Kathrin Hartmann
01.03.2013 | 11:00 35

Frühstücksei mit gutem Gewissen?

Alltagskommentar Wieviel Wirkung hat Konsumentendemokratie? Der aktuelle Eier-Skandal legt offen, dass die Struktur des Massenmarktes nicht per Kaufentscheid geändert werden kann

Frühstücksei mit gutem Gewissen?

Foto: Marcus Posthumus/ AFP/ Getty Images

Als ich das letzte Mal im Bioladen war, sah ich dabei zu, wie eine Frau zum Bio-Dosen-Thunfisch und der Bio-Salami-Tiefkühlpizza Bio-Eier in den Einkaufswagen legte. Um den Hals trug sie einen Kragen aus echtem Pelz. Ich habe solche Szenen so oft beobachtet, dass sie für mich zum Symbol des „ethischen Konsums“ geworden sind: Einkaufen wie immer – mit gutem Gewissen oben drauf. Wenn nur genug Leute „nachhaltige“ Produkte kaufen, so die Idee, dann stellen die Unternehmen nur noch „gute“ Produkte her. Bei den Eiern hat diese „Konsumentendemokratie“ auch Wirkung gezeigt: Abgeschreckt von Bildern schwer verletzter Hühner in engen Drahtkäfigen verlangten die Kunden nach tiergerecht produzierten Eiern. Aus Käfighaltung bekommt man heute nur noch selten welche. In Supermärkten und Discountern gibt es Freiland- und Bio-Eier, auch im Bioladen sind die Regale stets voll. Denn seit man sie mit gutem Gewissen kaufen kann, steigt der Konsum: 18,6 Milliarden Eier jedes Jahr, macht pro Kopf 230 Eier. Zwei Millionen Bio-Eier werden täglich verkauft. Kann es wirklich sein, dass diese gigantische Menge von „glücklichen Hühnern“ kommt?

Wer glaubt, Bio-Eier stammten von Hühnern, die idyllisch über den kleinen Hof scharren, täuscht sich. Die Produktion von Eiern ist nur massenhaft rentabel. Nur so können Betriebe an Supermärkte und Industrie liefern. Das gilt teils auch für Premium-Bio: Der größte Eierproduzent, den der Bio-Verband Demeter zertifiziert hat, hält 24.000 Hennen. Fast alle Bio-Eier im Supermarkt und Discounter stammen aus industriellen Großbetrieben, die zusätzlich eine Bio-Nische betreiben. Ausgerechnet die größten Eierproduzenten, die Profit mit der Massenhaltung machen, dominieren auch das Bio-Geschäft. Je größer die Betriebe, desto schwieriger Kontrollen, desto wahrscheinlicher Tierquälerei.

Der aktuelle Eier-Skandal legt nicht nur offen, wie schlecht die Einhaltung von Gesetzen in Deutschland kontrolliert wird. Sondern auch, dass die Struktur des Massenmarktes, die nie dem Wohl von Mensch, Tier und Umwelt dient, sondern allein dem Profit, nicht per Kaufentscheid geändert werden kann. Das geht nur mit dem unbedingten politischen Willen, die industrielle zugunsten einer ökologischen Landwirtschaft abzuschaffen. Und das bedeutet: Weniger ist mehr. Ein Frühstücksei pro Tag ist dann nicht mehr drin. Auch nicht bio.

Kommentare (35)

Meyko 01.03.2013 | 12:40

Der Verbraucher wird mit seinem Verhalten häufig nicht nur indirekt und "hinterrücks" für die Lebensmittelqualität verantwortlich gemacht.

Und deshalb hier noch einmal eine erwiterete Liste von unterstellten Eigenverantwortlichkeiten der Bürger.

