Augstein und Blome
10.05.2013 | 17:00 5

Die SPD gibt Gas

NIe mehr Bleifuß? Jeden Freitag prallen Welten und Weltanschauungen aufeinander, wenn Jakob Augstein (der Freitag) und Nikolaus Blome (Bild) die Geschehnisse der Woche reflektieren

Kommentare (5)

Columbus 10.05.2013 | 19:57

Mich wundert immer wieder, wie sehr die gefühlte Freiheit in einer Demokratie  an Nebensächlichkeiten fest gemacht wird. Der Kampf um die Meinungshoheit zwischen Bleifußku und  Slow is good-put könnte tatsächlich wahlentscheidend werden, weil die beiden Hauptkandidaten dieser "Jahrhundertwahl" eigentlich gar nichts mehr Wesentliches sagen möchten. - Die machen schon länger Sommer-Sendepause.

Peer und Angie reden und agieren so belanglos, so formalisiert und medial typisiert. Der Herausforderer hält sich selbst für einen Rabautz der Sprache und möchte gar nur schon für seine rumpelige, unverstellte Art gewählt werden und die Amtsinhaberin erweist sich lange schon als Meisterin der stillen, aber entschiedenen Geste, jenes  Rautenchakras auf Bauchnabelhöhe, ganz nach dem urdemokratischen und zukunftsweisenden Motto, eine Kaiserin bewege sich möglichst wenig und rede nur so viel, wie unbedingt nötig, bei und vor dem Volke.

Letztlich brächte einheitlich Tempo 120 als Höchstgeschwindigkeit im ganzen Land nur dann einen viel größeren Umwelt- und Energieeinspargewinn (Es geht nicht nur um den Treibstoff!), wenn, wie Jakob Augstein andeutet, die Fahrzeuge tatsächlich nicht mehr für wesentlich höhere Geschwindigkeiten ausgelegt werden müssten.

Ein Mercedes oder BMW könnte immer noch wie der große Luxus aussehen, sogar tatsächlich groß sein, er wäre aber um 300-500 kg leichter, wöge nicht um die 1,8-2t, sondern vielleicht noch 1300 kg und ein Kleinwagen max. 750-800kg. - Mercedes hätte kaum ein Problem seine ganze Flotte unter 3-4 l /100 km zu bringen.

Das Futurum 2.0 wird den ewigen Selbststeuerer sowieso unnötig machen.  Möchte er am Wochenende doch mit Mutti eine Fahrt wagen (im Schnitt fahren Deutsche an Wochenenden Ziele in einer Enfernung von max. 100 km an) , kann es sich ihr zuwenden oder die Landschaft genießen. ein gutes Buch lesen und vorlesen, oder sich mit Onboard-Unterhaltung eindecken, bzw. Web-Artikel als Profi oder Laie tippen, das englische Picknick vorverlegen und an der Spielekonsole Rennen gegen Nichten, Neffen, Enkel, Töchter und Söhne fahren.

Die Technik hält die Spur und den Abstand, sie bremst und rekuperiert die überschüssige Kraft.

Futurum 2.0 wäre auch raumsparend entlang der Autobahn, denn mit der Fremdsteuerung dort, könnten ca. 1/3 mehr Fahrzeuge geregelt und ohne Stau, mit dieser Durchschnittsgeschwindigkeit an ein Fahrziel gelangen und die Spuren kämen enger zusammen. Motorum  3.0 wären dann Autobahnalleen und Erdbeergärten entlang der ausgedünnten Randstreifen.

Aber Vernunft, lieber Augstein, die zählt nun einmal auch in Demokratien, geht es um Gefühle und gefühlte Gefühle, weil man trottelig einfach keine alternativen Gefühlsorten der  "Freiheit" mehr kennen mag, nur  wenig bis nichts, solange sich die libidinöse Besetzung nicht auf Gärten, Künste, sonstige Techne, Holzfällen, Reden, Schreiben, Singen, irgendwie wenden lässt.

Die Frage könnte also lauten: "Warum wollen Deutsche, hier überwiegend die mit X +Y-Chromosom, unbedingt stupide Fahrbewegungen auf langen Strecken weiterhin selbst ausüben? Um nicht gehaltvoll mit der/den  Liebsten reden müssen, um nicht, auf der unendlichen Strecke, z.B. von Berlin nach Hamburg und zurück, an zu viele andere Sachen denken und einige gar auch mit Leidenschaft tun zu dürfen?

Ich fürchte, die Deutschen wählen wie sie fahren. Es ist ein Graus. - Siggi Pop" hat übrigens nicht einmal seine politische Sekretärin überreden können, während des Fahrens in eine bessere, eine neue Zeit, anderes tun zu wollen, als Gas zu geben und zu bremsen, dabei ein wenig, vom Servo und der aktiven Sicherheit unterstützt, zu lenken. Das scheint auch Randeiflerrinnen irgendwie zu entspannen, wenn sie nur rasen, rasen, rasen dürfen. Auch Frauen wollen hauptsächlich ihre gefühlte Freiheit befriedigen und daher gerne ein Brett vorm Kopfe tragen.

