Olivier Guez
09.01.2013 | 11:10 295

Haltung, bitte! Aber eine neutrale

Antisemitismusstreit Wie sehr darf man als Deutscher eigentlich Israel kritisieren? In der Antisemitismus-Debatte ging es nicht nur um die Texte von Jakob Augstein. Eine Bilanz

Haltung, bitte! Aber eine neutrale

Ill.: Otto für der Freitag

Um es gleich zu sagen: Aus dem Ausland betrachtet sieht es so aus, als würde über Deutschland ein kleines, polemisches Gewitter von jener Art niedergehen, wie das Land sie liebt. Ein kleines Psychodrama, das sich die Deutschen regelmäßig leisten: über Israel, die Juden und den Antisemitismus. Neurotische Zustände also, die das kollektive Bewusstsein seit bald 70 Jahren quälen.

Nun hat das Simon Wiesenthal Center eine „Schwarze Liste“ mit den zehn schlimmsten Antisemiten aus den Niederungen der Welt veröffentlicht. Vielleicht hat es sich dabei von Nick Hornbys Roman High Fidelity beeinflussen lassen. Es ist eine komische Manie geworden, diese Listen. Im Internet habe ich eine zu den schlimmsten Fluggesellschaften gefunden. Oder denken wir nur an jene, die von der Kommunistischen Partei Frankreichs zwischen den Jahren 1933 und 1945 veröffentlicht wurden, um „Verräter“ anzuprangern.

Die Methode ist anfechtbar. Das Simon Wiesenthal Center erinnert mich an die Nato nach dem Ende des Kalten Krieges: Fast alle der letzten echten Nazis – ich spreche hier von Kriegsverbrechern – sind genauso tot wie der sowjetische Riese, aber das Center besteht ebenso weiter wie die Nato. Da es für beide offenbar nicht infrage kam, sich zeitgleich mit ihren historischen Feinden zu beerdigen, haben sie sich neue Aufgaben gesucht: den Kampf gegen Antisemitismus und die Jagd nach Taliban in Afghanistan.

Auf dieser „Schwarzen Liste“ steht also der Name von Jakob Augstein. Ich muss sagen, dass ich ihm, trotz einiger gemeinsamer Freunde, noch nie persönlich begegnet bin. Er hat mich dennoch gebeten, etwas für seine Zeitung zu schreiben. Ich bin Journalist, Franzose, und ich bin Jude. Dabei hat Jakob Augstein mir wiederholt gesagt, dass ich frei, völlig frei in dem sei, was ich über ihn als die Nummer 9 auf der Liste der schlimmsten Antisemiten der Welt und über Antisemitismus in den Medien schreiben möchte. Das ehrt ihn, und so sei es.

Ist Jakob Augstein ein Antisemit? Ich denke nicht, und ich kann es mir auch nicht vorstellen. Ich glaube nicht, dass er im Auto das Lied „You’re getting gased in the morning“ vor sich hin singt, wie es manche Fans des englischen Clubs West Ham tun, wenn ihr Team auf das aus Tottenham trifft. Ich denke nicht, dass er zu den 20 Prozent der Deutschen gehört, die mit Juden ein „Problem“ haben.

Hat Jakob Augstein ein Problem mit Israel? Das ist allerdings wahrscheinlich. Bei seinen Kolumnen auf Spiegel Online über den jüdischen Staat war mir ziemlich unwohl. Manche seiner Aussagen sind schlicht grenzwertig.

Ich befürworte die israelische Politik gegenüber den Palästinensern nicht. Ich denke, dass die Palästinenser ein Recht auf einen lebensfähigen Staat haben und dass die israelische Siedlungspolitik nicht nur die eigenen Interessen, sondern auch die eigene Identität beschädigt, Israels Image in der Welt, seine Stärke und Demokratie.

Ich denke auch, dass Israel unverhältnismäßig reagiert, wenn es angegriffen wird und dass es heute vom intelligentesten aller Palästinenserpräsidenten in die Enge getrieben wird, von Mahmoud Abbas, diesem durchtriebenen und moderaten Mann im stets untadeligen Anzug, der gerade unter Berücksichtigung aller Unterschiede im Begriffe ist, der Gandhi Palästinas zu werden. Ich bin weder Antisemit noch Antizionist, aber ich zögere nicht, die Staatspolitik Israels zu kritisieren.

Ein Unwohlsein

Beim Lesen der Kolumnen von Jakob Augstein habe ich, wie gesagt, mehr als einmal echtes Unwohlsein verspürt. Zum Beispiel, als ich „Gesetz der Rache“ vom 19. November 2012 las, dass die jüdischen Fundamentalisten „aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre islamistischen Gegner“ wären. Wirklich? Sicher leben die einen wie die anderen im Schatten Gottes: Haha, das sind also Fundamentalisten. Aber wie viele Selbstmordattentate gehen auf orthodoxe Juden zurück? Wie viele Geiselnahmen? Wie viele Enthauptungen, die live im Netz übertragen werden, wie viele Amputationen von Körperteilen als Strafe für ein gestohlenes Huhn, wie viele Steinigungen von untreuen Frauen? Wie viele Massaker in Gottes Namen?

Unter den Haredim gibt es eine Handvoll Dummköpfe, die würden ein kleines Mädchen anspucken, weil es nicht angemessen gekleidet ist. Aber die große Mehrheit der jüdischen Ultrareligiösen möchte nur in Ruhe gelassen werden, um dem für sie nutzlosen Getriebensein der heutigen Zeit zu entgehen.

Im gleichen Text wird der Gazastreifen mit einem „Gefängnis“ und mit einem „Lager“ gleichgesetzt, einer Metapher, die kein deutscher Journalist arglos verwenden kann. Wenn man diesen Zeilen Glauben schenkt, sind die Israelis die einzigen, die für den Verfall Gazas verantwortlich sind. Was aber ist mit der Hamas, die den schmalen Küstenstreifen seit einigen Jahren verwaltet? Warum verwendet sie Millionen dafür, um im Iran Waffen zu kaufen, anstatt in Gazas Wirtschaft zu investieren? Warum schließt Ägypten regelmäßig seine Grenze zum Gazastreifen, anstatt zum Aufschwung und Austausch beizutragen? Und die ach so reichen Golfstaaten. Warum zieht der Emir von Katar es vor, mit Hunderten Millionen Euro eine Pariser Fußballmannschaft aufzubauen, anstatt das Geld in die wissenschaftliche – und nicht religiöse – Ausbildung der Jugend aus Gaza zu stecken?

Auch der Text „Wem nützt die Gewalt?“ vom 17. September 2012 über die gewaltsamen Demonstrationen gegen die Veröffentlichung des ebenso unnötigen wie schlechten Films über das Leben von Mohammed lässt mich durch die Decke gehen. Der reflexartige Gedanke, dass diese Gewaltakte den Interessen Israels dienen könnten, erscheint mir umso unsinniger, je weniger Worte Augstein über das Treiben der Salafisten und der radikalen Islamisten verliert, die er als „Opfer“ sieht. Er erwähnt sie nicht. Dabei haben doch sie die amerikanischen Botschaften angegriffen und dort Diplomaten getötet! Ihre Vorhaben, ihre Pläne, die sich besonders gegen Frauen und Christen richten, sind für die demokratischen Hoffnungen der arabischen Völker nur tödlich.

Hinter bestimmten Argumenten Jakob Augsteins steckt zudem eine gewisse Naivität. Oder sagen wir lieber, ich will manche seiner Thesen lieber mit einer gewissen Naivität und einer ziemlichen Unwissenheit über die Region und die psychologische Situation der Menschen dort erklären. Zwischen den Jahre 1999 und 2005, war ich als Reporter oft in Nordafrika und dem Nahen Osten unterwegs. Ich habe die Leute dort, also der westlichen Welt gegenüber offene Intellektuelle, oft nach Israel befragt, und als Antwort nur Hass und Groll gehört. Nicht nur dem hebräischen Staat – das war zur Zeit der zweiten Intifada und des Baus der Mauer vorhersehbar –, sondern auch den Juden gegenüber, allen Juden, die „die Welt beherrschen“.

Antisemitismus, nicht nur Antizionismus, wütet in der moslemischen Welt. Die Protokolle der Weisen von Zion finden dort weite Verbreitung, sie sind sogar als TV-Serie herausgekommen! Und zu glauben, dass, wenn Israel die arabischen Revolutionen unterstützen würde („Israels verpasste Chance!“, 15. September 2011), sich wie durch einen Zauber die ganze Situation im Nahen Osten verändern würde, ist in einer so überraschenden Art naiv, dass man sie ebenso als irritierend bezeichnen könnte!

Auch wenn Augstein an Benjamin Netanjahus Drohungen vor der UN-Vollversammlung Anstoß nimmt: Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagt allen, die es hören möchten, dass er am liebsten Israel von der Landkarte „fegen“ würde. Er gibt sich alle Mühe, Zweifel über die Ziele seines Atomprogramms zu nähren und macht alles, absolut alles, damit die Welt vermuten kann, diese Ziele seien militärischer Natur.

Ganz gleich, ob man das gut findet oder nicht: Seit jeher besteht Diplomatie aus einer Mischung aus Brutalität und Schläue. Daher erledigt der israelische Premierminister auch in puncto Iran einfach seinen Job. Er zeigt dem iranischen Präsidenten die Grenzen auf, er zwingt ihm ein Kräftemessen auf, spielt eine Partie Poker mit ihm – die, so hoffen wir, nicht in einen Konflikt mündet. Aber ihm bleibt kaum die Wahl.

Dennoch: kein Antisemit

Aber auch wenn ich die Dinge anders sehe, bin ich fest davon überzeugt, dass Jakob Augstein kein Antisemit ist. Er hat übrigens in drei Punkten Recht: Es muss möglich sein, Israel zu kritisieren. Das Land ist keine heilige Kuh. Kritiker Israels sind nicht automatisch Antisemiten, im Gegenteil. Je mehr man andere laut des Antisemitismus bezichtigt, desto mehr banalisiert man diese Art von Kampfansage und spielt letztlich den echten Antisemiten in die Hände.

Aber wer in allem und jedem die Strippenzieher Israels sieht, glaubt, dass Israel den Weltfrieden bedroht und nach Belieben die amerikanischen Politiker oder die deutsche Regierung manipuliert, nährt Hirngespinste und befördert damit Antisemitismus. Die Isralis, linke wie rechte, können Besserwisser nicht ausstehen. Sie hören nicht auf sie, selbst wenn manche der Argumente stimmen. Es sieht so aus, dass Jakob Augstein sich mehr um Neutralität und eine unparteiische Haltung im Nahostkonflikt bemühen sollte, damit er Gehör findet.

In dieser tragischen Geschichte gibt es kein Schwarz-Weiß. Wenn Israelis und Araber miteinander hätten Frieden schließen wollen, wären die Verträge längst unterzeichnet. Also, bitte, in Zukunft doch eine neutrale, unparteiische Haltung. Denn wenn mein Text im Freitag erscheinen kann, müsste Augstein auch dazu imstande sein.

Olivier Guez

Übersetzung: Caroline Elias

Kommentare (295)

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Ehemaliger Nutzer 10.01.2013 | 12:30

Abgesehen von der für mich etwas sehr schrägen Linie NATO - SWC stimme ich dem Autor weitgehend zu, was seine Einschätzung der Augsteinschen Aussagen betrifft - grenzwertig, naiv etc.
Ein wichtiger Beitrag, mit dem sich die FC mal auseinandersetzen sollte, statt ihre Haufen auf die Polarisierungen und Provokationen der üblichen Verdächtigen zu setzen.

JR's China Blog 10.01.2013 | 12:54

Ob man neutral sein muss, weiß ich nicht. Als Berichterstatter oder Korrespondent sollte man sich um Neutralität bemühen, wenn man Sachverhalte beschreibt. Aber vielleicht ist schon viel gewonnen, wenn man sich selbst oder sein Land nicht überschätzt. Bedenklich finde ich die "Entschiedenheit" in der Positionierung.

Ich habe die Leute dort, also der westlichen Welt gegenüber offene Intellektuelle, oft nach Israel befragt, und als Antwort nur Hass und Groll gehört.

Den Eindruck hatte ich bei einem Syrien-Besuch seltener als in Deutschland. Nicht einmal unter denen, die der westlichen Welt nicht so offen gegenüberstehen. Allerdings spreche ich kein Arabisch. Damit hätte ich mir vielleicht ein umfassenderes Bild machen können.

thinktankgirl 10.01.2013 | 13:23

Zum Beispiel, als ich „Gesetz der Rache“ vom 19. November 2012 las, dass die jüdischen Fundamentalisten „aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre islamistischen Gegner“ wären. Wirklich? Sicher leben die einen wie die anderen im Schatten Gottes: Haha, das sind also Fundamentalisten.

Fundamentalisten sind Fundamentalisten egal welcher Couleur!

Vielleicht sollten Sie mal die Definition für religiösen Fundamentalismus anschauen und lesen was in der Jüdischen Allgemeinen dazusteht:

Wir müssen eingestehen, so sehr es auch schmerzt: Es gibt ihn, den jüdischen Fundamentalismus. Er ist weder gesichtslos noch schwer identifizierbar.

Aber ein religiöser Fundamentalist ist nicht automatisch ein gewaltbereiter, wie Guez mit seiner Aufzählung der islamistisch motivierten Schweinereien suggerieren will.

Augstein sprach nicht davon, daß der islamistische gewaltbereite Fundamentalismus einen Gegenpart im Judentum habe.

Wobei:

Ausserdem:

Religiöser Fundamentalismus in Israel

 

freedom of speech? 10.01.2013 | 13:55

Muss ein Journalist neutral sein?

Ein Richter muss neutral sein, ein Schlichter muss neutral sein, aber ein Journalist?

Im öffentlich rechtlichen Journalismus sollte man wohl auf Neutralität bedacht sein.

Aber eine Kommentarspalte in einer Zeitung kann oder sollte sogar Position beziehen.

Was wäre passiert, wenn Augstein einseitig Position für die Palästinenser bezogen hätte? Wäre er dann auch solchen Anfeindungen ausgesetzt?

Der Beitrag wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet.

 

Gut so.

Erol_Bulut 10.01.2013 | 14:27

Naiv ist es, Achmadineschad zu beschuldigen, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, obwohl das glücklicherweise wegen der mlit. Stärke und der USA als Schutzmacht eine Unmöglichkeit ist, und gleichzeitig das Tatsächliche Ausradieren Palästinas aus der Landkarte durch Besatzungsgewalt und Völkerrechtverbrechen zu verniedlichen.

www.peacenow.org/map.php

 

Naiv ist es die jüdisch religiösen Extremisten nicht genauso schlimm wahrzunehmen

www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-01/antisemitismus-augstein-abraham-cooper?commentstart=233#cid-2523721

 

Naiv ist es, von Massakern zu sprechen, nachdem Israel erst 2009 in Gaza 1400 Menschen brutal ermordet hat (Goldstone-Report)

Und ganz wäre es da immer noch von "Notwendigkeit" zu reden, nachdem die letzte Eskalation mit dem nun herrschenden Waffenstillstand gezeigt hat, dass man das Massaker damals genauso hätte verhindern können.

http://www.lrb.co.uk/v31/n02/henry-siegman/israels-lies

 

Es ist mehr als Naiv auszublenden, dass Palästina ohnmächtig der Gewaltbesatzung bisher ausgeliefert war und zu behaupten, dass die Palästinenser keinen Friedensvertrag unterschrieben hätten. Solange Israel noch sein Landraubprojekt verfolgt, wird es kein annehmbares Friedensangebot seitens Israel geben. Israel darf doch.

 

Es ist nicht nur Naiv die Aushungerung der Gazabewohner durch Israel und die permanenten Morde an freiheitsberaubten Besatzungsopfern als Grundrecht Israels zu sehen, was anscheinend der Autor tut. Leider ist auch die Hamas durch die von Israel bedrohte Existenz (es wird nunmal immer weiter radiert, radiert, ...) erstmal nichts anderes, als der Wiederstand gegen dasVölkerrechtsverbrechen begehende und Palästinensiche Existenz vernichtende Besatzerisrael ($0 Jahre Gewaltbesatzung)

 

So viel Zeit habe ich gar nicht, um die gnadenlose "Naivität" des Autors bei der Ignoranz gegenüber Israelischer Gewalt aufzuzählen, zumal fast jeder Satz eine dilettatische Sicht verrät.

Gaza nicht eingesperrt?

www.amnesty.org/en/for-media/press-releases/israeloccupied-palestinian-territories-israeli-blockade-causes-worsening

 

Der Autor ist bissl Blind, was die Probleme betrifft. Die Selbstgerechtigkeit, mit der er Naivität unterstellt, zeigt nur seine eigene sehr ausgeprägte Naivität.

 

Ach Ja,  Abbas, No. 1 auf der SWC Liste letztes Jahr. Warum? Weil er nicht vor der UN die "Existenz" von König David erwähnt hat.

 

 

Daniel Martienssen 10.01.2013 | 14:52

Ich freue mich sehr über den Beitrag von Olivier Guez. Er macht schonungslos deutlich, dass sich Augstein in seinen Kolumnen  auf SPON teilweise verstiegen hat, nun aber einer Läuterung zugänglich ist. Wenn Augstein nun eine umsichtigere Haltung einnimmt, ist das nur zu begrüßen. Vielleicht schaltet ja dann auch Henryk M. Broder ein, zwei Gänge herunter und es kommt eventuell zu einem Freitag-Salon, in dem das Thema Nahost-Konflikt und Antisemitismus umsichtig behandelt wird.

Dann würde aus dem jetzigen "Psychodrama" (Guez) vielleicht doch noch ein gewinnbringender Diskurs. Es wäre allen Beteiligten zu wünschen. Ein Anfang ist mit diesem Beitrag jedenfalls gemacht. 

angnaria 10.01.2013 | 14:55

Bei allem Respekt für Ihren fairen Versuch der Aufarbeitung Hr. Guez, aber Sie sind als Jude Partei. Das kommt vor allem bei Ihrer Beschreibung der Zustände in Gaza und der Suche nach den Schuldigen dafür zum Ausdruck:

Da versuchen Sie einen Bogen von der Hamas über (das vergangene) Ägypten bis hin zu PSG und Quatar zu spannen anstatt es einfach bei den Besatzern festzumachen. Denn Gaza ist nach wie vor besetzt -  nur mit dem Unterschied, dass man aufgrund der technischen Möglichkeiten heute keine Fussoldaten mehr hinein schicken muss.

PS: Zumindest auf die Frage warum der Emir aus Quatar sein Geld nicht in Gaza investiert kann ich ihnen eine Antwort geben: Es macht einfach keinen Spass, wenn für viel Geld aufgebautes dann wieder zusammengebombt wird. Die EU kann davon einige Liedchen singen.

merkbefreit 10.01.2013 | 15:08

Das Problem liegt in meinen Augen ganz wo anders. Klar könnten man nun wie im Artikel eine naive Rechnung aufmachen wer was und wie getan und gesagt hat und wie und was er damit meint. Klar könnte man jede Seite indirket in Schutz nehmen und damit die andere anklagen. Klar könnte man auf Neutralität pochen oder auf einen angeblich in der Geschichte verhaftete Verantwortung. Doch worin liegt die Neutralität und worin liegt diese angebliche Verantwortung? Und vorallem was bringen diese zwei Auffassungen einem in einem Konflikt; diesen Konflikt?

Richtig ist mit Nachdruck immer daraufhin zuweisen, dasz wenn beide Konfliktparteien wirklich an einem friedlichen Miteinander interessiert wäre, sie alles daran setzen müssten dies umzusetzen. Und richtig ist auch festzustellen, dasz eben diese Anstrengung in beiden Gesellschaften nicht tonangebend ist.

Dazu kommt nun eine dritte Partei, die wiederum sich selbst in Lager aufspaltet und darüber streitet ob man nun eben neutral oder parteiisch sein sollte. Auch hier greifen gleiche Mechanismen wie bei den zwei dirket Involvierten. Man rechnet im Grunde auf, in der Hoffnung am Ende die größere und damit anscheinend aussagekräftigere Argumentation und damit einen aus sich heraus sprechenden Standpunkt zu haben. Man hofft, dasz genüge um einen Konflikt zu lösen; für sich zu entscheiden. Auch hier sticht der Blödsinn hervor.

Betrachtet man sich nun diese drei Parteien und ihre einzelnen Lager so haben sie alle einen gleichen Nenner, den ihnen zu Grunde liegenden Glauben. Keiner führt die Rationalität ins Feld. Man bleibt lieber in der Irrationalität. Und genau darin liegt die Gefahr oder besser gesagt der Grund warum man Konflikt nicht nachhaltig lösen kann. Daher spielt es keine wirkliche Rolle ob man versucht objektiv gesehen subjektiv neutral zu bleiben, denn diese Neutralität wird dann demontiert sobald man eben für sich reklamiert neutral zu bleiben.

Wenn man wissen will, nicht glauben, wo man hingeht, sollte man wissen, nicht glauben, wo man herkommt. Und genau da liegt, bezogen auf uns Deutsche, unser Problem. Und damit das Problem der Betrachtung neuerer Konflikte.

Wir haben uns anscheinend intensiv mit den 12 Jahren 3. Reich befasst. Wir wissen über Hitlers Frauen, Kinder und Hunde bescheid. Wir sind uns einig das Hitler ein absoluter Spinner, Irrer und Wahnsinniger war. Und genau darin liegt der Fehler - im "war". Ein Fehler der sich bis heute in unserem Denken niederschlägt. Medizinisch kann ich keinen Punkt finden, der die Schuldfähigkeit Hitlers in Frage stellt. Andererseits durch das Deklarieren Hitlers als Irren, braucht man sich nicht wirklich mit den Mechanismen zu beschäftigen, die eben zu jener Grausamkeit führten, die wir heute als Verantwortung sehen - so wenig wie wir uns in diesem aktuellen Stellungskrieg mit den Gründen befassen müssen. Diese Schizophrenie in unserem geschichtlichem Gesamt-Ich zieht sich bis heute in die Betrachtung aktueller Konfikte fort. Hitler, das grüne Monster, der nicht von dieser Erde kommen kann - angesichts der Schrecken - wurde wie in einem Comic von ewig herosichen guten Menschen besiegt und für alle Zeiten von dieser Erde gefegt.

Ein Zugeständnis, dass wir uns machen, ist die Mitschuld. Damit die Verantwortung unseren damaligen Opfern gegenüber heute (un)kritisch sein zu müssen. Und dies wird auch um eigenen Ziele zu verfolgen heute gefordert. Also das gleichzeitge zugestehen das jeder Mensch ein Rassist/Fundamentalist ist und gleichzeitig das schizophrene Betonen man seie selbst keiner, sofern man sich nicht selbst fragt. Darin liegt der Drang nach Neutralität oder einseitiger parteinahme für die richtige Seite - wobei es in einem Konflikt nie die richtige Seite geben kann. Somit unterstellen wir uns selbst, wenn wir nicht aufpassen ausserirdische Rassisten zu sein und gleichzeitig glauben wir das wenn man den richtigen Glauben, Seite, Weltanschauung hat nie gefahrlaufen kann, unrecht zu sein - positiver Rassismus aber es bleibt Rassismus. Es bleibt selbst dann Rassismus wenn man den Israelis unterstellt, sie könnten nie den gleichen Mechanismen verfallen wie wir Deutschen vor 70 Jahren. Da verdrängen wir die angeführte Verantwortung.

Das Ganze kann man recht leicht abwürgen in dem man den Antisemitismus ins Feld führt.

Gleiche Argumentationmechanismen kann man auch den Palästinänsern entgegenhalten. Und am Ende uns selbst. Es geht im Grunde also weder bei einer neutralen, wie bei einer parteiischen Betrachtung um eine ernsthafte Konfliktlösung, sondern um etwas recht menschliches: sich für die richtige Seite zu entscheiden um eigene Interessen erfolgreich zu vertreten. Und somit sind wir wieder beim Glauben angelangt und dem Vorwurfe man wäre Antisemit, Antimoslem, Antidemokrat, Antiphilantrop oder eben das Gegenteil von allem nur weil man das Fundamentale im Handeln der israelischen, palästinäsieren Regierungen, Gesellschaften und der zuschauenden Partei herauszeichnet; versucht herauszuzeichen.

Und wenn man sich dem nicht durch eine Diskussion nähern kann ohne gleich pauschal verurteilt zu werden oder Gewalt angedroht zu bekommen, bringt Neutralität nur Selbstschutz jedoch keine ernsthaften Bemühungen der Konfliktlösung undzeigt die Defizite unserer eigenen Selbstbetrachtung erschreckend einfach auf. Auch hierfür zeigt die Geschichte mehrfach eindringliche Beispiele.

Und der Vorwurf des Selbstschutzes vor Vorwürfen, denen gegenüber, die mehr Neutralität in einem Konflikt fordern,  ist, konnte man mir folgen, auch nicht fair. Doch wer ist schon fair? Am Ende zählen nur die eigenen Interessen und da spielt es keine Rolle welcher Weltanschauung, welcher  Nationalität oder welcher Hautfarbe man angehört; selbst die Geschichte ist nur Mittel zum Zweck - solang man nicht das Universum des Konfliktes durchbricht und seine eigenen Interessen hinter sich lässt.

