anne mohnen
14.02.2013 | 23:29 161

Ich bin der Herr, Dein Jobs!

Medien Apple - schick aber prüde. Stimmt das noch? Tatsächlich schickt sich der Weltkonzern an, seine privaten Obsessionen, Antipathien und Vorlieben zu globalisieren

Ich bin der Herr, Dein Jobs!

Foto: Franco Folini / Flickr (CC)

Vermarktet hat Apple-Gründer Steve Jobs sich stets als Kind der Hippie-Bewegung. Seine wichtigsten Einsichten, erzählen Insider, habe der Computer-Freak auf seinen LSD-Trips erhalten. Jobs, wird kolportiert, sei schließlich „besessen gewesen von dem Verlangen, der Menschheit schnellen Zugang zu Bildung und Kunst zu verschaffen.“ Wenn der begnadete Selfmademan dann bei der Eröffnung einer seiner schicken Läden erschien, stets puristisch gekleidet in schwarzem Pullover und einer Levis 501, war das bis zuletzt eine Vorstellungen der Extraklasse eines Selbstinszenierten. Man nahm ihm ab, dass der freiheitsliebende Bob Dylan sein großes Idol war.

Hipp aber mächtig autoritär

Wie fremd den Nachfolgern von Steve Jobs die 68ziger Generation mit ihrem Freiheitsdrang und Tabubrüchen geworden ist, zeigt ein Blick in Apples immer länger werdende Liste von zensierten und verbotenen Büchern sowie Apps mit künstlerischem oder dokumentarischem Anspruch.

Eine bizarre Erfahrung mit den Amerikanern machte der dänische Bestsellerautor und preisgekrönte Journalist Peter Øvig Knudsen. Knudsen hat eine zweibändige Chronik über die Protest- und Alternativ-Bewegung Dänemarks der späten 1960ziger und frühen 1970ziger Jahre verfasst. Doch bei Apple lief er damit auf. Denn die Hippie-Bewegung begeisterte sich nicht nur für Frieden, sondern auch für „Sex & Drugs & Rock N‘ Roll“ und zelebrierte dies mit viel Freikörperkultur, was in Hippie1 und Hippie2 mit historischen Aufnahmen dokumentiert wird.

47 Bilder von nackten Blumenkindern betrachtet Apple als anstößig. Dabei handle es sich um „dänisches Kulturerbe“, konterte Jens Lauridsen, Knudsens Verleger vom renommierten Kopenhagener Gyldendal Verlag:  14 Aufnahmen von Gregers Nielsen,  einer  der bedeutendsten dänischen Dokumentarphotographen seiner Generation sowie 15. Photoreproduktionen der Werke des international anerkannten Gegenwartskünstler Bjørn Nørgaard.  "Die Photos", argumentiert der  Verlag,  " bereits Jahrzehnte vor der Herausgabe der Hippie-Bände publiziert, durch Ausstellungen und Filme bekannt, "  sind  längst Bestandteil eines öffentlichen Gedächtnisses.  Apples  Zensur richte sich  gegen die Freiheit der Kunst und Kultur in Dänemark.

Apple kümmert das wenig. Die Abbildung nackter Haut empfindet der milliardenschwere  Konzern als „unangemessen“. Ungeachtet ihres dokumentarischen Wertes  schmiss man dort die Dokumentation samt App-Version mit Videos, Musik und Bildern der Hippie Ära aus dem Sortiment und verfügte, dass sie im iBook—Store nicht mehr zu beziehen sind.

Peter Øvig Knudsen  und sein Verlag entschieden sich schließlich  auf  Anfrage Apples  für  Selbstzensur. Danach verdeckten rote Äpfel die Genitalien und Hinterteile der abgebildeten Nackedeis.  Die zensierten Bücher durften wieder über Apple verkauft werden, um nur wenige Tage später  und ohne Vorankündigung  an einem Wochenende aus dem iBook-Store-Angebot zu verschwinden.  In seinem iBook-Store verkauft das Unternehmen  e-Books für iPads, iPhones und andere auf  iOS Software laufende Produkte. Besonders hart traf  Gyldendal, dass Apple  auch längst genehmigte “Hippie” Apps im Wert von 30.000 Dollar Herstellungskosten aus dem Sortiment nahm. Böse Zungen behaupten, dies sei die Retourkutsche der Amerikaner für die freche Ver-Apple-ung der Dänen.

Geht das überhaupt? Apple macht von seiner Händlerfreiheit  Gebrauch. Juristisch ist dagegen nichts einzuwenden. Apple ist ein Privatunternehmen und hat wie jeder Händler die Freiheit zu entscheiden, was er vertreiben will, oder auch nicht. Der mächtige Springer-Verlag beugte  sich  wegen seiner BILD-Tablets der Zensur des Weltkonzerns. Auch Stern und Focus, das dänische Ekstra Bladet sahen sich gezwungen, Titelbilder ihrer digitalen Ausgabe zu entfernen, die barbusige Models zeigten. Für die Amerikaner seien solche Darstellungen nicht jugendfrei und folglich  App-Store untauglich. Als der kanadische The Globe and Mail Apple um eine Stellungnahme bat, hieß es aus  der kanadischen Niederlassung: „Wir sollten das eher nicht kommentieren.“

Bigotterie & schädliche Programme

Es mag Europäer noch so erstaunen, dass eine Marke, die sich avantgardistisch präsentiert, sich unaufgeklärt und zugeköpft geriert. Doch Steve Jobs definierte für welche Vorstellung von Freiheit Apple-Technologie steht: „Die Freiheit von schädlichen Programmen und die Freiheit von Pornographie.“ Freiheit ist demnach für Apple die Befreiung vor dem Anblick nackter Haut! Das ist nicht nur seltsam naiv, sondern mittlerweile  auch höchst widersprüchlich. Denn da, wo das Unternehmen die größte Gewinnmaximierung wittert - im Internet, bedarf es lediglich eines unbedachten Klicks und schon überschwemmt einen das Netz mit pornographischem Material.

Die Entscheidungen Apples, was sich geziemt und was angeblich nicht, sind folglich kaum mehr nachvollziehbar: Ohne Vorbehalte vertreibt Apple Dani Oliviers Anthology of Nude Photography und Nude Inspiration in a Painter’s Studio des Künstlerpaars Kristofer Paetau and Ondrej Brody. Naomi  Wolfs von Kritikern verrissenes Buch  Vagina pixelte der Konzern zwar im Titel, jedoch zum Besteller wurde es nicht nur der  Proteststürme wegen, vielmehr dank Apples iBook-Store.

Christian Kirk Muff, der zusammen mit Knudsen die Hippie-Chronik für Apple überarbeitete, sieht in dem „unerklärlichen Abnahmeverweigerungssystem“ eine Maschinerie am Werk. Ein „big brother in action“ entscheide, was massentauglich sei oder nicht. Je größer das Unternehmen“,  klagte  Muff  im Interview  mit The Copenhagen Post, desto wirksamer werde ein mechanisches moralisches Bekenntnis. „Es ist nicht ein Problem der Verlage, es ist ein globales Problem.“

Doch sind die Ungereimtheiten und Widersprüche mit der Vorstellung eines Deus ex machina oder eines „Big Brother“ als Zensor zu begründen? Und wie passt diese unzeitgemäße Betrachtung zu einem  Kommunikationskonzern? Von „undurchdringbarer Festungsmentalität“ sprechen Knudsen und sein Verleger, nachdem Apples dänische Niederlassung  bis heute auf  keine der vielen Anfragen Gyldendals und seines Autors reagierte.

Michael Posner vom Globe &Mail begründet Apples Wagenburgmentalität und den Angriff auf die Freiheit des Ausdrucks mit „Hypokrisie“. Gemeint ist ein Krisenphänomen, indem sich Kritik ad absurdum führt. Hinter der Maske der Allgemeinheit behauptet man bereits mit einer schlichten Negation, im konkreten Fall  mit „nackte Haut“ eine Position zu beziehen. Was an voraufklärerische Zeiten gemahnt, wenn Jens Lauridsen Apples Auskunfsverweigerung als Mystifizierung kritisiert, folgt dennoch knallhartem  Firmeninteresse: Zusehends geht es  Großkonzernen wie Apple darum, den Einfluss von Öffentlichkeit zu unterlaufen. Mittels Geheimniskrämerei schwingt sich das private Gewissen Apples zu einem großen globalen Gewissen auf. Es ist der Versuch solch einer vermauerten Moral, in hart erfochtene demokratisch fungierende Diskursformen einzugreifen, in denen vernünftigerweise ausgemacht wird, was sittlich oder unsittlich ist. Gleichzeitig dient sich der Konzern mit seiner Verdunklungsstrategie religiös motivierten Gruppierungen und Gesellschaftsformen an. Denn strategisch getarnt als "besseres Gewissen" , kommt  Apple bei seinen Expansionszügen auf einem  umkämpften Weltmarkt einer  Politik und moralischen Wertesystemen entgegen, die ihr Tun und Lassen im Dunklen aushandeln und damit politisch fungierende Öffentlichkeit hinters Licht führen.

Also Obacht, wem das Gebaren des kalifornischen Weltkonzerns wie eine Posse aus längst vergangenen Zeiten anmutet! Apple ist keiner dieser kleinen betulichen Kiez-Buchhändler, denen das Wasser bis zum Hals steht, weil die Großen bereits seine Existenz abgraben. Apple ist,  Andrea Teupke von Publik Forum zufolge, eher mit einem dieser riesigen Möbelhäuser zu vergleichen, mit dem Unterschied, dass das Unternehmen nur Regale verkaufen möchte, die es selbst gebaut hat und in die der Kunde gefälligst die Bücher hineinstellen soll, die Apple für lesenswert hält. Dabei geht es Apple beileibe nicht bloß um  die Deutungshoheit eines selbsternannten Moralapostels. Apple wünscht sich die totale Kontrolle über seine Produkte und über die, die sie nutzen.

Anfang 2012 begründete  der  Vize-President von Apple in einem Interview mit der New York Times den Vertrieb von Playboy und Sport Ilustrated Apps, Illustrierten, die mit Abbildungen von viel nackter Haut viel Geld verdienen . Es handle sich beim Playboy und SI um alte etablierte Marken mit seit Langem eingeführten und von der Allgemeinheit akzeptierten Formaten. Dänische Schriftsteller und Künstler fordern seitdem, dass die dänische Regierung einschreitet. „Gyldendal, 1770 gegründet, ist nicht nur Dänemarks ältester Verlag, heißt es, „sondern hat Bedeutung für die Kultur- und Literaturszene ganz Skandinaviens“, die Zensierung seiner Bücher sei nicht hinnehmbar. Wehren sollten sich die Kunden gegen diese Monopolisten und selbsternannte Tugendwächter wie Apple.

In eine neue Runde ging die Auseinandersetzung mit Apples Anfang November 2012. Peter Øvig Knudsen rief  in einem öffentlichen Brief seinen Kulturminister Uffe Elbaek  auf, gegen Anmaßungen und Zensur durch Gatekeeper für digitalen Content vorzugehen. Die Regierung, so Knudsen, habe den weltweiten Erwerb von kulturellen Inhalten für Online-Leser und Gruppen sicherzustellen, die an dänischer Geschichte und Kultur interessiert seien.

Unter  öffentlichem Druck  erklärte Uffe  Elbaek  den Konflikt mit Apple  zur internationalen Angelegenheit. Im Interviews mit dem Globe & Mail betonte er  auch mit Blick auf nordamerikanische Leser: „Die Hippie-Chronik ist ein Geschichtsbuch, das dokumentiert“, wie Dänen „in jenen Tagen lebten. Ist es da fair", fragt er, "dass ein amerikanisches Unternehmen ohne jegliche Dialogbereitschaft seine Moralstandards auf  Themen und Sujets anwenden kann, die zuvorderst ein dänisches Publikum mit seinen weitaus freieren moralischen Standards interessieren.“

Ende November 2012  folgten Schreiben an  seine europäischen Amtskollegen sowie an die EU-Vizepräsidentin und  EU-Kommissarin für die Digitale Agenda Neelie Kroes und die  Kommissarin für Bildung und Kultur Androulla Vassiliou . Darin  unterstreicht der dänische Kultusminister noch einmal das legitime Recht der Verlage auf freie Entscheidung, zu verkaufen und zu publizieren, was sie für richtig halten und woran sie glauben. Weit über dänische Angelegenheit hinaus, gelte deshalb seine Sorge dem Recht auf die Freiheit des Ausdrucks. „Um ein breites Publikum zu erreichen“, heißt es in Elbaeks Anfrage, „sind europäische Autoren, Musiker, Filmemacher mehr denn je  abhängig von weitreichenden Vertriebsstrukturen und deren digitale Plattformen.“ Die Frage müsse dringend beantowortet werden: "Welche Rahmenbedingungen stellen wir auf für die Sicherstellung eines weltweiten Vertriebs europäischer Kulturgüter, so kontrovers oder provokativ diese auch sein mögen?" Außerdem erfordere das Auftauchen neuer technischer Vertriebsformen, dringend die Formulierung von  ethischen Standards, die auch international Bestand haben.

Hippie1 und Hippie2 stehen seit Escheinen 2011 auf der dänischen Bestsellerliste für Hardcover-Bücher .

Und Peter Øvig Knudsen und der  Gyldendal Verlag? Die halten den Flower-Power Mythos von Apples für verwelkt. „Wenn Apple nicht Einhalt geboten wird“, davon ist Knudsen überzeugt, „wird der iBookstore des Konzerns eines Tages den e-Book Verkauf in einem noch stärkeren Ausmaß beherrschen als iTunes bereits den Musikverkauf dominieren.“ Mit dieser Vormachtstellung gelänge es Apple, sogar die Lieferbedingungen für Dänemarks  e-Book Markt zu diktieren. Bücher wie die Hippie-Chronik wären dann ohne Chance. Die Selbstzensur von Autoren und Verlagen, befürchtet sein Verleger Jens Lauridsen, steht am Beginn dieser Entwicklung.

 

Der Titel meines Beitrags entsprang der Eingebung von Wolfram Heinrich.

Kommentare (161)

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Ehemaliger Nutzer 15.02.2013 | 00:47

Eine eher lustige Debatte die Sie da eröffnen. Vielleicht wird was draus. Dass sich nun ausgerechnet in Dänemrk so um 1965 die bisher schärfste, d.h. die mit dem gynäkologischen Blick ausgestattete Pornographie, unter dem Begriff der Wikingerfreiheit entwickelte hat wohl was mit der Christiansexklave zu tun. Mit Wikingerfreiheit meine ich etwas konkretes, nämlich Gewalt in den intimen Beziehungen. Auf welche Seite der dualen Menschlichkeit sich das auswirkte, da braucht man nicht lange zu raten. Ob es ein Beitrag zur Kultur war, das hat Apple verneint, es ist die Freiheit, die wir doch den anderen auch zu gewähren haben.

anne mohnen 15.02.2013 | 08:58

@ Lieber Zeitleser,

es geht mir nicht um eine inhaltliche Diskussion über diese dänischen Hippies. Nackte Haut als schlichtes „dagegen“ wirkt auch nach über vierzig Jahren einfach nur simpel: Leute, die sich frei wähnten, indem sie z.B. mit heruntergelassenen Hosen über Parkplätze marschierten. Witz und Erkenntnis kommt da erst wieder in die Bilder, indem man ihnen  jetzt „Äppel“ ans Hinterteil klebte.

Nichtsdestotrotz geht es darum, dass Apple sich gegen eine Geschichtsdokumentation verwahrt, ohne dies zu begründen, wobei die genauer betrachtet ja gar nichts gegen Nackte hat.

Wie sagte zuletzt ein kluger Mensch im Zusammenhang mit dem Hype um Sexismus. Es ist nur die Oberfläche, auf der gesurft wird. Und bereits als bloßes Surfen auf der Oberfläche, kann Apples vermeintliches Gezicke bzw. saures Moralin kritisiert werden.

Auch oberflächlich argumentiert, sollte meiner Meinung Einvernehmen darüber herzustellen sein, dass es bei Zensur niemals um „Geschmacksurteile“ gehen kann: Playboy/SI versus kiffende Hippie-Mädels gehen kann, hä?

LG am

Wolfram Heinrich 15.02.2013 | 10:12

47 Bilder von nackten Blumenkindern betrachtet Apple als anstößig. Dabei handle es sich um „dänisches Kulturerbe“, konterte Jens Lauridsen, Knudsens Verleger vom renommierten Kopenhagener Gyldendal Verlag

 

Diese Hippies sind aber auch eine wahre Landplage. Ein Hoserl könnten sie sich wenigstens anziehen.

http://1.bp.blogspot.com/_ELzM_S573r8/SQACTMCamAI/AAAAAAAAJmE/QdWIVt_qP-E/s400/michelangelo%27s+david+returns+2.jpg 

(Die Italiener hatten seinerzeit den "David" zwei Jahre in die USA ausgeliehen gehabt. Dort muß er wohl ein bisserl viel fettiges Junk-Food erwischt haben.)

 

Naomi  Wolfs von Kritikern verrissenes Buch Vagina pixelte der Konzern zwar im Titel.

 

Solche Sachen traut sich kein Satiriker ausdenken. Noch dezenter, noch keuscher als mit Medizinerlatein kann man die Sache doch gar nicht bezeichnen. Oder läßt die bloße Tatsache, daß eine Frau so ein Dings zwischen den Beinen hat, schon ohnmächtig vom Stuhl kippen?

Was bin ich als Kind zusammengezuckt, als plötzlich in der Karfreitagsmesse, die damals noch auf Lateinisch gehalten wurde, das Wort "vagina" auftauchte. Ich hatte gottlob den Großen Schott dabei, in welchem die gesamte lateinische Liturgie verzeichnet war.

Tatsächlich, da war es: "dixit ergo Iesus Petro mitte gladium in vaginam" - Und also sprach Jesus zu Petrus: "Stecke dein Schwert in die Scheide".

Als Katholik machst was mit.

Übrigens teilt sich Mösien auf in Obermösien und Niedermösien.

 

Ciao

Wolfram

anne mohnen 15.02.2013 | 10:51

  @ Lieber Wolfram,

schönes Photo ;))

Und in der Tat gerät nicht nur die Antike immer etwas aus dem BILD, das Mädchen von Seite 3 musste weichen bzw. sich was überziehen, damit Springer mit Apple Geschäfte machen konnte. Hier sogar-  um im Bild zu bleiben - gerät "Mann" aus dem Leim:)))  Ich empfehle für alle noch nicht "Versteinerten" BILDderFrau Diät.

Die Vatikan-Bibliothek und all die Fresken und Kunstwerke könnten für die Amerikaner eine echte Herausforderung werden, da hast Du Recht. Vor allem, wenn es um den  Südostasien-Markt geht : "Angkor". Aber das verwildert eh im Dschungel.

Ob die Kalifornier Ovid oder Rumis  jemals ver-apple-n werden ? Was passiert, wenn die auf die mit erotischen Metaphern gespickten religiösen Gedichte eines  hl. Johannes vom Kreuz stoßen?

