Philipp Guttmann
16.03.2013 | 14:39 27

Enteignung der Bankkunden in Zypern

Euro-Krise Die Finanzminister der Euro-Länder beschlossen als Bedingung für weitere ESM-Gelder die Bankkunden teilzuenteignen - ein beispielloser Grundrechtseingriff

Enteignung der Bankkunden in Zypern

davebarger / Flickr (cc)

Artikel vom 16.03.2013 - Gesellschaft im Blick
Philipp Guttmann: Enteignung der Bankkunden in Zypern

Mit Erschrecken musste man heute die Neuigkeit entgegennehmen, dass sich die Euro-Länder darauf geeinigt haben, Bankkunden in Zypern teilzuenteignen. Jeder Einzelne wird zur Haftung des Verschuldens herangezogen - das ist Voraussetzung für weitere ESM-Gelder in Höhe von 10 Milliarden Euro; ein beispielloser, massiver Eingriff in Grundrechte.

Nicht nur Vermögenden wird ein Teil ihres Vermögens eingezogen, sondern auch jedem Kleinsparer und Geringverdiener - allen Bankkunden. Unter 100000 Euro wird 6,75% dem Staat übergeben, bei Vermögen über 100000 Euro werden 9,90% eingezogen. Insgesamt sollen so 5,8 Milliarden Euro enteignet werden. Und die Verantwortlichen für die Situation in Zypern? Sie werden nicht zur Verantwortung herangezogen.

Die Teilenteignung schien bereits im Vorfeld geplant zu sein. Nach Bekanntgabe der Maßnahme waren die Bankkonten unverzüglich eingefroren - kein Bankkunde hatte mehr die Möglichkeit, sein Geld zu retten.

Dieses Vorgehen der Euro-Finanzminister ist ein deutliches Warnzeichen für uns alle: Die Herrschenden weichen nicht mehr davor zurück, Menschen teilzuenteignen, um der Euro-Krise Herr zu werden. Das Privatvermögen ist nicht mehr sicher!

Hinzugezogene Quellen: Spiegel.de, Stern.de, Tagesgeldvergleich.com

Kommentare (27)

Sikkimoto 16.03.2013 | 15:52

Wäre diese eine Enteignung bräuchte es keine staatlichen Garantien. Tatsächlich sind diese Vermögen zum jetzigen Zeitpunkt reine Buchwerte, denn würden die entsprechenden Banken nicht früher oder später saniert würden die Einleger ihr *gesamtes* Geld verlieren. Das ist nicht schön, aber ein integraler Bestandteil der Marktwirtschaft. Salopp: Wer sich verzockt, haftet. Es ist offenkundig ungerecht das der Kleinsparer, der sein Geld nur zur Aufbewahrung zur Bank gibt und keinerlei risikobehafteten Geschäfte damit betreibt belangt wird, während diejenigen die das Risiko sozialisiert haben die Gewinne aus diesem erhalten. Aber das ist eine grundsätzliche Sauerei des Bankensektors: Einlagen von Sparern darf die Bank als Garantie verwenden, ganz so als gehörte ihr das Geld selbst. Innerhalb dieses Systems -das ich wie gesagt nicht gutheiße- ist der Entschluss nur folgerichtig. Die Entscheidung wie sie gefällt wurde ist immerhin besser als, wie im Falle griechischer Staatsanleihen, solange Steuermittel zuzuschießen bis alle Privatanleger fein raus sind, ihre (durchaus beträchtlichen) Gewinne mitgenommen haben und die Verluste dem Steuerzahler aufzubürden.

EnidanH 16.03.2013 | 17:29

Der Bankensektor hätte 2008 stark reguliert werden müssen.

 

Als nämlich die Lehman-Pleite ausbrach.

Was passierte? Nichts. Noch nicht einmal eine flächendeckende Transaktionssteuer haben sie hingekriegt.

Dieses ganze EURO- und EU-Konstrukt entpuppt sich als das, was es von Anfang an war: Eine europäische Niederlassung des auswuchernden Finanzsektors und von global playern.

