Georg Fülberth
08.05.2013 | 09:00 12

Dracula und Hotzenplotz

FDP Die Liberalen haben sich auf ihrem Parteitag voll im Wahlkampfmodus präsentiert und rhetorisch herumgeballert, dass eine Peinlichkeit der anderen folgte

Dracula und Hotzenplotz

Foto: Günter Schiffmann / AFP / Getty Images

Philipp Rösler bezeichnet Jürgen Trittin als einen „Räuber Hotzenplotz“, Rainer Brüderle nennt den gleichen Politiker einen „Graf Dracula für den Mittelstand“ und wirft den Grünen wegen ihrer Steuerpläne „Neokollektivismus“ vor. Warum diese überdrehten Auftritte? In den Umfragen liegt die FDP bei oder unter fünf Prozent. Das lässt an Panik denken. Doch die ist nicht angebracht. Wer die Geschichte der Bundestagswahlkämpfe über Jahrzehnte hin kennt, der weiß: Gilt diese Partei als bedroht, erzielt sie überraschend gute Ergebnisse.

Die Erklärung für Dracula und Hotzenplotz liegt woanders: Umfragen zeigen Rot-Grün und Schwarz-Gelb Kopf an Kopf. In Niedersachsen hat sich die CDU/FDP-Koalition mit einem Rekordergebnis für die Liberalen tot gesiegt. Um das im September 2013 zu vermeiden, müssen abdriftende Stimmen gehalten werden. Es geht um die potentiellen Wähler der Alternative für Deutschland (AfD). Die FDP kann ihr gebrochenes Versprechen von 2009 – Steuersenkungen – nicht wiederholen. Also bringt sie sich als Kämpferin gegen Erhöhungen in Stellung. Die Grünen haben ihr dafür eine Vorlage geliefert, aber gewiss kalkuliert und keineswegs uneigennützig. Was die AfD für die FDP, ist für Trittin die Linkspartei. Die Super-Steuerforderungen der Grünen sollen ihr Stimmen abspenstig machen. Ob diese Rechnungen aufgehen? Brüderle und Rösler können den Interessenten der Alternative für Deutschland nicht das versprechen, was diese vor allem wollen: die D-Mark.

Die Grünen haben 1998 bis 2005 zusammen mit Kanzler Schröder den Spitzensatz der Einkommensteuer dramatisch gesenkt. Wollen sie ihn jetzt wieder auf die alte Höhe setzen, haben sie ein Glaubwürdigkeitsproblem. In der Politik im Allgemeinen mögen solche Dinge schnell vergessen werden, in den relativ gefestigten Milieus der Linken im Osten ist das vielleicht noch anders. Zwei Flügelparteien – FDP und Grüne – rufen einen Lagerwahlkampf aus, obwohl alle Welt weiß, dass gegenwärtig inhaltlich von ihnen und ihren Partnern keine Alternative angeboten wird. Ihre Präsentation wirkt wie Talmi. Aber irgendetwas werden ihre Spin-Doctors sich wohl dabei gedacht haben.

Kommentare (12)

Vaustein 08.05.2013 | 12:05

Sie haben die Realitäten der FDP und der Grünen absolut richtig bewertet und eingeordnet. Richtig lustig war ja der Wahlkampfauftritt des Herrn Brüderle, der, vermutlich unter leichtem Weissweineinfluss, den Versuch unternahm, jeden Jahrmarktschreihals an Lautstärke zu übertreffen. Trittin darf man wahrscheinlich das größere intellektuelle Potential zuerkennen.

Die unbekannte Größe AfD ist aus der Sicht der CDU/CSU die Partei, die das ngrößte Potential besitzt, die schwarz-gelbe Regierungsfähigkeit zu demontieren.

Man darf gespannt sein.

