Lars Henrik Gass
22.01.2013 | 09:00 6

Alle Macht dem Geschäftsführer

Kunst & Geld In der Kulturpolitik wird zunehmend von Stiftungen bestimmt – mit verheerenden Folgen für den deutschen Film. Über die Strukturschwäche der deutschen Förderlandschaft

Alle Macht dem Geschäftsführer

Foto: Charly Hall

Ohne Stiftungen geht kaum mehr etwas im Kulturbereich. Gäbe es keine Stiftungen, säße das Museum auf seinen Beständen, der Kunstverein könnte nichts ausstellen, das Filmfestival seinen Wettbewerb zwar abhalten, aber keine Retrospektive zeigen, das Stadttheater seine Pflichten den Abonnenten gegenüber erfüllen, aber kaum mit Uraufführungen und Projekten den Sprung ins überregionale Feuilleton schaffen. Hier entsteht eine neue Macht, denn die Entscheidung über die Verwendung öffentlicher Mittel wird mit erklärtem Willen von Politik und Ministerialbürokratie zunehmend in solche mehr oder weniger privatrechtlich strukturierten Körperschaften verlagert.

Das Land Sachsen etwa erwog vor einiger Zeit, sämtliche Mittel der öffentlichen Kulturförderung in privatrechtliche Strukturen zu überführen. Dem einen oder anderen kamen dann aber doch noch ein paar verfassungsrechtliche Bedenken. In Nordrhein-Westfalen sollten zuletzt alle noch ministerialer Hoheit unterstellten Mittel für Festivals, Werkstätten und Publikationen im Bereich Film der Film- und Medienstiftung NRW übertragen werden, nachdem dort die kulturelle Förderung bereits vor Jahren wegen „Ineffizienz“ aufgelöst und an die erkennbar wirtschaftlich ausgerichtete große Schwester übertragen worden war. Die Geschäftsführung der Stiftung hätte dann ohne Gremien auch über all jene entschieden, die über die von ihr geförderten Filme zu entscheiden haben. Nach Protesten der Betroffenen wurde das Vorhaben durch die Ministerpräsidentin abgeblasen. Die Film- und Medienstiftung NRW fördert seit einigen Jahren großzügig das Kinofest Lünen, das regelmäßig zahlreiche von ihr geförderte Filme zeigt. Zwischenzeitlich war dessen Festivalleiter sogar bei der Stiftung angestellt.

In Deutschland sind auf diese Weise und ohne dass dies in der Öffentlichkeit besondere Wahrnehmung erfahren hätte, bereits fast alle Mittel der Filmförderung – ob für Filme selbst oder für Festivals, Publikationen usw. – und auch wichtige Bestandteile der Kunstförderung solchen Strukturen übergeben worden. Die Tendenz dieser Entwicklung ist steigend.

System des roten Teppichs

Wer auf diese Weise etwas abstößt, will etwas gewinnen. Die Entwicklung wird nicht von den einfachen Abgeordneten vorangetrieben, sondern durch die politische Elite der Fraktionsvorstände und Ministerien, die hinsichtlich der Aufgaben, die sie in Aufsichtsräten und anderen Organen volksvertretend ausübt, seit jeher ein enges Verhältnis zur Macht pflegt. Die Politik gewinnt Selbstdarstellungsmöglichkeiten; das ist der Pakt. Sichtbarkeit ist alles. Die nächste Landtags- oder Senatswahl kommt bestimmt.

