Stephan Hebel
04.01.2013 | 18:01 28

Lob der Aufklärung

Ehrlichkeit Kürzen, sparen und alles auf die Griechen schieben. Zum Auftakt des Wahljahres gibt sich die Bundesregierung erstaunlich offenherzig

Lob der Aufklärung

Foto: Sean Gallup/ AFP/ Getty Images

Beginnen wir das Jahr mit einem herzlichen Dankeschön. Wir wollen Wolfgang Schäuble danken. Und Philipp Rösler. Den Bundesministern für Finanzen und Wirtschaft gebührt unser Dank für besondere Ehrlichkeit in der Politik. Nach den jüngsten Äußerungen der beiden gehen wir ins Jahr der Bundestagswahl mit der ministeriellen Bestätigung, dass der Neoliberalismus keineswegs am Ende ist, sondern sich im Gegenteil unter den Fittichen von Bundeskanzlerin Angela Merkel bester Gesundheit erfreut. Nicht dass nachher einer sagt, er habe nicht Bescheid gewusst, was uns blüht, wenn Merkel erneut ins Kanzleramt zieht.

Zunächst zu Schäuble und der Rente. Die CDU hatte auf ihrem adventlichen Parteitag einen Beschluss gefasst: Mütter, die vor 1992 ein Kind geboren haben, sollten bei der Berechnung des Altersgeldes besser dastehen als bisher. Schäuble aber verkündete gleich danach: Für so etwas haben wir kein Geld, jedenfalls nicht in diesem Jahr, die Griechenland-Hilfe ist zu teuer. Wir lernen, auch in der CDU sind Beschlüsse des Parteitags noch lange nicht Regierungspolitik. Vor allem aber lernen wir, dass Griechenland uns auch im kommenden Jahr als Sündenbock für alles Mögliche erhalten bleiben wird. Dass der Grieche in Wahrheit „unsere“ Hilfe zum guten Teil selbst finanziert, würde das einfache Bild nur stören. Macht sich der gemeine CDU-Wähler klar, dass jeder Euro, den die Griechen bekommen, ein Kredit ist, für den Zinsen bezahlt werden müssen? Im Jahr 2012 müssten bei der Bundesbank mindestens 600 Millionen Euro an Gewinnen aus griechischen Staatsanleihen eingegangen sein.

Drittens lernen wir, dass die Sparpolitik auf Kosten des Sozialstaats uns weiterhin als Seifenoper mit lustig verteilten Rollen präsentiert werden wird. In Wirklichkeit hat nämlich Wolfgang Schäuble etwas abgelehnt, was der CDU-Parteitag überhaupt nicht beschlossen hatte, auch wenn es so aussehen sollte: die sofortige Besserstellung der Mütter bei der Rente. Der Finanzierungsvorbehalt war auch im Parteibeschluss schon enthalten. Aber es nützt Angela Merkel mehr, wenn es so aussieht, als hätte die Partei sich bedingungslos für Rentnerinnen eingesetzt (soziale Kompetenz) und der Finanzminister (finanzielle Kompetenz) dann plötzlich warnend den Zeigefinger erhoben. Das ist zwar reines Polit-Theater, verfehlt aber in der schnelllebigen Mediendemokratie seine Wirkung trotzdem nicht. Am Ende stehen alle als Gewinner da, die Kanzlerin und ihre Partei, weil sie sich so gut kümmern – und die Kanzlerin und ihre Partei, weil sie so gut sparen. Und keiner beschwert sich. Im Ernst. So funktioniert Politik unter Angela Merkel.

