Stefan Buck
16.08.2013 | 06:00 1

Escape!

Ziele Es ist Sommer, Urlaubszeit. Aber wohin soll denn die Reise gehen? In Südeuropa herrscht Krise, anderswo Revolution oder gar Krieg. Eine kleine Anleitung

Escape!

Foto: AFP/ Getty Images

Ich habe in den sechs Jahrzehnten meines Lebens kein einziges Flugzeug betreten. Flugangst, habe ich dann immer gesagt. Aber darum ging es nicht. Als Heeressoldat bin ich im Helikopter geflogen, viel später noch einmal als Schnakenjäger am Rhein. Mein größter Wunsch, der einzige zugleich, der das Fliegen betraf, blieb dabei, alleine in einem schwarzen Doppeldecker über gewissen Stadtgebieten für Furore zu sorgen. Besagte Flugangst bezog sich in meinem Fall lediglich auf die grauenhafte Vorstellung, mit einer Menge schlecht angezogener Menschen ohne Manieren auf engstem Raum zusammengepfercht zu sitzen.

Außerdem widerspricht jeder Flug der eigentlichen Idee des Reisens. Eben nicht so schnell wie möglich irgendwohin zu gelangen, sondern selbstverständlich das Ziel im Weg dorthin zu sehen. Denn Reise bedeutet nur auf den ersten Blick die Überwindung einer bestimmten Entfernung. Reise ist die im Idealfall unendliche Bewegung. Schon als Kind genoss ich diese Qualität, ob im Automobil oder im D-Zug: fliehende Landschaften, vorbeigleitende Menschen, flüchtige Bilder. Der Rausch, unterwegs zu sein. Ungern nur erreichte ich im Gefolge meiner Eltern das anvisierte Ziel: Statisch am Strand das ewig gleiche Meer zu betrachten und jeden Tag das Ritual erleben zu müssen, das ließ mich früh zum Melancholiker werden. Kein Kreuzschiff hat mich je gesehen, stattdessen zog ich es vor, auf schmalen Flüssen im Skull zu sitzen und heftig am Riemen zu ziehen. Gerne war ich mit dem Auto unterwegs, erst allein mit einem Hund, später in einer alten Giulia Super mit meiner 90-jährigen Mutter. Das waren die letzten Reisen. Immer ermüdender wurde der Anblick des Immergleichen. Konnte ich einst Neues entdecken, Gerichte, Menschen, Verhalten, Manieren und Mode, so glich sich allmählich alles doch nur noch an. Reisen lebt alleine vom Vergessen der Verfügbarkeit.

Tropische Träume

Die Begeisterung bei der Abfahrt ist dem Umstand zu verdanken, dass dem Reisenden in dem Moment, da er den verheißungsvollen Fernzug betritt, nicht bewusst wird, dass dieser ja jeden Tag die von ihm als so besonders empfundene Strecke abfährt. Und in beispielloser Monotonie dabei ausgetretene und eben nicht verwachsene Pfade ins Ungewisse vorzeichnet. Glücklich sei ich gepriesen, dass ich nie den Versuch unternahm, diese prähistorischen Gefühle, den Enthusiasmus des Aufbruchs wieder zu empfinden, indem ich die Reiseziele immer weiter fort anvisierte. Malediven, Chile, Feuerland, Kenia oder ein weiteres illusionäres Paradies. Denn was erwartet mich dort schon? Die Küche gleicht sich dem Geschmack übersättigter Europäer an. Sie empfangen an allen Orten der Welt das gewohnte Fernsehprogramm, Internet und bewegliche Fernmeldegeräte besorgen den Rest. Und vor allem, nicht zu vergessen, die Menschen. Menschen, denen man niemals begegnen möchte. Weder hier noch dort. Menschen, die sich unentwegt mitteilen müssen, um den Rest der Welt an ihrem ach so aufregenden Leben teilhaben zu lassen. Menschen, die denken, man könne sich Erfahrungen kaufen, wenn man nur genügend Geld in ein Flugticket zu investieren in der Lage ist. Menschen, die es nie als natürlich und selbstverständlich empfinden werden, im Angesicht der Schönheit zu verstummen, weil es manchmal nichts zu sagen gibt. Sapienti sat. Dem Weisen genügt ein Wort. Also wozu, warum?