Oder Lady Chatterleys Lover : als e-book ,wie geeignet für den Freitagnachmittagsstau auf ner Bundesstraße oder Autobahn?

LG am

anne mohnen 15.02.2013 | 11:50

@ Tlachuache

Ja, ich war schon einmal dort. Es ist ein wunderbarer Ort: Magie!

Zwischen dem 9. Und 13. Jahrhunderte entstand in Indochina eines der mächtigsten und faszinierendsten Reiche seiner Geschichte: das Khmer Reich. Von Indien herkommend, modifizierten die Khmer Hindi und Buddhhariten entsprechend ihrer Wirklichkeit.

Die überbordende Erotik in Architektur, Plastik sowie dekorativer Schönheit ist inspiriert von einer Symbolik, welche kosmische Fruchtbarkeit und den Wohlstand des Reiches symbolisiert.

Die riesige Anlage, eine Stadt, liegt in mehr oder minder großen Wasserflächen, was es klimatisch nicht einfach macht, dort auszuharren. Jedenfalls fällt es mir schwer.

Würde man z.B. Inder heute dort hinkarren, die würden das in der Regel alles - die Symbolik, die Götter- nicht verstehen. Bei hoher Sexualisierung der Bevölkerung, herrscht da ja auch offiziell ein verlogene, verschiemelter Puritanismus vor. Insofern spricht ja vieles dafür, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. Auch so eine Ungereimtheit von Apples.

Übrigens ein tolles inzwischen antiquarisch erhältliches Buch: Marilia Albanese: „Angkor“. (2002)

Ich habe mich übrigens über Umwege -Hélène Cixous-  dafür entflammt: L’Histoire terrible mais inachevée de Norodom Sihanouk, roi du Cambodge (Théâtre du Soleil, 1985; nouvelle édition corrigée 1987), dt. Die schreckliche, aber unvollendete Geschichte von Norodom Sihanouk, König von Kambodscha. Köln: Prometh-Verl., 1988. Man sieht, wie blödsinnig Apples Prinzipien sind.

LG am

Wolfram Heinrich 15.02.2013 | 12:03

@anne mohnen

Die Vatikan-Bibliothek und all die Fresken und Kunstwerke könnten für die Amerikaner eine echte Herausforderung werden, da hast Du Recht.

 

In diesem Zusammenhang fällt mir das Marmorbildwerk "Die Verzückung der Hl. Theresa von Avila" von Gian Lorenzo Bernini ein. Bernini hat das Werk um 1650 im Auftrag des venezianischen Kardinals Federico Cornaro für die Familienkapelle der Cornaros in der Kirche Santa Maria della Vittoria in Rom geschaffen.

http://www.romaculta.it/Images/estasi_santa_teresa_high.jpg 

(auf das Bild klicken, um es in hoher Auflösung zu sehen)

Theresa von Avila, Bernini, Detail

"Bernini inspirierte sich an einer autobiographischen Erzählung der spanischen Mystikerin Theresa, Ende des 16.Jhdts. gerstorben, wo sie, in einer explodierenden Verzückung auf Wolken schwebend und der Erde entrückt, sich einem als Jüngling dargestellten Engel hingibt, der einen goldenen Pfeil von oben ihr entgegen schleudert. Das Erleben Gottes, wie es Bernini aus dem Carrara-Marmor herausgewonnen hat, gleicht verblüffend der Darstellung erotischen Erlebens und körperlicher Liebe. Bei der Enthüllung des Werkes soll es damals zu Aufsehen gekommen sein. Die erotischen Ausdrucksformen schienen den mystischen Gehalt zu überdecken. Unverhüllt wird hier gezeigt, wie eine Frau der Erotik Gottes erliegt.

Dabei ist die Darstellung keineswegs der Phantasie eines barocken Bildhauers entsprungen; Theresa selbst schildert ihre mystischen Erfahrungen so körperlich, dass man es gar nicht besser künstlerisch wiedergeben kann, als Bernini es getan hat:

[Es]wollte der Herr, dass ich den Engel in leiblicher Gestalt sehen sollte. Er war nicht groß, eher klein, aber sehr schön. [...] In den Händen des mir erschienenen Engels sah ich einen langen goldenen Pfeil; an der Spitze seines Eisens schien mir Feuer zu sein; es kam mir vor, als durchbohrte er mit dem Pfeil einige Male mein Herz bis ins Innerste, und wenn er den Pfeil wieder herauszog, war mir, als zöge er den innersten Teil meines Herzens mit heraus. Als er mich dann verließ, war ich ganz entzündet von feuriger Gottesliebe. Der Schmerz war so scharf, dass er mich zu vielen Seufzern trieb, und so groß war die Süßigkeit dieser Qual, dass ich niemals wünschen kann, sie zu verlieren, noch dass meine Seele mit weniger als Gott zufrieden sei. Es ist kein körperlicher Schmerz, sondern ein geistiger, obwohl der Körper Anteil daran hat, großen Anteil. Der Liebesverkehr, der seither zwischen meiner Seele und Gott stattfindet, ist so beglückend, dass ich den gütigen Herrn anflehe, er wolle ihn dem zu kosten geben, der etwa meint, ich würde hier lügen" (Website Roma Culta)

Der Engel lüpft das Gewand Theresas dort, wo der Busen liegt. Und bei Bernini zielt der Pfeil des Engels nicht auf das Herz Theresas, sondern dorthin, wo unter den Falten des Gewandes der Schoß verborgen ist.

Katholische Frömmigkeit ist nichts für Weicheier.

 

Ciao

Wolfram

hardob 15.02.2013 | 12:29

Die Applokalypse der Erdgoogle.

 

Um 1850 warnten Stadtplaner daher, dass die Straßen New Yorks wegen der Zunahme an Kutschen bis zum Jahr 1910 in meterhohem Pferdemist ersticken würden. Noch 1870 ging eine Londoner Prognose davon aus, dass auch die britische Hauptstadt durch den zunehmenden Verkehr im Mist versinken werde. (aus der SZ


Wer konnte damals ahnen, dass die Weltdstädte nicht unter Pferdeäpfeln ersticken werden. Sie ersticken unter den in Reinräumen gefertigten technischen Geräten mit Gehirnkochwaschprogramm.

 

"Apple macht von seiner Händlerfreiheit Gebrauch. Juristisch ist dagegen nichts einzuwenden. Apple ist ein Privatunternehmen und hat wie jeder Händler die Freiheit zu entscheiden, was er vertreiben will, oder auch nicht. "

Dass  gegen die Händler- und Handlungsfreiheit der applokalyptischen Reiter keine juristischen Einwände erhoben werden können, weist auf den Grad der Gehrinwäsche bei Gesetzgebern hin, bei denen man befürchten muss, dass sie schon gehirnamputiert sind. 

 

anne mohnen 15.02.2013 | 12:52

@ Lieber HARDOB,

ich bin gespannt, wie das Problem gelöst wird. Elbaek selber musste wegen eines anderen Skandals- Vetternwirtschaft- im Dezember 2012 zurücktreten.

Mir leuchtet das mit der Händlerfreiheit auch nicht ein, aber ich bin auch keine Juristin, kenne mich mit Handelsrecht und solchen Themen nicht aus.

Nur eine Überlegung: Wenn ich in eine Buchhandlung gehe, erwarte ich auch nicht, dass die alle Bücher auslegen, gehe davon aus, dass die eine Auswahl nach ihren Kriterien treffen, was völlig in Ordnung ist. Wenn ich dann etwa habe möchte, was die nicht vorhalten, kann ich es ja bestellen. Im Falle Apples ist es sogar so, dass die eine Rubrik „Adult“ vorhalten, wie gesagt, durchaus mit „nackter Haut“, durchaus Geld verdienen wollen.

LG am

tlacuache 15.02.2013 | 13:12

Liebe AM.

"Wenn ich dann etwa habe möchte, was die nicht vorhalten, kann ich es ja bestellen"

Die entscheidene Frage ist ob man "unerwünschte Bücher" noch bestellen kann, früher bist du eben in eine andere Buchhandlung gegangen, wenn eine Buchhandlung es nicht bestellen "wollte" oder "konnte".

Hardob hat das Problem erkannt:

Was ist, wenn der gehirngewaschene Gesetzgeber die Auswahl nicht zulässt?

Dann kann man einpacken, aus Pferdeäpfeln hat noch keiner Goethe gelesen und für Gutenberg waren Pferdeäpfel zu weich...

Gruss

anne mohnen 15.02.2013 | 13:24

@ Tlachuache

"Die entscheidene Frage ist ob man "unerwünschte Bücher" noch bestellen kann, früher bist du eben in eine andere Buchhandlung gegangen, wenn eine Buchhandlung es nicht bestellen "wollte" oder "konnte".

Ja, das ist die zu befürchtende Entwicklung, von der ich  in meinen Ausführungen schreibe: Wehrt euch gegen Monopolisten"  und bindet die Probleme in Kaufentscheidungen ein!

Es geht Apples auch nicht allein um  "unerwünschte" Bücher, sondern wie ich in meinen Infos verlinkte, z.B.  um "unerwünschte politische Cartoons" etc.

Sex zu zensieren, ist irgenwie PC-mäßiger, cooler.  Apple soll sich dabei sogar auf  "Interventionen" von Frauen berufen! Leider zitiere ich das Interview aus der NYT   nur aus zweiter Hand . Dort soll Apples Vize-President  sich auf  Feministinnen berufen; wie gesagt, ich kann das nicht belegen.

LG am

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Ehemaliger Nutzer 15.02.2013 | 13:33

Mir leuchtet das mit der Handelsfreiheit schon ein. Es ist doch so, dass die Dänen sich der Handlungsfreiheit bedienen, indem sie dies oder jene auf den Markt bringen. Genauso bedient sich Apple dies oder jenes icht auzunehmen. Nun sagen die Dänen unsere Handlungsfreiheit ist höher zu sehen, weil wir Kultur produzieren. Unser Marktzugang ist daher absolut zu sehen, der normale nur relativ. Diese Art der Anmaßung ist dem Kulturbetrieb seit langem eigen. So machen es die Theaterleute, wenn sie Stücke verhunzen, Suhrkamp wenn sie Geld in die eigene Kasse umlenken, oder K. verlegen usw. Oder Bild, wenn sie den ehem. BP mobben. Es ist aber die Freiheit etwas NICHT mitzumachen, ich will ja nicht gleich Rosa L. zitieren. Freiheit ist nun mal nicht selektiv auszulegen. Ich denke die Deutschen ud andere sollten mal den Begriff Kultur eine Zeitlang vergessen, eine Nummer runterfahren, den Begriff Zivilisation benutzen, der fragt nach dem richtigen Verhalten nach Vernunftgründen.

anne mohnen 15.02.2013 | 20:25
@ Lieber Wolfram, „Katholische Frömmigkeit ist nichts für Weicheier“, schreibst Du. Wohl wahr! Die Säulen des Katholizismus sind: die Schrift, Dogmen, Tradition. Letztere unterliegt ja einem deutlichen Wandel, den sogar die Kritiker mitbekommen. Ich finde die von Dir beigebrachten BiIder in diesem Zusammenhang besonders aufschlussreich. Ohne den Hintergrund, auf dem sie entstanden, sind sie doch gar nicht mehr verständlich: Theresa von Avilas Seelenführer war ja der hl. Johannes vom Kreuz, wohl der größte spanische Barockdichter. In dessen „Geistlicher Gesang“ reiht sich eine erotische Metapher an die andere, wie man es aus dem Hohen Lied kennt. Jedoch geht es in diesen Gesängen nicht um Erotik, wie Du annimmst, sondern um den Aufstieg der Seele zu Gott. Das ist nur scheinbar paradox; vom Paradox, von ganz viel Überschwang und Manierismus lebt das Barock. Weil die Liebe ist ja auch ein geistiges Erlebnis ist, zeigt der Künstler sie in seiner Körperlichkeit. In solch einer paradoxen "Verzückung" hat der Künstler die Hl. Theresa von Avila in Stein gehauen. Wenn man den Geistlichen Gesang vom Johannes vom Kreuz liest, dann klingt das alles sehr, sehr fremd. LG am
anne mohnen 15.02.2013 | 20:33
@ Liebe MIAMARIA, das mag ja für auch für die Hippie-Generation gelten. Nur ist das nicht der Tenor der Chronik. Und darum geht es! @ Lieber Zeitleser, Ihren Gedanken zu folgen, fällt mir schwer. Was setzen denn die Dänen absolut? Offenkundig haben sie in Absprache mit Apples u.a. Apps produziert, die die Amerikaner nicht mehr vertreiben wollen. Die Gründe liegen ja nicht glasklar auf dem Tisch. Das gehört zur Firmenpolitik Apples. Fiele meine Antwort pointierter aus, müsste ich wohl zu dem Schluss kommen, dass Apples einen so renommierten Verlag wie Gyldendal ganz bewusst vorführt. Was das alles mit Rosa Luxemburg zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht. Allerdings haben sie oben ihre Ausführungen zur Pornographie auch nur kryptisch in den Raum gestellt. Kennen sie die Hippie-Chronik? LG am
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Ehemaliger Nutzer 15.02.2013 | 22:02

Der barocke - jesuitische Katholizismus war schon sehr besonders. Die Auseinandersetzung damit. Kaiser Josef II und der Salzburger Erzbischof Colloredo, versuchten dagegenzuhalten, was ihnen sehr übel genommen wurde. Es war ein inbrünstiges Für wahr halten einer personalen Gottgläubigkeit. Also mit einer darstellenden Erotik hatte das nichts zu tun. Die Vorstellung dass man Barock und Hippie in Verbindung setzen kann, ist wohl ein Spiel mit den Versatzstücken aus der historischen Erfahrung, warum nicht, eine steile oder sogar geile These trägt zur Erheiterung immer bei. Und was ist wertvoller als erheitert zu sein?

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Ehemaliger Nutzer 15.02.2013 | 22:30

Ich bin in einem Alter, wo man die Sachen ex post betrachtet. 1969 hatten wir ein zwei Wochen Meeting in Jütland. Wir waren englische, dänische und deutsche Studenten. Hippie zu sin war für den dänischen Teil so ein bisschen Wikingersein, wir hauen mal auf den Klotz, so bayerisch halt. Sagen wir mal so: Der Unterleib ist bisher nicht ausreichend zur öffentlichen Anschauung augestiegen. Aber was so unschuldig neben Pölser und Rondstöcker, Würstchen und Wecken, auch angeboten wurde, das war schon heftig. Da blieb dem harmlosen Nichtdänen die Spucke weg.

Das ist die eine Erfahrung, die andere ist die aus meiner Zeit als Verwalter eines Kulturfonds. Was da so vorgeschlagen wurde, hatte mit Mutter Kultur garnichts zu tun, aber wenn ich es so sagte, dann war ich wie Josef II. shon zm Banausen deklariert. Ich bleibe völlig gelassen, wenn Körperteile zu Ansicht gebracht werden, wenn Apple sagt, das nehmen wir nicht ins Angebot (ist ihnen unbenommen), wenn Zensur gerufen wird und der Untergang der freiheitlichen Kultur des Abendlandes ausgerufen wird, ich kenne das Spiel und bleibe wie gesagt völlig entspannt. Aber Ihr Beitrag hat mir sehr gefallen, das darf ich doch hinzufügen, nicht wahr?

 

 

Wolfram Heinrich 16.02.2013 | 01:59

@Zeitleser

Mir leuchtet das mit der Handelsfreiheit schon ein. Es ist doch so, dass die Dänen sich der Handlungsfreiheit bedienen, indem sie dies oder jene auf den Markt bringen. Genauso bedient sich Apple dies oder jenes icht auzunehmen.

 

Wenn ich Inhaber eines Verlages bin, so habe ich die Freiheit, einen Text zu publizieren und einen anderen abzulehnen. Klar. Apple aber handelt nicht mit Texten, Apple handelt mit einem Gerät, mit dem man elektronisch geschriebene Texte lesen kann.

Hat der Optiker, der mir eine Brille verkauft, das Recht mir vorzuschreiben, was ich damit lesen darf? Darf die Autofirma, die mir einen Wagen verkauft, mir vorschreiben, wohin ich fahren darf und wohin auf gar keinen Fall?

Der FREITAG darf entscheiden, welchen Text ich hier, auf seiner Website, auf keinen Fall publizieren darf. Mozilla aber, von wo ich meinen Browser Firefox habe, darf auf keinen Fall darüber entscheiden, welche Texte oder Bilder ich im Internet lesen oder sehen darf.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 16.02.2013 | 04:39

@anne mohnen

@ Lieber Wolfram, „Katholische Frömmigkeit ist nichts für Weicheier“, schreibst Du. Wohl wahr! Die Säulen des Katholizismus sind: die Schrift, Dogmen, Tradition. Letztere unterliegt ja einem deutlichen Wandel, den sogar die Kritiker mitbekommen.

 

Dieser Wandel findet statt, richtig, er sollte es aber eigentlich nicht. Ich kann es nicht so recht nachvollziehen, wieso uns Gott vor, sagen wir mal, 3000 Jahren seine Wahrheit offenbart und diese Wahrheit dann in mehr oder weniger regelmäßigen Zeitabständen einem Update unterzogen werden muß. Ich mein, meine Wahrheit hat sich im Laufe von lediglich einigen Jahrzehnten deutlich gewandelt, aber ich bin auch nur ein armes Erdenwürmchen. Von Gott erwarte ich da schon mehr, sonst könnte ich ja gleich seinen Job machen.

 

Ich finde die von Dir beigebrachten BiIder in diesem Zusammenhang besonders aufschlussreich. Ohne den Hintergrund, auf dem sie entstanden, sind sie doch gar nicht mehr verständlich

 

Das nicht, aber Berninis Bildwerk packt vermutlich auch jemanden, der von den Hintergründen gar keine Ahnung hat.

 

Jedoch geht es in diesen Gesängen nicht um Erotik, wie Du annimmst, sondern um den Aufstieg der Seele zu Gott. Das ist nur scheinbar paradox; vom Paradox, von ganz viel Überschwang und Manierismus lebt das Barock. Weil die Liebe ist ja auch ein geistiges Erlebnis ist, zeigt der Künstler sie in seiner Körperlichkeit. In solch einer paradoxen "Verzückung" hat der Künstler die Hl. Theresa von Avila in Stein gehauen.

 

Nicht ich nehme irgendetwas an, ich habe lediglich zitiert. Was ich über das Bildwerk geschrieben habe, stammt, bis auf wenige Sätze, nicht von mir (achte auf die Anführungszeichen).

Seit den Zeiten von Theresa (die übrigens väterlicherseits von einem marrano, einem zum Christentum konvertierten Juden abstammte) und Bernini ist aber auch Sigmund Freud ein langes Leben lang über diese Erde gewandelt und hat uns viel erzählt über den innigen Zusammenhang zwischen sehr irdischer Erotik und hochgeistiger Spiritualität.