 

merkbefreit

 

Für diese Sicht, Meinung, Anschauung wurde mein jahrelanger Account auf ZO, wegen Antisemitismus und Provokation, gesperrt.

Olivier Guez parteinahme zu unterstellen ist genauso naiv, denn sein Glaube hat nichts mit seiner Staatsangehörigkeit zu tun und sein Artikel hat mit Neutralität soviel zu tun wie Äpfel mit Birnen. Ich bin mit einer Jüdin verheiratet und muss mich gegen den Vorwurf des Antisemitismus in diesem Land wehren; ähnliche Schizophrenie. Traurig aber so sind Menschen nunmal. Am Ende ändern sich Meinungen wie das Wetter, solang für einem was dabei rausspringt.

Lethe 10.01.2013 | 15:12

Wie sehr darf man als Deutscher eigentlich Israel kritisieren?

So sehr, als sachliche Gründe für Kritik dies erlauben. Diese Kritik muss auch nicht "neutral" sein, sie muss sich nur an Sachverhalten orientieren, wenn sie nicht als Polemik wahrgenommen werden will.

 

@Angnaria

... aber Sie sind als Jude Partei.

Das ist unverschämt. Glauben Sie wirklich, dass Deutsche nicht unparteiisch über deutsche Schweinereien nachdenken können,  Christen nicht über christliche Schweinereien, Muslime nicht über moslemische Schweinereien, Kommunisten nicht über kommunistische Schweinereien, usw.? Nicht jeder Mensch lässt sich von formaler oder ideologischer Gruppenzughörigkeit verblenden. Und den Verweis auf den Besatzungsstatus des Gaza-Streifens ergänzen Sie auch nicht um die Frage, warum der wohl besetzt ist.

seriousguy47 10.01.2013 | 15:31

Lieber Herr Guez,

aus meiner Sicht haben Sie einen sehr lesenswerten Beitrag geschrieben, der versucht, dem Thema gerecht zu werden. Es war mir eine Freude, ihn gerade jetzt zu lesen.

Zu Recht weisen Sie auf den blinden Fleck deutscher Israelkritiker hin. Mal ganz harmlos formuliert: die Isaelis werden an unseren Maßstäben gemessen, die "Palästinenser" an ihren eigenen. Und schon ist ein Ungleichgewicht da, das dann von Israel-Kritik zu Israel-Kritik größer wird.

Für mich stellt sich das als gerade Linie dar, die in Werner Höfers infamous Frühschoppen-Brüllrunden begann und in einem von Linken überfüllten Audimax zu 68er Zeiten seine Fortsetzung fand, wo ein israelischer Diplomat, der die politische Situation aus seiner Sicht, aber dennoch  sehr ausgewogen und ruhig darstellte, kritische Buhs erntete, ein Vertreter der Palästinenser aber, der nur Parolen brüllte, bejubelt wurde.

Es setzte sich fort in jenen Flugzeugentführungen, wo palästinensische Terroristen Unschuldige und Unbeteiligte  in Geiselhaft nahmen und auch schon mal töteten - bis hin zu den Morden bei der Olympiade in München.

Es setzte sich weiter fort in den Kontakten von deutschen Nazi-Terroristen zu palästinensischen Kreisen. Und es endet nicht bei den Nazi-Traditionen in Palästina: Wer hatte z.B. die Terroristen von 9/11 beherbergt?

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14342686.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/muenchen-1972-deutsche-neonazis-halfen-olympia-attentaetern-a-839309.html

http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/4111/_es_ist_schon_eine_ganz_nette_hitlergemeinde_hier.html

Auch ohne die deutsche Vergangenheit gäbe es da also doch viel über die andere Seite zu berichten, kommentieren, kritisieren! Auch das, was ich bereits in einem früheren Kommentar angesprochen habe und was auch Sie hier ansprechen:

seriousguy47 02.01.2013 | 08:56

Ich habe jetzt nicht die Zeit, ein Adorno-Zitat zum Zusammenhang von schlampig Formuliertem und schlampig Gedachtem zu suchen, um mich damit ideologisch abzusichern.

Deswegen vermute ich jetzt einfach mal, dass Sie mit Augstein (und einem Großteil der FC) das schlampige Formulieren als Ausdruck schlampigen Denkens teilen.

Beispielhaft dafür nehme ich das Wort "Lager", das Sie flugs Augstein als "Vernichtungslager" unterschieben wollen, was er so sicher nicht gemeint hat.

Augstein seinerseits vermeidet es offenbar (?) zum einen, die Lagerkommandanten von Gaza (Hamas) zu nennen und zum andern auf deren ideologische Wurzeln hinzuweisen: zumindest in Teilen der Faschismus/ mörderische Antisemitisnmus.

Da gäbe es also viel medial zu berichten und aufzuarbeiten. Weshalb geschieht das nicht? Und weshalb fast nur im "rechten" Bayrischen Rundfunk? 68er-Tradition?

Ergänzen möchte ich dann aber auch noch eine möglicherweise spezifische Folge deutscher Nachkriegssozialisation (re-education):

Nachgeborene wie ich sind unter Aufsicht von Alliierten, zurückgekehrten Emigranten und schuldbewußten Altvorderen zu einem hoch ethischen und moralisch aufgeladenen Demokratie- und Rechtsstaatsverständnis erzogen worden. Augstein später in seinem Elternhause wohl eher noch mehr.

Attacken auf die USA und/ oder Israel und die Verwendung von Begrifflichkeiten wie "Lager" sind in solchem Zusammenhang inhaltlich einzuordnen als möglicherweise überdrehte moralische Attacke aus einem möglicherweise moralisch überdrehten Politikverständnis heraus. Manchmal vielleicht auch einfach als Ausdruck enttäuschter "Liebe"/ Bewunderung/ Verehtrung.....

Manche nennen solches auch gerne "typisch deutsch"....

 

Georg von Grote 10.01.2013 | 15:36

Fürwahr, die Debatte wird immer deprimierender. Nicht unbedingt deshalb, weil nun wirklich jede beanstandete Textstelle in Augsteins Kolumnen bist auf den letzten Tropfen ausgelutscht, gedreht und gewendet und beurteilt wurde und sich das Ganze mitlerweile im Kreise dreht. Auch nicht wegen der Auffassung des obigen Autors zur Sachlage. Das ist seine Meinung und die muss man akzeptieren. Was man davon halten kann, hat oben Erol_Bulut schon dezidiert aufgelistet. das muss man nicht ständig wiederholen, man könnte noch ein paar Punkte hinzufügen, muss man aber nicht.

 

Was wirklich deprimiert, ist die im Raum stehende Frage, wie lange der Hauptdarsteller eigentlich noch seine Bauern in die vordersten Linien schicken will, damit die für ihn die Kastanien aus dem Feuer holen.

Wenn ich lese: "Er hat mich dennoch gebeten, etwas für seine Zeitung zu schreiben. Ich bin Journalist, Franzose, und ich bin Jude.", dann bekomme ich Bauchschmerzen und zwar gewaltige.

Und zwar deshalb, weil es mir widerstrebt, weil ich nie auf die Idee käme, wenn ich mich mal in die Nesseln gesetzt habe, einen anderen zu bitten, mir ein gutes Leumundszeugnis auszustellen. mich zu verteidigen. Wenn ich was angestellt habe, dann halte ich meinen eigenen Kopf hin und bade das aus und selbst wenn mir einer freiwillig dabei zur Seite stehen will, mache ich dem klar, sich rauszuhalten, weil ich nicht will, dass über einem anderen die Dreckskübel ausgeleert werden, die für mich bestimmt sind. Daran ändert auch nichts, wenn ich einem Dritten bedeute, Du kannst über mich schreiben was Du willst. Der ist, selbst wenn er will, zwangsläufig nicht mehr neutral.

Das ganze ist mittlerweile kein Spiel mehr, bei dem man seine Fußtruppen einsetzen und herumschieben kann wie Schachfiguren.

Es ist langsam an der Zeit, eher schon überfällig, dass der Hauptdarsteller endlich die Bühne betritt und sich nicht in den Kulissen versteckt und hofft, dass der Vorhang endlich ohne ihn fällt.

elisRea 10.01.2013 | 15:58

Genau. Es geht nicht (nur) um Herrn A. Es geht darum, unliebsame Kritik zu unterbinden und Kritiker mundtot zu machen. Herr Cooper hat sehr deutlich ausgedrückt, was stört:

Journalisten, deren Beiträge sich der Kontrolle von (?...?) entziehen, die ihre Texte nicht (?...?) vorlegen und genehmigen lassen müssen.

Wie Sie hier im Freitag.

Wenn Sie schreiben:

"Die Isralis, linke wie rechte, können Besserwisser nicht ausstehen. Sie hören nicht auf sie, selbst wenn manche der Argumente stimmen."

kann ich fragen:

"Woher wissen Sie das?"

 Warum sollte  JEDER Israeli (auch jeder Jude?) ein Problem mit Menschen haben, die auf ihrem Fachgebiet zum Beispiel, etwas besser wissen als er/sie selbst?

Etwas anderes ist es allerdings, wenn Leute Behauptungen aufstellen oder andere einer Straftat oder eines Verbrechens beschuldigen ohne dies belegen oder beweisen zu können und es sich im Grunde um das Wiedergeben von Hörensagen handelt oder um Lügen.

Da, so kann ich mir vorstellen, gibt es AUCH Israelis, die das nicht leiden können.

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"Da es für beide offenbar nicht infrage kam, sich zeitgleich mit ihren historischen Feinden zu beerdigen, haben sie sich neue Aufgaben gesucht: den Kampf gegen Antisemitismus und die Jagd nach Taliban in Afghanistan."

Die historischen Feinde des SWC waren Altnazis. Solche zum Beispiel wie Gehlen, der den BND gegründet und SS-Leuten dort Arbeitsplätze verschafft hat, solche, die im jüdischen Bolschewismus eine "Weltverschwörung" sahen.

Die historischen Feinde der NATO waren ....

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Die neue Aufgabe sei der Kampf gegen Antisemitismus. Womit WAS genau gemeint ist? Und deshalb stehen Linke auf der Liste?

Warum ist die neue Aufgabe nicht der Kampf gegen  Neonazis und Rechte und deren Finanziers?

JR's China Blog 10.01.2013 | 16:27

Was ich schreibe, ist nicht in Stein gemeißelt, Elisrea. Aber ich möchte Sie schon bitten, mich genau zu lesen. Ich schrieb:

Ob man neutral sein muss, weiß ich nicht. Als Berichterstatter oder Korrespondent sollte man sich um Neutralität bemühen, wenn man Sachverhalte beschreibt.

Meinungsjournalismus ist legitim - aber wer hätte sich nicht zum Beispiel im Vorlauf zum Irakkrieg Neutralität beim Beschreiben der Sachverhalte gewünscht? Nach gewissenhafter Recherche wäre für Meinung immer noch reichlich Raum gewesen.

elisRea 10.01.2013 | 16:39

Ich habe Ihren Beitrag sehr genau gelesen, JR's China Blog. Deshalb schrieb ich auch "soll" und nicht "muss".

Ich wollte Ihnen in keiner Weise widersprechen, auch nicht provozieren, sondern nur nachfragen. Interessehalber. Und weil ich den Satz:

"Wäre es nicht einfacher und ehrlich bei unterschiedlichen Standpunkten Vertreter/Berichterstatter beider/mehrerer Parteien zu Wort kommen zu lassen, damit sich der Hörer/Leser selbst ein Urteil bilden kann?"

unterbringen wollte. :-) LG

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Ehemaliger Nutzer 10.01.2013 | 17:01

"...wie viele Selbstmordattentate gehen auf orthodoxe Juden zurück?"

Die Israelis haben es nicht mehr nötig Selbstmordkommandos loszuschicken. Dafür haben sie einen höchst efektiven Geheimdienst, der Morde in aller Welt begeht!

"...wird der Gazastreifen mit einem „Gefängnis“ und mit einem „Lager“ gleichgesetzt, einer Metapher, die kein deutscher Journalist arglos verwenden kann."

Das ist blödsinn! Klar können auch Deutsche von Lagern und Gefängnissen überall auf der Welt sprechen - auch in Israel bzw. den illegal besetzten Gebieten!

Und wenn Abbas im Anzug auftrtt und nicht den kriegslüsternen gibt ist mir das wesentlich symphatischer als die Haltung von Netanjahu. Und wer verhindert denn die Hilfslieferungen nach Gaza mit Waffengewalt gegen unbeteiligte Ausländer?

 

fahrwax 10.01.2013 | 17:06

"Nachgeborene wie ich sind unter Aufsicht von Alliierten, zurückgekehrten Emigranten und schuldbewußten Altvorderen zu einem hoch ethischen und moralisch aufgeladenen Demokratie- und Rechtsstaatsverständnis erzogen worden. Augstein später in seinem Elternhause wohl eher noch mehr."

Sind die, ebenfalls erzieherisch tätigen, Altnazis in der Aufzählung  dieser Problematik bewusst vergessen worden? Politik, Rechts- Sicherheitswesen wurden federführend durch die unerwähnten Konstruiert.

Unter Alliierter Betreuung standen die auch. Hatten und haben die sogar garkeine erwähnenswerte Funktion?

Erol_Bulut 10.01.2013 | 17:15

@ThinkTankGirl

Ist die Ironie so unverständlich?

Es ist ja schon auf besondere Art sehr dreist, Abbas als übelsten Antisemiten zu bewerten, weil er nicht entsprechend der BIBLISCHEN Geschichte den "Anspruch" von Juden auf das "Heilige Land"  vor der UN verkündet hat.

Diese Wertung ist irgendwie das Gleiche, wie wenn die Katholische Kirche jemand in eine Reihe mit Hitler und Goebbels stellt, weil er nicht an Kreationismus glaubt.

 

Insofern versteh ich Ihren Einwand nicht.

J.Taylor 10.01.2013 | 17:17

Bei allen Differenzen zwischen Franzosen und Briten stimme ich Ihnen in diesem Fall komplett zu. Herr Augstein mag Mr Netanjahu nicht, womit er nicht allein ist, er kritisiert hart an der Grenze, weil Konflikte erst dann deutlich werden, aber in Einzelpunkten auch leicht jenseits dieser Grenze, gut, aber er ist kein Antisemit. Es ist für Deutsche sehr schwer diesen schmalen Grad zu treffen, den die Geschichte vorgibt, und der den Unterschied zwischen purer Kritik und purem Ressentiment ausmacht.

seriousguy47 10.01.2013 | 17:32

"Hatten und haben die...[die, ebenfalls erzieherisch tätigen, Altnazis]... so... gar keine erwähnenswerte Funktion?"

Für Sie einen kleinen persönlichen Exkurs außerhalb des Themas - und deshalb bitte auch als eine Ausnahme:

Für mich nicht. Wir haben sie/ ihn an der Schule verachtet und an der Uni "entlarvt". Mein Vater dagegen arbeitete - vor meiner Zeit - eine zeitlang für die Amerikaner hier. Unser Geschichtslehrer - ein eingefleischter Monarchist - war kurz zusammen mit Kardinal König im "KZ" (?) gesessen. Mein Deutsch-Englisch-Lehrer war lange in den USA gewesen, Kennedy-Verehrung inklusive. [Er war übrigens auch ein prägender  "Lehrer des Philosophen" Rüdiger Safranski]. Und für die gymnasiale Oberstufe gab es jedes Jahr am 20. Juli einen Pflichttermin mit Leuten aus dem Umfeld des Widerstandes gegen Hitler. Mein Hauptdozent während meines Studiums in England war ein ehemaliger Mitarbeiter der Briten in D, links und später ein beachteter Brandt-Biograph. Beim Studium in D hatte ich es vorwiegend mit jungen deutschen oder amerikanischen Dozenten zu tun. [Für ältere Profs war ich irgendwann persona non grata - was mir fast das Examen vermasselt hätte.]

Was andere erlebt haben, weiß ich nicht. Aber da ich sehr früh begonnen habe, ZEIT, SPIEGEL, PARDON usw. zu lesen, habe ich doch den Eindruck gewonnen, dass es das, was Sie anzweifeln auch im medialen Bereich zur Genüge gegeben hat.Jedenfalls fühle ich mich selbst so geprägt, wie ich es beschrieben haben.

Bei Augstein würde es mich wundern, wenn er irgendwo von Nazis erzogen wurde. Aber das weiß auch nur er selbst.

thinktankgirl 10.01.2013 | 17:33

... er kritisiert hart an der Grenze ...

Nein Augstein kommentiert nicht hart an der Grenze, wenn er sagt, es gäbe auch jüdische Fundamentalisten oder Gaza sei ein Lager Oder was soll es sonst sein, sofern sich diese Situation in den letzten zwei Jahren nichts substantiell geändert hat:

Crossing of people: Israel continues to maintain complete control of its border crossings with the Gaza Strip, and the air and sea space of the Gaza Strip. Until June 2006, it supervised movement of Palestinians via the Rafah Crossing on the Egyptian border. In June 2006, following the abduction of the soldier Gilad Shalit, the Crossing Agreement ceased to exist, and the crossing remains closed most of the time. In June 2007, when Hamas assumed power in the Gaza Strip, Israel tightened its control of the crossings along its border and currently prevents persons from entering and exiting the area except in isolated cases it deems humanitarian. Egypt only enables persons to cross through Rafah Crossing in

Crossing of goods: Israel continues to control the movement of goods into and out of the Gaza Strip. The three crossing points designated for this purpose - Karni, Sufa, and Kerem Shalom - are under Israel's sole control. Rafah Crossing has a terminal for the movement of goods, but under the Crossing Agreement, signed in November 2005 between Israel and the Palestinian Authority, it may be used for export alone. In any event, the agreement has not been implemented since the abduction of the soldier Gilad Shalit, on 25 June 2006. Israel's frequent closing of the commercial crossings and the imposition and tightening of the siege, in June 2007 has economically paralyzed the Strip - 90 percent of the factories and thousands of businesses have closed down and tens of thousands of persons have lost their jobs. Closing of the crossings has led to a sharp drop in the availability of basic items, including food and medicines. The tunnel economy that has developed as a result of the siege enables the entry of goods that Israel prohibits, but is not a suitable substitute for economic activity in the Gaza Strip.

Air space and territorial waters: Israel continues to maintain complete control over the air space and territorial waters of the Gaza Strip. Control of the air space enables Israel, among other things, to effectively and easily monitor actions on the ground such as interfering in aerial broadcasts, among them radio and television broadcasts. Israel has used its control of the waters off Gaza's coast to restrict fishing to only three nautical miles from shore. Israel does not permit the Palestinians to build a seaport or an airport in the Gaza Strip, impairing freedom of movement to and from the area and the Palestinians' ability to conduct foreign trade.

http://www.btselem.org/gaza_strip/gaza_status

 

 

 

Phineas Freek 10.01.2013 | 17:40

(Wie sehr) darf(!) man (eigentlich) kritisieren?

 

So sehr und solange die Erlaubnis gebenden Vorschriften, Gebote und Maßstäbe, gefälligst auch die befolgte Voraussetzung einer jeden Äußerung bleibt.

 

 (Wie sehr) darf man als(!!) Deutscher (eigentlich)…kritisieren?

 

So sehr und solange eine Äußerung auch als Resultat der befolgten nationalen Vorgaben und Maßstäbe erkennbar bleibt.

 

Dieses jedweden praktischen Willen ausmerzende und vorsorgliche Verfahren ist das glatte Gegenteil von Kritik, aber durchaus beabsichtigt und unabhängig zum Thema hier, die allgemein staatlich-gewährende „Grundfigur“ des „freien Meinens“.

 

Reinhold 10.01.2013 | 18:25

Ich verstehe nicht ganz, wieso man für eine präzise Kritik an irgendeiner Haltung oder Handlung Israels unbedingt auch immer erwähnen muß, daß Hamas, Ahmadinedschad (sp?) und unzählige andere Leute Dreck am Stecken haben. Das kann man doch nicht gleichsetzen. Israel nimmt für sich in Anspruch eine Demokratie nach westlichem Vorbild zu sein. Daran müssen sich die israelischen Politiker und Bürger messen lassen. Nur weil andere, schlechte Menschen schlechte Dinge tun ändern sich doch nicht die moralischen Ansprüche an Israels Politik.

EnidanH 10.01.2013 | 18:35

Unwissenheit schützt vor Reaktionen nicht...

 

... Augstein hat sich mehrere Male im Ton vergriffen, etwa, als er behauptete Israel und die USA seien die Nutznießer der arabischen Unruhen. Da wurde ihm hier zugejubelt.

Pardon, aber einem Journalisten, erst recht einem, der so präsent ist, sollten solche Worte nicht so nonchalant und wiederholt aus der Feder fliessen. Da muss man nämlich schon grübeln, aus welcher Ecke nun das kommt.

Israelkritik ist nicht per se Antisemitismus, sie ist aber auch nicht per se kein Antisemtismus, nämlich dann nicht, wenn die Politik Israel's kritisiert wird, weil man ein Problem mit Juden hat. Und dieses Problem dürften die Deutschen haben wie ein ewiger Stachel in der Deutschen Hoheit und in ihrem Glanze, das ewige schlechte Gewissen.

Dass die Deutschen, siehe Mitscherlich, das nie verarbeitet haben, nein, dass es ausgerechnet in den Reihen der "Linken" die größten Antisemiten gibt, kommt nicht von ungefähr. Denn man hat sich nie gefragt, wie ein Hitler bei uns so groß werden konnte, man hat nicht sehen wollen, dass die Deutschen so dumm und gefährlich sein können, nein, man fühlt sich immer noch ein wenig wie der Herrenmensch, der alles weiß. Und dieses Absolutheitsdenken findet man vor allem bei den selbsternannten Linken. Da passt es doch, dass die USA, der nächste Feind, mit Israel verbündet ist, so schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Und genau das hat Augstein getan bzw. geschrieben, dann sollte er sich jetzt auch stellen und nicht andere vorschicken.

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Ehemaliger Nutzer 10.01.2013 | 18:39

Wie sehr ein Deutscher Israel kritisieren darf? Wie sehr darf ein deutscher jüdische Kulturen kritisieren?

Diese Frage bewegt sich schon jenseits der Meinungsfreiheit!

Warum sollte ich als Deutscher denn nicht meine vollen Rechte wahrnehmen? Weil irgendwo irgendwelche Zentralräte sitzen?

Weshalb wird das Volk der Juden seit 2000 Jahren verfolgt in über 200 Ländern? Weil 200 Völker über 2000 Jahren sich böse verhalten und die guten Juden, die ewigen Opfer sind?

Dies ist die Kernfrage, um zukünftige Verbrechen auschließen zu können, aber wer diese Frage diskutiert ist ein Antisemit!

 

 

thinktankgirl 10.01.2013 | 18:41

Dass die Deutschen, siehe Mitscherlich, das nie verarbeitet haben, nein, dass es ausgerechnet in den Reihen der "Linken" die größten Antisemiten gibt ...

 

Aha, und wer sind diese größten Antisemiten? Noch grösser als irgendwelche Neonazi-Spacken? Noch grösser als die von Thomas Kuban gefilmten Rechtsrocker, die singen: Adolf, steig hernieder?

Zünden diese Linken Synagogen an?

 

Lapis 10.01.2013 | 18:53

Der erste Begriff, der mir  in diesem Beitrag unangenehm auffällt, ist die Bezeichnung "echte Nazis" für Altnazis. Als ob z.B die Mitglieder des NSU nicht ebenso "echte" Nazis waren.

Den Vergleich von muslimischen Fundamentalisten mit ultraorthodoxen Juden halte ich zumindest in Bezug auf deren reaktionäres, intolerantes und menschenfeindliches Weltbild für zulässig: Bei der rasant wachsenden Gruppe der Haredim herrscht das Prinzip der Geschlechtertrennung (auch in 65 Prozent der staatlichen religiösen Grundschulen), Frauen müssen im hinteren Teil eines Busses sitzen, dürfen nicht öffentlich singen oder tanzen und es gibt auch die Zwangsheirat.

Die Behauptung, Ahmadinedschad habe gesagt, er wolle „Israel von der Landkarte „fegen“" ist nachweislich falsch.

Dass Diplomatie seit jeher angeblich auch aus "Brutalität" bestanden haben soll, wirft ein merkwürdiges Licht auf das diplomatische Verständnis des Autors. Zu behaupten, die hochgerüstete Atommacht Israel sei trotz der wiederholten, offenen Kriegsdrohungen gegen den Iran keine Gefahr für den Weltfrieden, sondern Netanjahu bliebe kaum eine andere Wahl und er spiele mit Ahmadinejad nur "eine Partie Poker", ist an Zynismus kaum zu übertreffen.

 

 

 

Joachim Petrick 10.01.2013 | 18:56

@Georg von Grote 10.01.2013 | 15:36
"Was wirklich deprimiert, ist die im Raum stehende Frage, wie lange der Hauptdarsteller eigentlich noch seine Bauern in die vordersten Linien schicken will, damit die für ihn die Kastanien aus dem Feuer holen.

