blue61
14.07.2013 | 23:41 5

Abhörschnittstellen sind Teil der Standards

NSA Law-Enforcement ist Teil der technischen Standards auch von UMTS

Abhörschnittstellen sind Teil der Standards

Foto: Thristian / Flickr (CC)

Als ich vor zehn Jahren noch Teil einer UMTS Forschungsabteilung war berichteten mir Kollegen, die an den 3GPP Sitzungen teilnahmen, dass in den Terminlisten immer wieder einige nur im Nachhinein genannt wurden. In den Protokollen war dann lediglich vermerkt, dass es dort um Security ging, dort also Vertreter der Geheimdienste getagt hatten. Details wurden nicht genannt.

In den offiziellen Strukturdiagrammen war deren Arbeitsergebnis immer als Black-Box mit dem Titel „Law-Enforcement-Interface“ beschrieben. Zu Deutsch also: Abhörschnittstelle. Wir belächelten das damals.

Allgemein war bekannt, dass jede formelle Norm für Mobilfunk solche Schnittstellen vorsah. Das gab es auch für GSM schon. Was wir natürlich nicht ahnen konnten war, daß diese Schnittstellen könnten nicht nur bei Verdacht abgeschöpft würden. Es könnte über solche Schnittstellen der komplette Sprachverkehr des UMTS-Netzes live abgehört und aufgezeichnet werden. Das war für uns damals, vor der ersten großen Frequenzversteigerung, praktisch unvorstellbar.

Wenn man heute aber auch noch Artikel wie bei Heise vor einem ganzen Jahr („FBI wirbt bei Internet-Größen für Abhörschnittstellen“, 5.5.2012 bei heise.de) sich genau vor Augen führt, dazu auch Meldungen über Abhörschnittstellen in Cisco-Routern und HP-Servern, dann wird einem erst das ganze Ausmaß klar.

Man fragt sich dann zum Beispiel, ob auch deutsche Hersteller solche verwanzten Geräte verkaufen. Eine Recherche bei AVM zum Beispiel blieb bisher ohne Ergebnis. Die millionenfach verkaufte Fritz-Box wird ja aus Komponenten zusammengebaut, die zum Teil auch aus dem US-Einflussgebiet kommen. Solche Baugruppen können also prinzipiell verseucht sein.

Was sagt die Telekom wohl dazu? Sind ihre DSL-Zugangsknoten verwanzt? Was sagen die anderen Provider? Diese konkreten Fragen muss man stellen!

Was sagen die Mobilfunk-Provider: werden ihre Funkzellen-Zugänge abgeschöpft? Das sollte die Politik klären, die Schuldfrage ist zweitrangig.

Kommentare (5)

IronCandy 15.07.2013 | 22:03

OMG was für eine unvorhersehbare, neue, unerwartete, zufällige und durch Niemanden jemals vermutete Tatsache...

 

Menschen auf seiten der demokritisch legitimierten Sicherheitsthinktanks haben nach dem viel zu kurzen Nickerchen während des Kalten Krieges plötzlich das nur allzu menschliche Bedüfnis nach Sicherheit und Paranoia erstmalig durch konkrete Handlungen versucht zu befriedigen!

 

Skandalös jedoch dass Sie die armen Unternehmen mit in ihren Sumpf hineinziehen!

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Ehemaliger Nutzer 16.07.2013 | 19:49

Da helfen keinerlei Maßnahmen das ist doch wohl klar da man keinerlei Kontrolle über den Datenverkehr hat das Thema ist eh zu komplex, es wird nur von sehr wenigen verstanden. Ich sage mal 70 Prozent der Menschen sind nicht mal in der Lage zwei Brüche zu addieren und dazu gehören auch mit Sicherheit unsere meisten so genannten Leistungsträger. Deren Leistung besteht nach meiner Meinung nur darin die Hand aufzuhalten und die Bürgerrechte zu verkaufen ansonsten ein wenig rumschwatern das gilt auch für die Medien usw. Sicherheitsmaßnahmen wären relativ simple die Einführung staatlicher Provider und staatliche Netze vor allem auch billiger. Der Fernmeldeminister hat 20000 Mark in Monat bekommen und die Manager die nichts als Scheinselbständige sind ohne Verantwortungsbewusstsein und das bewusst Millionen. Das ist doch wohl klar das wenn die Netzwerke in der Hand von Privaten sind von denen die meisten auf kriminelle Art ihr Vermögen gemacht haben weil Vermögen kann man nur auf kriminelle Art machen, das da nur Bespitzelung dabei rum kommen kann. Und die so genannten Geheimdienste schützen mit Sicherheit nicht die Menschen sondern das Gegenteil ist der Fall daher bin ich auch gegen Gesundheitskarte, Bestandsdatenunrechtsgesetzgebung, Drohnen und Epersonalausweis sowie diesen ganzen anderen Überwachungsmüll. Guckt euch doch nur mal die Seite des BSI an dann sieht man wie weit die Korruption geht!! Steht da irgendwas sinnvolles was den Bürger vor Überwachung schützt? Nein das Gegenteil ist der Fall!! Das System ist ein komplexes System aus Korruption so das auch nur die Leute eingestellt werden die nicht wirklich was ausrichten und das gilt für alle Bereiche daher ist eine Änderung fast unmöglich weil das System komplett subversiv ist. Das beinhaltet schon alleine das abhängige Sklavenarbeitssystem!! Die Menschen trauen sich doch nicht wirklich was weil se abhängig sind daher auch keine Demokratie!!!

blue61 17.07.2013 | 23:47

Das alles weiß ich heute auch. Aber: wusstet Ihr das denn auch schon im Jahr 2000 ?

Wie ich schon an anderer Stelle schrieb konnte man natürlich in den letzten Jahren auch einiges bei heise lesen oder beim C3 hören. Klar. Aber der Verdacht, dass Daten in Einzelfällen misbraucht werden könnten ist ja ganz etwas anderes als die beinahe-Sicherheit dass es in allen Fällen so ist.