Höchste Zeit, Merkel das soziale Mäntelchen vom Leib zu reißen

Damit ist die Strategie, mit der Angela Merkel in diesem Jahr die Bundestagswahl gewinnen will, bereits weitgehend beschrieben. Die CDU-Vorsitzende wird ihren gefährlichen Kurs des deutschen und europäischen Spardiktats unbeirrt fortsetzen. Sie wird weiter daran mitwirken, dass Länder wie Griechenland finanziell auf Jahre nicht gesunden. Und sie wird dabei sogar in Kauf nehmen, dass sie damit das bisherige Modell der wirtschaftlichen Vorherrschaft Deutschlands in Europa gefährdet: Wir exportieren, was das Zeug hält, und die anderen verschulden sich bis zum Tode, um unsere Waren zu kaufen.

Es gäbe sinnvolle Alternativen: Die Schuldenprobleme vergemeinschaften, also solidarisch zu lösen; die Haushalte auch durch gerechtere Steuern für Vermögende und Spitzenverdiener entlasten; die Ungleichgewichte im Handel abbauen, indem Deutschland die eigene Binnennachfrage stärkt – aber all das kommt für die Kanzlerin nicht in Frage. Angesichts der ideologisch verbohrten Handlungsweise unserer Regierung ist es höchste Zeit, der Kanzlerin das soziale Mäntelchen vom Leib zu reißen, mit dem sie ihre reale Politik so erschreckend erfolgreich verdeckt. Immerhin dazu hat Wolfgang Schäuble jetzt beigetragen.

Schäubles zweiter Beitrag zur Aufklärung liegt in den Überlegungen seines Ministeriums, die zur Weihnachtszeit bekannt geworden sind. Darin sind ein paar schöne Hinweise darauf enthalten, dass es nicht nur darum geht, selbst die kleinsten Verbesserungen bei der Rente zu verhindern. In Wahrheit wird die nächste im Sozialabbau vorbereitet. Das können noch so viele Dementis nicht verbergen.

Da wäre zum Beispiel die Mehrwertsteuer. Sie belastet bekanntlich im Verhältnis am stärksten diejenigen, die wenig Geld haben. Sie sparen kaum, sie legen nicht an, sondern verbrauchen ihr Einkommen für ihren Lebensunterhalt. Deshalb gibt es den ermäßigten Satz von sieben Prozent, der unter anderem für Lebensmittel gilt oder auch für Zeitungen und Bücher. Und weil diese Ermäßigung wiederum am ehesten den weniger Begüterten nutzt, von denen es sehr viele gibt, ist es nur logisch, dass das Finanzministerium sie abschaffen will. Die Lebensmittelpreise würden sich, stiege die Steuer von sieben auf 19 Prozent, auf einen Schlag um knapp zwölf Prozent erhöhen. Einem Gutverdiener macht das wenig aus, aber einem Hartz-IV-Empfänger oder einem Niedriglöhner kann das finanziell den Rest geben.

Da wäre außerdem, mal wieder, die Altersversorgung. Hier klären uns Schäubles Leute dankenswerterweise erneut darüber auf, dass es sich bei der Rente mit 67 Jahren vor allem um ein Kürzungsprogramm für alle diejenigen handelt, die gar nicht so lange arbeiten können. Diesen Charakter will die Bundesregierung mit noch erfreulicherer Klarheit zur Geltung bringen, indem sie die Lebensarbeitszeit, die man für die volle Rente braucht, weiter erhöht – und die Abschläge für alle, die früher aufhören, auch.

Es ist also nur nachvollziehbar, dass Schäuble Berichte über diese Überlegungen umgehend dementierte. Denn natürlich findet die nächste Sozialabbau-Runde nicht vor der Bundestagswahl statt, sondern erst danach. Und wenn die Leute wissen, was Merkels Regierung vorhat, dann könnte es ja sein, dass sie sie gar nicht wählen, und die Pläne ließen sich nicht verwirklichen. Das ist logisch.

Um an den Anfang zurückzukommen: Es ist deshalb auch logisch, dass die Union ihren Streit über die Rente für ältere Mütter gerade jetzt inszeniert. Das ohnehin feststehende Ausbleiben einer entsprechenden Verbesserung im Jahr 2013 hat nämlich einen erwünschten Effekt: Man kann die Sache vor der Wahl noch einmal versprechen, für 2014. Nach der Wahl wird die Haushaltslage des Bundes dann schon schlecht genug sein, um das Versprechen erneut zu kassieren.

