich Sie, muss dafür dF-Forum herhalten? ||

|| Was Sie, AnnaR, vortragen und wofür Sie andere hier verteidigen ist also weder neu noch alt. Es ist die schrullige Version eines Plädoyers für marktkonformes Verhalten mit dem Zuruf „ Nun jammer mal nicht so laut, es geht immer noch einen Zacken besser - etwa mit „Wärme“. ||

Nee, richtig. Wir brauchen mehr Wärme. Vor allem auch endlich mal neuen Com-Mitgliedern gegenüber. Das ist ja schließlich keine geschlossene Gesellschaft hier, nicht wahr. Außerdem müsste ich mich schwer vertun, wenn Anna "marktkonformes Verhalten" in ihrem Text nicht explizit anprangerte. Vielleicht sollte ich ihn nochmal lesen.

Alles egal.

@Anna R.

Hallo erstmal. Ich bin beiweitem nicht der Gute. Ich weiß genau, wie das alles ist. Wenn viele Kommentare auf einen Haufen kommen, kann man hier immer schon von Weitem sehen, dass die Musik lautstark am Inhalt vorbei spielt. Nicht immer, aber sehr oft. Dass sowas dann auf Tage hinaus die "Bestenliste" schmückt, ist ärgerlich. Andere Texte, unter denen sich Kommentare einfinden, die sich konstruktiv-kritisch (positiv oder negativ) damit befassen, verschwinden hingegen oftmals recht schnell in der Versenkung. Das ist schade, scheint aber zum Spiel zu gehören. Ich gebe dir - rotzfrech - einen guten Rat: Versuch hier nichts zu tun, von dem du nicht willst, dass man es dir tut. Egal, wie verlockend es manchmal erscheint. Ich weiß leider zu gut, von was ich da rede :o(

Liebe Grüße

Martin Gebauer 03.01.2013 | 23:44

@ANNA R.

Der Technologisierung, empathischer Fähigkeiten und Veranlagungen, schreitet unaufhörlich fort, dazu gehört auch, dass genau das, was Sie, in Ihrem Artikel so wunderbar beschreiben, abgewehrt werden muss von denjenigen, deren Erkenntnisse sich aus kaltem Wissen speist, für jene also, bleibt von der “Weiblichkeit“, nur die Respektlichkeit übrig, diese wiederum fordert ausschließlich Macht und Unterwerfung, was dem inneren, sympathisch erfühlten Leiblichkeit/Weiblichkeit fremd ist. Also bleibt nur, ein sich immer wiederholendes armseliges Spiel, nämlich, die Menschen sind geradezu erpicht darauf Andersdenkende auf jene Punkte hinzuweisen, die zur weiteren Verbesserung des allgemeinen Glücks noch durchgesetzt werden müssen.

Was bleibt ist, dass kalte Frauen kalten Männern hinterherlaufen, in der Hoffnung, dort die zuvor verschmähte Zuwendung und Liebe zu finden. Finden sie jedoch nicht, aus einem einfachen Grund. Es stehen uns nur zwei Wege offen – Liebe oder Macht.

Miamaria 04.01.2013 | 00:10

Liebe AnnaR, ich habe Ihren Blog gerne gelesen und stimme Ihrer Analyse zu. Dass Sie damit starken Widerspruch ernten, war voraussehbar, da Sie es wagen, vom mainstream abzuweichen. Weiblichkeit hat -wie Männlichkeit auch- viele Facetten. Leider werden nicht alle gesellschaftlich anerkannt. So ist ein Mann, der zugunsten seiner Partnerin auf Karriere verzichtet und sich um den NAchwuchs kümmert, emanzipert und modern. Einer Frau, die dasselbe tut, wird sofort unterstellt, sich in die Versorgerehe zu flüchten...

ele 04.01.2013 | 00:25

@ANNA R.

ich lese aus ihrem text den großen wunsch heraus, zu einem authentischen auftreten zu ermutigen - auch in zusammenhängen, in denen die bewusste übernahme einer fremden rolle aufgrund vermuteter erwartungshaltungen anderer in strategischer hinsicht sinnvoll erscheint.

soweit möchte ich ihnen gerne zustimmen.

aus ihrem text lese ich jedoch weiterhin deutlich den glauben an die existenz von grundsätzlich männlich oder grundsätzlich weiblichen eigenschaften oder äußerungsweisen heraus. diese zuordnungen nehme ich wiederum auf jeden fall als einschränkung wahr, durch die die ursprüngliche idee ihres plädoyers für einen authentischen selbstausdruck für mich durchkreuzt wird.

sie schreiben meinem verständnis nach zwar, dass es ihnen darum geht, dass jeder ausdruck seine berechtigung hat, so lange er nur authentisch ist - das heißt, eine frau könnte ebenso gut "männlich" wie auch "weiblich" auftreten, wäre nur diese voraussetzung der authentiztät  erfüllt -, aber in der art, wie sie "das weibliche" positiv konnotieren, fällt es mir schwer, diese klassischen weiblichen attribute nicht doch als die eigentlich von ihnen höher bewertete variante von weiblichem selbstausdruck zu lesen.

vielleicht würde sich der text für mich weniger wie ein plädoyer für ein traditionelles frauenbild lesen, wenn auch andere perspektiven der geschlechtsbezogenen zwangsanpassung berücksichtigt worden wären: was ist zum beispiel mit der frau, die sich eben diesem klassischen bild von weicher, warmer weiblichkeit beugt und damit ihre männlich konnotierten eigenschaften verleugnet? oder was mit dem mann, der sich einem ihm nicht entsprechenden bild von männlicher härte unterwirft? ganz zu schweigen von all den menschen, die sich grundsätzlich der zweiteilung von mann und frau nicht fügen möchten oder können?

sie schreiben, dass sie keine neue gender-debatte entfachen möchten. das erscheint mir jedoch ein unmögliches unterfangen zu sein - denn nur wenn eine bezugnahme auf ein klar definierbares, naturgegebenes "männliches" und "weibliches" möglich wäre, könnten diese begriffe undiskutiert im hintergrund mitlaufen. daran glaube ich jedoch nicht und halte somit die infragestellung dieser begriffe weiterhin für absolut notwendig.

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 09:45

 

Liebe Anna, 

vielen Dank für den Beitrag. Er hat mich berührt. Es gibr also tatsächlich noch Frauen, die sich das Frau sein nicht nehmen lassen wollen. Ich bin ja alles andere als ein Freund der Emanzipation. Idee: Brillant und mehr als überfällig, Umsetzung: sechs, setzen. 

Danke, Alice Schwarzer. Besser kann man eine Sache nicht versenken. 

Was ich nicht verstehe: Warum die Frauen reihenweise darauf reinfallen, es mit Männern gleich tun zu wollen. Klugheit, weibliche Intuition, Sanftheit,  Rückhalt (wie schön ; ) sind doch gerade herausragende Qualitäten von Frauen,  für die ich Euch so bewundere. Eigenschaften, die gerade im Business komplett fehlen. Die Auswirkungen sind signifikant und kennen wir alle.

Vielleicht liegt es an der mangelenden Bereitschaft zur Selbstfindung. Das braucht nicht nur Zeit, sondern vor allem bedeutet es oft auch Schmerzen. Um diesen zu entgehen, schneidet Frau lieber Haare ab und selbige lieber auf den Zähnen und wer weiß noch wo wachsen? Keine Ahnung.

Eine Bitte an die kurzhaarigen Volldurchemanzipierten: Erspart Euch und mir Kommentare. Ich werde sie nicht lesen und Ihr verschwendet nur Eure kostbare Lebenszeit. 

Anna? Du bist mir sympathisch. ^^ Ich mag ja kurze Röcke. In Kombination mit schönen Beinen immer sehr hübsch anzusehen. Bei jeder Frau. Gibt es eine schönere Formensprache als die der Frau? Ich kenne keine. 

Grüße von einem in vielen Jahren zum hoffentlich einigermaßen Mann gewordenen aus in der Nähe von Bonn. 

Bon. 

