Andrea Hanna Hünniger
28.02.2013 | 09:00 15

Ich, im digitalen Unterbewusstsein

Darknet Über diesen dunklen Teil des Internet gibt es viele Gerüchte. Wer tummelt sich da? Welche Geschäfte werden dort gemacht? Unsere Autorin hat sich das genauer angesehen

Ich, im digitalen Unterbewusstsein

Illustration: Otto

Das Böse ist überall. Man kann es nur nicht immer erkennen. Ein Mann sitzt mir im Wartezimmer meines Psychiaters gegenüber. Ja, wirklich Psychiater. Weiß ich, ob der Mann in Wahrheit nicht einen Vollschaden hat? Pervers oder traumatisiert ist? Oder ein Opfer? Oder alles zusammen? Man kommt mit diesen Fragen nicht weiter, man müsste Gedanken lesen können oder eben Psychiater sein. Und die Tagebücher des Fremden lesen können.

Ein Tagebuch hat ja heute jeder: das Internet. Nur ist das längst nicht mehr geheim. Das geheime Tagebuch der Welt heißt jetzt Darknet. Es ist jener Teil des Internets, den man nur mithilfe spezieller Verschlüsselungsprogramme betreten kann. Sie machen jeden, der es betritt, gegenüber Behörden und allen anderen unsichtbar. Man könnte es auch Badnet nennen, denn dort sammelt sich alles, was inzwischen aus dem „normalen“ Internet verdrängt worden ist. Die Albträume oder Träume, von denen uns niemand erzählt, die sehen wir hier.

Ich will mich da einwählen, ich will mich da aufhalten, eine Woche lang, im digitalen Unterbewusstsein. Will wissen, wer sich in dieser dunklen Höhle versteckt. Ich habe eine Affinität zum Dunklen, aber vielleicht bilde ich mir das nur ein. Ich weiß ja nicht genau, wovon ich spreche. Was passiert dort mit mir? In einem Raum mit den Dealern, den perversen Familienvätern und den Agenten. Denn grob gesagt: Für alle drei gibt es hier das perfekte Angebot. Aber für mich auch?

Ins Leben gerufen wurde das Tor-Netz, eine Art Unterabteilung des Darknet, eigentlich von Regierungsorganisationen, die nicht mehr sicher und geschützt über das Internet kommunizieren können und wollen. Unter anderen betreibt der deutsche Chaos Computer Club inzwischen einige Server, die er durch Spenden finanziert (siehe S. 7). Auch die Hacker-Gruppe Anonymous kommuniziert im Tor-Netz. Und: Es ist auch ein Internet ohne Werbung. Kein User trägt hier ein Nummernschild.

Das dunkle Netz ist langsam

Ein Blick ins Antlitz des Teufels kann nicht schaden, denke ich. Und überlege insgeheim, einen eigenen Handel mit sonst etwas, eventuell natürlich mit einer Marihuana-Plantage, zu eröffnen. Ich will reich werden. Das ist hier möglich. Die Seite SilkRoad verdient mit dem Verkauf von Drogen monatlich 1,9 Millionen US-Dollar, schätzt das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes. Ich würde mir ein Haus am Meer kaufen. Um die Server des Tor-Netzes, dem bisher größten geschützten Netzwerk, zu nutzen, muss ich mir auf torproject.org einen speziellen Browser herunterladen, dessen Logo eine Zwiebel ist.

Es gibt hier auch ein Suchfeld, das funktioniert aber nicht. Google gibt es im Darknet nicht, es gibt auch keine Seiten, die einen verständlichen Namen tragen. Da die Adressen dort meistens aus unendlichen Zahlencodes bestehen, muss ich erst einmal eine Sammlung von Links finden, um meinen Surfausflug zu starten. Ein beliebter Startpunkt ist das sogenannte Hidden Wiki, eine Art Telefonbuch des Darknet. Die Adresse des Hidden Wiki kennt sogar Google, auch wenn sich die Seite selbst im normalen Internet nicht aufrufen lässt: http://kpvz7ki2v5agwt35.onion/wiki/index.php/Main_Page. Also Seite im Zwiebel-Browser öffnen. Währenddessen Kaffee machen, Wäsche waschen, Staubsauger suchen. Nun ist die Seite endlich offen. Hier findet sich eine Übersicht des düsteren Angebots. Drogen, Sex, Finanzseiten und einige Seiten für politische Aktivisten, die aber auch gern einmal unter Namen wie „Wutseite“ oder „Dreck raus aus Europa“ verlinkt werden.