Denn angeblich:

steuern wir mit dem Kaufverhalten unsere Ernährungsqualität;

bekommen alle mit einer guten Ausbildung, auch einen ordentlichen Arbeitsplatz;

beherrschen wir mit dem Verbraucherverhalten unsere Energiepreise;

verschmutzen wir mit dem industriell hergestellten Verpackungsmüll die Umwelt;

bekommen wir das TV-Programm, welches wir verlangen;

befeuern wir mit unserem Wohnverhalten die steigenden Mietpreise;

beeinflussen wir mit dem Leserverhalten den Medien-, bzw. Zeitungsmarkt

und steuern wir mit dem Userverhalten das Internet.

Das ganze mag einander ja teilweise beeinflussen, aber die meisten Bürger haben doch eigentlich ihre Vertreter nicht gewählt, damit ihnen in schwierigen Zeiten gesagt wird, sie seien doch irgendwie auch selbst Schuld. (Beitragsteile übernommen von hier)

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Ehemaliger Nutzer 01.03.2013 | 13:28

Eine Konsumenten- oder Marktdemokratie ist nichts anderes als eine moderne Feudalgesellschaft, in der nicht mehr Parlamente mittels Gesetzen die Gesesllschaft und die Märkte ordnen.

Jeder Wochenmarkt ist besser geordnet als die uns immer wieder angepriesene Konsumenten- oder Marktdemokratie. Für die Ordnung der Märkte gibt es Wettbewerbsregeln, Kartellbehörden und leider keine durchgreifenden Strafen. Nur wenn alle drei Instrumente benützt werden, kann man die Produzenten unter Kontrolle bringen. Und das ist bitter nötig.

Helmut Eckert 01.03.2013 | 18:40
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! ( Lenin) Leider gibt viel zu wenig Lebensmittelkontrolleure in den Kreisen und Kommunen. Das wissen auch die Hersteller der Lebensmittel. eine Lösung wäre die Einführung einer direkten Abgabe des Herstellers an den Staat. Pro Einzelerzeugnis von etwa 0,02 Cent. Mit diesem Geld könnte der Staat eine bundeseinheitliche Kontrollbehörde die über das ganze Bundegebiet verstreut ist. Dafür müssten die Länder auf ihre Kontrollhoheit verzichten. Daher nur eine Illusion!
sven 02.03.2013 | 09:44

"Das geht nur mit dem unbedingten politischen Willen, die industrielle zugunsten einer ökologischen Landwirtschaft abzuschaffen."

Und dieser Wille kann nur zustande kommen, wenn eine Mehrheit der BürgerInnen und VerbraucherInnen dies auch so will. Mit der Folge, dass ein Ei dann ab 0,40 € aufwärts kosten wird, da eine vernüftige Hühnerhaltung (die es ja gibt, vor allem bei demeter und Bioland Betrieben) nun mal mehr Aufwand und Kosten bedeutet (und engagierte Bauern).

Die wenigsten Menschen wollen diese 0,40 € aufwärtst ausgeben (und die Mehrheit der Deutschen hätte das Geld dafür, setzt nur andere Prioritäten)  Insofern sind weitgehnd die Verbraucher die Auftraggeber für Massentierhaltung und Tierleiden. Die Industrie (das Angebot) bedient die Nachfrage. Diese Nachfrage ist das eigentlich kranke am System.

Warmduscher 02.03.2013 | 14:32

sven 02.03.2013 | 09:44:

"Die wenigsten Menschen wollen diese 0,40 € aufwärtst ausgeben (und die Mehrheit der Deutschen hätte das Geld dafür, setzt nur andere Prioritäten)  Insofern sind weitgehnd die Verbraucher die Auftraggeber für Massentierhaltung und Tierleiden. Die Industrie (das Angebot) bedient die Nachfrage. Diese Nachfrage ist das eigentlich kranke am System."

Sven was ist denn krank daran, wenn der Verbraucher günstige Produkte kauft? Wer garantiert denn, das ein höherer Preis den Tieren zugute kommt? Grade dieser Bericht legt doch nahe, dass dieser Zusammenhang eben nicht existiert.