Lukasz Szopa 16.03.2013 | 21:56

@"Nicht nur Vermögenden wird ein Teil ihres Vermögens eingezogen, sondern auch jedem Kleinsparer und Geringverdiener - allen Bankkunden. Unter 100000 Euro wird 6,75% dem Staat übergeben, bei Vermögen über 100000 Euro werden 9,90% eingezogen."

Ich finde nichts abwegiges daran, die Einlagen der Bankkunden zu nehmen. Wo besteht der Unterschied zwischen einem "Kleinsparer" und einem "Großanleger"? Nur in der Summe der Einlage. Warum sollte man hier überhaupt - wie oben beschrieben prozentuell - unterscheiden? Das Modell sollte für alle in Schieflage geratenen Banken europaweit angewendet werden. Wer einer Bank Geld gibt - das sollte endlich die Lehre aus der Finanzkrise sein - und dafür Zinsen erwartet, sollte immer mit einem Risiko rechnen. Denn Zins entspricht Risiko. Und auch viele "Kleinsparer" haben sich von schönen Zinsen locken lassen, ohne über das Geschäftsmodell einer Bank nachzudenken (oder zumindest rechtzeitig ihr Geld abzuziehen).

In einem Punkt bin ich mit Ihnen einer Meinung: ZUERST sollten die Verantwortlichen, also die Bankmanager und vor allem die Aktionäre zur Kasse gebeten werden. Erst DANN - alle - Sparer der Bank.

Übrigens - an sich werden die Sparer hier nicht "geschröpft" (zu 6,75% oder 9,9%), sondern es werden ihre Einlagen zu 93,25% bzw. 91,1% gerettet. Denn ansonsten wäre die Bank pleite, und dass mit Schulden, die weit über allen Spareinlagen liegen.

Kai Rüsen 17.03.2013 | 00:17

Gem. der Medienberichterstattung werden nur Geldeinlagen bei Banken mit 6,75 % bzw. 9,9% belastet. Wer aber ein Aktiendepot unterhält, Unternehmensanleihen erworben oder andere Wertpapiere in seinem Depot liegen hat, bleibt offenbar von der einmaligen Abgabe in Zypern verschont.

Großanleger aber haben zumeist ein Depot mit Wertpapieren während Kleinsparer ihr Geld eher in vermeintlich sichere Spareinlagen oder als Termingeld anlegen. Dann würde diese Maßnahme also vor allem die Kleinsparer treffen, während man die Reichen kaum belastet.

Ich kann kaum glauben, dass die EU so etwas beschlossen haben soll. Denn dann werden sich die Kleinsparer in anderen Ländern überlegen müssen, ob sie ihre Einlagen bei Banken nicht besser auflösen und statt dessen Wertpapiere erwerben.

 

Helmut Eckert 17.03.2013 | 07:38

Stellen sie sich bitte vor, Ihr Gehalt, welches Ihre Firma vor Tagen überwiesen hat, wird plötzlich mit 6,9 % belastet. Das Geheule in der BRD würde bis ins Weltall schallen. Der Harzt IV Empfänger bekommt  800  Euro (mit Miete) nun fehlen ihm 55,2 Euro. Ein hartes Brett. Er braucht das Bankkonto, sonst bekommt er kein Geld. Er hat mit der Kontoeröffnung niemals der Bank sein Vertrauen ausgesprochen. Das Bankgewerbe hat in bekannter Eintracht mit der Politik ihn gezwungen, seine paar Kröten über eine Bank zu beziehen. Früher konnte er sich das Arbeitslosengeld auch per Post bringen lassen.  Ohne Konto kannst Du in diesem Land nur noch im Wald in einer Erdhöhle leben, oder als Obdachloser!