P.S. Sind es nicht die Frauen, die neues Leben gebären? Unser Beitrag ist ja eher überschaubar und geschieht nicht ohne Eigennutz : )

P.P.S Filmtipp: Dr. T. Seitdem sind Frauen für mich Heilige. Auch, wenn sie unglaublich anstrengend sein können ....

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 09:50

Und was den Film angeht: Zum ersten Mal habe ich eine Geburt gesehen. Obowohl ich selber zwei Kinder habe. Ich stand nur an der falschen Seite des Bettes. Dafür hat mich eine Schwester anschließend mit der Nachgeburt beglückt.

Ja, das generiert tolle Bilder im Kopf eines Mannes. Nochmal Danke, Schwester.

thinktankgirl 04.01.2013 | 12:51

Dass sich hier zunehmend Leute zu Wort melden, die weder irgendwie links, irgendwie aufgeklärt konservativ oder gar links-liberal sind, sondern einfach nur bräsig Themen kleindampfen, die so in keinem Landfrauenjournal  Platz fänden, geht mir auf den Geist.

 

Geht mir genauso. Und wahrscheinlich auch vielen anderen.

Da diese Kleingeister auch noch beratungsresistent sind, hört mensch auf, den breitgetreten Quark zu kommentieren.

Allerdings ist die Folge davon, daß noch mehr Quarktreter erscheinen, um sich in der FC einzunisten.

 

 

fahrwax 04.01.2013 | 13:07

Der Selbstdeformation zur persönlichen Einpreisung in das Marktgeschehen sind keinerlei Grenzen gesetzt.

Verunstaltungen jeglicher Absurdität dokumentieren die persönliche Anpassungsbereitschaft an die Perversion. Die Aufgabe des Seins zu Gunsten des Anscheins entspricht der Programmatik menschlicher Atrappen. Eine Facette der "Banalität des Bösen"?

Leider ist diese Vorgehensweise Geschlechts-, Klassen- und Rassenübergreifend. Erfreulich ist nur, das diese Anpassungsfähigkeit nicht jedem gegeben ist.

blog1 04.01.2013 | 15:34

Der Freitag ist  ja finanziell angeschlagen. Da liegt es nahe, dass gewisse Kreise ihm den "Todesstoß" verpassen wollen. Das geschieht teils offen, teils versteckt, ja geradezu subtil, je nach intellektuellen Fähigkeiten und persönlicher Vorliebe.

In einer anonymen Commutity ist es relativ einfach, Personen gegeneinander aufzuwiegeln. Man muss sich nicht in die Augen schauen, sieht keine Mimik oder Gestik seines Gegenüber, sondern liest nur, was dort geschrieben steht.

Wenn ich den Blog unter diesen Gesichtpunkten genauer betrachte, beschleicht mich ein ungutes Gefühl und das zugegebenermaßen etwas zeitverzögert. Stehe ich nun auf der Leitung oder höre ich das Gras wachsen?

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 17:20

@ele und @Blog1

Wenn ich als Postbote die Briefpost den richtigen Empfängern  zukommen lasse, entspreche ich den Erwartungen meines Arbeitgeber und den Bürgern,  ich in dem Sinne handle ich als Postbote authentisch. Ich spiele meine Rolle als Postbote. Das bin aber nicht Ich!

Individuelle Authentizität von Frau, Mann, Homosexuelle(r) usw. sollte man nämlich davon unterscheiden, denn z.B. die Treue zu sich selbst, Authentizität also, die jemand aufgrund von Erfahrungen mit einhergehender, fortschreitender Selbsterkenntnis erwirbt,  drückt sich immer in der persönlichen subjektiven Haltung aus. Jemand lässt die Echtheit seines Handelns (Charakters) wiederholt erkennen.

Athentizität ist ja nichts Beliebiges, (hoffe ich).

Weiblichkeit, was immer jemand darunter verstehen und ausleben will, ist und kann eine subjektive Ausdrucksform von  authentischem Verhalten sein.  Und wenn @Anna R. keinen grauen Hosenanzug anziehen will und dieses Verhalten als klischeehaft, angepast und nicht-authentisch und "männlich-imitiert" kritisiert,  erkenne ich darin ihre authentische, konsistente Weiblichkeit. Wirkliche Authentizität lässt sich nicht von Anderen steuern oder erzwingen.  Anna R.'s kritsche Distanz zu inauthentischem Verhalten ist legitim, aus ihrem Selbstverständis  heraus, sicher ein innernes Bedürfnis, das zeigen ihre Beiträge. 

  

 

  

 

fahrwax 04.01.2013 | 17:35

"Stehe ich nun auf der Leitung oder höre ich das Gras wachsen?"

Als enttäuschter Idealist sehe ich nur die Chance die Leitung, dann den eigenen Standpunkt zu prüfen.

Sicherheitshalber sollte das Ohr den Hörbereich des wachsenden Grases nicht verlassen?

Todesstöße für das Spielzeug begüterter Herrschaften scheinen mir in das  beliebte geistige Urlaubsgebiet der Verschwörungstheorien zu gehören.

Machen wir das Beste daraus?

ele 04.01.2013 | 18:21

als ich das wort authentizität verwendet habe, meinte ich damit das, was sie hier als individuelle authentizität bezeichnen. dazu hatte ich ja bereits geschrieben, dass es mir ein wichtiges anliegen der autorin zu sein scheint, zu einem authentischen selbstausdruck zu ermutigen. soweit stimmen wir also aus meiner sicht überein.

ihre darstellung im ersten satz kann ich mit dem begriff authentisch jedoch noch nicht recht in zusammenhang bringen - wie sehen sie hier die verbindung zwischen rollenkonformem verhalten und authentizität? natürlich kann ich auch  in der rolle als postbote authenisch sein, aber den erwartungen zu entsprechen ist an sich für mich noch kein kriterium für echtheit im gemeinten sinne. vielleicht könnten sie das nochmal erläutern?

meine kritik an dem beitrag war ja, um es noch mal kurz zusammenzufassen, dass zwar ein plädoyer für authentisches leben gehalten wird, ich jedoch ebenfalls herauslese, dass die vorstellung davon, was genau eine authentische ausdrucksform einer frau ist, bereits eingeschränkt ist. viele klassisch weiblich zugeordnete eigenschaften werden benannt und ihr diagnostiziertes schwinden wird bedauert. damit will ich sagen: wenn es sich für anna r. nicht echt und wahr anfühlt, zb. einen hosenanzug zu tragen, dann würde auch ich dazu ermutigen, es nicht zu tun! ABER - und das ist für mich der springende punkt - mit formulierungen wie "pseudo-mann" wird einer frau, die sich anders ausdrückt, unterstellt, bei ihrem ausdruck handele es sich demgegenüber um ein imitat, einen versuch der kopie (im gegensatz zur "echten" frau).

und das halte ich vorsichtig formuliert für eine sehr problematische verknüpfung.

ich möchte die zuordnung von eigenschaften zu den begriffen "männlich" und "weiblich", die hier massenhaft als naturgegeben vorausgesetzt wird, gerne komplett in frage stellen.

viele grüße

ele

 

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 18:25

Sie verwechseln da was Verehrteste (um mal an der angeschlagenen Tonart anzuknüpfen)„denn z.B. die Treue zu sich selbst, Authentizität also, die jemand aufgrund von Erfahrungen mit einhergehender, fortschreitender Selbsterkenntnis erwirbt, drückt sich immer in der persönlichen subjektiven Haltung aus. Jemand lässt die Echtheit seines Handelns (Charakters) wiederholt erkennen.“

 

>Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, dass das Handeln einer Person nicht durch äußere Einflüsse bestimmt wird, sondern in der Person selbst begründet liegt.<

wikipedia

 

Was Sie mit „Treue zu sich selbst“ meinen ist dagegen das was Identität ausmacht, welche durchaus nicht von fortschreitender Selbsterkenntnis abhängt, sowenig diese für Authentizität erforderlich ist.

Um „echt“ also authentisch zu wirken oder von mir aus auch zu sein, bedarf es lediglich der Distanz zur jeweiligen Rolle die man spielt bzw. spielen muss und einem unverstellten spontanen Ausdruck, was zugegebenermaßen im Trend liegt, aber auch furchtbar nervig werden kann, wenn alle so authentisch wie möglich sein wollen und dabei ziemlich unreflektiert alles was sie so bewegt – und das ist i.d.R. das bei anderen als für „unecht“ Befundene - absondern müssen...