Theresa war eine Frau von immer schon äußerst schwacher Gesundheit (was sie nicht gehindert hat, 67 Jahre alt zu werden, sehr viel für damalige Zeiten). Als ganz junge Frau war sie sogar schon mal für tot gehalten worden. Sie trat in den Orden der Karmeliterinnen ein, nahm also (ganz offensichtlich freiwillig) ein Leben ohne Sexualität und irdische Erotik auf sich. Erfahrung lehrt uns, daß leibliche Begierden nicht einfach dadurch verschwinden, daß man sie nicht mehr haben möchte.

Wo also geht dieser nicht ausgelebte Trieb hin? Bei frommen Menschen geht er nicht selten in die Liebe zu Gott, zu Christus, zur Madonna (zur richtigen Madonna, nicht zu Madonna Louise Ciccione), ich sag das jetzt ganz ohne Spott und Häme.

Der spanische Film-Regisseur Luis Buñuel wurde in einer Jesuitenschule erzogen. Er erzählt, die Mönche dort hätten ihre Zöglinge dazu ermuntert... Also, wenn sie denn schon unbedingt masturbieren müßten, dann sollten sie dies vor einem (realen oder vorgestellten) Bildnis Mariens tun. Das klingt jetzt sehr nach Blasphemie, der längst zum Atheisten gewordene Buñuel selbst zeigte aber im Rückblick viel Verständnis für diesen Trick seiner Erzieher. Ein absolut genialer Schachzug, meinte er, unvermeidliche fleischliche Begierden, die - aus welchen Gründen immer - nicht sachgemäß befriedigt werden können oder dürfen, auf eine spirituelle Ebene zu heben.

 

Auf das Bildwerk von Bernini bin ich vor vielen Jahren durch ein Rundfunkfeature von Herbert Rosendorfer über das Barock aufmerksam gemacht worden. Hier ein Auszug aus dieser Sendung.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 16.02.2013 | 04:40

@Zeitleser

Der barocke - jesuitische Katholizismus war schon sehr besonders. Die Auseinandersetzung damit. Kaiser Josef II und der Salzburger Erzbischof Colloredo, versuchten dagegenzuhalten, was ihnen sehr übel genommen wurde.

 

Du meine Güte, Josef II. war der Aufklärung verpflichtet, zu seiner Zeit - und noch etliche Zeit später - konnte man mit dem Barock überhaupt nichts mehr anfangen. Diderot hatte in seiner Enzyklopädie noch geschrieben, "barock" sei der Superlativ von "bizarr".

 

Es war ein inbrünstiges Für wahr halten einer personalen Gottgläubigkeit. Also mit einer darstellenden Erotik hatte das nichts zu tun.

 

Das ist eine so bizarre, ja barocke Behauptung, die hätte ich gerne begründet.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 16.02.2013 | 04:42

@Zeitleser

Hippie zu sin war für den dänischen Teil so ein bisschen Wikingersein, wir hauen mal auf den Klotz, so bayerisch halt. Sagen wir mal so: Der Unterleib ist bisher nicht ausreichend zur öffentlichen Anschauung augestiegen. Aber was so unschuldig neben Pölser und Rondstöcker, Würstchen und Wecken, auch angeboten wurde, das war schon heftig. Da blieb dem harmlosen Nichtdänen die Spucke weg.

 

Hör mal, so geht das nicht. Du kannst hier nicht einfach etwas andeuten und dann schweigen. Was waren es denn für Schweinereien, die euch damals die Dänen neben Würstl und Semmeln geboten haben?

Ich mein, Würstl und Semmeln sind ja schon schweinisch genug.

http://www.carolinschick.de/wiener-wuerstchen.jpg 

http://isohost.de/stelmecke/upload/produkte/broetchen1203678170.jpg 

Ich wende mich jedes Mal angewidert ab, wenn ein(e) Hot-Dog-Verkäufer(in) ein erigiertes Würschtl in die einladend geöffnete Semmel rammt und dann Mayonnaise über das Ganze ejakuliert. Manchmal schauen sogar Kinder bei dieser Obszönität zu.

Die Welt ist sowieso eine einzige Sauerei, ich sage nur Volvo und Musik.

 

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 16.02.2013 | 10:09

Die Produktkombination ist heute aber sehr üblich. Insofern ist Apple nicht nur Anbieter eines technischen Geräts, sondern auch über Apps anderer Ware, hier ein Buch. Es könnte ja sein, dass die Firma wg. Verbreitung dieser Art Ware verklagt wird und dann hilft es ihr nichts wenn sie sagt, wir sind für Inhalte nicht verantwortlich, weil wir nur Technik produzieren. Somit Handelsfreiheit umfasst auch Risikoeinschätzung und die sehen das halt so. Was die Hippies 50 Jahre nach ihrem Aussterben noch bewirken! Chapeau!!!!

Wolfram Heinrich 16.02.2013 | 13:04

@Zeitleser

Die Produktkombination ist heute aber sehr üblich. Insofern ist Apple nicht nur Anbieter eines technischen Geräts, sondern auch über Apps anderer Ware, hier ein Buch. Es könnte ja sein, dass die Firma wg. Verbreitung dieser Art Ware verklagt wird und dann hilft es ihr nichts wenn sie sagt, wir sind für Inhalte nicht verantwortlich, weil wir nur Technik produzieren.

 

Das ist ein Dilemma, das sich Apple selber geschaffen hat. Apple will eben nicht einfach nur ein technisches Gerät anbieten, sondern die Firma will auch an der dort abgespielten Software mitverdienen.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 16.02.2013 | 13:05

@Zeitleser

Die Technik des Offenlassens oder Andeutens ist ja wohl weitverbreitet in der Literatur, ich bediente mich derselben.

 

Ja schon, aber ich bin halt ein Depp. Ich habe keine Ahnung, was die wilden Dänen da mit euch angestellt haben.

 

Die armen Pölser, nach dem ganzen Vorgang sind sie nicht mehr da.

 

Öha, haben die Dänen sich die Würschtl etwa - wie Jahrzehnte später der Lars Eidinger - in den Ars geschoben?

 

Ciao

Wolfram

anne mohnen 16.02.2013 | 13:34

16.02.2013 | 04:39  @anne mohnen

 „Dieser Wandel findet statt, richtig, er sollte es aber eigentlich nicht. Ich kann es nicht so recht nachvollziehen, wieso uns Gott vor, sagen wir mal, 3000 Jahren seine Wahrheit offenbart und diese Wahrheit dann in mehr oder weniger regelmäßigen Zeitabständen einem Update unterzogen werden muß. Ich mein, meine Wahrheit hat sich im Laufe von lediglich einigen Jahrzehnten deutlich gewandelt, aber ich bin auch nur ein armes Erdenwürmchen. Von Gott erwarte ich da schon mehr, sonst könnte ich ja gleich seinen Job machen.“

Nun, die Diskussion hatten wir ja schon öfters. Wenn eine der Säule von Religion –hier ausdrücklich als dritte Säule betont- Tradition ist, dann ergibt sich ja logischerweise Wandel daraus, denn Tradition bedeutet ja „Geschichte“, und die ist im Wandel.

Tradition, die sich mit Stilstand verwechselt kommt heute als „Fundamentalismus“ daher.

 „Sie trat in den Orden der Karmeliterinnen ein, nahm also (ganz offensichtlich freiwillig) ein Leben ohne Sexualität und irdische Erotik auf sich. Erfahrung lehrt uns, daß leibliche Begierden nicht einfach dadurch verschwinden, daß man sie nicht mehr haben möchte.“

Das bestreitet doch niemand. Nun ist Sublimierung ja keine Zwangshandlung.

Übrigens, danke für diesen Link zu Rosendorfer.

Zum Barock „Es war ein inbrünstiges Für wahr halten einer personalen Gottgläubigkeit. Also mit einer darstellenden Erotik hatte das nichts zu tun. Das ist eine so bizarre, ja barocke Behauptung, die hätte ich gerne begründet.“

 Im Zeitalter der Gegenreformation nutzen nicht nur die Fürsten ihre zunehmende Unabhängigkeit. Die katholische Kirche und die absolutistischen Herrscher demonstrieren mit überschwänglichen Kunstwerken der Barockkünstler ihr Repräsentationsbedürfnis und fesseln die Augen von Gläubigen und Untertanen  durch die Entfaltung von Prunk und Pracht. Der Maler Peter Paul Rubens sowie der Architekt und Bildhauer Gian Lorenzo Bernini sind wohl die berühmtesten Künstler dieser Versicherung von Macht. Gleichwohl kann sich das katholische Barock nicht der Gegenbewegung entziehen, dem in protestantisch regierten Gebieten entwickelten Naturalismus. Hier wird versucht die Realität dazustellen, wie sie ist. Das Gesehene, sieht man in den Bildern von Rembrandt oder Diego Velàzque, wo nichts geschönt wird. Und weil die Natur eine Manifestation des Göttlichen ist, und deshalb würdig ist, in all ihren vielfältigen Aspekten dargestellt und erforscht zu werden, diese Vielfalt des Ausdrucks.

Der im Dienste des Papstes Alexanders III stehende Bernini schreibt dazu: „Die Peterskirche ist gleichsam Urkirche schlechthin, und als solche benötigt sie einen Pontikus, der eindeutig die Geste der ausbreitenden Arme umsetzt, mit ihrem Glauben, die Häretiker zur Wiederaufnahme in die Kirche und die Ungläubigen zur Erleuchtung im einzig wahren Glauben empfangen werden.“

Also, es geht auch um ganz viel Politik und Propaganda! Die Spiritualität einer Theresa, die ja ganz im Dienste der Gegenreformation stand, ist dann auch eine Überhöhung eines aufziehenden Naturalismus in der Darstellung. Der Manierismus ist bereits aus der Antike bekannt. So halten sich Traditionsstränge im Wandel;)

LG am

 

anne mohnen 16.02.2013 | 13:40

@ Lieber Mateo,

danke für den Link. Warum wird Apple so gehypt?

Steve Jobs war ein Marketing- und Rhetorikgenie. Das ist unbestritten. Und das hat dann auch getragen, als das Unternehmen seine Technologie nicht mehr gegen Microsoft behaupten konnte.

Inzwischen ist Apple große Allianzen eingegangen: Google; auch Springer nutzt nur noch Apple Produkte, heißt es. Und aus der Liste, die Sie verlinken, lieber Mateo, geht doch die Marktstellung des App-Store hervor.

Wichtig wäre zu diskutieren, warum ein so mächtiger Verlag wie Springer oder andere einfach einknicken.  Und hier geht es eben um Verbindungen, um Marktanteile, Interessen, die man zusammen mit den Kaliforniern bündeln und generieren will.

Deshalb finde ich es auch so merkwürdig, wenn Apples Zensur unter dem Etikett „hipp aber prüde“. Das ist Oberflächengesurfe auch von der SZ, die ja im November als erste und über das Thema berichtete. Dann zogen wenige andere nach. Offensiv wird das in den nordamerikanischen Print-und Online-Zeitungen diskutiert.

LG am

oi2503 16.02.2013 | 13:41

„Wenn ich Inhaber eines Verlages bin, so habe ich die Freiheit, einen Text zu publizieren und einen anderen abzulehnen. Klar. Apple aber handelt nicht mit Texten, Apple handelt mit einem Gerät, mit dem man elektronisch geschriebene Texte lesen kann.

Hat der Optiker, der mir eine Brille verkauft, das Recht mir vorzuschreiben, was ich damit lesen darf? Darf die Autofirma, die mir einen Wagen verkauft, mir vorschreiben, wohin ich fahren darf und wohin auf gar keinen Fall?“

Da ist dir leider das Beispiel verrutscht, ich versuche es mal wieder gerade zu rücken. Muss denn der Optiker wirklich jedes Modell jeder Firma annehmen und seinen Kunden auch jedes Produkt jeder Firma verkaufen, auch wenn er es sch*** findet? Da kommen dann also Rodenstock, Gucci, Ray Ban und wie sie alle heißen und knallen dem Optiker das Sortiment von Edel bis Ramsch um die Ohren, der Laden quillt über, das Lager birst, die Kasse ist leer und der Kunde weiß nicht mehr, für was der Händler steht (Positionierung)? Nein, so läuft das zum Glück für den Handel nicht.

Warum eigentlich ist für dich klar, dass der Verlag selbstverständlich Manuskripte ablehnen darf der Handel aber nicht? Den Unterschied, den du da siehst, hätte ich dann doch gerne noch verstanden.

Klar darf der Autohändler dir nicht vorschreiben, wohin du zu fahren hast. Wenn es aber nun mal ein Opel-Händler ist, solltest du dich nicht wundern, wenn du da nur ganz wenige Daimler findest.

Zu Apple. Das wichtigste Kapital des Unternehmens ist seine Marke (Kult, Kult, Kult). Mit der und auf Grund ihrer Strahlkraft lassen sich seine Produkte zu zum Teil weit überhöhten Preisen verkaufen. Die Äpfel werden alles unternehmen, um ihre Marke zu schützen. „Reinheit“, no porn,  – guckt euch mal die Auftritte und das Design an – dürfte, vor allem in ihrem Heimatmarkt USA, in deren Denke eine wichtige Rolle spielen.

„Der FREITAG darf entscheiden, welchen Text ich hier, auf seiner Website, auf keinen Fall publizieren darf. Mozilla aber, von wo ich meinen Browser Firefox habe, darf auf keinen Fall darüber entscheiden, welche Texte oder Bilder ich im Internet lesen oder sehen darf.“

Mozilla tut es nicht. Dürfen dürft sie vielleicht schon. Wenn z.B. Mozilla ab Morgen sagt, es navigiert nicht mehr zu pornografischen oder rechtsradikalen Seiten ist – glaube  ich – dagegen wenig zu machen.

 

anne mohnen 16.02.2013 | 13:44

das bezieht sich auf:

@ Lieber Wolfram am 16.02.2013 | 04:40 und @ Zeitleser  und Wolfram Heinrich

Die Abbildung des Fauns, die Du eingestellt hast, ist damit auch keine S***erei. Nur, wenn man diese kunstgeschichtlichen Hintergründe abzieht, reduziert sich das aufs Geschlechtsteil.

Und naoch ein PS: Was den grandiosen spanische Film-Regisseur Luis Buñuel anbelangt, hat der ja in seinen Filmen versucht, das „komplexe“ Verhältnis- Obsessionen, Vorleiben -  der Bourgeoisie zur Sexualität aufzudecken.

anne mohnen 16.02.2013 | 13:49

@ Lieber Wolfram,

das Beispiel – Brötchen und Wiener- zieht zunächst nicht (obwohl Jobs ja als Vegetarier da auch seinen persönlichen Ekel einbringen können). Apple kapriziert sich auf „nackte Haut“. Das sollte aber aus meinem Beitrag hervorgegangen sein. Und das ist auch der Clou, dass die das so unbestimmt lassen.

Diese schlichte Botschaft –nackte Haut – liefert denen schnell Anlass zur „Intervention“: Bei entsprechend intransparenter Informationspolitik verdichtet sich die schlichte Firmendiktion – gegen falsche Programme und Pornographie“ zum „Programm Zensur“ oder eben zu  Gängelei. Um Letzteres, das ist inzwischen mein Eindruck, geht es im Falle Gyldendals.

Dazu passt dann auch, dass, einem expliziten Frauenbild folgend, die „Möpse-Maries“ deutscher oder dänischen Zeitungen weggemoppt werden, während die aus dem Playboy und SI bleiben dürfen. Das ist ja kein Widerspruch, sondern Ausdruck von Machtspielchen.

Mit seinem Gebaren  und Anstrengungen  um Marktführerschaft, steht Apple nicht allein da: Amazon und hierzulande Weltbild Verlag.

Interessanter finde ich dann auch den Aspekt mit diesen Skulpturen, sogar des sakralen Bereichs.  Nun ist seine Kundschaft nicht auf „Barockkunst“ abonniert.

Nachdem die  auch politische Cartoons zensieren, ist es eben nicht mehr ein Problem nackter Haut. Insofern ist Dein „Wurstsemmelbeispiel“ bereits eine vorauseilende Karikatur sich ausweitender Zensurpolitik Apples.

LG am

oi2503 16.02.2013 | 13:52

"Was setzen denn die Dänen absolut? Offenkundig haben sie in Absprache mit Apples u.a. Apps produziert, die die Amerikaner nicht mehr vertreiben wollen. Die Gründe liegen ja nicht glasklar auf dem Tisch. Das gehört zur Firmenpolitik Apples. Fiele meine Antwort pointierter aus, müsste ich wohl zu dem Schluss kommen, dass Apples einen so renommierten Verlag wie Gyldendal ganz bewusst vorführt."

Tja und dazu gehört eben jemand, der sich vorführen lässt. Wenn ich eine Abmachung habe und in Vorleistung treten muss, dann schließe ich einen schriftlichen Vertrag über Leistung und Gegenleistung inkl. Pönalen im Falle der Nichterfüllung. Wenn ich das - vor allem mit einem so großen Unternehmen - nicht mache, habe ich etwas falsch gemacht. Irgendwie.

anne mohnen 16.02.2013 | 14:25

@ Zeitleser 15.02.2013 | 22:30  @anne mohnen & Zeitleser 15.02.2013 | 22:02 @anne mohnen & Zeitleser 16.02.2013 | 10:09 @Wolfram Heinrich

Sie bewerten diese dänischen Hippie-Zeit , das ist völlig in Ordnung. Und wenn ich die Photos sehen, die ich diese Zeit nicht so erleben konnte, wie Sie es konnten und taten, ausblende, die Chronik zu kennen, finde ich diese Hippies bisweilen komisch. Ich brachte ja schon das Beispiel von auf Parkplätzen mit nacktem Unterleib herumlaufenden Leuten. Aber wieso sollte darüber keine Geschichtsdokumentation geschrieben und vertrieben werden? Wie Jens Lauridsen von Gyldendal betont,  geht es bei und in Chronik nicht um die Verbreitung von Pornographie!

(1)                Wolfram Heinrichs bizarres, scheinbar weithergeholtes  Beispiel von „Brötchen und Wurst“ führt in der Tat zu der Frage: Sind Ritter, Heilige nicht auch furchtbar komisch und sollte man darüber Bildbände nicht auch verbieten? Reicht –nackte Haut- aus, um solche Zensur vorzunehmen.

(2)                Und die Diskussion ums Barock. Nun, Sie wissen wie Diskussionen im Thread laufen. Da kommt eins zum anderen. Dennoch passt die Analogie. Denn das Barock zeitalter ierschließt sich nicht so ohne weiteres, was ja die Diskussion um  “Gesichtsausdrücke“ zeigt. Man könnte das eben auch ganz krude sehen.

(3)                 Meines Erachtens greift Ihr Einwand -Händlerfreiheit- nur solange die wirtschaftlichen Interessen, Apples Marktstellung und die Verschiebungen auf dem Buch- und Medienmarkt ausgeblendet werden

(4)                Es ist ja auch so, dass Apple nicht nur die Hardware baut, sondern auch dank der Allianzen – Google, mächtige Verlage- seine Marktstellung so ausgebaut hat, dass sein App-Store auch für andere Konkurrenten wichtig geworden sind. Ein Blick in die Liste. Die Mateo verlinke, gibt darüber Aufschluss

(5)                Zu Recht schreiben Sie „Die Produktkombination ist heute aber sehr üblich. Insofern ist Apple nicht nur Anbieter eines technischen Geräts, sondern auch über Apps anderer Ware, hier ein Buch.“ Deshalb ist auch die EU gefordert – wegen möglicher Monopolentwicklungen. Um Ähnliches ging es ja schon mal bei Microsoft.