Unsere Politiker versprechen dem Bürger, solche Enteignung kann es in der reichen BRD nicht geben. Alles eine glatte Lüge! Bricht Italien, Spanien, oder Frankreich aus dem Euro, dann Gnade dem Sparer in Deutschland. Eine Abwertung des Euros von 50 % wäre möglich. Nicht umsonst flüchten die Reichen und Superreichen in Wertpapiere, Gold und Immobilien. Ich erlebte 1948 die Währungsreform. Sie traf nicht alle Deutschen. Allerdings alle kleinen Sparer! Keine Aktie( bis auf die Aktien der Ostgebiete) verlor an Wert. Kein Goldring und kein Haus!

Wie kann sich der Kleinkunde der Banken schützen? Antwort: Überhaupt nicht! Er schwimmt schon längst auf dem offenen Meer und kann nur hoffen, dass der Euro irgendwann das rettende Ufer erreicht. Die Chancen stehen nicht gut. Jeder Mensch, der gelernt hat, mit vielen Nullen zu rechnen,  wird schnell erkennen, es sind deren zu viele auf der linken Seite des Kommas. Übrigens, nicht nur beim Euro, dem Dollar und dem Yen sind die Nullen auf der falschen Seite. Selbst im Bundestag sitzen zu viel Nullen!

red turtle 17.03.2013 | 09:19

... wie im Falle griechischer Staatsanleihen, solange Steuermittel zuzuschießen bis alle Privatanleger fein raus sind, ihre (durchaus beträchtlichen) Gewinne mitgenommen haben und die Verluste dem Steuerzahler aufzubürden.
... und dann noch medial hetzen, die Griechen würden das Geld in ihre Taschen stecken.

Die Kleinvermögen ( bis 20 000 oder 40 000 Euro ) hätten überhaupt nicht angetastet werden dürfen.
Dann hätte eine "gerechte" Zinsstaffelung folgen können bis zu Vermögen von 200 000 oder 500 000.
Und mit gerecht meine ich nicht die 6-10%.
Und alles was drüber wäre, futsch.
Wer eben 2 Mio gebunkert hatte, hat dann eben bloß nock 500 000 abzüglich der noch zu zahlenden Zinsen.

Rupert Rauch 17.03.2013 | 13:07

Zuerst: zwischen dem in D leider nicht ausreichend differenzierten "Enteignen" (Wegnehmen gegen entsprechende Entschädigung)" und bloßem entschädigungslosen "Wegnehmen" sollte man unterscheiden. Ist letzteres keine Steuer, wird es idR als Diebstahl bezeichnet.

Was jetzt genau in Zypern passiert, ist noch nicht klar, ebenso ob das Paket durchkommt. Am Montag (ist dort Feiertag) wird nochmal abgestimmt. Stimmt das Parlament für diese Pauschalabgabe, hat sie durchaus Steuercharakter.

Ungerecht bleibt sie natürlich trotzdem, aus mehreren Gründen:

1) nur monetäre Vermögen werden erfasst

2) es gibt (meines Wissens) keinen Freibetrag

3) abgesehen von der 100k Euro-Schwelle gibt es keinerlei Progression (mit der man vermutlich locker einen Freibetrag für Kleinsparer rausholen könnte)

4) die Gläubiger (die ja auch riesige monetäre Vermögen besitzen und oft genug damit spekulieren) müssen sich meines Wissens nicht beteiligen

5) gerettet werden mal wieder (extrem intransparente) Banken, statt sie endlich abzuwickeln

Ein gefährliches Spiel ist es ohnehin, käme die Sache durch, würde sie einen riesigen Vertrauensverlust bewirken und könnte europaweit einen BankRun auslösen (der dann auch uns mit reinzieht). Wenn man sich schon auf diese Weise Geld besorgt, sollte man nicht ausgerechnet beim kleinsten Mitglied anfangen, sondern es gleich von allen Geldbesitzern in Euro-EU holen.

Ich für meinen Teil, habe mir gestern und heute ein dickes Bargeldpolster vom Kontoautomaten geholt. Man weiß ja nie. Dass der Euro scheitern wird (zumindest bei der derzeitigen Politik), halte ich für sicher, die Frage ist nur wann...