Einer der Fraktionssprecher im nordrhein-westfälischen Landtag machte deutlich, worum es im Grunde geht und worin der Vorteil einer Verlagerung öffentlicher Mittel für die Zuwendungsempfänger liegen soll: der Unbeständigkeit parlamentarischer Entscheidungen zu entgegnen. Mit anderen Worten: Sind die Fördermittel einmal verlagert, hat das Parlament nichts mehr mitzureden. Entscheidungen sind somit demokratischer Dynamik entzogen und der zumindest strukturell möglichen Willkür Einzelner nunmehr fast schutzlos ausgeliefert. Gleichwohl fühlen sich viele Volksvertreter und Beamte – selbst im engen Korsett von Erlässen und Sparzielen – durch ein solches System von der Last der Verantwortung und der sachlichen Komplexität entlastet und erhoffen sich einen personellen wie finanziellen Handlungsspielraum, den sie längst verloren haben.

Die neu gegründeten Stiftungen und GmbHs bieten Politik und Ministerialbürokratie allemal bessere und attraktivere Darstellungsmöglichkeiten bei gleichzeitig abnehmendem Aufwand. Auf einmal sitzt man selbst in den Aufsichtsräten und immer in der ersten Reihe, man nimmt selbst maßgeblich Einfluss auf Personalentscheidungen, und das schafft eine neue Verbindlichkeit. Auf Pressekonferenzen, auf Fotos, auf Premieren und Empfängen, immer in glanzvollem Rahmen, gerne auch im Ausland, ist man nun prominent vertreten. Es ist das System der roten Teppiche.

Der Förderintendant

So wird zugleich ein neuer Typus des Kulturförderers geschaffen. Während die Ministerialbürokratie stets weitgehend auf eigene Initiativen verzichtete und bemüht war, im Stillen und unter direkter Aufsicht der Politik immer ebenso gesichts- wie auch farblos eine konjunkturunabhängige, sachverständige und dauerhafte Fördersituation zu erzielen, ist der Geschäftsführer der immer mächtiger werdenden Stiftungen tendenziell von ganz anderen Motiven geleitet, da er öffentlich stärker unter Beobachtung steht und daher unter kurzfristigem Erfolgsdruck.

Der Geschäftsführer bewegt sich mit den großen Namen und den Vertretern der Presse auf Du und Du und fährt mit einem relativ kurzfristigen Förderhorizont mit absehbaren Ergebnissen und Evaluierungen allemal besser als mit einer unspektakulären institutionellen Förderung oder der Unterstützung unbekannter junger Künstler, bei der er sich mit der Darstellung des Logos zufriedengeben müsste. Kulturförderer aber werden selbst zu einem Teil der künstlerischen Umsetzung in dem Maße, wie ihre persönlichen Interessen in das Projekt einfließen. Der Kulturförderer wird zum Förderintendanten. Somit besteht die Gefahr, dass finanzielle Entscheidungen in erster Linie der kurzfristigen Legitimation dienen, nicht der langfristigen Investition.

Gremienfreie Zone

Die Gewaltenteilung zwischen denen, die Kultur fördern, und denen, die Kultur machen, erodiert. Es entsteht ein Unbehagen über eine strukturelle Konzentration und Alleinstellung von Fördermitteln, nicht selten in der Hand einer Person, die teilweise ohne Gremien über große Fördersummen entscheiden kann, von denen eine große Anzahl von potenziellen Zuwendungsempfängern direkt oder indirekt abhängig ist, weil keine oder nur wenige Alternativen bestehen. Der Förderintendant konzentriert Entscheidungsgewalt und reklamiert zugleich Sichtbarkeit. Er wird zum Mäzen, ohne notwendigerweise für künstlerische Qualität einzutreten. So wird Kulturförderung zum Repräsentationszweck und Standorteffekt. Das ist neu und wirft die Frage auf, wie verfassungskonform eine solche Entwicklung ist, die Kulturförderung zunehmend politisiert. Was staatsrechtlich korrekt sein mag, kann kulturpolitisch gesehen doch eine erhebliche Einschränkung demokratischer Prinzipien darstellen. Norbert Lammert hielt in einer klugen Rede zum zehnjährigen Jubiläum der Kulturstiftung des Bundes fest: „Der Zweck der Kulturpolitik ist Kultur, nicht Politik“.