Wenn ich lese: "Er hat mich dennoch gebeten, etwas für seine Zeitung zu schreiben. Ich bin Journalist, Franzose, und ich bin Jude.", dann bekomme ich Bauchschmerzen und zwar gewaltige."

Ist das nicht die Beste aller Möglichkeiten, Meinungen von unterschiedlichen Seiten hereinzuholen, aufzubringen, wenn sich der Hauptkontrahent, das Simon Wiesenthal Center, einer Auseinandersetzung mit Jakob Augstein, allein darum geht es, formal wie inhaltlich, kategorisch verweigert?

Jakob Augstein hat mutmaßlich, anders als Du,  registriert, dass das weite Feld von sich anbahnenden Debatten kein freies "Schussfled" für direkte  Argumente ist, sondern, voller Unterholz, Dickicht anzutreffen ist, das es erst einmal gemeinsam zu lichten gilt?

Der gar nicht naiven Meinung noch Neutralität des Autors Olivier Guez

"Haltung, bitte! Aber eine neutrale "

ist an pathologisierender Unvermessenheit einer Welt, die auf Urteilskraft (s. Hannah Arendt) angewiesen bleibt, nicht zu überbieten.

Eigentlich will der Autor Jakob Augstein aggressiv gehemmt unverblümt sagen

"Halt die Klappe!Jetzt rede ich! Du danach noch lange nicht"?

Der Titel ist in sich eine doppelte Botschaft, in der die eine Botschaft der anderen widerspricht.

SPON ist eine Meinungskolumne von Jakob Augstein, eigens in einer Welt der unerträglichen Leichtigkeit des Ausgewogenseins zu dem Behufe aufgelegt, eben nicht neutral zu sein, damit andere sich, frischwärts, mit ihren Meinungen inhaltlich positionieren können, wenn sie wollen-

"Jeder führt sich selber ein und vor, so gut er kann"

So auch dieser Autor Olivier Guez.


Diesem Artikel ist eimal mehr zu entnehmen, dass es noch sehr viel an Unterholz Dickicht zu lichten gilt.

siehe:


https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/pathologisierungs-ab-c-des-journalismus


Joachim Petrick
10.01.2013 | 16:05

 

Pathologisierungs- AB(C) des Journalismus

seriousguy47 10.01.2013 | 19:04

@ ENIDANH

Das ist leider doch eine Aneinanderreihung von Vorurteilen, die im medialen Mainstream tief verankert sind.

1. Die Linke hat ein Problem mit dem Nahostkonflikt, weil sie sich da u.a. in einer Falle zwischen "Freiheitsbewegung", "Kapitalismus"-"Imperialimus"  und Antifaschismus-deutsche Schuld/ Verantwortung  wieder findet. Und als viertes Element kommt dann gelegentlich sicher auch noch ein neuer "Antisemitismus" (Stichwort: US-Finanzkapital) dazu, wie es ihn auch unter Linken gibt.  Da kann dann schon was durcheinander geraten.

2. Die "dumnmen Deutschen", die jedem Hitler nachlaufen, der ihnen über den Weg läuft enthält - wie in anderen Ländern auch -  einen wahren Kern, unterschlägt aber die Rolle, die andere beim Aufbau des Nazi-Reiches spielten, mindestens:

a. Die Kreise des "Kapitals", die keine (Sozial-)Demokratie wollten,.

b. Justiz und Verwaltung, die keine Demokratie wollten.

c. Das Militär, das keine Demokratie wollte.

d. Die Parteien, die keine (Sozial-)Demokratie wollten.

e. Andere Länder, die ein dauerhaft schwaches Deutschland wollten.

Die "Schuld" des "dummen Volkes" ist ein durchsichtiger, aber sehr erfolgreicher  Versuch all dieser Kreise, sich selbst zu ent-schulden und gleichzeitig ihre Demokratie-Aversion zu legitimieren. Mit einer Prädsiposition des "dummen Volkes" für Israelkritik hat es aber nun wirklich nichts zu tun.

elisRea 10.01.2013 | 19:21

Diese Gelegenheit kann ich mir nicht entgehen lassen, um auf die Forschungsergebnisse des israelischen Professors Shlomo Sand hinzuweisen, die in seinem hochinteressanten Buch:

„Die Erfindung des jüdischen Volkes“

nachzulesen sind.

http://www.fr-online.de/politik/interview-mit-shlomo-sand--es-gibt-kein-juedisches-volk-,1472596,3316306.html

Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu verlangt von den Palästinensern, dass sie Israel als jüdischen Staat anerkennen. Ist die Forderung sinnvoll?

"Shlomo Sand: Nein. Sie ist gefährlich und führt zu einer "Ethnokratie". Ein Viertel der Israelis sind nicht Juden. "Jüdisch" sein, ist ein Begriff, der ausgrenzt, im Gegensatz zu "israelisch". Jeder Araber in Israel ist Palästinenser und Israeli. Kommt dazu: Ein jüdisches Volk gibt es nicht. Das Judentum ist eine Religion aber keine Nation."

"Israel darf kein jüdischer Staat bleiben, meint Shlomo Sand. Zu dieser Auffassung kam der Historiker, als ihm klar wurde, dass der Exodus des jüdischen Volkes aus Israel nichts als ein Mythos ist."

http://www.fr-online.de/literatur/historiker-shlomo-sand-es-gibt-kein-juedisches-volk,1472266,2750060.html

 

 

Israel darf kein jüdischer Staat bleiben, meint Shlomo Sand. Zu dieser Auffassung kam der Historiker, als ihm klar wurde, dass der Exodus des jüdischen Volkes aus Israel nichts als ein Mythos ist. Von Arno Widmann

elisRea 10.01.2013 | 19:47

"Und in den Reihen der Linken gibt es die meisten Antisemiten"

:-) besonders  unter jüdischen/israelischen/semitischen Linken (-:

Und das gibt es nur unter Nichtlinken:

Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke (George Orwell)

denn:

Die Beobachtung eines gelben Autos bestätigt die Hypothese „Alle Raben sind schwarz“. (nicht von mir, aber von jemand anderem :-))

 

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Ehemaliger Nutzer 10.01.2013 | 19:50

Sorry, wenn ich darauf hinweise, daß die Erkenntnisse von Sand nicht wirklich etwas Neues sind.
Gershom Sholem, Walter Benjamin, Theoder W. Adorno und viele andere jüdisch-stämmige Intellektuelle als Akteure oder im Dunstkreis des Instituts für Sozialforschung haben diesen Mythos schon ab 1923 zerlegt...

Nachzulesen auch in Martin Jay´s Klassiker
"Dialektische Phantasie"

Geschichte der Frankfurter Schule und des Instituts für Sozialforschung 1923-1950

Boston 1973

auf deutsch erstmals 

bei Fischer, FfM, 1976

erschienen. Hervorragende Quellensammlung inkl.

Online leider noch nicht verfügbar, aber bestellbar. Lohnt sich für Interessenten, die etwas tiefer in die Materie einsteigen wollen, auch wenn das nicht so einfach ist, wie viele es sich hier und anderswo machen wollen. 

Joachim Petrick 10.01.2013 | 20:01

@Olivier Guez

"Es ist eine komische Manie geworden, diese Listen. Im Internet habe ich eine zu den schlimmsten Fluggesellschaften gefunden. Oder denken wir nur an jene, die von der Kommunistischen Partei Frankreichs zwischen den Jahren 1933 und 1945 veröffentlicht wurden, um „Verräter“ anzuprangern."

Seltsam! In Richtung der Simon Wiesenthal Center schwarzen Liste  geht Olivier Guez einer Tendenz zum deeskalierend humorigen Bagatellisieren, Richtung Jakob Augstein eher Richtung humorlosem Eskalieren nach?

Ist das die Art Haltung, die Olivier Guez meint, die angeblich zugleich "bitte neutral" ist

EnidanH 10.01.2013 | 20:03

Sie erliegen selbst einem Vorurteil...

 

... nämlich dem, dass ich mit "dumm" den Pöbel meine, damit trennen Sie automatisch wieder in unten und oben.

Abgesehen davon, ich schreibe nicht, dass es nur der dumme ungebildete Mob war, im Gegenteil, die Dummheit zieht sich von oben bis unten, rechts bis links hin.

Sehen Sie, Sie lesen in meinem Kommentar etwas, das da gar nicht steht, vermutlich weil Sie in rechts und links denken, so wie es eben jene Mainstream-Presse tut.

Meinen Sie mit Vorurteilen nun mich oder sich selbst? Das würde mich mal interessieren. Auch wenn mich das Schwarz-Weiß-Denken nun wirklich ermüdet: die bösen da oben, die armen da unten, gute Linke, die anderen sind dann natürlich rechts.

Dennoch: warum hier Hitler möglich war... das muss sich jeder mal fragen, auch wenn ihm die Antwort nicht passt und er sich nicht mehr als allwissender Übermensch fühlen kann ob seiner eigenen Unzulänglichkeit.

elisRea 10.01.2013 | 20:03

Nach einer der vielen traditionellen odes nach einer modernen=ganz aktuellen Bedeutung des Wortes?

"Was im 21. Jahrhundert antisemitisch ist"

http://www.tagesspiegel.de/meinung/debatte-um-jakob-augstein-was-im-21-jahrhundert-antisemitisch-ist/7602976.html

Denn, so die Logik des Verfassers:

Hexenverbrennung war Frauendiskriminierung.

Woraus folgt:

Ketzerverbrennung war Männerdiskriminierung.

Und:

Weil es Frauen- und Männerdiskriminierung auch heute noch gibt, ist die Kritik an einer rechten israelischen Regierung Antisemitismus, stimmt's Herr Malte Lehming?

seriousguy47 10.01.2013 | 20:08

@ fahrwax 10.01.2013 | 17:06

 Seriousguy47 10.01.2013 | 15:31:

„Nachgeborene wie ich sind unter Aufsicht von Alliierten, zurückgekehrten Emigranten und schuldbewußten Altvorderen zu einem hoch ethischen und moralisch aufgeladenen Demokratie- und Rechtsstaatsverständnis erzogen worden. Augstein später in seinem Elternhause wohl eher noch mehr.

Attacken auf die USA und/ oder Israel und die Verwendung von Begrifflichkeiten wie "Lager" sind in solchem Zusammenhang inhaltlich einzuordnen als möglicherweise überdrehte moralische Attacke aus einem möglicherweise moralisch überdrehten Politikverständnis heraus. Manchmal vielleicht auch einfach als Ausdruck enttäuschter "Liebe"/ Bewunderung/ Verehtrung.....“

fahrwax 10.01.2013 | 17:06:

Sind die, ebenfalls erzieherisch tätigen, Altnazis in der Aufzählung  dieser Problematik bewusst vergessen worden? Politik, Rechts- Sicherheitswesen wurden federführend durch die unerwähnten Konstruiert.

Unter Alliierter Betreuung standen die auch. Hatten und haben die sogar garkeine erwähnenswerte Funktion?

Ergänzend zu meiner ersten Antwort ( seriousguy47 10.01.2013 | 17:32 ) möchte ich nun doch noch etwas hierzu sagen, denn im Nachhinein scheint mir Ihr Kommentar zumindest eine Konnotation von „typisch rechte Realitätsverweigerung“ zu enthalten. Ich habe das mit der Amerika-Begeisterung und Israel-Bewunderung von Nachgeborenen in Deutschland ganz bewußt deshalb angeführt, weil dies in Wahrheit das Element ist, das im öffentlichen Diskurs penetrant unterschlagen wird, um umso leidenschaftlicher die „Vergangenheitskeule“ zu schwingen. Und ich wähle dieses Wort ganz bewußt, um den Missbrauch der Vergangenheit deutlich zu machen, der damit betrieben wird.

Wenn das mit der „enttäuschten Liebe/ Bewunderung“ stimmt – und ich bin mir da ganz sicher - , dann wirkt diese „Vergangenheitskeule“ nämlich persönlich verletzend, weil unwahr. Und sie führt zu sinnlosen Endlosdebatten, weil man aneinander vorbeiredet, anstatt gemeinsam zum gegenseitigen Verstehen zu kommen.

Und wo ich nun mal schon dabei bin. Der deutsche Völkermord-Versuch an den „Juden“ ist eine Sache, die nicht genug bedacht und bearbeitet werden kann. Wenn sich aber produktive Trauerarbeit zu einer unproduktiven chronischen Depression/ Aggression verfestigt und/ oder im persönlichen/ politischen Kampf zum gegenseitigen Beschädigungsritual verkommt, dann findet Trauerarbeit gar nicht mehr statt und es entsteht ein sinnloser und unproduktiver Teufelskreis.

Das ist das eine. Etwas anderes ist die Fixierung auf „Juden“ als Opfer der „Deutschen“. Opfer waren aber auch Deutsche (Juden). Es war aus deutscher und noch viel mehr aus europäischer Sicht ein Brudermord. In dieser Debatte um „Deutsche“ und „Juden“ wird dies notorisch unterschlagen und damit Rassismus weitergeschrieben und das eigentliche Verbrechen nicht vollständig erfasst.

Es erhält alles, so vom Ende her gedacht, auch eine sozusagen kriminelle Exklusivität. Bei manchen mag dann aus dem „ewigen Juden“ das „ewige Opfer“ werden, das nichts mit uns zu tun hat, sondern bloß nervt. In Wahrheit waren die „Juden“ sehr wertvolle Bürger und sehr wertvoll für unsere „Kultur“. Das aber sehe ich nirgends gewürdigt. Würde es gewürdigt und schmerzlich empfunden, würde man tatsächlich Trauerarbeit leisten und sich nicht aufs Prügeln mit Moralkeulen beschränken.

So würden aus Zahlen Menschen. Und so könnte man miteinander in förderliche menschliche Gespräche kommen (siehe dazu z.B. Dan Bar-On ).Und vielleicht sollten wir dann auch irgendwann einmal zu einer „Normalität“ kommen, in der wir nur noch von Deutschen, Israelis, Deutschen jüdischen Glaubens usw. sprechen und auf „Rasse“-bezogene Über-Begriffe verzichten. Mal so meine unbedachte Idee....



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Ehemaliger Nutzer 10.01.2013 | 20:09

um der Schlichtheit Ihres Denkens inkl. Intellektuellen-Bashing, fehlt nur noch die Gutmenschenkeule, eine niveaugleiche Antwort auf die Frage zu geben warum Hitler in der Weimarer Republik - nicht hier, die BRD ist was anderes - möglich war:

Weil einflussreiche, auch ausländische, Kreise ihn und seine Fußtruppen groß gemacht haben, nicht zuletzt aus Furcht vor der "roten Gefahr" in Tateinheit mit Kapitalanlage - und Expansionsplänen.

Glauben Sie nicht?
Lesen sie bitte bei Fritz Stern: Der Faschismus an der Macht.

nach, da wird auch der spanische und italienische Faschismus von seinen Ursprüngen bis zur Machtergreifung - mit dem Bildungs - und Besitzbürgertum als Steigbügelhalter - kontrastscharf analysiert.

Ansonsten schon mal was von Massenpsychologie des Faschismus (wieder so ein Buch, Igitt Bildung...)

gehört?

Lapis 10.01.2013 | 20:55

>>Haltung, bitte! Aber eine neutrale<<

 

...hatte ich ursprünglich für eine ironische Überschrift gehalten. Mir wäre nicht in den Sinn gekommen, dass dieses Oxymoron ernst gemeint sein könnte.

Fairerweise muss man dem Autor unterstellen, dass er die Ausgangsposition des Journalisten bei der Analyse eines Sachverhaltes gemeint hat. Falls aber die Einordnung und Beurteilung des jeweiligen Sachverhaltes gemeint ist, so kann Neutralität wohl kaum ein Merkmal von "Haltung" sein.

elisRea 10.01.2013 | 21:07

"Denn man hat sich nie gefragt, wie ein Hitler bei uns so groß werden konnte, man hat nicht sehen wollen, dass die Deutschen so dumm und gefährlich sein können, nein, man fühlt sich immer noch ein wenig wie der Herrenmensch, der alles weiß."

Wie konnte Hitler in D. so groß werden? In erster Linie durch seine Finanziers aus der Großindustrie und unter anderem durch  die:

1. Freicorps

http://de.wikipedia.org/wiki/Freikorps_Oberland

2. Inszenierte Terroranschläge, die dem politischen Gegner in die Schuhe geschoben wurden, z.B. Reichstagsbrand

3.  Die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 (RGBl. I S. 83), auch als Reichstagsbrandverordnung

http://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_des_Reichspr%C3%A4sidenten_zum_Schutz_von_Volk_und_Staat

4. Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933

http://de.wikipedia.org/wiki/Erm%C3%A4chtigungsgesetz#Erm.C3.A4chtigungsgesetz_vom_24._M.C3.A4rz_1933

In den Schulen meiner Kinder hat mahn sich das gefragt und zwar ausgiebig. Sind Sie zur Schule gegangen?

"DIE dummen Deutschen" haben in der letzten Wahl am, die man in der WR demokratisch nennen kann, am 6.11.32 folgendermaßen gewählt:

16,9% KPD

20,4% SPD

11,9% Zentrum,

8,8% DNVP

33,1% NSDAP (die im Vergleich zur vorigen Wahl am 31.7.32 mehr als 4% an Wählerstimmen verloren hatte)

Trotz riesiger Propagandamaschienerie, Massenarmut, Naziterror und Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933, hatte die NSDAP bei der Wahl am 3.3.33 keine Mehrheit.

56% der deutschen Wähler haben NICHT Hitler und die Nazis gewählt!

30,6% der deutschen Wähler haben SPD und KPD gewählt.

So viel zu den FAKTEN, was die "dummen Deutschen", zu denen selbstverständlich auch Deutsche jüdischen Glaubens gehörten,! betrifft.

Diese FAKTEN gehören zum THEMA Antisemitismus und Deutschland.

Ich hoffe, dass Sie (und andere) die Links anklicken, sich informieren, dann etwas mehr wissen und Ihre Auffassung revidieren.

elisRea 10.01.2013 | 21:10

[Da fehlte ein Stüch - nochmal:]

"Denn man hat sich nie gefragt, wie ein Hitler bei uns so groß werden konnte, man hat nicht sehen wollen, dass die Deutschen so dumm und gefährlich sein können, nein, man fühlt sich immer noch ein wenig wie der Herrenmensch, der alles weiß."

Wie konnte Hitler in D. so groß werden? In erster Linie durch seine Finanziers aus der Großindustrie und unter anderem durch  die:

1. Freicorps

http://de.wikipedia.org/wiki/Freikorps_Oberland

2. Inszenierte Terroranschläge, die dem politischen Gegner in die Schuhe geschoben wurden, z.B. Reichstagsbrand

3.  Die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 (RGBl. I S. 83), auch als Reichstagsbrandverordnung

http://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_des_Reichspr%C3%A4sidenten_zum_Schutz_von_Volk_und_Staat

4. Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933

http://de.wikipedia.org/wiki/Erm%C3%A4chtigungsgesetz#

In den Schulen meiner Kinder hat mahn sich das gefragt und zwar ausgiebig. Sind Sie zur Schule gegangen?

"DIE dummen Deutschen" haben in der letzten Wahl am, die man in der WR demokratisch nennen kann, am 6.11.32 folgendermaßen gewählt:

16,9% KPD

20,4% SPD

11,9% Zentrum,

8,8% DNVP

33,1% NSDAP (die im Vergleich zur vorigen Wahl am 31.7.32 mehr als 4% an Wählerstimmen verloren hatte)

Trotz riesiger Propagandamaschienerie, Massenarmut, Naziterror und Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933, hatte die NSDAP bei der Wahl am 3.3.33 keine Mehrheit.

56% der deutschen Wähler haben NICHT Hitler und die Nazis gewählt!

30,6% der deutschen Wähler haben SPD und KPD gewählt.

So viel zu den FAKTEN, was die "dummen Deutschen", zu denen selbstverständlich auch Deutsche jüdischen Glaubens gehörten,! betrifft.

 

pleifel 10.01.2013 | 21:10

"Eine Bilanz". Hoffentlich vorläufig der letzte Beitrag über "Antisemitismus".

Was hat das SWC für Wellen geschlagen. Der arme Broder weiß nun überhaupt nicht wie ihm geschieht, schließlich hat er JA nicht "denunziert". Das SWC hat sich nur seiner Texte bedient. Und natürlich geht es ihm nicht um die Person, sondern ausschließlich um Inhalte.

Der Mann ist geschickt. Er geriert sich als Verteidiger legitimer Interessen Israels, da JA nur ein Symptom deutschen Antisemitismus´ darstellt, die durch ihn eine bekannte Stimme verliehen wird.

Broder möchte die Rolle eines tapferen Rufers in der Wüste einnehmen, der sich durch den traditionellen deutschen Antisemitismus kämpft. Kritiker seiner "strafprozesswürdigen" Nazivergleiche ignoriert er, oder setzt seine üblichen, spitzfindigen Ausweichstrategien ein.
Man lese nur einmal die Kommentare in der Welt von seiner Anhängerschaft. Dann gewinnt man einen guten Eindruck über die Einseitigkeit.

Er ignoriert dabei völlig, dass außer verhaltener Kritik der Leitmedien, keine echten Maßnahmen gegen Israel ergriffen werden. Es bleibt bei vereinzelten Protesten. Von Palästina wird zwar häufig berichtet, aber außer mitleidsvollen Bekundungen geschieht nichts.

Seit dem Beobachterstatus Palästinas in der Uno, hat Israel die Steuergelder der Palästinenser zurückbehalten. Sind die Gelder inzwischen geflossen?

Israel soll international so behandelt werden, wie jedes andere Land in der UNO. Das bedeutet dann auch, bei Missachtung von UNO-Resolutionen, gleiche Konsequenzen wie gegen Länder der arabischen Welt. Aber, hier setzt der Westen die Maßstäbe. An den USA kommt keiner vorbei. Und solange das so bleibt, können wir uns noch so sehr bemühen, es wird keine politischen Konsequenzen haben.

Sollten in meinem Text Überschneidungen mit anderen Beiträgen vorliegen, dann sorry, ich habe nicht mehr alles gelesen. Hier läuft halt vieles parallel.

 

 

elisRea 10.01.2013 | 21:33

Ich hoffe, dass Ihnen mein feiner ironischer Unterton, der nicht gegen Sie gerichtet ist :-), nicht entgangen ist. Mir liegt daran nicht missverstanden zu werden.

Ich wollte die geschickt sophistisch aufbereitete Polemik des Herrn Malte M. vom Tagesspiegel etwas pieksen.

Sie haben selbstverständlich mit Ihrer Diagnose Recht. Was bedeutet, Herr M.L. nicht, Herr B. nicht und der Herr "Rabbiner" vom SWC auch nicht. PUNKT! Da kann man rumeiern wie man will.

 

 

 

Lapis 10.01.2013 | 21:57

Die Frage ist, ob Olivier Guez sich die Kommentare hier überhaupt übersetzen lässt und ggf. auch antwortet. Ansonsten endet das sowieso wieder in den immergleichen, endlosen Grundsatzpolemiken, ohne dass sich irgendjemand von irgendetwas überzeugen lässt.

Die Strategie von Herrn Augstein, sich nicht auf jede Pöbelei und Anfeindung einzulassen und diese zu erwidern , halte ich grundsätzlich zwar für richtig – allerdings nicht bis Ultimo. Denn auch diese erfolgreiche Merkel-Taktik hat ihre Grenzen.

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Ehemaliger Nutzer 10.01.2013 | 22:14

was "das Jüdische" ist unabhängig vom Glauben der Einzelnen der Umstand in eine jüdische Community hineingeboren worden zu sein und dort i.d.R. im sozialräumlichen Abstand zur Mehrheitsgesellschaft mit anderer Kultur, Religion und vor allem "Werten" aufzuwachsen.

Zur weiteren Klärung genügt ein Blick ins Geschichtsbuch.
Es gab und gibt faktisch in allen Ländern dieser Erde jüdische Gemeinden, die sich aus eigenem Antrieb oder durch Ausgrenzung aus der Mehrheitsbevölkerung separierten, manchmal wirkte auch beides zusammen.

Daraus resultiert ein Lebensgefühl, das in der positiven Wendung dem des "auserwählten Volks" entspricht, das in einer Art Schicksalsgemeinschaft aller jüdischen Gemeinden seinen Ausdruck findet, die nicht selten in praktischer Solidarität verbunden.

Es ist schon eine ziemlich einmalige Sache, denn alle anderen Religionsgemeinschaften und Kulturkreise sind in ihrer Anlage vergleichsweise bodenständig, d.h. sie haben sich von einem Zentrum ausgehend in alle Richtungen ausgebreitet.

Das Judentum hatte über Jahrtausende in Israel - das im Mythos ja nie als Staat gedacht war - nur ein imaginiertes Zentrum und breitete sich folglich in dezentralen Gemeindestrukturen aus, wobei jede communitie relativ frei in der Ausbildung ihrer Eigenheiten war und sich dennoch in Verbindung mit den anderen wähnte.

Der Schlüssel zur jüdischen Identität ist folglich weniger die Religion, sondern die Kommunikation untereinander, über die gemeinsame Sprache, die Musik, den Tanz, die unfassbar hohe Bedeutung von Bildung und die Weiterreichung der Schriftkultur.

