DagmarSchatz
15.04.2012 | 18:03 23

Koranverbrennung in Deutschland?

 

Die Autoren der „Achse des Guten“, Dirk Maxeiner und Michael Miersch sinnierten in der WELT-online über den Heizwert von Koran-Exemplaren.  Musste man anscheinend doch nicht „sagen dürfen“ – oder ist die Zeit noch nicht reif, öffentlichzum Koran-Verbrennen aufzurufen? Jedenfalls wude der Artikel zurückgezogen und hinter dem ursprünglichen Link steckt jetzt ein etwas entschärfter Artikel.

Was ist denn los? In Deutschland werden Korane verteilt, nein, genauer eigentlich „die ungefähre Bedeutung …“, also eine Übersetzung des Koran ins Deutsche. (Hat man eine Übersetzung, die sich „…die ungefähre Bedeutung“ nennt, stammt die von einem Muslim. Muslime nennen ihre Übersetzung niemals „Der Koran“. Verteilt wird die Übersetzung eines Kölner Verlags, die in der arabisch-islamischen Welt einen guten Ruf zu haben scheint. Auch die 1970 in Tripolis gegründete (Reuters spricht in einem Hintergrundbericht von „Schattennetzwerk  geheimer Gaddafi-Missionare“)  World Islamic Call Society“ verteilt von dieser Übersetzung zwei Ausgaben mit jeweils 24 bzw. 25 Ausgaben.

Übersetzung und dazugehörige Auslegungen sind aus meiner Sicht weder ästhetisch, noch – in wesentlichen Teilen, meistens den strittigen Versen und Begriffen – mit meiner eigenen Auffassung von Islam identisch, aber darum geht es hier nicht. Aus meine Sicht geht es darum, ein Schlagwort zu implementieren, zu polarisieren und Fronten aufzubauen. Der Begriff „Salafist“ – den die „Salafisten“ selber niemals benutzen würden –  ist mittlerweile zum Kampfbegriff verkommen und negativ konnotiert.  Nach meiner Wahrnehmung hat er mittlerweile den Begriff „Islamist“ abgelöst. Ich werde das an anderer Stelle noch mal erörtern, es würde jetzt den Rahmen sprengen.

Polarisieren

Maxeiner und Miersch schreiben im letzten Absatz ihres Artikels: „Denn wer weiss, was die Beschenkten mit dem Koran so alles machen. Endet er als Bierdeckel? Dient er zum Fischeinwickeln? Oder gar als Heizmaterial für den Kaminofen? Auch das ist nach deutschem Recht nicht verboten. Und darum geht es.“

Echt jetzt? Schauen wir uns doch mal die Reaktion auf die Verbrennung eines anderen heiligen und die Kunstaktion über ein sehr unheiliges Buch an:

Als 2007 der – empfehlenswerte – Film der Dokumentation von Tilman Jens, „Hardliner des Herrn“ mit einer Sequenz eingeleitet wurde, in der eine Bibel verbrannt wurde, war die Aufregung groß. Die WELT für Arme, vulgo: BILD titelte alarmistisch: ARD verbrennt Bibeln, ein Artikel, der, nachdem eine Reihe von Leuten ihren Senf dazu gegeben hatten, mit einem Zitat von Wolfgang Bosbach schloss: „Was wäre wohl in Deutschland los, wenn die ARD einen brennenden Koran gezeigt hätte?“  Ja, was wäre los? Ausprobiert wurde das bislang, wie wir wissen, nur in Afghanistan, und, ja,  da war echt was los. Aber seien Sie beruhigt: Deutschland ist nicht Afghanistan.

Eine vorgesehene Kunstaktion mit 60.000 Ausgaben von Thilo Sarrazins Top-Seller, Deutschland schafft sich ab, ließ die WELT gleich mit dem Titel „Verhasst, weil er Sarrazins Bücher vernichten will“ angemessen würdigen. Mit dem Künstler, Martin Zet wurde ein Interview geführt, und der Plan, der am 27. April auf der Biennale in die Tat umgesetzt werden soll, im Anreisser mittels Verlinkung gleich in die Nähe von – so jedenfalls empfundenen – Geschmacklosigkeiten mit Gaskammern. Die Aktion, so die WELT, löse eine Debatte aus.