Das Darknet ist langsam. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis sich die Seiten öffnen, also so 30 bis 40 Sekunden. Es fühlt sich an wie das Internet im Jahr 1997. Fasziniert und geduldig schaue ich zu, wie sie sich aufbauen.

Unter der Rubrik Finanzen suche ich nach Möglichkeiten, schnell an Geld zu kommen. Dafür bieten sich am besten gehackte Paypal-Konten an oder Kreditkartennummern. Nachdem ich mich durch einen unfassbaren Informationsmüll gekämpft habe und eine Stunde mit dem Öffnen von vier Seiten verbracht habe, zerstört ein einziger Satz meine Träume: Der Zugang zu Kreditkartennummern kostet Geld. Mhm. Geld kostet also Geld. Vielleicht ist es besser, im kostenlosen Perversennetz perverse die Leute bei ihren Chats zu beobachten. Aber auch hier: Das Böse ist sehr langsam.

Auf einer deutschen Perversenseite postet anonymouse23: „Würde gern auf ein Krokodil ejakulieren. Jemand einen Tipp?“ Antwort von Bernd: „Wir verschicken täglich Dutzende Krokodile, bitte um Transfer der Bitcoins.“ Mit Bitcoins bezahlt man hier. Ich lerne, dass das eine neuartige Form von elektronischem Geld ist. Es wird dezentral von einem Computernetz geschöpft und verwaltet; und verbindet Bargeld irgendwie mit internationalen elektronischen Überweisungen. Aber ganz verstehe ich das nicht.

Man kann im Darknet wohl nicht von einer Community sprechen, weil hier verschiedene Welten in einem technischen System gelandet sind, die nichts anderes als das Bedürfnis verbindet, anonym kommunizieren zu wollen. Das erzeugt natürlich eine gewisse Sensationslust, ich bewege mich darin, als sei ich eine Figur in einem Krimi. Ich schaue mir selbst zu, ich lese mich selbst. Will einen Auftragskiller treffen und erfahre, dass die Beseitigung einer „normalen“ Person ungefähr 50.000 Euro kostet, während für Journalisten das Doppelte veranschlagt wird. Politiker kann man für 150.000 Euro Vergangenheit werden lassen. Nachrichten bitte nur per PM. Also Private Message. Da es für Private Messages genügend Angebote gibt, schreibe ich dem Auftragskiller den leicht nervösen Satz: Wie läuft Ihr Business genau?

Keine Antwort.

Die Polizei kann sich natürlich auch durchs Darknet klicken. Aber keine der Seiten kann zurückverfolgt werden. Der Trick besteht im Wesentlichen darin, dass die Anfrage an eine Webseite über viele Server weitergeleitet wird, bis er am Zielcomputer ankommt. Der dritte Server weiß zwar noch vom zweiten, aber nicht mehr, welcher der erste war. Und jede Zwischenstation verschlüsselt die Daten ein weiteres Mal. Das Prinzip ähnelt dem einer Zwiebel: Die hat auch verschiedene Schichten, weswegen die Endungen im Tor-Netz .onion heißen. Und deshalb sind Onion-Seiten so langsam. Ich höre mir in aller Ruhe nebenbei eine Oper an. Lohengrin singt ein passendes Lied: „Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam und Art!“ Als die Zwiebel-Seite dann aufgebaut ist, schießen mir beim Anblick der Heroinpreise Tränen in die Augen.

Seit wir uns noch vor hundert, nein, zehn Jahren als Schüler durch Seiten wie rotten.com geklickt haben, dort Leichenteile begutachtet haben, hat sich das Netz vereinheitlicht. Spätestens nach dem 11. September 2001 wurde das Netz nach Terroristen geradezu durchwühlt. Kein Schritt bleibt seither ungesehen. Und das Internet ist eine kommerzielle Plattform geworden. Ich will nicht, dass ständig Werbeseiten aufploppen. Was ich aber auf gar keinen Fall mehr will, ist, dass jeder meiner Schritte nachvollziehbar ist und gespeichert wird. Trotzdem: Die Seite Girls 12-14 klicke ich nicht an. Auch nicht: Kids have fun. Bin vielleicht doch nicht fürs Böse gemacht.