Von daher ist es kein Wunder, daß in diesen Milieus auch sehr viele Künstler und Intellektuelle heranreiften, die sich kritisch mit der sie umgebenden Gesellschaft auseinandersetzten - sehr zum Mißfallen derer, die sich darin eingerichtet hatten und derer die zum Zielobjekt der Kritik wurden.

Wer in so einer Umgebung aufwächst der merkt nicht nur schnell das Mißfallen der nicht-jüdischen Bevölkerung die ihm ständig sein Anderssein signalisiert, der nimmt auch das jüdische Mantra der Heimatlosig - und Andersartigkeit - als gemeinschafts, sinn - und identitätsstiftendes Kernelement dieser Kultur - praktisch mit der Muttermilch schon - in sich auf und formt daraus eine Haltung, die sich dann tatsächlich von denen seiner nicht-jüdischen Mitmenschen unterscheidet, selbst dann wenn diese das gar nicht mitbekommen.

Um diesen zu entgehen haben sich viele nicht-religiöse Juden sehr darum bemüht nicht aufzufallen bzw. sich zu assimilieren.

Wie die Geschichte zeigt, hat es den Wenigsten etwas gebracht.

 

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Ehemaliger Nutzer 10.01.2013 | 23:22

Ich bezweifle mal, daß das der Grund ist. Ich denke vielmehr, daß Israel schon seit der Gründung ein Pfahl im Fleisch des zuvor von den Briten und Franzosen entmündigten arabischen Lagers war und die diversen daraus resultierenden Kriege - heute in Kombination mit Massenaufstand und quasi-Guerilla vor der Haustür - ohne westliche - speziell US-amerikanische - Unterstützung nicht überstanden hätte.

In einer Situation permanenter Bedrohung von aussen bilden sich schnell Lagermentalitäten, die insbesondere von rechten Hardlinern und Nationalisten ausgebaut und verwertet werden können. Dabei ist die Unterscheidung von Antisemitismus und Israelkritik eher hinderlich.
Auffällig ist die Intellektuellenfeindlichkeit dieser Regierung im Innern wie im außenpolitischen Rahmen.
Das hat so ein vertrautes Geschmäckle...

goedzak 10.01.2013 | 23:56

Als ich am Abend den Print-Freitag aus dem Kasten nahm und den Titel sah, dachte ich, gut so, das ist offensives Umgehen mit einem Shitstorm. Dann schlug ich die Doppelseite auf und wurde sogleich in die Michael-Angelesche Depression zurückgestoßen, und zwar noch tiefer, als ich vorher drin war.

M. Angele hatte ja immerhin etwas angefangen, was nun hier, so glaubte ich in meiner Freitag-freundlichen Naivität, mit Verve weitergeführt werden würde: die Analyse und Kritik einer Debatte - nicht ihr weiteres Breittreten.

Dass man nebenbei auch noch auf der Doppelseite in Papier verewigt  die schon im FC-Digital-Raum unerträgliche Spreizerei und Egomanie eines Grote, der in die "Debatte" hauptsächlich seine dünnstrahlige Augstein-Anpisserei eingebracht hat, vorfindet, ist ja irgendwie noch zu verschmerzen.

Dann aber auch noch den honorierten Zeilensalat ("Wir müssen sparen"???) des von ihm selbst gefühlt "bösesten" aller hier in Feindesland tapfer kämpfenden Antilinken vorgesetzt zu bekommen, war schon ne echte Überrraschung. Die 'Kritik' der Verwendung des Wortes 'Lager', geschrieben von jemandem, der gern mal z.B. die DDR-Plattenbauten als eine Art von der Stasi errichteten Pferch und seine humanoiden Insassen als eine Art entmenschlichte, de-kulturaliserte kommunistische (bei Bedarf auch nazistische) Lemuren sieht, kann ich, wenn ich ganz doll nett sein will, nur bigott nennen. - Da ist es wiederum fast schon verschmerzbar, wenn einem die seit mindestens 20 Jahren ausgelutschte püschologisierende These von den auf Israel projizierten deutschen Phantomschmerzen ein weiteres Mal aufgetischt wird. (Obwohl ich ja doch erwartet hätte, dass wenigstens der zuständige Redakteur / die zuständige Redakteurin den Quatsch nicht für nen originellen Gedanken hält.)

Die eigentliche Enttäuschung ist aber dieser Hauptartikel. Es wird, wie in der ganzen sog. Debatte allgemein üblich, auf Worten herumgeritten, bei jeder Aussage die nicht eilfertig beigelieferte Gegenaussage eingeklagt, Quantitäten verglichen (Fundamentalist darf man erst geheißen werden, wenn man so und soviel böse Taten vollbracht hat etc.pp.)

Die alles einrahmende Behauptung, Jakob Augstein wäre natürlich ganz gewiss kein Antisemit, wirkt da schon ein wenig albern, oder?

 

Naja, mal sehen, wie das hier alles so weiter geht...

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2013 | 00:38

Kannst du mal die Quelle zu Guez als "Antilinker" nachreichen?

Deine Lesart von den beiden Büchern Guez ist ja ziemlich drastisch, aber deren Verbreitung hierzulande doch eher gering, oder?

Aber wie man sehen kann, auch dieser Autor polarisiert. Zwar nicht durch seinen Beitrag soweit ich sehe, aber durch seine Person.

Egal wie, es wird weitergehen und so lächerliche Themen wie die kommenden Wahlen kommen erst gar nicht ins Visier der streitbaren FC.

Egal, ob die Debatte sich im Kreise dreht.

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2013 | 08:01

Habe eben mal nachgeguckt, bevor unser Junge den Freitag mit in den Schulbus mitnimmt.
Stimmt, der Kuntz oben rechts – ne Polemik, wie üblich.
(an den Anspielungen kann man sehen, wer schon sehr lange in der FC ist und wer nicht)
Naja, dessen FC-Werke kenne ich kaum, was ich bisher so las habe ich gewogen und für zu leicht befunden...
;-)

Da mir Zeilenhonorare für Blogger vertraut, ist diese Ausgabe keine Aufregung wert, meine ich.
Gut finde ich den inhaltlichen und stilistischen Kontrast, auch wenn die Botschaft „regt euch nicht so künstlich auf“ bei mir – siehe unten – mit den Stichworten (linke) Phantomschmerzen und Sakralisierung von der „bösen bösen deutschen Vergangenheit“ nichts Neues von Seiten der zynischen Dystopikerfraktion ist. Anti-Links ist das aber noch nicht, noch nicht mal anti-deutsch.
Für ne Polemik zudem etwas bezugsunscharf außerdem, mich spricht er damit jedenfalls nicht an, obwohl ich nicht nur dem Pass nach deutscher Herkunft und in meiner politischen Biographie eindeutig links zu verorten bin.

Einzig die Stoßrichtung der Gesamtzusammenstellung verrät mir was evtl. die eigentliche Botschaft der Doppelseite sein soll:

Kommt mal wieder runter liebe Freitag-Community, der Augstein ist auch nach der Erhebung in den antisemitischen Adelsstand durch den Broder und das SWC immer noch nicht – auch nicht als Zielscheibe der Trittbrettfahrer dieser Anwürfe - der Lieblings – und Vorzeige-Linke der Nation noch der bundesdeutschen Linken, der sich weder von den einen vor den Karren, noch von den anderen vor sich her bzw. als Sau durch´s Dorf treiben lassen will...
(er bezeichnet sich als „im Zweifel links“ und als kritischer Journalist, von daher kann ich seine taktisch erscheinende Zurückhaltung gegenüber extremeren Positionen und der Zweit – bis Drittverwertung der Vorgänge in anderen Medien gut verstehen, Selbstbeschädigung „im Amt“ ist halt nicht sein Ding und würde auch den Freitag vermutlich beerdigen)
Die mediale Aufregung darum verrät nur in welcher instabilen und empfindlichen Gemütslage sich einige Bevölkerungsgruppen versetzt sehen oder wähnen, wenn es um antisemitische Ressentiments in Gemengelage mit einer Kritik der Politik der israelischen Regierung geht.
Die da wie dort auftretenden antiintellektuellen Reflexe lassen allerdings auf eine tiefgehende Verunsicherung im Umgang mit der durch untergründige Verflechtungen unabgeschlossenen deutsch-jüdischenn Geschichte schließen, die Vereinfachungen, Polarisierungen und Polemisierung der Debatten nehme ich dafür mal als Indizien.

Jedenfalls halten sich meine „Phantomschmerzen“ in Grenzen – es ist eher ein Unbehagen vorhanden, daß sich in erster Linie aus der Geschichts – und Gedankenlosigkeit mancher Beiträge zum Thema speist – da hilft nur nüchtern-sachliche Aufklärung im Sinne einer politischen Bildung, die auch zur Entwicklung einer entsprechenden Gesprächskultur einlädt – wobei klar sein sollte, daß der Holocaust und seine Folgen für die Enkel und Urenkel der Peiniger und Verantwortlichen industrieller Menschenvernichtung ein Kapitel ist, mit dem sich niemand der Nachgeborenen je wird versöhnen können, auch wenn die Erinnerung daran auch auf jüdisch-israelischer Seite langsam verblasst: die beiderseitige Unversöhnlichkeit bleibt und das ist auch gut so bzw. die Voraussetzung für einen Dialog, der sich diese Bezeichnung allerdings erst noch verdienen muß.
I.d.S.

a.

Josef Knecht 11.01.2013 | 09:24

Ich kenne zwei Arten von Antisemitismus, erstens den religiösen- zweitens den rassistischen Antisemitismus. Ersteres gib es knapp 2000 Jahren, zweiteres seit den Darwinismus.

Was Austein, sagt und schreibt hat für mich nichts mit beidem zu tun sondern, mit einer Position der Israelischen Politik gegenüber, das ist doch nicht Anti-Jüdisch, es sei den Israel ist ein Gottesstaat.

Wolli56 11.01.2013 | 10:03

Ich habe in den letzten Tagen 2 Mails geschrieben. Die erste an den Zentralrat der Juden und Marie Luise Beck(Grüne).Vom Zentralrat der Juden wurde nicht geantwortet:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich habe schon als neunjäriger Sternkinder gelesen (1965), d.h. in einer
Zeit als Filbinger und Konsorten noch allerorten waren. Ich haben meinen
Vater immer wieder mit Fragen über die Wehrmacht im 2 Weltkrieg in die
Enge getrieben. Ich habe mich während eines Gewerkschaftsseminars mit
dem Referenten angelegt, als er den 6 Tage Krieg als imperialistischen
Eroberungsfeldzug bezeichnete. Aber was ich in den letzten Jahren vom
Zentralrat der Juden beobachte ist in meinen Augen ein Angriff auf die
Meinungsfreiheit (Walser, Grass).
Ihre Intervention bezüglich des Gedichtes des Herrn Graumann läßt auf
ein recht fragwürdiges Demokratieverständnis schließen. Weiter so, und
Sie werden damit Rechtsradikalismus und Antisemitismus stärken, ob Sie
wollen oder nicht.


Wolfgang Sender


PS
Und womit kann ich dienen, vielleicht eine kleine Hexenjagd auf jemanden
der der Meinung ist, daß Demokratie auch bedeutet über unbequmes zu
diskutieren. Oder doch lieber das Standardprozedere mit der
Antisemitismuskeule ?

 

Man kann mir hier mit recht Polemik vor werfen, aber hat noch  Herbert Wehner life erlebt?! Ich war seinerzeit nicht mit allem was er gesagt hat einverstanden und erst recht nicht mit dem Niveau seiner Äußerungen. Aber er wurde und daß nicht nur posthum immer wieder als Beispiel eines lebenden Demokratieverständnisses angeführt. Das was derzeit läuft erinnert mich fatal an den vorauseilenden Gehorsam bzw. die innere Schere im "Der Untertan". 
 Sie müssen wissen ich bin von der Sozialisation her das was man heute ein Präkariatskind nennt. Daher nehme ich Entwicklungen aus der sogenannten Unterschicht vielleicht ein bischen besser war und  habe im Lauf der letzten Jahre den Eindruck gewonnen das die Geschichte mit dem NSU symptomatisch ist und letztendlich durch die mittlerweile allgegenwärtige Moralkeule befeuert und vielleicht sogar ausgelöst wurde. Ich denke das war nicht die letzte Aktion und bin auch überzeugt das man mit Gegendemonstrationen und moralischen Appellen diese Menschen nicht erreicht. Um es an einem konkreten Beispiel zu demonstrieren: Hätte man das Geld für das Holocaustmahnmal in einem Fond angelegt und ein Schüleraustausch mit Israel initiert, vor allem solange es noch Überlebende der NS Zeit gibt, hätte man fraglos mehr erreicht als mit einem Sammelsurium von Betonklötzen das in spätestens 20 Jahren vergessen ist.
Ich denke in einem sind wir uns einig, daß was war darf nicht mehr geschehen. Nur die Art wie dies betrieben wird ist kontraproduktiv.
Wie hatte doch vor einiger Zeit ein nahmhafte deutsche Wochenzeitung geschrieben: Der Rechtsrdikalismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Oder glaubt jemand allen ernstes das die NSU Geschichte nur ein Kompetenzproblem war ?

goedzak 11.01.2013 | 10:23

Kuntz, Dein leider berechtigtes Triumphgeschrei zeigt, was hier Dein eigentliches Ziel ist: Verachtung äußern und demütigen. Da Selbstgefälligkeit zu den unerschütterlichsten menschlichen Eigenschaften gehört, wirst Du damit fleißig weitermachen. Du bekommst hier dafür ein warmes Plätzchen geboten, dass der von Dir gönnerhaft von Antisemitismusvorwurf freigesprochene, eigentlich aber zum deutschen Deppen erklärte Jakob Augstein und natürlich auch von depperten linken Abonnenten seiner Zeitung bezahlt wird. Ein Fressen!

Aussie42 11.01.2013 | 10:52

Herzlichen Glueckwunsch zum lupenreinen antifaschistischen Lebenslauf. Ich  hatte "erzieherische taetige Altnazis", von meinen Eltern angefangen bis zum Oberstudienrat. Ich habe den Antisemitismus mit der Muttermilch eingesogen.

(Erst auf der Uni ist der erste Migrant aufgetaucht.) Darum kenn ich die antisemitische Quatscherei   aus dem ff.  und kann ich mit grosser Sicherheit sagen: Jakob A. ist kein Antisemit.

Er mag Antizionist sein, Vorbehalte gegen Israel und dessen Politik haben usw. Damit ist er nicht allein. Das ist auch nicht neu. Benjamin, Mitscherlich et. al. wurden als Brueder gleicher Kappen bereits erwaehnt.

Warum also die mediale Aufregung?

Es gibt seit den 50er Jahren  und den deutschen Philosemitismus. Das fuehrte u.a. dazu, dass jeder deutsche Politiker, der "was geworden" war, sich  als Rabbi aus dem stedtl verkleidete und nach Jerusalem mit ganz erstem Gesichtsausdruck pilgerte.

Jakob A. ist nie mitgepilgert. Das macht ihn H. Broder und dem SMC verdaechtig. So what.

 

 

J.Taylor 11.01.2013 | 11:42

@thinktankgirl

Danke für die Erklärung in meiner Muttersprache! Der Nahostkonflikt ist ein Krieg, und wie in jedem Krieg verschwimmen die Eigenschaften der Guten und Bösen zu einem widerlichen Brei. Wenn Sie sich nur mit den Wirkungen dieses Irrsinns beschäftigen, beispielsweis dem Body Count, dann verpassen Sie vielleicht eine gute Gelegenheit zu ergründen, warum Menschen voller Hass aufeinander unfähig zum Umgang miteinander sind. Das ist nicht mehr der Konflikt, der mit der BALFOUR DEKLARATION und der Konferenz von San Remo beigelegt werden sollte, seit den 70er Jahren ist das ein Geschäftsmodell. Schauen Sie sich an, wer wie daran verdient! Die Protagonisten des Irrsins tagen keine Sweet16 oder eine Kalshnikov, sondern Anzüge. Die Toten, von denen Sie schreiben, sind die Schachfiguren, die diesen Leuten die Provisionen sichern.

Niemals 11.01.2013 | 12:40

Diese gesamte, seit Tagen andauernde, Diskussion um die Antisemitismusvorwürfe gegen Augstein zeigen sehr deutlich auf, wie wichtig dieses Thema für uns, den hier in Deutschland lebenden Menschen, ist.

Die allermeisten von uns sind mit dem Bewusstsein an das grausame Vermächtnis der Nazis groß geworden.

Aber dürfen wir deshalb nicht Dinge kritisieren die wir für falsch ja sogar für unmenschlich halten?

So wie ich z.B. die Politik der Staaten die in Afghanistan einmarschiert sind kritisiere, so wie ich die Verdunklungspolitik der deutschen Verfassungsschützer im NSU-Fall kritisiere, so wie ich das Ausrasten einiger Islamisten auf Grund des bekloppten Mohamed-Films kritisiere, so wie ich die Taten einiger katholischer Priester, und noch mehr die Boykottierung der Aufklärung dieser Taten, kritisiere, so kritisiere ich auch die Politik der Israelis. Und bei all diesen Kritiken ist mir eines ganz sicher total egal, und zwar den albernen Gott den die einen und die anderen bei Ihren unmenschlichen Taten anbeten!

Nicht dass ich alles was die Palästinenser tun für gut erachte, aber das was dort Israel mit diesen Menschen macht, ist ein Holocaust der eigenen Art. Israels Politik ist unmenschlich und mörderisch und gehört vor den internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Und noch etwas, nicht ein Antisemit ist jemand der solche Dinge ausspricht, sondern Realist.

thinktankgirl 11.01.2013 | 14:16

Noch ein Detail am Rande, das leider nirgends erwähnt:

Augstein spricht vom Lager und bezieht sich auf Aussagen von israelischen Offiziellen, die von Wikileaks veröffentlicht wurden und die er im Absatz zuvor zitiert:

 

Wir wissen aus den WikiLeaks-Depeschen, was Israel in Gaza tut. Im Jahr 2008 erklärten israelische Offizielle den Amerikanern, dass Gaza ganz bewusst und absichtsvoll "am Rand des Kollaps" gehalten werde, ohne dass es aber zum völligen Zusammenbruch komme. Gaza solle "auf dem niedrigsten Level funktionieren, der gerade noch eine humanitäre Katastrophe" ausschließe.

Selbst das ist gelogen. Die Katastrophe geschieht. Gaza ist ein Ort aus der Endzeit des Menschlichen. 1,7 Millionen Menschen hausen da, zusammengepfercht auf 360 Quadratkilometern. Gaza ist ein Gefängnis. Ein Lager. Israel brütet sich dort seine eigenen Gegner aus.

In dieser Wikileaks-Depesche steht u.a:

 

Israeli officials have confirmed to Embassy officials on multiple occasions that they intend to keep the Gazan economy functioning at the lowest level possible consistent with avoiding a humanitarian crisis.

 

As part of their overall embargo plan against Gaza, Israeli officials have confirmed to econoffs on multiple occasions that they intend to keep the Gazan economy on the brink of collapse without quite pushing it over the edge (see reftel &D8).

 

 

MiNo 11.01.2013 | 15:52

Lieber Freitag,musst du denn wirklich mit einer solch möllemannschen Titelfrage daherkommen? Da schämt man sich ja gegenüber den anderen HausbewohnerInnen für sein Zeitungsabo... neulich schon die Sexschlagzeile und nun das. Würg

Mal davon ab: bist du wirklich nur noch das private Sprachrohr des JA? Der letzte mutige Deutsche. Kotz

Ich weiß nicht, aber wenn das so weiter geht, dann sagen wir Tschöö. Für sowas braucht dich kein Schwein. Mundabputz.

PS: wieso sind denn die Abopreise eigentlich dem gekürzten Angebot (Alltagsteil) nich angepasst worden? Aber dann im A-Z-Teil über Preissteigerungen und Zeitungssterben schwadronieren.

Mei Nung 11.01.2013 | 16:01

Im DUDEN -Herkunftswörterbuch steht unter "kritisch" u.a. die Erklärung: "streng prüfend und beurteilend (was schon Neutralität ausschließt!)," aber auch "anspruchsvoll " und "wissenschaftlich erläuternd", zudem wird auf das dem Adjektiv entlehnte griechische Verb "krinein " hingewiesen, was u.a. "scheiden, trennen" bedeutet. Womit wir beim Problem wären: Eine ernsthafte Kritik muss diesen Kriterien entsprechen können, wenn sie wirklich im besten Sinne ernst genommen werden will, was zugegeben nicht leicht fällt ( auch mir nicht!). Bzgl. Israelkritik  kommt aber notwendigerweise noch ein Kriterium hinzu, das uns leider ( aufgrund auch der von Mitscherlich zu Recht bei der Nachkriegsgeneration diagnostizierten UNTERBEWUSST vorhandenen narzistischen Kränkungen )heute immer noch sehr, sehr schwerfällt : Sie sollte aus echter Sorge einem Freund ( sozusagen als Tapferkeit vor dem Freund!) ausgesprochen werden. Und an dieser inneren HALTUNG ( die vielleicht auch eine gewisse Bereitschaft zur Neutralität voraussetzt!) hapert es bei uns Deutschen leider, leider immer noch.

An dieser inneren Haltung zweifle ich weder bei Augstein noch bei Grass ( zu dessen berechtigter, aber formal katastrophalen Kritik  bzw dem Anlass seiner Kritik die Diskussion inhaltlich langsam zurückfinden sollte!), aber diese innere Haltung ist bei vielen Deutschen entweder stark verkümmert oder so gut wie gar nicht vorhanden.

Vielleicht weil wir Israel gar nicht als Freund empfinden?

Erinnert sich noch jemand an den Aufschrei ( vornehmlich konservativer Kreise), als Wulff sagte: "Der Islam gehört zu Deutschland."? Da sprach man plötzlich von unseren christlich-JÜDISCHEN Wurzeln. ( die hier auch schon dankenswerterweise u.a. von seriousguy47 angesprochen wurden!)

Wo sind sie plötzlich geblieben in dieser Diskussion, diese Wurzeln?

Die Juden haben sich in erster Linie vor allem als Deutsche gefühlt, ihre kulturellen und wisssenschaftlichen Leistungen haben Deutschland bis heute geprägt. Erst Hitler hat sie wieder daran erinnert, dass sie Juden waren. Was sich Deutschland damals selbst angetan hat, war noch irrsinniger als Brudermord, es war geradezu Selbstzerfleischung!

Der Begriff " Antisemitismus" wurde im übrigen 1879von dem (linksradikalen!) Hamburger Ideologen Wilhelm Marr geprägt und wird heute eigentlich nur noch in verleumderischer Weise benutzt, was insofern schon zur Unschärfe des Begriffs beiträgt, weil er ursprünglich ganz anders gemeint war, nämlich als triumphierendes programmatisches Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen damaligen "völkischen" Bewegungen.  Marr wollte der Judenfeindschaft mit seinem Begriff einen wissenschaftlichen Nimbus verpassen, was zur Folge hatte, dass Antisemiten in Juden künftig nicht mehr Angehörige einer Religionsgemeinschaft, sondern eine eigene, minderwertige "Rasse" sahen, ein Irrsinn im Denken, eine uferlose Dummheit , die leider bis heute anhält, aber, man muss es leider sagen ) (ich sag es als linker Intellektueller!), die ursprünglich von einem linken Intellektuellen losgetreten wurde!

("Nichts ist gefährlicher als die Dummheit der Gescheiten." Abraham Lincoln)

Eine konstruktive Kritik an Israel , aus der Position eines sich sorgenden Freundes,ist bitter nötig und wird es weiter bleiben, leider, aber sie muss, muss, muss  differenziert ausgedrückt werden, aus Verantwortung gegenüber der gegenwärtigen Anfälligkeit vieler unter uns für rückwärtsgewandtes Denken und gegenüber unserer Vergangenheit, ist das zuviel verlangt?:

" Die stellvertretende Verantwortung für Dinge, die wir nicht getan haben, das Auf-uns-Nehmen der Konsequenzen von Dingen, an denen wir vollkommen unschuldig sind, ist der Preis, den wir für die Tatsache zahlen, dass wir unser Leben nicht mit uns allein, sondern unter unseren Gefährten leben." ( Hannah Arendt)

elisRea 11.01.2013 | 17:27

Vielen Dank für Ihre ausführliche Erklärung. Schade, dass Sie diese komplexe Thematik nicht in einem Artikel verarbeitet haben, so dass man darüber ausführlicher und detaillierter diskutieren kann. Mir scheint, dass hier viele Aspekte zusammen- und noch mehr Fragen aufgeworfen wurden.

Einiges, was Sie schreiben, kann ich nachvollziehen, anderes nicht.

Drei Fragen brennen mir dazu auf den Nägeln:

1. Habe ich Sie richtig verstanden, dass ALLEN Juden ein und dasselbe Wertesystem und überall und seit Bestehen des Judentums die gleiche Sprache (Musik und Tanz) eigen sei? Können Sie dafür bitte konkrete Beispiele nennen?