(6)                „Somit Handelsfreiheit umfasst auch Risikoeinschätzung“, schreiben Sie. Inder Tat betreibt Apple Einschätzungen. Mein Verdacht ist ja, dass Apple aus Gründen unterschiedlicher Art Risikoeinschätzung betreibt, z.B. in möglichst vielen Ländern der Erde, Produkte aus seinen App-Stores absetzen zu können. Jedoch können daraus eine Menge Schussfolgerungen gezogen werden: „Think different“ könnte dann u.a. nicht mit dem Anspruch auf „Freiheit des Ausdrucks“ zu tun haben und insofern "Hut ab", wenn durch diese "Hippie-Chronik", Apples in seine  Schranken verwiesen würde.

LG am

 

oi2503 16.02.2013 | 15:43

"waren die genehmigten Apps ja bereits entsprechend bearbeitet."

Aber genau das meine ich doch. Die Apps sind genehmigt, es entsteht Arbeit, Kosten fallen an. Da habe ich doch vorher einen Vertrag, in dem geregelt ist,

- dass ich die in dieser Form produzieren kann/darf

- dass sie auf der Platform den Apple-Kunden zur Verfügung gestellt werden

- eine Mindestlaufzeit (Kalkulation Kosten vs. prognistizierte Einnahmen).

Wenn ich das nicht tue bin ich entweder blöd oder ich bekomme das bei Apple nicht hin, weil die dazu zu arrogant sind. Dann ist es meine Entscheidung mich auf die Unsicherheit (und auf die Marktmacht und damit einen großen Vertriebskanal, die Dollarzeichen in den Augen funkeln) einzulassen oder eben nicht.

So, nun soll von mir aus aber auch gut sein, weil es mit dem eigentlichen Thema wirklich relativ wenig zu tun hat (im Hintergrund aber immer mitswingt, denn wenn Apple irgendein Krauter wäre, hätte der Verlag keine App produziert und die ihm entgehenden Einnahmen wäre nicht so hoch).

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Ehemaliger Nutzer 16.02.2013 | 16:52

Jeder Hersteller von Maschinen ist heute auch Dienstleister, Nutzerschulung, Wartung usw., würde dies nicht mitangeboten, dann könnte das Unternehmen einpacken. Jeder Tankstellenbetreiber ist heute Schokoverkäufer usw. während der Kunde unbezahlter Dienstleister im Auftrag des Tankstellenbetreibers ist, was mit self service nett umschrieben wird. Früher gab es ja den Tankwart. Nun ist auch der Kulturbetrieb in viele Vertriebswege zerstückelt, was nicht dazu geführt hat, dass der einsame Produzent eines Buches selbst wenn er Erfolg hat nicht davon leben kann. Insofern schlägt mein Herz nicht in die Richtung der Kontrolle von Verwertern sondern in die der Erstproduzenten. Wer bitte schön kümmert sich um die Hippies, deren inzwischen welke Haut vielleicht auch ein bisschen Geld vertragen könnte. Bekommen die etwas davon, wenn die EU dem Verlag den Weg in die Apple Adds freigeboxt haben sollte. Na ja der Knoten ist gordisch und die Welt boshaft und immer eigensüchtig. Das wusste man schon im Barock, wie die Barockliteratur ständig nachweist: Alles ist Eitelkeit auf Erden, was der eine schreibt, will ein anderer nicht vertreiben - jedenfalls so ähnlich sagte es schon Andreas Gryphius.

miauxx 16.02.2013 | 17:52

"Apple macht von seiner Händlerfreiheit  Gebrauch. Juristisch ist dagegen nichts einzuwenden. Apple ist ein Privatunternehmen und hat wie jeder Händler die Freiheit zu entscheiden, was er vertreiben will, oder auch nicht."

Damit ist in meinen Augen alles gesagt. Ich verstehe nicht, wie man überhaupt auf die Idee von "Zensur" kommen kann oder dass an diesen Vertriebsentscheidungen Apples irgendetwas "juristisch" zu rütteln sein könnte?!

"Es mag Europäer noch so erstaunen, dass eine Marke, die sich avantgardistisch präsentiert, sich unaufgeklärt und zugeköpft geriert."

Erstaunt mich nicht. Bin ich da eine Ausnahme? Ich meine, S. Jobs hat Computer verkauft, Apple verkauft Computer und Zugehöriges. Was soll ich denn von solchen Leuten erwarten?

"47 Bilder von nackten Blumenkindern (...) Dabei handle es sich um „dänisches Kulturerbe“, konterte Jens Lauridsen"

Gut gelacht!

anne mohnen 16.02.2013 | 18:31
@ Lieber Miauxx, offenkundig reicht die Gesetzgebung nicht aus. Darum geht es ja auch in den Schreiben und Anfragen des dänischen Kulturministers an seine Amtskollegen und an die EU-Kommissarinnen. Und so entstehen ja nicht selten Gesetze, aufgrund von Lücken, wegen veränderter Situationen; Globalisierung etc. Schönes Weiterlachen beim Spiel um Monopole resp.Verlagssterben am
Wolfram Heinrich 16.02.2013 | 18:39

@anne mohnen

„Dieser Wandel findet statt, richtig, er sollte es aber eigentlich nicht. Ich kann es nicht so recht nachvollziehen, wieso uns Gott vor, sagen wir mal, 3000 Jahren seine Wahrheit offenbart und diese Wahrheit dann in mehr oder weniger regelmäßigen Zeitabständen einem Update unterzogen werden muß. Ich mein, meine Wahrheit hat sich im Laufe von lediglich einigen Jahrzehnten deutlich gewandelt, aber ich bin auch nur ein armes Erdenwürmchen. Von Gott erwarte ich da schon mehr, sonst könnte ich ja gleich seinen Job machen.“

Wenn eine der Säule von Religion –hier ausdrücklich als dritte Säule betont- Tradition ist, dann ergibt sich ja logischerweise Wandel daraus, denn Tradition bedeutet ja „Geschichte“, und die ist im Wandel.

 

Aber Wandel ist doch ziemlich merkwürdig, wenn es sich um eine Göttliche Offenbarung handelt. Handelt es sich aber nicht um eine Göttliche Offenbarung kracht das Fundament der monotheistischen Religionen zusammen.

 

Nun ist Sublimierung ja keine Zwangshandlung.

 

Eine Zwangshandlung ist sie sicher nicht, aber Sublimierung ist zwangsläufig, wenn der Trieb unterdrückt wird. Irgendwo muß das Zeug ja raus.

 

Die Spiritualität einer Theresa, die ja ganz im Dienste der Gegenreformation stand, ist dann auch eine Überhöhung eines aufziehenden Naturalismus in der Darstellung.

 

Das schließt natürlich nicht aus, daß es sich auch um eine Sublimierung von Sexualität handelt. Im zitierten Text von Theresa ist die Sexualität ja direkt mit Händen greifbar.

 

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 16.02.2013 | 18:49

Der Sachverhalt ist ja klar dargestellt, auch wenn die Hippies da doch sehr stören. Die erste und letzte Frage lautet doch, liegt eine monopolistische Struktur vor. Welche Gesinnung der oder ein anderer Marktteilnehmer hat, ist egal. Es müssen nur genügend Konkurrenten und somit andere Zugänge zum Markt vorhanden sein. Ich weiß darüber nichts ob auch nur ansatzweise der Apple shop so eine Stellung hat oder je erringen könnte. Erst wenn diese vorliegt, ist die Kommission aufgerufen, dass das bei Microsoft der Fall war (wg. Browser) ist ja bekannt.

Wolfram Heinrich 16.02.2013 | 19:14

@oi2503

Da ist dir leider das Beispiel verrutscht, ich versuche es mal wieder gerade zu rücken. Muss denn der Optiker wirklich jedes Modell jeder Firma annehmen und seinen Kunden auch jedes Produkt jeder Firma verkaufen, auch wenn er es sch*** findet?

 

Gehen wir zum Mediamarkt. Der Mediamarkt verkauft Produkte von Apple, mit denen man eBooks lesen kann. Daneben verkauft er auch Geräte von anderen Firmen (spontan fällt mir nur Kindle ein, ich kenne mich auf dem Markt so gut wie nicht aus), mit denen man ebenfalls eBooks lesen kann. So weit, so gut.

Die eBooks, von denen es inzwischen sehr viele gibt, sind technisch so gestaltet, daß sie lediglich auf einem der Lesegeräte laufen (jedenfalls ist das mein Informationsstand, korrigiere mich bitte, wenn ich Dreck rede). Das erinnert mich an den Stand der Videotechnik vor 30, 35 Jahren, damals gab es BetaMax, VHS und Grundig-Kassetten, damit konntest du dir nur die Filme anschauen, die es in deinem Format gab. Damals aber hatte der Filmanbieter immerhin noch die Freiheit, seine Filme in einem der drei Formate oder gar in allen anzubieten.

Will ich mir den Zugang zur gesamten digitalisierten Literatur verschaffen, so muß ich mir drei, vier, fünf oder wie verschiedene Geräte kaufen. Ein Unding, teuer wie die Geräte sind.

Entscheide ich mich für Apple, dann bin ich auf die eBooks angewiesen, die auf dem Apple-Gerät laufen. Die Verschärfung zur damaligen Situation auf dem Video-Markt besteht darin, daß Apple (und Kindle) darüber entscheiden, welche Bücher oder Zeitschriften für ihr Lesegerät angeboten werden dürfen. Der Verlag, der ein Buch digitalisieren möchte, ist darauf angewiesen, daß Apple ihm den Zugang zum Gerät öffnet.

Verweigert Apple dies, ist dieses eBook für Apple-Kunden nicht mehr zugänglich. Die Geschichte der Videorecorder hat uns gelehrt, daß sich schließlich das VHS-System durchgesetzt hat. Nehmen wir mal an, das Apple-Gerät setzt sich durch und schaltet die Mitbewerber aus. So was geht sehr schnell, wenn eine Marke erst mal etwas besser verkauft wird. Je besser sich ein Gerät verkauft, desto eher werden Verleger auf dieses Format zurückgreifen, um ihre Bücher zu digitalisieren, das heißt die Konzentration beschleunigt sich in rasendem Tempo und binnen weniger Jahre sind die Konkurrenzprodukte außen vor.

Bei den Videorecordern blieb die Entwicklung harmlos, und zwar deshalb, weil die Hersteller von VHS-Geräten niemals die Möglichkeit hatten, den Filmanbietern die Überspielung der Streifen auf VHS-Kassetten zu verbieten.

Apple hat diese Möglichkeit. Das heißt wird in naher Zukunft bestimmen können, was die Leute, die ihre Bibliothek in digitalisierter Form mit sich herumtragen wollen, lesen dürfen und was nicht.

Das ist der Punkt! Und dieser Punkt sollte eigentlich alle Alarmglocken schrillen lassen.

 

 „Der FREITAG darf entscheiden, welchen Text ich hier, auf seiner Website, auf keinen Fall publizieren darf. Mozilla aber, von wo ich meinen Browser Firefox habe, darf auf keinen Fall darüber entscheiden, welche Texte oder Bilder ich im Internet lesen oder sehen darf.“

Mozilla tut es nicht. Dürfen dürft sie vielleicht schon. Wenn z.B. Mozilla ab Morgen sagt, es navigiert nicht mehr zu pornografischen oder rechtsradikalen Seiten ist – glaube  ich – dagegen wenig zu machen.

 

Noch gibt es andere Browser, der Wechsel von einem zum anderen ist ganz leicht möglich, großteils sogar ohne Kosten für mich. Baut Firefox also Filter ein, die ich nicht mehr konfigurieren kann, werde ich mich auf einen anderen Browser umstellen. Die Situation bei den eBook-Readern ist aber die, daß jeder Anbieter mir aufgrund technischer Vorgaben den Zugang zu ganz vielen Büchern nicht ermöglicht.

 

Ciao

Wolfram

anne mohnen 16.02.2013 | 19:35

@ Wolfram

Das ist kein Blog über das Barockzeitalter, seine Theologie oder über Bernini. Was Letzteren anbelangt ,empfehle ich Dir als passionierte Hobby-Kunsthistorikerin und an Religion Interessierte: Bernini - The Sculptor of the Roman Baroque von Rudolf Wittkower. Wenn auch bereits im Jahre 1955 erschienen, ist die Monographie Grundlage für alle späteren Studien und Auseinandersetzungen mit Bernini. Da erfährst Du dann -  aus berufenem Munde, dass es sich eben nicht um Offenbarung handelt.

Eine Zwangshandlung ist sie sicher nicht, aber Sublimierung ist zwangsläufig, wenn der Trieb unterdrückt wird. Irgendwo muß das Zeug ja raus.“  Das ist Blödsinn- außer man betrachtet jede Lernleistung bereits als Zwang, Herr Dott. Dipl. Heinrich ;)))))))

LG am

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Ehemaliger Nutzer 16.02.2013 | 19:43

Normalerweise verbieten Ihnen Verwerter den Zugang nicht, sondern bieten Ihnen so viel wie nur möglich an, denn damit verdienen sie ja ihr Geld.

Das ganze ist eine wettbewerbsrechtliche Grundfrage, die weder Sie noch ich noch der Verlag X noch die dänische Kulturministerin klären können. Das macht die Kommission als Hüterin des Wettbewerbsrechts und die muss abwägen, liegt ein Verstoß vor, dann gibt es möglicherweise ein Verfahren vor dem E. Gerichtshof, das ist alles tausendmal so durchlaufen worden seit dem berühmten Cassis de Dijon - Likör vor nun auch bald 50 Jahren.

 

Wolfram Heinrich 16.02.2013 | 19:45

@anne mohnen

Die Abbildung des Fauns, die Du eingestellt hast, ist damit auch keine S***erei. Nur, wenn man diese kunstgeschichtlichen Hintergründe abzieht, reduziert sich das aufs Geschlechtsteil.

 

Sowieso. Wie ich an anderer Stelle schon schrieb: "...wenn Nackigkeit und Sex gemalen oder gebildhauen ist, dann ist das Kunst und keine Sauerei nicht. Fotografiert dagegen..."

 

Und naoch ein PS: Was den grandiosen spanische Film-Regisseur Luis Buñuel anbelangt, hat der ja in seinen Filmen versucht, das „komplexe“ Verhältnis- Obsessionen, Vorleiben - der Bourgeoisie zur Sexualität aufzudecken.

 

"Vorleiben" ist in diesem Zusammenhang ein ganz wunderhübscher Verschreiber.

Und seine Filme ändern nichts an seiner luziden Analyse des Zusammenhangs von Sexualität und Spiritualität. Sind nicht katholische Nonnen Bräute Christi?

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 16.02.2013 | 19:46

@anne mohnen

das Beispiel – Brötchen und Wiener- zieht zunächst nicht (obwohl Jobs ja als Vegetarier da auch seinen persönlichen Ekel einbringen können). Apple kapriziert sich auf „nackte Haut“. Das sollte aber aus meinem Beitrag hervorgegangen sein.

 

Die Semmel und das Wienerle, sowie meine Schilderung der Hot-Dog-Herstellung haben mit Apple überhaupt nichts zu tun. Zeitleser hatte was von irgendwelchen merkwürdigen Vorgängen in Dänemark während seiner Studentenzeit erzählt, wollte sich aber nicht näher dazu erklären.

 

Dazu passt dann auch, dass, einem expliziten Frauenbild folgend, die „Möpse-Maries“ deutscher oder dänischen Zeitungen weggemoppt werden...

 

In aller Bescheidenheit schlage ich die Formulierung "weggemopst" vor.

 

Ciao

Wolfram

anne mohnen 16.02.2013 | 20:18

@  Oi2503 16.02.2013 | 15:43

Lieber Oi2503,

ich habe versucht alles darzulegen  und gehe davon aus, wegen der vielen vergeblichen Nachfragen nicht nur des Verlags bei Apple, des öffentlichen Autorbriefes, der Anfragen des dänischen Kulturministers bei der EU infolge der Bunkerhaltung von Appls und sich aufwerfender Rechtsfragen, dass ein renommierter Verlag wie Gyldendal weiß, was er tut und nicht einfach mal auf gut Glück, mit der Gefahr für die Halde zu produzieren, die Angelegenheit angegangen ist.

Für detaillierte Vertrags- und Procedere-Studien bleibt es Ihnen unbenommen beim Verlag um Auskunft zu bitten, oder bei der EU den Sachstand zu erfragen.

Optikerbeispiel: Das habe ich doch sowohl in meinem Text als auch weiter oben ausgeführt! Aber gerne noch mal: Natürlich muss der Optiker, ein Buchhändler nicht alles vorhalten. Ich habe als Brillenträgerin noch nie erlebt, dass ein Optiker mir ein Modell vorenthält, oder ein Buchhändler mir ein Buch nicht bestellte, was es auf dem Markt gibt. Wenn Sie  nicht die Tragweite erfassen wollen oder können, um die es letztendlich geht, liefe das zumindest auf den Vorwurf  auf den Vorwurf Servicewüste hinaus- Also, noch mal sinnieren über das Beispiel mit dem Kiezbuchhändler und dem Möbelhaus, dass nur Regale verkaufen möchte und dann noch bestimmen will, welche „Produkte“, da abgestellt werden sollen.  Und dann erklärt Wolfram das auch. Der war mal wieder schneller.

LG am

 

anne mohnen 16.02.2013 | 20:32

@ oi2503 16.02.2013 | 15:46 @anne mohnen & @ oi2503 16.02.2013 | 15:52 @anne mohnen

Also, lieber Oi2503, der TAZ-Artikel, den Sie wohl kaum als kritische Bemerkung einfließen lassen wollen, ist unglaublich oberflächlich.

Dagegen:

- Digitale Revolution Wie wollen wir lesen? Bücher sind nicht mehr, was sie waren: Heute werden Bestseller im Internet verbreitet, Amazon bringt eigene Titel heraus. Was bedeutet die digitale Revolution für die Literatur? Die Schriftstellerin Juli Zeh hat ein Werkstattgespräch mit den Verlegern Michael Krüger und Helge Malchow geführt. DIE ZEIT, 15.11.2012 Nr. 47

Da heißt es entgegen der hier im Thread behaupteten Verharmlosung: „" Wir erleben eine tief greifende Revolution"

Zeh: Wir haben es inzwischen auf dem Markt mit Vertriebsriesen wie Amazon und Google zu tun, die jedem Verlag ihre Konditionen diktieren können. Eine Buchhandlung bekommt vielleicht 30 Prozent vom Ladenpreis, Amazon hingegen 45 oder mehr.

