Anschluss Berlin
31.12.2012 | 18:01 149

Kauft nicht beim Schwaben

Fremdenhass-light Wolfgang Thierse fordert die Selbstverleugnung von Zugezogenen in Berlin.

In einem Interview in der Berliner Morgenpost nennt Wolfgang Thierse das Zusammenleben mit zugezogenen Schwaben "strapaziös". Er wünsche sich, so Thierse, "dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind – und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche". Die Bevölkerung mit Menschen aus einer anderen Gegend sei die „schmerzliche Rückseite“ der Veränderung im Bezirk. Schrippen sollen wieder Schrippen heißen und nicht mehr Wecken und auf dem Pflaumenkuchen solle wieder Pflaumenkuchen stehen und nicht mehr Zwetschgendatschi. Ein offenbar unüberwindliches Bedürfnis Thierses wird dabei deutlich: Er scheint zu wollen, dass man so mit ihm redet, wie das in Berlin üblich ist. Kannste kriegen, Keule.

Hasskultur

Es gibt seit Jahren eine polemische Bewegung gegen die sogenannten Zugezogenen in Berlin, die sich Motiven bedient, die starke Anleihen bei fremdenfeindlichem Gedankengut nehmen. Die Süddeutsche hat diese Bewegung treffend als Hasskultur bezeichnet. Das Kampfwort lautet Gentrifizierung. Die Angst vor Überfremdung schwingt als Motiv überall mit. Selbst Parolen wie „Schwaben töten“ sind vielerorts zu finden. Unter einigen sogenannten Ur-Berlinern, insbesondere jenen aus dem Ostteil, zu denen ich mich in diesem Zusammenhang nur mit Scham zählen kann, ruft diese Entwicklung wenigstens ein verharmlosendes Lächeln, in vielen Fällen aber sogar pauschale Zustimmung hervor. Der Ur-Berliner, das ist immer wieder zu erkennen, geriert sich als Mitglied einer überlegenen Herrenrasse; er lässt seine Begleiter aus den entlegenen Winkeln des Landes gönnerisch strahlen in seinem Glanz; er gibt vor, wie "wir die Dinge sehen": wie sie also zu sehen sind. „Witze“ wie „Kauft nicht beim Schwaben“, sorgen hinter vorgehaltener Hand auf Partys für Gelächter. Bei alledem ist die Etablierung der fremdenfeindlichen, teilweise sogar rassistischen Motive ganz und gar offenbar. Problematisiert wird das nicht.

Auf diesen Zug springt Thierse auf

Auf diesen Zug springt Thierse, wenngleich seine Formulierungen harmlos anmuten, weil er sich scheinbar auf das Gut des Berliner Dialekts beschränkt, auf. Das ist Fremdenhass-light, der hier präsentiert wird. Und zwar ohne Distanzierung von den gefährlichen Tendenzen, die mitschwingen. Und das ist – zurückhaltend formuliert – ungewöhnlich für einen Mann, der einen Schwerpunkt seines politischen Wirkens bei der Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit gesetzt hat. Thierse ist kein Rassist. Die Muster, die er für seine Äußerungen in Beschlag nimmt, sind aber keineswegs so harmlos wie der alte Mann. Sie sind gefährlich und altbekannt.

Weniger Rechte für die Neuen?

Thierse wohnte, so steht es in der Morgenpost, zu DDR-Zeiten schon im Prenzlauer Berg. Und diese Information scheint Thierses Wort, so breitet es sich im Leser aus, eine besondere Legitimation dafür zu verleihen, die Geschicke in seiner Hood zu bestimmen. Aber woher soll so eine Legitimation noch mal kommen? Dieses stärkere Recht desjenigen, der länger an einem Ort ist, als ein anderer? Warum darf sich der Alte dem Neuen gegenüber noch mal durchsetzen? Gibt es etwa, abgesehen von Nazis, jemanden in Deutschland, der meint, ein Ausländer müsse für einen Deutschen im Bus den Platz räumen, weil der Deutsche schließlich Wurzeln in der Region hat, die länger sind als die des Ausländers? Nein. Die Werteordnung, die sich die Menschen geben, die in Deutschland miteinander wohnen, kennt kein stärkeres Recht des Alteingesessenen gegenüber dem Neuankömmling. Es gibt auch keinen Konsens über Ausnahmen für bestimmte Gruppen. Nicht für Schwarze und nicht für Schwaben. Dieser Wertekonsens schließt es ein, dass Fremde ihre fremde Kultur pflegen können. Bei Asiaten, Arabern und Afrikanern ist das überall in Berlin etabliert und anerkannt. Warum sich Schwaben selbst verleugnen sollen, wird nirgendwo erklärt.

Entwicklung verweigern

Der Prenzlauer Berg (und zusammen mit ihm der Rest des Landes) hat sich entwickelt. Er ist nicht mehr der, der er mal war. Deshalb gelten auch die alten Regeln nicht mehr. Diese Entwicklung ist seit Jahren, das sagt Thierse selbst, an allen Ecken und Enden zu sehen. Warum aber soll man sich so einer Entwicklung verweigern? Was ist schlecht an Entwicklung und wie kann man fordern, die alten Regeln einer fast nicht mehr vorhandenen Minderheit gegenüber den Bedürfnissen der Neuen durchzusetzen? Was Thierse angeht, so lassen sich insbesondere diese zwei Vermutungen (!) anstellen:

Wahlkampf als Motiv

Die eine zielt ab auf den Bundestagswahlkampf, der längst begonnen hat. In einem Wahlkampf ist es immer gut, im Gespräch zu sein. Mit welcher Idee auch immer.

Dem ist voranzuschicken: Das deutsche Grundgesetz erlaubt es jedem, alles zu denken, was er will. Moralische Kategorien stehen dem ebenso nicht entgegen. Komplizierter wird es, wenn es zur Äußerung der Gedanken kommt. Denn dann müssen der Inhalt des Gesagten und der Zweck der Äußerung in die Bewertung einbezogen werden. Fremde und Fremdes nicht zu mögen, das kann niemandem abgesprochen werden. Aber Thierse ist eben nicht nur ein alter Pankower auf einer Couch, der denkt, sondern er ist auch ein Politiker, der sich öffentlich äußert.

Thierses Wahlkreis ist Pankow. Ich bin in Pankow aufgewachsen. Der Bezirk Pankow ist seiner Fläche und seiner Einwohnerzahl nach wesentlich größer, als seine Bekanntheit. Abgesehen vom Ortskern von Pankow und dem Prenzlauer Berg (der wie Weißensee zu Pankow gehört), wohnen in diesem Bezirk viele Menschen, seit es sie gibt. Hier können öffentlich geäußerte Ressentiments gegen Fremde auf fruchtbaren Boden treffen. Ein Wahlkampfmanöver auf Kosten von Fremden? Das ist gefährlich. Und nicht zum ersten Mal da. Thierse stellte sich, träfe diese Vermutung zu, in eine Ecke, in die er nicht gehört.

Ein alter Mann

Die zweite Vermutung für den Grund der Äußerungen setzt an bei dem alt gewordenen Mann, der sie gemacht hat. Die Entwicklung um sich herum, um seinen Kiez, wie die Neuen sagen, scheint Thierse nicht recht zu wollen. Und das ist verständlich: Entwicklung macht die Dinge anders, als sie früher mal waren. Das mitzuerleben und über sich ergehen zu lassen, kostet Kraft und verletzt Gefühle. Das kann das Denken kurz vergessen machen. Thierse würde vom Dönermann kaum fordern, den Döner in Gemüse-und-Fleisch-Brot-mit-Soße umzubenennen. Aber der Döner, der wie der Zwetschgendatschi von einem Mann zubereitet wird, der später nach Berlin kam, als Thierse, der Döner nun, der war nie Teil von Thierses Vergangenheit. Vielleicht fällt es Thierse deshalb nicht ein, seine Umbenennung zu fordern. Dass Wolfgang Thierse sich auf den Kottbusser Damm stellt und von dem Arabischen Brautmodenverkäufer fordert, er möge seine Werbung auf Deutsch und am besten mit Berliner Dialekt gestalten, erscheint genauso absurd. Warum soll das im Prenzlauer Berg aber mit der Schrippe funktionieren? Weil Schwaben keine schwarzen Locken haben, der Unterschied zum Kritiker deshalb nicht so deutlich ist, und er deshalb nicht auf den ersten Blick als reaktionärer Kauz erscheint?

Die Schrippe war Teil von Thierses Vergangenheit. Jetzt geht sie dahin. Und Abschiednehmen, das fällt schwer. Aber es muss sein. Das nennt man Entwicklung.

Nicht einer für alle

Thierse sorgt mit seinem Beitrag dafür, dass das Gedankengut einer kleinen Gruppe Verwirrter und historisch sowie politisch Ungebildeter allen Berlinern angedichtet wird. Er spricht aber nicht für alle. Eine Vielzahl von uns erfüllt das Gesagte mit Scham. Wir Berliner sind, wie jedes andere deutsche Völkchen auch, nicht von reiner Rasse. Wir sind Schwaben, Türken, Ossis, Wessis. Wir haben keine einheitliche Sprache. Das wird jedem gewahr, der es einfach mal auf sich nimmt, mit der Straßenbahn M5 von der Endstation in Hohenschönhausen zur Endstation am Hackeschen Markt zu fahren oder mit der Ringbahn einmal im Kreis. Der Berliner ist kein besonderer Schlag Mensch. Die Menschen hier wollen nicht, dass einer für sie einen festen Sprachgebrauch festlegt. Sie wollen machen, was Menschen machen wollen. Egal, wer sie sind und woher sie kommen. Und einige von ihnen wollen jetzt eine Entschuldigung und eine Richtigstellung von dem, der meint, er könne über sie bestimmen.

Vielleicht ist das eine Sache, die man einem alt gewordenen Mann ins alt gewordene Gedächtnis zurückrufen muss: Die Dinge um Dich verändern sich, Keule. Und das ist, um mit einem neueren und schon wieder ausgelatschten Berliner Wort zu schließen, auch gut so.

Kommentare (149)

Magda 31.12.2012 | 20:14

Das mit dem "alten Mann" würde ich mir verkneifen. Das ist auch diskriminierend. Gentrifizierung ist eine Erscheinung, die durchaus real ist. Und Angst vor Überfremdung ist nicht das Motiv, sich hin und wieder aufzuregen, sondern die Art, wie sich einige Leute im Prenzlauer Berg als "neue Herren" aufspielen. 

Die nehmen keine Rücksicht. Warum haben die überhaupt kein Interesse, an dem Bezirk in seiner Geschichte, warum nicht? 

Merkwürdige Schleicherei auf die Opferseite im Szenebezirk. 