2. Wodurch unterscheiden sich historisch betrachtet die jüdischen von den christlichen Wurzeln?

3. Ist

a) ein Kind von Ex-Muslimen, die zum Judentum konvertierten, Jude?

b) ein Kind von jüdischen (gläubigen) Eltern, das, weil es generell Religion ablehnt, ganz bewusst aus dem Judentum austritt, Jude?

c) ein Kind, dessen Großmutter mütterlicherseits Jüdin ist, dessen Vater aber Inder, Jude?

elisRea 11.01.2013 | 18:23

Können Sie noch mal nachprüfen bitte?

Ich habe die Wahlergebnisse  von zwei Wahlen angegeben. Die vom 6.11.32 habe ich als die letzte m.E. demokratische Wahl bezeichnet. Die Ergebnisse habe ich nicht addiert, nur aufgelistet. (Quelle wie unten)

Die Wahl vom 5.3.33 würde ich, aufgrund der Ereignisse im Vorfeld und im Zusammenhang mit der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933,

[Auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung wird zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte folgendes verordnet:

§ 1  Die Artikel 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 der Verfassung des Deutschen Reichs werden bis auf weiteres außer Kraft gesetzt. Es sind daher Beschränkungen der persönlichen Freiheit, des Rechts der freien Meinungsäußerung, einschließlich der Pressefreiheit, des Vereins- und Versammlungsrechts, Eingriffe in das Brief-, Post-, Telegraphen- und Fernsprechgeheimnis, Anordnungen von Haussuchungen und von Beschlagnahmen sowie Beschränkungen des Eigentums auch außerhalb der sonst hierfür bestimmten gesetzlichen Grenzen zulässig..... ]

und der damit verbundenen Schutzhaft u.a.

[Die erste Welle, vor allem gegen Kommunisten gerichtet, fiel in die Monate März und April 1933. In diesen beiden Monaten wurden allein in Preußen mindestens 25.000 Personen von staatlichen Organen inhaftiert. Hinzu kamen die damals noch „wilden”, d. h. nichtstaatlichen Verhaftungen durch SA und SS. Da die staatlichen Machtorgane durch Himmlers SS alsbald übernommen wurden, sind in der Folgezeit sämtliche Inhaftierungen als staatliche Verfolgungsmaßnahmen zu werten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schutzhaft]

nicht als demokratisch bezeichnen.

Von den diesbezüglichen Wahlergebnisse hatte ich KPD und SPD zusammengefasst (aus "Expedition Geschichte, Diesterweg, von 2003) Im Einzelnen lauten die dort:

KPD 12,3%

+SPD 18,3% (=30,6%)

Zentrum 13,9%

DNVP 8,0%

+noch ein paar kleine Parteien und

NSDAP 43,9%

Haben  rund 44% Hitler und die Nazis gewählt und der Rest, nämlich rund  56% nicht. :-/

Hitler und die Nazis hatten keine Mehrheit.

Hatte ich vielleicht ein bisschen unübersichtlich formuliert. Sorry.

Konfuzikuntz 11.01.2013 | 18:45

Erstens: Wir sind nicht per Du.

Zweitens: Wissen Sie, was eine Synopse ist?

Sie können ja mal mein Blog und den Zeitungsartikel nebeneinander legen.. Vielleicht fällt Ihnen dann etwas auf.

Drittens: Der Vorwurf, ich sei selbstgerecht, ist lupenreine Projektion. Ich nehme Sie nicht Ernst, das stimmt. Aber das ist die Folge Ihrer Selbstgerechtigkeit. Wer in mir mehr sieht als einen eingesickerten "Feind", der seine Hoffnung bedroht, der Freitag könne mehr sein als das Zentralorgan des recht überschaubaren Goedzak-Milieus, braucht sich darüber auch nicht zu wundern. Ist Ihnen bei Studieren meiner Blogs (Herzlich willkommen!) nicht aufgefallen, dass da zum Teil ellenlang und sachlich diskutiert wird. Mit mir, dem bösen Kuntz.

Der Unterschied ist nur, dass die Leute die das tun eines haben: Anstand.

Viertens: Wenn einem wie Ihnen dann allerdings das Naivität und Verdrängung zusammengepappte Weltbild um die Ohren fliegt und er das auch noch so süß beschreibt - formulieren können Sie - dann darf ich auch lachen. Schließlich arbeiten Sie sich an mir ab, nicht umgekehrt.

Fünftens: Ob meine Blogs Verachtung beinhalten, möge jeder selbst beurteilen. Aber finden Sie es wirklich frei von Verachtung, wie Sie hier mit mir umgehen. Es gibt so etwas wie ein Gegeneinander nicht. Auch wenn man Ihnen in der Schule vielleicht das Gegenteil beigebracht hat.

Und falsche Unterstellungen gehen auch nicht. Es ist mitunter schlicht unwahr, was Sie oben über mich schreiben. Ich betrachte Opfer der seelischen Verheerungen totalitärer Diktaturen nicht als "Lemuren". etc. etc. etc.

Werfen Sie mir bitte nicht das vor, was Sie tun, weil Sie vielleicht nie etwas anderes erlebt haben.

Allerdings - da ich wirklich grinsen musste bei Ihrem irgendwie dann doch sympathisch geschilderten Weltzusammenbruch da oben (ein Triumphgeheul war es nicht) dachte ich mir, komm, sei nicht so, und habe dann noch etwas über Lemuren für Sie geschrieben. Als kleines Dankeschön für die Erheiterung. Was man als Ausdruck der Verachtung abtun kann, aber nicht muss... Also bitte!

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2013 | 19:56

Lieber Elisrea,

allein eine Ihrer Fragen benötigte, mit der Ernsthaftig - und Dringlichkeit in der Sie diese stellen, einen eigenen Blog.
Vorab: Sie haben mich weitgehend richtig verstanden.
Aber: ich bin kein Experte.
Nur in diesen Fragen recht belesen und nicht nur aufgrund meiner Familiengeschichte in gewisser Weise mit der jüdischen Kultur und der jüdisch-geprägten Intelligenz verbunden - mütterlicherseits.

Väterlicherseits ist es das ganze Gegenteil, gleichwohl mein Vater aus seinem nazistischen Elternhaus in Liebe zu seiner künftigen Frau ausgebrochen - es hat ihn wieder eingeholt.

ich kenne also beide Seiten dieser Geschichte in höchster Intensität und ich kann nur sagen, daß meine Kindheit und Jugend in dieser hochgradig angespannten und von zerreissenden Widersprüchen geprägten Umgebung nicht eben leicht war und die Option der tiefgehenden Forschung und Klarwerdung über die Wurzeln des alltäglichen Übels letztlich die einzige Überlebenschance in diesem Milieu für mich darstellte.

Ich könnte auch ein Buch darüber schreiben, danke der Nachfrage.
Bitte helfen Sie mir und erklären mir bitte, wo ich da anfangen soll und wo das hinführen sollte und für wen das wichtig sein könnte.

Ich entflechte von diesen Verstrickungen notwendig jeden Tag.
Sonst wäre atmen nicht möglich.

seriousguy47 11.01.2013 | 20:34

Als zeitweilige Nummer 1 unter den „Rechtsradikalen“ der FC hatte ich bereits in einem ersten (?) Kommentar in dieser Angelegenheit (seriousguy47 01.01.2013 | 17:19 ) kritisiert, dass deutsche Medien hier leider unbesehen etwas aus dem Land der „weiten Horizonte“ weitergereicht hatten, das eher aus einem engen, bornierten und ignoranten Winkel stammte, die es dort vielleicht in größerer Anzahl als in bad old Europe gibt (?). Stichworte: Tea Party, Waffen Lobby.....

In der taz, wo ich zum ersten Mal auf das Augstein-Ranking stieß hatte ich überdies eine deutliche Zurückweisung dieser Unverschämtheit vermisst. „Nicht zuletzt angesichts solch einer Aussage auf der besagten Liste der „2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs“:

"Respected Die Welt columnist Henryk M. Broder, who has testified as an expert in the Bundestag about German anti-Semitism, labeled Augstein a “little Streicher” adding: “Jakob Augstein is not a salon anti-Semite, he’s a pure anti-Semite…an offender by conviction who only missed the opportunity to make his career with the Gestapo because he was born after the war. He certainly would have had what it takes.”

Nachdem bereits das SWC begonnen hatte zurückzurudern, nun also auch Broder. Gut so.

Mir passt zwar generell der ganze Stil nicht, mit dem Menschen wie Broder oder z.B. auch Tennenbom */** durch die deutschen Lande ziehen, aber, um zu Augstein zurückzukehren, so sehe ich durchaus auch Unschärfe und Einseitigkeit in den Texten, die da moniert wurden (seriousguy47 10.01.2013 | 15:31). Es ist die Art, in der da Kritik vorgetragen wird, die ich dem Thema nicht angemessen finde.

Soviel zum nunmehr offenbar erledigten „Geschäft“ (Perls). Broders Entschuldigung haut mich nun aber auch wieder um. Und zwar so richtig:

Es kommt nur darauf an, wer in die Tonne gehauen wird. Ein Bassgeiger der Berliner Philharmoniker, der während eines Gastspiels in Israel volltrunken eine Barrechnung mit "Adolf Hitler" unterzeichnet, weil er den Wohlverhaltensdruck nicht ausgehalten hat, der auf ihm und seinen Kollegen lastete, wird in den Medien als "Schande für Deutschland" an den Pranger gestellt und nach allen Regeln der virtuellen Empörung hingerichtet. Er verliert seinen Job, seine bürgerliche Existenz – als Strafe für einen geschmacklosen, aber harmlosen Scherz. …

Wenn aber ein Jakob Augstein fortgesetzt Unsinn produziert, bei dem er alle klassischen antisemitischen Klischees und Ressentiments auf Israel projiziert, wenn er "zornige junge Männer, die amerikanische Flaggen verbrennen" und nebenbei auch ein paar Leute ermorden, in Schutz nimmt, weil die "ebenso Opfer" sind "wie die Toten von Bengasi und Sanaa", wenn er sich bei Grass dafür bedankt, dass dieser uns aus dem Schatten von Angela Merkel und der deutschen Geschichte geholt habe, und wenn ich ihn daraufhin als einen "lupenreinen Antisemiten" bezeichne, dann macht das ganze "juste milieu" der Republik mobil.“

 Nein, nicht die Tatsache, dass Augsteins Texte offenbar wiederum schlimmer sein sollen als das Verhalten des Berliner Philharmonikers (?), hat mir den Atem genommen. Der war schon beim „Adolf Hitler“ weg. Mal abgesehen davon, dass ich bislang nichts von diesem angeblich in den Medien ausgeschlachteten Vorfall gehört hatte, meine ich aber schon, dass einem Berliner Philharmoniker so was auch im Suff nicht passieren darf. Aber dann auch noch Augsteins Texte als schlimmer einzustufen und dessen mediale Verteidigung als überzogen zu betrachten, das zeigt mir: Broder bleibt Broder. Also mindestens peinlich und schräg. Auch nach der Entschuldigung. Entweder leide ich unter verqueren Emotionen oder er. Oder ich bin eben doch ein tumber "Rechtsradikaler".....

Ende dieses Exkurses.

* http://www.zeit.de/2012/51/Tuvia-Tenenbom-Stanislaw-Tillich/komplettansicht

 ** http://www.sueddeutsche.de/kultur/streit-um-buch-ueber-deutschland-alles-nazis-over-there-1.1425993

seriousguy47 11.01.2013 | 20:40

"...und für wen das wichtig sein könnte."

Welche eine Frage: für einen Dialog und für ein besseres Verständnis. Es ist doch seit Hitler alles verschüttet - außer dem "Holocaust". Als ob da vorher nichts gewesen wäre.

Und es muss ja nicht gleich ein Buch sein. Ein Blog hin und wieder würde genügen. Und dem FREITAG/ der FC sehr gut tun. Als Mittel gegen Inhaltsleere und verbale Stammtisch-Prügeleien zum Beispiel....

Joachim Petrick 11.01.2013 | 20:42


@Olivier Guez
"...Unter den Haredim gibt es eine Handvoll Dummköpfe, die würden ein kleines Mädchen anspucken, weil es nicht angemessen gekleidet ist. Aber die große Mehrheit der jüdischen Ultrareligiösen möchte nur in Ruhe gelassen werden, um dem für sie nutzlosen Getriebensein der heutigen Zeit zu entgehen."

Olivier Guez scheint hinsichtlich der Bedeutung und Gefahrenlagen, die von jüdischen Fundamentalisten für die israelische Poltik nach innen , außen und sozial  ausgehen, in einem Wolkenkuckkucksheim zu leben, dass mir, wie vielen Freunden des jüdischen Volkes, der Bevölkerung in Israel wie in Palästina, auch, darunter  mutmaßlich Jakob Augstein, angesichts dieser Arglosigkeit, angst und bange wird.

Mehr, verschwurbelt,   verharmlosende Schonung von jüdischen Fundamentalisten war selten, wie die, die Olivier Guez hier im günstigsten Fall, absichtsvoll  naiv an den Tag legt.

 Zu schweigen davon, dass Olivier Guez  nicht einmal gegenwärtig zu sein scheint,  dass der israelische Ministerpräsident, Jitzchak Rabin (hebräisch ‏יצחק רבין‎; * 1. März 1922 in Jerusalem; † 4. November 1995 in Tel Aviv)  im Zusammnenhang der Friedensgespräche mit Palästina und der Osloer Road Map vom Jahre 1992 am 4.November 1995 bei einer öffentlichen Veranstaltung, auf offener Bühne, unter dem unverhohlen, nacheilenden, Jubel seiner Anhänger,  kaltblütig ermordet wurde.

"Bei Gefahr und höchster Not ist der alles verharmlosende Mittelweg der sicherer Tod jeder Friedenspoltik, die diesen Namen verdient"

elisRea 11.01.2013 | 20:45

"Ich könnte auch ein Buch darüber schreiben, danke der Nachfrage.
Bitte helfen Sie mir und erklären mir bitte, wo ich da anfangen soll und wo das hinführen sollte und für wen das wichtig sein könnte."

Ich glaube, es handelt sich um ein Missverständnis was das Buchschreiben betrifft. Ich meinte, dass Sie hier im Freitag einen Artikel zu einer, der von Ihnen in Ihrem Beitrag angesprochenen Aspekte  schreiben könnten. Das hier ist nicht der richtige Strang, um im Detail darüber zu diskutieren.

Ein solcher Artikel könnte dazu beitragen Vorurteile auf jüdischer und nichtjüdischer Seite abzubauen, Informationen auszutauschen, sich mit spannenden Fragen zu beschäftigen, Antworten zu finden...

Das meinte ich.

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2013 | 21:05

Hallo seriosguy47,

ich bin schon froh, daß mich mein Ältester - studiert in Berlin - zum Freitag-Salon mit Sahra Wagenknecht begleitete (wir hatten Karten gewonnen) und wir davor und danach das Ereignis diskutierten.
Es war ein wirklich schöner Abend.

Ich bin auch froh, daß unser vierzehnjähriger Nachzügler sich frühmorgens des Freitags in der Printausgabe bemächtigt, das Papier mit in den Schulbus mitnimmt und im Geschichtsunterricht diesen zur Hand nimmt, um seine Überlegungen zu untermauern.

Seine Strafe dafür ist, daß er nächste Woche in einem frei und ohne jede Karteikarte zu haltenden Referat jene von ihm angebrachten Thesen in quasi vorwissenschaftlicher Genauigkeit zu belegen hat, da diese den Inhalten und dem Lehrplan widersprechen.

Und weisst du was, er lernt wie besessen und freut sich auf diesen Termin.

Nun sage mir, Freund, wo soll ich anfangen?

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2013 | 21:57

ich verstehe Ihre Frage noch nicht.

Bitte präzisieren Sie diese.

Hebräisch? Nur in der altertümlichen Fassung der Thora und Quabbala,

Ok. Die Jerusalem Post verstehe ich auf der Ebene eines Fünftklässlers der das Alphabet und eine Reihe von Redewendungen auswendig kennt, aber dann hört es schon auf.

Kurzform:
ich verstehe Juden die die neu-hebräische Sprache nutzen annähernd, aber ich könnte mich nicht mit ihnen unterhalten noch einen Briefwechsel pflegen.

Insoweit sind die jüdischen communities auch für mich language-gated.

Tut mir leid.

seriousguy47 11.01.2013 | 22:38

"Nun sage mir, Freund, wo soll ich anfangen?"

Mit dem, was auf der Seele brennt. Ersatzweise damit:

allesanders 10.01.2013 | 22:14 @elisRea

Auf jeden Fall nicht unter Druck setzen (lassen). Im Ernst: ich weiß es natürlich nicht.

Mir selbst ist beim Hören von Mahler, Mendelssohn, Dvorak usw.  bewußt geworden, worüber wir nicht sprechen, wenn wir über den  versuchten Völkermord an "Juden" sprechen. Besonders "jüdisch" fand ich Max Bruch. Deshalb habe ich bei ihm auch angefangen, in dieser Richtung ein bisschen zu googlen. Und dann festgestellt, dass nun gerade der kein "Jude" war... Peinlich, peinlich. .;) Obwohl: "Seit er während des Nationalsozialismus wegen seines Kol Nidrei (op. 47) als vermeintlicher Jude von den Programmplänen verschwand, wurden seine Werke im deutschsprachigen Raum weitgehend vergessen."

Ist es also nicht alles viel komplizierter als all die Schablonen? [Und wenn ich "Jude" schreibe, dann möchte ich damit ausdrücken, dass ich mit dem Wort wegen der daran hängenden Antisemitismus-Rasseln Probleme habe.]... Selbst das Jüdische in der Musik ist, näher betrachtet, schon ziemlich komplex ....

Das Wort wäre für mich also schon mal eines mit vielfältigem Erklärungsbedarf. Ich möchte es eigentlich nur im Zusammenhang mit Religion benutzen, weil es da nicht nach Rassismus klingt....Aber, was wäre dann  Klezmer?   Israelische Musik jedenfalls nicht.....Also doch Wikipedia folgen? Fehlt es mir nur an der nötigen Souveränität....?

usw. usw. usw.

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2013 | 23:12

Haltung, bitte! Aber eine neutrale

Antisemitismusstreit Wie sehr darf man als Deutscher eigentlich Israel kritisieren?

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/haltung-bitte-aber-eine-neutrale

Lieber Oliver Guez,

Erst mal vielen Dank für den guten Artikel. Auch dafür, dass sie sich bemüht haben neutral und objektiv zu bleiben. Es ist ihnen verständlicherweise nicht immer geglückt. Das gleiche müssen sie aber auch Herrn Augstein zugestehen. Der fühlt sich ähnlich wenn seine Nationalität/Herkunft betroffen ist.

Ich habe aber auch einige Einwände:

„Ich denke nicht, dass er zu den 20 Prozent der Deutschen gehört, die mit Juden ein „Problem“ haben.

Hat Jakob Augstein ein Problem mit Israel? Das ist allerdings wahrscheinlich. Bei seinen Kolumnen auf Spiegel Online über den jüdischen Staat war mir ziemlich unwohl. Manche seiner Aussagen sind schlicht grenzwertig.“

99% der Deutschen haben mit Juden und Israel überhaupt kein Problem, sonder mit Zionisten und deren Handlangern, den Ultrarechten Israels und deren Politik.

 

„Aber die große Mehrheit der jüdischen Ultrareligiösen möchte nur in Ruhe gelassen werden, um dem für sie nutzlosen Getrieben sein der heutigen Zeit zu entgehen.“

Genauso ist es, aber die Ultrareligiösen sind nicht die Ultrarechten. Die Ultrareligiösen sind auch gegen die Politik Israels und halten den Staat Israel sogar für ein Unglück der Juden. Denn nirgend wo steht geschrieben, dass die Juden einen eigenen Staat brauchen. Die Ultrareligiösen wollen in Ruhe ohne großes Aufsehen auf der Welt ihrer Religion nachgehen, sonst nichts. Was macht die israelische Regierung und ihre weltweiten Organisationen mit großem Einfluss in Politik, Medien- und Finanzwelt? (kein Hirngespinst oder Verschwörungstherorie)

 

„Der reflexartige Gedanke, dass diese Gewaltakte den Interessen Israels dienen könnten, erscheint mir umso unsinniger, je weniger Worte Augstein über das Treiben der Salafisten und der radikalen Islamisten verliert, die er als „Opfer“ sieht. Er erwähnt sie nicht. Dabei haben doch sie die amerikanischen Botschaften angegriffen und dort Diplomaten getötet!“

Augstein erwähnt also die Salafisten nicht. Welch ein Verbrechen?  Was ist nun schlimmer, Augsteins Ignoranz oder das ständige auch viele Unschuldige Anprangern der Zionisten. Siehe Ahmadindschad , der Freund und Verehrer der Ultrareligiösen Juden, die sich von der Politik der Zionisten distanzieren.

Solche Videos werden gerne unter den Tisch fallen gelassen. Danke Internet.

 

„Antisemitismus, nicht nur Antizionismus, wütet in der moslemischen Welt. Die Protokolle der Weisen von Zion finden dort weite Verbreitung, sie sind sogar als TV-Serie herausgekommen!“

Lesen sie nach auf welchen verschrobenen Wegen der Staat Israel gedieh, und wer hauptsächlich die Leidtragenden waren. Da wundern sie sich über Antizionismus? Viele Muslime in diesen Ländern sind nicht sehr mit Bildung gesegnet, deshalb wird oft nicht unter Zionisten und Juden unterschieden. Außerdem gibt es sehr viele Verbindungen und Freundschaften zwischen Juden und Moslems.

So, so, TV Serien? Mit Bibis Propaganda Apparat wohl kein Vergleich, oder?

 

„Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagt allen, die es hören möchten, dass er am liebsten Israel von der Landkarte „fegen“ würde. Er gibt sich alle Mühe, Zweifel über die Ziele seines Atomprogramms zu nähren und macht alles, absolut alles, damit die Welt vermuten kann, diese Ziele seien militärischer Natur.“

Das ist nun völliger Unsinn! Sie als Journalist, wo haben sie diesen Blödsinn her?

Das hat Ahmadinedschad so nie gesagt, ist schon lange widerlegt.  A. und der Iran geben sich alle Mühe und dementieren fortlaufend eine A-Bombe entwickeln zu wollen. U.a. erklären sie das mit ihrer Religion, die solche Waffen ablehnt.

 

„Aber wer in allem und jedem die Strippenzieher Israels sieht, glaubt, dass Israel den Weltfrieden bedroht und nach Belieben die amerikanischen Politiker oder die deutsche Regierung manipuliert, nährt Hirngespinste und befördert damit Antisemitismus.“

Hier lesen sie warum und wie Israel entstand, und warum ein weltweites System ,das bereits vorhanden war, noch mehr perfektioniert wurde um den uralten Traum vom gelobten Land zu verwirklichen und vor allem zu festigen ohne Rücksicht auf Verluste.

http://history1900s.about.com/cs/holocaust/p/balfourdeclare.htm

 

„In dieser tragischen Geschichte gibt es kein Schwarz-Weiß.“

Doch das gibt es. Wenn sie die Geschichte von David gegen Goliath hören, wer hat ihre Sympathie?

Israel ist heute der Goliath (250 Atomsprengköpfe, modernste Wehrtechnik, mächtigste Verbündete), Gaza, Westbank, Hebron dort sind heute die Davids. Also nicht immer gleich auf die Judenhass und Antisemitismus Drüse drücken. Das ist halt mal so ein Virus, der seit Jahrzehnten jedem Juden nach der Geburt sofort eingepflanzt wird. Zusätzlich werden jährlich mindestens 40000 Jugendliche nach Auschwitz begleitet um ihnen nachhaltig zu erklären, dass sie immer noch gehasst werden und sie ewig um ihr Leben kämpfen müssen. Das begleitende Lehrpersonal hat inzwischen seine Zweifel: „wäre es nicht besser zu vergeben und sich auf eine friedliche Zukunft zu konzentrieren?“ Das ist die Politik Israels…

Nichts für ungut...

elisRea 11.01.2013 | 23:31

Ich hatte den Namen irgendwie im Hinterkopf im Zusammenhang mit Rabin und dem Platz der Könige. Aber dann fiel mir ein, dass es nicht der Platz der Könige war, sondern der Zionsplatz, auf dem Rabin eine Rede hielt.  Lea Rabin berichtet in ihrer Biographie davon, dass, als  Netanjahu redete, jemand in dessen Nähe ein Bild hochhielt auf dem Rabin in Naziuniform gezeigt wurde.

So harmlos scheinen manche Funtamentalisten, worauf Sie schon hinwiesen, nicht zu sein:

„Da ist sie!" brüllten sie, als ich in die Garageneinfahrt unter unserem Miethaus einbog. Ich saß ganz allein in dem Wagen, kein Sicherheitsbeamter bei mir. „Nach den nächsten Wahlen wirst du mit deinem Mann auf dem Marktplatz hängen. Mit den Füßen nach oben. Wie Mussolini und seine Mätresse“, brüllte jemand aus der Menge. … Einige der Demonstranten vor unserem Mietshaus verglichen uns sogar mit Nicolae und Elena Ceauşescu, dem vielleicht meist geschmähten Despotenpaar der Neuzeit … Jitzchak und ich bekamen diese Schmähungen, diese Vergleiche mit faschistischen Unmenschen immer häufiger zu hören, je mehr der Friedensprozess an Dynamik gewann. Auf einer Demonstration in Jerusalem einen Monat zuvor hielt Benjamin Netanjahu am Zionsplatz eine Rede, während irgendjemand ganz in seiner Nähe ein Bild, das Jitzchak in Naziuniform zeigte, vor einer laufenden Fernsehkamera hin- und herschwenkte.. An diesem Freitag, dem 3. November 1995, skandierten die Demonstranten auf der anderen Straßenseite ihre Diffamierungen, bis Jitzchak etwa gegen sechs Uhr abends nach Hause kam.“

– Leah Rabin, S. 12

Ein Mensch/Israeli/Jude, der  "keine Gewalt, sondern Frieden" fordert, wird als Rechtsradikaler und Nazi beschimpft wird und von einem rechtsradikalen (jüdischen) Fundamentalist erschossen?