 

Ich muss leider glauben ihre Sicht auf die ganze Angelegenheit ist reichlich blauäugig.

sven 02.03.2013 | 14:53

Ich erwähnte Demter und Bioland Stadards für Bio-Eier. Da bekommen sie schon eine Garantie, dass der höhere Preis nicht auf Luft aufbaut.

Es ist in der Tat "krank", wenn Verbraucher dermaßen billig Lebensmittel einkaufen, wie dies in der Masse geschieht. kein Deutscher würde erwarten, einen Mercedes zum Preis Gebrauchtwagens zu bekommen. Bei den Eiern erwarten dagegen alle Qualität, obwohl sie dafür nichts bezahlen wollen. Mich persönlich schrecken Billig-Preise bei Lebensmitteln ab. Und ich finde das sehr gesund.

Meyko 02.03.2013 | 18:09

Ich habe auch gerüchteweise davon gehört, dass die Hersteller aller Produkte die Qualität erhöhen würden, wenn wir nur bereit wären entsprechend mehr zu zahlen. Systembedingt nötige Gewinnspannen und Expansionsgedanken, als auch Rücklagen für die Firma, das Alter oder die Erben, würden sie dabei selbstverständlich hintanstellen. Es sei zudem dann keinesfalls mehr ihr Bestreben, sich im konkurrierenden Markt über den Preis zu behaupten. Irgendwann wäre die Gewinnspanne ja schließlich auch mal ausreichend.

Das alles würde letztendlich der Verbraucher durch sein Kaufverhalten bestimmen.

Na und wir wissen doch alle, so ein Gerücht ist um die halbe Welt, bevor sich die Wahrheit auch nur die Stiefel angezogen hat...

Meyko 02.03.2013 | 18:22

Das vielleicht noch:

Es geht doch bei den Eiern gerade darum, das die Leute mehr für "Bio" bezahlt haben und offensichtlich aus profitstreben betrogen wurden. Es geht klar um Industrieinteressen. Verbraucher die sich oder "ihresgleichen" dafür verantwortlich machen, stellen sich selbst ein Bein.

Nicht jeder kann, so wie ich, beim Bauern seines Vertrauens kaufen.

weinsztein 03.03.2013 | 04:12

Eier aus Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung, die Menge der darin enthaltenen Schadstoffe dürfte in etwa gleich sein. Den geringsten Befall an Salmonellen hätten Eier aus Bodenhaltung, sagte mir ein Eier- und Geflügelhändler vor einigen Jahren auf dem Wochenmarkt. Ich weiß nicht, ob das stimmt.

Seit zwei, drei Jahren heißt es, dass Eier "cholesterinneutral" seien im Sinne einer Balance von "gutem und schlechtem" Cholesterin.

Weiß da jemand mehr?

apatit 03.03.2013 | 09:01
Kauf doch mal Eier vom Land. Was stellst Du fest, Eigelb ist manchmal fast weis, gelblich, selten knallgelb. Die Dinger im Supermarkt haben so ein tolles einheits- supergelb wo man sich auch fragen sollte, wie bekommen die das hin!? Da wird doch auch nachgeholfen, für den Verbraucher, alles hat doch schön zu sein, das Auge isst ja bekanntlich mit. Tricksen, täuschen und Profit – da wundert man sich noch? Und mit den Cholesterin in Ei, dass soll auch nicht mehr so schlimm sein. Natürlich weiß ich nicht welcher Gutachter für welchen Industriezweig verantwortlich war. ( Pharma oder Lebensmittel )
sven 03.03.2013 | 09:37

Die Leute haben mehr bezahlt, als für das konventionelle Ei. Das stimmt. Und sie wurden dabei von einigen Berieben betrogen, auch das stimmt.  ABER sie haben ein "Billig-Bio" Produkt im Supermarkt gekauft. Der Preisdruck gegenüber den Herstellern ist entsprechend hoch.