 

Helmut Eckert 17.03.2013 | 13:43

RUPERT RAUCH: Ich gönne Ihnen das Bündel... wünsche Ihnen keinen Leistenbruch! Bitte Vorsicht, in manchem Polster steckten schon Nadeln!  Mein Tip an Sie: Eröffnen Sie ein günstiges Bankschließfach. Deponieren Sie dort Ihre Taler. 2. Möglichkeit: Investieren Sie in Kunst.. dort sind Rediten in traumhafter Höhe zu erwarten. Die Kunst mit der höchsten Gewinnerwartung ist die Kunst, in der heutigen Zeit, zufrieden zu leben! Wenn zu dieser Zufriedenheit eine große Portion Gesundheit sich einfindet, dann ist der Gewinn enorm! Ich wünsche es Ihnen von Herzen! 

Rupert Rauch 17.03.2013 | 14:07

"Ich gönne Ihnen das Bündel... wünsche Ihnen keinen Leistenbruch!"

Da musst du dir keine Sorge machen, selbst wenn ich es in kleinen Scheinen abhebe (Höchstens in Münzform würde ich Probleme bekommen :-)

"Investieren Sie in Kunst.. dort sind Rediten in traumhafter Höhe zu erwarten."

Du überschätzt meine finanzielle Potenz um mehrere Größenordnungen. Das Geld welches auf meinem Konto liegt (bzw. lag) ist zu 100% schon verplant. Ich habe ein ur-altes Einfamilien-Haus abgestottert und der Sanierungsbedarf wird mich noch die kommenden Jahrzehnte in Atem halten. Alles andere bleibt auch jetzt schon liegen, meine gesamte Heimtechnik besteht aus Zeug welches andere aussortiert haben und ich bin immer froh, wenn das Auto nochmal durch den TÜV kommt :-)

 

"ist die Kunst, in der heutigen Zeit, zufrieden zu leben!"

Die praktiziere ich schon erfolgreich, im privaten, allein die gesellschaftliche Entwicklung macht mir große Angst und schlaflose Nächte.

 

"Ich wünsche es Ihnen von Herzen!"

Ebenso zurück.

 

blog1 17.03.2013 | 16:59

Sie sprechen einen wichtigen Punkt an.

Aktiendepots bzw. andere Wertpapiere sind Sondervermögen und keine Bankeinlagen wie z.B. Sparbücher oder Festgelder.

Es ist doch klar. Der "dumme" Sparer, der sein Geld sicher bei der Bank wähnt, soll zur Ader gelassen werden.

Es ist ein kleiner Vorgeschmack auf das, was in Europas Schuldenstaaten künftig zu erwarten ist. Aber nicht nur dort.

Ab morgen werden auch deutsche Bankkunden verstärkt an ihre Sparguthaben gehen, die Guthaben abheben und das Geld unter das Kopfkissen legen.

Das nenne ich dann der "Kopfkissen-Sicherungsfonds. Wenn dies überhandnimmt, wird Frau Merkel mit Herr Schäuble vor die Kamera treten und verkünden, dass die Spareinlagen in Deutschland sicher sind, man aber dennoch ein Gesetz verabschiedet hat, das zumindest ein Teil der Sparguthaben eingefroren werden kann. Schließlich müsse der Staat Vorsorge treffen und der Zahlungsverkehr aufrecht erhalten.

Wenn ca. 20% der Bankkunden alle auf einmal ihre Sparguthaben abheben, ist Schluss mit lustig. Zuerst sind die Bankautomaten außer Betrieb, dann schließen die Bankschalter und online geht nichts mehr.

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Ehemaliger Nutzer 17.03.2013 | 17:32

Hurra, hurra, die Schule brennt...

