Benjamin Zimmermann
16.08.2013 | 11:39

Angriff aus dem Netz

Medien Merkel tappt im Neuland, Pofalla beendet Dinge und Romney besitzt Ordner voller Frauen. Angriffe aus dem Internet sind meist bissig. Aber deswegen machen sie oft Politik

Angriff aus dem Netz

pofallabeendetdinge.de

Dass er ins Fernsehen kommen würde, war ihm wahrscheinlich bewusst. Auch die Schlagzeilen der Zeitungen waren absehbar. Doch dass er, der Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, es im Internet zur Berühmtheit schaffen sollte, hatte er nicht erwartet. Seine Aussage, die Vorwürfe der flächendeckenden Ausspähung von Deutschen seien „vom Tisch“, ging tagelang durchs Internet. Sofort nach Pofallas Auftritt erschien auf Tumblr ein Blog mit dem Namen „Pofalla beendet Dinge“. In dem Blog erklärt Herr Pofalla wahlweise den Klimawandel, die Krise im Nahen Osten oder den Wahlkampf für beendet. Auch auf Twitter war der Spott groß. Unter dem Stichwort #PofallabeendetDinge wurden etliche weitere Dinge für beendet erklärt.

Dem Team von Frontal21 kam Herrn Pofallas Aussage sehr gelegen. Denn Frontal21 brachte am Dienstag Abend einen Bericht über Memes heraus und der Blog „Pofalla beendet Dinge“ war das perfekte Beispiel. Vorerst sollte man aber erklären, was ein Meme ist. Ein Meme ist ein Bild, ein Video oder einfach nur ein Zitat. Im Grunde kann man berühmte Filmzitate wie „Hasta la Vista Baby“ aus Terminator zu den ersten Memes zählen. Heutzutage werden Memes meist von Nutzern erstellt und dann auf Seiten wie knowyourmeme, 9gag oder Reddit geteilt. Aber auch bei Facebook, Twitter oder Tumblr sind viele Memes zu finden. Oft sind Memes lustige kleine Beiträge und je lustiger, desto schneller verbreitet es sich. Berühmt geworden sind etliche Memes. Aber als legendär kann man wohl das „Troll Face“, die „Nyan Cat“ oder den „Facepalm“ zählen. Einige Memes benutzen Filmzitate („Boromir“). Dümmlich aussehende Bilder sind aber auch immer wieder beliebt („Bad Luck Brian“). Dabei haben sie sich unter Jugendlichen schon so eingebürgert, dass man einen Pechvogel „Bad Luck Brian“ oder einen Hobbyphilosophen „Philosoraptor“ nennt.

Der neue politische Witz?

Frontal21 entdeckt das Meme, als eine neue Möglichkeit sich satirisch sowie politisch über das Internet auszudrücken. Denn früher sei dies nur über das Kabarett, den politischen Aschermittwoch oder die Late-Night-Shows möglich gewesen. Im digitalen Zeitalter aber habe jeder die Möglichkeit sich zu äußern. Berühmte Beispiele dafür ist das Meme „Pofalla beendet Dinge“ oder das Meme „Neuland“ zu der Aussage von Angela Merkel. „Wo das Internet Neuland für alle ist“, titelte Spiegel Online über Merkels Wahlkampf noch einen Monat nach ihrer Aussage. Und bei der Frage, ob Deutschland einen Internetminister bräuchte, titelte die Süddeutsche Zeitung „Große Parteien im Neuland“. Das Meme „Neuland“ zeigt deutlich, dass der Spott und auch die Kritik der Internetgemeinde gehört wird. Denn mittlerweile nutzt sogar die SPD das Meme „Neuland“ für ihren Wahlkampf. Darauf wollten die Reporter von Frontal21 hinaus, als sie die Werbeagentur der SPD fragten, was ein "Memm" sei (#facepalm). Unter einem "Memm" verstand man bei der Agentur natürlich nichts, denn wie vieles im Internet wird auch der Begriff Meme englisch ausgesprochen. „Jenen im Zusammenhang mit diesem Thema ins Deutsche zu übersetzen ist ungefähr so sinnvoll, als würde man "CD" mit "Kompakte Scheibe" übersetzen und davon ausgehen, dass jeder weiß, was damit gemeint sein soll“, schrieb ein Youtube-Nutzer unter das Frontal21 Video.

Doch was bedeuten Memes für die politische Diskussion? Ist es wirklich die Zukunft des politischen Witzes, wie es das ZDF anpreist? Oft sind die getroffenen Aussagen der Memes auf das Einfachste reduziert. Sie müssen einfach gehalten werden, da sie sich sonst nicht schnell genug verbreiten würden. Verflacht damit die politische Diskussion im Internet endgültig? Nein, denn auch wenn Memes meist auf das Einfachste reduziert sind, so sind viele doch durch ihren satirischen Charakter zutreffend. Der Wahlkampf 2012 in den USA ist ein gutes Beispiel. Mitt Romney sagte in einem Fernsehduell, er habe "binders full of women".  Diese unglückliche Aussage, die nur kurz fallengelassen worden war, spiegelte für viele sein überhebliches Gehabe wieder. Somit ließ auch das Meme nicht lange auf sich warten. Dabei repräsentieren solche Memes die Meinung vieler Internetnutzer, da sie erst durch die häufige Verbreitung bekannt werden. Ist ein Meme also besonders zutreffend, verbreitet es sich auch schnell. Dann ist es auch richtig, dass es wieder in den politischen Diskurs zurückfindet wie im SPD-Wahlkampf