Anders sieht das aus, wenn sie Bio-Eier in Premium Qualität kaufen. Für ein Ei vom z.B. Vorzeigebetrieb Demeter Bauck-Hof bezahle ich ca. 0,50 € das Stück. Da weiß ich aber auch, was ich habe. Und die Strukturen dahinter sind klar und deutlich.

Doch um so produzieren zu können, vor allem auch für die Masse, müsste die deutsche Landwirtschaft komplett umstrukturiert werden. Auf Kosten des Geldbeutels der Verbraucher. Und das wollen diese nicht. Die sparen ihr Geld lieber für ein teures Auto.

Verwendungszweck 03.03.2013 | 11:16

»Um den Hals trug sie einen Kragen aus echtem Pelz. Ich habe solche Szenen so oft beobachtet, dass sie für mich zum Symbol des „ethischen Konsums“ geworden sind«

Und Lederschuhe auch noch? Knöpfe aus echtem Horn? Ja, sind wie im Irrenhaus?

»Einkaufen wie immer – mit gutem Gewissen oben drauf.«

Das gute Gewissen ist das Versprechen dieser Label!

Ich bin einigermaßen entsetzt, dass hier wieder so billig ein dummer, sich falsch verhaltender Konsument vorgeführt wird. Egal, wie unsympathisch einer dieser Konsumenten auch immer sein mag. Er hat praktisch keine Einfluss, wie die Waren tatsächlich produziert werden!

Merkt ihr denn nicht mehr, dass euch die Pseudoaufklärung (Der Konsument hat Kaufmacht) in eine Märchenwelt entführt hat, die ein Wirksystem vorspiegelt, das es in der echten Warenwelt, wo der Konsument nie alle Produktionsfaktoren in Erfahrung bringen kann, nicht gibt!?

Die Konsumenten haben keine Ahnung, wie die Waren hergestellt werden oder wie die Stoffe heißen, die drin sind, und wozu sie gut sind!

Selbst wenn die Hersteller und Händler gezwungen werden, Teile dieser Informationen offen zu legen, verstehen die meisten Konsumenten immer noch nicht, wie schädlich oder wie unschädlich diese Ingredienzien sind. Teils weiß das nicht mal der Warenproduzent.

Wenn ein Minimum Mehr an Verbrauscherschutz bestehen soll, geht das nur mit staatlicher/unabhängiger Kontrolle. Alles andere ist märchen-liberale Verschleierungspropaganda.

fuerTiere 03.03.2013 | 20:16

- Männliche Küken werden direkt nach der Geburt getötet
- Den Legehennen wird unter Schmerzen der Schnabel gekürzt
- In der Natur legen Hühner einmal im Jahr Eier
- Heutige "Lege-"hennen sind soweit qualgezüchtet, dass sie fast jeden Tag ein Ei legen müssen
- Durch den Dauerstress kommt es zum Federrupfen, bis hin zum Töten der Artgenossen
- Nach ca. 15 bis 18 Monaten werden die Legehennen geschlachtet, da die Legeleistung nachlässt

sven kyek 04.03.2013 | 10:05

Ich weiß nicht welchen Alters die Autorin und die Foren -Leser und Schreiber sind . Ich durfte als Ossi  Mitte der 70iger Jahre folgenden West-Film im Kino sehen und erinnere , ihn  Damals als fiktive Comedy abgetan zu haben . Zu Recht ?