Süddeutsche: Hilfspaket für Zypern - Sparer unter Schock. Die Bankautomaten werden bestürmt, Überweisungen und Online-Banking sind nicht mehr möglich: Nach der Brüsseler Entscheidung, die zyprischen Bankkunden für die Rettung vor der Pleite zur Kasse zu bitten, reagieren die Bürger empört.

ZEIT ONLINE: EU-Rettungspaket Angst vor Bankensturm in Zypern wächst

Spiegel Online: Zypern verschiebt Enteignungs-Beschluss

DIE WELT: Furcht vor Bankrun - Zypern prüft längere Schließung von Banken

Zypern ist für dieses Experiment gut gewählt, fast wie unter Laborbedingungen...

Und die Moral von der Geschicht: "Schütz ja den kleinen Sparer nicht!"

Sonst könnte der noch auf die Idee kommen, er hätte einen Anspruch auf die Kröten auf seinem Konto. Nichts da! In Notzeiten wie diesen gehört alles UNS!

Gezeichnet:

Warren Buffett, Carlos Slim Helú, Bill Gates, Lakshmi Mittal, Mukesh Ambani, Anil Ambani, Ingvar Kamprad, Kushal Pal Singh, Oleg Deripaska, Karl Albrecht...

Oder Kurz: DIE FINANZMÄRKTE.

blog1 17.03.2013 | 19:07

Nun mal langsam.

Martin Schulz, EU-Parlamentspräsident und Berlusconi-Widersacher hat bereits einen Freibetrag von € 25.000 je Sparer gefordert, um die Kleinsparer zu schützen. Ja, der traut sich was!

Dieser bahnbrechende Vorschlag wird viele Sparer auf die Idee bringen, die Konten auf mehrere Personen zu splitten. Große Familien sind hier echt im Vorteil. Das lohnst sich auch für größere Sparguthaben, also für Beträge größer € 100.000, weil dann der Besteuerungssatz von 9,9% auf 6,75% gesenkt werden kann. Ein Jammer, dass ich nicht vor Ort bin.

Das Interessante mit dieser Sondersteuer ist ja folgendes: Hier wird die Substanz - also der Bestand der Einlage - und nicht der Ertrag besteuert. Hat sich jetzt jemand immer seine Zinsen regelmäßig auszahlen lassen, kommt er bessser weg als derjenige, der die Zinsen thesauriert hat.

 

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Ehemaliger Nutzer 17.03.2013 | 19:17

{"Martin Schulz, EU-Parlamentspräsident und Berlusconi-Widersacher hat bereits einen Freibetrag von € 25.000 je Sparer gefordert, um die Kleinsparer zu schützen. Ja, der traut sich was!"]

Ja, und meine Oma (auch eine "Schulz") wollte sogar noch einen Fuffi dazugeben... :-)

Hey, was die sich traut mit ihrer Rente von 700 Euro!

Oder wollte der Martin S. das gar nicht selber finanzieren?

balsamico 17.03.2013 | 19:33

Die Entscheidung wie sie gefällt wurde ist immerhin besser als, wie im Falle griechischer Staatsanleihen, solange Steuermittel zuzuschießen bis alle Privatanleger fein raus sind, ihre (durchaus beträchtlichen) Gewinne mitgenommen haben und die Verluste dem Steuerzahler aufzubürden.

Andersrum gefragt: Warum hat man es in Falle Griechenland nicht ebenso gemacht? Doch nicht etwa, weil es zuviele kapitalkräftige Leute gab, denen man sowas nicht zumuten wollte? Aber abgesehen davon ist es natürlich ein Hammer, kleine Leute mit kleinen Guthaben dermaßen abzukassieren. Ein Freibetrag in Höhe von 25.000,00 Euro wie von Martin Schulz vorgeschlagen, wäre das Mindeste. Erstaunlich aber mal wieder die Kaltschnäuzigkeit, mit der man die kleinen Leute für die Sünden der großen Leute bestraft.

gweberbv 18.03.2013 | 12:00

Endlich wird in der Rettungspolitik eine Richtung eingeschlagen, die den Teufelskreis von insolventen Banken und in der Folge von insolventen Staaten durchbrechen könnte.

