Klaus Ungerer
20.03.2013 | 11:30 66

Die Zumutungen des Actressen-Interviews

Katja Riemann In einer phallisch orientierten Welt ist eine Schauspielerin keine Frau mit Beruf, sondern die Tratschfreundin von nebenan. Dagegen hat Katja Riemann sich gewehrt

Die Zumutungen des Actressen-Interviews

Screenshot: NDR

Das Actressen- oder Schauspielerinnen-Interview hat sich in Deutschland zu einem Genre entwickelt, das zu fürchten ist. Und nicht etwa, weil jetzt ständig kapriziöse Diven in ihm rumnervten. Das Schlimme am Schauspielerinnen-Interview, wie es uns auf den Kanälen und in den Blättern begegnet, sind die Fragen und die Einstellung, die aus ihnen spricht. Schauen wir doch mal hin: Katja Riemann, die eine imposante Zahl an Filmen geprägt hat, begibt sich in ein Regionalfernsehstudio. Erfährt kurz vor der Sendung, dass eine Bekannte von ihr, die Kollegin Rosemarie Fendel, verstorben ist. Trocknet ihre Tränen. Steht für das Gespräch bereit. Und was sagt der Plumpaquatsch vom NDR zu ihr? „Katja Riemann – ich bin sehr froh, dass Sie Ihre blonden Locken haben.“

In einer phallisch orientierten Welt ist eine Schauspielerin keine Frau mit einem Beruf. Eine Schauspielerin ist eine Projektionsfläche, selbst dann noch, wenn sie vor einem sitzt. Eine Schauspielerin ist hübsch, auf jeden Fall exhibitionistisch veranlagt, und kann mit Komplimenten gefügig gemacht werden. Katja Riemann hat im NDR einen über halbstündigen, sehr wachen und nur stellenweise irritierten Auftritt gehabt.

 

Aus dem hat ein bekannter Medienjournalist im besten Bild-Zeitungsstil einen völlig verzerrenden Zusammenschnitt gemacht, der dann wiederum von sämtlichen Medien als Primärquelle genommen wird.

Dafür musste sie Tausende höhnische Facebook-Kommentare über sich ergehen lassen. Klaus Kinski hingegen wird bis heute für jeden einzelnen seiner wirren, sexistischen, grenzdebilen Talkshow-Auftritte kultisch verehrt.

Schauspielerinnen-Interviews gehen wie folgt: Kurz wird die Schauspielerin vielleicht noch über den Inhalt des Films gefragt – dann aber geht es los: Worüber lachen Sie persönlich? Welche Blondinenwitze kennen Sie denn? Wie reagieren Sie auf blöde Anmache? Nehmen Sie noch den Nachtisch, oder ist nach dem Hauptgericht Schluss? Was fühlen Sie, wenn Sie am Herd stehen? Haben Sie ein Spezial-Kuchen-Rezept zur Konfliktbewältigung? Diese Fragen sind die Kurzfassung eines Interviews, das die FAS kürzlich mit Diane Kruger geführt hat, und sie stehen für ein Modell: Martina Gedeck absolviert ein ganzes Interview darüber, warum sie sich nicht über ihr Alter äußern will. Scarlett Johansson muss kundtun, dass sie Sightseeing liebt. Nadja Uhl wird als Expertin für Kinderkrippen befragt. Und so weiter. Die Schauspielerin ist das Komplementärbild zum deutschen Großschriftsteller: Wo der zum weisen Mann stilisiert wird, den man zu allen politischen und philosophischen Themen befragen kann (obwohl er vermutlich auch nur dieselben Zeitungen gelesen hat wie man selber) – ist sie die Tratschfreundin von nebenan.

Genau dagegen hat Katja Riemann sich verwehrt. Zu dem peinlichen Einspielfilmchen über ihre Kindheit hat sie gesagt: Der sei ihr peinlich. Und als Plumpaquatsch versuchte, Katja Riemann mit ihrer letzten Rolle in einen Quark zu mischen, da begehrte sie auf: Immer diese Privatismen! Immer dieses persönliche In-sich-Rumrühren! Sie bestand darauf: Die Schauspielerei ist ein handwerklicher Prozess. Sie wollte eine Frau mit einem Beruf bleiben und kein Girl aus der Medienpeepshow. Jeder Moderator sollte froh sein, einen so lebendigen Gast bei sich zu haben.

Kommentare (66)

Meyko 20.03.2013 | 12:13

Ich habe mich schon mehrfach gefragt, ob eine solch über­re­gio­nale Wer­be­wir­kung die­ses leicht dane­ben gegan­ge­nen Auf­tritts gewollt war. Falls dem so sein sollte, sind Frau Rie­manns Bera­ter wohl ziem­lich aus­ge­buffte Medien-Profis.


Dass der Herr Baum­gar­ten (bei Ihnen heisst er "Plumpaquatsch") bei eini­gen Zuschau­ern einen bemüh­ten bis »schleim­hei­li­gen« Ein­druck hin­ter­lässt, wurde bereits geäußert. Frau Riemanns Verhalten hat vermutlich zudem mit dem "Setting" zu tun, denn bei Ina Müller war sie recht locker, witzig und aufgeräumt. Man­che Gäste rea­gie­ren halt auf so einen, even­tu­ell sogar ehr­lich gemein­ten, jedoch arg per­ma­nen­ten „Kom­pli­ment­be­schuss“, indem sie inner­lich die Zug­brü­cke hoch­zie­hen, um dann mehr oder weni­ger blond­schopf­schüt­telnd von den obe­ren Zin­nen herunterzugrinsen.

