Jürgen Busche
21.12.2012 | 13:48 9

Es gibt sie noch, die guten alten Banker

Deutsche Bank Wie der Fall von Bankchef Jürgen Fitschen zeigt, sterben die Leute nicht aus, die anderen gern drohen. Aber die Politiker muss das nicht beunruhigen

Es gibt sie noch, die guten alten Banker

Bankchef hat sich auf die Art öffentlich gehört verschafft, die ihm angemessen erschien

Foto: Mathis Wienand / Getty Images

Früher war alles besser, früher brauchte man auch nicht immer von früher zu reden“, heißt es in Peter Handkes Stück Die Unvernünftigen sterben aus. Aber sie sind natürlich nicht ausgestorben. Unsofern ist immer noch alles so wie früher. Und weil das so ist, sterben auch die Leute nicht aus, die glauben, etwas mit Drohungen zu erreichen, offenen oder verklausulierten, angedeuteten oder brutalen. Indes: Niemand erschrickt mehr darüber. Im Gegenteil, Fröhlichkeit breitet sich aus, wenn gedroht wird.

Jetzt hat Jürgen Fitschen, der Co-Chef der Deutschen Bank, derjenige, der ein Deutscher sein darf, beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier angerufen und seinen Unmut über die staatsanwaltliche Aktion gegen sein Institut in Worte gefasst. Überall Polizei – das ist ja fast wie früher. Für Bouffier war das wenige Tage vor Weihnachten wie ein Geschenk: Seht her, wir haben keine Angst vor Banken. Fitschen hat auch sogleich seinen Griff zum Telefon bedauert.

Nicht anders hatte das ja auch Christian Wulff getan, als er auf die Mailbox des Bild-Chefredakteurs sprach und Konsequenzen für den Fall androhte, dass in dem Blatt weiterhin so abträgliches über ihn berichtet werde. Das war immerhin der Bundespräsident.

Nach außen hin tat manch einer aus dem Springer-Hochhaus so, als müsse man um die Pressefreiheit fürchten und setzte ein besorgtes Gesicht auf. Intern werden wohl alle gejubelt haben, und das Herz in Chefredakteur Kai Diekmanns Brust schlug vor Freude ein paar Takte schneller: Wir sind wieder wer.

Allerdings ist hier eine bemerkenswerte Wandlung zu registrieren: Wenigstens dem Anschein nach können Politiker zwar noch Schreiberlingen drohen. Aber wer droht noch Politikern? Die Banker! Welch schöne Gelegenheit für den Politiker, das Volk, „den großen Lümmel“ (Heinrich Heine) einmal auf seiner Seite zu haben. Denn wer kann Politikern und Journalisten, die seit Jahren um den vorletzten oder letzten Platz in der Rangliste des öffentlichen Ansehens streiten, die rote Laterne abnehmen?

Die Banker!

Die Unvernünftigen sterben also nicht aus. Deshalb haben auch die Politiker noch was zum Drohen. Wie vor geraumer Zeit Peer Steinbrück gezeigt hat. Er drohte den Schweizern, Sie erinnern sich sicher, diese Sache mit der Kavallerie. Als er merkte, dass er zu weit gegangen war, redete er sich etwas lahm heraus, das sei ein Scherz gewesen. Von wegen!

Jeder weiß doch, dass in der Bundeswehr die Panzeraufklärer mit viel Selbstbewusstsein die Tradition der Kavallerie aus Kaisers Zeiten pflegen. Ein paar Bataillone Panzeraufklärer würden locker reichen, um in der Schweiz mindestens bis zu den großen Bankhäusern in Basel und Zürich vorzudringen. Die Schweizer Banker müssten sich dann in unzugängliche Alpentäler zurückziehen.

Um dem Schicksal zu entgehen, engagierte man Steinbrück sogleich für ein Dinner-Speech. Er hat abgesagt.