Schon merkwürdig.

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Ehemaliger Nutzer 11.01.2013 | 23:53

Wenn aber ein Jakob Augstein fortgesetzt Unsinn produziert, bei dem er alle klassischen antisemitischen Klischees und Ressentiments auf Israel projiziert, wenn er "zornige junge Männer, die amerikanische Flaggen verbrennen" und nebenbei auch ein paar Leute ermorden, in Schutz nimmt, weil die "ebenso Opfer" sind "wie die Toten von Bengasi und Sanaa", wenn er sich bei Grass dafür bedankt, dass dieser uns aus dem Schatten von Angela Merkel und der deutschen Geschichte geholt habe, und wenn ich ihn daraufhin als einen "lupenreinen Antisemiten" bezeichne, dann macht das ganze "juste milieu" der Republik mobil.“

Hier gehen sie zu weit. Augstein produziert kaum Unsinn und schon gar nicht fortgesetzt. Augstein nimmt die nicht in Schutz, er ignoriert sie schlimmstenfalls. Bei Grass können wir uns alle bedanken. Er ist Nobelpreis verdächtig. Das werden die Zionisten zu verhindern wissen?

So, so, „lupenreiner Antisemit“? Schon wieder dieses Totschlagwort, diese Zionistenkeule. Es gibt kaum Antisemiten sondern viele Antizionisten. Die Zionisten vermischen das gerne in einem Brei, damit sie sich besser tarnen können. Es wird euch nicht mehr gelingen. Eure Tage sind gezählt! Da bin ich mir ganz sicher. Und dann wird es Frieden geben in Palästina. Muslime und Juden werden friedlich zusammen leben.

„Mal abgesehen davon, dass ich bislang nichts von diesem angeblich in den Medien ausgeschlachteten Vorfall gehört hatte, meine ich aber schon, dass einem Berliner Philharmoniker so was (unterschreiben als A.Hitler) auch im Suff nicht passieren darf.“

So, so, das darf also im Suff nicht passieren? Prinz Harry tauchte nüchtern in Naziuniform auf. Es kommt also auf die Nationalität oder die Person drauf an?  Ist es nicht bezeichnend, dass man fast 70 Jahre danach immer noch so verkrampft mit diesem Thema umgeht? Die Presse und der Zionismus leben davon.

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Ehemaliger Nutzer 12.01.2013 | 00:15

Danke für diesen Kommentar. Das geht sehr tief rein. Es zeigt das ganze Problem Israels. Uns Deutschen kann das nicht egal sein, da wir durch unsere Geschichte, was von den Zionisten so gewollt ist, mit drin hängen. Geht es Israel schlecht, haben auch wir ein Problem. So wie Rabin geht es allen Juden die Frieden, Ausgleich und Versöhnung wollen. Uns Deutschen ist eine Versöhnung nach 70 Jahren (3./4. Generation) immer noch nicht vergönnt. Der Zentralrat wirkt wie ein Wurmfortsatz der israelischen Regierung und den mächtigen, weltweit agierenden Organisationen. Der ZDJ und seine Schäfchen machen eine sehr traurige Figur, während sie äußerst komfortabel in der BRD leben. Das Ganze hat eine Dimension angenommen, die es erfordert die Richtung zu ändern. So kann und soll es nicht weitergehen. Frieden auf Erden! Wer Hass sät wird Sturm ernten, und Täter werden zu Opfern und wieder zu Tätern.

denkii 12.01.2013 | 00:29

Das Maß an Feingefühl, was bei der "Israel-Debatte" von der Klägerseite verlangt wird, ist wirklich außerordentlich.
Vergessen wir aber mal nicht, worum es hier eigentlich geht: es geht um willkürliche Militäroperationen, Landraub im großen Maßstab, zahllose Tote und Mißachtung internationalen Rechts.
Was hat die israelische Regierung getan, als Abbas mit der Bitte um UN-Beobachterstatus durchkam? Sie haben noch mehr Baugenehmigungen verteilt, die das palästinensesische Gebiet weiter zersetzen. Wir sprechen hier von einem Rechtsstaat der zu unserer westlichen Kultur gehört. Genauso wie wir auf de Maziere oder Obama schimpfen, so schimpfen wir eben auch über Netanyahu. Zu Recht.

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Ehemaliger Nutzer 12.01.2013 | 02:53

Eines scheint sicher zu sein, A. H. ist dank den Zionisten wahrscheinlich noch in 100 Jahren ein Thema, obwohl er nur an 3. Stelle der Massenmörder ist, da er nur 12 Jahre Herrscher war. Das hat einen Grund. Der deutsche Verliererstaat und die nachfolgende BRD (seit 8.5.45 nie mehr souverän) waren und sind die Handlanger  für die zionistische Industrie. Warum? Ähnlich wie in den USA sind die Zionisten in BRD und weltweit bestens organisiert. Es ging immer um Profit und als Spielzeug die Idee eines jüdischen Staates in Palästina. So weit, so gut.

Das was dann den Einheimischen widerfahren ist, hat gelinde gesagt mit humaner Demokratie nichts mehr zu tun. Wundert man sich nun über den Widerstand der arabischen Bevölkerung?

weinsztein 12.01.2013 | 03:31

So viele jäh einfliegende Kommentatoren in diese Community zu diesem Thema - welch ein Gewinn.

(Nebenbei: dazu noch der in dieses Forum entsandte notorische  Kuntz, der so viel ahnt und schon mal irrt (und sich sodann eine längere Pause gönnt). 

Und:

Warum verweigert Abraham Cooper ( Simon-Wiesenthal-Zentrum ) ein Spiegel-Streitgespräch mit Augstein? Traut er sich nicht ohne Henryk Broder?

Wird sich auch Abraham Cooper bei Jakob Augstein entschuldigen, auf irgendeine Weise?

Falls nein: warum nicht? (Immerhin ist er ein Opfer der  Einflüsterungen Broders.)

Man weiß es nicht.

 

Konfuzikuntz 12.01.2013 | 04:02

Nebenbei: dazu noch der in dieses Forum entsandte notorische  Kuntz, der so viel ahnt und schon mal irrt.

Also wenn SIE anfangen, Spuren von Lob ins nächtliche Bashing zu mischen, sollte ich mir echt Gedanken machen.

Wobei eines stimmt: Man kann natürlich auch darüber sprechen, dass einem etwas Leid tut. Dazu braucht man kein Gegenüber. Allerdings ist auch dann die Formulierung "ich entschuldige mich" fragwürdig.

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Ehemaliger Nutzer 12.01.2013 | 04:09

Nun, Abraham Cooper (SWC) ist ein Opfer seiner eigenen Hyperaktivität, bedingt durch die Finanznot, da er nur 700000,-$ jährlich verdient. Er geht zahlreichen Nebentätigkeiten nach (um seine Einkommen aufzubessern). Seine Hauptaufgabe ist es aber so genannte Pseudoantisemiten platt zu machen, so dass sie dem Staat Israel nicht zu einer Diskussion zwingen können.

janto ban 12.01.2013 | 09:17

|| Im gleichen Text wird der Gazastreifen mit einem „Gefängnis“ und mit einem „Lager“ gleichgesetzt, einer Metapher, die kein deutscher Journalist arglos verwenden kann. Wenn man diesen Zeilen Glauben schenkt, sind die Israelis die einzigen, die für den Verfall Gazas verantwortlich sind. Was aber ist mit der Hamas, die den schmalen Küstenstreifen seit einigen Jahren verwaltet? Warum verwendet sie Millionen dafür, um im Iran Waffen zu kaufen, anstatt in Gazas Wirtschaft zu investieren? Warum schließt Ägypten regelmäßig seine Grenze zum Gazastreifen, anstatt zum Aufschwung und Austausch beizutragen? Und die ach so reichen Golfstaaten. Warum zieht der Emir von Katar es vor, mit Hunderten Millionen Euro eine Pariser Fußballmannschaft aufzubauen, anstatt das Geld in die wissenschaftliche – und nicht religiöse – Ausbildung der Jugend aus Gaza zu stecken? ||

Ja, aber... In Augsteins Text steht nicht, dass Israel alleinig verantwortlich für die Situation in Gaza ist. Israel könnte wohl nur das ändern, was es zu ändern auch in der Lage wäre. Muss man das dabei schreiben? Da werden Augstein ja Leserschaften unterstellt, du liebe Güte.

|| erscheint mir umso unsinniger, je weniger Worte Augstein über das Treiben der Salafisten und der radikalen Islamisten verliert, die er als „Opfer“ sieht ||

Häh? Wo steht das denn?

|| Er erwähnt sie nicht. Dabei haben doch sie die amerikanischen Botschaften angegriffen und dort Diplomaten getötet! Ihre Vorhaben, ihre Pläne, die sich besonders gegen Frauen und Christen richten, sind für die demokratischen Hoffnungen der arabischen Völker nur tödlich. ||

Und gegen Homosexuelle. Aber auch hier: Muss man das dabei schreiben? Ich dachte, dass das Dinger der Unmöglichkeit sind, sei allgemeiner Konsens in der aufgeklärten, reformierten, säkularen Welt. Müssen wir jetzt nochmal ganz von vorn anfangen?

|| Daher erledigt der israelische Premierminister auch in puncto Iran einfach seinen Job. Er zeigt dem iranischen Präsidenten die Grenzen auf, er zwingt ihm ein Kräftemessen auf, spielt eine Partie Poker mit ihm – die, so hoffen wir, nicht in einen Konflikt mündet. Aber ihm bleibt kaum die Wahl. ||

Ach, solche Alternativlosigkeiten kennen wir in Deutschland ganz gut. Schwuppdiwupp war die Mauer weg. Für möglich gehalten hatte man das nicht. Oder besser: Viele Berufsstrategen hatten es bis zuletzt nicht für möglich gehalten. Die Leute, die auf der Straße standen und demonstrierten, diese 'Naivchen', nicht wahr, hatten es - trotz aller Unwägbarkeiten - für möglich gehalten. Die dummen, dummen Leute mit ihrer naiven Positivität immer. Ganz schlimm mit denen, echt. Aber genug des Zynismus. Dass ich - als Nachkriegsdeutscher - kaum in der Lage bin, mich psychisch einzufühlen, habe ich mittlerweile verstanden. Man hat ja als Mensch im alltäglichen Leben viel zu wenig Konflikte mit Mitmenschen, um sich ein Bild machen zu können, wie eine aufgeschaukelte Hass-Spirale funktioniert. Und wie man sie ggf. durchbricht. Wirklich schlimm. Man sollte sich viel stärker in Konflikte begeben, um endlich mitreden zu können. Jetzt aber wirklich Schluss mit dem Zynismus.

|| Aber wer in allem und jedem die Strippenzieher Israels sieht, glaubt, dass Israel den Weltfrieden bedroht und nach Belieben die amerikanischen Politiker oder die deutsche Regierung manipuliert, nährt Hirngespinste und befördert damit Antisemitismus. ||

"In allem und jedem" und "nach Belieben" sind ja haltlose Unterstellungen. Das steht nirgends, das denkt man sich für einen solchen Satz auf die Schnelle aus. Das ist sehr unseriös.

|| Die Isralis, linke wie rechte, können Besserwisser nicht ausstehen. ||

Das ist ihr Problem, nicht Augsteins. Meins auch nicht.

|| Sie hören nicht auf sie, selbst wenn manche der Argumente stimmen. Es sieht so aus, dass Jakob Augstein sich mehr um Neutralität und eine unparteiische Haltung im Nahostkonflikt bemühen sollte, damit er Gehör findet. ||

Diese beiden Sätze gehen in Kombination dann wohl nach hinten los.

|| In dieser tragischen Geschichte gibt es kein Schwarz-Weiß. ||

Wer soll das denn jetzt glauben? Ich hoffentlich nicht. Warum rufen in dieser Debatte dann so viele, dass Augstein gleichzeitig was Negatives über den Iran sagen sollen? Oder über die Hamas? Und dass seine Kritik dann ausgewogener wäre. Ja, wie viele Waagschalen hat denn eine Waage bitteschön für gewöhnlich? Zwei doch! Nicht mehr und nicht weniger.

|| Wenn Israelis und Araber miteinander hätten Frieden schließen wollen, wären die Verträge längst unterzeichnet. ||

Ja klar. Leider kommen die, die Verträge unterzeichnen wollen, ja immer um. Da kann man nichts machen. Von strategischen Militärspielchen hat man - als kleiner Mann der Straße - ja noch weniger Ahnung als von anderleuts Psyche. Da mischt man sich am besten nicht ein.

|| Also, bitte, in Zukunft doch eine neutrale, unparteiische Haltung. ||

Okay, abgemacht. Also keine Texte mehr, die sich ausschließlich mit der Politik eines einzigen Staates beschäftigen. Puh, das wird schwer. Klingt auch ein wenig naiv. Aber machbar.

goedzak 12.01.2013 | 12:11

Ich habe ja ein teilweise schlechtes Gewissen, dass hier in diesem thread zum Text von O.G. dieser 'Dialog' stattfindet. Pardon, Herr Autor! - Aber eigentlich ist mein Gewissen doch rein, denn ich rede über die Doppelseite im Printfreitag, und  dafür gibt es leider keinen anderen Platz. Mir geht es nämlich mitnichten um Dich, die Person Kuntz. Da muss ich passen, mit persönlicher Feindseligkeit kann ich nicht dienen. Ich rede über Aussagen, die schwarz auf weiß, online und nun auch auf Papier zu lesen sind. Das ist der Unterschied zwischen uns beiden, Herr Kuntz. Ich begründe meine Behauptung, Du seist voller Verachtung bestimmten Menschen und Menschengruppen gegenüber, mit den entsprechenden Äußerungen, die Du hier verewigt hast. Ich tue nicht, was Du gern tust, nämlich verächtlichen Tons Mutmaßungen über mich und andere und ganze Völkerschaften, seien es die Ossis, die Muslime, die Kommunisten oder dgl. sonstige suspects, zu äußern. Ich maße mir nicht an, über Deine Lebenserfahrungen (oder wie Grote das nennen würde "West-Sozialisation") Mutmaßungen anzustellen geschweige denn, Urteile darüber zu fällen. Ich maße mir aber eine Meinung über das, was Du schreibst, an. Und ich nehme mir das Recht heraus, einen sowohl heuchlerischen wie klischeehaften Text heuchlerisch und klischeehaft zu nennen und dem zuständigen Redakteur damit zu sagen, dass ich das Zeilenhonorar, sei es auch mickrig, und die Bearbeitungsmühe für verschwendet halte.  

Und da ich den Ruf nach Textstellen-Belegen schon höre, gebe ich hier ein Kuntz-Zitat, dass sich schnell finden ließ. Ansonsten habe ich keine weitere Lust, mir die Finger wund zu scrollen. Ich habe mir erlaubt, ein paar besonders schöne Stellen hervorzuheben:

„Die Glatzen kommen aus den Plattenbauten. Platten hat man gebaut, um den parteiunfehlbar zu lenkenden Massenmenschen kulturell zu entwurzeln. Nachdem die Partei weg war (oder umbenannt in PDS), haben sich die Menschen in den Plattenbauten auf die Suche nach Identität gemacht. In aggressiver Form. (...) Und natürlich ist die SED an der seelisch-kulturellen Verwahrlosung der Menschen in manchen Vierteln Ostdeutschlands mitschuld. Die ökonomische Perspektivlosigkeit hat dann allerdings der Amerikanismus beigetragen. Und beides zusammen ist ein Sprengsatz. Die DDR hat ihn vorbereitet und die BRD hat ihn hochgehenlassen. Man braucht allerdings diese Entwurzelung. In den Weindörfern des Ahrtals gibt es keine Glatzen.(Quelle: dieser Grote-thread. - Nebenbei: erstaunlich, wie sich der Antisemit und der Philosemit doch in vielem so hübsch einig sind.)

(Oh, oh, Anti-Amerikanismus, weißt Du nicht, dass das struktureller Antisemitismus ist?!?)

Und weil ich so gerührt bin von Deinem Lemuren-Scherztext, hier zum Dank etwas anderes zu dem Thema (ist allerdings nicht von mir, nur wiederum die Hervorhebung):

„Herbei, herbei! Herein, herein!
Ihr schlotternden Lemuren,
Aus Bändern, Sehnen und Gebein
Geflickte Halbnaturen.

Mei Nung 12.01.2013 | 14:42

Was ist der Unterschied zwischen der Antisemitismusdebatte und dem Antisemitismus? Die Debatte ermüdet langsam, der Antisemitismus leider nicht.

Antisemitische Anwandlungen blühen zwischen den Zeilen auch leider hier im Thread immer wieder auf , schön versteckt hinter neuen und allerneuesten Verschwörungstheorien. ( von links wie von rechts)

Der Satz von Groucho Marx : " Er sieht vielleicht aus wie ein Idiot und redet wie ein Idiot, aber lassen Sie sich nicht täuschen: Er ist wirklich ein Idiot." könnte in abgewandelter Form auch für Verschwörungstheorien gelten: Sie sehen wie die Wahrheit aus, sie wirken wahr, aber man sollte sich nicht täuschen lassen: Sie verbreiten fast immer eine idiotische Lüge zum Zweck der Immunisierung vor der Realität . Das Verfahren von Verschwörungstheorien ist immer und immer wieder das gleiche: Es beruht auf der unzulässigen Verallgemeinerung von etwas Konkretem.

Ich gebe es zu: Ich selbst bin auch nicht ganz unbeeindruckt von der wirklichkeitsimmunisierenden Wirkung von Verschwörungstheorien, z.B. beim Kennedy-Attentat oder bei 9/11.

Aber es führt kein Weg an den Mühen der Ebene vorbei, und das bedeutet unermüdliches Überprüfen von Behauptungen an der Wirklichkeit.

Es bedeutet Präzisieren der Kritik, genaues Hinterfragen von Selbstgelesenem und Selbsterfahrenem, Überprüfen, auch kritische Selbstanalyse,auch wenn die Zusammenhänge scheinbar  noch so offensichtlich  zutage liegen etc etc.etc..

Aber langsam ermüdet die Debatte wirklich, und ich finde , der Großfluchhafen sollte wg. schlechter Wartung durch die Hauptprotagonisten vielleicht später wiedereröffnet werden.

 

Im übrigen steht m.E. Broders Entschuldigung auf der internationalen Liste für die schlechteste Entschuldigungen für verbale Entgleisungen des Fritz-Wepper-Zentrums in München auf Platz eins, vor Atze Schröder und  Harald Schmidts " Das mit der Klobrille war nicht so gemeint, Frau Böttinger".

 

seriousguy47 12.01.2013 | 14:46

Lieber Ehemaliger alias IRGUN:

 1. „Wenn aber ein Jakob Augstein fortgesetzt Unsinn produziert, bei dem er alle klassischen antisemitischen Klischees und Ressentiments auf Israel projiziert ….und wenn ich ihn daraufhin als einen "lupenreinen Antisemiten" bezeichne, dann macht das ganze "juste milieu" der Republik mobil.“

 Hier gehen sie zu weit.

 Da möchte ich doch klarstellen, dass es sich um ein von mir ausgewähltes und kritisiertes Broder-Zitat handelt. Sie meinten sicherlich nicht, dass ich mit dem Zitieren zu weit ging?

 2. „Die Zionisten vermischen das gerne in einem Brei, damit sie sich besser tarnen können. Es wird euch nicht mehr gelingen. Eure Tage sind gezählt! Da bin ich mir ganz sicher. Und dann wird es Frieden geben in Palästina. Muslime und Juden werden friedlich zusammen leben.“

 Ich sage es mal so: bei dem von mir hervorgehobenen Teil klingeln bei mir die Alarmglocken.

 3. „So, so, das darf also im Suff nicht passieren? Prinz Harry tauchte nüchtern in Naziuniform auf. Es kommt also auf die Nationalität oder die Person drauf an?  Ist es nicht bezeichnend, dass man fast 70 Jahre danach immer noch so verkrampft mit diesem Thema umgeht? Die Presse und der Zionismus leben davon.“

 Also, mein Lieber, wenn einer in Israel mit „Adolf Hitler“ unterzeichnet, dann bin ich nicht mehr bereit, darüber überhaupt zu diskutieren. Soviel Grenzziehung muss sein. Und was Prinz Harry betrifft, so würde ich den vom erwartbaren Niveau her erst einmal weit unterhalb der Berliner Philharmoniker ansiedeln. Zum andern hat er seine eigenartig dämlichen Aktionen nicht in Israel veranstaltet. Der Vergleich geht also doppelt daneben.

Phineas Freek 12.01.2013 | 16:57

„Wie sehr darf man als Deutscher eigentlich Israel kritisieren?“

 

Thinktankgirl,

gerade weil so ein - als harmlose Frage daherkommender -  APPELL ans NATIONALE Gewissen, nicht umwendend als unverschämtes Denkverbot zurückgewiesen wird, sondern stattdessen wie selbst-verständlich befolgt und begierig aufgegriffen wird, kann dabei eben auch gar nichts anderes herauskommen, als so eine Kuntz- und Grot(t)endumme Elendsdebatte.  

Die nichts anderes ist und anscheinend auch nichts anderes sein will, als die wechselseitige Überprüfung nationaler Gesinnung, anhand der Maßstäbe, Vorschriften und  Glaubenssätze hiesiger Staatsgewalt.

Und unter Maßgabe dieses  Nationalknigges, fällt das Urteil „Antisemit“ oder nicht, auch immer so unterschiedlich, wie dessen vorherige „Begründung“ folglich grundverkehrt aus!

 

Als Teil des widerstreitenden deutschen Nationalismus und als Teil des widerstreitenden israelischen Nationalismus, ist diese aktuelle „Debatte“ (Antisemitismus) ausschließlich ein Aufhänger Militärpolitischer wie Geostrategischer Differenzen innerhalb dieser nationalen Eliten, welche sich an den Nationenübergreifenden Frontverläufen gut ablesen lassen.

 

Und unter Zuhilfenahme des hier schmählichsten (moralischen) Verdikts (Antisemit), versuchen nun die übereinstimmenden „Fraktionen“ des israelischen und deutschen Nationalismus, auch auf diese Weise ihre jeweiligen Konkurrenten unter Druck zu setzen.

Das ist der ganze Inhalt und Zweck dieser jüngsten und wahrlich deprimierenden (Angele) „Debatte“

Als Aufforderung zur Erklärung und vielleicht nötigen Gefahrenabwehr kann man diese ganze Veranstaltung eigentlich nun wirklich nicht mehr missverstehen, es sei denn (Blöd)man „beherzigt“ das obige und einleitende Zitat. 

 

Mei Nung 12.01.2013 | 17:58

Was eine Verschwörungstheorie ist, habe ich, denke ich, im wesentlichen in meinem Kommentar erklärt. Danach können Sie getrost überprüfen, ob meine kritische Anmerkung selbst eine ist, oder, eben, wie gesagt, lediglich eine kritische Anmerkung.

Ganz konkret, ohne  schwammig zu verallgemeinern ( ich sprach im übrigen sehr zurückhaltend lediglich von antisemitischen Anwandlungen ZWISCHEN DEN ZEILEN), meine ich Z.B. einen Text wie diesen hier: "Der dt. Verliererstaat und die nachfolgende BRD sind die Handlanger für die zionistische Industrie. Warum? Ähnlich wie in den USA sind die Zionisten in BRD und weltweit bestens organisiert. Es ging immer um Profit und als Spielzeug die Idee eines jüdischen Staates in Palästina..." etc

Hier reiht sich eine unbewiesene Behauptung an die andere, hier vermischen sich Wertungen und Ressentiments mit Fragmenten von Realität zu einem  imaginierten Komplottwischiwaschi:

Was z.B. soll die "zionistische Industrie" sein? Warum geht es angeblich immer um "Profit"? Die Zionisten in der BRD und "weltweit"( da haben wir sie wieder, die uralte Weltverschwörungstheorie!), sind "bestens organisiert"? Wer behauptet das? Und warum? Gibt es dafür eindeutige Belege? etc etc pp

die Realistin 12.01.2013 | 18:03

...und Antirussist darf man sein!!!!

Meine Mutter liebte vor 1933 einen jungen Juden aus der Klausner-Familie (grosses Schuhgeschäft in Breslau). Der junger Mann wurde von seiner Familie nach Palästina geschickt, denn eine Goy kam für eine Familie des Auserwählten Volkes als Schwiegertochter nicht in Frage.