Das Medienboard Berlin-Brandenburg, das mit fast 30 Millionen Euro pro Jahr ebenfalls in nicht unwesentlichem Umfang öffentliche Mittel verausgabt, hat schon vor geraumer Zeit ein Intendantenmodell als gremienfreie Zone eingerichtet. Aber auch Gremien garantieren kein künstlerisches Niveau, wenn sie treue Diener von Herren sind, deren Interessen in der Regel kaum kulturell genannt werden können. In vielen Gremien sitzen Vertreter, die von den Gesellschaftern entsandt werden. Dies gilt nicht nur für die zur Film- und Medienstiftung NRW Entsandten aus den Fernsehanstalten, die dafür sorgen, dass die geförderten Filme ihren Normen entsprechen.

Selbst eine vergleichsweise kleine, mit weitaus weniger als einer Million Euro ausgestattete Stiftung wie das Kuratorium junger deutscher Film, das einmal so etwas wie kulturelle Filmförderung in Deutschland überhaupt begründete, ist mittlerweile in fester Hand all derer, die auch in den großen Stiftungen das Sagen haben: Dies ist in erster Linie die Fernsehwirtschaft, es sind aber auch die Förderanstalten selbst, die sich auf diesem Wege mittelbar selbst unterstützen, da Filmprojekte in der Regel nicht nur mithilfe einer einzigen Förderung zustande kommen. Derzeit werden Förderentscheidungen, die den deutschen Film unmittelbar oder mittelbar betreffen, fast ausschließlich durch Gremien getroffen, die von institutionellen Interessen abhängig sind, das Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) einmal ausgenommen.

Qualität ist gleich Erfolg

Gleichwohl hat das BKM – abgesehen von den Preisgeldern für Kurzfilm – die Mittel des Deutschen Filmpreises einer Institution überlassen, die zur Entscheidungsfindung eine Abstimmung unter ihren Mitgliedern, denen Sachverstand offenbar von Berufs wegen unterstellt wird, als hinreichend ansieht. So hat sich ein Preis für künstlerische Qualität, der zuvor auf Grundlage einer Diskussion unter Juroren vergeben wurde, in der Deutschen Filmakademie zu einem Preis für den beliebtesten Film entwickelt. Auch hier gilt also das Diktat der Quote. Das Leitbild des Preises ist nicht mehr qualitativer Anspruch, sondern Erfolg; die Unterscheidung zwischen Qualität und Erfolg wird aufgehoben.

Dies ist Ausdruck eines politisch-industriellen Komplexes, der in seinen Entscheidungen unentwegt eigene reduktionistische Ansprüche und institutionelle Interessen reproduziert. Ein solches System droht, der Kultur die Extreme zu amputieren.

Immer weniger Personen entscheiden über immer mehr Mittel und sind dabei immer weniger unabhängig. So werden Antragsteller von einem kleinen Kreis von Entscheidungsträgern abhängig. Das befördert ein Klima der Angst und kulturellen Uniformität. Mit Widerspruch ist kaum zu rechnen, sind doch die Betroffenen zugleich Abhängige. Bei dem Leiter einer großen Filmstiftung durften Medien und Institutionen nicht mehr mit Förderung oder Anzeigen rechnen, wenn sie sich kritisch zeigten.

Wie weit der Einfluss der Geschäftsführer mittlerweile reicht, kann man daran ablesen, dass die ehemalige Generalsekretärin einer Kunststiftung den ihr unliebsam gewordenen künstlerischen Leiter absetzen konnte. Als Hauptförderin durfte sie sich zugleich als Trägerin fühlen. Eine Nachfrage im zuständigen Ministerium wurde zunächst gar nicht und dann nach einem Jahr und weiteren Nachfragen lapidar mit einem Schreiben beantwortet, das am Ergebnis freilich nichts änderte. Nicht aber die Personen sind das Problem, sondern Strukturen, in denen Personen zum Problem werden können.