Selbstverständlich bin ich Misanthrop, aber was ist daran auszusetzen? Vielleicht kann meine Misanthropie ja einigen traurigen Touristen dabei helfen, ihre tropischen Träume zu vergessen. Apropos Tropen, heute fletscht die Sonne in Deutschland ihre Zähne, und 30 Grad herrschen noch im Schatten: Wohl genug! Selbstverständlich verstehe ich die Sehnsucht nach Meer und Bergen, nach gotischen Kirchen und Schlössern Ludwigs II. Doch wer alles gesehen, alles verspürt hat, dem wird am Ende auch das Reisen selbst zuviel. Meine selige Mutter deutete noch mit 93 Jahren auf unseren Italienfahrten auf Monumente der Hässlichkeit in Form von Industrieanlagen und Einkaufscentern und spöttelte dabei gerne leicht: „Typischer Renaissancestil, oder war es doch Barock?“ Warum soll man verwüstete Orte aufsuchen, wenn alles Schöne an ihnen in der Erinnerung an ihre nicht mehr existierende Pracht besteht?

Als Gewährsmänner dienen mir zwei Franzosen aus dem 19. Jahrhundert. Der eine ist Charles Baudelaire, der die einzige Schiffsreise seines Lebens enerviert abbrach und sich ansonsten mit imaginären Reisen poetisch tröstete. Die Einladung zu einer Reise an eine Geliebte gerichtet spricht von „feuchten Sonnen“, „Ambraduft“ und „träumenden Schiffen“. Unerreichtes Ideal eines Reiseziels. Der andere, Huysmans, trat als Des Esseintes nicht einmal eine Schiffsreise an, sondern begnügte sich wohlweislich mit einem als Schiffskajüte eingerichteten Zimmer, in dem er seinen Sehnsüchten nach der perfekten Reise nachgab. Es erstaunt uns nun nicht mehr, dass die großen Reisen nur im Kopf stattfanden. Oder, geschätzter Leser, könnten Sie Gullivers Reisen je übertreffen?

Letzte Reisen

Wolfgang Hildesheimer erfand in seinen Lieblosen Legenden eine Figur namens Gottlieb Theodor Pilz, dessen Hauptverdienst darin bestand, die Künstler vom überflüssigen Schaffen abzubringen. Wie gut es der heutigen Welt täte, einen Pilz zu haben, der sich darauf verstehen würde, die Menschen vom Reisen abzuhalten, und sei es nur für einen Tag, konnte man zum letzten Mal während der heilsamen Ölkrise der siebziger Jahre erleben. Damals verwandelten die „autofreien Sonntage“ sonst eher unwirtliche Autobahnen in friedlich vereinsamte Betonpisten, die nur unverbesserliche Großstadtromantiker zum Flanieren einluden. Aber die Stille. Die Abwesenheit des unendlichen Geräuschs.

Meine letzte kleine Reise führte mich nach Karlsruhe, die so schöne badische Kulturmetropole mit einem am barocken Reißbrett erstellten Stadtplan, dessen Straßen strahlenförmig auf das Schloss zulaufen. Weiter muss ich heute von Heidelberg aus nicht fahren, um fremde Menschen zu besichtigen und die ganze Welt zu sehen. Vom Balkan bis zum Hindukusch ist hier alles vertreten und frisch tätowiert obendrein. Dazu promenieren die reizenden Kinder des Landes auf den Straßen, vielleicht 13 Jahre alt und an einem ganz normalen Samstagnachmittag durchaus zu einem sonst Erwachsenen vorbehaltenen Exhibitionismus bereit.