Angela Merkel hat es nicht so gern, wenn ihre wahren Absichten ausgeplaudert werden. Die Kanzlerin hat das politische Schweigen zu einer hohen Kunst gebracht. Sie hat die Unkenntlichkeit im Amt zu ihrem Markenzeichen gemacht. Und die Wähler danken es ihr. Das ist eine paradoxe, für die Demokratie gefährliche Situation. Wir haben es bei der vergangenen Wahl schon erlebt: Damals hat Merkel ihrem Herausforderer Steinmeier ihre Strategie der Vernebelung aufgezwungen. Die SPD ist gescheitert. Steinbrück will es anders machen – und wirkt im Vergleich zur Kanzlerin schon nach wenigen Wochen wie ein Elefant im Porzellanladen.

Merkel muss noch neun Monate durchhalten mit ihrer Legende von einem Deutschland, das „aus der Krise stärker herausgekommen als hineingegangen ist“. Sie muss darauf bauen, dass viele Leute sie weiter lieben, wenn sie den tollen Arbeitsmarkt lobt und den Preis – die erfolgreiche Wiedereinführung verbreiteter Armut trotz Arbeit – verschweigt. Sie muss darauf hoffen, dass China, Indien, die USA und andere ihre Konjunkturen erfolgreich am Laufen halten. Sie hängt davon ab, dass diese Märkte unsere Exportgüter aufnehmen, nachdem ja die europäischen Importeure durch unser Diktat kaputtgespart worden sind. Gar nicht gebrauchen kann Merkel eine Debatte über die Alternativen, die sie verweigert. Über gesetzliche Mindestlöhne und über einen gerechtigkeits-orientierten Ausbau des Sozialstaats, der zudem zur dringend notwendigen Stärkung der Binnennachfrage führen würde.

Versprechungen? Nein Danke!

Dagegen hat es Angela Merkel sehr gern, wenn keiner merkt, wie weit rechts sie steht, weil noch weiter rechts die FDP randaliert. Unserem Dankeschön an Philipp Rösler wird sie sich deshalb sicher anschließen wollen. Der Noch-Vorsitzende hat nach Weihnachten noch einmal aufgeschrieben, wovon in der Partei des Marktfundamentalismus sowieso fast jeder überzeugt ist. In seinem neuesten Papier wird zum Beispiel der leichtere Rausschmiss von Arbeitnehmern gefordert, was natürlich im Orwell-Deutsch des Marktfundamentalismus ganz anders heißt: „beschäftigungsfreundliche Ausgestaltung des Kündigungsschutzes“.

Schäuble und Rösler haben die Wähler vor sich gewarnt

Auch Sozialleistungen darf man, da ist Rösler knallhart, nicht einmal versprechen. Hier unterscheidet sich der FDP-Chef deutlich von seiner Kanzlerin, die zwar nichts hält, aber doch immerhin verspricht. Rösler: „Allen Versuchen, den eingeschlagenen Konsolidierungspfad zu verlassen, neue vermeintliche Wohltaten zu verteilen oder dem deutschen Wirtschaftswachstum neue Hemmnisse in den Weg zu legen, muss eine klare Absage erteilt werden.“ Genauso übrigens wie Mindestlöhnen aller Art.

Man wird schon fast nostalgisch, wenn man liest, wie unser Wirtschaftsminister die alten neoliberalen Lektionen herunterbetet. Und dankt im Stillen dafür, dass es noch jemanden gibt, der ganz offen ausspricht, was uns nach der Bundestagswahl bevorstehen könnte.