Die Seite White Wolves – Research – Intelligence – killing Pro services (Bitcoin & Cash) versteht sich als ein professioneller Service für Problemlösungen. Hier heißt es: „Sie bestimmen die Mission, wir übernehmen die Verantwortung, und wir führen sie aus.“

Vertrauliche Kommunikation

Auf der Seite Geheimkanal, einer der wenigen schnell zu findenden deutschen Seiten, sind Bilder junger Frauen zu sehen und vorwiegend gelöschte Beiträge eines Users. Der, so verrät ein Kommentar, hatte seinen eigenen Missbrauch durch die Eltern, die auch alles filmten, aus „therapeutischen“ Gründen hochgeladen. Das Forum distanziert sich von „Päds“ und löschte alle Beiträge dieses Users.

Im deutschen Koch-Wiki herrscht auch diese, nennen wir es, Rumpelstilzchen-Atmosphäre. Heute backt einer Haschkekse, morgen braut jemand Buttersäure, übermorgen holt sich einer ein Kind. Unter Drogenrezepten ist bisher nur eine Anleitung verzeichnet: Met – ein alkoholisches Getränk, für das man also Hefe und Honig braucht.

Das Schlimme ist, denke ich nach ein paar Tagen, dass es genau dieses Netz geben muss. Es funktioniert wie jene Siegel, die sich einst auf wichtigen Briefen befanden, die geschützt werden wollten. Was wir im normalen Internet tun, hat ja nichts mehr mit vertraulicher Kommunikation zu tun. Deutlich wird das schon daran, dass es keine E-Mailadresse mehr gibt, die nicht bei irgendwelchen Pokerbanden oder vermeintlich afrikanischen Sofortüberweisungshilferufen bekannt sind. Das Darknet ist dagegen so etwas wie ein Geheimkanal. Ohne Kommerz. Nicht, dass es keine Geschäftemacher im Darknet gäbe, nur befriedigen sie ein anderes Bedürfnis: Unentdecktheit. Ein Markt ist dafür schon da. Doch niemand will hier beworben werden, und die Kunden nehmen für ihre Waren lange Wartezeiten in Kauf.

Als ich den Met-Hersteller – oder wen auch immer – kontaktiere, frage ich ihn, wie das Zeug zu mir gelangen kann? Per Post, antwortet er. Ich: „Wie soll das gehen?“ Er: „Vom Sternzeichen Schildkröte?“ Ich weiß nicht, was ich ihm darauf antworten soll.

Volle Auslastung

Jeder Teil der Gesellschaft, der sich als Minderheit begreift, möchte sich verschlüsseln. Das gilt für Pädophile, für die Mafia, die NSA, aber auch für die taz. Sie hat ihr Archiv ins Tor-Netz eingespeist. Genauso gilt das für Oppositionelle und Regimekritiker. Der Ort des Bösen ist ein Ort der Freiheit. Aber wird jeder Ort, an dem Freiheit existiert, auch zu einem des Bösen?

Es ist mittlerweile Wochenende. Da selbst Drogendealer, Mafiabosse und Oppositionelle in der Woche zu arbeiten scheinen, hängen sie jetzt den ganzen Tag am Computer. Ein total überlaufener Samstag. Kaum eine Seite lässt sich öffnen, ständig bricht das Netz zusammen. Aber endlich erhalte ich Antwort von dem Auftragskiller: „I‘m not in the business anymore.“ Ich finde das beruhigend.

Jede Pornoseite im Internet ist übrigens besser als die, die man hier im Darknet findet. Dort Metro, hier eher ein Spätverkauf. Alles sieht so aus, als würden irgendwelche Typen irgendwelche Bilder irgendwelcher Brüste hochladen. Im echten Leben haben sie wahrscheinlich noch nie welche berührt. Eklig allerdings ist das Angebot mit den Katzen, nur einen Klick weiter.

Die Server sind über die ganze Woche voll ausgelastet. Wenn ich mich einwähle, erscheint ein Globus, auf den ich lange starre und auf dem ich sehe, wie viele Server an welchen Orten der Welt stehen. Über seinen Bauch erstreckt sich ein Netz von Fäden. Man kann dort aber nur einen geringen Teil von dem anklicken, was eigentlich los ist. Viele Seiten tauchen im Hidden Wiki nicht auf.

Wahrscheinlich ist mir das Darknet auf Dauer doch zu langsam. Auch bin ich weder reich noch kriminell geworden. Vielen Leuten wird es wohl ähnlich gehen: Wenn alle Türen offen stehen, weiß man nicht, durch welche man gehen soll. Aber nein, was schreibe ich, genau in dem Augenblick habe ich eine Idee: Ich spare jetzt für ein wahrhaftig anderes Leben. Im Darknet kann ich mir eine neue Identität kaufen, eine amerikanische noch dazu. Vielleicht verschwinde ich ja dieses Mal wirklich.