Der rote Terror in der UdSSR, der im Jahre 1937 begann, wurde durch sehr viele Menschen jüdischer Abstammung realisiert. Übrigens war Stalin ebenfalls Jude.

Die "Berliner Mauer" wurde von vielen Betroffen und Nichtbetroffenen verdammt.

Die Mauer, die Israel um sich gezogen hat, die wird GANZ anders gesehen!...

Unter den Juden, egal, in welchem Land sie leben, gibt es wie  auch unter allen anderen Vökern Gauner,Betrüger, Mörder, Lügner!

Wo und von wem und wofür sind sie das "auerwählte Volk"???

Und ich bin trotz dieser Zeilen KEINE Antisemitin, denn ich liebe und verehre H.Heine, Tucholsky, Feuchtwanger, Ehrenburg;  ich mag ohne die Musik Mendelsohn-Bartholdys und Mahlers nicht leben...

Rosbaud 12.01.2013 | 20:09

Herr Guez versucht ja redlich objektiv zu sein, meiner Ansicht nach, gelingt es ihm nicht immer.

Bei folgenden Zitaten aus seinem Artikel möchte ich dies belegen:

 

>> Aber wie viele Selbstmordattentate gehen auf orthodoxe Juden zurück? Wie viele Geiselnahmen? Wie viele Enthauptungen, die live im Netz übertragen werden, wie viele Amputationen von Körperteilen als Strafe für ein gestohlenes Huhn, wie viele Steinigungen von untreuen Frauen? Wie viele Massaker in Gottes Namen? <<

 

Mit archaischen Bestrafungen wie Amputationen und Steinigungen möchte ich die orthodoxen Juden in der Tat nicht in Verbindung bringen. Aber Terror, Selbstmordattentate, Geiselnahmen könnte ich mir bei diesen, bei Ultranationalisten und bei fanatischen Zionisten vorstellen, wenn die Machtverhältnisse anders liegen würden, wenn nicht die IDF so haushoch überlegen wären und somit die kollektiven Rache- und Bestrafungsfantasien so effektiv befriedigen könnten.

 

Wozu fanatische Zionisten fähig sind, zeigt der Terror vor der Staatsgründung Israels und auch danach (Ermordung Graf Folke Bernadotte). Gott sei Dank! gibt es in Israel die „neuen Historiker“, die mit vielen Mythen aufräumen.

 

>> Warum verwendet sie Millionen dafür, um im Iran Waffen zu kaufen, anstatt in Gazas Wirtschaft zu investieren? Warum schließt Ägypten regelmäßig seine Grenze zum Gazastreifen, anstatt zum Aufschwung und Austausch beizutragen? Und die ach so reichen Golfstaaten. <<

 

Das kann man wirklich nur noch scheinheilig nennen. Die IDF bomben bei ihren Überfällen regelmäßig Fabriken, Elektrizitätswerke, Flughafen, also die Infrastruktur zusammengebombt, aber die Palästinenser und die reichen Golfstaaten sollen sich dadurch nicht abhalten lassen, fröhlich weiter zu investieren.

 

>> Wenn Israelis und Araber miteinander hätten Frieden schließen wollen, wären die Verträge längst unterzeichnet. Also, bitte, in Zukunft doch eine neutrale, unparteiische Haltung. <<

 

Das kann man ganz anders sehen. Israel hat viele Chancen verpasst, sich in die fragile Staatenwelt des Nahen Ostens einzufügen, weil die maßgeblichen Kreise immer noch von einem Groß-Israel träumen. Chancen wären gewesen

 

>> die Friedensinitiativen der Madrider Konferenz von 1991, die Vereinbarungen von Oslo 1993 und der arabische Plan von 2002 nicht. Sie alle beruhten auf dem Prinzip „Land für Frieden“. Stattdessen hat sich der jüdische Staat in jene „Wagenburgmentalität“ zurückgezogen, die die große jüdische Philosophin Hannah Arendt schon in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg diagnostizierte. Arendt, obschon dem Zionismus keineswegs abgeneigt, hat stets davor gewarnt, die jüdische Besiedlung Palästinas gegen den Willen der Palästinenser zu bewerkstelligen. Andernfalls werde der neue Staat stets in besagter „Wagenburgmentalität“ enden. << (Heiko Flottau - „Israel in der Wagenburg“)

 

 

balsamico 12.01.2013 | 20:26

Ein Richter muss neutral sein, ein Schlichter muss neutral sein, aber ein Journalist?

Genau. Tatsächlich sind nicht einmal Richter neutral. Das ist nur die Aura, mit der sie sich umgeben. Journalisten haben, wenn sie gut sind, weit mehr mit Anwälten gemein als mit Richtern. Welcher Anwalt relativiert schon seinen Standpunkt, indem er die Argumente der Gegenseite vorträgt? Journalisten, die z.B. im Nahostkonflikt Neutralität predigen, kommen mir vor wie Buchhalter, die es damit bewenden lassen, die wechselseitigen Untaten zu protokollieren. Dabei weiß jedes Kind, dass die Palästinenser keine Unschuldslämmer sind. Ich frage mich, weshalb die israelische Seite so tut, als wolle man dies, wenn man Israel kritisiert, unter den Teppich kehren. Denn das will man nicht. Man erwähnt es nur nicht jedes Mal auf's Neue, weil es allseits längstens bekannt ist. Wer will, dass Israel sein Verhalten gegenüber den Palästinensern ändert, kann und muss dazu nicht auf die Untaten der Palästinenser verweisen, so verurteilungswürdig sie sind. Denn auch die schlimmste Untat berechtigt nicht dazu, sich an fremdem Land zu vergreifen. Wenn nach dem Völkerrecht Gebietserwerb durch Krieg unzulässig ist, gilt das erst recht für Untaten außerhalb von Kriegen.

Die Forderung, nicht nur Israel sondern auch die Palästinenser zu kritisieren, zielt m.E. darauf ab, die israelischen Landnahmen in Ostjerusalem und im Westjordanland weniger verwerflich erscheinen zu lassen, als sie es sind, damit Israel beim Ziehen seiner dortigen Kreise weniger gestört wird. Wer da mit Antisemitismus kommt, zündet seine Nebelkerzen vermutlich mit Bedacht, weil er weiß, dass dieser Vorwurf einem deutschen Journalisten, der seine Arbeit tut, tiefer unter die Haut geht als wenn er z.B. Franzose wäre. Das ist nicht eben fair, wie ich finde.

Moliet 12.01.2013 | 22:53

"Arendt, obschon dem Zionismus keineswegs abgeneigt, hat stets davor gewarnt, die jüdische Besiedlung Palästinas gegen den Willen der Palästinenser zu bewerkstelligen."

Seit den 20ern und 30ern des vorigen Jahrhunderts hat sich nichts geändert. Von Anfang an bis heute werden die Palästinenser ihres Landes beraubt. Warum eine erfolgreiche Taktik ändern? Bisher sind die radikalen Regierungen in Israel immer damit durchgekommen. Das ist auch das ganze Übel, dass man nicht schon lange vor der Staatsgründung 1947 die Zionisten in die Schranken verwiesen und für klare Verhältnisse in Palästina gesorgt hat.

 

seriousguy47 12.01.2013 | 23:07

Die Kritik an der Neutralitätsforderung hat was. Bringt mich zumindest ins Grübeln. Es scheint in der Tat eher eine Forderung an den Abweichler Augstein zu sein, sich wieder/ endlich dem pro-israelischen Mainstream einzuordnen. Denn den sehe ich eigentlich hierzulande. Und Augstein sticht vielleicht gerade deshalb so ins Auge, weil er dagegen anlökt. Und er scheint mir schon auch sehr alarmistisch zu schreiben, und auch einseitig auf Israel fixiert (?). Aber vielleicht braucht es ja gerade sowas hierzulande....

Andererseits muss man auch sehen, dass Israel weltweit/ in der UNO ja auch ziemlich isoliert ist (?) und umso mehr darauf bedacht sein muss, dass die westlichen Industriestaaten bei der Stange bleiben. Das macht dann schon auch etwas nervös.

Kommt bei uns noch die Verpflichtung aus der Vergangenheit dazu. Das alles kann aber in der Tat nicht heißen, dass (Meinungs-)Journalisten neutral zu sein hätten. Die Medien insgesamt sollten einigermaßen ausgewogen berichten.

Es war aber vielleicht am Ende doch gut, dass wir wieder mal darüber geredet haben.....;) Vielleicht hat der eine oder die andere sogar was gelernt. Ich fange wenigstens schon mal zu grübeln an...;)

Moliet 13.01.2013 | 01:04

Da gebe ich ihnen schon Recht. Übertreiben wir es nicht ein bisschen mit unserer Verantwortung? 70 Jahre nach Kriegsende, die Täter sind tot. Ein Mörder geht heute 15 Jahre in Arrest. Nach seiner Entlassung hat er seine Strafe verbüßt und sollte nicht mehr belastet werden. Der deutsche Bürger, der an den Verbrechen nicht Teil genommen hat, der soll ewig unter dieser Last leiden? Wäre ich nach Australien ausgewandert und hätte die Staatsangehörigkeit angenommen, dann hätte ich damit nichts mehr zu tun? Wie läuft die Aufarbeitung und das Übernehmen von Verantwortung in anderen Staaten?

Mei Nung 13.01.2013 | 02:06

Sehr geehrter Herr von Grote,

ich stimme Ihnen vollkommen zu.

Leider verlaufen fast alle Threads zu diesem Thema , egal ob auf SPON, FC , zeit. de, welt. de oder sonstwo, immer gleich. Diese "Der aber auch!"-Litanei kommt in jedem Thread so sicher wie das Amen in der Kirche, ich selbst habe sie in endlosen privaten Diskussionen immer und immer und immer wieder erlebt - Hannah Arendt hat dies Phänomen vor über fünfzig Jahren schon erkannt und auf den Punkt gebracht:

"Der Weg der Argumentation ist immer der gleiche: er biegt von den verbürgten, belegbaren Einzelheiten ab ins Allgemeine, in dem alle Katzen grau und wir alle gleich schuldig sind....Im Rahmen des Politischen gehören zu diesen zu nichts verpflichtenden, leeren Allgemeinheiten die Vorstellungen von einer Kollektivschuld bzw Kollektivunschuld der Völker, die automatisch des Urteilens und der damit verbundenen Risiken entheben.... Es hat sich inzwischen wohl herumgesprochen, dass es eine Kollektivschuld nicht gibt und auch keine Kollektivunschuld und dass, wenn es dergleichen gäbe, niemand je schuldig oder unschuldig sein könnte. Was es aber wohl gibt, ist eine Kollektivhaftung im politischen Bereich, die in der Tat unabhängig ist von dem, was man selbst getan hat..."

Würde diese Litanei des Aufrechnens von Schuld auch von unseren staatlichen Institutionen betrieben, wie sollte es da  z.B. der Justiz  überhaupt noch möglich sein, Recht zu sprechen oder Urteile zu fällen?

Der Soziologe Helmut Dubiel sagt es in einem Satz: "Schuld entsteht erst dann, wenn wir uns weigern, eine belastende Vergangenheit so zu erinnern, dass sie tatsächlich zu einem Teil unseres Innern wird."

Die Beschäftigung mit unserer Vergangenheit (, die, das muss man allerdings auch mal sagen, nirgends so intensiv betrieben wurde wie in Deutschland) hat wesentliche Beiträge zum Zuwachs der demokratischen Kultur in Deutschland geleistet, insofern sollten wir dankbar über diese intensive Aufarbeitung  unserer Vergangenheit  sein, weil sie uns letzten Endes nicht belastet, sondern  unserem demokratischen Miteinander wichtige Impulse liefert.

 

thinktankgirl 13.01.2013 | 10:58

... Abdurachman Awtorhanow (kaukasischer Historiker, der seit 1939 in Deutschland lebte) sind sich in einem Punkte einig: Ohne Juden habe Stalin nicht an der Macht bleiben können.

Awtorhanow:

The NKVD assigned him to infiltrate the anti-Soviet Chechen movement in which his school friend Khasan Israilov was a leader, but Avtorkhanov joined the uprising instead, and crossed the front line to propose to the Nazis an alliance with the Chechen Resistance against the Soviets.[4] The Nazis rejected the proposal, and Avtorkhanov began to work for Nazi propaganda, writing articles for various newspapers published in Russian by and for emigrants and defectors as well as works on the Caucasus.

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 11:10

Hi TTG,

ob dies nun primärer Antisemitismus sei, darüber möchte ich nicht streiten - zuallererst ist der Beitrag des Foristen inkl. Link Geschichtsklitterung in Kombination mit Verschwörungstheorien aller Art, zwecks unzulässiger Aufrechnung der NS - und faschistischen Gräueltaten mit denen des stalinistischen Regimes - die letztlich in revanchistische Tendenzen münden, die stets auch ein Nährboden und Tummelplatz für antisemitische Propaganda und Schürung von Ressentiments ist.

Zur Sachfrage jüdisch-stämmiger Beteiligung am Terror des Stalinregimes und antisemitischer Verfolgung empfiehlt sich die Lektüre eines Zeitgenossen, der seinerzeit zwischen den Stühlen und wechselnden Fronten stand - um sich mal ein Bild zu machen davon, kann man die Biographie von Ilja Ehrenburg als exemplarisch für die linksorientierte jüdische Intelligenz dieser Etappe der Weltgeschichte hernehmen - in kritischer Distanz versteht sich:

"

Eine besondere Rolle in Ehrenburgs Tätigkeit während des Zweiten Weltkriegs spielte die Dokumentation der Shoa und des Kampfes der Juden. Im August 1941 fand in Moskau eine große Versammlung prominenter jüdischer Sowjetbürger statt: Solomon Michoels, Perez Markisch, Ilja Ehrenburg und andere appellierten über den Rundfunk an die Juden der Welt, die sowjetischen Juden in ihrem Kampf zu unterstützen. Dies waren die Anfänge des Jüdischen Antifaschistischen Komitees, das im April 1942 gegründet wurde.

Ehrenburg als Zuschauer bei einem Kriegsverbrecherprozess in Charkow, Dezember 1943(Foto: G. Kapustyanskiy)

Gemeinsam mit Wassili Grossman begann Ehrenburg Berichte über die deutschen Massaker an Juden zu sammeln, die in die weltweit erste umfassende Dokumentation der Shoa münden sollten: das Schwarzbuch über den Genozid an den sowjetischen Juden, das mit Unterstützung amerikanischer jüdischer Organisationen (u. a. unter wesentlicher Beteiligung von Albert Einstein) konzipiert wurde und für ein gleichzeitiges Erscheinen in den USA und der Sowjetunion vorgesehen war. Ehrenburg und Grossman fungierten als Herausgeber und trugen selbst Berichte bei.[24] Zu den Mitarbeitern gehörten Margarita Aliger, Abraham Sutzkever, Solomon Michoels und Owadi Sawitsch. Besonders wichtig war Ehrenburg eine Veröffentlichung in der Sowjetunion, weil er über den „heimischen“ Antisemitismus sehr gut Bescheid wusste.[25] Teile des Materials konnten in Snamja und der jiddischsprachigen Sammlung Merder fun Felker erscheinen, doch es gab zunehmend Probleme mit der sowjetischen Zensur, die Berichte über jüdische Opfer und Kämpfer als nationalistische Verirrung ansah. Schließlich wurde der bereits fertige Satz 1948 im Zuge von Stalins antisemitischen Kampagnen zerstört. Das Schwarzbuch ist in der Sowjetunion nie erschienen.

"

aus wikipedia

BG

a.

ibn klaus 13.01.2013 | 11:15

Jakob Augstein ist nun der neuntschlimmste Antisemit der Welt, so das Simon-Wiesenthal-Center. Aber wen interessiert dieses SWC ? Es ist heute genauso überflüssig wie der Suchdienst des DRK oder das Beamtenheimstättenwerk. Und wenn Augstein eine Grenze überschritten hat, dann ist das gut so. Nur wer Grenzen überschreitet, kann diese einreißen.

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 12:42

Gern geschehen.

Nur noch der Hinweis, daß in diesem historischen Ursprungs-Kontext - der Instrumentalisierung und anschließender Zerschlagung z.B. des JAK u.a. antifaschistischer Gruppierungen mit hohen Anteil jüdisch-stämmiger Akteure - zumeißt linke Intellektuelle - sich nicht nur die sowjetische Seite ausgetobt hat, sondern diese auch auf westlicher Seite nach Weltkriegsende "ausgespielt" hatten - sprich wo´s ging kaltgestellt wurden, nicht zuletzt weil von diesen Verbänden z.T. scharfe Kritik am Zionismus und der von den West-Alliierten forcierten Gründung und Militarisierung des Staates Israel geübt wurde.
Das wiederum ist die versteckte Ursache bzw. Unterlage der Konstruktion eines "linken Antisemitismus" (in der Vulgärausgabe z.B. bei Broder zu finden) als Abwehr jüdisch-stämmiger Kritik von antifaschistischen Intellektuellen an nationalistischen, rassistischen, militaristischen und vor allem "judentümlerischen" Tendenzen in den Nachkriegs-Communities und im Staate selbst, die vor allem der Rekrutierung und Einschwörung junger Männer für den Einsatz in den diversen Nahost-Kriegen dienten.
Wenn gegen die linksseitige Kritik dessen nicht die Antisemitismus-Keule herausgeholt wird, dann tut´s auch der Verweis auf den "jüdischen Selbsthass", der bei den Links-Intellektuellen - als 5te Kolonne der Sowjets, dann der Intifada, dann der usw., besonders ausgeprägt sei.

Dieser Propaganda-Mechanismus den wir heute erleben ist also nichts Neues und kaschiert letztlich nur die durch historische  Ereignisse verursachte tiefe Spaltung innerhalb der jüdisch-stämmigen wie israelischen Bevölkerung, die mit einer reflexhaften Abwehr von dem abträglichen bzw. unerwünschten "Einmischungen von außen" überspielt wird.
Wenn diese von deutsch-stämmiger Seite geübt wird, dann wird die Vorgeschichte im "kollektiven Unterbewusstsein" augenscheinlich mit nach oben gespült, wobei sich heute zeigt, wie wenig davon aufgearbeitet wurde und im politischen Bewusstsein hängenblieb.

Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist verdammt...

 

Moliet 13.01.2013 | 13:10

"

Der Soziologe Helmut Dubiel sagt es in einem Satz: "Schuld entsteht erst dann, wenn wir uns weigern, eine belastende Vergangenheit so zu erinnern, dass sie tatsächlich zu einem Teil unseres Innern wird."

Die Beschäftigung mit unserer Vergangenheit (, die, das muss man allerdings auch mal sagen, nirgends so intensiv betrieben wurde wie in Deutschland) hat wesentliche Beiträge zum Zuwachs der demokratischen Kultur in Deutschland geleistet, insofern sollten wir dankbar über diese intensive Aufarbeitung  unserer Vergangenheit  sein, weil sie uns letzten Endes nicht belastet, sondern  unserem demokratischen Miteinander wichtige Impulse liefert."

Damit kann ich mich anfreunden. Da haben wir in unserer BRD eine Insel geschaffen, die weltweit ein Beispiel sucht? Das ist aber nicht ganz freiwillig entstanden. Wie erklären sie sich, dass andere Nationen unserem klugen Pfad nicht folgen?

Moliet 13.01.2013 | 13:21

Wie nennen sie das, was bei ihnen gerade wieder aufblüht? Das ist genau das was kritisiert wird. So bald irgendwelche historischen Details diskutiert werden, die in negativer Weise Zionisten betreffen, blüht sofort der primäre Antisemitismus wieder auf? Das ist ärgerlich. Wir rühmen uns, dass wir unsere Vergangenheit so vorbildlich aufarbeiten. Daran sollten sich auch Zionisten/Juden ein Beispiel nehmen. Das ewige vorbeten der totalen Opferrolle kann einem auf den Wecker gehen.

Moliet 13.01.2013 | 13:29

Er ist nicht der Einzige, der mit diesem Totschlagargument niedergeknüppelt wurde. Ich habe mich mal mit diesem Prozess kurz befasst. Palomino hat nichts anderes gemacht als recherschiert und versucht neue Erkenntnisse ans Licht zu bringen. Der Richter fällte ein politisches Urteil. Palomino war so naiv zu glauben, dass jemand objektiv seine Ausführungen prüfen würde. Wenn ein Herr Augstein schon auf die schwarze Liste kommt, was glauben sie passiert mit jemandem bei diesem Thema.

Moliet 13.01.2013 | 13:37

Ja klar, und deshalb kann er natürlich nur ein Lügner sein. Er war Zeitzeuge und war an der Quelle. Er ist nicht der einzige Zeuge. Tragisch ist, dass Stalin nicht gerade dankbar zu seinen zionistischen Mitstreitern war. Er ließ sie die Drecksarbeit machen und liquidierte sie danach, oder ließ sie in einem der 1000 Straflager verschwinden. Das sind ganz einfach historische Fakten. Deshalb muss man nicht gleich auf die Antisemitismus Palme gehen.

thinktankgirl 13.01.2013 | 13:44

Sorry, Sie sprachen nicht von Zionisten sondern explizit von Juden und verlinkten auf Personen, die den Holocaust leugnen sowie im 2. Weltkrieg Propaganda für die Nazis machten.

Und Aussagen wie: Ohne die Juden hätte Stalin nicht an der Macht bleiben können sind in meinen Augen antisemitisch, da sie nicht der Wahrheit entsprechen und auch das Klischee bedienen, nachdem das Weltjudentum den Lauf der Welt bestimmt.

elisRea 13.01.2013 | 13:44

"Um es gleich zu sagen: Aus dem Ausland betrachtet sieht es so aus, als würde über Deutschland ein kleines, polemisches Gewitter von jener Art niedergehen, wie das Land sie liebt. Ein kleines Psychodrama, das sich die Deutschen regelmäßig leisten: über Israel, die Juden und den Antisemitismus. Neurotische Zustände also, die das kollektive Bewusstsein seit bald 70 Jahren quälen."

Das ist der erste Absatz des Artikels.

Um als Erstes zu fragen: Für wen spricht Herr Guez? Für sich? Für ganz Frankreich oder für das Ausland insgesamt?

Das Pauschale an seinen Formulierunbgen irritiert mich:

".... wie DAS Land sie liebt."

"... wie DIE Deutschen es sich ...",

wozu auch deutsche Juden gehören,

"... über Israel, DIE Juden..."

wozu alle Juden der Welt gehören, auch die deutschen,

"... das KOLLEKTIVE Bewusstsein..."

von jüdischen und nichtjüdischen Deutschen, einschließlich aller Emigranten und der Nachkommen der 56% Deutschen, die nicht Hitler gewählt haben und einschließlich der Nachkommen derer, deren Vorfahren zu den Opfern der Nazis gehörten,

Aber es ist nicht nur dieses Pauschalisieren, das mich irritiert.

Dazu kommt noch die Pathologisierung DER Deutschen und damit auch der deutschen Juden, manifestiert den Worten:

- Psychodrama,

- neurotische Zustände,

- kollektives Bewusstsein,

- qälen.

Manche Leute quäääääält diese Art der Manipulationsversuche, anderer sind deprimiiiiiiert und mach einer denkt darüber nach, was der Autor mit seinem Artikel eigentlich sagen will und was er damit bezweckt.

Manche fragen sich, ob es sich nach dieser Hetzjagd, bei der zwei Fliegen mit einer Klappe und die Klappe einer Fliege (hier ist nicht die von Herrn A. gemeint) ganz besonders geschlagen wurde, jemals in D. wieder ein Journalist wagen wird eine (tentenziell) rechtsgerichtete und nationalistische Regierung, deren Politik sich von der einer Regierung unter Rabin gravierend unterscheidet, öffentlich zu kritisieren.

So wie aktuell geschehen, kann man m.E. auch Meinungs- und Pressefreiheit ausschalten oder doch zumindest einschränken.

Hier geht es mehr als um Herrn Augstein.

Es um eine Art Präzedenzfall.

 

thinktankgirl 13.01.2013 | 13:54

Tragisch ist, dass Stalin nicht gerade dankbar zu seinen zionistischen Mitstreitern war. Er ließ sie die Drecksarbeit machen und liquidierte sie danach ...

Gut, wenn es historische Fakten sind, daß Stalin sie die Drecksarbeit machen ließ bzw. Stalin ohne die Juden nicht an der Macht bleiben hätte können, dürfte es ja ein Leichtes sein, dies durch Anführung wissenschaftlicher Untersuchungen zu untermauern. 

thinktankgirl 13.01.2013 | 14:01

Bin ich dann ein Rassist? Kann ich was dafür, dass sich auch Juden/Zionisten an Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligten/beteiligen?

Es ging nicht darum, daß auch Juden Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen, sondern darum, daß sie als Hauptakteure dieser Verbrechen dargestellt werden, ohne daß Sie irgendwelche Belege dafür bringen können, ausser eines nicht belegten Zitates eines Menschen, der im 2. Weltkrieg für die Nazis Propaganda gemacht hatte.

elisRea 13.01.2013 | 14:14

"Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist verdammt..."

Dass Sie hier schon wieder den Ziegenbock ins Spiel bringen... :-/

Interessant.

Mich erinnert das an die Verfolgung, Folterung und massenhaften Verbrennung der sogenannten "Ketzer" und an Spinoza.