Der Anspruch an sich immer und überall möglichst authentisch „rüber zu kommen“ scheint mir unter Frauen leider weit verbreitet – wieso eigentlich?
Gegenüber Männern resultiert daraus häufig ein grundständiger Zweifel, daß diese – weil nicht oder nur mäßig um Authentizität bemüht – nicht echt, d.h. unehrlich bzw. unehrlicher im Geschlechtervergleich seien und Frauen die in Männer – oder Führungsjobs sich deren Verhalten anähnelten ebensowenig „authentisch“, sprich unehrlich – auch zu sich selbst – ergo ihre authentische – sprich „natürliche“ Weiblichkeit (welche ja authentisch zu sein hat und wenn nicht dann wird das nachsozialisiert) verleugnet, versteckt usw. - zugunsten des schnöden Mammons und der Anerkennung durch ihre männlichen Kollegen, was ja unter Frauen quasi einem Verrat an dem was nunmal originär weiblich sei gleichkommt...

Merken Sie was? In dem Wunsch möglichst authentisch zu sein ist zugleich der Wunsch enthalten mit dem inzwischen individualisierten (Abgrenzungs) Konstrukt Weiblichkeit (versus Männlichkeiten) möglichst identisch zu werden und sich dadurch als Frau unter Frauen in einer geschlechtsexklusiven Authentizitätssphäre der eigenen Übereinstimmung mit dem was für weiblich gehalten wird zu vergewissern, was nun leider überhaupt nicht dem entspricht was ganz oben als Authentizität – in der eigenen Person begründetes und von äußeren Einflüssen unabhängiges Handeln – entspricht.

So erlangt der Kult um Authentizität den Charakter eines Gruppenzwangs unter Frauen, worüber ich mich als Mann nur fortgesetzt amüsieren kann.

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 18:30

Sie begehen leider wie die Dame auf die sie sich beziehen den gleichen Fehler wie diese (see my comment) und rollen das Feld dazu noch von hinten auf.

Erklären Sie mir doch mal den Sinn und Zweck des Vorhabens im Berufsleben authentisch sein zu wollen, bitte.

Abgesehen davon ist sowas nur im Höchststadium der Entfremdung von der Entfremdung als Projekt zur Perfektionierung der eigenen Charaktermaske denkbar - können Sie mir folgen?

ele 04.01.2013 | 18:48

worauf in meinem kommentar beziehen sie sich denn hier? - ich greife das thema berufsleben nur auf, um mich auf das angebotene postboten-beispiel zu beziehen. ansonsten ist das, was ich mich authentizität meine, nicht berufsbezogen, schliesst jedoch diesen aspekt auch nicht aus.

beruflich eine rolle zu spielen muss nicht im widerspruch zu einem authentischen selbstausdruck stehen, ein rollenspiel kann ich sowohl im einklang mit mir selber durchführen als auch unter äußerster verbiegung - und das macht für mich den unterschied.

desweiteren ist der begriff des authentischen ausdruckes sicher immer mit einschränkungen zu sehen und eher eine tendenz, eine annäherung, ein ideal und nicht ein absoluter einklang zwischen einem innersten kern (was für ein kern wäre das wiederum?) und dem äußeren verhalten.

...ganz generell macht es mir übrigens beim diskutieren mehr spaß, wenn man erst einmal versucht, die andere meinung zu verstehen und zu sehen, wo vielleicht von verschiedenen prämissen ausgegangen wird oder einfach begriffe unterschiedlich definiert werden, als schon im ersten satz zu lesen, dass ich einen "fehler" mache...

viele grüße

ele

 

ele 04.01.2013 | 19:21

...ok, jetzt habe ich mittlerweile ihre antwort an duineder erst gelesen - die war mir zuvor noch entgangen.

nun wird mir in der tat einiges klarer! wir haben da einen recht unterschiedlichen begriff von authentizität. ich meine damit eher  etwas, das ich mit "einklang zwischen innerem empfinden und äußerem verhalten" beschreiben würde.

und das muß überhaupt nicht bedeuten, immer spontan und ungefiltert alles zu äußern, was als empfindung da ist. sondern ich fasse das für mich weiter: die frage, ob sich mein verhalten in bezug zu meinem inneren erleben "stimmig" anfühlt oder ob ich eben das gefühl habe, im widerspruch dazu zu handeln und mich zu äußern - ich kann mich auch in einer beruflichen rolle authentisch fühlen.

viele grüße

ele

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 19:30

Hallo @Ele

[...]ihre darstellung im ersten satz kann ich mit dem begriff authentisch jedoch noch nicht recht in zusammenhang bringen - wie sehen sie hier die verbindung zwischen rollenkonformem verhalten und authentizität?

Den sah @Blog1, meine Klarstellung war für ihn gedacht, dass hätte ich deutlicher adressieren müssen.

Ich bin sehr einverstanden, mit dem was Sie kommentier(t)en.  Die  bilogischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind evident, das Grundmuster habe ich benannt, aus dem die typischen Verhaltensweisen abzuleiten sind - die allerdings nicht festliegen und wie alles der (kulturellen) Veränderung unterliegen.

Besten Gruß!

 

eulen nach athen 04.01.2013 | 19:39

gruppenzwang ist genau das richtige wort. wir können ihn hier direkt bei der arbeit beobachten:

auch Anna R. versucht mit ihrem posting, frauen, die ihrem bild von "weiblichkeit" nicht entsprechen, wieder auf linie zu bringen, indem sie ihnen ihr die "weiblichkeit" (= wärme et. al.) abspricht. wer dieser agumentation nicht folgen will, wird von ihr – ganz unwarm – mit unflat bedacht.

ele 04.01.2013 | 19:50

...ich persönlich finde es mittlerweile spannender oder gewinnbringender, die geschlechtliche zweiteilung auch auf der biologischen ebene infrage zu stellen - zum beispiel das bild von geschlecht als kontinuum erscheint mir sehr bedenkenswert...

aber das würde jetzt an dieser stelle wohl zu weit führen - dafür findet sich sicherlich noch mal ein anderer beitrag ;-)

viele grüße

ele

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 19:57

Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, dass das Handeln einer Person nicht durch äußere Einflüsse bestimmt wird, sondern in der Person selbst begründet liegt.<

wikipedia

Sie müssen nicht alles glauben, was in Wikepedia steht..

Identität und Authentizität hängen sehr wohl zusammen, weil subjektiv bestimmt sind.

Authentizität ist ein kontroverser, umstrittener, ja auch schwieriger Begriff. Sie vertreten in meinen Augen die romantische Auffassung von Authentizität besagt, dass wir das Modell nach dem wir leben sollten, nicht außerhalb unseres Selbst finden können. Grundfalsch, wo anders wohl?

Authentizität ist nicht der Feind von Anforderungen, die von außerhalb des Selbst kommen, sie unterstellt solche Anforderungen. (Joep Dohmen)

Um es ein wenig abzukürzen: Anna R. weist aufgezwungen (Rollen)-Verhalten konformistisches Verhalten ab, ein Beweis von Authentizität so wie ich sie verstehe: nämlich sich gegen autoritäre Strukturen (Neoliberalismus, Kosten-Nutzen ) zu wehren und damit eine eigenwillige Individuelle, in dem Sinnen wirklich authentische Antwort aus seinem Inneren heraus zu formulieren.

Das hat nun rein gar nichts "mit authentisch sein wollen zu tun" - hier kommen wir total nicht zusammen. Aber Sie denken zumindest nach.

 

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 21:25

„Sie vertreten in meinen Augen die romantische Auffassung von Authentizität besagt, dass wir das Modell nach dem wir leben sollten“ [...]