Zumin­dest war die­ser Sofa­be­such nicht langweilig.

Michelangelo50 20.03.2013 | 12:19

Glänzender Beitrag! Problem war nicht Katja Riemanns zweifellos etwas divenhaftes Verhalten (warum auch nicht?) sondern die dämlichen und banalen Fragen des (Zitat) Plumpaquatsch. (Den Namen dieser Regionalfunk-Marginalie, der man nur einen Job bei Vorwerk empfehlen kann, lohnt es sich nicht zu merken.)

Katja Riemann verdient Respekt, sich den Versuchen, sie auf das Niveau des Moderators hinunterzuziehn, erfolgreich widersetzt zu haben. Sie war einfach nur authentisch!

Helmut Eckert 20.03.2013 | 12:39

Der Spatz und der Journalist.

Pferdeäpfel sind willkommen, 
für den Spatz ein fetter Schmaus.
Zu manchem Korn ist er gekommen,
er holt sie aus den Äpfeln raus.
Dem  Spatz sei dieses Mahl gegönnt,
er fühlt sich wohl im Pferdemist.
Weil er des Gaules Nahrung kennt,
er dort die Haferkörner frisst.
Das Zeitungsleute wie die Spatzen,
im fremden Mist die Schnäbel stecken.
Das lässt bei mir den Kragen platzen,
und dieser Zunft mein Argwohn wecken.
Der Spatz er frisst und fliegt davon,
er tut nur was ihm angeboren.
Ein voller Magen ist sein Lohn,
mit Futter das ein Pferd verloren.
Wenn Menschen selbst im Miste wühlen,
um so im Datenmüll zu baden.
Für die kann ich nur Mitleid fühlen,
weil sie sich letztlich selber schaden.

Citoyen 20.03.2013 | 13:17

Fakt ist, dass Katja Riemannn auf der Couch saß, um ein Produkt zu verkaufen. Nämlich ihren aktuellen Film. Sie sitzt dort nicht als Privatperson, sondern weil SIE Geld verdienen will und dafür ihr Produkt verkaufen will.

Man muss solch einen seichten Vorabend-Talk ja nicht gut finden. Jeder Zuschauer kann abschalten. Aber dass Frau Riemann sich absolut arrogant verhält ("in welchem Sender bin ich gleich nochmal") ist mehr als peinlich und dem Moderator gegenüber einfach unverschämt und unhöflich.

Wenn Katja Riemann keinen Bock auf ihren Job hat, sollte sie vielleicht einfach zuhause bleiben...

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Ehemaliger Nutzer 20.03.2013 | 13:18

So bekannt ist der Herr "Medienjournalist" außerhalb der Kreise, die "etwas mit Medien" zu tun haben (wollen), nicht. Der "Star" ist Katja Riemann. Der Moderator ist im Norden ziemlich bekannt und (bei vielen) beliebt.

Die Sendung "DAS" mit ihrem "Roten Sofa" läuft immer so ähnlich ab, egal wer sie moderiert.

Der Herr "Medienjournalist" ist bekannt für seine Häme und seine Video-Schnipsel. Diesmal wollte er Hinnerk Baumgarten, auf "Freitag" als "Plumpaquatsch" bezeichnet, bloßstellen.

Witzig ist, dass offenbar die große Mehrheit eher Katja Riemann als "peinlich" empfand.

Der "Hype" um diese Sendung zeigt, dass "das Internet" einer allgemeinen Hysterisierung der "Öffentlichkeit" Vorschub leistet.

 

cwerg 20.03.2013 | 13:27

Ein Gespräch ist ein Gespräch ist ein Gespräch wäre ein Gespräch. Das ist bei DAS! aber nicht gefragt. Mich erstaunen vor allem die vielen verächtlichen Meinungen und Postings, dass jemand, der für 45 Minuten zu einem Gespräch oder "Gespräch" oder meinetwegen auch nur Interview geladen ist, dann nicht auch ein Gespräch verlangen oder führen darf - und nicht nur ein Actressen"interview", wobei auch "Interview" eine arg euphemistische Genreverzerrung für das Promo-Chauvi-Produkt-Geblubbse ist, was hier gewünscht war. Aufgebauscht hat das Ganze dann nachträglich dieser Herr Plumpaquatsch, der offenkundig ausweislich seiner Einlassungen auf facebook, twitter und per BILD irgendwie gekränkt, beleidigt, enttäuscht war und das nu doch wieder nich für sich behalten wollte. Auchn Gefühl, immerhin.

Achtermann 20.03.2013 | 14:00

Man muss sich doch fragen: Was macht einen guten Interviewer aus? Ist der Interviewer überhaupt in der Lage, mit antastenden Fragen die Stimmung der Interviewten zu bemerken, um dann ins Gespräch zu kommen. Fragen nach blonden Löckchen sind doch sowas von daneben wie ein belegtes Brötchen mit Marmelade, Zwiebelringen und Knoblauchzehen zum Frühstückskaffee. Da wird einfach ein Fragekatalog abgearbeitet, von dem die Redaktion meint, dass die Antworten die Zuschauer interessieren würden. So geht das jahrein und jahraus.