Kommentare (15)

mcmac 28.02.2013 | 11:49

Sehr schöner, angenehm verwirrt wirkender Beitrag ;)

Um mal auch ein bisschen Robin-Hood-Glanz ins Dunkl-Munkel zu bringen: "[...]Im Oktober 2011 gab es die Operation Darknet  der Hackergruppe Anonymous. Nach eigenen Angaben legte die Gruppe damit den Online-Tauschring für Kinderpornographie Lolita City lahm, veröffentlichte die Namen von 1600 Nutzern und löschte die auf einem Server von Freedom Hosting gespeicherten Bilder dazu.[...]" Quelle

JonDo ist übrigens so eine Art "Zwischenfisch" zwischen dem bekannten und dem sogen. Darknet. Eine Möglichkeit, am besten in Kombi mit einem nichtkomerziellen UNIX-artigen Betriebssystem (Debian-Linux...Ubuntu, Mint oder FeeBSD, PC-BSD z.B.), seine persönliche Daten, die man beim Surfen hinterlässt, recht effektiv zu schützen (allerdings -und das gilt für alle Anonymisier-Dienste [klingt fast wie Amüsier-Dienste]- sitzt das größte Sicherheitsrisiko und die größte Datenschleuder bislang meist immer noch vor dem Bildschirm: Der unaufgeklärte, sorglose User; das sollte man bei allem beachten.. es gilt, wie im analogen Leben also: Use your brain!). Auch hier wird, wie bei Tornet, über eine Serverkaskade gesurft. Wem die kostenlose Version zu langsam ist, kann auch ein schnelleres Abo erwerben. JonDo wurde ursprünglich von Studenten der TU-Dresden entwickelt.

Einen Schritt weiter hin zu einem echten Netz geht aber das Projekt Freenet (der Freitag berichtete vor einiger Zeit). Dieses Netz nutzt lediglich die physikalische Struktur des Internet, d.h., man ist nicht abhängig von einem speziellen Servernetz wie bei Tor, sondern kommuniziert über die "ganz normale Struktur" - jedoch ist quasi jeder Nutzer gleichzeitig auch Server und stellt einen Teil seiner Rechen- und Speicherkapazität sowie Bandbreite zur Verfügung. Das ist wirklich ziemlich unabhängig und netzartig und kann per se nur funktionieren (so stelle ich es mir vor), wenn sich alle Beteiligten an urdemokratische Regeln, gesunden Menschenverstand und ein gerüttelt Maß an (Achtung, total altes, komisches Wort) Solidarität halten (man nennt das heute etwas pragmatischer "Kooperation"). Ist übrigens in Deutschland und Frankreich zwar nicht verboten, aber wohl auch nicht legal... (weiter siehe auch hier/Wikipediaeintrag).

Danke-lg-mcmac

sub 28.02.2013 | 17:03

Andrea Hanna Hünniger ist bei ihren Recherchen in so manche Falle getappt und hat einiges an Falschinformationen für Wahr genommen, was aber bei sog. Neulingen (im Internet Newfags genannt) zu erwarten und nicht weiter schlimm ist.
Deshalb möchte ich hier ein, zwei Dinge klären und für Interessierte zusätzliche Informationen bereitstellen, auf die sie sich verlassen können.

Vorweg:
Im Darknet wird jedes Geschäft in Bitcoins abgewickelt. Bitcoins sind legal zb auf Bitcoin.de erwerbar. Sobald man seine Euros in Bitcoins umgewandelt hat, hat man ein ziemlich anonymes Zahlungsmittel, dass Rückschlüsse auf die Herkunft weitgehend ausschließt. Vieles im Darknet wird gegen Vorkasse bezahlt, manchmal gibt es Gratisproben (bei Drogen) und oft wird "Escrow", also ein Treuhandservice der jeweiligen Website verwendet. Aber dazu unten mehr.

Der private Nachrichtenaustausch geschieht entweder per PN in einem Forum (wie im Artikel beschrieben) oder per Email. Es werden niemals normale Emailadresse verwendet, sondern Tormail. Tormails können nur im Darknet versand und empfangen werden und werden i.d.R. trotzdem zusätzlich mit PGP Key verschlüsselt.
Brisanter Inhalt wird also nicht per PN, sondern per Tormail verschickt.