 

Falsch, ich bin gänzlich unromantisch und vertrete die Auffassung, daß in bürgerlich – kapitalistischen Gesellschaften Authentizität unlebbar ist und lediglich ein umso populärerer Mythos je weniger „authentisch“ bzw. „echt“ sich die Insassen dieses globalen Gefängnisses sich bewegen können.
Wenn ich bspw zur Arbeit gehe, dann ist der einzig authentische Ausdruck gegenüber meinen Kollegen und Vorgesetzten der, daß ich die Show der Selbstvermarktung sowas von leid bin und mich dieser ganze Zirkus – inklusive den weiblichen Selbstverwirklichungs-Zyklen – dermaßen ankotzt, daß ich auf der Stelle verbal Amok laufen könnte.
Dabei habe ich einen vergleichsweise guten Job. Aber diese Hype um „Echtheit“ nervt nur noch.

 

Besuchen Sie, um auf andere Gedanken zu kommen, mal meinen zweiten Blog – darin geht es um echte Entmännlichung, als authentische Vorsorgemaßnahme gegen überbordende Weiblichkeiten aller Art.

Wobei dies keine Kunst ist.

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 21:34

ich beziehe mich auf Ihren meiner Ansicht nach äußerst schwammigen Begriff von Authentizität und - in Bezug auf den Artikel - darauf, wozu authentisches Verhalten nützlich sein soll.

Sie schließen fortwährend an duineder als Vorrednerin an, ohne diese Debatte in irgendeiner Weise begrifflich zu öffnen, d.h. sie werfen mir vor, was sie sich selbst vorzuwerfen hätten, wenn sie mal über den Tellerrand des von ihnen angestrebten Diskurses hinaus gingen.

fahrwax 04.01.2013 | 22:05

Das die bäuerliche Landfrauenschaft, meiner näheren Umgebung, durchaus "ihren Mann“ stehen kann, entspricht meinem bescheidenem Erfahrungshorizont. Auch die Anfeindung der gärtnerischen Tätigkeit war nicht mein Anliegen, sondern:

 „Dass sich hier zunehmend Leute zu Wort melden, die weder irgendwie links, irgendwie aufgeklärt konservativ oder gar links-liberal sind, sondern einfach nur bräsig Themen kleindampfen, die so in keinem Landfrauenjournal  Platz fänden, geht mir auf den Geist.“

 die Kleingeisterei auf vordergründig gehobenem Niveau sollte, unter Einbindung des hiesigen Sponsors, ihre sarkastische Erwähnung finden.

ele 04.01.2013 | 22:39

zunächst einmal: ich bin nicht der meinung, ihnen etwas vorgeworfen zu haben. schon gar nicht, dass sie und ich eine verschiedene vorstellung des begriffes authentizität hätten. das einzige, was mich wirklich gestört hat, ist es, gesagt zu bekommen, ich würde mit meinem begriff einen fehler machen (statt sich eben über diese verschiedenen begriffe auszutauschen). das löst einfach direkt einen widerstand bei mir aus und aus austausch wird rechtfertigung und angriff usw. und so macht mir eine diskussion wenig spaß - das habe ich gemeint.

und diesen vorwurf (des falschliegens) habe ich ihnen nicht gemacht - ich habe stattdessen davon geschrieben, dass wir einen unterschiedlichen begriff haben:

" @allesanders

...ok, jetzt habe ich mittlerweile ihre antwort an duineder erst gelesen - die war mir zuvor noch entgangen.

nun wird mir in der tat einiges klarer! wir haben da einen recht unterschiedlichen begriff von authentizität. ich meine damit eher  etwas, das ich mit "einklang zwischen innerem empfinden und äußerem verhalten" beschreiben würde.

und das muß überhaupt nicht bedeuten, immer spontan und ungefiltert alles zu äußern, was als empfindung da ist. sondern ich fasse das für mich weiter: die frage, ob sich mein verhalten in bezug zu meinem inneren erleben "stimmig" anfühlt oder ob ich eben das gefühl habe, im widerspruch dazu zu handeln und mich zu äußern - ich kann mich auch in einer beruflichen rolle authentisch fühlen."

ich habe in aller kürze grob umrissen, was ich mir unter authentizität vorstelle und habe mich auf ihre vorstellungen bezogen - und nein, ich habe das nicht mit einem wissenschaftlichen anspruch an eine einwandfreie definition getan.

ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was sie sich außerdem unter begrifflicher öffnung vorstellen - dass ich ihre vorstellung komplett übernehme? dass ich mich von ihr beeinflussen lasse, das geschieht doch auf jeden fall - und ich habe ihre vorstellungen zum thema auch mit interesse gelesen. aber wenn ich statt einer weiteren inhaltlichen bezugnahme nur lese, dass mein begriff schwammig sei,  - ja, welche öffnung ist dann hier wirklich noch erwünscht?

und ich habe an duineder ebenso wie an sie angeschlossen - ganz je nachdem, wer mich eben gerade konkret angeschrieben bzw. sich auf mich bezogen hat.

viele grüße

ele

 

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 23:21

Ich wollte sie nicht plump angreifen, noch komprimmitieren. Das liegt mir völlig fern. Ich sehe intellektuell begabte Frauen wie Sie eher als Bündnispartnerinnen. Jedoch kann ich Ihnen dies nicht aufzwingen und mir geht auch das Bedürfnis dazu ab, Sie haben also das Recht und die Pflicht darüber allein zu entscheiden.

Wie sie wohl inzwischen wissen, muss ich morgen, des Kindes und der nachfolgenden Erwebstätigkeit recht früh raus, also entschuldigen Sie mich bitte ohne Kleinmut. Danke.

blog1 05.01.2013 | 05:25

Wenn ich als Postbote die Briefpost den richtigen Empfängern  zukommen lasse, entspreche ich den Erwartungen meines Arbeitgeber und den Bürgern,  ich in dem Sinne handle ich als Postbote authentisch. Ich spiele meine Rolle als Postbote. Das bin aber nicht Ich!

Wie @ ele bereits zutreffend erklärt, hat rollenkonformes Verhalten nichts mit Authenzität zu tun. Wenn ein Postbote seinen Job gut erledigt, verhält er sich zunächst einmal rollenkonform, aber noch lange nicht authentisch. Wenn er seinen Job gerne macht - das soll es ja auch geben - dann erst ist er für mich authentisch. Die entscheidende Frage bleibt, ob sich jemand von außen dem Erwartungsdruck beugt, obwohl er in seinem Innersten nicht davon überzeugt ist oder ob er seiner Berufung folgt, weil erst dann wird er wirklich zufrieden und erfolgreich mit dem sein, was er macht. Nichts anderes habe ich in meinem vorherigen Kommentar auch nicht behauptet.

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Ehemaliger Nutzer 05.01.2013 | 08:39

@allesanders

Für meine, der mir leider eigenen Flüchtigkeit, weniger in der von Ihnen vermuteten emotionalen Aufgeregtheit verursachten Rechtschreibefehler habe ich mich bereits entschuldigt. Das gilt aber nicht für meine Denken.

Wer genau nachliest, wird zweifellos erkennen, das ich den Begriff Authentizität anhand von einer Aussage/Auffassung von @Blog1 zurechtgerückt , und dann im weiteren Diskurs meine Auffassungen darüber erläutert habe.  Dass @Blog1 einfach es nicht versteht, ist seinem Kommentar etwas weiter oben, unschwer zu entnehemn.

Weiterhin habe ich mich bemüht, den schwierigen Begriff  Authentizität , immer in Antwort auf Kommentaren, verständlich zu machen, wenn er dann nicht verstanden und falsch interpretiert wird, liegt es wohl wohl auch an Ihnen selbst. Sie mein Bester shreiben emotional, kann man ja lesen.

 (Dieser Wortstreit scheint mir symptomatisch und ein Indiz für die latente Identitäts- und Authentizitätskrise seit der Moderne, die hier in Kommentraen ja deutlich zutage treten.  Interessant!

 

 

 

 

 

 

 

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Ehemaliger Nutzer 05.01.2013 | 09:26

Erregungszutände und Emotionalität:

Originalton @allesanders: daß ich die Show der Selbstvermarktung sowas von leid bin und mich dieser ganze Zirkus – inklusive den weiblichen Selbstverwirklichungs-Zyklen – dermaßen ankotzt, daß ich auf der Stelle verbal Amok laufen könnte.
Dabei habe ich einen vergleichsweise guten Job. Aber diese Hype um „Echtheit“ nervt nur noch.