 

seriousguy47 31.12.2012 | 20:16

Neulich beim Bäcker in Stuttgart. Ein junger Hochdeutscher verlangt Schrippen. Die türkischstämmige Verkäuferin: "Was wollen Sie bitte?". "Schrippen". Die Verkäuferin ratlos. Ich sage: "Brötchen". Die türkischstämmige Verkäuferin: "Ach so, Brötla wollen Sie."

....Keine Ahnung, woher ich selbst das wusste.....

"Wecken?" Das Wort gibt es, sicher. Bei der Bundeswehr oder im Internat. Auch als Synonym für Brötchen. Kann mich aber nicht erinnern, wann ich das zum letzten Mal beim Bäcker gehört habe. Vielleicht ist es ja nach Berlin ausgewandert?

Zwetschgendatschi gab es zuerst bei der hiesigen Hofpfisterei. Und die kommt eigentlich aus München. Jetzt gibt es ihn auch bei anderen Bäckern. Als Billigvariante zum Zwetschgenkuchen. Das sind nämlich zwei Paar Stiefel....äh...Kuchen. Und Pflaumen sind noch mal was anderes. Ich sage bei der Hofpfisterei übrigens "Zwetschgenschnitte". Werde trotzdem freundlich bedient. Unfreundlich ist nur der Preis. Wegen Bio. Aber das haben wir hier halt besonders gern. Selbst wenn es aus Bayern kommt. Denn es gibt da täglich eine "Happy Hour" mit degressivem Preissystem.

Wir schätzen übrigens internationale Küche. Und solche mit vielen Sternen.

Es soll sogar Stuttgarter geben, die ständig nach München zum Einkaufen fahren. ....Nein, Schoppa, das ist etwas anderes, Herr Thierse. Das ist ein Viertele Wein.... Auch Oper und Konzert zieht Stuttgarter nach München. Die Münchner Schikeria eher nicht. Man protzt nicht hierzulande. Man ist nett. Selbst der Finanzbeamte.

Kehrwoche? Also das sollte Herr Thierse als Sozialdemokrat wie als Christ eigentlich propagieren. Dabei lernt man nämlich von klein auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. Die Bewegung an der frischen Luft ist der Gesundheit sehr zuträglich. Und die eis- und schneefreien Gehwege im Winter auch. Und wer weiß besser, wann zu Räumen ist als der, der direkt am Ort wohnt?

Stichwort Provinz. 1961 wurde der Südafrikaner John Cranko unter anderem deshalb Ballettchef in Stuttgart, weil er angesichts seiner schwulen Orientierung in London keine großen Chancen für sich sah. Den Stuttgartern war das egal. Er war ein Jahrhundert-Schnäppchen. das reichte.

Wir sind übrigens Migrationshauptstadt. Und ich denke, in den mehr als 40 Prozent Migrationshintergrund sind die Flüchtlinge und Heimatvertriebene noch gar nicht eingerechnet. Autos verbrennen wir aber nicht. Wir lieben sie. Außerdem sind wir halt nett. Auch zum Nachbarauto.

Apropos Migrationshintergrund. Mein Billigbäcker und seine Chefin kommen aus Sachsen. Und ich staune immer wieder, für wie wenig Geld der bereit ist, zu arbeiten. Nett ist er auch. Scheint bei Sachsen auch nicht unbekannt zu sein. Und wenn ich mal Kaiserbrötchen kaufe, dann nehmen wir das hin und wieder zum Anlass, in sozialistischen Begrifflichkeiten zu juxen.

Seine Kollegin kommt aus Polen. Ist auch nett. Aber etwas kritisch in Hinblick auf ihre Ausbeutung. Kommt halt nicht aus Sachsen.

Und nun kann man natürlich fragen, ob hier alles deswegen so nett und entspannt ist, weil manche Schwaben nach Berlin ziehen....;) Solche wie den Dürr geben wir gerne ab. Hätte auch sein S21 mitnehmen können.....

Ich bin übrigens kein Schwabe, sondern naturalisierter "Rucksackdeutscher".

 

Wolfram Heinrich 31.12.2012 | 21:01

In einem Interview in der Berliner Morgenpost nennt Wolfgang Thierse das Zusammenleben mit zugezogenen Schwaben "strapaziös". Er wünsche sich, so Thierse, "dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind – und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche". Die Bevölkerung mit Menschen aus einer anderen Gegend sei die „schmerzliche Rückseite“ der Veränderung im Bezirk. Schrippen sollen wieder Schrippen heißen und nicht mehr Wecken und auf dem Pflaumenkuchen solle wieder Pflaumenkuchen stehen und nicht mehr Zwetschgendatschi.

 

Möglicherweise steckt hinter all dem ein ganz tiefsitzendes Ressentiment. Schließlich hat Berlin, und mit ihm ganz Preußen, jahrhundertelang unter einem gnadenlosen schwäbischen Besatzungsregime gelitten. Die schwäbischen Herrscher über Preußen führten dort die Kehrwoch und andere zwangsneurotische Rituale ein, und zwar so was von dermaßen, daß es daheimgebliebenen Schwaben noch heute kalt den Rücken herunterläuft.


Größere Kartenansicht 

http://www.kirwaldhamburg.de/FriedrichDerGrosse.jpg

http://www.billerantik.de/gallery2/main.php/d/19994-1/288_Wilhelm-II__D.jpg 

 

Hier finden sich abschließend noch einige Anmerkungen zur Geschichte Berlins:

Wie die Hohenzollern wurden was sie waren.

Die Legende von der Entstehung des Namens "Kudamm".

 

Ciao

Wolfram

Achtermann 01.01.2013 | 14:48

Die Auseinandersetzung gärt wohl schon länger. Thierse hat die Stimmung der Eingeborenen oder derjenigen, die sich für Prenzlberger halten, aufgegriffen. Sie macht die Berliner Luft ganz schon suppig. Dazu Stimmen aus der WWW von 2009:

"fakt ist doch, dass sich die schwaben im prenzlauer berg, die es tatsächlich massenhaft gibt als etwas darstellen, was sie gar nicht sind. sie erwecken den anschein, als wenn sie berlin etwas gutes tun würden. aber was soll das sein? steigende mieten (die sich kein alteingesessener mehr leisten kann?)? völlige umgestaltung von stadtbezirken?
es wird so getan, als ob diese leute nach berlin kommen, um entwicklungshilfe zu leisten. das ist eine dreiste lüge. geschäfte wollen sie hier machen, sich bereichern. es ist ihnen völlig egal, wie die altberliner darauf reagieren – “so ist das halt im kapitalismus!” dann regen sie sich noch auf, dass jemand etwas dagegen hat.
arbeitsplätze würden sie bringen – maximal 400 eurojobs und ein paar schwarzjobs und studentenjobs in der gastronomie – das ist die wahrheit! es ist wirklich widerlich unanständig, wenn von ihnen behauptet wird die berliner hätten schwaben oder andere yuppies nötig, um glücklich zu sein. das kann man auch in einem bezirk ohne modeladen an modeladen. hier werden soziale strukturen zerstört – ohne rücksicht…nur wegen der profitgier einzelner. man kann nur hoffen, dass das finanzsystem richtig crasht und ihr unwissenden klugscheißer endlich mal aufwacht. ich denke mal die flucht zu mama nach baden würtemberg ist dann vorprogrammiert.
gute heimreise"

Dazu ein Statement von der anderen Seite:

"Na, Ihr Berliner seid ja lustig! Da dachte ich, die seien Weltoffen, multikulturell, großstädtisch, weltstädtisch gar! Und statt dessen nur Fremdenhass und Angstbeißer, wie man sie in den dunkelsten Tälern der Schwäbischen Alb vermuten würde! Gute Güte, was entwickelt sich Berlin zu einem armseligen Kaff mit lauter Dorfdeppen, die sich für Großstädter halten."

ana mnese 01.01.2013 | 15:45

Pikant finde ich an der Angelegenheit, dass Herr Thierse einen Ehrendoktortitel der Phil. Fak. der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster trägt. Er wurde ihm 2004 verliehen, "Für seine großen Verdienste um die Verständigung zwischen Ost- und Westdeutschland..." "Dabei habe er nicht auf spektakuläre Effekte und mediale Inszenierungen gesetzt, sondern auf die Überzeugungskraft des Wortes vertraut." http://www.uni-muenster.de/Rektorat/exec/upm.php?rubrik=Alle&neu=0&monat=200402&nummer=05071

Anschluss Berlin 01.01.2013 | 16:09

Hallo Ana,

das ist ein interessantes Moment.

Es bringt auch noch einen Aspekt hervor, den ich aus dem Text gestrichen hatte (um ihn nicht zu lang werden zu lassen): Den Ost-West-Konflikt. Ich meine allerdings nicht den Konflikt zwischen in der DDR und in der BRD Geborenen, sondern jenen zwischen Berlinern und Westdeutschen (die auch von Westberlinern so genannt werden).

Der Konflikt scheint nämlich eine Rolle zu spielen. Denn es sind unter den Berlinern ganz überwiegend jene, deren Leistung nicht genügen, um besser zu sein, als die "Neuen", die die Ressentiments schüren gegen Zugezogene schüren. Das sind die schwachen Menschen, die eine Arbeit hätten, wenn es weniger innerdeutsche Migration nach Berlin gäbe.

Herzliche Grüße

AB

Anschluss Berlin 01.01.2013 | 16:39

Hallo Achtermann,

genau diesen Zug meinte ich. Es gibt diese Entwicklung nicht erst seit gestern. Die Seiten sind sich in den (leider ohne Quelle angegebenen) Zitaten gut gegenüber gestellt.

In Vermutung Nr. 1 gehe ich im Text oben eben auch davon aus, dass es möglich ist, dass Thierse sich dies zunutze macht. Das ist mit dem oben Gesagten eben deshalb so fatal, weil es nicht zu Thierse und sein bisherigen Wirken passt und weil das, was hier benutzt wird, eben Wurzeln hat, die längst abgeschnitten worden sein sollten.

Herzliche Grüße

AB

Konfuzikuntz 01.01.2013 | 19:59

Nein, ein Rassist ist Thierse nicht. Eher ein Chauvinist, dessen politische Überzeugung überwiegend in aufgeblasener Selbstgerechtigkeit bestehen dürfte. Putzig ist es allerdings schon, und auch sehr deutsch, dass sich ein Vertreter jener Heilslehre, die ein "bedingungslos offenes Deutschland" fordert und jede Kritik an Albanerclans als nazistisch abtun (schließlich ist es keine einheimische Mafia und da gilt es tolerant zu sein), sich dann allen Ernstes über vollkommen friedlichen Mitbürger erhebt, die in die Hauptstadt ziehen und beim Bäcker die lokale Bezeichnung nicht kennen. Aber DA darf er es ja. Und der Kleinbürgergeist ist aus der Flasche.