Kommentare (6)

Zylvia Auerbach 18.01.2013 | 13:35

Gern gelesen! Ein großartiger, sehr mutiger Artikel zu einem echten Killerthema. Alle Übel werden absolut treffend diagnostiziert: Von den Abhängigkeiten, der Gleichschaltung, der "kulturellen Uniformität" bis hin zum "Diktat der Quote" und dem Missbrauch öffentlicher Fördermittel als Profilierungsmaschinen, in denen "das Leitbild des Preises ist nicht mehr qualitativer Anspruch, sondern (messbarer) Erfolg."

Freie, unabhängige Arbeit und Forschung bleiben auf der Strecke, wenn Politik und Verbände die Fördergremien besetzen um sich gegenseitig gewinnbringend die Kuchenstücke zu zuschieben. Die, die Kritik üben werden ohne großen Aufwand mit seichten "Nicht-gut-genug"-Argumenten schneller abgeschossen, als sie überhaupt nachvollziehen können was da gerade mit ihnen passiert. Oft werden so ganze Karrieren einfach durch Mittelentzug beendet. So setzen sich dann die geschliffenen, marktkompatiblen Positionen immer mehr durch; die Kunst mit der größten Lobby,  an der alle Seiten irgendwie mitverdienen.

Beeindruckend, wie es der Autor schafft die strukturellen Probleme von den betreffenden Personen zu isolieren, "Nicht aber die Personen sind das Problem, sondern Strukturen, in denen Personen zum Problem werden können." Stimmt natürlich. Fällt mir persönlich aber unendlich schwer. Es wäre doch überaus verlockend hier einmal die Probleme auch durchaus treffend beim Namen zu nennen.

Für alle aufmerksamen Beobachter ist schon schockierend auffällig wie sehr sich die Situation in nur wenigen Jahren verschärft hat. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf auf allen Ebenen.

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Ehemaliger Nutzer 18.01.2013 | 15:05

Da kann ich mich der Vorrede der Foristin nur anschliessen. Eine gelungene Kritik der Strukturen im hiesigen Film-Business.
Nicht viel anders sieht es der Kunst, Kultur – und Literaturszene aus, die von Stiftungen, ausgelobten Förderpreisen und Stipendien wie´s aussieht abhängig geworden ist – mal eben ein Skript einreichen, eine interessante Ausstellung oder Veranstaltung ausrichten und die „richtigen Leute“ einladen funktioniert schon lange nicht mehr – die Beteiligten wollen vom Erfolg, wenn schon nicht profitieren, dann wenigstens daran partizipieren (Einwerbung weiterer Förder – und Stiftungsmittel). Im Grunde ist das eine eigene Branche geworden, die durch Professionalisierung, Etablierung, Akademisierung, Eventisierung und Kommerzialisierung die kleineren unabhängigen Labels und Einzelkämpfer weithin verdrängt hat.

Aber es hat auch was mit der GroßeNamens – und „Experten“ - Gläubigkeit des Publikums und der unteren Chargen des Business zu tun, die in der ganzen Unübersichtlichkeit des Marktes eine Art Ordnung und Orientierung bietet.
Ein weiteres Struktur-Problem besteht darin, daß sich beachtenswerte Filmfestivals, Ausstellungen, Lesungen, Musik – u.a. Veranstaltungen auf die Metropolen konzentrieren – allen voran Berlin, Hamburg, München, Frankfurt u.a. – d.h. da wo die Szene gleich neben den Entscheidern wohnt und die Vermarktung konzentriert ist.
Daneben gibt es beim Publikum auch ein Nachwuchsproblem, denn bei diesen Events – als Marketingstrategie – vermischen sich die Generationen nicht, die Älteren sind i.d.R. in der Mehrheit und auch Jüngeren bleiben jeweils unter sich und gehen am Ende ohne Austausch noch Kritik am Objekt / Projekt auseinander.
Dieses Heute unterscheidet sich grundlegend von der Zeit, als man in gemischten Gruppen bspw ins Programmkino ging und sich anschließend in der Kino-Kneipe mit anderen – z.T. stundenlang unterhielt. Dieser Teil der (von Kleinkunst bis Blockbuster) Kino-Kultur ist (auch bei anderen Kulturereignissen) weitgehend verschwunden wie´s aussieht und im Bereich des neuen bzw. jungen Kinos sowieso nur für Großstädter realisierbar.
Das scheint mit dem Niedergang der Club-Kultur in D zusammen zu hängen, die ich seit ca. Anfang der 1990er beobachte. Die jüngeren Leute kennen das gar nicht mehr, da ist offenbar eine soziokulturelle Lücke, die durch die Allzeitverfügbarkeit von Filmen im digitalen Zeitalter und Übersättigungserscheinungen evtl. mit verursacht wird.