Und alles ohne Rechtschreibefehler! Gratuliere.. recht authentisch..

 

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Ehemaliger Nutzer 05.01.2013 | 13:21

Mich stört, daß Sie mir die meinerseits unbestrittene „latente Identitäts- und Authentizitätskrise seit der Moderne“ undifferenziert überstülpen, denn diese kann für mich ja nur insoweit krisenhafte Folgen haben, wie ich mich als bürgerlicher Mann – der sich hauptsächlich über seinen Beruf bzw. seine außerhäusliche Erwerbsarbeit definiert – verstehe.
Täte ich dies, so müsste ich in der Tat feststellen, daß mir als Mann unter Männern im Verlauf der letzten Dekaden einige sog. Männerdomänen wenn auch nicht ganz verloren, so doch als Terrain der Selbstvergewisserung Stück um Stück abhanden gekommen sind – nicht zuletzt aufgrund des Vordringens von Frauen in diese.
Dieser, zuweilen rebellischen, Aneignung männlich gekennzeichneten Terrains durch ambitionierte Frauen enthält für diese sicherlich ein identitäts – und gemeinschaftsstiftendes Moment, das durch die reale Erweiterung weiblicher Handlungsspielräume in Wirtschaft und Gesellschaft eben auch mehr Erfahrungs – und Ausdrucksmöglichkeiten, damit also Perspektiven mit der eigenen Person „stimmig“ bzw. „echter“, verspricht und z.T. auch wirklich beinhaltet.
Platt gesagt wird Frau wohl subjektiv mit jedem Schritt der Selbst-Ent-Domestizierung ein Stück freier und eignet sich diese Handlungs – auch als Ausdrucksspielräume an, folglich kann es nicht verwundern, wenn in dieser individuellen wie kollektiven Bewegung – die bis heute anhält und inzwischen durch das Vorbild der modernen Mutter an die Tochter als eine Art Sozialisationsstandard gelten kann – ein Authentizitätsversprechen vermutet wird.

Umgekehrt ist es für einen Mann nicht gerade verlockend sich weibliches, als das Ego tendenziell domestizierendes, Terrain anzueignen, zumal darin kein identitäts-noch gemeinschaftsstiftendes Moment zu finden ist, er also eher als Solitär handelt und seine Erfahrungen bspw im Umgang mit häuslichen Dingen und dem Nachwuchs praktisch überhaupt nicht mit anderen Männern noch Frauen – evtl. abgesehen von seiner Partnerin – kommunizieren kann.
Somit kann frau feststellen, daß sie in der Aneignung männlich begriffenen Terrains dies durch Kommunikation mit anderen Frauen bzw. das teilen und mitteilen ihrer Erfahrungen langsam aber stetig verändern und für nachfolgende Generationen stückweise öffnen kann – bis zu dem Punkt, den wir heute teilweise erreicht haben, daß es für Frauen selbstverständlich ist einen Beruf zu erlernen, zu studieren und völlig vom Mann mit dem sie eine Partnerschaft eingeht für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.
Damit steht für diese Frauen nicht mehr die Wirtschaftsgemeinschaft mit einem Mann im Vordergrund, was für sie vor´m historischen Hintergrund eine Erweiterung der Paarbeziehung bedeutet, die auch ein Versprechen auf offenere, authentischere, sinnlichere und intensivere Austauschebenen mit dem Partnerin in sich birgt.
DAS aber wird im Zuge des Beziehungs-Realitätschecks seltenst der Fall sein, d.h. der männliche Part in dieser Konstellation wird eher ent-täuschen, denn er kann dieses Versprechen nur einlösen, wenn er sich gleichfalls erweiterte Handlungs – und Ausdrucksspielräume aneignet und somit auf Augenhöhe agieren würde.
Nun frage ich Sie, wo sind sie denn diese Spielräume für Männer in der bürgerlichen Moderne?

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Ehemaliger Nutzer 06.01.2013 | 21:34

wenn Sie sich die Adressierung des Blogs und den Abschluss des Blogs ansehen, dann beantwortet sich ihrer Frage von selbst.

Angesprochen waren von der Autorin Frauen und zwar die, die es bevorzugen mit Frauen zu kommunizieren, da sie Männer - was ich gut verstehen kann, da ich auch einer bin - für in diesen Fragen minderbegabt erachten.

Und wenn dieser geschlossenen Gesellschaft mal einer über den Weg läuft bei dem das nicht so ist, dann wird er im Namen der community von der jeweiligen Wort - und Meinungsführenden in seine Schranken verwiesen - da findet sich immer eine.

Mit anderen Worten:

gerade die Frauen die in der Lage sind jene Einzelfälle von Männern die dem Diskurs über weibliche Nöte, Befindlichkeiten und Freiheitskämpfe folgen können aufzuspüren, schießen diese innerhalb ihrer gender-gated-communities gnadenlos ab.

sowas gucke ich mir ein paar mal ab und dann sage ich mir:
habt noch viel Spass Mädels, aber ohne mich.

Zumindest auf intellektuellem Gebiet haben Frauen sich in Sachen Selbstbefruchtung viel vom anderen Geschlecht abgeguckt und haben keine Skrupel diese Weisheiten zur Anwendung zu bringen.

Das soll im Prinzip kein Vorwurf sein, nur bleiben auf diese Weise u.a. Sie hinter Ihren Möglichkeiten - nur so eine Ahnung - weit weit zurück.

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Ehemaliger Nutzer 07.01.2013 | 09:36

Könnte es sein, dass Sie einen  "gender-gated-communities" Reflex oder Komplex haben?  Was Sie in mich und meinen Kommentaren sehen, lesen und vermuten ist mir oft schleierhaft. Ich bin keine Frau, mein Bester, soviel zwecks Klarstellung.

Trotzdem, recht aufschlussreich die Begriffsverwirrungen über Identität und Authentizität. Es zeigt einmal mehr die   Orientierungslosigkeit moderner Individuen und ihre verzweifelte, auch notwendige Suche nach einer Position, nach Selbstbestimmung in einer immer komplexer werdenden Welt.

In dem Licht betrachte ich mein Engagement hier im Thread und den wichtigen Beitrag (Beiträge) von @Anna R. 

 

 

 

 

 

 

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Ehemaliger Nutzer 07.01.2013 | 09:43

Könnte es sein, dass Sie einen  "gender-gated-communities" Reflex oder Komplex haben?  Was Sie in mich und meinen Kommentaren sehen, lesen und vermuten ist mir oft schleierhaft. Ich bin keine Frau, mein Bester, soviel zwecks Klarstellung.

Trotzdem, recht aufschlussreich die Begriffsverwirrungen über Identität und Authentizität. Es zeigt einmal mehr die   Orientierungslosigkeit moderner Individuen und ihre verzweifelte, auch notwendige Suche nach einer Position, nach Selbstbestimmung in einer immer komplexer werdenden Welt.

In dem Licht betrachte ich mein Engagement hier im Thread und den wichtigen Beitrag (Beiträge) von @Anna R. 

 

 

 

 

 

 

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Ehemaliger Nutzer 07.01.2013 | 12:36

Hatte ich sie als Frau angesprochen? Eher nicht aber wenn doch ein flockiges „sorry“ an dieser Stelle. Btw: klicken Sie doch bitte zum evtl.Antworten den Button, danke.
Wenn Sie sich ansonsten, mein Gutster, als Mann von den statements im Blog angesprochen fühlen und dies hinsichtlich Authentizität und Identität im Allgemeinen erweitern, um dann wiederholt eine nicht näher definierte Krise „des Menschen“ in einer ebenso abstrakt bleibenden Moderne zu diagnostizieren, dann ist das ihre Sache.