Dann führte mich mein Freund, Papiermacher von Beruf, in die Orangerie und schwärmte von den dort angebotenen geschmelzten Maultaschen mit Kartoffelsalat. Meine Skepsis wuchs, als ich indische Auszubildende bei der Zubereitung der schwäbischen Nationalspeise hantieren sah. Schließlich servierten sie uns etwas Verbranntes und den Geschmack endgültig vernichtendes Scharfes. Über dem ganzen Tag lag dabei eine schmierige Wärme, die Gläser klebten, und Zuhälter fuhren schwarze Limousinen durch die Bürgerstraßen, entlang der verzweifelt erhabenen Häuserfassaden einer anderen, verlorenen Zeit.

Es ist jetzt wirklich genug. Morgen werde ich ein Hotelzimmer im wunderbaren Oberitalien buchen. Ob ich wirklich fahre, weiß ich nicht. Denn immer droht eine Inschrift, die Gustave Flaubert schon im vorletzten Jahrhundert auf seiner Reise nach Ägypten in die Steine einer Pyramide eingeritzt las: John Smith was here.

Nachtrag: Dieser „Reisebericht“ ist aus der Feder eines verbitterten und verhinderten Reisenden geflossen, der sich stets an die Antwort seines Vaters (eines Großreisenden) erinnert, die er ihm auf seine unschuldige Frage gab, wie es ihm immer wieder gelänge, die schönsten Hotels und die feinsten Restaurants zu finden. „Ganz einfach: das Hotel mit den meisten Sternen und das Restaurant mit den meisten Bestecken. Steht alles im Michelin, lies ihn gründlich durch!“

 

REISEZIELE

 

Israel

In der Café-Bude auf dem Golan gibt es Wlan. Eigentlich ist das nicht der Rede wert, denn WLAN gibt’s in Israel überall. Überraschend ist, wie gut hier der Cappuccino schmeckt. Damaskus ist nur 60 Kilometer entfernt, man kann weit nach Syrien und auch in den Krieg dort hineinschauen. Der Guide, ein ehemaliger israelischer Armeegeneral, erklärt uns nur den Geräuschen nach, ob es sich um Mörserraketen oder Artillerie handelt. Wir hören die Einschläge, zittern ein wenig und nippen am Kaffee. Einem von uns fällt ein Kondom aus der Hosentasche. Gekicher. Ist das zynisch? Nein, das ist die Realität. Und, nun ja, auch wenn das wie aus einer Broschüre der Bundeszentrale für Politische Bildung klingt, wir sollten uns das ansehen. Wir Deutschen. Und Bilder von hier per Handy nach Hause schicken.

Jana Hensel war gerade zwei Wochen in Israel, seither trägt sie immer 50 Schekel bei sich

 

Vereinigte Staaten

Mit einem deutschen Touristen holt man keinen Amerikaner hinter dem Ofen hervor. Andersherum gilt: Der große Bruder wird vergöttert oder – diverse Großkriegseinsätze, Antiterrormaßnahmen und Abhörskandale weiter – moralisch desavouiert. Jeder Deutsche hat eine Meinung zu Nordamerika; die wenigsten Amerikaner haben eine zu Deutschland. Eher ist ein Interesse an Osteuropa auszumachen, an Ländern, aus denen die Großeltern zahlloser US-Bürger vor den Nazis fliehen mussten. Man sollte diese Gleichgültigkeit aber nicht mit Ignoranz verwechseln. In New York darf sich der deutsche Tourist einmal von sich selbst entfremden, er kann eintauchen in etwas, das dort wirkmächtiger ist als die eigene historische Bedeutung: in den erstaunlich widerständigen Mythos der Freiheit.

Katharina Teutsch war zur Zeit des Credit-Crunch in New York. 2013 erlebte sie die Stadt nachdenklicher

 

Türkei

Die Türkei brodelt für oder gegen Erdoğan, aber wer es als Tourist so will, kriegt nichts davon mit. Zurzeit ist Ramadan und Hochsommer. Das heißt vor allem für die konservativen Gegenden des Landes: Leben in Zeitlupe. An der türkischen Ägäis, die vom Fremdenverkehr lebt, kümmert das viele Einheimische wenig. Touristen dürfen quasi alles. Auch Muslime tolerieren das. Seit ich gröhlende Biertrinker im Eingang einer Moschee erlebte, rate ich dennoch zu Respekt! Die türkeiweite Widerstandsbewegung hält sich noch zurück, sie plant Aktionen für die Zeit nach Ramadan. Sind Ausländer gut beraten, da mitzumachen? Hat mit persönlicher Einstellung und mit Mut zu tun. Die Polizei hält mit Pfeffergas und Wasserwerfern dagegen. Wer sich da lieber raushält, genießt Sand, Strand, Kultur. Milet, Priene, Ephesus.