Lars Henrik Gass 21.01.2013 | 18:12

Mit Blick auf die Zustellung von Briefen oder die Beförderung in Zügen kommen hin und wieder öffentlich Fragen auf, ob Dienstleistungen, die sich einmal in Staatsbesitz befanden, noch im Interesse des Gemeinwohls ausgestaltet werden. Mit Blick auf die Ausgestaltung kultureller Belange jedoch erweist sich die Beurteilung für die Besucher von Kinos, Ausstellungen oder Festivals weitaus schwieriger. Man sieht und hört ja nur, was einem vorgesetzt wird, nicht, was unter anderen Umständen noch hätte entstehen und sichtbar werden können. Wie und warum hier Entscheidungen zustande kommen, ob Sachverstand waltet oder Lobbypolitik, das wird hier nicht so unmittelbar spürbar wie eine Verschlechterung im Public Service, also wenn die Post das Porto erhöht oder die Bahn verspätet ist.

Ich kann das mit Blick auf die Privatwirtschaft ergänzen:

Viele Unternehmen verfolgen mit eigenen Stiftungen, die steuerlich begünstigt sind, Interessen des Marketings, aber nicht der Öffentlichkeit im Sinne einer Gemeinnützigkeit. Fördermittel für Nachwuchs, für Kinder und Jugendliche dienen unumwunden der Ausschmückung der eigenen „Unternehmensphilosophie“. Und von solchen Zuwendungsempfängern sind in der Regel allzu kritische oder komplizierte Vorhaben und Einlassungen, die dem Corporate Image schaden könnten, nicht zu erwarten. Die Stiftungsrichtlinien ergeben oft ein kaum zweideutiges Bild davon, dass Anträge sich diesem anzupassen haben.

Das große Unternehmen der Energiewirtschaft will natürlich als „nachhaltig“ erscheinen, auch wenn der Atomstrom, der die Stiftung alimentiert, keineswegs es ist. Die Grenze zwischen Marketing und Stiftungszielen ist kaum mehr erkennbar. Die Künstler des Artist in Residence-Programms der Stiftung zumindest haben den Auftrag verstanden und fotografieren die Wasserkraftwerke oder eine Bohrinsel des Unternehmens, um – so der Jahresbericht der Stiftung – „das gesellschaftliche Verständnis für das Zukunftsthema Energie zu erhöhen“.

Die Eröffnung einer großen Kunstausstellung in NRW, die durch das Unternehmen gefördert wurde, bot den willkommenen Rahmen für ein dessen Vorstandsvorsitzenden gewidmetes Geburtstagsständchen – in den Räumen eines Museums, das zwar öffentlicher Trägerschaft unterliegt, sich aber mit deren Hilfe längst nicht mehr jede Ausstellung erlauben kann. Natürlich passte das Thema der Ausstellung, an sich denkbar harm- und folgenlos, prima in die strategischen Ziele des Unternehmens.

