Jennifer Stange
05.03.2012 | 14:09 19

"Das kann ja wohl nicht wahr sein"

Sachsensumpf Am Dienstag beginnt in Dresden ein Verleumdungs-Prozess gegen zwei ehemalige Zwangsprostituierte: Sie hatten Richter und Staatsanwälte als ehemalige Freier benannt

"Ich dachte, das kann ja wohl nicht sein, dass der jetzt dort vorne sitzt und vor ein paar Wochen noch bei mir Kunde war", erzählte Sara (Name geändert) 2007 zwei Journalisten. Gemeint war ein Richter im Prozess gegen den ehemaligen Betreiber des Leipziger Kinderbordells "Jasmin", in dem zwischen Juni 1992 und Januar 1993 Jugendliche im Alter von 13 bis 19 Jahren zur Prostitution gezwungen wurden. Darunter war auch Sara, die in dem Verfahren 1994 als Zeugin gehört wurde. Jetzt ist sie eine von zwei Angeklagten in einem Prozess, der am Dienstag in Dresden beginnt. Der Vorwurf: Verleumdung.

Es ist wie ein ferner Nachhall der sogenannten Sachsensumpf-Affäre, die sich für die einst Verdächtigten in der sächsischen Justiz mehr oder weniger in Wohlgefallen aufgelöst hat. Belangt wurden inzwischen die Journalisten, die die Affäre ins Rollen gebracht hatten, ermittelt wird zudem noch gegen Polizeibeamte und gegen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, der über die vermutete Verwicklung sächsischer Eliten mit dem Rotlichtmilieu ein 15.000 Seiten starkes Dossier zusammengetragen hatte. Nun also geht es vor Gericht um Aussagen von Opfern der Zwangsprostitution, von denen sich hohe Staatsbeamte selbst zu Opfern gemacht sehen.

"Freiwillige Handlungen"

Bis heute ist Sara von ihrer Behauptung nicht abgerückt: "Ingo", ein ehemaliger Freier des "Jasmin", habe sie bei dem Prozess 1994 von der Richterbank aus angelächelt. Anfang des Jahres 1993 war das "Jasmin" von der Polizei gestürmt worden, da vermutet wurde, dass auch einflussreiche Persönlichkeiten, darunter auch ranghohe Juristen, hier ein und aus gingen. Im damaligen Prozess wurde der Betreiber des Bordells vom Landgericht Leipzig wegen schweren Menschenhandels, Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger und sexuellen Missbrauchs von Kindern zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Schon im damaligen Urteil gingen die Richter allerdings nicht gerade sanft mit den befragten Zwangsprostituierten um. Eine der Zeuginnen hatte angegeben, aus Angst vor "weiteren Schlägen" keine Fluchtversuche unternommen zu haben. Der Zuhälter habe damit gedroht, sie sonst in die "Schweinemastanlage" zu bringen und versprochen, sie würde "eine Kugel durch den Kopf" bekommen. Im Urteil liest man, die Gewaltanwendung des Angeklagten habe sich in "Grenzen gehalten". Kurz vor ihrem 14. Geburtstag habe das Mädchen "bereits sexuelle Erfahrungen“ gehabt und "freiwillig diese Handlungen" geduldet.

Bis 2000 wurden keine weiteren Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern im Fall "Jasmin" eingeleitet. Die Ermittlungen gegen Unbekannt endeten zum Ablauf der Verjährungsfristen 2003 ergebnislos. Niemand kann heute mehr dafür strafrechtlich belangt werden. Betreiber Michael W. hatte zwar im Jahr 2000 in einer Vernehmung eine Vermutung geäußert, wie sein relativ mildes Urteil 1994 zustande kam: Er habe wie vereinbart keine „dreckige Wäsche“ gewaschen und keine Aussagen zu Freiern gemacht. 2007 revidierte er jedoch diese Aussage.

Damals erreichte die Sachsensumpf-Affäre ihren Höhepunkt. Das Referat Organisierte Kriminalität des sächsischen Verfassungsschutzes veröffentliche 2007 Unterlagen, die auch das "Jasmin" in Verbindung mit möglichen Rotlichtkontakten und unlauteren Immobiliengeschäften sächsischer Honoratioren brachte. Ein von der Regierung flugs eingesetztes Expertenteam externer Kriminal- und Verfassungsschutzbeamter kam aber zu dem Ergebnis, es gebe keine Beweise für kriminelle Netzwerke, die Akten des Verfassungsschutzes seien schlampig geführt und aufgebauscht worden. Auch die sächsische Staatsanwaltschaft ermittelte sozusagen in eigener Sache und kam zu dem Ergebnis: „Alles heiße Luft“. Von einer Korruptionsaffäre in Sachsen könne keine Rede sein, vielmehr handele es sich um eine “Aktenaffäre des Verfassungsschutzes”.