Nur, passt das, wenn ich nicht irre, nicht so richtig zum Kontext Ihrer Ausfrührungen. ???

 

 

 

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 14:19

Danke! Exakt darum geht es!
Jüdisch-Stämmige Akteure waren nie die Hauptakteure noch Verantwortlichen. Klar gab es Kollaborateure, Denunzianten, nicht-enttarnte Mitläufer und Wehrmachtsangehörige und wohl auch Spekulanten und Investoren dieser Herkunft, aber die Mehrheit organisierte sich im Untergrund, in Exil-communities und Verbänden eindeutig anti-nazistisch bzw. anti-faschistisch mit links-liberal bis kommunistischer, zeitweilig auch stalinistischer, Tendenz.

Mit der Zerschlagung des JAFK u.a. Organisationen in Ost - und West gerieten diese kritischen Stimmen mehr als nur in die Defensive, es herrschte kalter Krieg und da waren diese da wie dort unwillkommen bzw. galten als Leute die die Moral "der Truppe" und der Bevölkerung untergraben.

Parallelen gibt´s... 

Moliet 13.01.2013 | 14:31

"So wie aktuell geschehen, kann man m.E. auch Meinungs- und Pressefreiheit ausschalten oder doch zumindest einschränken.

Hier geht es mehr als um Herrn Augstein.

Es um eine Art Präzedenzfall."

Das sehe ich auch so!

Eine Bestätigung liefert die Unantastbarkeit von MRR, alias Marceli Reich. Jegliche Aufarbeitung seiner Vergangenheit beim kommunistischen Geheimdienst in Polen und London nach Mai/45 wird torpediert. Der Versuch Informationen zu diesem Thema zu veröffentlichen wird im Keim erstickt, zensiert.

Verzeihen sie bitte wieder einen Vergleich. Auf der einen Seite sehe ich Augstein, einen kritischen Journalisten, der weltweit diffamieret wurde. Auf der anderen Seite sehe ich RR, der ………………(Selbstzensur). Das ist es was ich meine. Diese Ungleichheit, und das ist für mich ein Beleg, dass es sich hier um eine Strategie handelt, die "Gott sei Dank" nun durchschaut wird und hoffentlich bald ihr Ende findet.

 

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 14:36

Arno Lustiger: Rotbuch: Stalin und die Juden. Die tragische Geschichte des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und der sowjetischen Juden. Aufbau, Berlin 1998,

der Autor ist jüdischer Herkunft und hat Einiges mitgemacht.

Das Buch ist ne Wiederauflage, die vorher - glaube ich - bei Wagenbach, dann im Rotbuch-Verlag herauskam. Irgendwo hab ich das Buch in irgendeinem Umzugskarton - lesenswert.

Nur kurz dazu:

Stalin hat solange mit allen Gruppierungen paktiert, die halbwegs auf Linie zu seinen Großmachtsplänen lagen, solange sie dem nützten. Von Drecksarbeit kann keine Rede sein, wohl aber von Mitwirkung an der Front, in der Untergrundarbeit, in den internationalen Brigaden usw.

Ne ziemlich unübersichtliche und unappetitliche Sache das, lassen Sie sich vom Nachnamen des Autors nicht täuschen.

Viktor Serge ist ein weitere Geschichte, die da den Horizont erweitern könnte hinsichtlich der "inneren Säuberung" von dann pro-stalinistischer Gruppierungen von kritischen Intellektuellen, die nicht ganz zufällig einen hohen Anteil von jüdisch-stämmigen Menschen aufwies.

Riesenthema das. Wollen Sie hier ein Faß aufmachen?

Moliet 13.01.2013 | 14:50

Danke, dennoch...

"Von Drecksarbeit kann keine Rede sein, wohl aber von Mitwirkung an der Front, in der Untergrundarbeit, in den internationalen Brigaden usw."

Es geht mir nicht darum mit Dreck zu schmeißen, aber wie würden sie die Arbeit des Tscheka, NKWD/MWD, usw., indem auch Juden/Zionisten tätig waren, bezeichnen?

(Der NKWD hatte Quoten mit Liquidierungen zu erfüllen. Wer sie zuerst erfüllt hatte wurde auch schneller befördert. Es wurden viele Unschuldige umgebracht.)

 

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 15:02

Niemand kann ausschliessen, daß in einem Terror-Regime auch jüdisch-stämmige Leute mitwirkten.

Das ist gar nicht der Punkt, denn ihre Mitwirkung verdankt sich nicht ihrer Herkunftskultur & Religion, sondern der Überzeugung oder der schlichten Berechnung bzw. Vorteilsnahme auf der Seite der Mächtigen zu stehen.

Niemand redet davon, daß die gesamte jüdisch-stämmige Bevölkerung in dieser Epoche der Weltgeschichte die Unschuld für sich gepachtet hatte. Das wäre Unsinn, es gab sicher Mitläufer und Mittäter - aber im Vergleich zur Zahl der Opfer spielt das keine Rolle und kehrt in der Implikation die Schuldfrage um.
Das ist ein Brandsatz, aus gutem Grund.

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 15:10

Bronstein wurde 1940 ermordet, sein Exil begann 1929 und er konnte daher schon zeitlich nicht an der Instrumentalisierung und anschließenden Liquidierung des JAFK bzw. seiner Mitglieder und der jüdischen Bevölkerung in der UdSSR mitwirken - außerdem war er der Gegenspieler Stalins.

Achso Bronstein bzw. Trotzki war ein prominenter Jude und deshalb mitschuldig an Stalins Exzessen, vielleicht auch noch an denen der Nazis?

Gaaaanz vorsichtig.

Moliet 13.01.2013 | 15:34

"Ok, ich verstehe. Will heißen, kein einziger Historiker hat jemals irgendwelche Fakten zu Ihren Behauptungen ausgegraben."

Doch sehr viele. Die meisten haben das Handtuch geworfen. Es besteht gelinde gesagt kein Interesse an diesen Fakten. Viele wurden in der Luft zerrissen und existenziell ruiniert. Wer begibt sich gerne noch freiwillig auf die Schlachtbank?

Haben sie schon wahrgenommen, dass man alles kaufen kann...auch Journalisten, Historiker, Juristen, Politiker, Literaten, Schriftsteller....die das schreiben was Leute wie sie hören und lesen wollen. Fragen sie sich doch mal wer die Bunker des SMC und die Gehälter der Hexenjäger bezahlt? Da werden ganze Bücher abgefasst um festgelegte Meinungen zu betonieren.

Die Wahrheit ist heute das Produkt jener, die das Geld haben zu bestimmen was wahr sein darf. Ein nicht oder nur teilsouveräner Staat kann in diesem Zirkus nicht mitspielen.

Augstein ist eine von den Ausnahmen, die noch Berufsehre haben.

 

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 15:35

Korrektur:

Trotzki hatte als Oberbefehlshaber der Roten Armee von 1918-22 die Verantwortung für den sog. Kriegskommunismus unter Lenin, Stalin kam erst danach.

Dabei handelte es sich um einen Mehrfrontenkrieg in Kombination mit dem Bürgerkrieg gegen die Weißgardisten und Monarchisten im Innern.

Folglich reden wir in dieser Phase nicht von zivilen Opfern, auch wenn es die in jedem Krieg gibt.

In jedem Fall hat Trotzki zwar Befehle zur Niederschlagung von Aufständen gegeben, aber keinen zum Genozid, schon gar nicht an Juden oder anderen Minderheiten, auch nicht an Kritikern der lenistisch-trotzkistischen Linie.

Diese "Spezialitäten" waren dem Stalin-Regime vorbehalten, bei dessen Opferzahlen man aber auch nicht die Kriegstoten einrechnen kann, denn der Angriff ging von D aus.

Daß die Rote Armee unter Stalin beim Vorrücken ethnische Säuberungen und Vertreibungen vornahm ist bekannt, aber was hat das mit dem Blog-Thema zu tun?

 

 

Optimist 13.01.2013 | 15:50

Ich kann die Aufregung über die von Herrn Augstein verfassten Artikel in keiner Weise verstehen, da er ja mehr oder weniger nur das beschreibt und kritisiert was Fakt ist in Israel/Palästina.

Ich kenne das Land seit 1973 und bereise es in regelmässigen Abständen und konnte bisher keine Fortschritte in Beziehung zu seinen von Israel besetzten Gebieten (Palästina) sowie die Beziehung zu seiner arabischen Minderheit, die immerhin mehr als 25% der Bevölkerung ausmacht, feststellen.

Auch wenn man immer von einem jüdischen Staat spricht, verletzt man die Eigentumsrechte der arabischen Minderheit in Israel.

Mit der Siedlungspolitik vestösst man gegen das Völkerrecht,  bleibt aber unsanktioniert. Gegen jedes andere Land hätte man  schon längst Sanktionen verhängt.

Dies alles hat Herr Augstein lediglich aufgezählt und benannt, also nur Fakten, die ich aus persönlichen Erlebnissen auch bestätigen kann.

Wozu die Aufregung!!!!

 

Optimist 13.01.2013 | 15:50

Ich kann die Aufregung über die von Herrn Augstein verfassten Artikel in keiner Weise verstehen, da er ja mehr oder weniger nur das beschreibt und kritisiert was Fakt ist in Israel/Palästina.

Ich kenne das Land seit 1973 und bereise es in regelmässigen Abständen und konnte bisher keine Fortschritte in Beziehung zu seinen von Israel besetzten Gebieten (Palästina) sowie die Beziehung zu seiner arabischen Minderheit, die immerhin mehr als 25% der Bevölkerung ausmacht, feststellen.

Auch wenn man immer von einem jüdischen Staat spricht, verletzt man die Eigentumsrechte der arabischen Minderheit in Israel.

Mit der Siedlungspolitik vestösst man gegen das Völkerrecht,  bleibt aber unsanktioniert. Gegen jedes andere Land hätte man  schon längst Sanktionen verhängt.

Dies alles hat Herr Augstein lediglich aufgezählt und benannt, also nur Fakten, die ich aus persönlichen Erlebnissen auch bestätigen kann.

Wozu die Aufregung!!!!

 

Optimist 13.01.2013 | 15:51

Ich kann die Aufregung über die von Herrn Augstein verfassten Artikel in keiner Weise verstehen, da er ja mehr oder weniger nur das beschreibt und kritisiert was Fakt ist in Israel/Palästina.

Ich kenne das Land seit 1973 und bereise es in regelmässigen Abständen und konnte bisher keine Fortschritte in Beziehung zu seinen von Israel besetzten Gebieten (Palästina) sowie die Beziehung zu seiner arabischen Minderheit, die immerhin mehr als 25% der Bevölkerung ausmacht, feststellen.

Auch wenn man immer von einem jüdischen Staat spricht, verletzt man die Eigentumsrechte der arabischen Minderheit in Israel.

Mit der Siedlungspolitik vestösst man gegen das Völkerrecht,  bleibt aber unsanktioniert. Gegen jedes andere Land hätte man  schon längst Sanktionen verhängt.

Dies alles hat Herr Augstein lediglich aufgezählt und benannt, also nur Fakten, die ich aus persönlichen Erlebnissen auch bestätigen kann.

Wozu die Aufregung!!!!

 

Moliet 13.01.2013 | 15:53

„Folglich reden wir in dieser Phase nicht von zivilen Opfern, auch wenn es die in jedem Krieg gibt.

 In jedem Fall hat Trotzki zwar Befehle zur Niederschlagung von Aufständen gegeben, aber keinen zum Genozid, schon gar nicht an Juden oder anderen Minderheiten, auch nicht an Kritikern der lenistisch-trotzkistischen Linie.“

Sie relativieren. Insgesamt gab es von 1917-1990 ca. 90Mill. Opfer durch die Folgen des Bolschewismus/Stalinismus/Kommunismus, ohne die Toten durch den Einmarsch der Wehrmacht. Die meisten waren zivile Opfer. Massenliquidierungen von Verdächtigen ohne Urteil.

Trotzki hat ungewollt Stalin den Weg bereitet und es zu spät gemerkt.

Streicher wurde auch bereits 1940 von allen Ämtern enthoben und 1946 gehängt.

thinktankgirl 13.01.2013 | 16:03

"Ok, ich verstehe. Will heißen, kein einziger Historiker hat jemals irgendwelche Fakten zu Ihren Behauptungen ausgegraben."

Doch sehr viele. Die meisten haben das Handtuch geworfen. Es besteht gelinde gesagt kein Interesse an diesen Fakten. Viele wurden in der Luft zerrissen und existenziell ruiniert. Wer begibt sich gerne noch freiwillig auf die Schlachtbank?

 

So, so sehr viele? Und kein einziger hat was publiziert?

Selbst heute im Internet-Zeitalter hat es keiner gewagt anonym seine umwerfenden Fakten zu publizieren?

Wenn mensch mal richtig anfängt zu recherchieren, finden sich sicherlich Arbeiten darüber, wie sich die Mitglieder und Funktionäre der KPDSU sich zur fraglichen Zeit unter ethnischen und religiösen Kriterien zusammensetzte, wer die Schauprozesse führte, wer die Liquidationen anordnete und ausführte.

Mit Ihrer Bauernfängerei sind Sie hier in der FC falsch.

 

BTW: Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß Sie ein kürzlich gesperrter Nutzer sind und zwar Rolf-Josef Eibicht. Das Argumentationsschema ist nämlich sehr ähnlich.

 

Moliet 13.01.2013 | 16:33

"Mit Ihrer Bauernfängerei sind Sie hier in der FC falsch.

BTW: Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß Sie ein kürzlich gesperrter Nutzer sind und zwar Rolf-Josef Eibicht. Das Argumentationsschema ist nämlich sehr ähnlich."

1. bin ich kein FC Bayern Fan und 2. sind sie total auf dem Holzweg. Wer soll das (R-J-E) sein? Meine Initialen sind VWvM. Meine Vorfahren stammen aus Frankreich. Bitte verleumden sie mich nicht. Es ist unfair nach zutreten wenn ihnen die Argumente ausgehen.

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 16:42

Ich relativiere nicht, ich differenziere. Sie schmeißen alles an Zahlen was sie finden zusammen und ziehen ihre Schlüsse daraus.

Ansonsten haben Sie wirklich keines der bereitgestellten Fettnäpfchen ausgelassen und sind dabei vollkommen vom Thema abgewichen.

Ich habe Ihnen ein paar Literaturhinweise gegeben, die ich für erforderlich halte, daß Sie sie lesen, damit der Dialog ein konstruktiver sein kann.

Ihre Geschichtsdeutung entbehrt a.m.S. der Substanz und verbleibt in der Interpretation einer ziemlich unsystematischen Datenreihung, deren Aussage daher notwendig flach, schräg usw. daherkommt.

Das können nur Sie ändern. Ich bin nicht dazu da ihre Streitlust über nicht oder unsauber belegte Behauptungen zu kitzeln, weil sich bereits zeigte, daß das nirgendwo hin führt, da sie sich argumentativ fortgesetzt im Kreise drehen.

Ciao

thinktankgirl 13.01.2013 | 16:55

So,so

Und wie erklären wir nun dem staunenden Publikum, daß Ihre Aussage: "Ohne Juden habe sich Stalin nicht an der Macht halten können"

entweder vom Honigmann oder von Jurij Below stammt. Das macht keinen Unterschied,  beide schwafeln über das Weltjudentum. Below ist auch der Meinung, daß die kommunistische Partei Russlands von den Juden dominiert worden sei, was Sie auch schon von sich gegeben haben.

Egal, Ihre hier vorgetragenen und inzwischen gelöschten Ansichten stammen direkt von dort.

tonikal 13.01.2013 | 17:18

Meine Frage an Augstein wie an Guez: Ist es nicht etwas dumm, Israel zu kritisieren? Wie sinnvoll ist es, ein Land oder ein Staat oder ein Volk zu kritisieren? Wie sinnvoll ist es, Berlin oder Paris zu kritisieren? Warum kritisiert ihr nicht einfach Benjamin Netanjahu oder Avigdor Lieberman oder Ehud Barak? Ist es denn so schwer herauszufinden und klar zu sagen, welche der 8 Millionen Israelis die Kriegstreiber sind?

Moliet 13.01.2013 | 17:25

Sie wollen mich provozieren?

Sie wissen doch, dass ich das nicht gesagt habe sondern Abdurachman Awtorhanow (kaukasischer Historiker, der seit 1939 in Deutschland lebte. Ein Mann der die Seiten wechselte, als er wie viele andere auf Stalins „schwarzer Liste“ gelandet ist. Er wollte sein Leben retten wie so viele in diesen Zeiten. Immerhin…die schwarzen Listen haben an Beliebtheit beim SWC, ADL, MOSSAD usw. nichts eingebüßt. Von Juri Below weiß ich nur, dass er Jahre im GULAG war und dort viele Juden getroffen hat, teilweise noch aus der Zeit der Zusammenarbeit Stalins mit Hitler. Das hätte er nicht sagen dürfen. Deshalb wird er von Leuten wie Ihnen gehasst und verurteilt.

Die Mauer vor der Aufklärung der stalinistischen Verbrechen ist noch lange nicht gefallen!

Moliet 13.01.2013 | 17:34

 

Ich glaube nicht, dass Augstein mit seiner Kritik Israel in seiner Gesamtheit treffen wollte, sondern die israelische Regierung und ihre Ultrarechten Unterstützer.

Wir sagen doch auch, die Engländer torpedieren die EU, obwohl viele Engländer pro-europäisch eingestellt sind. Hier ist es selbstverständlich wie es gemeint ist. Bei Israel muss man doppelt vorsichtig sein. Ich denke viele Israelis und Juden weltweit wären dankbar endlich als normale Bürger dieser Welt behandelt zu werden. Das wird aber von Organisationen wie SWC und Ultrarechten verhindert.

Moliet 13.01.2013 | 18:39

Verwechsln sie das jetz mit Yoav Sapir, Mitarbeiter der jüdischen Tageszeitung ,,Ma‘ariv." Er stellt das zu Erwartende überzeugend dar in seinem Beitrag: ,,SCHLUSSSTRICH“; in Deutschland bricht zusehends der Damm der politischen Korrektheit - Israel muß. Sich darauf einstellen [abgedruckt in Süddt. Zeitung 21. April 2012].

DER SCHLUSSSTRICH IST DA

Joav Sapir, geb. 1979 in Haifa will aus Berlin „ein israelischer Blick auf Deutschland“ zu schaffen. Seine Definitionen über den Holocaust und israelischen Dogmen zählen nun zur Klassik der jüdischen Diaspora. Seine Feststellung „Der Holocaustkult“ (2008) war nur erster Schritt einer logischen Entwicklung zum Schlußstrich.

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 18:47

Ich würde mich darauf nicht ein - noch provozieren lassen. Den Historiker den er anführt findet man nur auf honigmanns Seiten oder Doubletten davon.

Es geht vordergründig nicht um´s Weltjudentum, sondern um den pseudo-wissenschaftlich begründeten Nachweis, daß es sich beim Bolschewismus und Stalinismus um eine jüdisch geprägte Ideologie handelte, ergo "die Juden" daran wesentlich mitschuldig seien nur wird das nicht so offen gesagt, wie´s einst AH in seinem Wahn von der jüdischen Weltverschwörung bzw. dem "jüdischen Bolschewismus" ausdrückte.
Der Spezi hier nutzt Uneindeutigkeit für seine Spielchen, das ist alles. Er wird nicht auf den Punkt kommen, er kreist darum.
Aber die Falle ist bereits aufgestellt.
Mal gucken.

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 19:12

wissen Sie bei Millionen geschäftsmäßig hingeschlachteter Juden, Kommunisten, Homosexueller usw. in deutschen Konzentrations - und Zwangsarbeiterlagern 
erscheinen die - im Zuge der beschämend niedrigen Entschädigungen - auflaufenden 300 Trittbrettfahrer, die sie hier als Pseudo-Holocaust-Zeugen präsentieren nur als das was sie sind:
verwirrte und sozial deklassierte Gestalten, die sich was ausgedacht haben, um an diesem Kuchen teilzuhaben.

Das kommt vor, aber ein Beweis ist das nicht. Eher ein Armutszeugnis für ihren Verstand.

Legen Sie nach, na los.

Moliet 13.01.2013 | 19:17

Na wenn es jemand nach Yad Vashem geschafft hat...das ist schon allerhand. Mir kommt es so vor als wären da eher 30000000 verwirrt als 300?

2011 - YITZHAK ARAD, der in Litauen als Yitzhak Rudnicki bei NKWD tätig war, Ende 1945 flüchtete aus der „UdSSR“ nach Palästina. Er hat sofort Namen geändert und erzählte lieber nicht über Terror von NKWD, sondern der „Nazi“. Seit 1972 leitete er Yad Washem und wurde als „höchste moralische Autorität“ von Israel bezeichnet. 2009 Justizbehörden von Vilnius verlangte Auslieferung des Mörders nach Litauen. Arad hat zwar seine „Zusammenarbeit mit NKWD“ gestanden und aus Yad Washem entfernt, aber nicht ausgeliefert.

Moliet 13.01.2013 | 19:25

Ich habe bis jetzt nie etwas von einem Yitzak Arad gewusst. Bin aber ehrlich nicht überrascht, dass so etwas in Israel oder sonstigen entsprechenden Organisationen passieren kann. Überrascht bin ich, dass so etwas gravierendes in unserer Presse kaum ein Echo findet, während das Logo von Bushido oder das Gedicht von Grass, die Kritik Augsteins solche Schlagzeilen macht? Davor scheinen sie mit Blindheit gesegnet?

Moliet 13.01.2013 | 19:48

Na das freut mich aber, dass jetzt Schicht ist. Ihr habt euch wirklich alle Mühe gegeben. Leider ist der Schlussstrich gezogen und eure Bemühungen werden in Zukunft noch mehr ins Lehre laufen. Immer mehr Menschen informieren sich differenziert und lassen sich von der Propaganda nicht mehr blenden. Die Wahrheit kommt immer ans Licht, ist immer nur eine Frage der Zeit. Spätestens wenn die letzten britischen und russischen Archive geöffnet werden.

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 20:28

das Unterhaltsame an dieser schrägen Unterhaltung ist, daß du garnicht mitbekommst, daß ich auf der Play-Taste sitze und gar nicht daran denke auf Stop zu wechseln, weil du dich hier so herrlich selbst vorführst und dabei sämtliche Vorwegeinschätzungen auf´s Ärgste bestätigst.

Warum sollte ich auf STOP wechseln? Du schiesst dich auch ohne Hilfe selbst ins Off und hast davor kein Fettnäpfchen ausgelassen, echt cool wenn ein Typ so programmierbar ist.

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Ehemaliger Nutzer 13.01.2013 | 20:46

es scheint sich um eine aus dem Ruder gelaufene virtuelle autotherapeutische Wohngruppe zu handeln mit dem Honigmann als Chef der mini-community. Wenn kein Betreuer da ist tanzen die virtuell auf den Tischen, wie´s aussieht.

Jedenfalls hörte ich, daß der Honigmann ein echtes Schwergewicht ist, das Probleme hat durch die Zimmertür hinaus in die wirkliche Welt zu gelangen. Therapieresistent ohnehin, findet er jedoch immer so 1-2 Wohnungsgenossen, die seine Welterklärungen für plausibel halten und diese in selbige tragen.

Moliet 13.01.2013 | 20:48

bisher kamen von Dir nur unqualifizierte und unbelegte Äußerungen. Es ist mir egal was für Spielchen du da treibst. Auf jeden Fall konntest Du nichts widerlegen, und dann schwenkst Du auf pseudointelligente Äußerungen, die mit dem Thema nichts zu tun haben. Ich hätte mich gefreut wenn Du objektiv mir bei der Aufklärung geholfen hättest. Stattdessen hast Du versucht mich braun anzustreichen und mich unglaubwürdig und lächerlich zu machen. Nicht gerade die feine Art. Passt aber zu dem was ich schon lange Zeit fast überall beobachten kann, wenn es um dieses Thema geht.

 

balsamico 14.01.2013 | 11:42

Wenn ich aus vielen Debatten zum Thema Israel+Palästinenser bzw. Juden (Israelis)+Deutsche eins gelernt habe, dann ist es, dass die Deutschen allenfalls finanziell zur Lösung des Nahostkonfliktes beitragen können. Ansonsten sind Argumente von Deutschen nur wohlgelitten, wenn sie pro-israelisch sind. Alles andere kann zwar, wenn es nicht dummdreister Antisemtismus ist - der freilich in Maßen geduldet wird, damit man sieht, dass es ihn noch gibt - gesagt und geschrieben werden. Aber es zählt nicht. Wenn, was ich nicht glaube, der Nahostkonflikt je gelöst werden sollte, dann werden die Deutschen samt ihren Argumenten, auch wenn sie gut sind, dabei keine Rolle spielen. Und vielleicht ist das ja auch kein Fehler. Ich finde es gut, dass sich Augstein engagiert israelkritisch äußert. Aber er gehört auch zu denen, die sich (noch) nicht damit abfinden können, dass es in der internationalen Politik mindestens ein Feld gibt, das den Deutschen wichtig ist, aber auf dem sie gleichwohl abseits stehen müssen.

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