Malchow: Dreizehn Prozent der physischen Bücher aus unserem Verlag werden in Deutschland 2013 über Amazon an den Kunden gehen. Im wachsenden elektronischen Bereich sind es aber schätzungsweise 60 Prozent. In den USA deckt dieser Markt bei vielen Büchern bereits 35 bis 40 Prozent des gesamten Buchmarkts ab. Wir liegen 2012 bei fünf Prozent.

Und hier: Riesen und Ziegen von , Götz Hamann. DIE ZEIT, 31.10.2012 Nr. 45  :

Apple und Amazon dominieren den Markt für elektronische Bücher, seit sie die populären Lesegeräte iPad (Apple) und Kindle (Amazon) entwickelt haben. Populär klingt gut. Doch was verbirgt sich hinter diesem Wort? Eine enorme Marktmacht. Zu den Lesegeräten gehören konzerneigene Online-Shops, und über die werden einer nicht öffentlichten Untersuchung zufolge vier von fünf E-Books verkauft. Das gilt für Deutschland und ist in anderen Ländern ähnlich.

Diese Tatsache gewinnt Monat für Monat an Bedeutung, weil in den westlichen Industriestaaten das Geschäft mit gedruckten Büchern schrumpft – und die Verkäufe elektronischer Bücher rasant wachsen. In Großbritannien ist die Entwicklung am weitesten. Dort werden bereits mehr E-Books verkauft als Bücher aus Papier. Eine der Folgen ist in den USA zu besichtigen: Amazon diktiert dort mehr oder weniger offen die E-Book-Preise.“

Und hier: Buchmarkt Gigant ohne Geist Von Maximilian Probst | Kilian Trotier.

"Wir lieben Autoren", behauptet Amazon, der größte Buchhändler der Welt. Der Konzern macht mittlerweile selber Bücher - nicht nur elektronische, sondern auch gedruckte. Damit greift Amazon das alte System der Autoren, Verlage und Buchhändler frontal an. Der Buchkultur, wie wir sie kennen, droht der Kollaps.

Schön auch die Wünsche von Patrick Beuth der dZ .Was ich mir 2013 von der Tech-Branche erhoffe. Apple möge seine Zensurpolitik überdenken, Facebook den Klarnamenzwang beenden, WhatsApp endlich eine sichere App werden: zehn Wünsche an die Tech-Industrie.  

LG am

miauxx 16.02.2013 | 20:40

"Was ist denn dann Zensur, hm??"

Ich meine das so: Zensur wäre, wenn etwa der amerikanische Staat gegen "zu freizügige" Abbildungen oder Medien im Apple-Store eingreifen würde. So entscheidet aber der Händler selbst, was er und wie er es in seine Ladentheke stellt. Passt mir da als Kunde was nicht, gehe ich woanders hin. Jedoch, zugegeben - etwas anderes ist es, wenn der Händler plötzlich die Bedingungen gegenüber seinem Lieferanten und einem jeweiligen Produkt ändert. Da müssen dann diese beiden Parteien die Bedingungen für eine weitere Geschäftsbeziehung ausfechten. Und so verhält es sich ja offenbar mit den Hippie-Büchern. Aber auch hier ist "Zensur" ein nur vorgeschobenes Argument; die Bezeichnung passt nicht. Verleger und Autor fürchten freilich zuerst um den vorteilhaften Vertrieb über Apple.

miauxx 16.02.2013 | 20:58

Liebe Anne,

was denn für Gesetze? Apple hat doch keinen öffentlichen Kulturauftrag. Das ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Die Kunden machen den Hype um Apple, stellen sich wie bescheuert nächtelang nach dem neuen iPhone vor die Geschäfte, halten Jobs vielleicht noch für einen Alternativen und das Nutzen von Macs für eine Haltung. Sie lassen sich von der unglaublich begrenzten Interoperabilität der Mac- und i-Geräte ganz fest an i-Tunes usw. ketten und heulen dann plötzlich rum, wenn die nackten Hippies gepixelt sind oder aussortiert worden?!

"Wehren sollten sich die Kunden gegen diese Monopolisten und selbsternannte Tugendwächter wie Apple."

Du sagst es selbst.

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Ehemaliger Nutzer 16.02.2013 | 21:29

Wenn die Situation so ist, wie Sie sie beschreiben, d.h. die Abkehr vom gedruckten Buch so rasant verläuft, dann stellt sich die Frage, warum die Verlage und der (deutsche) Buchhandel sich so reaktiv gegenüber den potentiellen Gewinnern dieser Entwicklung verhalten.

Die Verwertungskette ist doch so: der Produzent, der Verlag als 1. Verwerter, der Handel als 2. Verwerter, der Leser die Leserin, auch noch ZVAB oder Booklooker usw.. Auch noch die Drucker und Geräte- und software Hersteller. Der Kuchen hat eine gewisse Größe, die ergibt sich aus einer Vielzahl von gegenläufigen Entwicklungen. Dieses System der Solidarität gibt es nicht mehr, der Drucker kriegt 33%, der Verlag 33%, der Händler 33%, der Produzent ein Almosen. Ein Freund schreibt in einem renom. Schulbuchverlag ein Sachbuch, das weggeht wie die Wecken. Er bekommt 4000 Euro nach 2 Jahren, davon 800 von VG Wort, konkret für viel Arbeit fast nichts. Als wohlbestallter Pensionär - kein Problem, ne schöne Reise, da freut man sich.

Warum so frage ich mich, entsteht kein System der Selbstvermarktung - eine Solidarität zwischen Produzent und Erstverwerter, d.h. Verlag. Oder bei anderen Produkten zwischen Produzent und Zweitverwerter, d.h. Buchhandel, je nach dem. Oder dass der Produzent selbst Verlag und Handelfunktion in die Hand nimmt und nur noch den Drucker als Kostenfaktor akzeptiert? Der Bauer A im Dorf B macht das schon seit längerem. Warum sind diejenigen, die sich da tummeln und ihre Brötchen verdienen wollen, nicht Jünger von Schumpeter? Sie sind doch alle so intellig....ent und lassen sich gleichwohl scheren.

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Ehemaliger Nutzer 16.02.2013 | 21:42

Mal nebenbei, bei Booklooker bekommt der Interessierte oft für 25 Cent oder 1 Euro ein fabrikneues Buch, das die berühmten 19,99 Euro gekostet hat und einmal gelesen oder nach 10 Seiten weggelegt wurde. Das ist der Preis den der Erstkäufer dafür nimmt, dass er das Buch nicht selbst im Bermudadreieck seines Kellers verschwinden lässt. Aber vielleicht sagt er oder sie sich das als grandios angebotene Buch ist tünnef, nur weg damit. Eigentlich habe ich die Hippies nur gekauft, weil ich dem Buchhändler helfen wollte. Wie schön waren doch die Zeiten als Brockhaus von Die Welt als Wille und Vorstellung 1 Exemplar verkaufte, wobei bis heute der Verdacht geäußert wird, Schopenhauer selbst war der Käufer.

oi2503 17.02.2013 | 05:11

Zunächst gehe ich – weil du nicht darauf antwortest – davon aus, dass du mit mir einig bist, dass dein Optiker- und Autohändler-Beispiel in der Ebenen verrutscht war. Das finde ich prima.

Nicht geantwortet hast du mir auch auf meine Frage, warum für dich denn klar ist, dass ein Verleger ein Manuskript ablehnen darf, ein Händler (gleich welcher) die aber nicht darf. Warum ich also mit meinen „Gestammelten Werken“ zwar von Suhrkamp abgelehnt werden darf, Suhrkamp sich aber beschweren darf wie Hölle, wenn sie meine „Gestammelten Werke“ verlegt haben und Apple, der Optiker oder der Autohändler es nicht tun. Zensieren darf nur der Verleger, weil der die Ausbildung dafür hat? So ungefähr?

Microsoft hat die Möglichkeit, eBooks anzubieten. Macht das auch. Allerdings nur für Produktbücher. Ja, ist das nicht – in deinen Augen – der viel größere Skandal? Sollte nicht Microsoft gezwungen werden, die gesamte Weltliteratur in sein Verkaufsprogramm aufzunehmen? Und wo wir schon einmal dabei sind. Wenn du Bücher an der Tanke oder bei REWE – gibt es hoffentlich auch in deiner bayrischen Steppe – kaufen kannst, sollten dann nicht auch der Optiker oder der Autohändler gezwungen werden, Bücher zu verkaufen? Kunst an der Brille respektive am Corsa.

Und nun im Ernst. Wie viele Menschen kaufen denn ein Fotobuch digital? Ist das nicht ein klassisch analoges Produkt? Eines für das der Verlag zwar gerne den eigentlichen Distributionskanal iTunes zu reinen Werbezwecken nutzen möchte, damit seine potentiellen Kunden vom Buch erfahren und es dann im ganz old school analogen Buchhandel kaufen?

Tatsächlich laufen auch nach meiner Kenntnis die Bücher von Amazon nur auf einem Kindle und die Bücher aus dem iTunes Store bei Apple benötigen ein mobiles Apple-Lesegerät (Pad, Phone, Pod, kein MacBook, kein anderer Rechner). Und das, obgleich ich mir iTunes auch auf einen Microsoft-Rechner holen kann, Microsoft seine wenigen Bücher auch für Macs anbietet.

„Die Situation bei den eBook-Readern ist aber die, daß jeder Anbieter mir aufgrund technischer Vorgaben den Zugang zu ganz vielen Büchern nicht ermöglicht.“

Kenn ich. Das Problem habe ich mit meinem freundlichen Buchhändler um die Ecke auch. Jedes Mal, wenn ich ihn frage, warum er eigentlich nicht den Gesamtbestand der library of congress führt, guckt er mich so merkwürdig an als hätte ich ein Problem. Ich weiß ja auch nicht, ob ich da wohl noch weiter einkaufen soll?

oi2503 17.02.2013 | 05:23

"'Wir lieben Autoren', behauptet Amazon, der größte Buchhändler der Welt."

Wie bitte, soll denn die EU-Kommision wegen Monopolstellung gegen Apple eingreifen (schriebst du weiter oben, sinngemäß), wenn sie keins haben, noch nicht einmal "größter Buchhändler" sind?

Zu Amazon geht das Gerücht, durch micht nicht zu verifizieren, dass sie eigentlich Mitgliedern der Scientific Communitie gehören. Und deshalb Bücher, die sich kritisch mit der SC auseinandersetzen nicht listen. Die bekomme ich dann hoffentlich bei Apple, wenn die zwei sich nicht abgesprochen haben.

Marktmacht begrenzen ist okay, aber nicht über "Zensur" klagen, den die findet hier tatsächlich, @MIAUXX hat es schön geschrieben, nicht statt.

Wolfram Heinrich 17.02.2013 | 05:25

@Zeitleser

Normalerweise verbieten Ihnen Verwerter den Zugang nicht, sondern bieten Ihnen so viel wie nur möglich an, denn damit verdienen sie ja ihr Geld.

Das ganze ist eine wettbewerbsrechtliche Grundfrage

 

Wenn es tatsächlich nur das wäre, könnte dir und mir die Sache ziemlich egal sein. Sie wäre für die Anteilseigner von Apple von Interesse, weil es Einfluß auf die Verwertung ihres Geldes hat, aber sonst wäre die Sache zweitrangig.

Um mich nicht zu wiederholen verweise ich auf meine Antwort an Oi.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 17.02.2013 | 05:26

@anne mohnen

...ist die Monographie Grundlage für alle späteren Studien und Auseinandersetzungen mit Bernini. Da erfährst Du dann -  aus berufenem Munde, dass es sich eben nicht um Offenbarung handelt.

 

Was  hätte Bernini mit der Frage der Dauerhaftigkeit bzw. Veränderungswürdigkeit der Göttlichen Offenbarung zu tun?

 

Eine Zwangshandlung ist sie sicher nicht, aber Sublimierung ist zwangsläufig, wenn der Trieb unterdrückt wird. Irgendwo muß das Zeug ja raus.“  Das ist Blödsinn- außer man betrachtet jede Lernleistung bereits als Zwang, Herr Dott. Dipl. Heinrich ;)))))))

 

Jetzt vermische nicht das umgangssprachliche Wort "zwangsläufig" mit dem klinischen Begriff "Zwang". Ein Trieb ist ein sehr elementares Ding, er läßt sich nicht einfach wegzaubern, er muß irgendwo raus. Ist der übliche Weg der Abfuhr versperrt, so wird er sich einen anderen Weg suchen, die vorhandene Energie abzuführen.

Der Viehhauser Scherge hat mal, als wir beide noch Buben waren, den Kyritzbach in seinem Lauf zu stoppen versucht. Auf ungewöhnlich kunstvolle Weise hat er einen Damm errichtet und tatsächlich war eine kleine Weile hinter dem Damm kein Wasser mehr.

Dann aber wurde die Wiese oberhalb des Damms nach und nach überschwemmt und verwandelte sich in ein Sümpferl.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 17.02.2013 | 05:30

@miauxx

Ich meine das so: Zensur wäre, wenn etwa der amerikanische Staat gegen "zu freizügige" Abbildungen oder Medien im Apple-Store eingreifen würde. So entscheidet aber der Händler selbst, was er und wie er es in seine Ladentheke stellt. Passt mir da als Kunde was nicht, gehe ich woanders hin.

 

Dieser Begriff von Zensur, der lediglich staatliche Eingriffe in das Informationsrecht als Zensur ansehen will, ist technisch längst überholt, will mir scheinen. Ob du dich nun für das Lesegerät von Apple oder von Amazon oder von wem immer entscheidest - du entscheidest dich immer gegen die eBooks der anderen Anbieter. Du kannst mit dem Gerät von Apple nur die von Apple angebotenen eBooks lesen. Und Apple bestimmt, welche digitalisierten Bücher von ihnen vertrieben werden.

Rein kaufmännisch kann das nicht begründet werden. Wenn Erwin Hutzel dem Hutzelbein-Verlag das Buch "Hutzelbrot in Vergangenheit und Gegenwart" zum Druck anbietet, dann hat der Hutzelbein-Verlag wahrscheinlich gute Gründe, das Buch abzulehnen. "Höre, Hutzel, kein Schwein will so ein Buch lesen, davon verkaufen wir maximal 200 Exemplare in 10 Jahren. Das lohnt den Aufwand nicht. Versuchs mal bei Book on Demand."

Bietet der Hutzelbein-Verlag das Buch in digitalisierter Form Apple an, so fehlt Apple dieses Argument. Die Digitalisierungskosten trägt der Verlag, das eBook verbraucht keinen Lagerraum (die paar MB auf der Festplatte sind ein Muckenschiß), es entstehen Apple auch sonst keine Kosten. Frägt keiner nach dem Buch, so trägt der Verlag den Schaden, nicht Apple, verkauft es sich wider Erwarten so gut wie Hutzelbrot im Winter, haben sowohl der Verlag als auch Apple ein gutes Geschäft gemacht.

Wenn es also Apple ablehnt, ein Buch in sein Sortiment aufzunehmen, dann nicht aus kaufmännischen Gründen. Sie wollen lenken, was wir lesen dürfen und was nicht.

So weit ich weiß, hat Apple selbst dann noch Zugang zu einem eBook, wenn ich es längst gekauft und auf meinem iPhone gespeichert habe. Und spätestens hier wird es gespenstisch. Wenn wieder mal ein Verlag meint, er müsse aus einem Negerkönig einen Südseekönig machen, so kann er das künftig ganz leicht arrangieren. Ich weiß genau, daß in meinem käuflich erworbenen Buch "Negerkönig" stand, jetzt steht da "Südseekönig". Die fummeln in meiner Bibliothek herum.

Das Beispiel ist noch harmlos. Aber man stelle sich vor, ich hätte ein Buch über den Krieg der Sowjetunion in Afghanistan auf meinem iPod, seinerzeit verfaßt von einem regierungstreuen amerikanischen Historiker. Wahrheitsgemäß wird dort Osama bin Laden als treuer Verbündeter der USA dargestellt und gelobt. Wenn ich nun etwas aus diesem Buch nachschlagen will, weil mir so ist, als stünde dort eine gute Belegstelle, dann stelle ich fest, daß dort mittlerweile Osama bin Laden bereits als Schurke vorgeführt wird.

In Orwells "1984" gibt es eine riesige Abteilung im Wahrheitsministerium, die sich alleine damit beschäftigt, alte Zeitungen und Bücher umzuschreiben. Wenn ein ehdem prominentes und geschätztes Parteimitglied in Ungnade gefallen, dann wurden alle Meldungen und Kommentare, in denen er vorkam umgeschrieben. Entweder wurde sein Name gestrichen oder die vordem positive Bewertung wurde negativiert. Änderte sich die Bewertung eines bestimmten politischen Problems, so wurde die damalige Bewertung auf den neuesten Stand gebracht, so als sei das immer schon Parteilinie gewesen. Die veränderten Zeitungen und Bücher wurden neu gedruckt und statt der alten in die Archive gestellt. So war die Vergangenheit immer in Einklang mit der Gegenwart.

Wenn eines Tages gedruckte Zeitungen und Bücher verschwunden sein werden, Information nur noch elektronisch verfügbar ist, werden solche sehr aufwendigen Neudruck-Aktionen nicht mehr nötig sein.

 

Wenn das nicht beunruhigend ist - was dann?

 

Ciao

Wolfram

oi2503 17.02.2013 | 05:44

P.S. Natürlich gilt es Marktmacht zu beobachten und wo nötig, auch zu begrenzen. Dass kann m.E. aber nicht dazu führen, dass jeder Buchhändler (analog und digital) gezwungen wird, jedes Buch auch tatsächlich zu verkaufen. Das gilt für "renommierte" Verlage - ist das eigentlich ein Argument? Für was? - genauso wie für meine im Eigenverlag (Suhrkamp wollte nicht) herausgegebenen "Gestammelten Werke".

oi2503 17.02.2013 | 06:01

"Wenn eines Tages gedruckte Zeitungen und Bücher verschwunden sein werden, Information nur noch elektronisch verfügbar ist, werden solche sehr aufwendigen Neudruck-Aktionen nicht mehr nötig sein.

 Wenn das nicht beunruhigend ist - was dann?"

Geb ich dir sofort recht. Nur, was hat das mit dem Beispiel der dänischen Hippies zu tun, bei denen Aplle genau das nicht machn will? Genau = 0.

Und noch einmal. Das Kapital von Apple ist die Marke. Die erlaubt ihnen, ihre Geräte weit überteuert anzubieten und zu verkaufen. Das Unternehmen wäre also mt dem berühmten Beutel gepudert, wenn sie die Marke nicht führen. Ich nehme an, dass nudity nicht zu den Kernbereichen der Marke gehört, besoders in eher puritanischen Ländern.

Und damit kann eben auch das nicht Einstellen eines Buches sehr wohl im Interesse der Anteilseigner sein, wie du weiter oben schriebst. In einem hart umkämpften Markt die Forderung nach Aufagbe des einzigen Wetbewerbsvorteils einer Fa. zu erheben, weil der Verlag einmal ausnahmsweise etwas nicht zensiert hat und nun in seiner ganzen Selbstgerechtigkeit um den "Wert" des Buches weiß? Warum eigentlich sagt hier keiner, dass ein Verlag ein jedes Manuskript, dass ihm angeboten wird, auch zu drucken respektive als eBook herzustellen hat?