Dass man lediglich bei 100.000 Euro eine geringe Progression eingebaut hat, ist vermutlich rein technisch begründet: Die Ungleichbehandlung im Falle von mehreren Konten mit jeweils niedrigen Einlagen soll gering gehalten werden. Jedes Konto juristischen oder natürlichen Personen zuzuordnen und die Beträge zusammenzuzählen würde viel zu lange dauern - und so eine Aktion muss eben innerhalb eines Wochenende durchgezogen werden.

Dass einem Kleinsparer von 10.000 Euro auf der Bank nun 675 Euro abgenommen werden, ist kein Grund zur Aufregung. Selbst geringfügige "Reformen" bei Renten- und Pensionsansprüchen entsprechen aufgrund ihrer Langzeitwirkung locker zehntausenden Euro Verlust für die Betroffenen.

Trotzdem glaube ich, dass der Euro damit in seiner jetzigen Form am Ende ist. In den übrigen Peripheriestaaten ist jetzt jedem klar, was die Stunde geschlagen hat. Einlagen sind nur bei den Banken der großen Staaten weitgehend sicher. Und da es innerhalb der Eurozone keine Schranken für Finanzströme mehr gibt, lassen sich gewaltige Summen innerhalb kurzer Zeit problemlos von z. B. Portugal nach Deutschland transferieren. Für halbwegs Wohlhabende kann sich auch die Gründung eines Unternehmens oder eine Stiftung in den Euro-Kernländern lohnen. So lässt sich erstmal verschleiern, dass die Einlagen in Deutschland einem Portugiesen zuzuordnen sind (analog: in Griechenland ist es schon üblich, Luxusautos auf Firmen in Bulgarien anzumelden, um die hohen KFZ-Steuern in GR zu umgehen).

Fazit: Die Architektur des Euro verhindert gerade die sinnvollen Krisenbekämpfungsmaßnahmen.

goosesoul 18.03.2013 | 13:57

Die verfassungsrechtliche Seite

Endlich mal ein Artikel zum Zypern-Thema, der die rechtliche Seite beleuchtet - danke!

Hätte aber ruhig ausführlicher sein dürfen - die Zwangsenteignungen der Zyprioten verstossen gegen den Gleichheitsgrundsatz der Charta der Grundrechte der EU, Kapitel III.

Es ist nicht einzusehen, warum vom gleichen Gremium, nämlich der EU, ein Zypriot schlechter gestellt wird als ein Grieche, Irländer oder Portugiese.

Die Situationen in den genannten Ländern waren überaus vergleichbar - nach Tageslaune den einen zwangsenteignen, den anderen nicht, das kann nicht dem Gleichheitsgrundsatz entsprechen.

Schließlich müssen sich alle Finanzrettungsaktionen der EU auf Recht und Gesetz stützen und binden dabei gerade die staatlichen Institutionen. Schäuble und Konsorten sollten sich mal fragen, auf welche Rechte sie sich eigentlich berufen wollen - nicht jede finanzielle Möglichkeit ist auch eine Rechtliche!

Dieser Grundsatz wird auch dem ungebildeten kleinen Steuerzahler vorgehalten - und die Finanzminister der EU-Länder betrifft der gleiche Grundsatz nicht?!

 

gweberbv 18.03.2013 | 15:14

Juristisch zu argumentieren ist doch lächerlich.

Wollte man nach Recht und Gesetz vorgehen, ist die Sache klar: Erstens steht kein Euro-Staat für Verpflichtungen des anderen ein und zweitens lässt auch die EZB zahlungsunfähige Staaten im Regen stehen. Würde man sich daran halten, wäre der Euro schon lange zerbrochen und die Welt würde sich in der größten Wrtschaftskrise seit Menschengedenken befinden.

Not kennt kein Gebot. Die einzig legitime Frage ist momentan nur noch, ob ein Plan funktioniert oder nicht.