"Angaben widerlegt"

Gegenstand der Ermittlungen waren dabei auch die mutmaßlichen Bordellbesuche des früheren Staatsanwalts und jetzigen Leiters des Landgerichts Chemnitz sowie eines heute pensionierten Richters. Die jetzt wegen Verleumdung angeklagten Frauen wurden dazu mehrmals vernommen. Doch die Staatsanwaltschaft wertete ihre Aussagen als widersprüchlich und nicht glaubhaft. Anfang 2008 gab die Anklagebehörde bekannt: „Soweit zwei ehemalige Prostituierte die Beschuldigten belastet haben, sind deren Angaben widerlegt.“

Die Staatsanwälte unterstellten zudem, dass Zeuginnen durch Journalisten manipuliert worden sein könnten. Die Journalisten Thomas Datt und Arndt Ginzel hatten Mitte 2007 frühere Zwangsprostituierte aus dem "Jasmin" ausfindig gemacht. Zwei waren zu Gesprächen bereit gewesen, ihnen hatten sie etwa 30 Fotos vorgelegt. Unabhängig voneinander hatten die Frauen ihren ehemaligen Freier "Ingo" – den heute pensionierten Richter – und den ehemaligen Staatsanwalt als ehemalige Freier benannt. Auch bei den Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft 2008 waren sie bei dieser Aussage geblieben.

Die Ankläger fanden jedoch keine Belege für die Vorwürfe gegen die Juristen, und die Ermittlungen gegen sie wurden eingestellt. Anfang 2008 wiederum stellten Richter und Staatsanwalt Anzeige gegen die ehemaligen Prostituierten. Der einst verdächtigte Ankläger hat mittlerweile 12.500 Euro Schmerzensgeld vom Freistaat Sachsen erhalten; zu Unrecht hatte er sich als korrupt und als Freier des "Kinderbordells" verdächtigt gesehen. Im Prozess gegen die beiden Exprostituierten werden beide als Geschädigte durch die Nebenklage vertreten.

Kommentare (19)

Reimers 05.03.2012 | 16:37

Frau Stange, vielen Dank für diese ernüchternde Aktualisierung in Sachen "Sachsensumpf". Ihre vorsichtige Wortwahl ist sicherlich angebracht angesichts der Brisanz dieses Themas.

Selbst der hartgesottene, investigative Journalist und Buchautor Jürgen Roth hatte schon zeitweilig aufgegeben:

www.mafialand.de/inhalt/zusammenfassung/schlagwoerter/sachsensumpf

Ich möchte auf einen Kernpunkt zu sprechen kommen, der es Politikern und anderen einflussreichen Persönlichkeiten immer wieder ermöglichst, Transparenz und wirkliche Rechtsprechung zu verhindern: gemeint ist hier die Weisungsgebundenheit der Staatsanwaltschaften gegenüber der Exekutive. Man hat dieses Gesetz erfolgreich aus der "alten Zeit" in die Bundesrepublik hinübergerettet, weil es so ungemein praktisch ist.

Die in den USA z.T. angewandte Praxis, einen "far away" Staatsanwalt einzusetzen, würde in unserem Lande auch nichts bewirken. Roth's langwährige Recherche hat an verschiedenen Stellen gezeigt, wie weit der Einfluss und die Verflechtung tatsächlich geht.

Viel zu selten wird konsequent "dem Geld gefolgt", dies würde manchmal erstaunlich schnell Beteiligte und Motive offenlegen. Gleichzeitig wäre es aber ebenfalls brisant, denn die Beteiligung international agierender Akteure könnte ebenfalls zutage treten, was auf den Kern des Skandals ein anderes Licht werfen und noch brisantere Fragen aufwerfen würde:

Kann es sein, dass sich hinter all diesen von Zeit zu Zeit an die Öffentlichkeit dringenden Skandalen ein gemeinsames Muster erkennen läßt?