Beste Grüße

Christoph Leusch

 

 

luggi 10.05.2013 | 22:26

"Ein SPD-Politiker sagt einmal etwas Vernünftiges" ... und sonst, was sagen die sonst so? Das Politiker-BlaBlaBla.

Deutsche Autos brauchen Airbags, die bei 200 km/h nicht nur auslösen, sondern auch die Insassen schützen.

Freie Geschwindigkeit bringt uns nicht wirklich schneller vorwärts. Ich glaube, die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Autobahnen in Austria bei Tempolimit ist höher als in GER. Aus eigener Erfahrung.

Columbus 11.05.2013 | 02:06

Das ist alles so unfrei, in diesem Sachzwang, immer entlang eines einzigen Techniksystems weiter denken zu müssen, welches sich völlig auf den globalen Fahrer konzentriert.

Am Ende, in der Spätkultur des Automobils, die gerade mit deutlichen Dekadenzzeichen anbricht (Noch stärker Motoren, noch exklusivere Ausstattungen, noch mehr Platz, dysfunktionale Fahrzeuge außerhalb ihrer Spezialgebiete (Spaßfahrzeuge und SUV auf der Straße) erobert das Auto und seine Infrastrukur auch die letzten Räume und organisiert möglichst jeden verfügbaren Maschinenbauer, Elektroniker, Informatiker, Logistiker und Verkäufer (einschließlich der politischen Seelenverkäufer) auf seine Paylist (Matthias Wissmann, der Archäoprototyp dieser Spezies ), damit der anerzogene Psychotraum vom Fahren in dieser Form noch ein wenig weiter geht. 

Ganz ehrlich. Wir wollen die Chinesen und Inder gar nicht aufhalten allesamt ebenfalls zu Autofahrern, zu Autisten, zu werden und die Selbstfahrerei als unwiderlegbares psychisches und freiheitliches Gebrauchsmuster anzusehen. Es ist derzeit unser Verkauferfolg Nr. 1 in der Welt.

Aber Verkaufserfolge entwickleln sich nicht nach der Einschätzung der mittel- und längerfristigen Zukunft und auch nicht entlang der Beachtung externer Folgen (Umwelt, Ressourcen, Tote,...) , sondern nur entlang der Strategie, diese Märkte zu erobern und sie so lange zu halten, bis Katastrophen eintreten, die das grundlegende Umdenken erzwingen oder glückliche politische Entscheidungen die Vorgaben maßgeblich ändern.

Hauptargument der Wirtschaft: Eine Geschwindigkeitsbegrenzung und damit grundlegende Struktur- und Materialänderungen an den Fahrzeugen, evtl. gar Arbeit an einem nicht selbstgesteuerten und trotzdem freien Mobilitätskonzept, störten das Geschäftsmodell, denn dann zählten die bisher beworbenen Eigenschaften und der Technologievorsprung in eine Richtung nicht mehr viel.

Modelle einer anderen Mobilität existieren seit Jahrzehnten. Sie wären allesamt vernünftiger, hierzulande und global, aber sie haben weder in der Medienöffentlichkeit, noch in der Politik eine wirkliche Chance.

Selbst die Grünen, die noch in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts von Citylogistic und Fahrsystemen schwärmten, gelten heute als eingefleischte Öko-Auto-Fahrer und erfanden dafür sogar das Bio vor dem Diesel, dem Benzol und dem Gas, auf das dem Regenwald mit reinem Herzen der Garaus gemacht werden kann. Heute rudern sie schon wieder, der Bio-Diesel dürfe nur kontrolliert angebaut werden. Letzlich nur da, wo Grüne herrschen. Das ist aber weltfremd.

Wer die Kontrolle durchführen könnte und dabei Erfolg hätte, das wissen die mittlerweile gewöhnlich und darin äusserst frei gewordenen Grünen auch nicht. -Daimler-Grüne und Audi-Verbündete bleiben bei ihnen übrig. Grüne sind die fleißigsten User des Online-Wareneinkaufs und der Haustürlieferung.

Beste Grüße

Christoph Leusch

 

luggi 11.05.2013 | 21:05

Ja, es liegt alles auf dem Tisch. Nur leider verdient der VW-Aktionär nicht an den alternativen Konzepten. Und die DB muss Rendite einfahren, vernachlässigt den Regionalverkehr. Beherzte Enthusiasten betreiben Regionalstecken, krass.

Krass ist auch, dass ein Monstrum von anderthalb Tonnen benötigt wird, um eine Person von round about 90 kg von A nach B zu bringen. Und dieses Monstum steht die meise Zeit nur rum. Ein schlechteres Beispiel für ineffektive Technik gibt es kaum.