Zur fast schon reflexartigen Verteidigung von Sarrazin tut man es nicht unter Nazi-Bücherverbrennung, und durch Mit-Hereinnahme von Julius Schoeps, dem Direktor des Moses-Mendelssohn-Zentrums in Potsdam, rückt man die Aktion fast schon in die Nähe von Antisemitismus. Aber im Artikel fand ich – natürlich pro-Sarrazin – ein sehr schönes Zitat: „Auch der Historiker und Mitarbeiter des Zentrums, Werner Treß, der in mehreren Veröffentlichungen die nationalsozialistischen Bücherverbrennungen vom 10. Mai 1933 erforscht hat, zeigte sich schockiert: Jedes Buch sei unabhängig von seinem Inhalt ein kultureller Wert an sich und dürfe nicht öffentlich zerstört werden. ‚So kommt es, dass ich ein Buch, dessen Inhalt ich zutiefst ablehne, doch in Schutz nehmen muss‘, sagte Treß“.

 Meinungs- und Kunstfreiheit

Wir verstehen: wie das Verbrennen von Koranexemplaren, Verbrennen von Bibeln und das Recyclen von Sarrazin-Büchern – hier ist ja nicht mal geplant, sie zu verbrennen – gesetzlich nicht verboten, beides wird jedoch, im Gegensatz zu Ersterem, als eher unfein empfunden.  Ich darf hier auch an die verteidigenden Reaktionen auf die Muhammad-Karikaturen und die Umtriebe von Geert Wilders erinnern.

Ach, ja, Geert Wilders hat die Sache bereits aufgegriffen, es sind allerdings nur die beiden letzten Fragen wirklich interessant: „Teilen Sie unsere Auffassung, daß die Verbreitung von Millionen Haßbüchern (Koranen) durch salafistische Organisationen eine Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellt? Wenn nicht, warum nicht? Auf welche Weise würden Sie das in den Niederlanden verhindern?“

 

Klärung durch den Presserat

WELT-online hat schon mal einen „Hinweis“ durch den Presserat kassiert. Damals, Anfang 2010, ging es um einen Artikel, in dem Islamophoben-Vordenker Daniel Pipes zum Angriffskrieg gegen den Iran aufrief, vorgeblich, damit Präsident Obama seine schlechten Umfragewerte verbessern könne, und den selbst die kommentierende Fankurve nicht goutierte. Die Bloggerin Friederike Beck hat sich damals an den Presserat gewandt und war erfolgreich. Jetzt habe ich es ihr gleichgetan und mich ebenfalls an den Presserat gewandt, wegen Verstoßes gegen Ziffer 10 des Pressekodex: „Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.“ 

Schaun‘ mer mal…

 

 

Kommentare (23)

Georg von Grote 15.04.2012 | 20:18

@ Dagmar Schatz,

Danke!

Ich habe den Artikel gelesen und mir schwoll der Hals.
Und bei solchen Autoren, aber auch Redakteuren, Verlegern muss man sich dann schon fragen, wo wir gelandet sind.
Ich gehe insoweit auch so weit, Broders "Achse des Guten" eher als "Achse der Braunen" zu bezeichnen.

Aber leider ist der Presserat viel zu machtlos.
Im Prinzip wäre es nach solchen Artikeln an der Zeit, ihm ein wenig mehr Möglichkeiten zu geben um auch wirklich einzugreifen.

Achtermann 15.04.2012 | 20:35

@ DagmarSchatz

Jetzt habe ich es ihr gleichgetan und mich ebenfalls an den Presserat gewandt, wegen Verstoßes gegen Ziffer 10 des Pressekodex: „Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.“

Mir ist nicht klar geworden, inwiefern der von dir verlinkte Artikel eine Schmähung im Sinne des Pressekodexes sein soll. Vielleicht kannst du etwas näher darauf eingehen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 15.04.2012 | 22:05

„Denn wer weiss, was die Beschenkten mit dem Koran so alles machen. Endet er als Bierdeckel? Dient er zum Fischeinwickeln? Oder gar als Heizmaterial für den Kaminofen?"

Ich mag die achselnässenden "Guten" auch nicht, aber gibt das nicht - hinterfotzig zwar - die Meinung von Vertretern der Muslime und ihrer Verbände wieder? Befürchten sie nicht, dass die verteilten Koranübersetzungen im Abfall landen könnten?

DagmarSchatz 15.04.2012 | 23:18

Stimmt. Ayman Mazyek kam mit der Altpapier-Befürchtung. Aber das kann die Gutaxler nicht entlasten, denn die haben mit Bedacht genau diese drei Beispiele gewählt. Mir geht es aber hier um die Bücherverbrennung. Diese ist, wie Sie ja in der Geschichte völlig anders konnotiert: das berühmte Heine-Zitat, "„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.” thematisierte ebenfalls eine Koranverbrennung, hier ausnahmsweise mal ein Artikel in der Wikipedia, der wirklich gut ist: de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCcherverbrennung

petz 15.04.2012 | 23:34

@ Dagmar Schatz @ Georg von Grote

Nun bleibt doch mal auf dem Teppich (es muss ja kein Gebetsteppich sein)!