Ob er beim nächsten Mord am Alex auf so mutige Worte findet? Aber nein. Das kommt in einer multikultirellen Großstadt eben vor. Und verschreckt vielleicht sogar die furchtbare Gentry?

eulen nach athen 01.01.2013 | 22:19

ich lebe als berliner in bayern. es würde mir im leben nicht einfallen, beim bäcker schrippen und pflaumenkuchen zu bestellen. ich gehe hier auch nicht zum fleischer sondern zum metzger und sage sogar ab und zu grüßgott (als atheist!). das tu ich, weil ich den einheimischen und ihren gepflogenheiten respekt zolle. ich wüsste auch nicht, warum das, was für mich als tourist im ausland gilt, in anderen regionen des "inlandes" nicht auch gelten sollte.

SiebzehnterJuni 02.01.2013 | 05:34

@AN BE

Oh Mann, wenn man das Interview life gehört hat, dann geht dieser Artikel aber sowas daneben wie nie. Es ist eben doch wichtig, den Ton, die ironische Melodie zu hören. Oh Mann und dann der Interviewer im  DLF war doch auch ironisch lustig.

Und dann mit si einem Schwachsinn mit "Fremdenhass-light" zu kommen, ist schon einfach irre.

Wie wäre es denn mit dem "Insterburg-Spruch": Westdeutsche kommt zum Berliner Zoo, die Affen,ach, die freun sich so!"

Dass ist ja dann wohl Fremdenhass brutal, oder?

Oder hat da ein Schreiberling den SilvesterRausch noch nicht rausgeschlafen?

Achtermann 02.01.2013 | 08:13

"Oh Mann, wenn man das Interview life gehört hat, dann geht dieser Artikel aber sowas daneben wie nie. Es ist eben doch wichtig, den Ton, die ironische Melodie zu hören. Oh Mann und dann der Interviewer im  DLF war doch auch ironisch lustig."

Das mit der ironischen Melodie ist so eine Sache. Über die kann man streiten. In diesem konkreten Fall komme ich mir ziemlich unmusikalisch vor, denn die ironischen Untertöne sind mir verborgen geblieben. Thierse vertritt ein Anliegen. Und dieses Anliegen vertritt er konsequent als "linker Konservativer", wie er sich selbst nennt. Aber lassen wir ihn doch einfach selbst zu Wort kommen. Wie antwortet er auf die Frage des DLF-Journalisten Müller?

"Müller: Also, wir bleiben mal dabei, Sie haben auch von Brötchen und Schrippen gesprochen, das muss auch ein Konflikt gewesen sein! Wir wollen ja, also viele in der deutschen Politik jedenfalls, Sie sind da ein besonderes Beispiel dafür, sehr engagiert beim Thema Migration und Integration, also, wir sollen dann Bürger, Menschen beispielsweise aus Botswana integrieren, aber mit den Schwaben in Berlin-Prenzlberg klappt das nicht so richtig?

Thierse: Nein, das war ja nur eine Beobachtung, die ich mitgeteilt habe. Nicht, wenn man beim Bäcker ist und plötzlich nicht mehr da steht "Schrippen soundsoviel", sondern da steht "Wecken", da denke ich, das können die doch woanders sagen, in Berlin sagt man Schrippen! Und dasselbe, ein anderes hübsches Beispiel ist: Hier heißt es Pflaumenkuchen, und plötzlich steht da Pflaumendatschi! Da denke ich, was soll das? Also, ein bisschen lokalpatriotisch bin ich besorgt um das gute Berlinisch. Und das sollte nicht durch das Schwäbische oder Bayerische verdrängt werden. Ich habe gegen das Schwäbische und Bayerische nichts, das soll da gesprochen werden, wo sie wohnen, hier in Berlin möchte ich gerne, dass das Berlinerische noch eine Chance hat."

Thierse möchte also in Berlin den schwäbischen Dialekt nicht hören. Das gute Berlinisch, was immer das sei,  setzt er dagegen. Teilweise kann ich seine heimattümelnde Befindlichkeit psychologisch nachvollziehen, denn die schwäbische Mundart ist für viele deutsche Ohren ein nicht sehr angenehm zu hörender Dialekt. Wenn diese Sprache noch gepaart ist mit einer ostentativen und laut vorgetragenen Zurschaustellung der schwäbischen Herkunft ("Wir können alles. Außer Hochdeutsch."), dann können diese Landsleute schon nerven. Gleichwohl macht die schwäbische Regierung das Gegenteil dessen, was Thierse nervt. Sie umwirbt deutschlandweit Fachkräfte. Auch die Berliner sind ihnen sicher willkommen:

"Bei uns suchen Bauern nicht nur Frauen, sondern auch die besten Anbaumethoden für ihre Produkte. (…) Dank der gesunden Ernährung macht sich hier niemand so schnell vom Acker. Nur einer von vielen Gründen, jetzt umzuziehen."

 

Anschluss Berlin 02.01.2013 | 11:12

Hallo Eulen,

damit sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. Aus meiner Sicht trägt der Vergleich der Zugezogenen in Berlin mit ihnen in Bayern (bzw. dem Urlauber im Ausland) aber nicht, denn es gibt einen maßgeblichen Unterschied:

Sie sind unter den Bayern (oder als Urlauber im Ausländer) ein einzelner, einer von wenigen, der sich der Mehrheit und ihren Gepflogenheiten dort anpasst.

Die Zugezogenen etwa im Prenzlauer Berg sind (so durchmischt sich untereinander auch wieder sind) aber in der absoluten Mehrheit. Es gibt also keine Gepflogenheiten, denen sie sich anpassen müssten. Sie können - das will ich sagen - vielmehr ihre eigene Kultur doch mit vollem Recht leben.

Viele Grüße

AB

Anschluss Berlin 02.01.2013 | 11:23

Lieber Siebzehnterjuni,

ich nehme Ihren Ton als beleidigend wahr. Das halte ich für unangemessen. Es widerspricht im Übrigen den Regeln dieser Community.

Community-Mitglied Snow hat die Auswirkungen solcher Verstöße hier sehr anschaulich dargelegt: https://www.freitag.de/autoren/snowinjune/du-kennst-mich-doch-gar-nicht

Zur Sache, soweit das unter diesen Vorzeichen möglich ist: Dass Thierse seine Äußerungen verteidigt, spricht gegen die Deutung als bloße Ironie und für meine Wahrnehmung.

Der Beitrag ist vor Silvester entstanden.

Herzliche Grüße

AB

Anschluss Berlin 02.01.2013 | 11:28

Hallo O12503,

das ist ein guter Hinweis. In der Tat kann er damit nichts mehr für sein Mandat tun.

Dann ist es aber umso schöner zu sehen, dass Thierse offensichtlich zum ersten Mal seit seiner Mandantierung erkannt hat, dass es gut ist, etwas für die Pankower SPD und nicht nur für sich selbst zu tun. Ob er das mit seinen Äußerungen getan hat, bleibt freilich fraglich.

Viele Grüße

AB

Anschluss Berlin 02.01.2013 | 11:39

Hallo Siebzehnterjuni,

das trifft nicht zu. Was Sie - korrigieren Sie mich gegebenenfalls - vermutlich ausdrücken wollen, ist, dass sich Thierse nicht getraut hätte, Ausländer zu kritisieren, die ihre eigene Kultur und Sprache pflegen, ohne die Deutsche Kultur und das Deutsche zu lernen.

Dass das nicht so ist, ist dem Parteiprogramm einer jeden Partei zu entnehmen.Viele GrüßeAB

Anschluss Berlin 02.01.2013 | 11:52

Lieber Georg von Grote,

genau hier versuche ich im Beitrag zu unterscheiden: Man, also Sie, ich und jeder andere, darf aus meiner Sicht über jeden denken, was er will und auch lästern.

Was man hingegen nicht darf, und ich denke, dass Sie mir hier zustimmen, ist zur Tötung von Volksgruppen aufzurufen ("Schwaben töten") oder - im Wortlaut den Vorläufern der Pogrome im 2. Weltkrieg gleich - zur Ausgrenzung einer Volksgruppe aufzufordern ("Kauft nicht beim Schwaben").

Was man weder öffentlich noch für sich nicht darf, ist, auf solche Züge aufzuspringen. Sie sich zunutze zu machen.

Das kritisiere ich, denn so kann man Thierses Verhalten einordnen.

Außerdem: Die Lästerei wird hier - vermute ich oben - an einem bestimmten Zweck ausgerichtet. Das ist für sich genommen bereits problematisch. Denn hier geht der Stimmfang auf Kosten Fremder. Auch das ist mit historischem Feingefühl nicht erträglich.

Deshalb: Lästern Sie gerne, über wen Sie wollen. Das mache ich auch.

Was ich indes nicht vorhabe, ist die Ausnutzung von Strömungen zu Wahlkampfzwecken zu akzeptieren, die sich unverkennbar Gedankenmustern bedient, die bei der systematischen Ausgrenzung und Bekämpfung von Minderheiten ansetzt.

Herzliche Grüße

AB

Anschluss Berlin 02.01.2013 | 12:04

Lieber Linksliberaler,

dass ich den Gentrifizierungsaspekt ausgelassen habe, wurde mir im privaten Umfeld bereits vorgeworfen. Danke dafür, dass Sie ihn noch nachreichen.

Ich habe das deshalb getan, weil ich weder Gegner, noch Befürworter der Gentrifizierung bin. Ich nehme sie als Entwicklung hin.

Als Liberaler werden sie das vermutlich ebenfalls tun? Dass Mieten steigen, ist eben die Folge eines steigenden Interesses an den Wohnungen an der Gegend. Dem könnte man nur mit staatlichen Eingriffen begegnen. Von denen sollte es aus meiner Sicht aber möglichst wenige geben.

Zu ihrem zweiten Punkt, nämlich dem Vergleich mit Türken und Arabern, bei denen man (das meint wohl mich) von Integrationsverweigerern sprechen müsste: Ich bin nicht der Auffassung, dass dieser Vergleich die hier geführte Diskussion weiter bringt.

Migrantengruppen, die sich durch Ausländer zusammen setzen, unterscheiden sich zu stark in ihren Eigenschaften und Bedürfnissen von der innerdeutschen Migration, als dass Argumente aus Diskussionen um die eine Gruppe für die Diskussionen um Gruppen aus der anderen Gruppe fruchtbar gemacht werden könnten. Dass - um auf ihren Hinweis einzugehen - man also unter ähnlichen Vorzeichen bei Ausländern von Integrationsverweigerung sprechen würde, lässt, denke ich, keinen Schluss auf Forderungen gegen Zugezogene in Berlin zu.

Viele Grüße

AB

blog1 02.01.2013 | 13:21

Nun, ich bin selbst gebürtiger Schwabe, bin allerdings nach dem Abitur "ausgewandert" - nach Bayern übrigens und mehr weniger oder dort geblieben. Zunächst einmal sollte man seine Herkunft niemals verleugnen, wenngleich man nicht alles sich zu eigen machen sollte, was einem Schwaben - klischeehaft - zugeschrieben wird.