Angela Merkel darf dagegen dankbar sein, dass sie neben einem solchen Minister wirkt wie eine warmherzige Sozialpolitikerin, weil sie mit den übelsten Verschlechterungen nicht offen droht und außerdem noch den Eindruck erweckt, sie sei für Mindestlöhne – obwohl sie in Wahrheit meint, sie sollten nicht gesetzlich festgelegt, sondern sich an den Tarifabschlüssen orientieren.

Bestimmt wird Philipp Rösler beim Dreikönigstreffen seinen Kahlschlag-Katalog wieder herunterbeten. Und die FDP wird ihm halbwegs höflich Beifall klatschen, schließlich ist am 20. Januar Landtagswahl in Niedersachsen. Das Dumme ist nur: Fraktionschef Rainer Brüderle wird Jubelschreie ernten, wenn er dasselbe erzählt. Das ist die Tragik des braven Vorsitzenden: Er vertritt genau die Politik, die die Unternehmer-Klientel von seiner Partei verlangt. Aber er wirkt dabei stocksteif und unglaubwürdig, wie jemand, der einen auswendig gelernten Text herunterspult.

Dennoch muss man Philipp Rösler und Wolfgang Schäuble dafür dankbar sein, dass sie die Bürger zum Auftakt des Wahljahres rechtzeitig vor sich selbst gewarnt haben.

Kommentare (28)

hh_abend 04.01.2013 | 21:43

Der Artikel spricht mir ebenfalls aus der Seele. Leider merken viele Menschen, die ich kenne , dieses hinterhältige Spiel von Merkel, Schäuble und Rösler nicht. Oder aber es interessiert niemanden mehr so wirklich. Das vor einiger Zeit erchienene Buch von Gertrud Höhler (die Patin - wie Angela Merkel Deutschland verändert) analysiert Merkel sehr genau, dem Leser werden die Augen geöffnet. Lohnt sich zu lesen. Frau Höhler wurde sehr angefeindet. Auch finde ich es beunruhigend, dass die Wirtschaftselite in Deutschland nicht kritischer die Euro-Rettung und die Merkel-Schäuble-Politik begleiten. Aber wahrscheinlich haben diese, die das Spiel der Regierung durchblicken, ihr Schäfchen bereits im Trockenen. Die Leidtragenden werden die sogenannten kleinen Leute sein, dessen Spargroschen die beginnende Inflation wegfressen wird. Darüber hinaus steigen die Mieten (übrigens auch verursacht durch  die schwarz-gelbeGesetzgebung , denn die Kosten der energetischen Häuserdämmung darf voll den Mietern angelastet werden...), die Mehrwertsteuer und die Energiekosten steigen...und wer weiß, was sich diese Regierung noch alles einfallen lassen wird, um den Steuerzahler auszuquetschen. Die nächsten 10 Jahre werden dunkel sein!

reisender 05.01.2013 | 02:14

Zum Schuldenabbau werden Verschiedene Moeglichkeiten genannt,aber wie waere Dass:z.Z.betragen die Schulden etwas ueber 2Billionen,dem gegenueber stehen etwa 10Billionen Privatvermoegen dass mit Abstand meiste bei nur 10%und von diesen 10%ist der Loewnanteil bei den wenigen etwa max 1% heisst die koennten leicht die schulden mit ein schlag loeschen,zumal wenn man bedenkt wie die wohl zu diesem Reichtum kamen,nur wer an Weihnachtsmann&Osterhasen glaubt,kann glauben dass die das durch Ihre eigene Gosse Leistung Fleiss koennen usw haben,

Wo kommts her?Ist doch wohl die Arbeit von den Vielen,die auch die Zinsen fuer die Vermoegen Erwirtschaften&ueberhaupt an der Ladenkasse alles mit finanzieren,auch die Steuern sind wie die Arbeitskostenen in die Preise gerechnet,die gleichen Steuern,die sie dann Absetzen kennen wenn nicht gleich in Steueroasen leiten...........