Brust oder Keule ist eine französische Filmkomödie aus dem Jahre 1976. Unter der Regie von Claude Zidi ist Louis de Funès in der Hauptrolle zu sehen. Der Film ist eine Satireund Parodie auf die Industrialisierung der Lebensmittelherstellung sowie den Mikrokosmos der (insbesondere französischen) Fei

Warmduscher 04.03.2013 | 13:46

fuerTiere 03.03.2013 | 20:16

"- Männliche Küken werden direkt nach der Geburt getötet
- Den Legehennen wird unter Schmerzen der Schnabel gekürzt
- In der Natur legen Hühner einmal im Jahr Eier
- Heutige "Lege-"hennen sind soweit qualgezüchtet, dass sie fast jeden Tag ein Ei legen müssen
- Durch den Dauerstress kommt es zum Federrupfen, bis hin zum Töten der Artgenossen
- Nach ca. 15 bis 18 Monaten werden die Legehennen geschlachtet, da die Legeleistung nachlässt"

 

Beiträge dieser sind der Grund, warum Veganer beim Rest der Bevölkerung so unbeliebt sind. Würde von dieser Seite nicht mit solchen Halbwahrheiten  gehetzt werden, dann könnte sich ein ordentlicher Dialog entwickeln. Aber wer will schon so eine alberne Propaganda hören?

luggi 04.03.2013 | 20:44

Ach weinsztein, du solltest weniger Kochbücher lesen ... die vernebeln das Denkvermögen. Jeder Mensch, der anfängt sich medizinisches Grundlagenwissen zu erarbeiten, lernt, dass der Mensch Cholesterin selbst produziert. Er lernt auch, dass Nahrungsmittel durch Enzyme aufgespalten werden. Jetzt nimm dir ein paar Minuten Zeit zum Nachdenken.

Für die anderen Leser zitiere ich aus dem Paperback "Prost Mahlzeit!" von Pollmer, Fock, Gonder, Haug auf Seite 75: ... Cholesterin, das jedoch nur zu ungefähr 30-60% im Dünndarm aufgenommen wird. Wird cholesterinreiche Nahrung angeboten, so produziert der Körper entsprechend weniger. Mit diesem Selbstregulations-Mechanismus sorgt er dafür, dass der Cholesterinspiegel im Blut ernährungsunabhängig immer auf einem individuell gesunden, stabilen Niveau bleibt. Kürzlich staunte die medizinische Fachwelt über einen alten Herren, der nachweislich mindestens 15 Jahre lang jeden Tag zwei Dutzend Eier vertilgt hatte. Zur allgemeinen Verwunderung lag sein Cholesterinspiegel ziemlich niedrig, nämlich unter 200 mg% (mg pro 100 ml Blut). Entsprechende Versuche mit jungen Männern ergaben, dass auch ein hoher Eierverzehr keinen Einfluss auf »das Cholesterin« hat.

Also, mein lieber weinsztein, es ist Schnurzpiepegal, wie hoch der Cholesterinspiegel im Ei ist und wieviele Artikel darüber von Journalisten und Köchen geschrieben werden.

Das Problem, dass der Mensch mit dem Cholesterin hat, ist ein inneres. Das begreift aber nur jemand, für den es kein gutes oder schlechtes Cholesterin gibt.

billie 05.03.2013 | 08:05

Es ist schon komisch, dass das Scheitern der Konsumentenmacht beim Bio-Ei nicht an der Macht der Konzerne zu liegen scheint, sondern an den 'ignoranten' Konsumenten. Wenn man auf dieser Argumentation heraus eine Loesung will, sollte man vielleicht konsequenterweise Anreize anvisieren, damit Leute lernen richtige und verantworungsbewusste Konsumenten zu werden. Bonushefte waeren denkbar, wenn man beispielsweise Kurse besucht oder den Kauf von ordentlichen Bio-Eiern nachweisen kann, aber natuerlich auch von Wurst, Butter, Milch, Brot, Kaffee, etc. Oder Strafen fuer falsches Kaufverhalten, wenn das nicht ausreicht.

Und waehrenddessen, waehrend die Konsumenten eine rein private Loesung anstreben, arbeiten die 'Interessen'-Gruppen der groessten Konzerne an der Ausarbeitung von Gesetzen mit, die alle moeglichen Kontrollen umgehen. Das Kapital hatte schliesslich noch nie ein Problem damit, sich den Staat anzueignen, wenn die eigene Unternehmens-gesundheit im Mittelpunkt steht.