Hier einige typischen Schwabenwitze:

- Ein Schwabe ist einer des übertriebenen Geizes des Landes verwiesener Schotte oder

- Was sagt ein Schwabe als allererstes, wenn er die Tür aufmacht? "Mir gäbet nix"

Wenn man wie ich in der Welt herumgekommen ist, stellt man fest, dass es überall weltoffene und tolerante Menschen, aber auch das genaue Gegenteil davon gibt. Das hat wenig mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Region oder dem Sprachraum zu tun.

Apropos schwäbischer Witz und sich selbst auf den Arm nehmen. Hier eine Kostprobe von „Häberle und Pfleiderer“

http://www.youtube.com/watch?v=xu66iSh-_sg

GEBE 02.01.2013 | 15:29

„Kauft nicht beim Schwaben“

 

So eine Überschrift ist auf der ganzen Linie unstatthaft und intellektuell obszön – egal was sich darunter auch darstellen will. Es ist ekelerregend, solche Anleihen auch nur ansatzweise zu machen. Daß die Springersche Dreckszeitung so verfährt, ist übel genug; daß hier auch in einem Blog die gleiche „NLP“-Knöpfchendrückerei betrieben wird ist widerlich!

 

Anschluss Berlin 02.01.2013 | 15:42

Hallo Gebe,

ich habe gedacht, dass dieses Argument bereits unter den ersten zehn Kommentaren kommt.

Es geht fehl. Denn wie sie dem unter der Überschrift folgenden Text entnehmen können, wird genau dieser Satz im Prenzlauer Berg verwendet, um Zugezogene anzufeinden. Die, die ihn verwenden, sind jene, auf deren Zug Thierse aufspringt.

Das halte ich für ebenso verwerflich, wie Sie es tun. Wie gesagt, das steht im Text unter der Überschrift.

Herzliche Grüße

AB

oi2503 02.01.2013 | 17:32

Das:

"Außerdem: Die Lästerei wird hier - vermute ich oben - an einem bestimmten Zweck ausgerichtet. Das ist für sich genommen bereits problematisch. Denn hier geht der Stimmfang auf Kosten Fremder. Auch das ist mit historischem Feingefühl nicht erträglich."

ist grober Unfug ääh, fällt mir grad nichts zu ein. Der Mann kandidiert nicht. Er hat noch nie für die SPD gearbeitet und wird es auch weiterhin nicht tun. Jetzt erst recht nicht. Du schreibst dies, nachdem du inzwischen weißt, dass Thierse nicht kandidiert. Motto: Lieber ein gepflegtes Vorurteil als sich von den Fakten beeinflussen lassen?

Achtermann 02.01.2013 | 18:39

"Bei Türken und Arabern würde man sofort "Integrationsverweigerer" schreien!"

Ich wusste bisher noch nicht, dass es sich um eine Emigration bzw. eine Immigration handelt, wenn man in D das Bundesland wechselt. Es nützt nichts, darüber zu lamentieren, wie Thierse u.a. das tun. Wenn die Schwaben den Berliner Wohnraum bezahlen können, können sie auch dort wohnen und, wenn sie wollen, schwäbische Hutcafés und sonstiges betreiben. Wir haben keine Reise- oder Auswandererbeschränkung. Zumindest die Westler kennen das nicht. Vielleicht will Thierse im Grunde seines Herzens die Mauer wieder zurück.

Achtermann 02.01.2013 | 18:51

"Da äußert sich mal ein Politiker ein bisschen direkter sowie auch erkennbar mit etwas Ironie und da wird das ganze gleich aufgeblasen bis zum geht-nicht-mehr. Typisch deutsch!"

Hier würde ich eher dem Urheber, nämlich Thierse, das typische Deutschtum anheften wollen. Hätte er entgegen seiner Natur geschwiegen oder für die Assimilation geworben, etwa für den schwäbischen Trollinger oder die schwäbischen Spätzle, zubereitet von der angeblich so sparsamen schwäbischen Hausfrau, die mit der Bundeskanzlerin auf du und du steht, wäre vielleicht doch ein positiver Drall in die Besetzer-Geschichte gekommen.

Anschluss Berlin 02.01.2013 | 20:03

Hallo Gebe,

wenn ich Ihre Kritik richtig verstehe – und bitte: korrigieren Sie mich, falls ich Sie falsch verstehe – dann werfen Sie mir vor, mit der Überschrift den Völkermord an den Juden Europas im 2. Weltkrieg gleichzusetzen und zu vergleichen mit der Anfeindung von Schwaben im Prenzlauer Berg.

Das tue ich an keiner Stelle. Auch nicht indirekt und nicht effekthascherisch durch die Überschrift. Ich weise aber im Text darauf hin, und dem dient die Überschrift ganz ausdrücklich, dass der aktuellen Anfeindung Fremder in Berlin durch Berliner exakt dieselbe Dialektik zugrunde liegt, wie sie seit jeher – zur schrecklichen Spitze getrieben im 2. Weltkrieg – Fremdenfeindlichkeit zugrunde liegt. Das zeigt nicht nur die Beobachtung der Argumentation. Das zeigt auch die Adaption des Nazi-Vokabulars, die jene Minderheit vornimmt, die meint, die Geschicke des Bezirks bestimmen zu dürfen.

Dass das passiert, kann ich nicht akzeptieren. Dass ein deutscher Politiker, insbesondere ein um die Integration so verdienter, an diesen Vorgang anknüpft, ebenso nicht. Das muss deutlich werden.

Viele Grüße

AB

Anschluss Berlin 02.01.2013 | 20:20

Hallo oi2503,

dass die das gepflegte Vorurteil betreffende Unterstellung nicht richtig ist, ergibt sich aus dem Rest der Kommentierung. Das wäre nur dann nicht so, wenn die Vermutung, Thierse tue nichts für die Partei und wird das auch in der Zukunft nicht tun, eine belegbare Tatsache wäre. Ich verlasse mich hier auf die Wahrscheinlichkeit, wenn ich - erneut - vermute, dass das, was Sie über Thierses Parteiarbeit sagen, Spekulation und nicht Tatsache ist.

Dass ich weiter im Bereich der Vermutung bleibe, mache ich deutlich, dass Sie, jene Vermutung mit den Maßstäben der Tatsachen messen, um sie dann als "grober Unfug" zu bezeichnen, ist argumentationstheoretisch deshalb problematisch. Ging es Ihnen nur darum, sich selbst eine Vorlage zu schaffen, um mich zu beleidigen?

Die Bezeichnung als grober Unfug durchzustreichen, also nicht zu wählen, und stehen zu lassen, also doch zu wählen, das ist ein interessantes Vorgehen. Das lässt viel Raum für Spekulation auf Seiten des (Nicht-)Adressaten.

Darf ich Sie bitten - vielleicht in einem eigenen Beitrag - die Vorzüge dieses Sprechens-und-zugleich-Verschweigens mal zu erläutern?

Herzliche Grüße

AB

Anschluss Berlin 02.01.2013 | 20:28

Liebe Miauxx,

als nicht typisch Deutsch nehme ich es wahr, dass Deutsche Strömungen wie die dem hier besprochenen Problem zugrunde liegende nicht mehr hinnehmen. Das war mal anders und ist es zum Glück nicht mehr. Das ist eine - wie ich finde - positive Entwicklung hin zu mehr kritischer Auseinandersetzung.

Wenn Sie es lustig finden, Gedankengut zu adaptieren, dem fremdenfeindliche Züge innewohnen, dann habe ich nichts dagegen. Auch nicht, wenn Sie die Übernahme von fremdenfeindlicher Dialektik durch Politiker mit Gelassenheit betrachten.

Ich hingegen sehe das anders und möchte das gerne sagen.

Im Übrigen ist mir unklar, was Sie damit meinen, dass sich ein Politiker "etwas direkter" äußert. Ist es richtiger zu sagen, "Fremde sind scheiße", als Integration mit all der Anstrengung im Detail, die sie nach sich zieht, zu fördern?

Viele Grüße

AB

Achtermann 02.01.2013 | 20:47

"...ich würde allerdings sagen, dass es das typische Deutschtum nicht gibt, weswegen damit eingeleitete Argumente, egal von welcher Seite, ins Leere gehen. Dafür sind wir Deutschen, wie jedes andere Volk, zu verschieden."

Ich wünsche mir, du hättest recht. Es gab schon Zeiten, insbesondere im letzten Jahrhundert, da war der Gleichschritt sehr groß geschrieben und an der Tagesordnung. Ob das Deutschtum dazu nicht eine Affinität hat, würde ich als legitime Frage zulassen.

GEBE 02.01.2013 | 21:18

" wenn ich Ihre Kritik richtig verstehe – und bitte: korrigieren Sie mich, falls ich Sie falsch verstehe – dann werfen Sie mir vor, mit der Überschrift den Völkermord an den Juden Europas im 2. Weltkrieg gleichzusetzen und zu vergleichen mit der Anfeindung von Schwaben im Prenzlauer Berg."

Ich habe diesen Vergleich - oben nachlesbar - nicht gezogen!

Mit so viel entweder tatsächliche oder aufgesetzter Borniertheit habe ich im übrigen kein Interesse, mich weiter zu beschäftigen.

 

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Ehemaliger Nutzer 02.01.2013 | 22:53

Völker der Welt, seht auf diese Stadt! Berliner - seid ein Heldenvolk! Wehrt Euch bis zum letzten Blutstropfen gegen die Spätzle-Heuschrecken. Den Russen habt Ihr geschlagen, nun vertreibt den Schwaben! Wir Badner denken noch frei, liegen aber schon lange im Kerker des Schwabentums! Ketten Unseres Badnertums, die Wir vermögens Eures geglückten und siegteichen Widerstands einst abschütteln werden können! Wir seufzen noch, aber erheben Unsere Auge auf etwas Höheres, unsere Freiheit mit Euch, Ihr Berliner!

Die Zwetschge aus den Auen in und über Bühl als Waffe in der Hand des Schwaben gegen Euch, denen die Kartoffel und Gurke heilig ist! Ohnmächtiger Grim erfasst Uns, elender Jammer, der Schwabe in seiner Gier kennt keine Grenzen! Selbst dort wo der milde Wende in friedlicher Absicht die Panke querte, um seinen Göttern auf Dem Berg seine Gurke zu opfern, haust nun der Schwabe, dem ein abtrünniger Pfaffe befohlen hatte: Erfüllt den göttlichen Auftrag, macht Euch die Erde dort untertan, wo sie Eure Beutel füllt.

Früher, ja, da mussten Sie weichen, nach Übersee,wie uns die Nachfahren der Schlotterbecks zurufen, die am Teig nicht sparten, den Preis umso höher setzten. Nun sehen Sie Euch als Beute ihrer Willkür.