Rupert Rauch 05.01.2013 | 12:45

Ja, wobei ich eine (moderat höhere) Inflation noch für das geringere Übel halte, z.Z. siehts eher wie eine weltweite Rezession aus, die ganz schnell in eine Depression umschlagen kann, wenn sich die Ausgabenpolitik nicht ändert. Griechenland steckt mitten drin und Rezessionen sind weitaus destruktiver als Inflationen (von Hyperinflation mal abgesehen, die man aber fast schon mutwillig politisch herbeizwingen müsste).

Inflation ist vor allem die große Angst der Deutschen, traumatisiert durch die Hyperinflation, deren Ursachen und Gründe nicht verstanden wurden und die daher nie richtig verarbeitet werden konnte.

Dass die Energiewende Geld kostet, ist noch ein anderes Thema, da kann man der momentanen Regierung vor allem vorwerfen, dass sie eher versucht diese abzuwürgen, ansatt die Bürger zu befähigen sie zu bezahlen (Mindestlohn).

 

luddisback 05.01.2013 | 13:21

"Vor allem aber lernen wir, dass Griechenland uns auch im kommenden Jahr als Sündenbock für alles Mögliche erhalten bleiben wird."

ich erwarte, dass die verzerrte griechenland-berichterstattung der staatsnahen medien nach der wahl den nächsten sozialkahlschlag hierzulande legitimieren helfen wird. und das leider ziemlich unabhängig davon, ob dann weiter merkel oder steinbrück oder beide zusammen so tun, als würden sie im sinne ihres amtseids regieren. das finde ich noch trauriger als die zumutungen, mit denen wir von seiten der gelben so konfrontiert waren in den letzten 4 jahren, aber so ist es wohl in einer alternativlosen demokratie.

Claudia K 05.01.2013 | 13:56

Es ist schon fast traurig, dass ein solcher Artikel nur hier zu lesen ist, die Tatsachen nicht in allen Medien präsent sind.

Es ist erstaunlich, wieviele Menschen die Arbeit Regierung für schlecht halten, die Klientelpolitik verabscheuen; aber der Alternativlosen gute Arbeit konstantieren. Sind wir Deutschen wirklich so dumm, so dumpf geworden, dass wir einfach nicht begreifen, dass die Arbeit der Regierung das Werk der Alternativlosen ist?

Das Werk einer Machtbesessenen, die seit Beginn ihrer Machtübernahme daran arbeitet, die Demokratie in D. endgültig den Bach runtergehen zu lassen.

Forenwanderer 05.01.2013 | 17:44

Sehr schön auf den Punkt gebracht, Herr Hebel. Ich frage mich ja, wieso die CDU aktuell Umfragewerte von 41% erzielen kann. Die FDP hingegen dümpelt bei 4% herum, obwohl im Prinzip die Regierungsarbeit ein Produkt dieser Koalition ist. Aus welchen Gründen wollen so viele Menschen die CDU wählen? Ich finde keinerlei Argumente dafür. Auch die Piraten kommen momentan nicht über 4% hinaus, obwohl diese ehrlich und transparent ihre Politik darbieten. Irgendwie verstehe ich die Deutschen nicht!

Forenwanderer 05.01.2013 | 17:44

Sehr schön auf den Punkt gebracht, Herr Hebel. Ich frage mich ja, wieso die CDU aktuell Umfragewerte von 41% erzielen kann. Die FDP hingegen dümpelt bei 4% herum, obwohl im Prinzip die Regierungsarbeit ein Produkt dieser Koalition ist. Aus welchen Gründen wollen so viele Menschen die CDU wählen? Ich finde keinerlei Argumente dafür. Auch die Piraten kommen momentan nicht über 4% hinaus, obwohl diese ehrlich und transparent ihre Politik darbieten. Irgendwie verstehe ich die Deutschen nicht!