Konkret ist z.B. die Aussage man geht zur Arbeit um Geld zu verdienen, wird dort aber von KollegInnen und Vorgesetzten als Mann oder Frau identifiziert und bekommt im Rahmen der corporate identity eine Reihe ungeschriebener Vorgaben wie man aufzutreten, sich zu kleiden, zu „erscheinen“ habe.
Diese Codes einzuhalten ist zwingend und eine Art Anforderungskatalog der jegliche Authentizität von vorneherein ad adsurdum führt.
Sicher, mann/frau kann im Job ab und auch mal was Persönlicheres durchscheinen lassen, aber nur im o.g. Rahmen – ansonsten gilt fast überall Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps, d.h. das Persönliche gilt als privat und das hat i.d.R. im Berufsleben nichts zu suchen.
Kurzum, man hat da eine vorgegebene Rolle einzunehmen, die man im Rahmen ebenfalls vorgegebener Freiräume u.U. etwas individueller ausfüllen kann – aber „echter“ wird man dadurch noch lange nicht.
Philosophischer ausgedrückt kreist der Begriff Authentizität um die Unterscheidung von Wesen und Erscheinung, nicht um Identität. Das ist keine Seinsform, sondern eine Handlungsweise in der das Streben sich, d.h. seinem Wesen, möglichst treu bzw. identisch zu bleiben.
In der Berufswelt ist es aber kaum möglich dem eigenen Wesen treu zu sein, da diese i.d.R. kein selbstbestimmtes – noch reguliertes Tätigsein erlauben, welches ja die Voraussetzung für die Umsetzung o.g. Strebens ist.
Folglich ist es völlig illusorisch in einer weitgehend fremdbestimmten Umgebung authentische Menschen bzw Umgangsweisen oder gar Selbstverwirklichungsoptionen zu erhoffen.
Im Kontakt mit meinen KollegInnen oder Vorgesetzten habe ich genau wie diese meine Rolle zu spielen und meine Aufgaben zu erledigen – das bedeutet aber nicht, daß ich mich mit dieser Rolle noch den Aufgaben irgendwie identifizieren muß.
Allerdings erleichtert die Identifikation mit der Firma, der eigenen Rolle und den Tätigkeiten darin im Berufsleben diese Anforderungen zu handlen und bspw auftretende Unlust oder Unzufriedenheit zu verdrängen.
Und? Das sind alles Bewältigungsstrategien um die berufliche Entfremdungs – und Anforderungssituation auszuhalten und den Arbeitstag zu überstehen. Mehr nicht.
Zum Blog:
In einer führenden Stellung hat man die Firma zu repräsentieren und dabei spielt Kleidung eine wichtige Rolle, denn die signalisiert einerseits die Übereinstimmung mit den Unternehmenszielen und der Führungskultur, auf der anderen Seite muß die Botschaft an die Untergebenen rüberkommen, daß demgegenüber das Mitgefühl mit den einzelnen Befindlichkeiten zurückzustehen hat bzw. schon von der einzunehmenden Haltung her nicht oder nur im geringen Umfang erwartet werden kann.
Wenn Anna R sich in eine solche Haltung, die auch in der Kleidung zum Ausdruck kommen sollte, nicht einfühlen kann oder will – weil sie befürchtet so ein Stück ihrer Weiblichkeit bzw. ihres weiblichen Wesen zu verlieren, sich also nicht mehr treu sein könnte in der Verpackung, dann sollte sie keinen Führungsjob anstreben, denn sie ist im Festhalten an dem was ihr wichtiger zu sein scheint dafür nicht geeignet.
Dennoch kann ich aus eigener Erfahrung sagen, daß es nicht wichtig ist sich mit dem Laden und den Aufgaben zu identifizieren, Hauptsache man macht einen guten Job, spielt seine Rolle und pflegt seine Erscheinung, mit der man sich ggf. auch mal durchsetzen muß, die also nicht „echt“ sein muss, sondern nur ziel&zweckadäquat wirken soll. Nochmal:
Wenn einem sowas vom Wesen her nicht liegt, sollte man die Finger davon lassen und auf weiteres Lamento verzichten. Grob gesagt: das Berufsleben ist kein Wunschkonzert.

Anna R. 07.01.2013 | 14:40
Eigentlich hatte ich gehofft, Sie würden mit der Zeit aufgeben, einen Kommentar nach dem anderen von sich zu geben und dabei doch immer nur um sich selbst zu kreisen. Da dem aber nicht so ist, schalte ich mich an dieser Stelle nochmal kurz ein. Zuallererst hat Duineder, wie ich auch in mindestens einem meiner Kommentare schrieb, die Intention meines Blogs exakt erfasst. Ihnen hingegen widersprach ich mehrere Male, dass Sie sich da Dinge zusammenlesen, die de facto dort nicht drinstehen. Wenn es Ihre Auffassung ist, dass man im Job funktionieren muss und die Dinge tun muss, die von einem erwartet werden, rede ich Ihnen da nicht rein. Ich für mich aber weiß, dass ich das nicht tun werde, weil ich es eben nicht tun muss. Niemand kann mich zwingen, irgendwelche Codes einzuhalten; maximal muss ich (was ich aber eher bezweifle...) damit rechnen, gekündigt zu werden - so what? Es gibt Schlimmeres. Ob man/frau also etwas Persönliches durchscheinen lassen kann und wenn ja, wieviel, sollten Sie also genau wie ich jedem selbst überlassen. Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps, schreiben Sie. Ich widerspreche mit: Ich bin Ich. Und egal ob im Beruf oder im Privatleben; ich bin ein und dieselbe Person in ein und derselben Lage; ich kann meine Emotionen, mein Befinden nicht abstreifen, nur weil ich in den Job gehe. Wenn Sie sich damit abfinden, im Job wie im Privaten Ihre Rolle zu spielen, ist das Ihre Sache. Meine ist es nicht. Das, womit sich mein Text beschäftigte, und was Sie anscheinend bisher immer noch erfolgreich ignoriert haben, war die Überlegung, ob es denn tatsächlich von Nachteil wäre, wenn man "typisch weibliche" Eigenschaften ausleben würde. Ich bezweifle es nämlich. Und bevor Sie mir nun wieder mit Ihrer Frau und Ihrer Erfahrung kommen: Zeigen Sie mir mal die Stelle im Text, an der ich mich auf Frauen in Führungsposition beziehe; denn das habe ich an keiner Stelle. // Also nochmal zum Mitschreiben: Ich will Ihnen Ihre Auffassung nicht nehmen, aber Sie vergeuden Ihre Zeit, wenn Sie weiterhin versuchen wollen, sie als allgemeingültig hinzustellen. Wenn Ihnen Ihre Gedanken so wichtig sind, schreiben Sie doch selbst einen Eintrag darüber, aber davon, dass Sie hier noch hundert Kommentare hinpflanzen, kommen wir trotzdem nicht auf einen Nenner.
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Ehemaliger Nutzer 07.01.2013 | 15:42

Nun haben Sie eindrucksvoll geschildert, selbst belegt,  worin nun die von mir konstatierte "Identitäts und Authentizitätskrise des modernen Menschen besteht: Er lässt sich fremdbestimmen, und handelt unauthentisch, ordnet sich dem neoliberalen Markt und dem gewünschtem Rollenbild unter. Gut. Jeder wird Geld durch Arbeit verdienen müssen und sich irgendwie anzupassen haben. Inwieweit jedoch die/der Einzelne darin gehen will und kann, ist eindeutig eine persönliche Entscheidung, und worauf beruht die ? – genau auf die jeweilige Identität/Authentizität, die sich m.E. nicht trennen lässt. Oder hängen Sie Ihren Charakter um 8.00 Uhr in der Firmengarderobe auf, um ihn um 17.00 Uhr wieder überzuziehen?

Beide Begriffsbestimmungen haben sehr wohl miteinander zu tun, sie zu trennen ist bereits grundfalsch und kennzeichnet, nochmals,  die allgemeine Verwirrung und Krise der Modernität. Das Berufsleben ist kein Wunschkonzert, richtig, was nicht bedeutet, sich bei jeder Gelegenheit gnadenlos anzupassen und selbst zu verleugnen. So etwas macht krank, mein Gutster. Sind Sie übrigens Sachse?? Nun befrachte ich unsere kleine Auseinandersetzung über Identität/Authentizität auch noch mit dem Begriff der Lebensqualität…

Identität drückt sich in einem authentischen Verhalten aus, im entsprechenden Denken, Handeln und einer unverkennbaren Haltung.  Etwas Anderes kann ich nicht darunter verstehen.