Und dann sind da noch die Zwänge des Formats. Man kommt zusammen, nicht um des Gespräches willen. Es gibt ein beidseitiges Interesse, Rollen abzuspulen. Deshalb wartet der Fernsehzuschauer Gebührenmonat um Gebührenmonat, dass sich mal etwas Ungeplantes ereignet. Nun ist es geschehen. Das ist gut so, weil es doch zum Anlass genommen wird, ein solches Format auch mal kritischer zu betrachten.

rose 20.03.2013 | 14:17

" In einer phallisch orientierten Welt".

Solch ein Stuss, Schauspielerei ist eines, die Welt der Quatschrunden für das gehobene Regenbogenpublikum, die sich das Geschatsche über das Privatleben der Schauspielerinnen, wann wo, wie, mit wem welche Rolle anhören wollen das andere. dieser ganze Müll scheint von Interesse, das genügt noch nichr, auch Journalisten leben davon, Quatsch zu beschreiben, für Quatsch und Quatschen Noten zu erteilen. Klar, die Geschmäcker sind verschieden, Quatscher und an Quatsch Interessierte bleiben unter  einander.

anne mohnen 20.03.2013 | 14:21

Der Text gefällt mir. Die Reaktionen von Frau Riemann und anderer Schauspielerinnen sind nachvollziehbar. Andererseits besteht das Dilemma wohl auch darin, dass Frau Riemann ihre Projekte in hinlänglich bekannten Interviewformen , im besprochenen Fall sogar Abend für Abend nach dem gleichen Muster ablaufendem Format,  was ihr ganz und gar nicht liegt, promoten muss.

Einfach wegbleiben funktioniert wohl nicht in der Branche! Frau Gedeck, erinnere ich mich, ist mal in einer Will-Sendung über den Film Baader-Meinhof-Komplex beinahe „umgekommen". So hilflos saß sie den seltsamen Fragen der Moderatorin gegenüber, dass man als Zuschauer geradezu körperlich mit der Schauspielerin litt. Interessant war ,dass Moritz Bleibtreu da viel offensiver war; eine Art des Umgangs mit Journalisten und Moderatoren, die Frau Riemann auch für sich gewählt hat. Gut so!

Georg von Grote 20.03.2013 | 14:23

Ich hab mich schon gefragt, wann das hier auftaucht. Gesehen habe ich ja davon nur, weil NDR bei mir nicht empfangbar, diesen "Zusammenschnitt" auf youtube, aber auch erst, als auf FB die Häme losbrach.

Mir ist wohl bewußt, dass offene Kollegenschelte nicht die feine Art ist, wage es aber trotzdem, weil mir in diesem Artikel zu wenig differenziert wird. Ich mache es vor allem zur Ehrenrettung der Kollegen, die seit ewigen Zeiten, versuchen, manchmal sog ades öfteren, mit Frau Riemann ein ordentliches Interview zuwege zu bringen. den Kollegen, denen es nicht um Gossip geht, die intelligente Fragen stellen, die gut informiert sind, sich zurücknehmen und vor allem nie im Sinn haben, ihren Gesprächspartner bloß zu stellen. All das ist mit Frau Riemann (leider) nicht möglich. Es läuft, egal, wie man das Interview anfängt, wie man seine Worte sorgfältig wählt, grundsätzlich auf Konfrontation heraus. Woher sie das hat, was sie bewegt, welche Problemchen sonst noch dahinter stecken mögen, Frau Rieman hat die unsägliche Gabe, jede Frage einem schon im Munde umzudrehen, oft kommt man gar nicht dazu, sie bis zum Ende auszuformulieren, um sofort auf Angriff umzuschalten. Sie gilt in gewissen kreisen nicht als Diva, sondern schlichtweg nur noch als "pain in the ass", an die man kostbare Zeit verschwendet.

Nimmt man die jetzige Situation auf diesem Sofa, dann sind diese Fragen natürlich seicht, für das Publikum angelegt, das diese Sendung gerne sieht und eben genau diesen Stil möchte. Ob das gut ist, darüber kann man gerne streiten, aber diese Art von Sendungen gibt es zuhauf.

Nur, Frau Riemann ist dahingegangen und hat beschlossen, sich auf dieses Sofa zu setzen. Sie wußte, was auf sie zukommt und selbst wenn sie es selbst nicht ahnte, zumindest ihre Presseagentur wusste es. Zwar sind deutsche Presseagenten längst nicht so versiert und professionell wie der us-amerikanischen, aber diese Sendung ist bekannt in der Szene. Und deshalb setzt sich eine Frau Riemann auch dahin oder läßt sich hinsetzen um ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und ihr neues Produkt zu vermarkten.

Sie hat jederzeit die Möglichkeit vorher auszuhandeln, ich mache keine Interviews. Einige ihrer Kolleginnen und Kollegen praktizieren das auch oder wählen sich nur ein paar wenige Gesprächspartner aus. Aber wer die Öffentlichkeit so sucht, wie Frau Riemann es des öfteren zu tun pflegt, von dem erwarte ich auch die nötige Professionalität.

Die zeigt Frau Riemann zwar bisweilen in ihrer schauspielerischen Tätigkeit. Beim Rest allerdings hapert es gewaltig.

Das dezidierter herauszuarbeiten hätte ich mir von obigem Beitrag erwünscht. Aber dazu muss man wohl Frau Riemann ein paar mal "erlebt" haben.

anne mohnen 20.03.2013 | 14:42

"Nur, Frau Riemann ist dahingegangen und hat beschlossen, sich auf dieses Sofa zu setzen. Sie wußte, was auf sie zukommt und selbst wenn sie es selbst nicht ahnte, zumindest ihre Presseagentur wusste es. "

Das stimmt ja, ich dachte auch daran. Doch  ich kenne die Usancen des Geschäfts nicht; weder  Sie, ich & andere kennen  die Verträge der Frau Riemann.