Rupert Rauch 05.01.2013 | 21:45

Wohlstandsrentner, die sich eigentlich nicht für Politik interessieren, sich aber verpflichtet fühlen bei jeder Wahl mitzumachen. Die Linke könnte ihnen ja ihre sauer verdienten Privilegien abknöpfen. Also wählt man das, was man immer gewählt hat und mit dem man früher gut gefahren ist. So funktionieren "repräsentative Demokratien" halt, die bei genauer Betrachtung weder repräsentativ sind, noch demokratisch. Auch so eine Lüge...

 

 

Oberham 06.01.2013 | 17:43

Tja, das Offensichtliche in Worte gepackt, sogar von einem Bezahltschreiberling - leider jedoch keinerlei Lösungsansätze parat, vor allem nicht jene, die der eigenen Wohllebigkeit schadeten.

So absurd es klingt, die Verarmung der Massen in Europa ist eine positive Entwicklung, sie gibt und die Chance aus dem Konsumwahnsinn zu entrinnen!

Möge die neue Regierung die Mehrwertsteuer auf 22 % erhöhen, den ALG II Satz um 30 % reduzieren und die Studiengebühren auf Niveau heben, das wirklich nur noch den oberen 20 % der Leute eine kredit- oder elternfinanzierte akademische Ausbildung erlaubt - mögen die Massen zwangsweise zur Besinnung gebracht und das Establishment zu spät gewahr werden, dass es überzogen hat.

Wir sind auf einem sehr guten Weg, freiwillig kapiert der koniditonierte Konsument nichts mehr - er lechzt mit jeder Stunde nach den markentinggesteuert injezierten Bedürfinisbefriedigungen, mit Wohlgefallen nehme ich die kathastrophalen Entwicklungen war.

Was mich betrübt, sind jene Menschen, die sich selbst töten, die so verzweifelt sind, zu glauben, sie hätten nicht einmal das Recht sich ihr Essen und ihre neue - nun viel bescheidenere Wohnung - durch die Almosen der Reichen zuweisen zu lassen.

Doch das zeigt wie tief der Riss in unseren Hirnen ist - nicht das Verhungern lässt uns vor Verzweiflung den Freitod suchen, sondern schon der Verlust unserer Existenz als Konsumidiot.

Anscheinend kann sich niemand mehr ein Leben ins Armut und Bescheidenheit,  vorstellen - ja es scheint geradezu die Hölle zu sein.

Natürlich, wer krank und auf Hilfe angewiesen ist, der hat wirklich dank der sozialen Eiszeit die da kommt ein elendes Los zu tagen, ein Los wie es Milliarden schon jetzt und heute in vielen Gebieten der Welt - auch als noch gesunde - zu tragen haben.

Nur - wir hätten über Dekaden hinweg die Chance gehabt lautere, fähige Menschen in die verantwortlichen Positionen zu befördern, die Kleptokraten hinwegzufegen, die Gier der Kapitalbestizer zu ächten, wir taten es nicht!

Warum?

Leider wohl, da die meisten von uns ebenso immer mehr und mehr und mehr von ihrem Konsumentdasein erhofften.

Dabei ist die geistige Armut mit jedem Jahr in neue Regionen vorgestoßen, in Regionen der bodenlosen Hilflosigkeit.

Ich möchte mir nicht ausmalen, was passierte, würden die Automatismen unserer Zeit auf längere Perioden plötzlich ausfallen, das Chaos, die irrsinnige Verzweiflung ob fehlenden Stroms und fehlender Mobilität - sie allein würden wohl schon zum Massenmorden und einer asozialen, grandios - ja absurd horriblen Anarchie führen - dann hätten wir die Anarchie, leider nicht jene von denen ich und einige andere Menschen träumen - jener utopischen sozialen, in denen der Mensch ein mündiges, soziales Lebewesen darstellt, das miteinander und nicht gegeneinander lebt und agiert - tja - für die Bezahlschreiber, die Bezahltphilosphen, die Bezahltpolitiker und das Bezahltvolk eine undenkbare Utopie - somit erwartet uns eben etwas anderes - der Autor hier hat die nächsten Etappen skizziert und die Forumskommentare jubeln ihm zu - nur über den Rank wagt keiner zu denken - das würde wohl auch die Tageslaune zu sehr verdunkeln.