 

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2013 | 12:36

Dracula und Hotzenplotz sind nicht interessant sondern wofür die FDP steht und diese beiden da auf dem Bild. Die FDP steht um nur einiges zu nennen das mir aus dem Stehgreif einfällt ausschließlich für Negatives:  Fälschung des Armutsberichtes, Steuergeschenke für Hotelbesitzer also Klientelpolitik, kein Mindestlohn, Privatisierung der Krankenversorgung und Rente  usw. Weiterhin Rößler für eine allumfassende Privatisierung zugunsten, internationaler Großaktionäre von der wir wissen das diese nur durch Lobbyismus zustande kommt wie zum Beispiel der Wasserversorgung und für die Einführung solcher Verfahren wie Fracking die das Risiko beinhalten das unser Trinkwasser vergiftet wird. Das eine allumfassende Privatisierung was nichts anderes bedeutet als das internationale Großaktionäre in der Folge systemisch die BRD besitzen im Interesse des Mittelstands wäre kann ich mir nicht vorstellen da der Mittelstand ohne unserem System nicht möglich ist sogar unsere Gesellschaft in Frage gestellt wird da Konzerne zumeist nur so um die 1,9 Prozent Steuern in Deutschland zahlen wie das Beispiel Apple zeigt „also ich würde mir nichts von Apple kaufen“. Mittelständler hingegen zahlen wenigstens noch Steuern  wodurch unser Kinder leben können und der Fortbestand unsere Gesellschaft gesichert wird weiterhin sind Konzerne Konkurrenten von Mittelständlern und in diesem Zusammenhang gibt es verursacht durch eine lobbyistische Europapolitik eine gewaltige unnatürlich Konkurrenzschieflage zugunsten von Konzernen verursacht durch die europäische Deregulierung des Arbeitsmarktes die im Grunde ein seriöses Wirken von Facharbeit in Deutschland schon fast unmöglich gemacht hat und einer unseriösen internationalen Finanzpolitik mit dem Ziel den Mittelstand durch internationale Konzerne zu ersetzten. Ich kann mir nicht vorstellen das die totale Privatisierung Deutschlands zugunsten internationaler Konzerne die faktisch eine Auflösung des Staates bedeutet wofür die FDP steht im Interesse der Bevölkerung und des Mittelstandes ist.

Magda 08.05.2013 | 13:34

"Wer die Geschichte der Bundestagswahlkämpfe über Jahrzehnte hin kennt, der weiß: Gilt diese Partei als bedroht, erzielt sie überraschend gute Ergebnisse."

Darüber wundere ich mich schon seit Jahren. 

Ansonsten: Was die da abgeliefert haben, war peinlich, aber offensichtlich kennen die ihre Klientel besser als ich. Es funktioniert sicherlich wieder. 

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2013 | 13:47

"Die Grünen haben 1998 bis 2005 zusammen mit Kanzler Schröder den Spitzensatz der Einkommensteuer dramatisch gesenkt. Wollen sie ihn jetzt wieder auf die alte Höhe setzen, haben sie ein Glaubwürdigkeitsproblem."

Sowohl Grüne als auch die SPD haben nicht nur dieses Glaubwürdigkeitsproblem. Für die Partei Die Linke sollte das Wahlkampfthema der Grünen aber eine Steilvorlage sein, die sie verwandeln müssen.

"Aber irgendetwas werden ihre Spin-Doctors sich wohl dabei gedacht haben."

Das genau gilt es rechtzeitig herauszufinden. Ein Ansatzpunkt ist immer wieder der berühmt berüchtigte "Mittelstand", der gerne von der FDP mit der "Mittelschicht" gleichgesetzt wird, es aber tatsächlich nicht ist. Denn bei den Mittelschichten handelt es sich immer um Arbeitnehmer, die noch einigermaßen durchschnittlich bis gut verdienen, während hingegen der Mittelstand immer die Unternehmer meint und da noch nicht einmal die KMUs mit bis zu 10 Beschäftigten, sondern Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten oder in Einzelfällen sogar Unternehmer, die sich selbst als große Mittelständler bezeichnen und 2000-3000 Beschäftige haben. Genau diesen Mittelstand meint die FDP tatsächlich immer, verwischt aber geschickt diese Tatsache. Dieser Mittelstand verfügt über eine gut geölte und gut funktionierende Meinungsmaschinerie, die genau diesen Eindruck verstärkt und der FDP die Wähler bringt, die sich zu diesem "Mittelstand" zugehörig wähnen.