Zuletzt sah ich ein Interview mit Christine Kaufmann, die saß bei "Volle Kanne". Ich hab' mir das krankheitsbedingt mal angetan. Frau Kaufmann, eine intelligent Frau, widersprach dem Mommsen ständig: charmant, gewitzt und im Gegensatz zu Mommsen gar nicht genervt - sie wollte ja auch ihr Buch promoten, in dem es offenkundig um „Promis und Öffentlichkeit“ geht, ohne sich das Heft aus der Hand nehmen zu lassen. Es war wirklich unterhaltsam, was sie sagte, auch weil sie sehr souverän eine Menge Privates von sich gab. Ihr Credo: Wer in der Öffentlichkeit steht, kommt nicht selten, muss aber nicht notwendig darin umkommen. Sie war so spritzig, dass ich mir dann auch ihr Interview ansah, dass Sie in der von Frau Riemann wenig goutierten Sendung gab. Allerdings wurde Fau Kaufmann von einer sehr gut informierten und spontaneren Moderatorin befragt. Vielleicht hat Frau Riemann ja auch diese Sendung gesehen und fühlte sich bei diesem Moderator zu recht(!) um ihre Zeit betrogen. Ich kann es ihr nicht verdenken.

 

Phineas Freek 20.03.2013 | 14:56

Nach dem Lesen des Niggemeier-Beitrages ist es überhaupt nicht nachvollziehbar, seine Eindrücke und diesen Zusammenschnitt als Ursache für die Hetze gegen Frau Riemann zu behaupten.

Keine Ahnung ob rechtliche Verpflichtungen die Interviewpartner dort bis zum bitteren Ende auf dem Sofa festnageln. Falls nicht - Katja Riemann hätte spätestens nach einem Drittel der Zeit mit diesem unsäglichen Kretin, Dummschwätzer und Hinnerk (der heißt auch no so) auf demselben Sofa die Biege machen sollen. Gerade auch dann,  wenn’s ausschließlich ein Promoauftritt gewesen sein sollte!

 

 

Citoyen 20.03.2013 | 14:56

@Georg von Grote

Danke für die klaren Worte und das Zurechtrücken.

Ich habe kürzlich ein Interview mit Christoph Waltz gelesen, in dem er die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA beschrieb. Sinngemäß sagte er:

In den USA werden Filme wie ein Kunstwerk erschaffen und anschließend professionell wie Produkte verkauft. In Deutschland ist es umgekehrt. Hier werden sie wie Produkte hergestellt und wie Kunst verkauft.

Katja Riemann nervt auch desegen, weil sie sich offenkundig zu fein ist, ihr Produkt ordentlich zu verkaufen. Sie sollte tatsächlich ihre "ich-bin-eine-komplizierte-Künstlerin"-Attitüde fürs Filmemachen aufsparen...

Miamaria 20.03.2013 | 15:55

AUTSCH! Was bitteschön ist ein "Actressen-Interview"? Hab ich da was verpasst oder benutzt man bei uns nicht mehr das französische Äquivalent "Actrice" für Schauspielerin?

Oder sollte das eine bewusste Verballhornung sein?

Ich habe übrigens schon viele "ernsthafte" Interviews mit Schauspielerinnen gelesen/gehört, das hängt eben alles vom Umfeld ab. In einer Boulevardsendung darf man nun mal keine tiefgründigen Fragen erwarten. Und auch "Anne Will" rechne ich zur Kategorie Boulevard.

Frau Riemanns schauspielerische Qualität wird meiner Meinung nach ohnehin überschätzt. Eine Martina Gedeck ist ein anderes Kaliber!

 

Peter Silie 20.03.2013 | 17:21

Wenn sie denn als erwachsene (gender ge - mainstreamte) Frau wahrgenommen werden will, sollte sie intelligent , überlegen, professionell mit der Situation umgehen. Ich hatte den Eindruck, dass sie gleich anfängt zu heulen, und um einen Beschützer bittet.  Das war die klassische "ich habe eine Platten, kannste mir mal den Reifen wechseln, ich weiß nicht wie das geht"  Situation. Jedes DSDS - Sternchen wäre souveräner im Interview gewesen.

Georg von Grote 20.03.2013 | 20:38

Über die Sendung, bzw. was sie transportieren will, muss man auch gar nicht viel sagen, das lohnt sich nicht.

Zur "Ehrenrettung" bei alldem, was ich oben über Riemanns Verhalten sagte, muss man ihr auch zugestehn, dass sie anfangs auch noch mitgespielt hat und ich kann auch verstehen, dass diese Filmschnipsel aus ihrer Vergangenheit ihr peinlich waren. Die waren auch peinlich gemacht.

Das Problem dabei ist einfach, sie wußte, bzw hätte zumindest wissen müssen, was da auf sie zukommt, denn diese Sendung läuft fast immer nach dem gleichen Schema F.

Und dann stell ich mich dem professionell oder ich gehe eben nicht hin, wenn ich sowas nicht sehen und hören will.

weinsztein 21.03.2013 | 03:50

Dieser interviewende Journalist war überfordert, nach den ersten zwei, drei Antworten hätte er sein Fragen-Repertoire ändern müssen. Er tat es nicht, aber diese Freiheit hätte ihm jede Redaktion zugestanden.