Henner Michels bloggt als weinsztein auf freitag.de und lebt auf der Bodrum-Halbinsel an der türkischen Ägäis

 

Spanien

Deutsche trinken gerne und viel Bier, interessieren sich ansonsten für den Strand, bekommen schnell einen Sonnenbrand und sind vor allem: wohlhabend. Soweit die Klischees. Geändert hat sich an dieser Vorstellung seit der Wirtschaftskrise wenig. Statt mit Merkels Austeritätspolitik sind die Spanier derzeit sowieso mit der Korruptionsaffäre ihrer Regierungspartei (PP) beschäftigt. Touristen könnten diesen Moment nutzen, um unauffällig ihr Image aufzupolieren. Mit einer Kiste Bionade in die spanischen Berglandschaften fahren etwa, Sunblockervorräte anlegen und die Urlaubsnachmittage im lokalen Kino verbringen statt am Meer. Oder die ultimative Solidaritätsgeste: in Barcelona durch leichtfertigen Handtaschengebrauch die gerechte Umverteilung fördern. Olé!

Juliane Löffler lebte 2006 als Au-Pair in der Nähe von Barcelona. Seither fährt sie regelmäßig nach Spanien

 

Schweiz

Eine Reisewarnung besteht noch nicht. Aber man kann als Deutscher jederzeit als „Nazi“, „Schwabe“, „arrogantes Arschloch“ oder „elender Besserwisser“ beschimpft werden. In Zürich wurde ein deutscher Tourist von den eigenen Landsleuten sogar in die Limmat geworfen – obschon die Deutschen bereits ein Drittel der Bevölkerung stellen, stehen sie immer noch unter extremem Integrationsdruck – und in Siders (Wallis) wurde ein hessischer Rentner, man wagt es kaum zu schreiben, zusammengefurzt. Woher die Vorbehalte? Minderwertigkeitskomplexe heißt es, oder „die Geschichte“, unvergessen auch das Buch Mein äußerst schwer erziehbarer schwuler Schwager aus der Schweiz von Max Goldt. Was tun, wenn Gefahr droht? Einen auf Chinesen machen. Die sind gerne gesehen, der Handel mit ihnen blüht.

Michael Angele ist in der Schweiz geboren und groß geworden. Im August wird er wieder dorthin reisen

 

Russland

Wer als Tourist in Moskau unterwegs ist, sollte aufpassen, dass er nicht zufällig in einer ungenehmigten Demonstration landet. Die Auseinandersetzung mit der Polizei ist nämlich nicht zu empfehlen. Am Aufgebot der Staatsbeamten erkennt man die Demos wiederum leicht: Meist sind sie zahlreicher vertreten als die Protestierenden. Wer sich als Homosexueller outet und öffentlich Zärtlichkeiten austauscht, kann ausgewiesen werden. Allgemein haben die Deutschen in Russland übrigens ein überraschend gutes Image. Pünktlichkeit, Sauberkeit, Ordentlichkeit – diesen Klischees können weder die historische Vergangenheit noch Angela Merkel etwas anhaben. Die meisten Russen kriegen von der deutschen Politik kaum etwas mit. Deutschland gilt als wirtschaftliches Paradies.