Ludwig Hasselberg 08.05.2013 | 22:40

Eigentlich hat die Union zuletzt an der absoluten Mehrheit gefeilt. CDU/CSU bekämen ja nicht nur die runden 40%, die ihnen die Umfragen geben. Dazu kämen noch um die 40% der Prozente der nicht in den Bundestag einziehenden Parteien, der "Sonstigen", also definitiv 40% +.  Bis die AfD kam und in den Umfragen die Unionsparteien zur Ader ließ. Macht die Große Koalition umso wahrscheinlicher.

weinsztein 09.05.2013 | 00:33

Da gibt es nix zu wundern. Wenn es für die FDP eng wird, sind stets Retter zur Stelle. Wie etwa 1983, als Bild am Sonntag  Genscher zum "Mann des Monats" kürte, nachdem der sich - nach einer  TV-Dokumentation - zum Retter von Robbenbabies aufschwang. Die CSU grollte damals, sie habe das Robbenbaby-Thema vor Genscher entdeckt. Umsonst. Vor allem von Springers Bild  kampagnenhaft im Wahlkampf begleitet kamen Genscher und seine Robben doch wieder in den Bundestag.

Und "Leihstimmen" für die FDP gibt es schon lange, nach 1969 zunächst von der SPD. Und danach, seit Mitte der 80-er Jahre,  von CDU und CSU, als deren Konturen mit denen der FDP schlierig verflossen.

Wer nach "Genscher Robben" googlet, findet vergnügliche Lektüre.

 

PapaSchlumpf 10.05.2013 | 12:10

Lohnt es sich ueberhaupt noch einen Satz ueber die Boygroup zu verlieren? Die Jungs konnten in den letzten Jahren nicht liefern, und ich sehe nicht das sich irgendwas geaendert haette bei der FDP. Fehleinschaetzungen des politischen Gegners in Verbindung mit Ueberheblichkeit sind keine Problemloesungsstrategien, moechte man Ihnen zurufen. Macht Euch bewusst ihr seid nur die Schachfiguren im Politikbetrieb, es gilt weiterhin: "Wer das Geld hat, hat die Macht und wer die Macht hat, hat das Recht." (Ton Steine Scherben)

Eigentlich bemitleide ich die FDP ein bischen, denn sie fuehren einen aussichtslosen Kampf. Also bleibt nur den Jungs viel Glueck zu wuenschen.

karamasoff 10.05.2013 | 14:58

Warum hat man eigentlich gleich immer ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn man nach ein paar Jahren etwas ändert?

Ganz allgemein finde ich es amüsant, daß in kybernetischen Systemen wie es Staat, Finanzen und Marktwirtschaft darstellen alles mögliche getan werden darf ohne daß man mortalisch abgestraft wird, aber sobald es ans Eingemachte, sprich Einkommen geht, darf und soll auf gar keine Fall irgendetwas geändert werden.

Und wenn dann bitteschön gleich über Jahrzehnte, als würden Wirtschafts und Finanzregelsysteme in Jahrzehnten pendeln...

Ach ja gilt natürlich nicht für untere Einkommenschichten, denn da darf die Stellschraube alle 4 Jahre extrem verstellt werden wenns sein muss, auch wenn sich dadurch im Regelkreislauf, weder lokal noch global, nullkommagarnichts stabilisiert...

sven kyek 10.05.2013 | 18:35

Jedes Schiff nimmt den Kurs den der Boss bestimmt. Bei der Costa Concordia war das Kapitän Schettino

Bei der SPD ist das Käpt"n Blaupeer .

Nur die FDP macht einen auf Panzerkreuzer, aber ist in Wahrheit ein Narrenschiff bei dem nicht mal die Navigation funktioniert und das in Seenot geratenen Ertrinkenden die Rettungsboote verweigert.