Jens Berger
06.11.2009 | 14:15 19

Gut, dass wir drüber geredet haben

Wikipedia In Berlin diskutierte man auf Einladung der Wikimedia Foundation über die Relevanzkriterien bei Wikipedia. Viel Kritik gab es dabei an der Rolle der Administratoren

Um sich der lauter werdenden Kritik an den Relevanzkriterien der Wikipedia zu stellen, lud die Wikimedia Foundation am Donnerstagabend in ihre Vereinsräume nach Berlin. Im Rahmen einer offenen Podiumsdiskussion sollten Fehler angesprochen und Alternativen aufgezeichnet werden. Rund 50 Interessierte waren gekommen und da Wikipedia ja Web 2.0 ist, wurde auch ein Videostream der Diskussion ins Netz gestellt und munter gechattet – freilich ohne die Außenwelt auch wirklich einzubinden, denn Fragen aus dem Netz wurden inkonsequenterweise nicht vorgetragen.

Was formal als Diskussion über Relevanzkritierien begann, führte schnell zu einer Generalabrechnung mit dem technokratischen Nukleus der Wikipedia – den rund 300 Administratoren, die in letzter Instanz über das „Weltwissen“ wachen.

Eine kleine Gruppe entscheidet

Die Wikipedia ist nicht nur das erfolgreichste Web 2.0 Projekt weltweit, sie stellt für 82 Millionen Deutsche auch eine Instanz des Wissens dar. Waren die Stalin-Noten ernst gemeint, wie sicher ist Atomkraft, was ist eigentlich Soziale Marktwirtschaft? In all diesen Fragen ist für sehr viele Deutsche die Wikipedia der Anlaufpunkt ihrer Wahl. Die Wikipedia verwaltet Wissen und sie hat letztendlich die Macht zu entscheiden, welches Wissen relevant ist. Doch wer ist „die Wikipedia“? Neben einer rund 7.000 Nutzer starken Kerngruppe sind es vor allem die gerade einmal 300 Admins, die für die Einhaltung der Qualitätsstandards bei fast einer Millionen Artikel sorgen sollen. Noch nie haben so wenige über das Wissen von so vielen entschieden.

Wer sind diese Admins? Haben sie überhaupt die nötigen Qualifikationen? Ein Admin der Wikipedia ist tendenziell jung, männlich und technikaffin – kurz „nerdig“. Für einen solchen Nerd ist jede Nebenfigur in Star Wars relevant, während andere Themen in seinem Paralleluniversum gar nicht vorkommen. Ein Admin muss auch keine Qualifikation nachweisen, er verlässt sich – eine Web 2.0-Unsitte – auf Quellen, die möglichst offen im Netz verfügbar sind. So kann es vorkommen, dass ein junger Informatiker einem Geschichtsprofessor kurz und schmissig erklärt, dass dessen mühevoll eingestellter Beitrag irrelevant sei.

Die Administratoren der Wikipedia wurden so zum eigentlichen Thema der Podiumsdiskussion. Die Besucher, die gerne eine offenere Wikipedia hätten, kritisierten nicht nur den rauen Umgangston, sondern auch die intransparente Struktur des technokratischen Kopfes der Wikipedia. Die Besucher, für die die Qualität der Wikipedia im Mittelpunkt steht, kritisierten überdies die mangelnde Qualifikation der offensichtlich überforderten Administratoren.

Aufgenommen wird man eher, wenn man mitschwimmt

Wenn sich technokratische Systeme etablieren – so ein Besucher –, kristallisiert sich immer der gleiche Menschentypus heraus, der sich an die Spitze dieser Systeme stellt. Wenn dann auch noch, so wie bei der Wikipedia, der Nachwuchs dieser Führungsspitze von ihr selbst bestimmt wird, tritt eine innere Degeneration ein. In den erlauchten Kreis der Administratoren wird man jedenfalls eher dann aufgenommen, wenn man immer brav im systemischen Mainstream schwimmt und sich nicht durch kontroverse Kritik hervortut. Die Wikipedia als gescheitertes Experiment des real existierenden Web 2.0? Die Admins als technokratischer Zentralrat?