Jetzt habe ich es ihr gleichgetan und mich ebenfalls an den Presserat gewandt, wegen Verstoßes gegen Ziffer 10 des Pressekodex: „Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.“

Eine Schmähung im oben erwähnten Sinne wäre es, zu einer öffentlichen Verbrennung aufzurufen. Der Hinweis darauf, dass die private Verwendung von Druckerzeugnissen eben Privatsache sei, ist zwar nicht frei von Häme, aber rechtlich völlig irrelevant.

Nebenbei: das wäre ja noch schöner, wenn mir auch im Privaten gegenüber allen denkbaren Devotionalien, die irgendjemand heilig sein könnten, Schutz- und Pflegepflichten auferlegt wären. Dies würde ich als Schmähung meiner religiösen, weltanschaulichen und sittlichen Überzeugungen empfinden.

Natürlich haben wir die erwähnten Überzeugungen bei anderen zu respektieren, daraus kann aber nicht folgen, dass uns selbst ein Jegliches heilig zu sein habe, das uns als Heiligtum angedient wird.

Dass ich sowohl Thora als auch Neues Testament als auch den Koran sowohl ernsthaft, mit Gewinn oder auch Vergnügen lesen als auch, wenn´s mir kalt um´s Gebein wird, nutzbringend verheizen darf, ist unverzichtbarer Bestandteil der von allen zu respektierenden Religionsfreiheit.

Und, Dagmar Schatz: Zum Vergleich hatte ich ja die brennende Bibel und die Kunstaktion herangezogen, wo sich alles einig war, daß das nicht geht...

Wen oder was meint hier eigentlich dieses sich einige "alles"? Ich möchte darauf bestehen, nicht dazuzugehören.

Vorsichtshalber sei´s nochmal hergeschrieben: Öffentliche Schmähungen, Zerstörungen von Heiligtümern Andersdenkender sind eine Sauerei und zu Recht verboten, auch ein entsprechendes Verhalten im privaten Umfeld ist, wenn demonstrativ betrieben, zumindest unsittlich. Der Hinweis darauf, dass unser Recht sowohl das Verteilen von Propagandamaterial als auch das Verheizen desselben toleriert, ist keine Schmähung im Sinne des oben erwähnten Pressekodex. Ebenso gut kann man dies auch als Aufruf zur Gelassenheit lesen. Ob mir die Autoren des hier beklagten Artikels und ihr ideologisches Umfeld gefallen, ist dabei völlig wurscht.

petz

DagmarSchatz 16.04.2012 | 00:33

Eine Schmähung im oben erwähnten Sinne wäre es, zu einer öffentlichen Verbrennung aufzurufen. Der Hinweis darauf, dass die private Verwendung von Druckerzeugnissen eben Privatsache sei, ist zwar nicht frei von Häme, aber rechtlich völlig irrelevant. Im Prinzip haben Sie Recht, aber, ich nehme sehr stark an, daß auch M wissen, daß solche Schmähungen davon leben, daß sie öffentlich sind. Ich gehe zunächst mal davon aus, daß alle, die sich einen solchen Koran geben lassen - er wurde eben nicht wie ein Flyer verteilt, sondern, wie dieses Video zeigt, nur an die Leute, die auch einen wollten: Fortsetzung folgt.

DagmarSchatz 16.04.2012 | 01:01

Nebenbei: das wäre ja noch schöner, wenn mir auch im Privaten gegenüber allen denkbaren Devotionalien, die irgendjemand heilig sein könnten, Schutz- und Pflegepflichten auferlegt wären. Ich fürchte, jetzt springen Sie etwas kurz: Devotionalien, die irgendjemand heilig sind,, stelle ich mir wohl kaum in die Wohnung, um sie ganz still und allein für mich zu schmähen, sondern dabei geht es immer um Öffentlichkeit. So ist es juristisch vollkommen irrelevant, womit Sie Klopapier bedrucken, wenn Sie das selber machen und dieses Klopapier niemanden zeigen. Sobald das jemandem anderen zugänglich gemacht wird, landen Sie vorm Kadi. Sie dürfen ihre Wohnung zur Hitler-Gedenkstätte umstylen, bloß: wenn der Briefträger, der Ihnen ein Paket an die Tür bringt, das mitbekommt, sind Sie dran. Zurück zu dem Video: Sie können sicher sein, daß, wenn sich irgendwelche Islamkritiker Korane zum Verbrennen besorgt haben, die das ganz bestimmt nicht im Verborgenen tun werden, sondern dann werden Sie das auf youtube sehen:



...sowohl Thora als auch Neues Testament als auch den Koran... Gelten den Muslimen gleichermassen als heilige Bücher. Kein Muslim käme je auf die Idee, eine Bibel zu verbrennen. Und: Propagandamaterial ? Das heilige Buch der Muslime? Und ob es den Presskodex betrifft, daß M öffentlich über den Heizwert und die Bierdeckeltauglichkeit räsoniert haben, lass ich mal den Presserat entscheiden.

petz 16.04.2012 | 01:11

@Georg von Grote

Danke für den Hinweis. Ich habe den verlinkten Artikel gelesen, die saublöde Überschrift mit "Heizwert" übersehen.

Aber: Schlagzeilen sind ja oft ärgerlich, häufig auch für die Autoren selbst, die sie ja wohl meist nicht erstellen. Der entsprechende Satz im Artikel lautet: „Denn wer weiss, was die Beschenkten mit dem Koran so alles machen. Endet er als Bierdeckel? Dient er zum Fischeinwickeln? Oder gar als Heizmaterial für den Kaminofen?"

Dies ist natürlich clever tiefgehängt, aber doch nicht rechtlich relevant.

Und ich habe auch nirgendwo von "harmlos" gesprochen, meine nur, dass nicht auf jeden Provokationsreiz hin nach irgendeinem Kadi zu rufen ist. (Da wären halt Ihre Blogs auch rasch arg ausgedünnt.)

Und:Wenn Sie das als harmlos empfinden, dann ist das Ihre Meinung. Meine Meinung habe ich etwas ausführlicher dargelegt.

petz

petz 16.04.2012 | 02:15

@Dagmar Schatz

Danke für Ihre ruhige Replik. Doch in einigen Punkten kann ich nicht so recht folgen.

Devotionalien, die irgendjemand heilig sind,, stelle ich mir wohl kaum in die Wohnung, um sie ganz still und allein für mich zu schmähen, sondern dabei geht es immer um Öffentlichkeit. Ei freilich, nur: Sie unterstellen hier vorab die Absicht der Schmähung, um dann daraus - richtig - zu folgern, eine solche suche prizipiell Öffentlichkeit. Ich sage: Der diskutierte Text stellt keine Schmähung dar. Er besagt nichts anderes, als dass der Empfänger einer solchen Gabe privat damit machen darf, was er will. Wenn zur Verurteilung einer Aussage erst die Unterstellung eines vermeintlich Gemeinten nötig ist, so ist die Diskussion darüber unnütz.

...sowohl Thora als auch Neues Testament als auch den Koran... Gelten den Muslimen gleichermassen als heilige Bücher. Je nun, das weiss ich schon. Nur: haben sie deshalb auch allen Nicht- oder Andersgläubigen als heilig zu gelten?

Lassen Sie uns doch einfach folgendes annehmen: Ich gäbe einem z.B. muslimisch oder auch atheistisch denkenden Kollegen eine frisch gedruckte Bibel mit den Worten: "Lies mal darin; wenn Dir´s nicht zusagt, kannst Du sie ja wegschmeißen (oder irgendeineranderen Nutzung zuführen)". Schmähte ich mit diesem Angebot die - mir zumindest kulturell sehr vertraute - Bibel? Nein, es wäre ein Angebot, nichts weiter. Ein Buch ist - manchmal - Kulturgut, aber nicht Fetisch.

Ich habe gar keine Lust, mich für M in die Bütt zu werfen. Nur schiene mir etwas Gelassenheit im Umgang mit Heiligtümern ein besserer Ansatz zum gegenseitigen Verständnis. Allein die Häufung an möglichen Beleidigungen für Andersgläubige, die aus unserer hierzulande für selbstverständlich genommenen christlichen Dominanz im medialen (also öffentlichen) Bereich erwächst, schiene mir eine ernsthafte Diskussion wert.

Propagandamaterial ? Das heilige Buch der Muslime? Tja, jegliches Gedruckte, wenn´s der Missionierung dient, wird letztlich zum Propagandamaterial (was nichts über die Qualität des Gedruckten sagt). Wer dies vermeiden will, verzichte auf Missionierung. (Welcher weltanschaulichen Gruppierung ist ihr Propagandamaterial denn nicht heilig? Den "Wachtturm" oder die "Motorwelt" (auch diese sind vielen Menschen heilig) würde ich - hätte ich einen solchen - auch in den Kamin werfen, nachdem ich kurz geblättert habe.