Columbus 05.03.2013 | 12:41

Volle Zustimmung Frau Hartmann,

Der Konsument ist nicht in der Lage die Produktionsbedingungen nachhaltig durch sein Verhalten zu ändern. Er hat auch nicht das Wissen, sich unter der Vielzahl der Produkte das biologisch und gesundheitlich beste Produkt auszuwählen. Er verfügt nicht einmal mehr über die Fähigkeit, Qualitätskriterien gerecht einzuschätzen, und die Geschmacksdifferenzierung gelingt selten in dem Sinne, damit das beste Produkt auszuwählen.

 So täuschen Schalenfarben, Dotterfarben, normierte Eigrößen und Idealformen bei Eiern Qualitäten vor, die in Wirklichkeit nur eine Zucht- und Haltungsmanipulation auf die optischen, dem Verbraucher ankonditionierten und von diesem dann bevorzugten Vorstellungen sind. Für alle diese Kriterien muss nicht nur gezüchtet, sondern auch mit entsprechendem Futter und Futterzusätzen nachgeholfen werden. Die Sortierprozesse, bis dann die sechs oder zehn verkäuflichen Normeier der Stufen Bio, EU-Bio und konventionell, der Haltungsformen, Käfighaltung, Bodenhaltung, Freilandhaltung, der verschiedenen Gewichtsklassen, in den Regalen stehen, sie kosten Geld und verteuern die Produkte unnötig.

Die Käfighaltung war, bis zu ihrer Abschaffung in Deutschland, bezüglich der eingesetzten Futtermittel, des Platzbedarfs und der Energiekosten, die nachhaltigste Produktionsform, wenngleich nicht artgerecht und, aufgrund der Produktionsstättengrößen, Türöffner für Missbrauch und Schlampigkeit.

Ein Problem der etwas artgerechteren Legehennenhaltung ist z.B., dass durch jahrzehntelange, einseitige Zuchtlinienauswahl, für diese Haltungsformen gar keine angepassten Hühnerarten für die Massenhaltung zur Verfügung standen. Das verteuerte die Produktion und bedingte den ausufernden Einsatz von Antibiotika und Futtermittelsystemen mit Zusatzstoffen. Häufig waren daher Bodenhaltungsbetriebe für Hygieneskandale verantwortlich, bis nun neuerdings die Freilandhaltung sich zum Einfallstor für Keime entwickelte. Nur langsam setzen sich robustere Arten durch, die zwar eine geringer Legerate aufweisen, aber eine höhere Tiergesundheit erreichen.

Cholersterin im Ei (Weinsztein), ist eine Sache die Leute angeht, die an einer schweren Fettstoffwechselstörung leiden, oder als Hochrisikopatienten für einen Herzinfarkt, Aneurysmen oder Schlaganfälle zu gelten haben. Eine Cholesterinsenkung als Prophylaxe für diese Risiken, ist statistisch, d.h. an einer großen Zahl von Behandlungsfällen belegt, nur bis zum Alter von 55 Jahren erwiesen. Darüber hinaus sind Cholesterinsenkungen mit Medikamenten oder spezieller Ernährung nicht nachweisbar hilfreich um die Mortalität und Morbidität zu senken. Was aber hilft, das ist tägliche Bewegung und langsame Gewichtsreduktion. Eier heutiger Hühner haben etwas weniger Cholesterol (10-12%) aber immer noch reichlich davon.

Der Körper produziert jedoch das meiste Cholesterin aus gesättigten Fetten! Da schließt sich der Kreis, weil Leute, die sich gerne ein halbes oder ganzes Dutzend Spiegeleier als Herrenfrühstück und/oder Alkoholgrundlage in die Pfanne schlagen, leider häufig auch eine Menge gesättigter Fette zum gleichen Zweck vertilgen.