Am gestrigen Abend prallte die größtenteils berechtigte Kritik aus den Reihen der engagierten Nutzer an der Führungsspitze der Wikipedia jedoch weitestgehend ab. Natürlich käme es vor – so ein anwesender Admin -, dass einem manchmal der gesunde Menschenverstand sage, ein Eintrag sei relevant, die Relevanzkriterien aber dazu führten, dass dieser Eintrag dennoch gelöscht wird. Wem die Handhabung der Relevanzkriterien nicht gefällt, der soll doch seinen eigenen Wikipedia-Ableger aufmachen, so der intellektuelle Offenbarungseid eines anderen Admins.

Wie bei der Sitzung eines Schrebergartenvereins

„Für wen ist die Wikipedia eigentlich da? Seid ihr euch eigentlich bewusst, welche Verantwortung ihr habt?“, fragte zum Abschluss ein aufgebrachter Besucher. Man kann tatsächlich berechtigte Zweifel daran hegen, dass die Führungsspitze der Wikipedia überhaupt ahnt, um was es sich bei ihrer Enzyklopädie eigentlich handelt. Stellenweise kam man sich in den Vereinsräumen der Wikimedia Foundation eher vor wie bei der Sitzung eines Schrebergartenvereins, bei dem der Bepflanzungsplan für die nächste Saison diskutiert wurde.

Das gemeine Volk „darf“ sich die Wikipedia zwar anschauen, muss aber bei Entscheidungen draußen bleiben. Ändern wird sich an diesem traurigen Zustand wohl erst einmal nichts, denn auch die gestrige Podiumsdiskussion endete ohne einen konkreten Fahrplan, wie man die Wikipedia von innen heraus reformieren könnte. Die Wikipedia steckt in einer tiefen Daseinskrise, ihre Führungsspitze ist sich dessen allerdings offensichtlich noch nicht einmal bewusst. Daran konnte auch die Podiumsdiskussion nicht viel ändern.

Kommentare (19)

mh 06.11.2009 | 16:20

das ist so die arroganz, von der man gewohnt ist, dass sie als reaktion auf solche aussagen herhalten muss. das gleiche verhaltensschema übrigens, wegen dem wiki zum schrebergartenverein wurde.

fakt ist aber auch, dass ich auf informationen angewiesen bin und bisher immer am anfang von nutzungstrends stand und entsprechen für informationen und den umgang mit informationen ein nicht unerheblichen geldwerten aufwand betreibe.

wenn ich also sowas sage, heißt das nicht dass morgen alles vorbei ist, sondern lediglich dass sich ein schleichender prozess in gang setzt. in diesem fall wird die wikipedia als für "den professionellen informationsumgang irrelevant" definiert.

das setzt sich immer durch, ob früher oder später ist dabei doch vollkommen egal.

mfg
mh

jfenn 06.11.2009 | 22:43

Ich wiederhole mich bisweilen: "Die Web-2.0-Projekte sind entstanden, weil es eine große Unzufriedenheit mit den bisherigen (Offline-)Angeboten gab. Der Brockhaus oder die Britannica sind ja nicht deshalb so wenig erfolgreich gegenüber der Wikipedia, weil die Wikipedia so gut wäre, sondern vielmehr weil die herkömmlichen Lexika so schlecht sind. Das sind Dinos, die kaum noch einer haben will, und sie kommen der schnellen Entwicklung heutzutage auch nicht mehr schnell genug hinterher. Ich meine deshalb nicht, daß der Brockhaus ein Konkurrent der Wikipedia ist. […] Die Wikipedia hat also sicherlich kein Monopol auf „Wissen“, aber sie wird oft, gerade von Suchmaschinen, viel zu hoch bewertet. Oft wird der Wikipedia-Artikel höher gerankt als die Website einer Person oder eine Projekt-Homepage im Software-Bereich, unabhängig von der Qualität der Wikipedia-Seite."

Die Funktion, die die Wikipedia heute erfüllt, kann schon morgen von einer ganz anderen Quelle/Plattform wahrgenommen werden. Das Projekt befindet sich derzeit enorm unter Druck. Es werden Fehler gemacht, man zeigt Nerven.

Aber es ist wie mit jedem anderen Platzhirsch auch: Es wird noch etwas dauern, bis er durch einen Konkurrenten ersetzt worden ist, vor allem wenn es um Mitmach-Projekte geht. Die Qualität, die man bei der Wikipedia oft (nicht: immer) findet, mußte schwer erarbeitet werden. An anderen Wikis sieht man, daß Qualität nicht von selbst kommt. Die meisten sind ja völlig unbrauchbar. Die User verlieren die Lust, bevor etwas Brauchbares entstanden ist. Halbgare Artikel bleiben zurück. Oder man scheitert vor den eigenen Qualitätsstandards und tritt auf der Stelle, wie bei dem Ableger Wikiweise.