Ich warte im Moment eigentlich nur noch auf die Forderung, dass ich auch einen link auf meine private Homepage oder auf deinen Franze-Blog bei Apple verlangen kann, kostet doch nichts und auch keinen wirklichen Speicherplatz.

 

oi2503 17.02.2013 | 13:34

Einen noch. Wenn die europäische Kommission etwas zu regeln hätte, dann, dass die Apples und Kindls und Googles dieser Welt ihre Platformen und Abspielgeräte freigeben. Also in iBooks gekauftes auch af Kindle, bei Amazon gekauftes auch in iPad, Pos, Phone.

Aber eben nicht die Verplichtung zur Aufnahme bestimmter Bücher in das Vertriebssortiment (Hetzschriften, faschistische Literatur, Hasspamphlete usw. hätten dann auch einen Anspruch auf die Nutzung des Vertriebs- / Werbungskanals?)

miauxx 17.02.2013 | 14:11

 oi2503 17.02.2013 | 06:01 sagt dazu schon Richtiges; auch in meinem Sinne. Beunruhigend ist die Situation allemal - keine Frage! 

Aber wenn wir Apples Vorgehen hier als Zensur bezeichnen wollen, worüber reden wir dann eigentlich?

Über die Anerkennung einer Situation, in der riesige Privatkonzerne, i.d.F. Apple,  zum Sachwalter unserer Kultur werden! Nun ist es gar nicht neu, dass das Unternehmen sind, welche die Vermarktung von Kulturprodukten als zunächst Nebenzweig ihres Kerngeschäftes entdeckten und dann aus diesem "Nebenzweig" eine weltweite Marktführerschaft etablierten, die freilich vornehmlich ihr ureigenes Kerngeschäft ankurbeln soll. So verhält es sich etwa mit dem größten Teil der Musikindustrie. Die Großen sind fast sämtlichst als Zweige der Elektronikindustrie, darunter auch der militärische Bereich (s. EMI), entstanden. MTV entstand einst sogar einzig, um Kabel-TV sowie damit die Absätze von American Express zu pushen (Warner Amex Satellite Entertainment Company - WASEC).

Nun haben wir mit Apple, Amazon et al eben die Beispiele des 21. Jh. Wenn ich mich also dem Begriff "Zensur" hinsichtlich der Geschäftspraktiken solcher Konzerne (s.o. oi2503) recht geben will, so müsste ich zuerst feststellen, dass ich "Opfer" (Bezeichnung wäre zu diskutieren!) einer riesengroßen Erpressung bin. Diese "Erpressung" träte besonders deutlich mit der Herrschaft der IT und des Internets in unserem Leben zu Tage. Es wäre es der "Zwang", immer über entsprechende Geräte - up-to-date - verfügend sich an Einschränkungen zu binden, die offenbar und paradoxerweise kaum mehr Spielraum zulassen, als der Kunde ihn vor der "digitalen Revolution" hatte. Kurz: Die Mechanismen hätten sich eben nicht wirklich geändert. Eher noch verschärft - was Dein "Hutzelbrot"-Buch- Beispiel untermauert. 

Der Kunde ist eben nicht frei. War er nie gewesen. Man könnte nun darüber diskutieren, wo die Gründe dafür liegen. Hat er wirklich die Potenz zu entscheiden, dass Apple & Co. eben nicht eine solche Marktmacht zufließt, welche die auch negativen Folgen der "digitalen Revolution" einerseits befördert ("Hutzelbrot"-Buch nur bei Apple), gleichermaßen aber auch abmildert ("Hutzelbrot"-Buch als günstiges E-Book), und damit eben, als eigentlicher Clou, Kulturanbieter erster Sorte und ohne Alternative wird? Hat der Kunde diese Potenz nämlich nicht oder nicht mehr, so bleibt ihm nichts anderes, als von "Zensur" zu sprechen, wenn im Download die Nackten nicht mehr nackt oder Osama bin Laden nicht mehr Verbündeter der Amis ist.

Und das ist das eigentlich Alarmierende: Diese Unternehmen mit, offenbar, erstem Kulturverwalter-Status obwohl sie Kultur nur zur Konsolidierung ihrer Marktmacht im Portfolio führen. Die Elektronikkonzerne, welche einst die führenden Schallplatten- und Medienfirmen begründeten, wollten auch nur zuerst ihren Geräteverkauf begünstigen. Umso besser, wenn man neue Medienformate begründen konnte, die allegemeiner Standard wurden (vgl. Sony und die CD). Im IT- und Internet-Bereich scheint sich das sogar noch zu verschärfen. Die großen Internetfirmen heute erscheinen monopolistischer und teurer am Markt (vgl. Google, Apple, Facebook), als es die Medienkonzerne vergangener Tage je waren. Paradoxerweise - ist doch gerade der WEb-Bereich vgl.weise offen (etwa ggn.über der CD-Technologie oder Fernsehen) ...

Also woran liegt es, dass der so schnell und convenient bediente Kunde "Zensur" ruft? Warum kann er nicht weg von Apple oder Amazon?

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Ehemaliger Nutzer 17.02.2013 | 14:34

Die möglichen Monoplisten werden dazu, weil die möglichen Konkurenten zu doof oder zu träge sind, etwas dagegen zu setzen. Statt dessen schreien sie Skandal und laufen zum Richter, da kiegen sie meistens ein bisschen Recht, was an der Situation nichts ändert, siehe MS und Browser. Wer wehleidig auf den Markt geht schadet sich nur selbst. Die Kaufleute freuen sich wenn die Lämmer zum Markte .kommen (Kant).

miauxx 17.02.2013 | 15:04

Ja, das passt auch ein wenig auf diese Hippie-Buch-Geschichte. Die könnte auch einfach die Stirn haben, und Apple den Rücken zukehren und etwa andere Möglichkeiten (Books on Demand) nutzen, als nach Zensur zu rufen und sich alberne Spielchen mit Apple (Äpfel auf den nackten Brüsten) zu liefern. Denn genau so biedern sie sich Apple an; sie bestätigen die vermeintliche Unverzichtbarkeit des Vertriebes via Apple.

anne mohnen 17.02.2013 | 16:09
@ Lieber Miauxx „Also woran liegt es, dass der so schnell und convenient bediente Kunde "Zensur" ruft? Warum kann er nicht weg von Apple oder Amazon?“ Ich sehe auch in der Widerständigkeit einen wichtigen Hinweis du schreibe ja auch: Obacht vor den Monopolisten. Das sollte dann schon gelten, wenn man in seiner kleinen Kiezbuchhandlung, die Kuschelecke vermisst. So fei sollte der Kunde, die Kundin dann schon sein. Nichtsdestotrotz ist der e-Book-Markt nicht aufzuhalten, und ich habe auch nichts dagegen, vorausgesetzt die Bedingungen für Vielfalt bleiben durch den Zugang zu den digitalen Vertriebswegen erhalten. Nun mit den Links zur dZ sollte ein Vorgeschmack auf die Komplexität der Thematik gegeben sein. Amazon, Google, die Fusionen von Bertelsmann-Random House mit Penguin sind jeweils gesonderte Beiträge wert. LG am
anne mohnen 17.02.2013 | 16:14

@ Wolfram @ OI2503 @ Zeitleser , @ Miaxx und andere!

Vielen Dank für die rege Diskussion. Dennoch möchte ich nochmals klarstellen:

(1)                Selbstverständlich, lieber Oi2503, bleibt es Ihnen unbenommen weiter Apple-Produkte zu kaufen und sich dabei gut zu fühlen.

(2)                Lieber Zeitleser, zum wiederholten Male, auch mir geht es nicht um das Promoten der „Hippie-Chronik“. Warum ist das so schwer zu verstehen?

Worum geht es?

Da hat ein Firmengründer die aufklärerische Vision entwickelt, „ der Menschheit Zugang zu Bildung und Kunst“ zu verschaffen.“ Offenkundig definierte er auch gleich für sich und seine Nachfolger die geistige Marschroute: „Wider falsche Programme und Pornographie.“ Nun frage ich, a) reicht diese schlichte Message und b) liefert sie, pointiert gesprochen, nicht die Blaupause für Intoleranz, Bevormundung und c) ist es nicht diese laxe Formulierung bei gleichzeitig fragwürdiger Informationspolitik, mit der  sich das Unternehmen Vorteile erwirtschaftet will

Ist die Sorge des Verlegers Jens Lauridsen berechtigt ist? Stichwort Selbstzensur! In dem Zusammenhang ist es nicht unwichtig in Erinnerung zu rufen, dass Gyldendal für eine große europäische Verlagstradition aus dem Geist der Aufklärung steht. Am Beginn dieser Tradition stand die Entstehung von Verlagen, die maßgeblich daran Anteil hatten und haben, dass das Reden über eine politisch fungierende Öffentlichkeit nicht einfach abstrakt bleibt. Vielmehr im Zusammenhang mit anderen Institutionen, Presse, Parteien, Parlamente, „Konsumenten“  etc. haben die Verlage, die großen und die kleinen, nicht nur eine kritische Funktion, sondern ermöglichen diese in der Vielfalt eine Kultur dafür (@ OI2503 17.02.2013 | 05:23), in der sich Kritik und Gegenkritik, Zustimmung und Ablehnung entfalten können. In diesem Sinne ist mir auch die Abbildung, Dokumentation von vielen Sichtweisen, Themen, Glauben, Geschmacksfragen etc. wichtig, unabhängig davon, ob mir im alles passt oder nicht.

LG am

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Ehemaliger Nutzer 17.02.2013 | 16:46

Was mich anght, so habe ich schon längst nicht mehr über Hippie was geschrieben, sondern über Produzenten, Verwerter, Kunden gechrieben, über die Rolle des Wettbewerbsrechs, über die Trägheit möglicher Mitspieler und anderes. Ich gebe j zu, dass ich am Anfang auch was Hippies und über die Entscheidungsfreheit von Verwertern schrieb, aber wie gesagt, dies nur initial. Was mich eigentlich interessiert ist die Brücke vom Produzenten zum Leser, Leserin.

Ich durfte doch aber auch mitlachen wenn die dänische Hippiekultur als dänisches Kulturerbe deklariert wurde. Um es etwas frecher zu sagen: Die Latzhose ohne Hose aber mit joint - warum nicht, Kultur soll ja auchvergnüglich sein.

anne mohnen 17.02.2013 | 16:58

@ Lieber Miaauxx,

ja, ich glaube auch, die Hippie-Chronikund Apps sind  nicht ohne Augenzwinkern geschrieben und produziert worden, das wird ja durch das Video klar. Ich denke ja auch, dass Apple in dem Fall ein noch größeres Humorproblem hat.

Was die Photos anbelangt, nun, Fakt ist, dass die von bedeutenden Künstlern sind ;)). Inwieweit in dem Streit zwischen Gyldendal und Apple nicht ein wenig zu fest in die Tasten gehauen wird, ist wohl eine Frage der  Verteidigung des eigenen Standpunktes. 

Ansonsten habe ich angesichts des Videos auch gerne herzhaft gelacht. Leider ist das alles eben keine Posse.

Danke nochmals für die Antworten.

Ihre am

miauxx 17.02.2013 | 17:52

"Nichtsdestotrotz ist der e-Book-Markt nicht aufzuhalten, und ich habe auch nichts dagegen, vorausgesetzt die Bedingungen für Vielfalt bleiben durch den Zugang zu den digitalen Vertriebswegen erhalten."

Ja. Im Grunde wollte ich ja sagen: Der Kunde kauft sein e-book, Musik usw. zu einem sehr großen Teil bei Apple. Apple aber will in erster Linie Technologie verkaufen und sich in diesem Markt ein wesentliches Stück vom Kuchen reservieren. Um das zu realisieren, verkaufen sie auch möglichst all das, was auf dieses Geschäft zurückwirkt: Mehr als nur die Geräte, sondern eine ganze Online-Welt dazu. Möglichst alles aus einer Hand und mit dem Anschein der Exklusivität. Warum sollte ein Verlag da nicht mit einsteigen, wo es sogar noch günstiger geht als alles selbst zu machen? "Vielfalt durch den Zugang zu den digitalen Vertriebswegen" allein ist es aber nicht. Wenn man von den Internetriesen fordert, sie sollten sich offener und allgemein zugänglicher präsentieren, sie also mit "den digitalen Vertriebswegen" synonym setzt, bestätigt man sie ja gerade in ihrem Monopolismus.

miauxx 17.02.2013 | 18:06

"Ambitionen in Richtung Verlagswesen"

Ja, sieht so aus. Dennoch: Das Verkaufen von Büchern, Musikdateien etc. ist nur ein Teil vom Ganzen der Marktmacht im Netz. Ähnlich wie das Informationen über die Nutzer/ Kunden sammeln. Vorrangig geht es darum, die eigene Technologie an die Leute zu bringen - da greift eins ins andere. Und währenddessen sind e-Book und Musikdatei freilich auch noch ein schönes Zubrot.

ed2murrow 17.02.2013 | 19:37

Liebe Anne,

de mortuis nil nisi bene, aber ich hatte Jobs‘ Ableben bereits als death of a salesperson betitelt, was irgendwie gar nicht gut ankam. Noch mehr geschockt war ich allerdings, als ich die posthum eingeweihte Yacht des Herrn sah: Von dessen Design auf die geistige Urheberschaft zu schließen war mir ein inneres Skagerrak, nachdem das Schiffchen mehr mit den Kanten und Ecken ausgestattet ist als eine kaiserliche Fregatte von anno dunnemal: es fehlen nur noch die Geschütze, mit denen dann die FKK-Strände bombardiert werden könnten.

 

Danke, dass Sie mir mit Ihrem Blog die Entscheidung erleichtert haben, nach wie vor nichts von einem angebissenen Apfel zu nehmen.

thinktankgirl 17.02.2013 | 20:03

Das Beispiel ist noch harmlos. Aber man stelle sich vor, ich hätte ein Buch über den Krieg der Sowjetunion in Afghanistan auf meinem iPod, seinerzeit verfaßt von einem regierungstreuen amerikanischen Historiker. Wahrheitsgemäß wird dort Osama bin Laden als treuer Verbündeter der USA dargestellt und gelobt. Wenn ich nun etwas aus diesem Buch nachschlagen will, weil mir so ist, als stünde dort eine gute Belegstelle, dann stelle ich fest, daß dort mittlerweile Osama bin Laden bereits als Schurke vorgeführt wird.

 

Das ist ein generelles Problem der virtuellen Medien und nicht nur von Apple.

Ich ruf im Freitag einen Blogartikel auf, erinnere mich genau, daß da etwas stand, nur steht es jetzt nicht mehr da. ???? Der Text ist verändert worden, aber den Ursprungstext scheint es nie gegeben zu haben; er ist im virtuellen Orkus gelandet.

oi2503 17.02.2013 | 20:27

"Selbstverständlich, lieber Oi2503, bleibt es Ihnen unbenommen weiter Apple-Produkte zu kaufen und sich dabei gut zu fühlen."

Das ist unter der Gürtellinie. Was ich hier schrieb, hätte ich so auch geschrieben, wenn ich Microdoof-Nutzer wäre oder rechnerabstinent. Ich hoffe, du kannst es ertragen, dass ich in das Zensur-Gejammer aus den verschiedentlich von mir angeführten Gründen nicht einstimme obwohl (nicht weil) ich einige Apple-Produkte besitze.

Ich möchte - trotz dieses einen kleinen Fauxpas - die Debatte hier hervorheben. Sie war sachlich, am Thema, konzentriert, voller kluger Gedanken und wertvoller Informationen. @Allen vielen Dank dafür.

Wolfram Heinrich 17.02.2013 | 23:16

@oi2503

Zunächst gehe ich – weil du nicht darauf antwortest – davon aus, dass du mit mir einig bist, dass dein Optiker- und Autohändler-Beispiel in der Ebenen verrutscht war. Das finde ich prima.

 

Die Beispiele sind tatsächlich in den Ebenen verrutscht, aber eben nur in den Ebenen. Es wäre der Brillenhersteller, und nicht der Optiker, der mir etwas verbietet und nicht der Autohändler, sondern der Hersteller. An der Argumentation ändert sich dadurch nichts.

 

Nicht geantwortet hast du mir auch auf meine Frage, warum für dich denn klar ist, dass ein Verleger ein Manuskript ablehnen darf, ein Händler (gleich welcher) dies aber nicht darf.

 

Entschuldige, aber das war mir denn doch zu blöd. Aber gut, wenn du drauf bestehst.

Wenn ich einem Verleger ein Manuskript anbiete, dann schlage ich ihm, kaufmännisch gesehen, ein Geschäft vor. Du bringst mein Buch raus und wir verdienen dann beide daran. Der Verleger kann nun die Sache so einschätzen, daß er sagt, das Buch werde sich nicht hinreichend gut verkaufen, das Geschäft sei für ihn ein zu großes Risiko, daß er das eingesetzte Geld verliert. Der Buchhändler, den ich bitte, mir ein Buch vom Großhändler zu besorgen, hat sein Geschäft bereits gemacht, nachdem ich ihm den Auftrag erteilt habe. Der Kunde, der dieses eine Buch kaufen will, an dem er verdient, ist bereits da.

 

Warum ich also mit meinen „Gestammelten Werken“ zwar von Suhrkamp abgelehnt werden darf, Suhrkamp sich aber beschweren darf wie Hölle, wenn sie meine „Gestammelten Werke“ verlegt haben und Apple, der Optiker oder der Autohändler es nicht tun. Zensieren darf nur der Verleger, weil der die Ausbildung dafür hat? So ungefähr?

 

Die Vergleiche mit Brillen, Autos und vor allem Büchern kommen allmählich an ihre Grenze. Die neuen Technologien schaffen eine völlig andere Situation. Wer seine Texte oder Bilder möglichst weit verbreiten (und verkaufen) will, muß seine Bücher zunehmend öfter (auch, bzw. vor allem) elektronisch verbreiten. Ganz wenige Anbieter von elektronischen Lesegeräten decken nahezu den gesamten Markt ab. Jeder dieser Anbieter hat sein eigenes System, elektronische Bücher sind jeweils nur auf einem dieser Systeme zu lesen. Das alleine wäre lästig, aber nicht wirklich schlimm. Schlimm, wirklich schlimm ist der Umstand, daß die Anbieter der Geräte auch bestimmen, welche Bücher auf ihren Geräten gelesen werden dürfen und welche nicht.

 

 „Die Situation bei den eBook-Readern ist aber die, daß jeder Anbieter mir aufgrund technischer Vorgaben den Zugang zu ganz vielen Büchern nicht ermöglicht.“

Kenn ich. Das Problem habe ich mit meinem freundlichen Buchhändler um die Ecke auch. Jedes Mal, wenn ich ihn frage, warum er eigentlich nicht den Gesamtbestand der library of congress führt, guckt er mich so merkwürdig an als hätte ich ein Problem.