Zu einigen Falschinformationen:
Es ist im Darknet so eine Volkssport, Neulingen einen Bären aufzubinden und sie mit Tricks um ihre Bitcoins zu bringen.
Am häufigsten wird hierfür die Sensationslust und die Unwissenheit der Neulinge ausgenutzt (Wie zB die von Andrea Hanna Hünniger).
Es ist quasi Brauch, Neulingen, die unwissend durch das Darknet wandern, alles Mögliche an phantastischen und schaurigen Geschichten über das Darknet zu erzählen um sie in ihrem bisherigen Glauben zu stärken und sie dann leichter ausnehmen zu können.
Denn letzlich gibt es im Darknet 3 Gruppen von Nutzern:

1. Käufer und Verkäufer (Sowohl für legale als auch illegale Waren)

2. Menschen und Gruppen, die Anonymität suchen. (Ich, Du, Hacker, Aktivisten, Sprengstoff Fanatiker, Waffennarren, Pädos usw)

3. Schaulustige, die sich den "Untergrund" anschauen möchten.

Die 3. Gruppe ist der Meinung, dass im Darknet alles möglich sei und es alles gäbe. Diese Gruppe wird zum einen gern verarscht und zum anderen ist es besonders leicht, ihnen ihre Bitcoins abzutricksen. Das geschieht zum Beispiel, indem man ihnen etwas zum Kauf anbietet, was sie scheinbar im Darknet zu finden glauben. Wie gesagt, alles gegen Vorkasse natürlich.
Ein typisches Beispiel wäre folgende Szene:
Auf einer deutschen Perversenseite postet anonymouse23: „Würde gern auf ein Krokodil ejakulieren. Jemand einen Tipp?“ Antwort von Bernd: „Wir verschicken täglich Dutzende Krokodile, bitte um Transfer der Bitcoins.“
anonymouse23 ist hier der Neuling (das verrät schon sein Name).
Bernd versucht, anonymouse23 ein Bären aufzubinden und bei dieser Gelegenheit auch gleich um dessen Bitcoins zu erleichtern.
In diesem Fall hat Bernd sicher gewusst, dass er erfolgos bleibt und anonymouse23 hat sicher durschaut, dass es nur ein Spaß war. Nur die Autorin scheint das nicht wahrgenommen zu haben.


Folgende Illegale Singe sind über das Darknet NICHT erhältlich:

Es gibt im Darknet keine Auftragsmörder zu kaufen.

Es werden im Darknet auch keine Krokodile zum Kauf angeboten (Darauf hätte die Autorin selbst kommen können).
Es gibt auch keine Panzer und Kriegsgerät oder Biochemische Waffen.

Services und Artikel dieser Art werden im Darknet durchaus angeboten und beworben, allerdings ohne jeglichen Wahrheitsgehalt. Wie oben Beschrieben, geht es nur darum, gutgläubigen Ihre Bitcoins abzulocken, die schließlich viel Geld per Vorkasse bezahlen sollen.

Folgende Illegale Dinge SIND über das Darknet erhältlich:
Sehr häufig:
Alles Mögliche an Drogen (etwas teurer als Straßenpreis). Kreditkarten Informationen, gehackte PayPal Accounts, Hackware.
Services wie Tipps zum Austricksen von Neulingen.
Häufig:
Falschgeld und gefälschte Dokumente.
Chemikalien.
Waffen (i.d.R. aus Sicherheitsgründen in Einzelteilen) und Munition.
Services wie zB Hacken von Websites oder Programmieren von Programmen.
Selten:
Scans von Geburtsurkunden o.Ä..
Services wie Anonyme Fahr- und Lieferdienste.
und vieles, vieles mehr.

Außerdem gibt es natürlich viele legale Dinge wie selbstgemachte Kunst, Schreib und Übersetzungsdienste und harmloses Zeug wie Bücher, Filme & Pornos und Software.

Die Kreditkarteninformationen sind meist von Kreditkarten aus der 3. Welt und abgelaufen. Deutsche Kreditkarteninformationen sind heißbegehrt, teuer und entsprechend seltener. Meist wird vermutlich sowieso die gleiche Info an jeden Käufer geschickt.
So weit ich weiß ist unheimlich schwer, aus diesen Informationen wirklich Bargeld zu machen ohne dabei ein sehr Hohes Risiko einzugehen. Es gibt viele öffentlich sichtbare Anleitungen aber keine funktioniert wirklich. Stattdessen werden teure Anleitungen verkauft, die angeblich bereits gute Gewinne gebracht haben und den anderen Vorraus sind.