Mit besten Grüßen

petz

Avatar
Ehemaliger Nutzer 16.04.2012 | 05:27

O je, wird das die zweite große Diskussion um Meinungs- (und hier sogar) Religionsfreiheit? Bitte nicht. Ich sage als Katholik einfach mal: Verbrennt von mir aus bitte so viele Bibeln wie ihr wollt. Kostenlose Bildzeitungen von mir aus auch. Man muss ja nicht immer gleich jemanden steinigen, nur weil mal jemand Jehova sagt. Grass nicht, mich nicht, die nicht und auch sonst niemanden. Gute Nacht.

Achtermann 16.04.2012 | 20:28

Hier gibt es einige kirchenkritsche Darstellungen zu sehen:

www.religionskritik.com/thread.php?postid=18664

Allein gegen das Titelbild der Titanic "Kirche heute", das im Link weiter unten zu finden ist, gab es 198 Beschwerden beim deutschen Presserat. Alle beriefen sich auf den Ziffer 10 des Pressekodexes:

"Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen."

Doch alle wurden zurückgewiesen. Zumal die Vorschrift sehr allgemein gehalten ist. Gerade wenn es für manche, aber eben nicht für alle, an die Grenze des sogenannten guten Geschmacks geht und die Freiheit der Kunst berührt wird, die im Artikel 5 des Grundgesetzes sich manifestiert, sollte man kritisch sein:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Ziffer 10 des Pressekodexes und der Artikel des Grundgesetzes stehen sicher in einem Spannungsverhältnis.

DagmarSchatz 16.04.2012 | 23:38

Danke für diesen ausführlichen Kommentar, lieber petz.
Wenn zur Verurteilung einer Aussage erst die Unterstellung eines vermeintlich Gemeinten nötig ist, so ist die Diskussion darüber unnütz.. Sorry to disagree again. In der deutschen Rechtsprechung hat das "Gemeinte" einen hohen Stellenwert, Beispiel: die Hitler-Reichskriegsflagge ist verboten, die kaiserliche Reichskriegsflagge nicht, es sei denn, irgendwelche Neonazis zeigen die Kaiserflagge, weil sie die Naziflagge nicht zeigen dürfen. Sie und ich dürfen uns mit buddhistischen/hinduistischen Swastikas schmücken, notorische Nazis dürfen das auch nicht, weil man bei ihnen annehmen muss, daß sie sich nur damit schmücken, weil sie das Hakenkreuz nicht zeigen dürfen - gängige Rechtsprechung. Und, ja, ich mache meine Annahmen zu dem, was M gemeint haben, weil ich andere Texte von ihnen kenne, und da ist aus meiner Sicht die Diskussion darüber nicht unnütz.
Ja, was sie über Propagandamaterial schreiben ... fühlen Sie sich bitte nicht angezickt, aber da haben wir ganz offensichtlich nicht denselben Zeichensatz. Aber es gibt da ja durchaus Unterschiede: wie für den Film die Hardliner des Herren eine Bibel verbrannt wurde, war der Aufschrei groß, wie ich oben geschrieben habe, Das ´"alles"> meinte übrigens, alle, die es irgendwie in die Medien geschafft haben. Bücher des Judentums zu verbrennen, gilt mittlerweile, nachdem man das Jahrhunderte lang gemacht hat, irgendwie als unfein, vgl: http:/bit.ly/IPCLCW.
...haben sie deshalb auch allen Nicht- oder Andersgläubigen als heilig zu gelten?Nein, aber warum schwadronieren M über das Recht, sie zu verbrennen? Und warum gerade beim Koran?
Allein die Häufung an möglichen Beleidigungen für Andersgläubige, die aus unserer hierzulande für selbstverständlich genommenen christlichen Dominanz im medialen (also öffentlichen) Bereich erwächst, schiene mir eine ernsthaftere Diskussion wert. . Ganz genau, da bin ich ganz bei Ihnen, denn darüber reden wir die ganze Zeit. Grüße zurück. DS

DagmarSchatz 16.04.2012 | 23:43

Gerade wenn es für manche, aber eben nicht für alle, an die Grenze des sogenannten guten Geschmacks geht und die Freiheit der Kunst berührt wird, die im Artikel 5 des Grundgesetzes sich manifestiert, sollte man kritisch sein: ...
Ziffer 10 des Pressekodexes und der Artikel des Grundgesetzes stehen sicher in einem Spannungsverhältnis.
Guter Einwand. Aber Freiheit hört da auf, wo andere verletzt werden. Das steht sicher auch in einem Spannungsverhältnis. Für Bibel und Thora ist das bereits geklärt.