Für die Dämlichkeit seines Fragenkatalogs (siehe Blog)  gibt es keine Entschuldigung. Ich habe mich für ihn und die zuständige Redaktion nebst ihrer Rechercheabteilung geschämt.

Mir hat gefallen, wie Katja Riemann auf dieses Geseich im NDR reagiert hat.

 

Hfftl 21.03.2013 | 08:12

Es ist völlig unsinnig, einen der Beteiligten gegen den anderen ausspielen zu wollen.  Herr Baumgarten hat ziemlich blöde Fragen gestellt, Frau Riemann hat darauf äußerst unsouverän reagiert - die beiden nahmen sich gar nichts. Und wer an solchen Quatsch wie eine "phallisch orientierte Welt" glaubt, ist in diesem Bunde der Dritte.

balsamico 21.03.2013 | 10:50

Und deshalb setzt sich eine Frau Riemann auch dahin oder läßt sich hinsetzen um ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und ihr neues Produkt zu vermarkten.

Genau. Nur das Sofa war der falsche Platz. Passender wäre es gewesen, man hätte sie auf den Rand des Brunnens gesetzt aus dem sie Wasser schöpft. Und hätte das geneigte Publikum zugucken lassen, wie sie hineinpinkelt. Aber vielleicht kommt das ja in der nächsten Folge.

balu 21.03.2013 | 14:27

Offenbar war Ihnen, Herr Ungerer, die Sendung DAS! im ndr bisher unbekannt, denn sonst könnten Sie diesen täglichen Plausch auf dem roten Sofa nicht mit anderen Prominenten-Interviews vergleichen. Bei DAS! wird täglich über Ereignisse aus der Region berichtet, wobei einem Gast die Gelegenheit gegeben wird, dem Zuschauer etwas von sich zu erzählen und auf neue Werke aufmerksam zu machen. Hier geht es vorwiegend um Berichte vom Tage aus der Region und nicht um den Gast! Das sollte Katja Riemann bzw. Ihrer Agentur bekannt gewesen sein, denn schließlich sind frühere Sendungen im Netz abrufbar.

Wenn Frau Riemann keinen Bock auf einen derart seichten Plausch hat, hätte sie der Einladung doch nicht folgen müssen. Sie zeigte sich einfach vom ersten Moment an als zickig, rastete vollkommen aus, als ihr Elternhaus und Menschen gezeigt wurden, die sie als Kind begleitet hatten. Frau Riemann empörte sich darüber, dass frühere Wegbegleiter ihren Zuschauern etwas Nettes über sie sagen. Wohlgemerkt: keine Intimitäten, einfach nur, dass sie hier und dort als Kind gespielt habe. Das ist für mich nicht nachvollziehbar!

Hinnerk Baumgarten ist bis zum Schluss ruhig und freundlich geblieben und hat alles versucht, auf Frau Riemann einzugehen. Das war vergebene Liebesmüh: sie wollte einfach nicht.

Jeder kann einmal einen schlechten Tag haben, aber nun tritt sie auch noch nach, macht in Pausen angeblich gefallene Worte von Herrn Baumgarten publik (siehe spon v. 20.3.), die ich als weiteren Versuch deute, sie etwas lockerer zu machen. Nein, das ist allerunterste Schublade und einer Person nicht würdig, die es gewohnt ist, in der Öffentlichkeit zu stehen.

cwerg 21.03.2013 | 16:25

Ist ja hochinteressant, was bei geneigte ARD-Konsumenten heutzutage schon als "rastete vollkommen aus" einer- oder "Versuch, auf jemanden einzugehen" bewertet wird:

Wenn jemandem was "peinlich" ist und er/sie das sagt, ist das ein "Ausraster"? Oder wenn jemand unsicher wird und hysterisch lachen muss? Oder wenn jemand bei einer Todesmitteilung fast weinen muss? Wenn das unangemessene, unerträgliche, unduldbare, kritisierenswerte "Ausraster" sind, muss man schon in einer sehr stillen Gegend leben und fernsehen.

Wenn jemand seine 17 vorbereiteten Fragen von 1-17 durchzieht, ohne zu antizipieren und zu reagieren, "versucht" er, auf jemanden "einzugehen"? Also dem Arzt (oder Installateur oder "Freund" oder Journalisten) möchte ich nicht begegnen, der so viel von mir mitkriegt und die so gewonnenen Erkenntnisse dann verarbeitet. - Wenn jemand auf "mag ich nicht" reagiert mit "also ich hätte es gemocht" regiert, geht er auf ersteren ein? Von dem möchte ich kein Geschenk, schon gar keine "Überraschung" und auch keine "Freundlichkeiten" anderer Art ... weil: Ich hab keine Chance, dem zu entkommen.

Das ist PC auf Quatschniveau - wozu 45 Minuten "freundliches" (grinsendes) Nichts-Meinen, Nichts-Wollen, Nichts-Sagen, Nichts-Fühlen? Sorry, begreife ich nicht. So ungestört kann ich mit Blümchen auf meiner Fensterbank oder vielleicht noch mit einem  kleinen Haustier meine Zeit verbringen - aber dafür brauch ich doch keine Schauspielerinnen und Journalisten, kein Fernsehen, keine Gespräche und auch keine Zeitung!?

mymind 21.03.2013 | 20:39

Hallo Georg,

es ist bekannt,  wie Du es auch bestätigst, dass Katja Riemann  keine ´einfache´ Interviewpartnerin ist.  Gerade deswegen mag ich sie vielleicht, weil die meisten Interviewfragen einfach ´out of´ sind & sie auf ihre Art & meinetwegen Tagesstimmungsabhängig reagiert. Gerade deswegen sollten sich Moderatoren oder Journalisten besser vorbereiten & nicht den schon 1000maliggestellten Fragenmusterkatalog praktizieren. Die Frau ist nicht doof & da kann man sich entsprechend darauf vorbereiten.