BTW, ich glaube übrigens, etwas Aufklärung über die Wikipedia könnte ganz gut tun. Wen es also interessiert, der kann sich die drei Podcasts von Chaos Radio Express anhören, die Tim Pritlove produziert hatte:

chaosradio.ccc.de/cre043.html
chaosradio.ccc.de/cre093.html
chaosradio.ccc.de/cre111.html

Und bei Chaosradio kam zum Ende auch Fefe zu Wort:

chaosradio.ccc.de/cr151.html

Spiegelfechter 06.11.2009 | 23:05

Da muss ich Dir aber widersprechen. Der große Vorteil der Wikipedia ggüber dem Brockhaus ist vor allem der, dass sie kostenlos ist. Für aktuelle Themen mag die Wiki ja auch besser sein, um gesicherte(!) Informationen zu bekommen, greifen Nutzer mit Medienkompetenz aber lieber zur klassischen Enzyklopädie.

Die Wikipedia ist auch nicht so einfach zu ersetzen. Jeder Schüler lernt "auf" der Wikipedia. Google rankt die Wikipedia an #1 und nicht irgendeinen Ableger, auch wenn der bei einzelnen Themen besser ist. Es geht hier auch um die Wissensverwaltung für Menschen mit einer geringen Online-Kompetenz.

jfenn 07.11.2009 | 02:59

@Spiegelfechter: Der Preis spielt überhaupt keine Rolle. Der einzige Vorteil der Wikipedia gegenüber dem Brockhaus ist ihre Aktualität und ihre Verfügbarkeit bis ins letzte Kaff hinein. Es ist letztlich ein Reflex der miserablen Ausstattung unserer Bibliotheken. Es gibt an vielen Orten schon gar keine Konkurrenz mehr zur Wikipedia. In diese Lücke ist das Projekt hineingestoßen.

Das Google-Ranking hat mit der Qualität der Wikipedia überhaupt nichts zu tun, sonst wäre Google hier sehr viel wählerischer. Tatsächlich ranken sie die WP immer unter den ersten Positionen, wenn es einen Artikel zum Suchbegriff gibt. Der Grund hierfür ist die Nachfrage der User. Wikipedia und Google spielen sich gegenseitig die Bälle zu, und linken sich nach oben. Und wenn die Leute dessen überdrüssig geworden sein sollten, weil sie die WP dort nicht mehr haben möchten, wird Google das ändern. So einfach ist das. Dann schauen die sich nach einem anderen Content-Provider um, auf den sie verlinken können. Dann wird der anstelle der WP gepusht und mit value aufgeladen, würde Jarvis sagen.

Wer eine "geringe Online-Kompetenz" hat, ist mit den neuen Medien genauso schlecht dran wie mit den alten: er wird immer nehmen müssen, was ihm einer gerade reicht, sei es der Springer-Konzern oder eben Google.

Wenn die Haltung "Crisis? What crisis?" in der Kerngruppe der Wikipedianer anhält (man lese mal still den deutschen WP-Chat mit ...), kann sich das Projekt sehr schnell ins Abseits manövrieren. Und das hat einfach etwas mit den Abläufen und den Strukturen zu tun, wie Anne Roth ausgeführt hatte. Wenn ein neuer Artikel direkt und gnadenlos zur Schnellöschung vorgeschlagen wird -- was ja meist auch nur Lösch-Freaks mitbekommen, denn wer liest sonst diese Seiten? -- wird auf Dauer durch Frustration der Bearbeiter soviel Kreativität aus dem Projekt herausgehalten, daß es von selbst eingehen wird. Daran wird auch keine noch so tolle neue GUI etwas ändern, die bei der Veranstaltung ja auch gefordert worden war.

Es ist so viel Bewegung im Web. Ich habe schon so viele Listen, Newsgroups, Blogs, Websites, you name it sterben sehen. Für die Platzhirsche gelten die gleichen Regeln. Es dauert nur länger als bei den kleinen.