Christoph Laug hat als Austauschstudent und Zivildienstleistender insgesamt dreieinhalb Jahre in Russland gelebt

 

Italien

Wenn Sie Auto fahren, dann in touristischem Tempo, das heißt sehr, sehr langsam, die herrliche Landschaft genießend. Bremsen Sie, oder fahren Sie an die Seite, damit die Verrückten überholen können. Das mögen die Italiener sehr und sagen mit Bewunderung: was für ein großartiges Volk, die Deutschen! Verderben Sie sich diese rar gesäten Sympathien nicht, indem Sie nach zwölf Uhr Cappuccino trinken. Auch dann werden Sie als Deutscher erkannt – und belächelt. Cappuccino nach dem Lunch ist absolut verboten. Cappuccino nachmittags ist Unsinn, Cappuccino zum Abendessen Blasphemie. Bestellen Sie Caffè, also Espresso. Was die Meinung zu Berluska“ angeht, hören Sie den widersinnigen Argumenten der Berlusconi-Fans geduldig zu, und sagen Sie direkt, wie idiotisch das klingt.

Maxi Leinkauf ist regelmäßig in Italien und geriet zuletzt im Juni in eine leidenschaftliche politische Diskussion 

 

Griechenland

Wer All-Inclusive auf Mykonos bucht, kann hinterher vielleicht wirklich nur von Ouzo-Delirien, fettigem Essen und saurem Wein erzählen. Es geht aber auch anders, zum Beispiel in Athen. Gegen die Hitze gibt es einfache Strategien: tagsüber an den Stadtstrand Glyfada oder ins Akropolis-Museum, das eine 1-a-Klimaanlage, sensationelle Originale und einen lehrreichen Nachbau des ursprünglichen Parthenons besitzt. Später kann man im links-alternativen Viertel Exarchia auf einem Hausdach im Vox-Kino alte Cannes-Gewinner schauen. Wer sich nicht benimmt, als gehöre ihm als deutschem Steuerzahler das Land, wird überall freundlich empfangen. Gerade hat die Regierung sogar die Mehrwertsteuer für Restaurants gesenkt. Um auf Nummer sicher zu gehen, lässt man die pastellfarbenen Blazer eben zu Hause.

Christine Käppeler war 2011 und 2012 in Athen und auf Hydra. Sie würde am liebsten gleich wieder hinfahren 

 

Frankreich

Das süße Café mit roter Markise, daneben die Markthalle mit frischem Fisch und die kleine Boutique: So sieht das Postkarten-Paris aus. Nicht wenige Touristen verfallen daher in Depressionen, weil die Erwartungen mit der Realität so wenig zu tun haben. In überteuerten Bistros kostet ein Glas Cola schon mal sieben Euro. Und in keiner Stadt Europas werden Touristen so massiv beklaut. Das Diebesgut wird auf 1,3 Millionen Euro Jahresbeute geschätzt. Deutschen Touristen begegnet man aber überwiegend freundlich. Die viel beschriene Germanophobie bezieht sich vor allem auf Angela Merkel. Aber auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann man sich auf Frankreichs Landschaft, 5.500 Kilometer Küste allein im Hexagon, und auf exotische Überseedepartements wie die Inseln La Réunion oder Martinique verlassen.

Romy Strassenburg lebt seit 2009 in Paris und arbeitet als freie Journalistin für deutsche Medien 

 

Ägypten

Ihr Bikini ist weiß und hat rote Punkte. Meine Freundin hatte ihn sich extra gekauft. Eine Woche am Roten Meer: Kamele reiten, Hummus futtern, Fische gucken. Ihr Mann ist Ägypter, die Reise war lange geplant. Davor Zwischenstopp bei den Schwiegereltern in Kairo. Mit jedem Tag wurde ihr Gesicht länger. Wieder Proteste, wieder Tote. Wir sollen in Dahab in der Sonne liegen, während hier Menschen sterben? Tage des Grübelns. Wie wäre stattdessen Tempelschau in Luxor? Nilfahrt nach Assuan? Museumsbesuch in Alexandria? Aber das ägyptische Fernsehen zeigt Panzer und Militärparaden. Und viele Demonstranten auf dem Tahrir-Platz. Sollen wir mitprotestieren? Im Urlaub? Am Ende blieben sie in Kairo. Und gingen in einem Hotelpool schwimmen. Der Bikini stand ihr gut.

Andrea Backhaus lebt seit diesem Sommer in Kairo und berichtet von dort als freie Korrespondentin

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