rolf netzmann
15.11.2012 | 22:10 1

Nackt ins Stadion?

Fussballkontrollen warum es der FC Bayern sein musste, der als erster agiert

Nackt ins Stadion?

"Muss ein Fussballfan seine Hose ausziehen?", fragt Mark Stöhr im aktuellen FREITAG etwas provokant.
Nein, muss er natürlich nicht, nur beim FC Bayern, wenn er von außerhalb kommt und nicht in das bajuwarische Weltbild passt. 
Doch so einfach ist die Sache auch wieder nicht. Seit die Politik zusammen mit den Frankfurter Fussballfunktionären mehr Sicherheit in den Stadien durch scharfe Kontrollen, Stadionverbote , dem Verbot des Verwendens pyrotechnischer Erzeugnisse und angedrohte Geisterspiele schaffen will, kocht die Diskussion immer wieder hoch. Und der FC Bayern hat jetzt, obwohl noch nichts beschlossen wurde, schon mal vollendete Tatsachen geschaffen. 
Bei einem kurzfristig angesetzten Treffen von DFB, Deutscher Fussball Liga und Bundesinnenministerium wurde vor einigen Wochen von fast allen Clubchefs eine Erklärung unterzeichnet, die diese Maßnahmen billigte und als Grundlage weiterer Konkretisierungen nahm. Lediglich Union Berlin unterschrieb nicht, weil die Zeit nicht ausreichte, diese Punkte mit den eigenen Fans ausreichend zu besprechen. 
Und darum geht es letztendlich. Fussball lebt von Emotionen, von Leidenschaft auch auf den Rängen, und, wie bei Union und auch St. Pauli, von der Einbindung der Fans in den Verein. Bei Union werden vor allen wichtigen Entscheidungen auch die Vertreter der Fans gefragt. Und Geisterspiele treffen nicht nur die Vereine durch Einnahmeausfälle in sechstelliger Höhe, sondern auch die Anhänger, die jedes Wochenende in die Stadien strömen. 
Und so ist es kein Wunder, dass ausgerechnet der FC Bayern diese drakonische Kontrolle der Frankfurter Fans als erster öffentlichkeitswirksam präsentierte. Wer erinnert sich noch an den Unmut der Bayern Fans auf den preiswerten Stehplätzen ob der Bemerkung von Mr. Bayern Uli Hoeneß, der sie gegenüber den Besuchern der VIP-Logen herabsetzte. Der FCB ist ein Wirtschaftsunternehmen mit Millionenumsätzen pro Jahr, bei denen mancher Mittelständler neidisch wird. Und eine Fankultur wie bei kleineren Vereine existiert hier nicht, hier wird geklotzt und nicht gekleckert. 
Doch so mancher alte Unioner wird die Zeiten nie vergessen, als der Weg vom Stadion zum S-Bahnhof Berlin-Köpenick voller Polizei war und vor dem Bahnhof die grünen W 50 standen, auf die die Fans "gebeten" wurden, um damit in das Polizeipräsidium am Alexanderplatz zu fahren. Und er wünscht sie sich bestimmt niemals zurück.
Und deshalb sollten alle, Politiker, Funktionäre und Clubchefs nie vergessen, dass Fussball nicht nur ein Geschäft ist. Es ist für Hunderttausende Deutsche jedes Wochenende ein Highlight, zu dem sie pilgern. Und zu viel Reglementierungen zerstören dieses Event.
Eine Punkband aus Düsseldorf hatte noch nie viel für den FCB übrig und hat das auch in einem Song deutlich gesagt. Es lohnt sich, den Text genauer zu hören. 

Kommentare (1)

Georg von Grote 15.11.2012 | 22:35

Fussballkontrollen warum es der FC Bayern sein musste, der als erster agiert

Weil er  da reagiert, wo die Liga wieder einmal wegschaut.

Muss ein Fußballfan seine Hose ausziehen?

Eindeutig ja. Wenn er was im Höschen oder Hintern hat, was nicht ins Stadion gehört muss er sich sogar eine Kleine Hafenrundfahrt gefallen lassen.

Aber wenn die heilige Kuh Fußball gemaßregelt wird, dann steht das Fußvolk Kopf.

Gewalt nimmt nicht nur außerhalb der Stadien zu, eben auch in den Stadien und Pyrotechnik ist weder kontrollierbar, noch harmlos.

Wenn ich fliegen will muss ich mir auch Kontrollen gefallen lassen, im Verdachtsfall auch Leibesvisitationen um nur ein Beispiel von vielen zu nennen.

Nun ist mal wieder der FC Bayern der Buhmann der Proletensportnation. Eril er die Initiative ergriff und keine Lust mehr hat, darauf zu warten, bis sich die Liga nach jahren des Zögerns endlich entschließt, Maßnahmen zu ergreifen, die auch wirken. Oder soll man wieder abwarten, bis eine Tragödie passiert?

Der FC Bayern hat ein klares Zeichen gestzt, dass es ihm ernst ist mit Sicherheitsmaßnahmen im Stadion, doch offenbar stößt das wieder einmal auf taube Ohren.

Das hat nichts mit übertriebener law & order-Mentalität zu tun, sondern ist offenbar der einzige Weg, nachdem alle anderen Maßnahmen gescheitert sind.

Vielleicht darf man auch nicht übersehen, dass der Verein schließlich kräftig zur Kasse gebeten wird, wenn seine Fans im Stadion ausrasten.

Insoweit handelt der FC Bayern im eigenen Interesse und im Interesse der Zuschauer, die ein Spiel ohne Randale sehen und erleben wollen.

Und wenn die Liga daran kein Interesse zeigt, dann geht der FC Bayern eben seinen eigenen Weg. Hat er schon immer gemacht und sein Schaden war es selten.

Es musste übrigens kein Fan letzten Samstag die Hosen runterlassen.

Achja, und ich bin auch kein ausgewiesener Bayern-Fan :-)

Und wer auf St. Pauli lebt, findet es auch nicht prickelnd, dass jedes Mal ein ganzer Stadtteil in den Ausnahmezustand versetzt wird, wenn Pauli gegen Chemnitz oder Dresden spielt.

Wir müssen davon weg, ein Stadion oder Fußballspiel als rechtsfreien Raum zu betrachten.