Spiegelfechter 07.11.2009 | 11:04

@jfenn

Zitat: "Der einzige Vorteil der Wikipedia gegenüber dem Brockhaus ist ihre Aktualität und ihre Verfügbarkeit bis ins letzte Kaff hinein."

Aber Brockhaus, Meyers und Co. sind doch auch online und digital verfügbar und somit auch bis ins letzte Kaff hinein verfügbar.

Zitat: "Das Google-Ranking hat mit der Qualität der Wikipedia überhaupt nichts zu tun, sonst wäre Google hier sehr viel wählerischer."

Ja sicher. Aber der "normale User" klickt in der Google-Liste auf den ersten oder - wenn es hoch kommt - die ersten paar Treffer, Qualität hin, Qualität her. Mit diesem Zeichen mangelnder Medienkompetenz treiben sie die Wikipedia noch weiter nach oben. So wird ein besseres Fork schnell zu einer Profi-Angelegenheit, von der Otto Normalnutzer erst einmal gar nichts weiß.

Zitat: "Wer eine "geringe Online-Kompetenz" hat, ist mit den neuen Medien genauso schlecht dran wie mit den alten: er wird immer nehmen müssen, was ihm einer gerade reicht, sei es der Springer-Konzern oder eben Google."

Oder eben Wikipedia. Nur, dass man bei Wikipedia zumindest theoretisch Einfluss nehmen kann, was ja vorgestern probiert wurde.

Dem Rest kann ich vorbehaltslos zustimmen.

krisha 07.11.2009 | 11:37

Hier möchte ich allerdings widersprechen. Wer sich einer gewissen Medienkompetenz rühmt, sollte allerdings auch nicht vergessen, dass ebenso der eherne Brockhaus seine Fehler hat. Die selbe Gutgläubigkeit, die fälschlicherweise bei Wiki an den Tag gelegt wird, ist auch hier fehl am Platz. Der geneigte Leser mit Medienkompetenz vergleicht natürlich; am Besten gleich aus drei verschiedenen Quellen. Aber mal Hand aufs Herz, wer macht sich bei jeder Sachfrage noch diese Mühe?

Im Unterschied zur deutschen Wiki, sind darüber hinaus durchaus die naturwissenschaftlichen Artikel des englischen Pendants durchaus zu gebrauchen. Dies mag natürlich an der, wie schon im leicht provozierend geschriebenen Artikel, recht nerdigen Verfasserklientel liegen.

Spiegelfechter 07.11.2009 | 15:08

@krisha

Zitat: "Dies mag natürlich an der, wie schon im leicht provozierend geschriebenen Artikel, recht nerdigen Verfasserklientel liegen."

Auch, aber nicht nur. Bei Naturwissenschaften ist die Trennung nun einmal recht scharf, während bei den Geistes- und Wirtschaftswissenschaften die Ideologie auch eine gewisse Rolle spielt. "Der Nerd" kann mit binären Schwarz-Weiß-Bildern gut umgehen, aber in den Grautönen verliert er sich. Alleine die zwanghafte Trennung zwischen relevant und irrelevant ist ein solches Binärdenken.

Lago 07.11.2009 | 17:05

Hier möchte ich widersprechen: Es gibt da einen klaren Unterschied zwischen etwa "reingeistigen" "Wissenschaften" wie Mathematik, Philosophie und den Ingenieurswissenschaften einerseits und den Naturwissenschaften andererseits, beide sind angefüllt mit Nerds.

Leider tendieren gerade die Nerds der axiomatischen sowie der Möchtegern-axiomatischen (wie z.B. Physik) Disziplinen dazu, sich besonders für Projekte wie Wikipedia zu engagieren, die Nerds der dezidiert empirischen Wissenschaften dagegen weniger. Letztere haben meiner Erfahrung nach eine etwas differenziertere Auffassung von der Objektivierbarkeit von Relevanz, Fakt, Standpunkt usw. Das ist natürlich auch ein Hindernis im Bezug auf den Eifer, das Weltwissen zu strukturieren.

Gerade diejenigen der "zweitgenannten" Nerds, die vor allem zu den Pionierzeiten sehr viel Arbeit in Wikipedia steckten (und dies in der englischen immer noch tun), sind aber deutlich weniger geworden. Ist mein persönlicher Eindruck.