Ganz grundsätzlich sind Eier, vor allem wenn sie frisch zubreitet oder verarbeitet werden, ein hervorragendes Lebensmittel. Sie bieten alle B-Vitamine, besonders Vitamin B-12, Selen, Phosphor, Zink und Iod, Pro-Vitamin D (besonders reichlich), sowie Eiweiße mit essentiellen Aminosäuren und auch Fette (Dotter), in einer sehr gut verdaulichen Form. Wer häufiger Eier isst, der schadet seiner Gesundheit nicht durch deren natürliche Inhaltsstoffe, sondern allenfalls durch die Rückstände der industriellen Produktionsbedingungen in belasteten Frischeiern (Medikamente, Futtermittelrückstände, Krankheitserreger) oder Sekundärprodukten. Das ist entscheidender, als die Frage nach dem Cholesterin.

Gut, dass sie die Zahlen sprechen lassen, Frau Hartmann. Der ganze, nun schon fast drei Jahrzehnte anhaltende Kampf um eine nachhaltige Landwirtschaft hat gerade einmal 5% des Produktion umgestellt. Nach strengeren Kritierien sind es gerade einmal 2, 5 %! Der Rest wird weiterhin nach industriellen Maßstäben, die sich zwar „intergierte Landwirtschaft“ oder eine Sufe feiner „EU-Bio“ nennen und sich angeblich der besten verfügbaren Praxis bedienen, aber in Wahrheit auf die Stückkosten ausrechnen wie hoch Einsatz und erwartbarer Gewinn sind, produziert und mit 55 Milliarden Euro von der EU subventioniert. Der Verbraucher spielt dabei eine durchaus marginale Rolle, denn mittlerweile weiß man, er steht vorzüglich auf Optik.

Tatsächlich stehen Marktpreise und meßbare Produktqualitäten in keinem direkten Zusammenhang.

So sind z.B. kleine Eier oder nicht normgeformte Eier, ebenso wie unregelmäßigschalige Eier, solche die gröbere Schalenteile oder eine „unnatürlich“ anmutende Schalenfärbung aufweisen, am Markt nicht verkaufbar. Sie wandern in die Massenproduktion von Eiklar und Flüssigdotter, von Eiweiß-Trockenkonzentraten, usw., für die weiterverarbeitende Lebensmittelindustrie oder sie werden weggeworfen, weil selbst dieser Transport und Nutzungsweg zu teuer ist. Hingegen große Eier, mit schöner Schalen- und Dotterfarbe und wohlgeformt-glatt, für die meist kräftig bei Zucht und Futter nachgeholfen werden muss, die  Renner am Markt (Aufschrift „Landeier“) sind.

 Ganz verrückt wird es zur Osterzeit. Da vertilgen die Deutschen Eier, die wochenlang herum lagen, Hauptsache sie sind bunt bemalt und stahlhart gekocht.

 Beste Grüße

Christoph Leusch

Warmduscher 05.03.2013 | 15:33

"dh 05.03.2013 | 11:26 @Warmduscher

Hätten Sie die Güte darzulegen, welche der zitierten Aussagen Sie für halbwahr halten und wie Sie darauf kommen?"

 

Klar, wenn der Ursprüngliche Threadersteller seine Aussagen mit Belegen ausgestattet hätte wär so eine Forderung sicher gerechtfertigt. Soll doch die Anklage erstmal ihre Beweise vorlegen!

 

Was mich aber am meiosten stört, falls das die Frage war, ist der Satz "in der Natur legen Hühner einmal im Jahr Eier." und der Ausdruck "qualgezüchtet". Letzterer ist für mich einfach völliger Unsinn, es wäre qualkommentiererei darauf zu reagiern. Außerdem widersprechen sich beide Aussagen: Wenn diese Hühner das Ergebnis einer massiven Veränderung durch extreme Züchtung sind, dann kommen sie so in der Natur nicht vor und können daher auch dort nicht mehr oder weniger Eier legen. Was der Ersteller evtl sagen wollte war, dass es Vogelrassen gibt die weniger Eier legen. Aber was sagt das schon aus?