Wollt Ihr Knechte werden, wie wir? Das Stolze Volk, das von den Höhnen herabstieg, um den gewaltigen Fluss zu bändigen. Ja, doch nicht die Schwaben! Euer und unser Feind verfügt über eine Waffe, die siegreich ist: Die Sparsamkeit, diese Waffe muss stumpf werden! Schon kommen Euch und Uns weit entfernte Völkerschaften zu Hilfe, es scheinen dorische Mensch.... . Hier endet der Aufruf, der in dem Kot einer Straße der alten Markgrafenresidenz aufgelesen wurde, an den Ecken waren Branntspruren zu bemerken, umhüllend eine Flasche mit Zwetschgenwasser der Firma Schw....

Marcus Kutsch 02.01.2013 | 23:55

"Diese Entwicklung ist seit Jahren, das sagt Thierse selbst, an allen Ecken und Enden zu sehen. Warum aber soll man sich so einer Entwicklung verweigern? Was ist schlecht an Entwicklung und wie kann man fordern, die alten Regeln einer fast nicht mehr vorhandenen Minderheit gegenüber den Bedürfnissen der Neuen durchzusetzen?"

 

Was ist schlecht an Entwicklung? Das kommt drauf an in welche Richtung.

Was ist schlecht an der Entwicklung des heutigen Bankensystems?Was ist schlecht an der Eroberung des amerikanischen Kontinents durch die Europäer?

Nicht jede Entwicklung ist gut, notwendig und dient dem gemeinsamen Zusammenleben. Oder vielleicht ist sie notwendig, um irgendwann erkennen zu können, daß sie eben nicht gut ist und auf Kosten anderer geschehen ist. Um daraus lernen zu können.

Vielleicht um sich zu fragen: Warum bin ich eigentlich in diesen Stadtteil (Prenzlauer Berg) in den letzten 10 Jahren gezogen? Was habe ich damit bezweckt, was wollte ich damit für mich tun?

Für mich kann in einen angesagten Stadtteil zu ziehen Konsum sein.

Konsum im Sinne von, sich mit dem Produkt verbinden, sich selbst in dem Produkt suchen und finden. Das Übertragen des Images einer Marke auf einen selber, einfach weil man ein Produkt dieser Marke besitzt, bzw. in diesem Fall in ihr lebt.
Die Erschaffung einer Identität.

Man kann auch bewußt konsumieren. Man kann sich mit den Auswirkungen seines Konsums auf andere Menschen, Tiere, die Umwelt beschäftigen. Das ist bei Wohnungsmiete und Kauf natürlich noch weniger üblich als bei anderen Produkten.

 

 

 

 

 

oi2503 03.01.2013 | 09:33

Das „dass die das gepflegte Vorurteil betreffende Unterstellung nicht richtig ist, ergibt sich aus dem Rest der Kommentierung. Das wäre nur dann nicht so, wenn die Vermutung, Thierse tue nichts für die Partei und wird das auch in der Zukunft nicht tun, eine belegbare Tatsache wäre.“ verstehe ich nicht. Meine Vermutung des gepflegten Vorurteils bezog sich auf das Thierse unterstellte Motiv Wahlkampf, von dir eingeführt und genutzt, durch nichts belegt und in dem Moment, wo es in dem wichtigsten Teil widerlegt wird umgedeutet zu „dass Thierse offensichtlich zum ersten Mal seit seiner Mandantierung erkannt hat, dass es gut ist, etwas für die Pankower SPD und nicht nur für sich selbst zu tun.“ Offensichtlich? Und im Kopf von Thierse und seinem Erkentnisprozessen steckst du auch drin? So wenig wie ich, nehme ich an. Wenn nicht A dann muss B, weil deine Begründung steht, nicht durch die Tatsachen beirren lassen. Als nächstes kommt dann vielleicht, dass Thierse Wahlkampf für die Grünen machen wollte? Oder die NPD, weil er doch so fremdenfeindlich daherkommt, wie du sagst?

 „Die Bezeichnung als grober Unfug durchzustreichen, also nicht zu wählen, und stehen zu lassen, also doch zu wählen, das ist ein interessantes Vorgehen. Das lässt viel Raum für Spekulation auf Seiten des (Nicht-)Adressaten.“

 Tatsächlich hatte ich „grober Unfug“ geschrieben. Nachgedacht und es als zu hart empfunden. Allerdings ist das oben beschriebene Denken und Vorgehen so nah dran an dieser Charakterisierung, dass ich sie auch nicht ganz löschen wollte. Wenn das als Beleidigung aufgefasst wird/wurde tut es mir leid, eben das wollte ich vermeiden und eben doch sagen, wie ich das empfinde. Tust du mir einen Gefallen? Vergleiche doch einmal bitte deine Statements über Thierses Motiv mit meinem grober Unfug.

 

eulen nach athen 03.01.2013 | 13:44

"Sie sind unter den Bayern (oder als Urlauber im Ausländer) ein einzelner, einer von wenigen, der sich der Mehrheit und ihren Gepflogenheiten dort anpasst."

das stimmt so nicht. z.b. sind unter meinen kollegen (firma mit ca. 1200 mitarbeitern) die wenigesten einheimische bayern. dennoch praktizieren wir als firma bayrische gepflogenheiten, oktoberfest, brezn usw.

"Die Zugezogenen etwa im Prenzlauer Berg sind (so durchmischt sich untereinander auch wieder sind) aber in der absoluten Mehrheit. Es gibt also keine Gepflogenheiten, denen sie sich anpassen müssten."

es gab sie aber.

"Sie können - das will ich sagen - vielmehr ihre eigene Kultur doch mit vollem Recht leben."

ok, es gilt also das prinzip der mehrheit. schauen wir und das mal an:
dann ist es ok., wenn in den schulen in kreuzberg deutsch nur noch als fremdsprache gelehrt wird, weil dort pro klasse die deutschen kinder nicht mehr in der mehrheit sind? dann ist es auch in ordnung, wenn die heterosexuelle mehrheit ihre vorstellungen von sexuelität, ehe und familie durchsetzt? dann wäre es auch akzeptabel, wenn die nichtbehinderte mehrheit rampen und behindertparkplätze wieder abschafft?

Wolfram Heinrich 03.01.2013 | 20:01

@tlacuache

@Zelotti:

Dafür das sie ein Wort gefunden haben, dass der Herr Heinrich nicht kennt ("hacer") wurden Sie von mir persöhnlich bei der Kanzlerin für das Bundesverdienstkreuz incl. Hausmeisterstelle im  Bundesamt ("Besoldungsgruppe A 16!") vorgeschlagen.

 

Ich seh da wieder mal eine üble Verleumdungskampagne gegen mich am Werk. Zelotti spielt mit gezinkten Karten, er hat "fizieren" geschrieben, nicht "-fizieren".

Lang lebe der 12. Parteitag! Fizierschreiber und alle anderen Reaktionäre sind Papiertiger!

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 03.01.2013 | 20:05

@eulen nach athen

das stimmt so nicht. z.b. sind unter meinen kollegen (firma mit ca. 1200 mitarbeitern) die wenigesten einheimische bayern. dennoch praktizieren wir als firma bayrische gepflogenheiten, oktoberfest, brezn usw.

 

Ja, schon, aber seit Bayern verpreißt ist bis zum Anschlag verdrängt, zumindest in den größeren Städten, wie München oder... ja, also München eben, das Brötchen die Semmel.

Auf dem Land aber (zumindest bei uns hier) hat sich wenigstens das Duzen als Default-Einstellung noch erhalten. Heute war ich in einem Elektromarkt in Vilshofen, unschlüssig. Eine Verkäuferin, deren zwanzigster Geburtstag noch nicht lange her gewesen sein dürfte, hat mich - trotz meines wallenden, grauen Greisenhaares und meines Original-Sittlichkeitsverbrecher-Bartes - so angesprochen: "Wos mogst? Kann i da hejfa?"

"Sie können - das will ich sagen - vielmehr ihre eigene Kultur doch mit vollem Recht leben."

ok, es gilt also das prinzip der mehrheit.

 

Es gilt das Prinzip "Geht's oder geht's nicht". Wenn ich in meinen Bäckerladen ein Schild "Zwetschgendatschi" reinstelle und dann die Erfahrung mache, daß mich ständig irritierte Leute fragen, was denn - Himmel hilf! - ein Zwetschendatschi sei, werde ich relativ bald das Schild auswechseln und stattdessen "Pflaumenkuchen" schreiben. Besteht die Kundschaft vorwiegend aus Leuten, die bei "Zwetschgendatschi" nicht zusammenzucken, bleibt das Schild halt.

In den frühen sechziger Jahren hatte der singende Koch Vico Torriani (kein Italiener, sondern Schweizer) eine eigene Show, in der er jedes Mal ein Rezept sang. Einmal war die Pizza dran und Torriani mußte dem Publikum tatsächlich erst mal erklären, was eine Pizza ist: "Eine Art flacher Torte, aber nicht süß, sondern pikant". Heute ist die Pizza, neben dem Döner, das deutsche Nationalgericht.

Und mit diesem Lied würde der Torriani heute hochkant aus der FREITAGs-Community fliegen.

 

Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen.

 

Ciao

Wolfram

Anschluss Berlin 03.01.2013 | 21:26

Hallo O12503,

nein, als nächstes kommt nicht, dass er für die Grünen oder die NPD etwas machen wollte, denn das halte ich nicht für wahrscheinlich. Nach wie vor halte ich es für denkbar, dass er etwas für die SPD tun wollte, wenn schon nicht für sich. Ich fühle mich, verzeih, nicht so unsagbar falsch liegend, weil ich bereits im Text selbst von Vermutungen gesprochen habe. Das Wort "offensichtlich" meint einen Schluss, nicht ein besonderes Maß an Wahrheit, denn ja, ich stecke so wenig in seinem Kopf, wie Du und bin froh, dass Du das siehst.

Vielen Dank für die Erläuterungen im Übrigen.

Schöne Grüße

AB

Anschluss Berlin 03.01.2013 | 21:33

Hallo Eulen,

dass Sie sich den dortigen Bräuchen annehmen, finde ich schön. Aber würden Sie sagen, dass es eine allgemeine Pflicht dazu gibt, die auch die übrigen Migranten im Rest der Welt trifft?

Dass es mal andere Gepflogenheiten gab, macht es ja nicht per se schade, dass es sie nicht mehr gibt. Um viele Dinge, die es nicht mehr gibt, ist es nicht schade.

Ihre Wenn-Dann-Schlüsse über das Recht der Mehrheit offenbaren gewisse Lücken. In der Tat gilt, dass die Mehrheit das sagen hat. Das sehen sie in unserem Land - der Idee nach - nach jeder Wahl. Das Recht der Mehrheit findet dort seine Grenze, wo Minderheitenrechte, die zu schützen wir als erstrebenswert wahrnehmen, eingeschränkt werden. Die deutsche Sprache ist so ein Gut, dass wir auch dort, wo wir Minderheit sind, als schützenswert erhalten. Die sexuelle Selbstbestimmung auch.