Physische Waren wie z.B. Drogen werden i.d.R. wird weltweit versandt (Häufige Ausnahme sind USA und Kanada). Der Versand erfolgt normal über die Post und i.d.R. an die Hausadresse. Bei Waffen werden evtl. auch grobe Regionen vereinbart und der Kunde erhält die genaue Geolocation per Email und kann sein gekauftes Produkt dann selbst suchen. Packstationen werden ungern verwendet. Die Notwendigkeit der Abgabe von Unterschriften beim Annehmen eines Pakete stellt keine größere Sorge da.
Drogen werden meist mehrfach Vakuumverpackt verschickt.

Ein Großteil der angebotenen Drogen wird aus Holland verschickt und ist zwar etwas teurer als Straßenpreis, dafür aber mit deutlich höherem Reinheitsgehalt.

Die Verkaufsseiten im Darknet sind nicht mit eBay zu vergleichen, aber natürlich gibt es Kundenrezensionen und Bewertungen auf  Verkäuferprofilen oder im entsprechenden Forum.
Wenn Escrow eingesetzt wird, gibt der Kunde das Geld erst nach Erhalt der Ware frei.

Der im Artikel angesprochene Geheimkanal:
Der "Geheimkanal" ist ein veraltetes Imageboard, das kaum noch benutzt wird. Der Geheimkanal ist weder sonderlich geheim, noch aktuell. Es gibt vielleicht eine Handvoll Beitrage pro Monat; wenn überhaupt.

Geschwindigkeit:
Das Darknet ist, jenachdem wie Erfahren man damit umgeht und je nach Anbindung der Server, mit denen man Verbunden sowie auf denen die besuchten Seiten gehostet sind, langsamer oder schneller. Die von ihr beschriebene Geschwindigkeit kommt sehr selten vor, in der Regel ist die Verbindung gut, wenn auch natürlich merklich langsamer als an der Surface, also dem öffentlichen Teil des Internets.

Anmerkungen:
Sicherlich gibt es im Darknet auch Kinderpornografie, allerdings kann ich dazu nichts sagen, weil mir dazu jegliche Infos fehlen.
Ich gehe aber davon aus, dass dieser Bereich recht groß und vielgenutzt ist. Ob diese Dinge frei sichtbar sind weiß ich nicht, aber ich gehe davon aus, das hier stärkere Sicherheitsvorkehrungen gelten was Neulinge angeht.

Ich kann nicht ausschließen, dass Auftragsmörder in anderen Ländern auch Teil des realen Angebots sind. So weit ich weiß, soll das lediglich in Brasilien vorkommen, allerdings nur ohne Anonymität, also so, dass per Email Treffen vereinbart werden.
Für den großteil des Darknets, dessen Server und User hauptsächlich aus westlichen Industriestaaten sind, kann ich dies aber ausschließen.

Abschließend kann ich verraten, dass ich zu der oben beschriebenen 2. Gruppe gehöre und bisher auch noch nichts über das Darknet gekauft oder verkauft habe. Ich kenne mich einfach gut aus und habe schon viel Zeit im Darknet verbracht.

Nikkiwunderkind 02.03.2013 | 05:27

@ Frau Hünniger,

warum nehmen Sie sich nicht ein bissel Zeit für Recherche? Ehrlich gesagt, hat mich ihr Artikel geärgert. Schon finster ihr Halbwissen.

 Fangen Sie doch fürs erste damit an -

https://de.wikipedia.org/wiki/OpenPGP 

sollte es Sie überfordern- gibt es auch das GnuPG Plugin "Enigmail"  für Thunderbird als Add-on.

Dann können Sie mit Ihren Freunden ihr ganz privates "Darknet" aufbauen und verschicken nicht mehr Postkarten E-Mails durchs Netz!

(Ein sinnvolleres Erfolgserlebnis als dümmlichen Krokodil Onaniesten hinterher zu steigen.) 

Warum müssen Redakteure gleich einen Hemingway liken Ton einschlagen, wenn Sie losziehen und ihr Amerika entdecken.

Darknet, Kinderpornografie, Mafia, CIA,.....geht es eine Nummer kleiner?

It`s only a fucking Proxy.

Dazu ist dieses Tor Browser Bundle nicht das gepflegteste Stück Software, mit dem man sicher durchs Netz traben kann.

Und anonym sind Sie nur so lange, bis jemand anderes bereit ist, einen größeren Aufwand zu betreiben um Sie zu kennen zu lernen.

Was mich aufregt: solche reisserischen Artikel zum "Darknet" sind ein gefundenes Futter für ordnungsfanatische CDU Knalltüten, mal so richtig die Vorratsdatenspeicherung aus der Reflextüte zu zaubern. 