Inwieweit auch eine Riemann sich die Sendungen aussuchen kann, in denen sie zur Promotion eines Films beitragen muss, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass die Hauptdarsteller die TV- & Presse-Runden mitmachen müssen.

Den Eklat habe ich nebenbei mitbekommen, die Sendung in Gänze nicht gesehen. Aber ich verstehe die Aufregung nicht. Es gab mal eine Zeit, da gehörte es fast zum  Selbstverständnis, bekloppte Interviews oder Talkrunden zu sprengen. Es gab mal sensationelle ´3nach9´ etc. Talkshows, die besten waren diejenigen, in denen die Gäste nicht brav & artig ihre einstudierten Texte von sich gaben. Sendungen, in denen gestritten &/oder hitzig diskutiert wurde über Gott & die Welt, manche beleidigt gegangen sind usw. & sofort. Schade aber nun:Die Zeiten ändern sich & in einer FFF-Zeit paßt natürlich kein Genervtsein....

Was KR angeht, bei Ina Müller war sie super, sie kann auch anders...vorausgesetzt sie hat ein adäquates Gegenüber....

hunter 21.03.2013 | 22:20

Vielleicht ensteht die ganze Aufregung aus dem Missverständnis heraus, dass man Schauspieler mit Intellektuellen verwechselt, weil sie Texte ebendieser spielen und sprechen - die allermeisten sind jedoch alles mögliche, nur gehören sie gerade nicht zu den Leuten, von denen man kluge Statements erwarten dürfte!

Das gilt im übrigen auch für Christoph Waltz, der, weil er in Amerika Erfolg hat, den leicht bedenklichen Opportunismus an den Tag legt, jetzt alles toll zu finden, was in Amerika passiert und dementsprechend glaubt, alles niedermachen zu müssen, was in Europa fabriziert wird (und von dem er bislang immerhin ganz gut leben konnte!) -

Doch was solls? Er ist halt auch kein Denker vor dem Herren sondern ein terrible simplificateur, oder auf deutsch: ein intellektueller Tiefflieger.

Dass Sie, Herr Grothe, Waltz zustimmend zitieren, verwundert mich jetzt allerdings nicht unbedingt. 

 

mymind 21.03.2013 | 22:30

Na ja, vielleicht ist es auch eine kleine Waltz-Rache oder der Rachewaltz bricht durch.... Dass Waltz ein begnadet guter Schauspueler ist, hat er vor zig Jahren in diversen deutschen & co- Filmen bewiesen. Aber irgendawann war er wech, warum auch immer, vielleicht auch weil er ´not easy to handle´ war,  & Dank Tarantino widerersteht er aus dem OFF auf einmal in Hollyfilmparadise mit Oscar incl. . Das vernebelt zwar die Sinne, aber taugt allemal für einen formidablen  Stinkefinger an die europäischen Regisseure & Produzenten, die ihn jahrelang ignoriert haben....

Georg von Grote 21.03.2013 | 23:45

Verstehe ich jetzt nicht ganz :-)  Weiß auch nicht, wer jetzt den Waltz ins Spiel gebracht hat. Aber der hegt weder Rachegefühle, noch will er irgendeinem was auswischen. Waltz ist seit Beginn der 80er immer präsent gewesen. Der hat jedes Jahr mindestens einen Film gedreht und hat auch kein Problem damit, in Europa weiter zu drehen.

Wenn er davon gesprochen haben sollte, dass die Amis in diesen Dingen professioneller seien, dann hat er damit auch recht. Nur liegt das nicht allein an Hollywood. Die lernen das schon in der Schule.

hunter 22.03.2013 | 00:21

"das lernen die in der Schule" - wahrhaftig, und nicht erst seit die Lehrer dort zurückschießen dürfen!

Doch mal ernsthaft. Es gibt wunderbare europäische Filme (vor allem aus Dänemark), es gibt wirklich ausgezeichnete lateinamerikanische Filme und es gibt auch ein paar ganz gute amerikanische Filme. SO WHAT????!!!!!!!!!!!

Darauf jetzt aber einen Kulturkampf zu machen mit dem Ausgang: die Amis können immer alles besser, ist vor allem eines, NÄMLICH SOWAS VON IGNORANT!

 

Georg von Grote 22.03.2013 | 00:58

Wollte ich eigentlich auch drauf antworten.

Wenn "nicht einfach" im Sinne von anspruchsvoll gemint ist, dann sind das in den meisten Fällen die interessanteren Gescprächspartner, weil sie einen auch intellektuell fordern.

Das trifft auf Riemann aber leider nicht zu. Und das ist nicht nur meine Erfagrung mit der Dame. Ich möchte aber nicht gerne in Einzelheiten gehen jetzt um das zu veranschaulichen. Ich hab ja oben schon ansatzweise was dazu gesagt.