Nietzsche mahnte uns bereits: Herren sollt Ihr sein, keine Sklaven! Ihr Kommentar klingt leicht resigniert, was Ihr (wahrscheinlich persönliches) zweckadäquates Berufsleben betrifft. Nein, es ist kein Wunschkonzert, das Leben auch nicht, eben deshalb müssen wir unsere Authentizität und persönliche Freiheit verteidigen, nicht nur im privaten Zuhause auch draussen!

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Ehemaliger Nutzer 07.01.2013 | 16:01

Nun, ich meine, nicht ich, sondern Sie drehen sich im Kreis mit Ihrer Argumentation. Im ersten Blogabschnitt schreiben Sie von einer Bekannten, die sich in den Management-Bereich orientiert, der auch als Führungsebene zu bezeichnen ist – auch wenn´s sich nur um die Orga-Truppe handelt – und nun wollen Sie davon nicht geschrieben haben? Merkwürdig.

Ihr „ich bin ich“ habe ich schon als solches verstanden, das passt aber nicht zur lohnabhängigen Beschäftigung, da darin nicht ihr ich, sondern ihre Beteiligung an der Wertschöpfung gefragt ist.
Ichs sind da nachrangig und weitgehend austauschbar.
Es sei denn, sie arbeiten im sozialen, pflegerischen oder familiennahen Dienstleistungsbereich, da ist ihr Ego inkl. Persönlichkeit durchaus gefragt, aber eben als helfendes bzw. dienendes – und damit nicht in dem Sinne wie sie es gern hätten, oder?
Kurz gesagt benötigt ihr ich in einem bürgerlich-demokratisch-kapitalistischen Wirtschafts – und Sozialsystem eine Nische abseits dieser Beinahe-Totalität.
Falls sie körperlich fit und handwerklich oder gar kunsthandwerklich begabt sind, empfehle ich für den Ausstieg auf Probe – auf´s Geld kommt´s dabei ja weniger an, nicht wahr? - das Wendland.
Das ist so eine Art größeres gallisches Dorf in Norddeutschland, mit Gorleben als Hauptstadt.
Das ist auch kulturell immer was los und seitdem der Castor da nicht mehr durchrauscht ist es auch ganz beschaulich das ganze Jahr durch.
Ob sich ihr ich da wohlfühlt?
Nun ja, lassen wir es. Sie haben recht, wir kommen nicht auf einen Nenner, wir nähern uns auch nicht an oder so. Ich sehe es halt mit den Nicht-ich-sein-können-im-Beruf-Phasen sportlich – man zieht das Ding halt durch und engagiert sich für konkrete Verbesserungen am Arbeitsplatz in Verbänden und Initiativen, von mir aus auch in Parteien.
Da finde ich auf gleicher Interessensebene Leute denen ich vertrauen, mich evtl. sogar öffnen und zusammenarbeiten – also ich sein kann. Von meinen KollegInnen und Vorgesetzten, denen ich besser nicht vertraue geschweige mich öffne, erwarte ich im Verdrängungswettbewerb am Arbeitsplatz nämlich nur, daß sie nach dem Motto – jeder ist sich (im Zweifelsfall) selbst der Nächste – verfahren. Viele tragen ja – wie ich – auch Verantwortung für die Lieben daheim und ertragen deshalb diese dem ich-sein-können abträgliche Situation im Berufsleben und suchen dort weder FreundInnen noch Vertraute noch Selbstverwirklichungsecken.
Tja, bleibt nur noch Ihnen auf Ihrer Suche viel Erfolg zu wünschen.
Das war´s. Versprochen. (es sei denn Sie haken noch mal nach, aber das glaube ich eher nicht)
;-)

Anna R. 07.01.2013 | 16:52

Ich hake nicht nach, da Ihr Kommentar ja nun auch eingesteht, was ich zuvor schon sagte: Wir kommen sowieso nicht auf einen Nenner. Denn genau eine Haltung wie die Ihre, nämlich die stumpfe Unterordnung unter ein angebliches Diktat des Berufes (übertragbar auf das Diktat der Gesellschaft) kritisiert mein Text.

Was ich allerdings noch tue, bevor ich mich wieder aus der Diskussion ziehe, ist Sie berichtigen: "Im ersten Blogabschnitt schreiben Sie von einer Bekannten, die sich in den Management-Bereich orientiert, der auch als Führungsebene zu bezeichnen ist – auch wenn´s sich nur um die Orga-Truppe handelt ." - Das ist falsch. Möglicherweise kennen Sie nicht sämtliche Bereiche, die der Begriff Management umfasst (ich garantiert auch nicht); das, was ich ansprach, war kein leitender Beruf, sondern eine dem Studium nachfolgende Ausbildung, die absolut nichts mit Firmenmanagement oder sonst irgendetwas dieser Größenordnung zu tun hat. Das können Sie nicht wissen, aber Sie hätten fragen können, anstatt mir fortwährend Äußerungen oder Meinungen zu unterstellen.

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Ehemaliger Nutzer 07.01.2013 | 21:13

Abgesehen davon, daß dieses winzige Detail welches Sie mit ihrem letztem comment nachreichen, meine Aktivitäten auf Ihrem Blog grundlegend anders hätte aussehen lassen, kommen wir uns – da Sie nunmehr Tacheles schreiben – überraschenderweise doch etwas näher, wenn auch nicht auf einen Nenner, da Sie a eine Frau sind und ich ein Mann bin und b hier offenbar eine Generationendistanz – um es milde auszudrücken – besteht.

Sie schreiben, daß ich ich o.G. nicht hätte wissen können. Folglich haben wir die ganze Zeit aneinander vorbeigeschrieben, da ich von anderen Voraussetzungen ausging, als die die Sie nun endlich deutlich machen. Egal.

Es hat dennoch einen Sinn sich zu streiten, wenn Sie sich mal die Mühe machen meine Blogs hier zu durchstreifen.
Dann nämlich werden Sie feststellen, mit wem Sie es zu tun haben und das meine Ansicht der Berufswelt und deren Diktaten gar nicht so fern ist von Ihrem Standpunkt.
Mit dem Unterschied, daß ich das evtl. etwas nüchterner, abgebrühter, kälter, abgewichster und in gewisser Weise vielleicht auch professioneller abhandle als sie.

Damit Sie verstehen:

ich bin der Mann, der in seiner Jugend bis Mitte zwanzig als Literat und bildender Künstler tätig war, derweil diverse dazu passende Berufsausbildungen absolvierte und mit der ungeplanten Ankunft des ersten Kindes auf einen technischen Beruf festgenagelt wurde, der ihn in eine Karriere (knapp unterhalb Vorstandsebene) geraten liess, aus der er mit Ankunft des zweiten Kindes von der zweiten Mutter ausstieg und sich seitdem dem „Diktat des Berufes (übertragbar auf das Diktat der Gesellschaft)“ so gut es eben geht – durch Teilzeitarbeit – entzieht und so Zeit für den Nachwuchs, meine Frau und eigene Interessen hat.
Mein Hauptinteresse ist Systemveränderung, aber daran arbeite ich nicht mit TotalverweigerInnen, sondern mit subversiven Gestalten mit Schauspieltalent.
;-)

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2013 | 11:01

Diese Vermutung hegte ich bereits:

 

[...]ich bin der Mann, der in seiner Jugend bis Mitte zwanzig als Literat und bildender Künstler tätig war, derweil diverse dazu passende Berufsausbildungen absolvierte und mit der ungeplanten Ankunft des ersten Kindes auf einen technischen Beruf festgenagelt wurde, der ihn in eine Karriere (knapp unterhalb Vorstandsebene) geraten liess, aus der er mit Ankunft des zweiten Kindes von der zweiten Mutter ausstieg und sich seitdem dem „Diktat des Berufes (übertragbar auf das Diktat der Gesellschaft)“ so gut es eben geht – durch Teilzeitarbeit – entzieht und so Zeit für den Nachwuchs, meine Frau und eigene Interessen hat.
Mein Hauptinteresse ist Systemveränderung, aber daran arbeite ich nicht mit TotalverweigerInnen, sondern mit subversiven Gestalten mit Schauspieltalent.