Kommentare (9)

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Ehemaliger Nutzer 21.12.2012 | 19:12

Wer vertraut denn noch irgendwelchen dahergeschwemmten Grossbankern? Wir wissen inzwischen, dass uns die meisten Banken nur bescheissen wollen - noch haben sie Merkels unterstützng!

Aber wie sieht es aus, wenn wir gegen die Macht der Banken wirklich kämpfen und für den Kampf auf die Strasse gehen - gegen die staatliche Hilfstruppe der Banken und der Politiker (die Polizei und das Militär)?

gelse 21.12.2012 | 22:31

>>Ob man an das Grundkapital einer Bank dadurch herankommt, dass man auf der Straße herumläuft?<<

"Kapital" ist aus enteignetem Arbeitsergebnis entstanden. Zusammen mit ein paar Mrd. Menschen bin ich eine Quelle von Arbeitsergebnissen. Es steht in unserer Macht, die Quelle versiegen zu lassen. Das Problem ist nicht das "Herankommen", sondern das verlorene Wissen über die Quelle des Reichtums.

Oberham 22.12.2012 | 08:56

zu Weihnachten verkonsumieren die Deutschen schlappe 20 Mrd. für Konsumschrott, die Arbeiterfamilien kaufen für 15 Euro eine "Champusflasche" und spühlen den "Lachs" damit an den Feiertagen in ihre Mägen hinunter.

Neuerdings kosten die Christbäume über 30 Euro - Leute, wir müssen nicht mehr auf die Straße gehen, wir sind längst draußen - und - laden die wenigen Groschen, die uns bleiben freiwillig in den Tresoren der Banken ab.

Bei soviel kollektiver Dummheit, da können die Banker, Politiker und jene Journalisten, die als Chefredakteure fett in ihren Sesseln kleben vor lauter Lachen gar nicht mehr innehalten - leider ersticken sie nicht daran.

Die Quelle  - lieber Kuntz - das sind doch wir alle - im Grunde sollten jene die arm - aber an warmen, trockenen Orten verortet,  aus mangelnder Kaufkraft keine Tropfen mehr abgeben, froh sein, endlich dem Wahnsinn entronnen zu sein!

In diesem Sinne -  strebt  die Armut an und lacht über die Reichen, die verzweifelt dem Grab entgegentreiben - von mir aus auf ihrer 30 Meter Yacht.

Nur wer Hunger leidet, seine Zeit als sinnlos erachtet und wegen der Lebensumstände krank wird, ist arm!

Davon gibt es leider viele Milliarden Menschen auf der Welt - wir können ihnen nur helfen, wenn wir uns den Bankern verweigern!

navigant 22.12.2012 | 21:20

Wo bekommt man heute noch Heine zu lesen...? Hier ein etwas längerer Auszug aus "Deutschland ein Wintermärchen", durchaus geeignet zum Nachdenken. Parallelen zur heutigen Zeit sind rein zufällig... ;-)

 

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich Euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir Euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit Euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.

Die Jungfer Europa ist verlobt
Mit dem schönen Genusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Und schwelgen im ersten Kusse.

Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
Die Ehe wird gültig nicht minder ­
Es lebe Bräutigam und Braut,
Und ihre zukünftigen Kinder!

blog1 23.12.2012 | 01:09

@antares

@ andreas kuntz

Wenn der Idealist auf den Zyniker trifft, dann fliegen allzu gerne die Fetzen. Und wer lacht sich ins Fäustchen? Der Oppotunist., derjenige, der nichts verändern will, dem es so taugt wie es ist.

Wir haben doch erlebt, wie die Occupy-Bewegung wieder in der Versenkung verschwunden ist. Ein Strohfeuer - weiter nichts. Und die Herren in den Nadelstreifen schauen sich das genüsslich an. Ab und und an läuft die Staatsmacht auf und bietet uns eine kleine Show. Brot und Spiele in der Neuzeit. Aber wir wissen ja alle, dass das alte Rom an seiner Dekadenz zugrunde gegangen ist. Es hat nur sehr (zu)lange gedauert.