Das andere sind die Fragen in diesem jetzigen Beitrag und das Format. Aber was ich davon halte, hab ich auch schon gesagt. So etwas zu torpedieren, bloßzustellen reizt mit Sicherheit, kann ich absolut verstehen, nur war da Riemann in meinen Augen nicht souverän genug. Aber das sieht jeder anders.

Und klar waren die Talkshows früher oft spannender, weil die Gäste auch unberechenbarer waren, traut sich aber kaum einer mehr, weder die Gäste, noch der Sender, solche Gäste einzuladen. Mir ist das auch viel zu langweilig und politisch zu korrekt, was da über die Bildschirme flimmert. Wird ja auch ausser Jauch, nix mehr live gesendet, traut sich auch keiner mehr, zumal es auch die Moderatoren dafür gar nicht mehr gibt. Und selbst bei Jauch traut sich keiner.

Die Interview-Szene allgemein hat sich in den letzten jahren gewaltig verändert. Seicht ist in. Kommste dann mit einem brisanten an, dann zuckt die Redaktion zurück und traut sich nicht es zu drucken oder zu senden. Die Journalisten, die die Interviews heute machen, sind ja auch schon weichgespült und konditioniert.

Und das bei Müller hab ich nicht gesehen, mir geht die Müller oft auf den Keks. Aber da konnte die Riemann sich ja auch produzieren und das kann sie durchaus sehr gut.

Wie gesagt, ich finde jetzt diesen Auftritt bei "Das" nicht so schlimm, dass man, wie bei facebook gleich in derartige Häme ausbrechen muss. Aber sie nun als Opfer einer Doof-Sendung darzustellen, das sich nur gewehrt hat, liegt auch daneben. Was da gezeigt wurde war noch harmlos.

mymind 22.03.2013 | 01:38

Und klar waren die Talkshows früher oft spannender, weil die Gäste auch unberechenbarer waren, traut sich aber kaum einer mehr, weder die Gäste, noch der Sender, solche Gäste einzuladen

Kürzlich gab es das Intermezzo bei Lanz  mit Kathrin Sass, sie _ wunderbar, die Herren weniger….

Aber mal abgesehen davon: ein paar Jahrzehnte habe ich auch an Jahren & bewusster Wahrnehmung  &Erfahrung hinter mir.  & das Ergebnis ist: Ich kann es sehr gut verstehen, wenn man ´fat up ´reagiert. Diese ganze Dödel-TV-Press-High-Society-Scheisse provoziert nahezu einen Ausraster!

Schade, dass Du Ina  Müller nicht magst, für mich ist sie ein erfrischender Highlight in diesem hyperkorrekten TV-Jungle….& die Musik ist oft gut…

Georg von Grote 22.03.2013 | 01:52

Ich hab nichts gegen die Sendung. Finde das Konzept gar nicht schlecht, zumal nicht auch immer die Charts abgenudelt werden. Sie selbst geht mir manchmal auf den Keks, aber das ist auch immer eine Frage der jeweiligen Stimmungslage meinerseits. Aber dann kann ich einfach abschalten :-)

Und dieser ganze Dödel-YellowPress-Mist hat ja schon längst auch Einzug in die sogenannten seriösen Medien gefunden. Das kann einem die Lust an der Arbeit auch ganz schön vermiesen.

Matthias Dell 22.03.2013 | 09:32

wie phineas freek finde ich den umgang mit niggemeier in diesem beitrag, gelinde gesagt, unfair.

"Aus dem hat ein bekannter Medienjournalist im besten Bild-Zeitungsstil einen völlig verzerrenden Zusammenschnitt gemacht, der dann wiederum von sämtlichen Medien als Primärquelle genommen wird."

da wird der name nicht genannt, aber ordentlich ausgeteilt. und dann niggemeier, als bildblog-gründer, bild-zeitungsmethoden zu unterstellen, wäre eigentlich nur dann sinnvoll, wenn es stimmte. wer aber lesen kann, ist hier klar im vorteil: in seinem text erklärt niggemeier, dass der zusammenschnitt problematisch ist, weil die dauer der gesamten sendung schon eine rolle spielt. dass das von anderen medien anders aufgenommen wird, dass auch hier in der wahrnehmung viele frau riemann kritisch sehen (was ich nicht tun würde), weil sie leider nicht charmant, lässig oder wie auch immer elegant mit den dämlichkeit der fragen umgehen kann, ist ebenfalls nicht niggemeiers problem. deshalb hat mich der abschnitt im text geärgert - was soll so was?

Christine Quindeau 24.03.2013 | 11:08

Interessanter Ansatz. Mir ist noch nicht aufgefallen, dass Schauspielerinnen anders behandelt werden als Schauspieler. Bin allerdings auch nicht so die Fachfrau im prominenten Infotalk. Richtig beschrieben in dem Artikel ist jedenfalls die Heiligsprechung alter Männer (= jeder Furz ein Dogma).

Ich hätte eher gesagt, dass Männer erstens Kommentare zu ihrem Aussehen nicht per se als sachfremd empfinden (sondern sich eher bemühen müssen nicht geschmeichelt zu grunzen) und zweitens insgesamt besser (eher aktiv gestaltend) mit blöden Fragen umgehen.

Das was Katja Remann da gemacht hat, war jedenfalls ganz blöd (umso bedauerlicher als sie an sich nicht blöd ist): Sie geht weder mit der Welle, noch gestaltet sie sie neu, sondern lässt den Zuschauer nur teilhaben an ihrer genervten Inkompetenz ein Gespräch zu gestalten.