Helmut Eckert 18.03.2013 | 15:20

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/einlagengarantie-merkel-beruhigt-die-deutschen-sparer-a-889504.html

Merkels Märchenstunde geht in die nächste Runde. Stand einst Steinbrück hinter ihr, als sie die Spareinlagen der Deutschen als sicher bezeichnete, so wird sich dieser SPD Experte die nächsten Stunden und Tage beeilen, in das gleiche Horn zu stoßen.  Beide  erinnern mich an kleine Kinder, welche in den dunklen Keller gehen und unentwegt in die Dunkelheit rufen: Hallo, ist hier jemand. Hallo, Euer Geld ist sicher, wie das Gold in Fort Knox! Nur fest glauben, müsst Ihr lieben Wähler. Vor der Wahl wird kein Mensch Eure Spargroschen verschwinden lassen. Nach dem Wahl kommt das Wörtchen: Alternativlos… Auch wir Deutsche müssen Opfer bringen… Der Euro muss gerettet werden. Dazu müssen wir bereit sein, auch finanzielle Opfer tapfer zu tragen. Nur so werden wir den Wohlstand aller Bürger retten können….In diesem Singsang vor versammelter Presse wird der Raubbau am deutschen Sparer schöngeredet…Alles nur blühende Fantasie? Darauf sollte sich der kleine Mann nicht verlassen. Denn schnell kann er erkennen, dass es er ist, der verlassen ist. Wacht er aus auf, stellt er fest, sein liebstes, sein Geld nahm die Eigenschaft von Quecksilber an. Will er es greifen, ist es schon auf anderen Konten , mit anderen Worten, es ist nicht weg, nur woanders!

Es ist alles nur gelogen,

es ist alles nicht mehr war.

Kleiner Mann du bist betrogen,

weil Dein Geld ist nicht mehr da.

Es ist alles nur gelogen,

es ist alles nicht mehr war.

He, man hat dich abgezogen,

ist dir das endlich klar?

Tollschock 18.03.2013 | 15:41

Das ist fast so wie der Spruch "Die Rente ist sicher!". Nein gar nichts ist mehr sicher weil die Mechanismen die von außen auf die Volkswirtschaften einwirken eine größe erreicht haben die eine Nation locker in die Knie zwingen kann. Die Verschuldung war wohl nicht als Dauerzustand gedacht  und wir hätten mal nicht auf Kohl und seine Mitstreiter hören sollen. Denn erst unter Kohl ab dem Jahr 1982 ging es mit den Schulden so richtig bergauf. Auch die blühenden Landschaften waren eine trügerische auf Pump und unrealistisches Wachstum erkauftes Ruhm und Ehre -Gesülz. Allein die Umlegung der Rentenansprüche und das Chaos Verwertung der ehemaligen DDR-Güter (also Industrie und auch Rohstoffe etc sowie die Zerschlagung des Einzelhandels) hätte uns eigentlich warnen müssen. Dann die übereilte Einführung des EURO ohne das die damit gesegneten Staaten ein gemeinsames Konstrukt als Basis dafür gehabt haben. Letztendlich ist die Wurzel allen Übels genau in diesem Sachverhalt zu suchen. Keine Kontrollinstanzen und fehlendes Gemeinschaftsgefüge wie auch Gefühl haben genau diesen Misstand erzeugt. Die Rechnung ist noch lange nicht fertig aber die Menschen auf Zypern, die Griechen und die bald folgenden Spanier etc. werden die Rechnung nicht allein zahlen können und die die zahlen könnten ja die sind schon weg oder werden weg sein. Allein der Durchschnittsbürger wird mit allem was er hat haften und wieder wie vor der DM mit Nichts darstehen. Allerdings sollte man bis dahin eine gut motivierte Staatssicherheit installiert haben und etwas mehr aufbieten können als unsere netten Polizisten. Denn es wird da nicht mehr reichen die ersten Reihen mit Pfefferspray oder Wasserwerfern zu traktieren.