Meine "hypothetische" These hierzu ist: "Ein gemeinsames, kleines Geheimnis" schweisst ungemein zusammen. Andererseits läßt sich wohl unbefangen feststellen, dass hinterher keiner gerne entblößt dastehen möchte.

Sebastian Stancikas 06.03.2012 | 18:58

Deutsche Gerichte ohne Grundgesetz, die Mafia macht das Gesetz!
Für deutsche Gerichte gilt das Grundgesetz nicht mehr, die Mafia macht in Deutschland das Gesetz.Der „Sachsensumpf“ ist ein „Deutschlandsumpf“, dies bekommen meine Familie und ich seit l2 Monaten am eigenen Leib zu spüren. Mir wurde inzwischen alles genommen,so u.a. meine Firma,mein Sohn,mein Führerschein,mein Girokonto und meine Würde. Mit aller Macht kämpfe ich noch für meine persönliche Freiheit!Aufgrund der akut drohenden Gefahr versuche ich mir nun mit Videos Gehör zu verschaffen, eine andere Möglichkeit sehe ich nicht mehr!Falls mir jemand vorschlägt mich an die Polizei zu wenden,so sei gesagt,dass vor ca. 10 Monaten (kurz nachdem ich die Straftaten der Polizei gemeldet habe) zwei Polizisten an unserer Haustür klingelten und meiner Mutter mitteilten,dass es schlimme folgen haben wird,wenn ich nicht sofort damit aufhöre mein recht bei den hiesigen Behörden einzufordern! Hier ist das erste Video: youtu.be/B_OYTfWQg-o

Infos zur Hydra:

www.spiegel.de/spiegel/print/d-69518842.html

www.shz.de/nachrichten/top-thema/article/111/anklage-gegen-vorstaende-und-aufsichtsraete.html

ergo-oetken 06.03.2012 | 23:48

Es ist mutig, dass die beiden Frauen - mittlerweile der Verleumdung angeklagt - bei ihrer Aussage bleiben.

Sie hätten ja auch einfach schweigen können. Entsprechende Drohungen und Druck gab es ja genug.

Zu den Hintergründen von "Prostitution" (was "Freier" und "Zuhälter" angeht) hier ein sehr interessanter Artikel: www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,788332,00.html

Kinder und Jugendliche kann man leichter einschüchtern und demütigen als Erwachsene. Das ist ein ganz banaler Grund dafür, warum in Deutschland jedes 8. Kind Opfer schwerer sexualisierter Übergriffe wird.

Sexualisierte Übergriffe dienen dazu, die Würde eines anderen Menschen zu vernichten und sich selbst so aufzuwerten.

Eben bis hin zur "Kinderprostitution". Was eigentlich ein irreführender Begriff ist. Die Kinder "verkaufen" sich nicht. Sie werden gehandelt. Von Erwachsenen.

Ansonsten: in den vergangenen zwei Jahren hat unsere deutsche Gesellschaft, was ihre Sicht auf "Autoritäten" angeht, einen enormen Entwicklungsschub getan.

Die Aufdeckung der Missbrauchsskandale innerhalb der RKK und der Odenwaldschule, die Veröffentlichungen um Zwangsarbeit und sexualisierte Kinderfolter in Kinderheimen (Ost und West), der Fall "Guttenberg" (der aus einer der reichsten Familien Deutschlands stammt), der Rücktritt Wulffs - all das lässt hoffen, dass hier in Zukunft auch noch richtig dicke Bretter gebohrt werden. Einfach weil die Einwohner dieses Landes zu der Überzeugung gelangt sind, dass man sich Respekt durch echte Leistung verdienen sollte und ein Amt eigentlich nichts über die persönliche Integrität und den Charakter des Inhabers aussagt.

Herr Gauck, unser neuer Bundespräsident wird sicherlich noch die eine oder andere Akte bzw. Abschrift aus seiner früheren Tätigkeit in der Schublade haben...

Hoffen wir das Beste!

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, Betroffene sexualisierter Misshandlung in der Kindheit

tlacuache 07.03.2012 | 09:09

"Weisungsgebundenheit":

Das ist der heilige Gral im Sachsensumpf und auch zur causa "Ehrenhausdurchsuchungen" im Falle "Ehrensoldsumpf(Wulff)"...
Wenn man noch den "Sachsensumpf" - SPON - Artikel dazunimmt, kann man "Sachsenbrechreiz" bekommen...
---
"tlacuache schrieb am 03.03.2012 um 11:32"
"Wenn der Staatsanwalt zweimal klingelt – dann wird es eine “Ehren-Hausdurchsuchung”?"