Der Berliner Dialekt ist das nicht.

Herzliche Grüße

AB

Georg von Grote 03.01.2013 | 21:38

Das Thema ist falsch aufgezogen worden und geht deshalb auch so in die Hose, bzw wird nicht wirklich ernst genommen.

Hätte sich der Autor allein mit der Frage auseinandergesetzt, wie es dazu kommen kann, dass am Prenzlberg, der ja nun mit oder ohne Schwaben zum Tode durch die übliche Gentrifizierung verdammt ist, wie so viele andere Kieze in ganz Deutschland, von St. Pauli bis Köln und sonst noch wohin, Plakate hängen, wie "Tötet Schwaben" etc, dann wäre die Diskussion wohl anders verlaufen.

Da es aber, wahrscheinlich um mehr Interesse zu wecken an ironisch und scherzhaft gemeinten Statements Thierses festgemacht wurde und Thierse nun quasi zum Brandstifter erkoren wurde, mußte die Geschichte in die Hose gehen.

Anschluss Berlin 03.01.2013 | 21:50

Hallo Georg von Grote,

dass das Anknüpfen an eine Bewegung die "Tötet Schwaben" fordert durch einen Politiker teilweise nicht ernst genommen wird, hat mich selbst verwundert.

Anders als Sie gehe ich indes nicht davon aus, dass es an der Herangehensweise des Autors liegt.

Dass es Gentrifizierung gibt und wie sie zustandekommt, ist aus berufenerem Munde besprochen worden. In einem Meinungsmedium habe ich hier meine Meinung über die Anknüpfung kundgetan und ich gehe - abweichend von Ihrer Auffassung - durch die Kommentierungen einiger weniger nicht davon aus, dass das falch war. -

Zöge ich Ihren Schluss, dann wäre kaum ein Beitrag auf Freitag.de als brauchbar zu qualifizieren. Das aber halte ich für falsch.

Viele Grüße

AB

 

eulen nach athen 03.01.2013 | 22:26

"… die zu schützen wir als erstrebenswert wahrnehmen …"

 

»Wir« sind ja nun nicht Sie und auch nicht ich. Es sind auch nicht die hiesigen Kommentatoren.

 

"Der Berliner Dialekt ist das nicht."

Auch das legen Sie nicht fest. Der Berliner Dialekt wird bis weit ins Brandenburgische hinein gesprochen. Unwahrscheinlich, dass eine Schwabenexklave ihn zu verdrängen vermag.

Thierse geht es auch mit ziemlicher Sicherheit nicht um das Verdrängen von Begriffen, sondern im weiteren Sinne um den Habitus der Neuberliner. Die, so ähnlich formulierte er es, soweit ich mich entsinne, aus schwäbischen Kleinstädten in die hippe Hauptstadt kommen, um dort so schnell wie möglich wieder so zu leben, wie sie es von zu Hause gewöhnt sind.

Wolfram Heinrich 04.01.2013 | 03:53

@eulen nach athen

Thierse geht es auch mit ziemlicher Sicherheit nicht um das Verdrängen von Begriffen, sondern im weiteren Sinne um den Habitus der Neuberliner. Die, so ähnlich formulierte er es, soweit ich mich entsinne, aus schwäbischen Kleinstädten in die hippe Hauptstadt kommen, um dort so schnell wie möglich wieder so zu leben, wie sie es von zu Hause gewöhnt sind.

 

Was wäre daran so schlimm? Irgendwo habe ich mal gelesen, Berlin sei wieder die Hauptstadt von Deutschland. Wenn das so ist, dann ist es doch das normalste von der Welt, wenn Berlin die Facetten des deutschen Landes im Kleinen widerspiegelt, dessen Hauptstadt sie ist.

In Potsdam haben sie immerhin ein Bayrisches Haus, und das seit 1847.

Wir müßten uns schämen für eine Hauptstadt, die so provinziell ist, wie von Thierse behauptet.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 04.01.2013 | 10:00

@tlacuache

Den A 13 fuer den W. Heinrich hat die Kanzlerin durchgewunken,

 

Oben hat's noch geheißen A 16. Die Kanzlerin will mich bescheißen, die soll sich ihren Steinbrück selber klopfen.

Abgesehen davon zerlegt sich der noch vor der Wahl in seine Einzelteile. Ich mein, einer der sich, noch ehe er den Job überhaupt hat, bereits über die miese Bezahlung beklagt, kommt nicht mal bis zum Bewerbungsgespräch.

 

Ciao

Wolfram

tlacuache 04.01.2013 | 10:16

A 16 war fuer Zelotti, bewusst...

Ich habe bei der A 13 "Wahlredenschreiber" nicht behauptet, dass ein W.H. ueberhaupt notwendig waere, sich "selbst zerkloppende" Brückensteiner brauchen keine Schreiberlinge der Gegenpartei, jetzt, wo du's sagst, eigentlich hatte Merkel A 9 gemeint, fuer "kulturelle Höchstleistungen in deutschsprachigen Landen", Essays wie "Der Franze hat gesagt" und ähnl., das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sei dir gesichert, aber dafuer kannst du Dir halt nix kaufen...

Aber immerhin bist Du nicht auf der Autobahn A 1 gelandet...

 

;-)

 

ele 04.01.2013 | 13:51

@Anschluss Berlin:

...mir gefällt ihr beitrag sehr gut - vor allem fällt mir (neben dem aus meiner sicht sehr angemessen beleuchteten thema) ihre zurückhaltende und sachliche argumentationsweise sehr angenehm auf, vielen dank!

es gibt in dem von ihnen geschriebenen im grunde nur einen aspekt, über den ich noch stolpere - hier zunächst noch einmal ihre aussage, auf die ich mich beziehe:

"In der Tat gilt, dass die Mehrheit das sagen hat. Das sehen sie in unserem Land - der Idee nach - nach jeder Wahl. Das Recht der Mehrheit findet dort seine Grenze, wo Minderheitenrechte, die zu schützen wir als erstrebenswert wahrnehmen, eingeschränkt werden. Die deutsche Sprache ist so ein Gut, dass wir auch dort, wo wir Minderheit sind, als schützenswert erhalten. Die sexuelle Selbstbestimmung auch.

Der Berliner Dialekt ist das nicht."

mir ist hier noch unklar, von welchem "wir" sie sprechen - was ist die basis dieses "wir"? beziehen sie sich auf gesetzliche regelungen? oder auf die vermuteten gedanken der mehrheit der in diesem lande lebenden personen? und woher rührt der unterschied, den sie hier etwa zwischen der deutschen sprache machen und dem berliner dialekt?

in ihrem ursprünglichen kommentar zu diesem thema war zu lesen:

"Die Zugezogenen etwa im Prenzlauer Berg sind (so durchmischt sich untereinander auch wieder sind) aber in der absoluten Mehrheit. Es gibt also keine Gepflogenheiten, denen sie sich anpassen müssten. Sie können - das will ich sagen - vielmehr ihre eigene Kultur doch mit vollem Recht leben."

mir ist hier weiterhin nicht klar, welche art von "recht" sie meinen - ist dieses recht eher deskriptiv zu lesen (im sinne von "sie haben alle möglichkeiten") oder eher als moralisches recht oder...?

...vielleicht hätten sie lust, ihre meinung hierzu noch etwas zu erläutern - ich würde mich freuen!

viele grüße

ele

 

mails1 04.01.2013 | 18:17

Danke für den Beitrag und die schoene Diskussion. ich wll mal ganz vorsichtig dazu eine Parallele aufzudecken animieren.
Auch schon zu frueheren Zeiten versuchten "Kraefte" Keile zwischen prinzipiell gleichen zu treiben. Jetzt, gehts noch laecherlicher, ist "der Weck" auschlaggeben fuer die Dirskrepanz.

Cui bono, cui bono, cui bono.

Reicht es nicht zwischen gross und klein Arm und Reich, dick und dünn, rot und schwarz, hell und dunkel, Stadt und Land Nord und Sued , Ost und West , Mann und Frau, nein auch noch zwischen Berlin und Stuttgart einen Keil zu treiben. Ich trage beide Herzen in der Brust,  bin Berliner und Stuttgarter! Nun? Die Antwort auf die Diffamierung kann nur - WIR SIND EIN VOLK, sein. Auch schon frueher war es Menschen unangenehm, zwischen Gleichen Keile getrieben zu sehen, googelt doch mal!

Ludwig Hasselberg 04.01.2013 | 21:11

Neue Erfahrung für mich, mal über einen Rassismus-Vorwurf lachen können. Insofern - danke!

Der Mensch kann Vieles, aber eben nicht Liebe erzwingen.

Wobei es vielen Neu-Berlinern wohl gar nicht auf so eine Art der tiefgründigen Beziehung zu ihrer neuen Stadt und Denen, die sie vor ihnen mal definiert haben, ankommt.

Es gibt in meinem Freundeskreis die sinnbildlichen zugezogenen Schwaben. Ich schätze und mag sie, und was mir fast noch viel wichtiger ist, ich finde sie immer wieder interessant. Und trotzdem komme ich mit denen in innere Loyalitätskonflikte.

Da waren sie schon mal dazu zu bewegen, an den Rand von Berlin und in den Speckgürtel einen Ausflug zu unternehmen. Ein schöner Tag im Hochsommer. Sie leben nun schon etliche Jahre in Berlin. Von Hellersdorf haben sie natürlich schon gehört. Aber Mahlsdorf, Kaulsdorf, Biesdorf, das sagte ihnen rein gar Nichts. Und beim Durchfahren und Durchlaufen gab es für diese Orte auch nur beiläufig herablassende Kommentare. "Wo sind wir denn hier bitte?" Das schmerzt, macht mindestens rat- und sprachlos. Ich dachte mir, das kann doch gar nicht sein, die kennen nur Prenzlauer Berg und Friedrichshain und denken „das isses“? Nach so vielen Jahren? Den auf der Hand liegenden entgegnenden  Kommentar habe ich mir bislang verkniffen: "Warum sehen wir uns hier eigentlich gerade in Berlin um, und nicht in Stuttgart?"

Sehr eingeschränkter Aktionsradius (die Hotspots eben), Bekanntschaften und Freundschaften überproportional zu weiteren frisch Zugezogenen, ein grundlegendes Desinteresse am Drumherum und Vor-langer-Zeit... gibt es. Und insofern leben die davon Betroffenen nicht in Berlin, sondern in einem virtuellen Berlin, einer Projektionsfläche, einem Sehnsuchtsort. Wo man auch schon mal in der U-Bahn rauchen kann, kommt bestimmt geil rüber.

Und mir schwant, dass die Unbekümmertheit, das Desinteresse und vielleicht auch die Respektlosigkeit trotz Aufenthalt hier nicht nur Berlin gelten, sondern gleich dem anderen Deutschland, soll heißen den neuen Bundesländern. Denn zu denen zählt neben Ost-Berlin meiner Meinung nach eigentlich auch der Westteil der Stadt.