 

Dein Buchhändler an der Ecke kann dir (fast) jedes Buch besorgen, das noch auf dem Markt ist.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 17.02.2013 | 23:17

@oi2503

"Wenn eines Tages gedruckte Zeitungen und Bücher verschwunden sein werden, Information nur noch elektronisch verfügbar ist, werden solche sehr aufwendigen Neudruck-Aktionen nicht mehr nötig sein.

 Wenn das nicht beunruhigend ist - was dann?"

Geb ich dir sofort recht. Nur, was hat das mit dem Beispiel der dänischen Hippies zu tun, bei denen Aplle genau das nicht machn will? Genau = 0.

 

Meine Gedanken zu "1984" waren nur eine Weiterdenken der Situation, die durch Apple u. a. entstanden ist.

 

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 18.02.2013 | 00:21
"Der Buchhändler, den ich bitte, mir ein Buch vom Großhändler zu besorgen, hat sein Geschäft bereits gemacht, nachdem ich ihm den Auftrag erteilt habe. Der Kunde, der dieses eine Buch kaufen will, an dem er verdient, ist bereits da." So ein Blödsinn! Erstens sind die Preise von Büchern fest und die Buchhänler verdienen einen Appel unhd ein Ei daran. Zweitens muss der Kunde ein bestelltes Buch nicht kaufen. Dies war und ist für kleinere Buchhandlungen (die mit dem Überleben kämpfen) kostspielig, insbesondere dann, wenn ein Buch direkt beim Verlag (z.B. Fach- und englischsprachige Bücher) bestellt werden. Die hohen Preise für's Zurücksenden (ins Ausland) übernimmt der Buchhändler. Wenn das Buch gesichtet wurde, also die Folie entfernt wurde, nimmt der Verlag gar nüscht mehr zurück.
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Ehemaliger Nutzer 18.02.2013 | 00:29
Die Leute, die Appleprodukte kaufen, sind doch bürgerliche Statusjäger. Bereits vor etwa 10 Jahren, als Apple an Ottonormalverbraucher gebracht wurde, konnten die Wenigsten mit den Funktionen wirklich arbeiten. Kaum einer der Geldyuppies wusste mit der Apfeltaste etwas anzufangen oder wie Profis mit QXpress, Freehand, Avid usw. arbeiten. Apple für "Doofe" zur Unterhaltung.
oi2503 18.02.2013 | 05:32

„Zunächst gehe ich – weil du nicht darauf antwortest – davon aus, dass du mit mir einig bist, dass dein Optiker- und Autohändler-Beispiel in der Ebenen verrutscht war. Das finde ich prima.

Die Beispiele sind tatsächlich in den Ebenen verrutscht, aber eben nur in den Ebenen. Es wäre der Brillenhersteller, und nicht der Optiker, der mir etwas verbietet und nicht der Autohändler, sondern der Hersteller. An der Argumentation ändert sich dadurch nichts.“

Und wer ist der Hersteller des Buches? Der Schriftsteller und/oder der Verlag. Deine Argumentation, wenn du denn wirklich an ihr festhalten wolltest, ändert sich dadurch erheblich. Dann sind wir nämlich bei der Folgefrage.

„Nicht geantwortet hast du mir auch auf meine Frage, warum für dich denn klar ist, dass ein Verleger ein Manuskript ablehnen darf, ein Händler (gleich welcher) dies aber nicht darf.

Entschuldige, aber das war mir denn doch zu blöd. Aber gut, wenn du drauf bestehst.

Wenn ich einem Verleger ein Manuskript anbiete, dann schlage ich ihm, kaufmännisch gesehen, ein Geschäft vor. Du bringst mein Buch raus und wir verdienen dann beide daran. Der Verleger kann nun die Sache so einschätzen, daß er sagt, das Buch werde sich nicht hinreichend gut verkaufen, das Geschäft sei für ihn ein zu großes Risiko, daß er das eingesetzte Geld verliert. Der Buchhändler, den ich bitte, mir ein Buch vom Großhändler zu besorgen, hat sein Geschäft bereits gemacht, nachdem ich ihm den Auftrag erteilt habe. Der Kunde, der dieses eine Buch kaufen will, an dem er verdient, ist bereits da.“

Kannst du herrlich herablassend schreiben. Und. Das war dir zu blöd? Ich habe das nur gebracht, um dir zu zeigen, wie wenig zu Ende gedacht deine Argumentation ist. Warum du dem Verlag kaufmännisches Denken und Handeln erlauben willst, dem Vertrieb aber nicht, wirst du wissen. Noch einmal: die Marke nicht vergessen dabei. Und. In dem oben gesagten steckt zu Ende gedacht, dass "Zensur" erlaubt ist, wenn sie wirtschaftlich begründet wird. Soweit richtig?

„Warum ich also mit meinen „Gestammelten Werken“ zwar von Suhrkamp abgelehnt werden darf, Suhrkamp sich aber beschweren darf wie Hölle, wenn sie meine „Gestammelten Werke“ verlegt haben und Apple, der Optiker oder der Autohändler es nicht tun. Zensieren darf nur der Verleger, weil der die Ausbildung dafür hat? So ungefähr?

Die Vergleiche mit Brillen, Autos und vor allem Büchern kommen allmählich an ihre Grenze.“

Sie kommen nicht an ihre Grenzen, sie waren schon immer jenseits dieser. Eingebracht hast übrigens du die. Nur, um dich zu erinnern.

„Die neuen Technologien schaffen eine völlig andere Situation. Wer seine Texte oder Bilder möglichst weit verbreiten (und verkaufen) will, muß seine Bücher zunehmend öfter (auch, bzw. vor allem) elektronisch verbreiten.“

Und hat einen Anspruch darauf, dass andere das für ihn machen?  

„Die Situation bei den eBook-Readern ist aber die, daß jeder Anbieter mir aufgrund technischer Vorgaben den Zugang zu ganz vielen Büchern nicht ermöglicht.

Kenn ich. Das Problem habe ich mit meinem freundlichen Buchhändler um die Ecke auch. Jedes Mal, wenn ich ihn frage, warum er eigentlich nicht den Gesamtbestand der library of congress führt, guckt er mich so merkwürdig an als hätte ich ein Problem.

Dein Buchhändler an der Ecke kann dir (fast) jedes Buch besorgen, das noch auf dem Markt ist.“

Wie viele Bücher erscheinen jährlich weltweit? In D sollen es so 90.000 sein. Sagen wir also mal vorsichtig 500.000. Diesen Neubestand für die nächsten 30 Jahre (oder 20 oder 40) soll der Vertrieb, weil der Verleger zu blöd ist, für ihn vorhalten und wenn nicht schreien wir „Zensur“?

Was zu tun wäre: Endgeräte für alle Plattformen öffnen. Amazon auf iIrgendwas, Apple auf Kindle.

 

ed2murrow 18.02.2013 | 08:09

Sers Wolfram, der Apfel war bei Schneewittchen noch ganz. Was sie abbiß, fiel ihr dann aus dem Mund bei dem Geschaukel, als sie abtransportiert wurde. Du meinst vielleicht die Sach mit den in zwei Hälften geschnittenen Apfel, von der ein Spalt wie durch Wunder giftig und der andere harmlos war. Was dann eher mit der Beschaffenheit des Messers zu tun hat ... und mit der Beschaffenheit des Bugs der oben abgebildeten Venus ;)

oi2503 18.02.2013 | 09:51

Weil es die Geräte gibt, kann ich eBook lesen.

Mach ich nicht, ist mir zu doof. Ein Buch ist ein Buch und das ist aus Papier. Für mich. Es scheint ja aber eine ganze Menge an Menschen zu geben, denen das gefällt. So what?

Bei Musik und auch bei Audiobooks gibt es die benannten Probleme nicht. Warum? Einheitliches Dateiformat. Ist es vorstellbar, dass es das auch für eBooks geben wird? Jaha, und wie.

Der Rest der Diskussion scheint mir in Teilen dem Bild von David vs. Goliath zu entspringen, wobei die Kleinen immer (per Definition) die Guten sind und damit sind wir auch schon wieder beim eigentlich wichtigen Thema. Das ist Marktmacht und ihre Begrenzung (nicht Zensur) und Handelsfreiheit, Freiheit des Händlers. Diese zu verteidigen fällt für den Tante-Emma-Laden, den Optiker leicht. Nicht für globale Konzerne. Warum nicht?

Ein Monopol - wie hier so manchmal behauptet - gibt es für eBooks nicht. Eine marktbeherrschende Stellung würde ich eher bei Amazon/Google sehen, ein Oligopol haben wir ganz bestimmt. Obes Absprachen gibt? Wahrscheinlich.

anne mohnen 18.02.2013 | 17:28

@ Lieber ed2,

ja die Yacht von Steve Jobs erinnert  an Playmobil-Design. Die „Mannikes“ sehen ja auch aus wie kleine Krieger. Jedenfalls meinten meine Eltern das schon in 1970ziger Jahren, als sie Bedenken anmeldeten, das Spielzeug zu kaufen, gemäß der damaligen Devise: „Kinder fordern uns heraus, wie erziehen wir sie zeitgemäß, oder „Familienkonferenz“. Nun, gekauft wurde es dennochJ) Und dann gab’s auch einen Commodore..

Weißer Sheriff?

LG am,

anne mohnen 18.02.2013 | 17:46

@ Thinktankgirl

„Das ist ein generelles Problem der virtuellen Medien und nicht nur von Apple.“, schreiben Sie.

Es ist es kein neues Problem der Medien, sondern ein uraltes um Macht und Markt. Die neuen Techniken haben Lücken aufgerissen, die es zu bedenken und zu bearbeiten gilt. Hier bin ich wirklich gespannt, wie das Schlachtschiff EU in Fahrt kommt.

Was es kompliziert macht? Aus meiner bescheidenen Sicht, die Allianzen zwischen großen Verlagen und Apple; Allianzen, die geschmiedet werden um mit dem Technologie- und Vertriebskonzern  Marktanteile zu sichern. Dass dies eine politische Angelegenheit ist, mag manchem wegen dieses Hippie-Buches nicht so recht einleuchten.

„Ich ruf im Freitag einen Blogartikel auf, erinnere mich genau, daß da etwas stand, nur steht es jetzt nicht mehr da. ???? Der Text ist verändert worden, aber den Ursprungstext scheint es nie gegeben zu haben; er ist im virtuellen Orkus gelandet.“ Aber verschwinden die Blogs tatsächlich? Ist es nicht mehr als wahrscheinlich, dass der eine oder andere dank „Copy-Paste“  vor diese dem Vergessen bewahrt? ;))  Ich habe meinen Text auch nachträglichen von Tippfehlern „befreit“. Außerdem habe ich nachträglich einen Einschub gemacht aus Präzisionsgründen. Ich halte das für legitim.

Was das Verschwinden von Blogs anbelangt, ist das ein eigenes Thema. Weil ich nicht ausweichen muss- kurz: Ich z.B. habe meine Blogs verschwinden lassen, nachdem ich aus guten Gründen von meinem Klarnamen auf ein Pseudonym wechselte. Das ging zu dem Zeitpunkt nicht anders, wie gesagt, ist aber hier nicht mein Thema.

 LG am

anne mohnen 18.02.2013 | 18:30

@ oi2503 17.02.2013 |  20:18 & 20:27 @anne mohnen

Lieber OI2503,

warum sollte ich Sie kränken wollen, als ich schrieb, Sie könnten weiter Apple-Produkte kaufen. Ganz im Gegenteil! Natürlich bleibt es Ihnen unbenommen, die Produkte zu kaufen, die sie nutzen möchten Im Übrigen stehen weder Sie noch  Apple allein da. Nur wünschte ich mir von Apple eben auch diese Toleranz!

Natürlich machen Medien, Verlage das Spiel mit:

In marktkonforme Anbiederung geht es in dieser Kolumne von Sacha Lobo :   S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Jammern hilft nicht gegen Netz-Sheriffs, : wenn er schreibt:

"Wie gefährlich ist die wachsende Macht von Google, Apple, Facebook und Amazon? Mit schöner Regelmäßigkeit erscheinen Besorgnis-Artikel über die großen vier des Netzes - in der Regel ohne Alternativvorschläge. Hier ist einer: Wir brauchen eine nichtkommerzielle digitale Öffentlichkeit."

Warum? 1) Da wird eine neue nichtkommerzielle europäische digitale Öffentlichkeit sinnigerweise gefordert, während wir inzwischen alle wissen, dass Frankreich bereits mit Google in Verhandlung stand.

(2) Zensur: Während zu Recht bei Weltbild wegen der Einflussnahme durch die Kirche über Zensur diskutiert wird, ist, wenn dZeit und andere die Zustände bei Apple und Co ins Visier nehmen, bei Lobo  vom „Netz-Sheriff“ die Rede. Das ist wohlfeil.

(3) Da macht es schon eher Sinn, sich eine Plasberg-Sendung in Hinblick auf „Ergiebigkeit“ vorzunehmen: „Apple-Abend in der ARD: Jede Menge heiße Luft“ Von Frank Patalong

Konsumenten/Leser  mischen eben auch mit: Wenn dann der Spiegel, wie von Lobo herausgestellt, ein großes Tilethema bringt, nehmen die Leser eine kritische Analyse nicht unbedingt in Kauf:  Hier: Schon wegen solcher „Meldungen“, wäre es dumm Sie, lieber oi2503, persönlich anzugehen: http://meedia.de/print/spiegel-scheitert-am-kiosk-mit-internet-titel/2012/01/10.html

Wohlgemerkt ich bin Spiegel-Leserin. Und natürlich darf dort jeder Autor seine Meinung haben!

 (4) Was Microsoft anbelangt brauchen wir uns nicht über „in die Knie zwingen  zu streiten: Unbestritten ist, dass die EU auch einen Dämpfer verpasst bekam, weil sie Microsoft ja zeitweise gewähren ließ. Elbaek reagierte auch erst auf öffentlichen Protest, was aus dem von mir im Info verlinkten SZ-Artikel hervorgeht. Zunächst versuchte Elbaek nur zu beschwichtigen: „Apple solle auf den Teppich zurückkommen“ etc.

Hier: EU und Microsoft: Es geht um das Ausnutzen von Marktposition!

http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2012-06/wettbewerb-microsoft-eu-gericht

http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2009-12/microsoft-eu-browser

Und hier die Mitteilungen der Kommission „Die Katze lässt das mausern nicht“ http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/10956_de.htm

LG am

 

anne mohnen 18.02.2013 | 18:41

@ Medienwissenschaft,

Als Studentin jobbte ich bei einem Versandbuchhändler, damals der größte in Europa: Wenn wir Studenten Bücher bestellten, dann bekamen wir den Grossistenrabatt: auf Lagerbestand, der riesig und sehr bunt (suhrkamp etc.) war 50% Nachlass, auf alles von Koch-Libri 30-33%. Inzwischen sind die längst geschluckt. In den Verhandlungen z.B. mit Weltbild etc. geht es hart zur Sache.

Und ja, wenn Lauridsen sich besorgt äußerte über Selbstzensur, so ist die bei vielen Verlagen längst Alltag im Sinne von Marktkonformität. Es wird nicht selten bevor ein Buch produziert verhandelt, ob die Großen das wollen bzw. abnehmen oder nicht.

Kleine Buchläden: Wenn die Arbeitsbedingungen von Amazon angeprangert werden, bei allem Respekt vor den Menschen, die dort arbeiten, werden viel Krokodilstränen vergossen. Hier in Berlin ist eine Traditionsbuchhandlung wie Kiepert seinerzeit daran gescheitert mithalten zu wollen und Pleite gegangen. Mit Wehmut - hier noch einmal eine gute Zusammenfassung: http://www.tagesspiegel.de/berlin/robert-kiepert-koenig-der-kunden/4893788.html

Hier ein immer noch lesenswerter Artikel Aushöhlung des Rechts. Von Beckmann, Gerhard, SPIEGEL SPECIAL 4/2004

„Handelsketten diktieren heute den Verlagen ihre Bedingungen. Sie verletzen Vorgaben des Bundeskartellamts und lassen die Kulturvielfalt veröden.“Dumping im Namen des Herrn. Von Rosenbach, Marcel. DER SPIEGEL 29/2006

„Kaum ein Medienkonzern wächst so aggressiv wie die Weltbild-Gruppe. Die Buchbranche sieht den Expansionsdrang mit einer Mischung aus Neid und Skepsis. Denn Eigentümer des Unternehmens ist die katholische Kirche. Kommerz wird da zur wahren Glaubensfrage. (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-47603000.html)

Neuer Branchenprimus: Hugendubel und Weltbild verbünden sich: Der hart umkämpfte deutsche Buchhandelsmarkt bekommt eine neue Nummer eins: Der Buchhändler Hugendubel und die Verlagsgruppe Weltbild gründen einen Handelsverbund.“

LG am

 

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Ehemaliger Nutzer 18.02.2013 | 18:50

Das EU Schlachtross wird da sicher nicht tätig, denn es gibt natürlich keinen Zwang etwas in das Sortiment aufzunehmen. Dann könnte braune Soße zwangsweise in die Regale kommen, man sollte alles auch vom Ende her sehen. Das primärurteil, das herangezogen werden könnte, wäre Cassis de Dijon, aber das passt eben nicht. Die nationalen Minister lassen sich oft verleiten etwas nachg Brüssel zu schicken, dann sind sie die Sache los und wenn weiter gemekert wird, dann heißt es die in Brüssel wollen nicht.

miauxx 18.02.2013 | 19:54

Der Vergleich passt nicht ganz. Aber um zu verstehen, worauf ich hinauswollte, müsste man meinen Kommentar 17.02.2013 | 14:11 lesen, auf den sich W. Heinrich ja bezieht (obwohl ich nicht sicher bin, ob er ihn in meinem Sinne verstanden hat). Auf jeden Fall meine ich keine voraussetzungslose Erpressung, sondern dass sich der Kunde, wie auch Verlage, offenbar auf eine Erpressung einlässt. Er lässt sich eigentlich gerne erpressen, weil es so toll und einfach ist, einfach nur bei Apple oder Amazon vorbeizuschauen. Naja, und dann mault er halt mal, wenn die nackten Brüste gepixelt werden.

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Ehemaliger Nutzer 18.02.2013 | 20:22

Im Bereich der Kultur ist ja alles etwas anders, was gut so ist. Das Problem ist jedoch, dass der Pragmatismus manchmal ausgehebelt wird. Und manchmal wird - gerade in der Kultur - mächtig geschummelt, wie es Kinder tun, wenn sie uno-uno spielen. Der Joker ist da die Entrüstung. Die Spielregeln werden mit Freuden überlagert durch den Spass daran, wer so schummelt, dass er nicht erwischt wird. Wenn nun Apple mit Entrüstung als der bösartige Schummler dargestellt werden kann, ist der Zweck erreicht: Big Apple ist prüde, hat somit eine üble Gesinnung und muss daher den unbehosten Hippies auf den Knieen Abbitte leisten. So behaglich ist die Szene zu betrachten. Shakespeare übernehmen Sie, ich blicke nicht mehr durch, welcher Gast / Geist dringt in die Seele Hamlets, der inzwischen EU Beamter geworden ist? Er sitzt da und murmelt Schlafen,schweigen, in Pension gehen (im Original: sterben!)

