Berlinale im Dialog
17.02.2012 | 08:50

Fiennes & Kossakovsky über Dokumentarfilme

Ein Artikel von Franziska Hessberger für das deutsch-französische Blog "Berlinale im Dialog"

Unterhaltsam war es in jedem Fall, Victor Kossakovsky und Sophie Fiennes im Talent Campus bei The Other Side of Reality zu erleben. Anders als so oft ging es im Gespräch mit den beiden Dokumentarfilmern nicht um düstere Aussichten für das Genre. Voller Enthusiasmus haben Fiennes und Kossakovsky über Dokumentarfilme gesprochen, was sie daran so reizt und vor allem, wie sie selbst arbeiten. Daran war vielleicht nicht alles neu, nicht alles eindeutig, aber interessant.

Die britische Filmemacherin Sophie Fiennes hat lange mit dem Regisseur Peter Greenaway gearbeitet. Zuletzt hat sie Over Your Cities, Grass Will Grow über den Künstler Anselm Kiefer realisiert. Die Tochter eines Fotografen zeigt ein besonderes Feingefühl für Bilder und ihren Rhythmus.

Victor Kossakovsky wurde 1961 in Leningrad geboren. Seine Filme folgen stets einem bestimmten Konzept: Zum Beispiel besucht er Menschen, die in der gleichen Stadt und am gleichen Tag geboren sind wie er. Sein letzter Film Vivan Las Antipodas spielt an Orten, die exakt auf der anderen Seite der Erdkugel liegen und sich auch noch zum Verwechseln ähnlich sehen.

Das Publikum ist voll von jungen Filmemachern, also geben die Regisseure vor allem pragmatische Ratschläge. Angesichts der großen Konkurrenz rät Kossakovsky: „You don’t need to make good films, you need to make fantastic films!“ Eine Geschichte darüber, dass Kossakovsky im Wald als Kind immer mehr Pilze gefunden hat als seine Freunde, verrät dann auch, was für ihn einen guten Filmemacher ausmacht: mehr zu sehen als andere.

Sophie Fiennes spricht darüber, dass sie das größte Vertrauen zu ihren Protagonisten aufbauen kann, wenn sie ihnen genau erklärt, welche Ideen sie für einen Film hat. Sicher sei es schwer, Menschen davon zu überzeugen, sich in ihrem privaten Umfeld filmen zu lassen, dazu gehöre es, sich auch als Filmemacher zu öffnen: „... making a film should cost you something“, so Fiennes.

Kossakovsky, der selbst an einer Filmhochschule unterrichtet, lässt seine Beispielszenen stumm ablaufen und erklärt jedes Bild: Wie ist es entstanden, warum hat er eine Einstellung gewählt. Die beiden Filmemacher fallen sich immer wieder gegenseitig ins Wort, ergänzen sich, debattieren. Also kein oberflächliches Gespräch, sondern ein echter Dialog. Dabei kann man auch in Kauf nehmen, dass Victor Kossakovsky eine sehr große Portion Selbstbewusstsein hat.

 

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