Er will's nicht begreifen... aber ich mach mir nochmal die Mühe:

Es liegt nicht nur am System, das genau ist Ihr fundamentaler Irrtum, den Sie hier wiederholt etalieren. Sie demonstrieren hier Ihr persönliches Psychogramm, Ihre eigene Entwicklungsgeschichte als Paradebeispiel der von mir/uns kritisierten Identitätskrise der Moderne. Seine persönliche Verantwortung für sich selbst auf Andere, das System, die Umstände abzuschieben, kennzeichnet eine Opferhaltung, die hier beim Freitag an der Tagesordnung ist. Deswegen wird sich besserwisserisch an Politikern abgearbeitet, anstatt mal tiefer über sich selbst nachzudenken. So traurig wie lächerlich. Frust also.  

Sie sind meistens selbst schuld daran, wenn Sie etwas machen, was Sie in Ihrem Innersten ablehnen. Ich glaube Ihnen gern, dass Literatur und bildende Kunst Ihre vorrangigen Neigungen bzw. Talente sind bzw. waren. Warum haben Sie sich denn erst jetzt dem "Diktat des Berufes" entzogen und versuchen nun in Teilzeit Ihren inneren Ambitionen gerecht zu werden? Weil Sie es damals und leider noch nicht immer ganz verstanden haben, das authentisch sein, philosophisch  "das gute Leben" bedeutet. In Ihren hier geäußerten Ansichten sind Sie immer noch ein rechthaberischer Amateur, weil Sie sich als Opfer des Systems darstellen und so fühlen. Ich sage das so krass, weil Ihre Selbsterkenntnis sehr zu wünschen übrig lässt, denn Sie laufen neben sich her und merken es nicht einmal. "Ich seh', ich seh' was Sie nicht sehen…" 

Identität und Authentizität kennzeichnen sich durch ein kongruentes Denken und Handeln, eigenverantwortlich, selbstbestimmt, seinem Naturell, seinen Werten und Talenten entsprechend, die es gilt weiterzuentwickeln, ganz gleich in welchem "System". Wir haben uns, ich schrieb es bereits irgendwo, als sich selbst wertschätzendes Individuum im jeweiligen privaten oder beruflichen Umfeld zu den Gegebenheiten zu verhalten und zu positionieren. Wenn Sie dies als authentisches Individuum eigenverantwortlich nach (moralischen) Wertmaßstäben tun, dann sind auf einem guten Weg. Das wünsche ich Ihnen.

 

 

 

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2013 | 16:21

Ich fürchte ihre Mühen mir eine Identitätskrise anzudichten sind vergeblich, zumal ich mich durchaus nicht als Teil der von Ihnen skizzierten Moderne verorte, weil dies eine bürgerliche Existenzform voraussetzt, die ich nicht besitze bzw. kein Leben nach diesem Modell führe.
Abgesehen davon abstrahieren ihre Thesen von der Wirklichkeit vorgegebener Zwänge, die auch gesetzlich (BGB & StGB) fixiert sind.
Jedenfalls für die Männer die Kinder haben also Väter sind, gilt die Unterhaltspflicht für den Nachwuchs in Gestalt erhöhter Erwerbsobliegenheiten, denen sie sich nur bei Strafe – von der Lohn/Vermögenspfändung bis hin zur Erzwingungshaft – entziehen können.
Nicht gewusst?
In meinem Fall habe ich zwar im hiesigen Kunst & Kulturbetrieb für mich genug zum Leben verdient, jedoch nicht für`s Kind und die Mutter (heute nur noch für die ersten drei Jahre, damals zwölf ab Geburt) – also war ich genötigt die Brötchen auf konventionelle Weise in nachweisbar erlernten Berufen zu verdienen.
Und da kann ich nur sagen, daß der gewöhnliche Arbeitsdienst den man als Familienvater so zu verrichten hat, mit den o.g. Neigungen und Interessen durchaus nicht vereinbar ist, die – wollte man sie zum Beruf machen einen viel höheren und noch weniger familienkompatiblen Einsatz und Zeitaufwand erfordern – wenn man den Business mal realistisch betrachtet.
Real ist auch, daß diese Phase zwangsläufig bis Ende der ersten Berufsausbildung der Sprösslinge anhält, also durchschnittlich 25 Jahre, in denen man seinen nicht-berufskompatiblen Interessen nur in der Freizeit nachgehen kann – was ich durchgängig bzw. nebenberuflich gemacht habe.
Jedoch hat der Tag nur 24 Std. - da bleibt neben Familie und Beruf nicht viel Zeit zur Selbstverwirklichung. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich lediglich der Ansicht, daß es vielleicht in Teilbereichen möglich ist sich punktuell im Berufsleben zu verwirklichen, aber der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag und ermöglicht schon gar nicht die anvisierte Ausbalancierung des Egos, ein ganzheitliches Lebensgefühl usw.
Ich verwende deshalb so wenig Energie wie möglich auf die Berufstätigkeit und das anhängige gesellschaftliche Getöse inkl. seiner mitmenschlichen Umgebungen und trenne dies scharf von meinem sonstigen Leben.
Aus diesem Grunde kann ich auch kein Opfer sein oder mich so fühlen, gleichwohl ich faktisch Teil der arbeitenden Bevölkerung bin – aber ich suche in den mir vom Chef aufgegebenen Arbeiten keinen persönlichen Sinn, denn egal was ich tue ist dies nur den Zwecken der Eigentümer bzw. dem Verkauf irgendwelcher Waren und Dienstleistungen zuträglich. Einen anderen Sinn – und schon gar keinen eigenen – kann ich in dieser Systemik nicht ausmachen.
Wenn Sie das Bedürfnis haben dem einen persönlichen Sinn einzulagern oder sich die Arbeitswelt von heute anderweitig schön zu färben, wie dies die breite Masse tut, bitte.
DAS aber wäre ein eindeutig ein Indiz für eine krisenhafte Identität, die sich für mich ableitet aus dem Selbstverständnis ein Individuum in der Gesellschaft zu sein. Ich muß gestehen, daß ich mich durchaus nicht als Individuum sehe, sondern als Subjekt – dem aber in abhängig-fremdbestimmter Arbeit das Selbstbestimmungsrecht in derselben genommen wird bzw. abhanden kommt und der deswegen durchaus keinen „echten“ Sinn in dieser Beschäftigung für die Zwecke anderer sehen noch hineinlegen kann.
Wenn Sie sich dagegen eine Philosophie basteln müssen, um durch irgendein Thesengebäude die Widersprüche in dieser Gesellschaft und deren Spiegelung in der eigenen „Individualität“ - die keine ist bzw. sein kann – miteinander zu versöhnen, dann wünsche ich schon jetzt viel Erfolg beim Wiederaufbau, sollte mal irgendeine Böe des Schicksals oder ein schwacher Windhauch der Geschichte dieses fragile Gebilde zum Einsturz bringen, was wie zuvor erklärt ja absehbar ist.
Warum nennen Sie sich nicht Sysiphus nach Ihrem eigentlichen Vorbild?

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2013 | 17:15

Liebe @Anna R. ,wenn wir Ihren Beitrag, unsere/meine ernsthaften, engagierten Kommentare und deren Reflexion betrachte, kann ich nicht umhin, mir die Frage zu stellen, ob ich meine Zeit und Gedanken hier beim Freitag weiterhin bereit zu verschwenden bin.

Nein.

Einige Zeitgenossen sind mir hier die Zeit nicht wert. Ich wollte früher gehen, aber ab und zu taucht dann doch mal ein für mich interessanter Beitrag auf, in dem es um Wesentliche Dinge geht, und sich daher vom übrigen Mainstream-Gelaber über die immer selben Themen positiv unterscheidet. Es wird mir bei der Freitag-Community zu sehr Stammtisch und klebrig.

Machen Sie's gut @Anna R. Danke und vielleicht mal auf Zeit Online.