Mazbln 07.11.2009 | 23:57

@Spiegelfechter: "Alleine die zwanghafte Trennung zwischen relevant und irrelevant ist ein solches Binärdenken." Ich möchte nur noch einmal wiederholen, was ich schon auf dem Podium sagte: 90 % aller gelöschten "Artikel" sind einfach nur Unsinn. Die Relevanzfrage kommt also bestenfalls bei 10 % (geschätzt) in Betracht. Allerdings sind die Übergänge zwischen Unsinn und enzyklopädisch relevant fließend. Irgendwo ist da immer eine Grenze zu ziehen, sonst wird Wikipedia gar nicht mehr nutzbar. Das mag man "Binärdenken" nennen, eine brauchbare Alternative hat aber noch keiner der Kritiker aufgezeigt.

Kritische Masse 11.11.2009 | 00:14

Richtig. Die Debatte trät hoffentlich dazu bei, dieses "Internet-Wissen" vorsichtiger zu genießen. Trotzdem ist es richtig, die Verantwortlichkeit der Admins anzusprechen. Und da gibt es größere Probleme, als die Frage der "Relevanz". Wer sich mit "Wissen" beschäftigt, der sollt sich auch damit beschäftigen, wie "Wissen" produziert wird. Und da zeigt sich, dass die Wikipedia den herrschenden Ideologien von "Neutralität" und "Objektivität" ebenso aufsitzt, wie der unkritischen Vorstellung, dieses Lexikon bilde "relevantes" "Wissen" ab.

Faltal ist das bei den Geisteswissenschaften. Hier steht die Wikipedia maximal auf den Stand von vor 20-30 Jahren. Kritische Auseinandersetzungen mit Wissen(schaft), Diskursen, Wissensproduktion, Ideologiebildung, Subjektkonstruktionen ... gehen an dem Projekt völlig vorbei. -- So werden im Bereich "Wirtschaft" das Schulbuchwissen der VWLer und BWLer abgekupfert. Grundlegende Auseinandersetzungen allein zu den Grundlagen und Grundbegriffen finden sich einfach nicht. Hier wird "Relevanz"-Frage sehr gefährlich und gleichzeitig durch Leute, die nichts als ihr eigenes vertrautes Wissen zu lassen können, schon im strukturellen Aufbau der Artikel und Artikelsystem (Welche Kategorien? Welches Portal? Abgrenzung der Artikel von Kritik ...) ausgehebelt.

Ein deutliches Beispiel für die Nicht-Relevanz vieler Artikel im Sinne von (das kann mensch doch heute nicht mehr so darstellen), sind die Tausenden Artikelk, die aus einer rein "weißen", eurozentristischen Perspektive geschrieben werden. Wegen dem N-Word gab es jahrelange Aufstände, die alle Rückständigkeiten der Community nach oben schwimmen ließen. Vermutlich gibt es die noch immer. Eine interessante Debatte dazu war die Frage, wie Rassismus sich beim Schreiben vermeiden ließe:
unrastwildcat.blogsport.de/2009/07/23/wie-vermeide-ich-es-rassistische-artikel-zu-schreiben/

Kritische Masse 11.11.2009 | 00:14

Gut. Das sind Fragen der Wikipedia. Gut das dazu eine Öffentlichkeit entsteht. Nur sind das nicht ach ganz ähnliche Fragen und Probleme, die sich auch an Schulen, Universitäten, in Medien und eben auch hier im derFreitag stellen? – Was ist denn überhaupt für uns relevant und wer wie wird das verhandelt? Welche kritischen Positionen zur Frage von Relevanz gibt es z. B. hier im derFreitag? Wie wird derFreitag gelesen? Wie werden hier Themen bestimmt? Werden hier die gesellschaftlichen Diskurse kritischer geführt?

bohej 16.11.2009 | 16:29

Einwurf:
Hier geht´s um die deutschsprachige Wikipedia - und die ist, das sollte klargestellt werden, nur ein Teil des gesamten Wikipedia-Projekts.

Die Konfliktfelder Umgang der Wikipedianer_innen untereinander, Rolle von Admins und Bestimmung inhaltlicher Relevanz sollten unbedingt auch im größeren, internationalen Wikipedia-Kontext betrachtet werden: Davon, wie anderssprachige, ähnlich große und komplexe Wikipedia-Communities mit solchen Fragen umgehen, kann man - im positiven wie negativen - sicherlich lernen;-)