Der Moment des Erschreckens - "Huch, Thierse? Woher solche Wortmeldungen? Werden wir hier denn nicht geliebt?" - trägt natürlich auch den Keim der Versöhnung in sich. Schließlich, darauf hat Wolfgang ja dankenswerterweise hingewiesen, sind wir doch alle irgendwo Preußen... ;-)

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 21:14

@AN BE

Ey Keule, bei dem Thema juckt's mir richtig in den Finger schön zu flamen. Da Du in Deinem Text nun einen so sachlichen Ton angeschlagen hast, versuch ich das mal auf Sparflamme:

Leider ist der Text nicht nur schön sachlich formuliert, sondern auch eine schöne Kopfgeburt.

Dass Du die Kritik von siebzehnterjuni als beleidigend wahrnimmst lässt mich zunächst schon einmal daran zweifeln, dass Du wirklich Urberliner bist. Urberliner ist man laut Folklore eigentlich nur, wenn auch beide Eltern in unserem schönen Dorf Berlin das Licht der Welt erblickt haben. Damit ist man dann auch schon beim wichtigsten Punkt.

Dass der Urberliner sein Urberlinertum gerne vor sich her trägt ist nüscht neues. Ich selbst hab's bis vor kurzem eher selten getan. Angefangen tut man damit ohnehin nur, wenn man genervt ist von Leuten die unbedingt zu Berlin dazugehören wollen, bloss weil es irgendwie cool ist. Eigentlich ist dem Berliner an sich Berlin ziemlich schnuppe. Der ungemeine Vorteil dieser Strategie besteht jedoch darin, gerade den besonders verzweifelt Berlinerseinwollenden klar zu machen, dass die Berlinische Gelassenheit eben durch Seien-und-seien-lassen erworben und nicht durch Aneignung erkauft wird.

Die bissigen Kommentare gegenüber Zugezogenen sind da wohl eher Äußerungen derjenigen, die eigentlich schon verloren haben (siehe Thierses ironische Bemerkung zum Thema Artenschutz). Das lässt Deine Deine kopflastige Fehlinterpretation nämlich außer acht. Es geht nicht darum eine schwache Minderheit (wie Juden um 1900 oder Migranten heute) anzufeinden und zum Sündenbock zu machen, sondern um eine verbale Verarbeitung seitens der Verlierer von Verdrängungseffekten gegenüber den wirtschaftlich bessergestellten Gewinnern.

Wolfram Heinrich 05.01.2013 | 09:44

@tlacuache

A 16 war fuer Zelotti, bewusst...

 

Ah ja, für den zerlotti wäre A 16 gerade gut genug, für mich tut's A 13 auch.

 

Ich habe bei der A 13 "Wahlredenschreiber" nicht behauptet, dass ein W.H. ueberhaupt notwendig waere, sich "selbst zerkloppende" Brückensteiner brauchen keine Schreiberlinge der Gegenpartei, jetzt, wo du's sagst, eigentlich hatte Merkel A 9 gemeint, fuer "kulturelle Höchstleistungen in deutschsprachigen Landen", Essays wie "Der Franze hat gesagt" und ähnl., das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sei dir gesichert, aber dafuer kannst du Dir halt nix kaufen...

 

Ich glaub ich spinn, A 9 für kulturelle Höchstleistungen! Das Bundesverdienstkreuz kannst du dir ins Haar schmieren, ich will Kohle, Schotter, Kies. Wer schnell mal 15.000 Euronen rüberschiebt, dem halte ich einen Vortrag, daß ihm sämtliche Steinbrücken zusammenfallen.

 

Aber immerhin bist Du nicht auf der Autobahn A 1 gelandet...

 

Aber die A 3 (von Österreich bis nach Holland) führt hier vorbei.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.01.2013 | 09:45

@Achtermann

"Wir müßten uns schämen für eine Hauptstadt, die so provinziell ist, wie von Thierse behauptet."

Das haben die zum Mondänentum neigenden Schwaben frühzeitig erkannt und dokumentieren durch ihre Übersiedlung in die Metropole, kulturell helfen zu wollen. Ihr Slogan: Weltmännisch und sexy.

 

Ach, diese Schwaben sind doch nicht aus Mitleid nach Berlin gezogen. Eine Hauptstadt zieht Arbeitsplätze an, willst du die haben, mußt du in die Hauptstadt, Gott sei's geklagt. Das tägliche Pendeln zwischen Stuttgart und Berlin ist vielleicht doch etwas aufwendig.

Berlin will, scheint mir, Hauptstadt sein und gleichzeitig das Provinzkaff von anno Frontstadt bleiben.

Ob jetzt der Preiß spinnt?

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.01.2013 | 09:46

@eulen nach athen

"Die Schwaben ja nun gerade nicht. Es sind die Berliner, die sich anscheinend das Wort "Zwetschgendatschi" nicht merken können, wenn man es ihnen einmal erklärt hat."

 

Wieso sollten sie? Sie haben bereits ein Wort für dieses Gebäck und benötigen kein neues aus Schwaben.

 

Pu, der Bär aus Bärlin, ist vielleicht wirklich ein Bär von sehr geringem Verstande.

 

Wer aber, wahrlich, ich sage euch, leidlich aufgeschlossenen Verstand sein eigen nennt, der saugt neue, fremde Wörter mit wohligem Behagen ein. Heißt nicht die Semmel anderswo Brötchen, Rundstück, Schrippe gar? Ist nicht das Fleischpflanzerl auch anders benamt? Faschierte Laberln sagt man in Wien, in Bamberg heißt es Fleischküchla, in Dortmund Frikadellen und in Berlin Buletten. Ist nicht die Sprache so vielfältig wie dies Land? Sollte es nicht Ehrgeiz einer Hauptstadt sein, die Vielfalt des Landes widerzuspiegeln?

Oder trage ich damit Eulen nach Spree-Athen?

 

Ciao

Wolfram

luddisback 05.01.2013 | 09:57

http://de.wikipedia.org/wiki/Ostfriesenwitz

will sagen, in diesem fall ist es so ähnlich, zielt aber nebenbei auf etwas abstrakteres, das exemplarisch für die kräfte steht, die diesen stadtteil erst entvölkert haben (bis auf ein paar mit z.b. bundestagssalär), bevor die jungen leute, die nun gern geliebt werden wollen, mit papis geld aus der provinz nachziehen konnten. 

jedem der weiß, wie es dort vor 20 jahren war, tut weh, wie es da heute ist. allein der kulturelle exodus ist nur zum weinen. aber das liegt nicht an dem schwaben oder dem berliner, sondern am umfang der veränderungen in zu kurzer zeit. in"normalen" zeitaltern wären die meisten eingeborenen an alterschwäche in ihren wohnungen gestorben, bevor die neuen bewohner den kiez übernehmen. hier wurden die alten zumeist mit fiesen hausbesitzertricks vertrieben. und das erzeugt natürlich reibungswärme. und diese reibungswärme macht den schwabenwitz zum renner.

tlacuache 05.01.2013 | 10:49

..."Ich will Kohle, Schotter, Kies. Wer schnell mal 15.000 Euronen rüberschiebt, dem halte ich einen Vortrag, daß ihm sämtliche Steinbrücken zusammenfallen"...

Das dumme ist nur, der Steinbrückenbauer macht das ganz allein, Rössler + Merkel brauchen dich gar nicht...

Aber ich habe gerade gehoert, der George Lucas hat seine Schrottbude gerade an Mickey Mouse verkauft, fuer laeppische 4.01 Milliarden $ US, kann der nicht mal den Eberhart verfilmen?

Das muesste doch reichen fuer die Rente...

Wolfram Heinrich 05.01.2013 | 11:33

@tlacuache

Das kommt von aldersbacher- italienischer  Piefikkeit, nicht dass ich dem Heinrich nicht gerne an der Rente gerne helfen dun' wuerde, aber dass sind mit dem Auto bis Hoolywood schlappe 5200 Kilometer

 

Was glaubst du, wie weit es von Aldersbach bis Hollywood mit dem Auto sind? Erstmal durch ganz Rußland bis zur Beringstraße, dann die Fähre nach Alaska und von Alaska sind's noch mal ein paar tausend Kilometer bis nach Südkalifornien.

 

Ciao

Wolfram

tlacuache 05.01.2013 | 11:50

Als Vielflieger empfehle ich Dir:

Aldersbach (Auto) nach Hamburg, dann mit Schiff zum Hafen Progreso (Mexiko) in ca. 3 Wochen,

Kartoffelschälend, dann ab zu "Jorge" Lucas 5200 Km Landweg, besser als Behringstrasse, das hatten die Mongolen + Chinesen schon mal vor 25 000- und 30 000 Jahren gemacht, auf dem Weg dahin (GANZ Amerika) ist Ihnen das Hirn eingetrocknet, laut Anthropologen (Ist nicht von mir!!!) 

Wolfram Heinrich 05.01.2013 | 12:13

@tlacuache

Als Vielflieger empfehle ich Dir:

Aldersbach (Auto) nach Hamburg, dann mit Schiff zum Hafen Progreso (Mexiko) in ca. 3 Wochen

 

Oh nein, ich werde nicht, ich betone nicht, den okeanos betreten, weder per Schiff noch per pedes, ich bin schließlich nicht Jesus, noch trag ich Latschen.

 

das hatten die Mongolen + Chinesen schon mal vor 25 000- und 30 000 Jahren gemacht, auf dem Weg dahin (GANZ Amerika) ist Ihnen das Hirn eingetrocknet, laut Anthropologen (Ist nicht von mir!!!)

 

Deswegen kauern die Indios, wie du in jedem Western sehen kannst, noch heute an einer Hauswand, Poncho übergezogen und Riesensombrero auf dem Kopp. Ja gut, wenn man ihnen mit einem Dollarschein vor der Nase wedelt, wachen sie kurzfristig auf und singen was Hübsches.

 

Aber das sind dann - seh ich grad - keine Indios, sondern N-Wort.

Ja, ich kenn mich aus in Völkerkunde. I am one of the greatest outknowers from here to Arizona, in both directions.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.01.2013 | 12:27

@eulen nach athen

"Würde diese Biedermanns-Regel überall befolgt, es gäbe keine Chinatown in San Francisco, kein Little Italy in New York."

 

… und die indian americans müssten nicht in reservaten leben.

 

Stimmt. Verdammt, ich seh schon die Berliner Ureinwohner vor mir, wie sie im Grunewald-Freigehege hausen, alle zwanzig Meter ein "Füttern verboten"-Schild am Zaun.

Aber, wie es halt so ist, die Schwaben halten sich nicht daran. "Sag uns 'icke'" rufen sie übermütig und wenn die drolligen Reservatbewohner kooperativ sind bekommen sie unter vergnügtem "Zwetschgendatschi, Zwetschgendatschi"-Rufen einen Pflaumenkuchen zugeworfen.