By the way- Kinderpornografie- man möge mich korrigieren falls ich falsch liege:

Aber die Politik schafft es seit Jahren nicht beim Kinderschutz, dem Abbilden von leichtbekleideten Kindern in eindeutigen Posen einen Riegel vorzuschieben. (Und damit ist nicht der Otto Katalog gemeint). Solange keine Genitalien (Pornografie) zu sehen sind, ist laut Gesetzgeber alles koscher!!!

Im Lichte des ganz offenen unverschlüsselten Netzes, finden Pädophile auf FKK, angeblichen Casting Seiten, usw. den Einstieg. 

Nichts für ungut,- ich kann es nachvollziehen, dass die Erstbenutzung von Tor aufregend ist. Steigen Sie tiefer in die Materie, es gibt so viel spannendes zu entdecken.

Die Unterhaltungsmonopolisten wollen vor allen Dingen eins: den Computer zum Fernseher umgestalten.

 

 

 

 

 

Nikkiwunderkind 02.03.2013 | 05:27

@ Frau Hünniger,

warum nehmen Sie sich nicht ein bissel Zeit für Recherche? Ehrlich gesagt, hat mich ihr Artikel geärgert. Schon finster ihr Halbwissen.

 Fangen Sie doch fürs erste damit an -

https://de.wikipedia.org/wiki/OpenPGP 

sollte es Sie überfordern- gibt es auch das GnuPG Plugin "Enigmail"  für Thunderbird als Add-on.

Dann können Sie mit Ihren Freunden ihr ganz privates "Darknet" aufbauen und verschicken nicht mehr Postkarten E-Mails durchs Netz!

(Ein sinnvolleres Erfolgserlebnis als dümmlichen Krokodil Onaniesten hinterher zu steigen.) 

Warum müssen Redakteure gleich einen Hemingway liken Ton einschlagen, wenn Sie losziehen und ihr Amerika entdecken.

Darknet, Kinderpornografie, Mafia, CIA,.....geht es eine Nummer kleiner?

It`s only a fucking Proxy.

Dazu ist dieses Tor Browser Bundle nicht das gepflegteste Stück Software, mit dem man sicher durchs Netz traben kann.

Und anonym sind Sie nur so lange, bis jemand anderes bereit ist, einen größeren Aufwand zu betreiben um Sie zu kennen zu lernen.

Was mich aufregt: solche reisserischen Artikel zum "Darknet" sind ein gefundenes Futter für ordnungsfanatische CDU Knalltüten, mal so richtig die Vorratsdatenspeicherung aus der Reflextüte zu zaubern. 

By the way- Kinderpornografie- man möge mich korrigieren falls ich falsch liege:

Aber die Politik schafft es seit Jahren nicht beim Kinderschutz, dem Abbilden von leichtbekleideten Kindern in eindeutigen Posen einen Riegel vorzuschieben. (Und damit ist nicht der Otto Katalog gemeint). Solange keine Genitalien (Pornografie) zu sehen sind, ist laut Gesetzgeber alles koscher!!!

Im Lichte des ganz offenen unverschlüsselten Netzes, finden Pädophile auf FKK, angeblichen Casting Seiten, usw. den Einstieg. 

Nichts für ungut,- ich kann es nachvollziehen, dass die Erstbenutzung von Tor aufregend ist. Steigen Sie tiefer in die Materie, es gibt so viel spannendes zu entdecken.

Die Unterhaltungsmonopolisten wollen vor allen Dingen eins: den Computer zum Fernseher umgestalten.

 

 

 

 

 

gebrauchsspur 03.03.2013 | 11:54

Liebe Freitag-Redaktion,

nach den prämierten antisemitischen Wallungen von Jakob Augstein, die das Blatt mehr oder weniger regelmäßig ertragen muss, darf ich nun einen Newbee-Artikel über das Darknet lesen, der sich selbst in seiner Dramatisierung und Vereinfachung durchgehend überbietet.

Ich muss daher davon ausgehen, dass die Kompetenzen, sowohl die internationale Politik wie auch die internationale Netzwerkstruktur realitätsorientiert erfassen, beschreiben und beurteilen zu können, in der Freitag-Redaktion leider sehr mangelhaft vorhanden sind.

Während es bei Augstein nachvollziehbar ist, Inhalte des Verlegers schwerlich aus dem Blatt schieben zu können, fehlt mir bei diesem Darknet-Thema jegliches Vorstellungsvermögen, einen anderen Grund als Unerfahrenheit ins Feld zu führen.