Profis unter sich:
blog.strafrecht-online.de/2012/03/wenn-der-staatsanwalt-zweimal-klingel-dann-wird-es-eine-ehren-hausdurchsuchung/#utm_source=rss=rss=wenn-der-staatsanwalt-zweimal-klingel-dann-wird-es-eine-ehren-hausdurchsuchung

www.lawblog.de/index.php/archives/2012/03/02/vorzugsbehandlung/

strafprozess.blogspot.com/2012/03/durchsuchung-bei-wulff-in-groburgwedel.html

www.freitag.de/community/blogs/ed2murrow/die-kraft-der-vorverurteilung
---
P.S.
16 jährige Mädchen oder mittlerweile 35 jährige gebrochene Frauen sind ja auch rethorisch prima geschult, um 30 - 35 (heute 50 - 55) jährige Männer in die Pfanne zu hauen, die auch noch sophistisch berufsmässig ihrem Handwerk nachgehen bzw. Lügen, gegeneinander ausspielen, jemanden aus der Reserve locken zum täglich Brot gehört...
Ich könnte jetzt noch lauter werden, aber da gibt es nur die gelbe Karte...
LG
TL

Reimers 08.03.2012 | 16:38

Danke für Ihre Links. Ich möchte noch auf einen Aspekt dieser ganzen Sache eingehen.

Angesichts der Tatsache, daß unsere Politiker regelmäßig vorgeben, gegen Pädophilie vorgehen zu wollen (was oft nichts weiter als eine schlechte Ausrede ist, die Rechte im Internet weiter einzuschränken), sollten wir uns hiervon auch aus einem anderen Grunde nicht täuschen lassen.

Der gesellschaftlich wirklich gefährliche, organisierte Kindesmißbrauch führt allzuoft in höchste Kreise, womit ich Ihre persönlichen schlimmen Erfahrungen in keiner Weise negiere.

Der von mir angesprochene Tatbestand hat tiefere, oft sogar okkulte Ursachen in bestimmten elitären Kreisen - und dies weltweit, es ist sozusagen eine "Obzession", eine Dokumentation ihrer Macht. Dies ist weiterhin gekoppelt an gewisse Organisationen, die Kindsadoptionen für Kinder - meist, aber nicht nur - aus der dritten Welt anbieten. Man ist bestens vernetzt und kann sich weitgehender, sogar diplomatischer Immunität sicher sein.

Der Fall "Hollie Greig" in Schottland, samt der jüngsten Ereignisse, zeigt klar die Verwicklungen höchster Politiker, Richter und Polizeichefs - Mord inbegriffen:

www.davidicke.com/articles/child-abuse-mainmenu-74/30693-scottish-paedophile-ring-exposed

Die zurückliegenden entsprechenden Vorfälle in Belgien, Frankreich, Spanien und Portugal verweisen immer direkt auf die Involviertheit hochgestellter Kreise - unter tätiger Mitwirkung kirchlicher Kreise, häufig Jesuiten - in den jeweiligen Ländern. Speziell in Belgien geht es noch darüber hinaus, bis in Nato- und EU-Kreise.

In den USA wurde der "Franklin"-Fall massiv unterdrückt, eine Dokumentation wurde vernichtet, die Rohform ist aber "geleakt" worden:

www.youtube.com/watch?v=weSzkIB8184

Dieser Fall führt bis ins Weiße Haus - Schweigen!
Das ist es, was viele Opfer zermürbt, sie können sich an keinen wenden, um Gerechtigkeit zu erfahren, denn sie können nicht sicher sein, daß sie wieder an Personen geraten, die möglicherweise selbst involviert oder in ihrer Position an der Verdeckung beteiligt sind.

Detlef Reimers

ergo-oetken 09.03.2012 | 20:40

Guten Abend Herr Reimers und alle anderen an diesem Thema interessierten,

ich möchte Sie zu einem mentalen Experiment einladen.

Lesen Sie doch einfach mal "Macht und Missbrauch" (Spiegel-Bestseller) und "Rotkäppchens Schweigen" (ebenso sorgfältig recherchiert) parallel und machen sich ihre ganz eigenen, privaten Gedanken.