Deine Kommentare sind wüste anti-berlinische Propaganda. So beknackt und beschränkt, wie du ihn darstellst ist der Preiß doch gar nicht.

 

Ciao

Wolfram

tlacuache 05.01.2013 | 12:51

Hallo Profiethnologe,

wegen Ponchos und so, als Gonzalo Guerrero 1511 als Schiffsbrüchiger anlegte, mehrfach verschenkt + verkauft wurde, nachdem seine Kamerden "K'ukaa'ch", Linguisten sind sich da noch nicht einig, erst geopfert und dann im Kochtopf gelandet, schnappte sich Gonzalo eine Klanführertochter + schwängerte sie mehrfach, später weigerte er sich in den Dienst der Spanier zu treten und danach bekämpfte er sie auch noch Jahrelang...

Alle "N" und "J" - Wörter sind erst mal signifikant aus der westlichen Hemisphäre zu verbannen, nachdem man die Hängematten zwischen die Wände angenagelt hat...

Gruss

Wolfram Heinrich 05.01.2013 | 13:07

@tlacuache

Hallo Profiethnologe,

wegen Ponchos und so, als Gonzalo Guerrero 1511 als Schiffsbrüchiger anlegte, mehrfach verschenkt + verkauft wurde, nachdem seine Kamerden "K'ukaa'ch", Linguisten sind sich da noch nicht einig, erst geopfert und dann im Kochtopf gelandet, schnappte sich Gonzalo eine Klanführertochter + schwängerte sie mehrfach, später weigerte er sich in den Dienst der Spanier zu treten und danach bekämpfte er sie auch noch Jahrelang...

 

Vielleicht kannst du deiner mexikanischen Verwandtschaft mal diese Geschichte auf Spanisch übersetzen und vorlesen.

 

Alle "N" und "J" - Wörter sind erst mal signifikant aus der westlichen Hemisphäre zu verbannen, nachdem man die Hängematten zwischen die Wände angenagelt hat...

 

Genau. Wenn man erstmal die Wörter verboten hat, wird das mit den Dingen schon irgendwie.

 

Ciao

Wolfram

Anschluss Berlin 05.01.2013 | 16:56

Hallo Ele,

herzlichen Dank für das Lob!

Mit "Wir" bezeichne ich das, was ich als gesellschaftlichen Konsens wahrnehme.

Das Recht, das jeder Zugezogene in jedem Teil der Welt haben soll, ordne ich ein als Möglichkeit zu leben, wie er will, insoweit, als diese Möglichkeit gegeben sein soll. Zugleich hat das natürlich einen normativen Aspekt, der von der Moral herrührt. Verstünden wir (!) die uns gemachten Vorgaben aus der Perspektive eine Pflichtenethik, dann kann es nämlich gar kein anderes Gebot geben, als andere gewähren zu lassen, denn jeder will schließlich selbst (in den Grenzen der Rechte der anderen) tun und lassen können, was er will.

Es treffen also beide Aspekte zu.

Herzliche Grüße

AB

Anschluss Berlin 05.01.2013 | 17:26

Lieber Wolfram Heinrich,

haben Sie meinen ernst gemeinten herzlichen Dank für Ihre zahlreichen Kommentare.

Ihre Kommentare haben zwar überwiegend nichts mit meinem Beitrag zu tun. Sie haben aber mit Sicherheit dafür gesorgt, dass sich mein Beitrag solange unter den Meistkommentierten hielt. Das war wiederum sicher dafür verantwortlich, dass nun auch fast eine Woche nach Veröffentlichung noch einige sehr interessante Kommentare anderer Nutzer ihren Weg hierhin fanden.

Nochmals: Danke!

Viele Grüße

AB

luddisback 05.01.2013 | 18:14

hallo an schluss berlin,

was soll ich sagen? ich sage mal, wenn sie das nicht oben explizit geschrieben hätten, dann wäre ich nicht im leben drauf gekommen, dass sie ein ur-berliner sind. der ganze ton und was sie so schwätzen (vor 20 Jahren war Prenzlauer Berg kein Ort, an dem irgendjemand wohnen wollte. Wer konnte, zog fort.) ... aber es gibt in so großen städten eben nichts was es nicht gibt und das noch öfter als man denkt. alles gute

Dreizehn 05.01.2013 | 23:25

Danke Wolfram dafür, daß er aus dem zeitweise etwas verkrampften, verbohrten Gespräch den kompromißlosen Ton herausnimmt. Der Text von Anbe enthält ja nicht viel mehr als die Botschaft, daß Geld sich einkaufen kann, wann und wo es will. Das kann's ja wohl nicht gewesen sein.

In Berlin gab's meines Wissens, Jahre her, einen Milieuschutz-Vorbehalt, den das Verfassungsgericht ausgehebelt hat. Nach wie vor ist es jedoch Verpflichtung für Politik, für preislich angemessenen Wohnraum in gebotenem Umfang zu sorgen.

Das wird in Berlin wie in anderen Städten sträflich vernachässigt. Ergebnis sind dann eben wachsende Aggression, gated communities, Ghettoisierung. Wer das morgen will, argumentiert heute so fahrlässig wie Anbe.

 

 

Dreizehn 06.01.2013 | 01:46

... nur weil man hier auch Musik hört.

Was ist schlecht an Entwicklung und wie kann man fordern, die alten Regeln einer fast nicht mehr vorhandenen Minderheit gegenüber den Bedürfnissen der Neuen durchzusetzen? Das ist einer der Sätze, an denen der Irrweg von Anbe erkennbar ist. Wohnungspolitik heißt Wohnungspolitik, weil sie eben nicht wie der "freie Markt" arbeiten kann, sondern Rücksicht auf gewachsene Strukturen und Bedürfnsse der ansässigen Bevölkerung zu nehmen hat. Nein, nichts ist schlecht an Entwicklung, außer daß Entwicklung in kontrollierten Bahnen verlaufen soll, weil sonst das Klima gestört wird. 

Nun ist spät und die Musik vorbei.

Dreizehn 06.01.2013 | 13:22

Nanu. Gar nichts? Nicht mal ein freundliches  Ich hingegen sehe das anders und möchte das gerne sagen oder vielleicht ein nettes Das kann ich mir nicht vorstellen. Aber danke für die Hintergründe! oder doch wenigstens ein Herzlichen Dank für den Beitrag und viele Grüße?

Nicht daß ich den Autor des Blogs nicht verstünde. Das ist so die Geld-erobert-sich-die-Welt-Mentalität. Sehr jugendlich. Und nun? Ist die Luft schon raus? Hm. Ebenfalls höchst jugendlich.

Vielleicht noch dieses zur Sache. Die Tochter eines Freundes zog vor ca. einem Jahr nach Kreuzberg um. Prenzlauer Berg, sagt sie, habe seinen Charakter verloren. Es war mal ein sehr kinderfreundlicher Stadtteil mit ungewöhnlich hoher Geburtenquote. Ist es vielleicht noch immer. Realität ist jedoch, daß die jungen Eltern, die bislang in einer WG wohnten, im Stadtteil keine preislich angemessene Wohnung für die neue Familie finden und in Randregionen umsiedeln müssen. 

So schafft sich Politik glückliche Bürger und erwartet womöglich noch Dankbarkeit. Und jetzt  würde ich mich über ein geschniegeltes Das kann ich mir nicht vorstellen. Aber danke für die Hintergründe! freuen. Geschniegelt sagt man nicht mehr? Gegelt heißt es seit neuestem? Auch gut.

Anschluss Berlin 07.01.2013 | 08:26

Hallo Dreizehn,

Sie haben Recht. Der Aspekt, dass Menchen nicht bleiben können, weil sie zu wenig Geld haben, wird im Beitrag zu wenig berücksichtigt.

Ich weiß nicht, ob man Menschen bei der Wohnortwahl schützen sollte. Es gibt vermutlich eine Vielzahl von guten Gründen dafür, über die ich mir noch keine Gedanken gemacht habe. Damit meine ich Gründe, die über den Schutz des bloßen Willens der Anwohner hinaus gehen.

Herzliche Grüße

AB

tlacuache 07.01.2013 | 09:47

Also jetzt noch mal ernsthaft, Dreizehn und ANBE,

nach 35 Jahren Bankfurt bin ich gleich ganz umgesiedelt, ich hatte es nicht mehr eingesehen, 10 Tage im Monat fuer den Vermieter zu arbeiten.

Wie mir meine ehemaligen Klassenkameraden mitteilen, wohnt keiner mehr im Umkreis von mindestens 10- und maximal 150 Km in der Umgebung seiner Schule, obwohl ihre Arbeitsplaetze im Umkreis von 10 Km ihrer damaligen Schule sind, da die Mieten unbezahlbar geworden sind...

So kann man "gewachsene" Strukturen einer Stadt schön zerkloppen...

Schoenen Gruss

Dreizehn 07.01.2013 | 13:02

@tlacuache

Das Milieuschutz-Thema habe ich aus einem Vortrag eines Berliner Behördenvertreters. Das ist einige Jahre her. Aber Milieuschutz ist ein aktuelles Thema, z.B.  www.mietrechtslexikon.de/a1lexikon2/m1/milieuschutz.htm, oder hier mit grundsätzlicher Information www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm0111/0111...

In deinem Text 9:47 habe ich nicht ganz verstanden, ob die Aussage im zweiten Absatz für Frankfurt oder Berlin (Du bist nach Berlin umgezogen?) gilt.

mails1 07.01.2013 | 16:20

@ANBE

geschichtliche Vergleiche waere z.B. schlechterdings Jugoslawien.

Da haben Menschen bei deren staatlichen Aufloesung Jugoslawiens aufeinander geschossen, welche bis dahin unter den Zusammenführer Gleichmacher und Dikatator Tito einvernehmlich zusammen lebten, und untereinander heirateten. Mit der "Demokratisierung" Jugoslawiens und des Auslebens von Unterschieden  welche wohl scheinbar von aussen "geschuert" wurden, starben letztlich Menschen "Jugoslawen", erst aus versehen, danach absichtlich!

 

Punkt 2 will ich doch noch unbedingt noch hintenanbringen:
Irak. In meiner Nachbarschaft verkauft ein Mann Doener. WIr unterhalten uns. Er ist Kurde, also aus dem kurdischen Teildes Nordirak, was wir (westlcihe Demokratien)  alle wissen.

Er wusste das als er dort lebte jedoch nicht.

Er war dort nach seinem und allgemeinem Verstaednis Iraker und wurde erst in Deutschland durch uns zum Kurde.
Er brachte sein Befremden darueber zum Ausdruck, denn die Vereinhetlichung Iraker zu sein, war ihm wesentlich angenehmer als heute separiert als Kurde zu gelten.

(Ironie)Schwaben, sind das nicht auch Deutsche, so wie Berliner auch? (/Ironie)