Für mich ist es langsam wie 1,2 oder 3: Ich möchte keine Zeitung, die Dinge dramatisiert und individuellen manischen Zwangsvorstellungen folgt. Ich möchte einen Freitag, der in Ruhe analysiert und Fakten von Phantasien trennt.

Nun stehen wir in diesem Prozess bereits bei Schritt 2. Bei Stufe 3 werde ich mein Abonnement kündigen. Genau aus obengenanntem Grund. Ich hoffe, die Redaktion kann dies nachvollziehen und arbeitet an einer verbesserten Auswahl der Autoren.

Es würde mir auch leid tun, mich vom Freitag zu verabschieden. Ich verfolge gern eine Debatte mit verschiedensten Sichtweisen und Argumentationen. Damit haben die beiden Themenkomplexe im Freitag aber anscheinend wenig zu tun.

Rabowski 03.03.2013 | 14:36

Sehr geehrter zuständiger Redakteur,

ich spreche Sie an, da Sie den Artikel redigiert und entschieden haben, ihn zur Titelgeschichte zu machen.

Immerhin Eines haben Sie erreicht, ich habe überdurchschnittlich lange über den Artikel gegrübelt. Mein Fazit ist allerdings ernüchternd.

Als gewöhnlicher Computernutzer ohne Expertenkenntnisse habe ich für eine Weile wirklich geglaubt, Sie hätten ein Thema aufgegriffen, das bisher sträflich vernachlässigt wurde. Im Gespräch mit Freunden, die sich in Computerfragen besser auskennen als ich, wurde mir dann aber die Banalität des Tor-netzes schnell klar. Es ist eben kein digitaler Untergrund in dem gewöhnliche Nutzer, die etwas hartnäckiger und geschickter sind als die Autorin, Krokodile und Auftragsmörder kaufen können. Es ist in erster Linie eine technische Möglichkeit anonym zu kommunizieren, wobei es den Beteiligten durchaus wichtig ist, zu wissen mit wem sie gerade chatten. Diese technische Infrastruktur steht dann natürlich auch für illegale Machenschaften zur Verfügung. Dealer treffen sich nicht im Park sondern im Netz. Das ist für mich die eigentliche Nachricht, nicht der versteckte Basar der Perversionen, dessen Gassen so überlaufen sind, dass der Tourist ihn entnervt wieder verlässt.

Die trockenen Fakten hätten aber wohl nicht zur Titelgeschichte gereicht. Ich finde die Idee einer Reportage über die Entdeckung des dunklen Netzes durch einen Neuling daher einen spannenden und legitimen Ansatz. Das Experteninterview des „Cheflobbyisten des Darknet“ ist mir dann aber zu politisch motiviert und leistet zu wenig Aufklärung über die tatsächlichen Gefahren für die Gesellschaft.

Vielen Dank daher an den Blogger SUB für die sachliche Richtigstellung weiter unten.

 

Herzliche Grüße

Rabowski

Nikkiwunderkind 04.03.2013 | 03:11

Liebe Redaktion,

als Leser finde ich es bedauerlich, dass der Artikel in einem Stil geschrieben ist, den man eher in einem Lifstyle-Magazin erwarten würde.

Solche Artikel zeichnen sich zumeist dadurch aus, dass das Thema nebensächlich ist. Im Vordergrund steht das subjektive Empfinden und die Selbstdarstellung des Autors. Im Hintergrund könnte auch die Titelmelodie von Sex & the City laufen. 

Hier wurde ein hochspannendes und komplexes Thema komplett verfehlt. Die Autorin schmeisst die Nutzung von Proxys, Verschlüsselung, Internet Kriminalität u.v.m in einen Topf und kreiert ein abgedroschenes Hacker-Sujet das Neal Stephenson spannender zu Papier gebracht hat.

Die Wirklichkeit ist spannender. Unter anderem, aus verschiedenen Perspektiven, hervorragend beleuchtet in einer Dokumentationsreihe auf Arte.

Diesen Umfang kann man von einem kurzen Online- Artikel nicht erwarten. Eine Ernsthaftigkeit schon.

Als Anregung die Frage wie Movie2k zu betrachten ist ? 

http://www.golem.de/news/gvu-movie2k-wird-zum-groessten-illegalen-filmportal-deutschlands-1302-97488.html

Darknet?

,- Stoff für spannende Texte, Recherche, Refexionen- ohne das der Autor den Selbstsversuch wagen muss.

Ps. Bezweifle stark dass das Tor-Bundle von kriminellen Cyber-Profis heute noch genutzt wird. Dazu hat es zuviele Schwachpunkte, die eine Rückverfolgung möglich machen.