Heute habe ich eine Zuschrift erhalten, die völlig richtig anmerkte, dass an den Filmschulen mittlerweile weite Teile der Ausbildung an Fernsehleute übertragen wurden, die auch dort dafür sorgen, dass alles auf Linie ist.

The0 22.01.2013 | 17:25

Ein weiteres Beispiel für den zunehmenden und zum Teil sogar 'verfassungswidrigen' Einfluss, den die Wirtschaft ausübt. Da kann ich mich meinen Vorposterinnen nur anschließen: die Umverteilung von unten nach oben. Egal ob Politik, Wissenschaft oder wie hier Kunst und Kultur, deren wirtschaftliche Beeinflussung wird auch weiter zunehmen, denn ich sehe ehrlich gesagt noch kein Dämmern.
Egal in welchen Bereich man hineinschaut, es ist immer wieder die gleiche Tendenz: Uniformisierung. Der uniforme Kunde wird von uniformen Medien bespasst, die ihm uniforme Produkte anpreisen. Die Herstellung solcher ist für die Wirtschaft besonders einfach. Die Gewinnspanne dafür umso größer. Die uniforme Künstlerin muss sich uniformen weil wirtschaftsnahen Stiftungen anbiedern und wird ebenso gleichgeschalteten wirtschaftsfreundlichen bullshit verkunsten. Und in der Wissenschaft das gleiche Bild: die Unabhängigkeit der Forschung ist längst passé. Wer sich die riesigen Fördermengen von Drittmitteln und deren Ziele anschaut, kann sich einen Reim daraus bilden. Die technik- (und damit wirtschafts-)nahen Bereiche schwimmen in Fördergeldern während die Geistes- und Sozialwissenschaften immer weiter verschwinden. Kritik und Abweichungen sind der Wirtschaft ein Dorn im Auge, weil umsatzgefährdend....

Riobravo 25.01.2013 | 01:18
Sehr interessante Debatte, die mich persönlich schon lange beschäftigt. Ich stehe kurz vor meinem Abschluss an einer Kunsthochschule, wo ich Film studiert habe. Meine Kommilitonen und ich haben unsere Filme entweder privat oder durch staatliche Filmförderung finanziert, von technischer Unterstützung durch die Uni abgesehen. Nach dem Abschluss werden wir uns mit all den ehemaligen Filmstudenten der BRD um Fördermittel prügeln, so ist es normal und ich habe es nie anders erlebt. - es gibt eine staatliche und eine private Filmfinanzierung. Es gibt auch eine Mischung aus beidem. Hinter jedem Finanzierungsmodell stehen Menschen mit Absichten, ob es nun Beamte sind oder Angestellte. Künstler mussten schon immer mit Kunden verhandeln, Nicht mal Michangelo hatte einen Freibrief. Bis hier hin ist alles ganz normal Im Moment scheinen sich jedoch ganze Armeen von Kreativen für die sog. Fördermittel zu interessieren. Ein Grossteil hat sich schon zuvor gegen andere Bewerber durchgesetzt bei einer Aufnahmeprüfung an einer Filmhochschule. Wie viele gute Filme kommen als Ergebnis dieses Wettbewerbs hervor? Was ist überhaupt ein guter oder wertvoller Film? Vielleicht ist ein guter Film ein erfolgreicher Film, ein Film der wahrgenommen wird, über den man viel und gerne redet. Vielleicht aber auch ein Film, über den ein paar Theoretiker in Oberhausen sich berufsmäßig den Kopf zerbrechen? Fakt ist, dass die Filme, die wärend meiner Studienzeit gefördert wurden von allen Filmen die an der Hochschule produziert werden immer die schwächsten waren. Alle anderen Filme, die nicht gefördert wurden waren jedoch auch. nicht viel stärker. Ich müsste irgendwann einsehen, dass es wohl kein Rezept gibt, sondern. nur Glück und Talent, was immer das ist.