 

Rudi Ratsam 26.03.2013 | 14:53

es ist hier wohl  im Moment  zur Sache genug gesagt.

Eine kleine Erinnerung  fällt mir zu dem "Moderator" wieder ein.

Vor geraumer Zeit hatte er im NDR 2 Dudelfunk eine offizielle Verkehrsmeldung zu verlesen. Die Meldung lautete in etwa: "Achtung,  unbekannte Radfahrer befinden sich auf der Autobahn Nr. X..usw.."  Hinnerk ergänzte diese Meldung mit folgenden Worten (sinngemäß in meiner Erinnerung): "Schade, dass wir nicht wissen, was das für Radfahrer sind. Wenn sie besoffen sind, könnte es "die Linke" auf einem Betriebsausflug sein."

Für eine solche Bemerkung erhält man beim CDU-geprägten NDR statt einer  Abmahnung eher eine Beförderung zum TV- Moderator.

Das Ärgerlichste bei solchen nicht seltenen Ausfällen auch in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ist, dass man diesen Mist nun auch noch zwangsfinanzieren muss.

Phineas Freek 26.03.2013 | 19:59

„…Ich, der Moderator und Journalist, warte nur auf einen Moment, um dich, Künstler, mal so richtig zu provozieren. Weil ich zu einfältig bin, um mit dir über etwas anderes zu reden als über deine Haarfarbe. Weil es bei mir nicht dazu reicht, ein Gespräch im künstlichen Raum zu erzeugen, darum versuche ich, dich klein zu machen, sprachlos zu machen, das finde ich echt frech und investigativ, darum, du bekannter Mensch, musst du dir meine Dreistigkeit gefallen lassen. Denn wir wissen doch, wie es läuft. Du musst deine Arbeit bekanntmachen, weil sie sonst untergeht im Meer der künstlerischen Entäußerungen auf der Welt…

 

Katja Riemann wird seit Jahren von einem undefinierbaren Mob gehasst, der zwar keinen einzigen Film mit der Schauspielerin kennt, aber sie irgendwo mal schlecht gelaunt auf bescheuerte Interviewfragen hat reagieren sehen. Der Mob hat eine normale Regung gesehen, und er ist verstört darüber. Für jeden Menschen wäre es eine Selbstverständlichkeit, auf dreiste Fragen irritiert zu reagieren. Unseren Stars sprechen wir das Recht dazu ab. Sie sollen sich verstellen, damit wir ihnen ihre Künstlichkeit vorwerfen können….“

 

Sibylle Berg

 

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sibylle-berg-ueber-das-katja-riemann-und-schwarmintelligenz-a-889754.html

 

 

Georg von Grote 26.03.2013 | 20:55

Ich glaube nicht einmal, dass der Moderator die Absicht hatte, Frau Riemann "vorzuführen" oder ihr eins auszuwischen. Der wollte einfach nur locler und witzig sein und hat sich dabei maßlos überschätzt und vor allem nicht begriffen, wie dümmlich diese Fragen sind.

Insoweit hat da jeder Gesprächspartner durchaus das Recht, irritiert zu sein und entsprechend zu reagieren. Riemann hat das in meinen Augen nur etwas übertreiben und auf ihre ganz eigene Art fast schon zelebriert.

Was Sybille Berg im Spiegel geschrieben hat, ist im Prinzip schon richtig, vor allem was sich auf diese unsäglichen shitstorms bezieht.

Andererseits verfällt sie aber auch in das allseits typische Denk und Verhaltensschema und spricht sofort von "Stars" oder "unseren Stars".

Unabhängig davon, ob es die hierzulande überhaupt gibt, mag ich diesen Begriff nicht und benutze in solchen Zusammenhängen dann lieber den amerikanischen Begriff "talent".  Allerdings ist nicht jeder "Star ein solches talent. Bezogen auf Frau Riemann heißt das, sie hat natürlich den Anspruch darauf, wie jeder andere Mensch auch, trotz aller Macken, vor der und auch ohne Kamera mit dem nötigen Respekt behandelt zu werden. Ein talent ist sie allerdings nicht.

Sönke Paulsen 26.03.2013 | 22:50

Ja, ich kann schon verstehen, dass man sich über Fummeleien im Privatleben von Prominenten aufregt. Ich verstehe auch, dass das gerade Frauen besonders nervt. Das wichtige Thema dieses Talks, das Gespräch über die Versklavung von Kindern in Nepal, die gewaltige globale Industrie des Menschenhandels (Schwerpunkt Frauen und Kinder), die auch als Human Trafficing bezeichnet wird, wogegen sich Katja Riemann engagiert, geht in diesem Thread leider unter.

Man kann ja gerne sagen, dass es darum hier nicht geht. Bei dem NDR-Talk ging es aber darum. Die Harthörigkeit (wie Nina Hagen sagen würde) dieser Kritik am Umgang mit Frauen spart leider die eigentlich erschreckenden Dimensionen aus und führt daszu, dass die ganze Diskussion mal wieder auf dem deutschen Gartenzwerg-Niveau hängen bleibt.

Die deutsche Empörungskultur leidet leider daran , dass sie sich nie über die wirklichen Skandale echauffiert, sondern eher an kleine Familiendramen in gutsituierten Millieus erinnert. (Siehe auch die deutsche Sexismusdebatte). Yellow-Press stratt kritischer Öffentlichkeit. Niveau Fehlanszeige, wie auch in diesem Thread, leider!