Viel Erfolg dabei wünscht,

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, Betroffene sexualisierter Misshandlung in der Kindheit

ergo-oetken 09.03.2012 | 20:54

"Der gesellschaftlich wirklich gefährliche, organisierte Kindesmißbrauch führt allzuoft in höchste Kreise, womit ich Ihre persönlichen schlimmen Erfahrungen in keiner Weise negiere"

Gefährlich ist "Missbrauch" immer.

Der einzige wirkliche Unterschied zwischen dem "banalen" schweren Missbrauch im familiären Nahfeld, der hochgerechnet mindestens drei Kinder in jeder gewöhnlichen Schulklasse betrifft und der organisierten Form ist, dass im letzteren Fall die Täter sich besser vor Aufdeckung und Verfolgung schützen können.

Die Motivation zu den Übergriffen, die Hintergründe und der Reiz, den die Verbrechen auf die Täter ausüben sind ähnlich.

Wenn wir unsere Kinder wirklich schützen wollen, dann müssen wir uns in Zukunft mit zwei Phänomenen intensiver befassen: dem Mutti-Mythos ("Frauen begehen keine sexualisierten Übergriffe") und dem "Macht-Kult" (Übergriffigkeit ist in unserer Gesellschaft in vieler Hinsicht ein Erfolgsprinzip).

Täter werden häufig insgeheim bewundert - solange sie nicht gesellschaftlich niedrigen Schichten angehören.

Ich bin aber optimistisch, was das angeht. Im Vergleich zu der geistig-moralischen Finsternis, die vor Jahren diesbezüglich noch herrschte, sind wir schon ein ganzes Stück weiter.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, Betroffene sexualisierter Misshandlung in der Kindheit

Reimers 10.03.2012 | 02:11

Danke, Frau Oetken, für den Buchtip. Das Buch befindet sich bereits in meinem Bücherregel. Ich hatte aber keinen "Erfolg" beim Lesen, sondern war erschüttert über das, was ich dort las.

Warum ich meine eigenen, ganz privaten Gedanken machen soll, erschließt sich mir nicht im Zusammenhang mit einem Blog. Dieser ist dazu gedacht, Dinge zu kommentieren und das habe ich wahrgenommen.

Ich bin vor allem bemüht, am Thema zu bleiben, hier der "Sachsensumpf". Meine Ergänzungen über die Landesgrenzen hinaus haben den Sinn, auf ein internationales Netzwerk hinzuweisen.

Im Gegensaz zu Ihnen bin ich kein persönlich Betroffener, einer meiner Töchter ist aber schlimmes in ihrer Jugend passiert. Ich bemühe mich, bei diesem Thema NICHT wegzugucken, sondern den Finger draufzuhalten, was ich hier auch schon früher durch eigene Blogs getan habe.

Ich wünsche Ihnen für Ihre Arbeit all die Kraft, die hierzu nötig ist und leidenschaftlich auch Erfolg im Bemühen, die Gesellschaft auf diese Problematik hinzuweisen bzw. wachzurütteln.

JaneO. 10.03.2012 | 13:05

Danke für Ihre Links.
Als mir so langsam die Dimensionen klar wurden (im Rahmen der Aufarbeitung meines eigenen Falles), wie viele Betroffene sexualisierter Gewalt in der Kindheit es geben muss, war ich kurz davor zu resignieren. Habe mich aber entschieden mich mit anderen Betroffenen zu vernetzen und an die Öffentlichkeit zu gehen. Als Kind bekam ich sehr schnell mit wie in Millisekunden „Brüder im Geiste mit gleicher Veranlagung“ sich erkennen und einen Schulterschluss bilden. Und wie stark das Wegschauen der Gesellschaft verankert ist. Also Kinder die sexualisiert misshandelt werden keine Lobby haben, keine Ansprechpartner. Studien haben belegt, dass ein Kind sieben Mal um Hilfe bitten muss, bis es endlich jemanden gefunden hat, der es ernst nimmt.
Und wie Sie (Herr Reimers) sehr richtig geschrieben haben:“ Das ist es, was viele Opfer zermürbt, sie können sich an keinen wenden, um Gerechtigkeit zu erfahren, denn sie können nicht sicher sein, daß sie wieder an Personen geraten, die möglicherweise selbst involviert oder in ihrer Position an der Verdeckung beteiligt sind.“ Zitat Ende
Drohungen vom Täter und von Familienangehörigen, damit musste ich mich als Kind auseinandersetzen – als Betroffene! Denn wenn ich etwas sagen würde, kämen meine Geschwister ins Heim. Soviel am Rande zu meiner Betroffenengeschichte….