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Ehemaliger Nutzer 18.02.2013 | 21:50

Ich bekenne: ich bin Schumpeter - Anhänger! Und somit auch Apple. Zweimal standen die am Abgrund und zweimal - bingo - Phönix aus der Asche. Chapeau! Aus ner kleinen Nische an die Spitze! Nicht mit Marktmacht sondern mit Ideen, brainware, chapeau double! Ein Monopolist? Dass ich nicht lache, ein Innovator umgeben von Neidern, wie immer. Dänemark war zum letzten Mal Innovator im 8. bis 9. Jahrhundert, das liegt allerdings weit zurück und war nicht durchgängig erfreulich, selbst im heutigen Algerien und in Sizilien haben sie die Märkte aufgeräumt, toll, english breakfast? Danish poor pigs.

miauxx 19.02.2013 | 00:11

"Aus ner kleinen Nische an die Spitze! Nicht mit Marktmacht sondern mit Ideen, brainware, chapeau double! Ein Monopolist? Dass ich nicht lache, ein Innovator umgeben von Neidern, wie immer."

Ach quatsch - wer neidet hier den Apple irgendwas?! Ist doch gar nicht das Thema! Und ihre restlose Begeisterung für ökonomischen Erfolg - schön, meinetwegen! Es gibt aber auch Menschen, denen noch an ein bisschen mehr gelegen ist.

hunter 19.02.2013 | 12:11

Es gibt immer noch einige (wie "zeitungsleser") hier, die noch immer dem Schickimicki Underdog-Image von Apple aufsitzen und nicht begreifen wollen/können, dass Apple schon lange nicht mehr der lässige Hipster- Verein ist, der es den bösen Monopolisten zeigt (war er das denn je?) sondern mittlerweile eine massive Machtstellung aufgebaut hat, die zu einer veritablen Bedrohung unseres geistigen Lebens geworden ist. ---------------------------------------------------------------

Das alles klingt jetzt schrecklich Orwellhaft und übertrieben, doch Bescheidungen von Freiheitsrechten und das Operieren am geistigen Eigentum beginnt eben meist harmlos und betrifft nicht selten zunächt nur eine spezielle Gruppierung (dänische Hippies). ------------------------------------

Der Artikel ist schon deshalb begrüßenswert, weil er an einem Beispiel aufzeigt, wie Apple bereits agiert -  wie die Firma noch agieren könnte, das darf man sich ausmalen.

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Ehemaliger Nutzer 19.02.2013 | 13:23

Sie weisen mir die Tür und nicht dem Verursacher, d.h. demjenigen, der mich wissentlich falsche benannt hat und mich als naives Greenhorn bezeichnet. Auch ne Erfahrung. Aber ich gehe ja auch ohne Hinweise, denn bis jetzt ist kein Argument, die ich so seit der Mitte der Diskussion eingebracht habe, aufgegriffen worden. Das Thema ist bedeutungsvoll, das ist sicher, aber ohne Beleuchtung von verschiedenen Seiten kann man es nicht angehen.

hunter 20.02.2013 | 15:49

Zeitungsleser: "Zweimal standen die am Abgrund und zweimal - bingo - Phönix aus der Asche. Chapeau! Aus ner kleinen Nische an die Spitze! Nicht mit Marktmacht sondern mit Ideen, brainware, chapeau double! Ein Monopolist? Dass ich nicht lache, ein Innovator umgeben von Neidern, wie immer."

Verehrter Zeiungsleser, verzeihen Sie, doch ich meine da nicht ganz falsch zu liegen, wenn ich in diese Zeilen eine gewisse euphorische Grundhaltung Apple gegenüber hineinlese. Und ich frage mich da natürlich, wie es dem Konzern gelungen ist, eben genau dies zu erreichen, nämlich seine Kunden in Anhänger oder Jünger zu transformieren.------------------------------------------------------------------------

(Mal ehrlich, wären Sie denn wirklich ernsthaft auf die Idee gekommen Firmen wie Aldi, Lidl oder die Adam Opel AG mit einem Kulturvolk wie den Dänen, die so großartige Filme wie niemand sonst machen, zu vergleichen?) -----------------------------------------------------

Meiner Einschätzung nach darf man bei der Betrachtung von amerikanischen Unternehmen grundsätzlich das religiöse und somit puritanisch-sektiererische Element nicht unterschätzen.-------------

Ob Nike oder Apple Stores, sie gleichen in ihrer Aufmachung modernen Kathedralen, Leute wie Jobs tauchen mit ihren hippen neuen Apparaturen vor der Masse auf wie Mose einst am Berg Sinai und die Konsumenten warten Tage und Nächte vor den Läden, als handele sich bei dem zu erwerbenden Produkt um die Sakramente etc. -------------------------------------------------------------------------

Was mich bei der Sache aber wirklich äußerst bedenklich stimmt, ist, dass das religiös-sektiererische Denken der amerikanischen  Unternehmen (das sich in dieser Form, grob gesagt, wohl seit den 80ern herausgebildet hat) in Deutschland bereits Fuß gefasst hat und sich in den Firmen in Windeseile ausbreitet. ---------------------------------------------------------

In dem "Work Hard Play Hard", der die heutige deutsche Arbeitswelt zu dokumenieren sucht, fühlt man sich als Zuschauer in manchen Bürokomplexen bereits wie in hypermoderne (amerikanische) Sekten versetzt, deren einzige Ziele Gehirnwäsche und Gewinnmaximierung sind. Es gruselt einen! ------------------------------------------------------------------ 

Denkt man in diese Richtung so könnte man den Grund finden, warum Apple so vehement gegen Nacktheit ist.

 

anne mohnen 20.02.2013 | 16:43

 @ Liebe Schachnerin

Facebook und YouTube!

Zu YouTube: Auf deren Seiten findet sich in der Tat auch jeder (hierzulande verbotene) Nazidreck! Facebook: Vor ein paar Tagen sah ich eine Sendung auf Arte. Eine französische Soziologin hat in ihrer Dissertation das Verhalten von Jugendlichen und Kindern auf Facebook untersucht: Das Ergebnis war niederschmetternd: Was mich besonders entsetzt, ist das Ausmaß an schlimmsten Demütigungen, die sich bereits Kinder im Alter von neun und Zehn Jahren unfiltriert auf Facebook antun können. Nur unter enormen finanziellem Aufwand, von bis zu 30.000 Euro sprach ein Anwalt, könnten Eltern die Hassbotschaften und Verleumdungen entfernen lassen. Die Bezeichnung „Soziales Netzwerk“ bekommt da einen ganz perversen Beigeschmack. Ja, und die Kinder können mit wenigen Klicks, sofern Eltern keine Kindersicherung eingebaut haben, die sehr explizite Werbung von und für Pornographie. anschauen.

Nun kann man das Problem erst einmal an die User, Eltern etc. zurückgeben, was auch wichtig ist. Von Medienkompetenz, von Wahlmöglichkeiten, Freiheit ist dann  die Rede. Und da ist was dran. Da beist die Maus keinen Faden ab und  ist das Gezeter von naiven Kritikern ist fehl am Platz, wie eine Romantisierung des Internets.  Wer im Netz unterwegs ist, trägt auch Verantwortung!!

Doch zurück zu meinem Thema. Warum ist das möglich? Meiner Meinung nach kommt es zwangsläufig zu Widersprüchen, wenn ein im Netz agierendes Unternehmen allein Moralstandards festlegen oder darüber fabulieren will, insbesondere, wenn, wie eben der Fall der Hippie-Chronik und -nicht minder krass- Ihr Beispiel von brustamputierten Frauen zeigt,die einfache Negation „keine nackte Haut, keine Brüste, keine genitalien“ zugrunde liegt. Das führt nicht nur zu bizarren Entscheidungen, wohl wahr.

Ich bin zu der Auffassung gekommen, dass diese Konzerne mit ihren schlichten Optionen eine Strategie verfolgen, wie ich oben ausführte, und die gilt es aufzudecken und unter Umständen anzuprangern. Zynisch gesprochen, sind da die Beispiele von stillenden Müttern etc., u. U. Kollateralschäden für diese weltweit agierenden Unternehmen. Zynisch gesprochen sind die Wachstumsmärkte dort, wo man von einem Bewusstsein für die Würde geschweige von der Gleichstellung von Frauen im besonderen und Freiheitsrechten im allgemeinen weit entfernt ist.

Es ist ein eben ein nicht unwesnetlicher Aspekt an dieser Problematik, dass Unternehmen auf der Grundlage von Freiheitsrechten und im Namen dieser, sich anschicken, diese nicht nur auszuhöhlen, sondern diese eigenmächtig zu beschneiden.  Die Problematik wird sich weiter zuspitzen in dem Grade, wie sich diese Konzerne Allianzen schmieden und Ihnen kein Grenzen aufgezeigt werden.

LG am

LG am

anne mohnen 20.02.2013 | 17:12

@ Lieber Hunter,

danke!

„Meiner Einschätzung nach darf man bei der Betrachtung von amerikanischen Unternehmen grundsätzlich das religiöse und somit puritanisch-sektiererische Element nicht unterschätzen.----„

In der Tat, wird Apple ja auch so kommentiert. Bei näherem  Hinsehen wäre dieses schlichte "puritanisch-sektiererische Element", von dem Sie reden, mit allen möglichem weltweit kompatibel. Im Reduktionismus steckt eine Menge Potential.

Was die Ursprünge dieses puritanisch-sektiererischen Elemnts anbelangt, war "der kalifornische Way of life, nicht immer schon auf das 25. Lebensjahr begrenzt?

Und dann hat bereits der erste amerikanische Roman " The Scarlett Letter" (1850) von Nathaniell Hawthorne das Thema "puritanistischer -sektiererischer" Eifer  als Thema.

Ja, ich denke es geht  um eine kulturelle und rechtliche Auseinandersetzung, die jedoch nicht als  "alte versus neue Welt" "gespielt" werden darf.

LG am

Wolfram Heinrich 21.02.2013 | 09:30

@anne mohnen

Zu YouTube: Auf deren Seiten findet sich in der Tat auch jeder (hierzulande verbotene) Nazidreck!

 

Nicht nur dort. Das hier habe ich auf blogspot.com gefunden. Ich habe dort auch meinen eigenen Blog geparkt. Vor ein paar Wochen habe ich die Seite gemeldet und um Löschung gebeten. Bisher keine Reaktion, weder wurde der Blog gelöscht noch erhielt ich irgendeine Antwort.

 

Ciao

Wolfram

hunter 21.02.2013 | 12:33

Liebe Anne Mohnen,

es geht mir eigentlich weniger darum, Kulturkämpfe auszutragen als kulturelle Zusammenhänge zu begreifen. Was bedeutet, mich z.B. zu fragen, woher (auf einmal) in Europa, Afrika, Asien oder eben Lateinamerika bestimmte Denkweisen herrühren, die nicht unmittelbar aus den dortigen Kulturen selbst stammen. -------------------------------------------

Und da glaube ich eben, dass vieles, was heute (weltweit) gedacht, gelebt, erlitten, erfunden, konsumiert etc. wird, durch den amerikanischen Geist wenigstens mitbestimmt ist. -----------------------------------

Mag sein, dass die ökonomische Macht Amerikas schon seit einer Weile zu bröckeln beginnt, die kulturelle oder "spirituelle" Vormachtstellung Amerikas (Hollywood, Silicon Valley) ist meiner Auffassung nach stärker denn je. (Erst recht in Deutschland, dem Land der Konformisten und Plagiatoren.). - Und ist "Brangelina" in den Medien denn nicht bereits präsenter als ganz "Eurasien"? 

---------------------------------------------

 

In short: Mich interessiert, warum ich so denke wie ich denke - anders gesagt, ich wüsste gerne, wer mich/uns denkt. ------------------------------

(In diesem Zusammenhang könnte auch das neue Buch Schirrmachers ganz spannend sein.)

 

oi2503 21.02.2013 | 13:07

Einblicke gibt dieser Besinnungsaufsatz – wenn überhaupt – nur  in den Wahn des Autors

Nur ein Beispiel: „Die wie ein Präzisionsspiegel polierte Rückseite dieses Gerätchens ertrug einfach keine Berührung. Jeder Kontakt mit menschlicher Haut bewirkte eine sofortige partielle Erblindung der Oberfläche, die beim Besitzer des Geräts (also mir) augenblicklich eine Hauch-, Fummel-, Reinigungs- und Polier-Attacke auslöste,(…)“

Hier scheint es mir doch eher so zu sein, dass nicht die Rückseite des Gerätes keine Berührung ertrug sondern vielmehr der Schreiber es nicht ertrug, dass er sein Gerät nicht mehr im perfekten Zustand hatte. Wenn er dafür nun die Apfelfirma verantwortlich macht, nennt man so etwas wohl am besten Projektion.

Ich nehme an, die Konkurrenzprodukte der iIrgendwas sind alle aus Holz hergestellt, das im Alter schöner wird und nicht aus sich schlecht anfühlenden, knarrenden, schlecht riechenden Plastematerialien? Gegen die die Apfelfima Aluminium und Glas setzte? Die „man“, also ich, auch wegen ihrer Haptik sehr schätzt. Und wegen der Langlebigkeit.

Mein iPod, ein Classic 80GB schwarz, also keins von diesen modischen Schnickelgedöhnsen, die hier beschrieben wurde, hat noch nie eine Hülle gesehen, kommt ohne zu Klagen mit an den Strand, wandert ohne Widerstand in jede Tasche und auf jeden Untergrund, fällt mir ständig runter, wenn ich mir die Schuhe zubinde. Er altert dabei in Würde, hat äußerliche Macken und mehr und wird immer schöner.

Mein iPhone hat auch noch nie eine Hülle gesehen. Das würde dem Teil ja einen Teil seines Reizes nehmen. Genau das richtige Gewicht, klasse Material, richtige Größe. Für mich. Fühlt sich einfach gut an. Und das dänisch-hüllenlose geht. Weil das Glas extra hart sein soll (hab ich gehört).

Und so könnte ich weitermachen. Lass es aber, weil ich weiß, dass gegen ein gepflegtes Vorurteil eh kein Kraut, schon gar nicht Information gewachsen ist.

anne mohnen 21.02.2013 | 17:32

@ Lieber Hunter,

mir geht es sehr wohl darum, nicht nur zu diskutieren, sondern argumentativ und rechtlich zu verteidigen, was „wir“ unter Meinungsfreiheit, Freiheit des Ausdrucks verstehen. Das alles ist ja nicht von Himmel gefallen. Und ich möchte es nicht missen: z.B. diese Vielfalt an Öffentlichkeit, Meinungen.

Selbst wenn es einem schon links und rechts nicht interessiert (@ OI2503), dass Apple ein Konzern für Kommunikationstechnologie ist, sich als solcher vermarktet. Warum diese Geheimniskrämerei von Apple?

Und dann glaube ich nicht daran, dass es in dieser Causa um die „Weltmacht Amerika“ geht, sondern schnöde um einen Weltkonzern namens Apple – der sich anschickt für uns zu denken.

Ja, Schirrmacher, den hab‘ ich schon in einem großen Berliner Kulturhaus gelesen. „Frau“ will auf dem Laufenden sein. Gekauft – nee!

Liebe Grüße am

MasterYehudi 21.02.2013 | 19:51

Beunruhigendes aber auch dämliches Verhalten, das ich aus Applesicht nicht verstehe. Die Erklärung, dass ein Konzern sich "anschickt, für uns zu denken", finde ich wenig überzeugend. Das sind dystopische Visionen, ohne plausible Erklärungen, besonders weil keine Logik in Apples Sittenlehre erkennbar ist. Glaube eher, das Apple-Ego hat  den dänischen Humor nicht verkraftet…

oi2503 22.02.2013 | 13:08

Das

"Selbst wenn es einem schon links und rechts nicht interessiert (@ OI2503), dass Apple ein Konzern für Kommunikationstechnologie ist, sich als solcher vermarktet."

liebe Anne, ich darf doch Anne sagen?, entstellt meine Argumentation ziemlich, einmal abgesehen davon, dass mein angebliches Desinteresse noch eines Beleges bedürfte. In der Tat kann zumindest ich mich ziemlich gut daran erinnern, dass ich nicht ein, nicht zwei, sondern zigfach auf die wirtschaftlichen Interessen Apples an seiner Marke hingewiesen habe. Wenn du Interesse an Meinungsfreiheit hast, wie du schreibst und ich ech dir auch abnehme, dann sei doch so gut und ertrage auch abweichende Meinung ohne zu Verfremdung und Unterstellung zu greifen. Hier auch noch ohne dass ich eine Nachricht erhalte. Warum machst du das?, ich bin wirklich entsetzt. Ist komplett unnötig, der Blog war bis zum Schluss ganz hervorragend sachorientiert.

P.S. Siehst du mich links, rechts oder auf beiden Seiten?

 

anne mohnen 23.02.2013 | 13:39

Lieber Oi2503,

nein ich will Ihnen nicht den Mund verbieten, ganz im Gegenteil. Für Ihres Diskussionsbeiträge habe ih mich schon bedankt!

Nun las ich das:

oi2503 23.02.2013 | 08:56

An anderer Stelle schriebst du, sinngemäß „Es sind die Strukturen, die uns zu schlechten Menschen machen“ (aus: http://www.freitag.de/autoren/columbus/otto-normalverbraucher-der-billige-suender)

Warum soll das bei Apples anders sein? Besser hätten Sie sich nicht wiederlegen können ;)

LG am

oi2503 23.02.2013 | 14:11

"An anderer Stelle schriebst du, sinngemäß „Es sind die Strukturen, die uns zu schlechten Menschen machen“

Nein, schrieb ich nicht. Auch nicht sinngemäß, vielmehr widersprach ich diesem, sinngemäß von Columbus in seiner ganzen Absolutheit gebrachten Satz (er sprach noch von politischen Vorgaben).

Und warum mein Beitrag in dem anderen genannten Blog, der einerseits darauf abzielt, den Konsumenten nicht aus seiner Mitverantwortung für das besch***eidene Angebot z.B. an Äpfeln zu entlassen und andererseits ein Beispiel zu bringen, in dem die Produzenten (in dem Fall die Fischer, könnten auch Verlage sein) sich wieder in Besitz des kompletten Vermarktungsweges zu bringen, ein Widerspruch zu dem hier geäußerten sein soll, erschließt sich mir nicht.

 

 

oi2503 23.02.2013 | 17:53

Liebe Anne,

du wirst dich hoffentlich nie geschlagen geben, und ich wollte nicht schlagen. Nur Klingen kreuzen, geistige und das verbal. Und das hat mir viel Freude gemacht und gesitige Nahrung gegeben.

Können wir uns auf ein gerechtes 7:7 einigen? Ich finde das wäre - ohne jetzt den Chip im Ball gehabt zu haben oder einen Torrichter - dem "Spielverlauf" angemessen.

Und ja, in der Tat, das mit den Äüfeln hat etwas. War mir noch gar nicht aufgefallen. Dir noch einen schönen Abend.

Liebe Grüße, Oi