Christoph Eiben
14.02.2013 | 13:41 1

Zeit für die eigene Meinung

Nachrichten News immer, sofort. Teil unseres Alltags ist es geworden immer und überall mit Fakten versorgt zu sein. Wir haben Zeit für uns verdient.

Zeit für die eigene Meinung

Foto: visualpun.ch/ Flickr (CC)

Da sitzt man an einem Mittwochmorgen in der S-Bahn. In der einen Hand das Handy, in der anderen der Coffee-to-go (Soll ja alles möglichst schnell gehen). In der Nacht zuvor hat US-Präsident Barack Obama die "State of Union Adress", zu deutsch die Rede zur Lage der Nation, gehalten, und man ist knapp fünf Stunden und eine Zugfahrt später über das informiert, was einen interessiert. Er will also endlich auch ein Freihandels-Abkommen mit Europa. Ach wie herrlich. 

Schnell, schneller und auf einmal alt

Diese Einfachen, kostenlose und oft schnellen Informationswege sind überall. Beispielsweise dank Spiegel Online. Der WWW-Bruder des wöchentlichen Nachrichtenmagazins informiert immer ziemlich schnell. Darüber hinaus - zur Freude von etwa Studenten, die sparen wollen und müssen - völlig kostenfrei. Solche Webseiten sind aber nur ein Teil der modernen Art Nachrichten zu kommunizieren.

Facebook und Twitter als Meinungsmacher

Dazu kommt eine riesige Blogger-Gemeinschaft sowie die Facebook- und Twitter-Kultur. Hier kommt noch eine andere große Komponente hinzu. Erstens entscheiden wir direkt was uns wirklich interessiert. Das geht zwar auch wenn man durch eine Tageszeitung blättert, aber nicht wenn es allabendlich um 20 Uhr heißt: "Guten Abend meine Damen und Herren." Aber, noch viel wichtiger ist der direkt Dialog zwischen Autor und Leser. Bei Facebook "gefällt mir" die Nachricht über den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. und bei Twitter kann ich die Nachricht direkt verteilen. Klasse, oder? Super, dann wissen meine Freunde und deren Freunde was mich grade beschäftigt. Aber was ich davon wirklich halte, (abgesehen davon das ich etwas „like“ oder „share“) wissen sie nicht.

Hilfe, ich bin nicht up to date

Und viele kennen das Dilemma: Es ist Stressig, zu Wissen, dass das was ich vor einer Stunde im Internet gelesen habe in zwei Stunden schon nicht mehr aktuell ist. Deshalb nutzen viele auch jede freie Minute um zu "checken what's grade so going on". 

Klar: Wenn man ehrlich ist, gibt es auch noch Leute von der alten Schule. Morgens gibt’s zum Kaffee die FAZ und gut ist. Nebenbei vielleicht noch unter der Woche die ZEIT und abends eine Viertelstunde für das Heute-Journal. Aber die jenigen die mit iPhone und iPad, mit Internet und Facebook groß geworden sind wissen was gemeint ist.

Die Notwenigkeit eine Zeitung zu kaufen wird bei vielen nicht mehr gesehen. Wieso auch 20 Euro für ein Studentenabo zahlen wenn ich die gleichen Fakten auch für Lau bekommen kann? Nunja, ich für meinen Teil schätze die Zeit mit einer Zeitung in der Hand. Hier bekommt man nämlich nicht nur Fakten sondern Meinungen, tolle Einblicke von Deutschland und der Welt. Traurige Randnotiz dabei ist leider das viele nicht mehr so denken.  

Was so etwas gibt's noch?

Neulich, im Bus durch Frankfurt am Main: Ich halte eine Zeitung in der Hand. Da fragt mich ein mir gegenüber sitzender, älterer Mann mit grauem Haaransatz und ebenfalls einer Zeitung in der Hand folgendes:

"Was, so etwas gibt's noch? Ein junger Mann wie Sie und eine Zeitung in der Hand? Ich habe wirklich gedacht ihr macht alle auf euren Handys rum." 

Meine Meinung, nicht unsere

Leider ist das schlimmsten an den "schnellen Informationen", dass man kaum noch die Möglichkeit hat, sich selber eine Meinung zu bilden. Beispiel Herrenwitze, Beispiel Brüderle. Im Minutentakt prasselten da von jeder Seite irgendwelche Statements von C-Promis rein. Das braucht wirklich keiner. Kann ich bitte mal was von jemandem hören der wirklich Ahnung hat? Ja klar, Alice Schwarzer ist überall. 

Wir brauchen Zeit für uns, in einer Welt die sich so schnell verändert, wie nie zuvor. Natürlich bedarf es an Moderatoren für Diskussionen und Debatten. Nicht nur Fakten, Fakten, Fakten. Nicht nur immer, alles, sofort in Zahlen. Sondern eine Kultur der Meinungsbildung, die erstens stressfreier ist, und zweitens für jeden die Meinungsbildung zulässt. Das brauchen wir. Und das bieten einfach Medien für die man sich zeitlässt, die man auf sich wirken lassen kann. Das tun Zahlen nicht, und das kann einem auch nicht Oliver Pocher erklären.

Einfach mal in den Flugmodus

Freilich kann man gute Nachrichten und erstklassigen Journalismus im Internet finden. Aber jedem sollte klar sein, dass es im World-Wide-Web alles schneller zugeht als bei einer gedruckten Zeitung. Klingt komisch, aber es hat etwas von Unvergäglichkeit. Sicher, wir haben es selbst in der Hand, das Handy und den Laptop. Also zur Abwechslung einfach mal in den Flugmodus, einfach mal abschalten und die eine oder andere Zeitung kaufen(Gibt’s übrigens auch für die Techniker: auf iPad und Co.). Die kann man auch Lesen, und vor allem entscheiden wenn man genug Informationen gesammelt hat. Und das Beste daran: Man hat danach Zeit für sich,  Zeit für Meinungsbildung. Solange man mal Offline ist. 

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