 

Wenn diese Hühner nur halbsoviele Eier legen würden, dann wäre das Ergebnis, dass doppelt so viele Hühner gehalten würden, denn die Menschen würden nicht weniger kaufen wollen und die Industrie würde den Bedarf stillen wollen.

 

Dann die Aussage, den Hühnern würden die Schnäbel gekürzt. Wäre es nicht ganz fantastisch, wenn man die Tiere so züchten könnte, dass dieser Schritt zukünftig unnötig würde? Aber das fällt wohl wieder unter "Qualzucht".

Kerzenlicht 07.03.2013 | 20:18

Ganz so ist das leider nicht. Die Industrie schaft oft erst Nachfrage, um siew bedienen zu können. Nicht umsonst wierden für Werbung Unsummen ausgegeben, die doch auch den Profit verringern. Aber es rechnet sich. Schauen Sie sich mal die Werbung genau an. Da wird nicht nur ein Produkt angeprisen, sondern ein konkretes Lebensgefühl vermittelt. Aktive intelligente Menschen, die mit sich und ihrem Leben zufrieden sind, nehmen ein spezielles Produkt oder eine Gruppe, die eine Menge Spaß hat und das nur durch ein bestimmtes Getränk, Mütter, die Süßigkeiten als gesund für ihre Kinder bewerben usw.

Dass Konsumverzicht bei dem heutigen Kampf um Kunden die Industrie stört, kann man am Umgang mit Ehec sehr gut erkennen. E-coli sind Darmbakterien und dieser spezielle Keim stammte laut WHO aus der Milchproduktion. Das wusste mit Sicherheit auch die Regierung und das Robert-Koch-Institut. Trotzdem wurde eine Kampagne gegen Bio-Gemüse und, um noch eins draufzusetzen, gegen einen veganen Sprossenhersteller durchgezogen und die Leute wurden belogen, dass sich die Balken bogen. Die unwissenden und verunsicherten Verbraucher, die nur mal nebenher Bio gekauft haben, sind auch darauf reingefallen. Veganer, die sich zwangsläufig mit Ernährung gut auskennen nicht. Die Ehec-Lüge zeigt, dass die Agrarindustrie anch den vielen Fleischskandalen Angst hatte, noch mehr Kunden zu verlieren. Ergo bringt Konsumverzicht etwas und es nützt in dem Fall obendrein der Umwelt, den Tieren und der eigenen Gesundheit. Genuss gibt es auch vegan, dass kann ich bestätigen.

flosyforever 09.03.2013 | 10:28

Ich kann in der Großstadt auf dem Wochenmarkt von kleinen Anbietern, deren (echte!) Bio-Höfe man auch besuchen kann, Eier, Gemüse und Fleisch beziehen. Die ackern noch selbst, was sie vermarkten. Also: echt bio geht, und zwar regional und lokal! Kontrollen bis zum geht nicht mehr sind nur erforderlich bei diesen ewig langen Wegen und Misch- und Massenproduktionen.

 

Und zum Echtpelz: Ich besitze einen Kurzmantel aus Kaninchenpelz.  Ich verstehe nicht, warum das gelegentlich zu abfälligen Kommentaren führt. Mit Lederjacke oder Lederschuhen/Taschen passiert einem das nie.  Ich esse (sehr selten und nur Bio) Fleisch und ziehe mir gern meinen Pelz bei Minusgraden an, besonders, wenn ich dann länger im Garten arbeite. Der nimmt auch nicht so den Geruch vom anschließenden Feuer an. Die Upper-Class würde mich auslachen für meinen Karnickelpelz und eine andere Gruppe hält mich wohl für einen Angeber, die dritte für einen herzlosen Tierhautträger.  Also, der Pelz allein macht noch nicht den Snob, bitteschön.