Weltweit umspannende Wirtschaftsunternehmen (wie die RKK) bieten sich natürlich da förmlich an um ihre Strukturen zur Verfügung zu stellen. Was natürlich wie von selbst Menschen mit pädokrimineler Veranlagung anzieht wie die Motten das Licht. Zudem steht die Kirche neben dem Gesetz. Sie hat ihre eigenen. Genießt sozusagen die Rechte aller anderen weltlichen Bürger, hat aber nicht die Pflichten.
Also Gewinne einfahren, aber die Verluste auf die Gemeinschaft abwälzen. Eben ein ganz normales Wirtschaftsunternehmen wie es in der heutigen Zeit- von der Politik ungebremst -sein Unwesen treiben kann.
Betroffene vom Jesuitenorden wissen überhaupt nicht an wen sie sich wenden sollen, denn der Orden untersteht unmittelbar dem Papst.
Da hängt der Betroffene im Spinnennetz und darf sich bei der Spinne melden.

Betroffene aus dem familiären Nahfeld: An wen können die sich wenden? Meist an niemanden, weil die Verjährungsfrist zu kurz ist. Bei mir wäre die Verjährungsfrist schon abgelaufen bevor meine jüngste Schwester volljährig geworden wäre (zur Erinnerung – die Drohung dass meine Geschwister ins Heim kommen, wenn ich etwas sagen würde).
Aber davon abgesehen dauerte meine Verdrängung der Verbrechen an mir noch länger an.

Einzig die Politik könnte an der Lage von uns Betroffenen etwas ändern. Zuerst einmal an der Abschaffung der Verjährungsfrist im Strafrecht und im Zivilrecht bei sexualisierter Gewalt in der Kindheit. Oder einer Möglichkeit im Einzelfall die Verjährungen zu hemmen.

Aber dafür müssten ja Politiker in diese Materie einsteigen. Und womöglich erst einmal die eigene Betroffenengeschichte aufarbeiten. Die Wahrscheinlichkeit selbst betroffen zu sein ist ja sehr hoch.

JaneO. Betroffene sexualisierter Gewalt in der Kindheit

ergo-oetken 10.03.2012 | 13:30

Hallo Herr Reimers,

ich befürchte, dass ich mein Beitrag oben zu unklar formuliert habe.

Die beiden Bücher, die ich zum Lesen vorgeschlagen habe eignen sich sehr gut, um besser verstehen zu können, von welchen Untieren diese Art Sümpfe bevölkert sind. Ob sie sich nun in Sachsen oder in Bayern befinden mögen.

Und wer dann noch Ideen sucht, wie die Kultivierung entsprechender Wüsteneien durch Trockenlegung dieser "Feuchtgebiete" erfolgen kann: der großartige und sehr mutige Film "Dicke Freunde" von Horst Königstein ist zwar als Politikfarce deklariert, berichtet aber im Grunde von bitteren Wahrheiten. "Sachsensumpf" ist möglich, weil der "Bayernsumpf" Jahrzehntelang gut bewässert und gedüngt wurde. "Wichtig ist, was hinten rauskommt" - oder wie war der Spruch noch?

Oftmals war es eben juristische "Sch...".

Für viele Menschen, z.B. Heimkinder oder Kinder, die niemanden hatten, der sie schützen konnte, waren die Rechtsübertretungen, die sich Menschen, die Deckung von "oben" bekamen katastrophal. In Ost wie in West.

So funktioniert auch der "Sachsensumpf". Hier fehlt Kontrolle. Nichts fürchten die Täter mehr als Öffentlichkeit und dass andere ihnen Grenzen setzen.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, Betroffene sexualisierter Misshandlung in der Kindheit

hm1956 23.09.2012 | 14:38

Ich habe seit ende 2010 Polizeibeamte und Sachverstandige  mit Namen und Dienststelle in Sachsen als Lügner und Betrüger bezeichnet. Da man mich bis zum heutigen Tag nicht verklagt hat und einen Prozess verhindern möchte, gehe ich davon aus, dass ich ins schwarze getroffen habe. Unter www.christin-menzel-online.de kann sich jeder den Sachverhalt ansehen. Ich versuche seit fast zwei jahren diese Leute im Internet zu provozieren, aber ihnen bleibt wohl nur die Vogel-Strauß-Methode.