 

Ich bleib - ich denke mit jedem neuen Tag kapiert ihr alle ein kleines Stückchen mehr - vor allem - ihr werdet ob eues vermeintlichen Realismus - am Ende sogar noch von dem Schrecken der da wartet überrascht sein - aber bitte, wählt nun erst einmal eure nächsten Volksverkäufer und ich bin sicher die wenigsten hier, dürften zu dem winzigen Bruchteil von zynischen Gewinnern zählen, die am Ende des Tages über die Leichen schreiten und sich ihre nächste Horrorkratie aufbauen.

oldman 07.01.2013 | 10:32

An die Nachgeborenen

Bertolt Brecht

I
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?

Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)

Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.

Ich wäre gerne auch weise.

In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen.
Auch ohne Gewalt auskommen,
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen,
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

Hier der Link zum ganzen Gedicht:
http://www.deutschelyrik.de/index.php/an-die-nachgeborenen.html

Oberham 07.01.2013 | 11:48

Warum - die Leichtigkeit der Einsamkeit, das Exil im Wald, es belohnt mit der Würde der Natur und was können wir mehr erwarten?

Übrigens die Sache mit dem Glück ist wirklich ganz konkret!

Das Glück gesund zu sein, es ist lebensnotwendig, da man - wird man gebrechlich - dem Bruttosozialproduktswahnsinn in den Rachen fällt - ohne Kaufkraft als vermodernder, aufs Bett gebundener Hautsack.

Brecht hat wohl etwas zuviel von den Nachgeborenen erwartet, seine Zeilen sind heute aktueller den Je - nur wir legen uns nicht zwischen den Schlachten auf dem Felde, sondern zwischen den Schlachten in den Büros, Werkhallen, Verkaufszentren, Verwaltungszentren und XYzentren zur Ruhe - ich möchte die Träume von manchen nicht träumen müssen!

Unsere Exil ist jenes, von der Armut in den anderen Teilen der Welt, das hätte Brecht schon damals reflektieren können, wer weiß, vielleicht hat er es ja auch in mehrere Richtungen geschrieben dieses zeitlose Gedicht mit seinem zeitlosen, immerwährendem Wahrheitskern.

Wir sind was wir sind, wen sollten wir ändern, außer uns selbst?

Mir ist jedenfalls das Exil in die Einsamkeit lieber, als mich ins Schlachtgetümmel zu stürzen und um verlogener Gespräche Willen, meine Gedanken zu verleugnen.

Leider muß auch ich einen Lebensunterhalt verdienen, doch in Maßen gelingt dies, ohne allzu schlimme Kompromisse.

Aus der kollektiven Schuld kann ich mich nicht lösen, doch hier hält sich mein schlechtes Gewissen in Grenzen, da mir die Macht zu Verändern nicht gegeben ist.

Als Autor versuche ich mich schon seit Jahrzehnten, doch ich fürchte, meine Talente sind schon vor der Geburt ins Exil gewandert, sprich - ich schreibe mehr im Sinne von Zeitverleben, den als vermittelnder Wortbilderschöpfer - wer mag schon krumme Strichmännchen zur Lektüre betrachten.

Die Konnotation unserer Zeit, sie scheint mir fast noch unheimlicher zu sein, als jene - da Brecht seine Botschaft schrieb.

Ein Glück, dass die meisten Menschen nicht so düster fühlen und sich mit glatter Strin durch die Zeit tummeln.

Wir sollten es ihnen gönnen, desto später sie die Nachricht erreicht, desto besser.

Selbst wenn alle die Nachricht längst erhalten hätten, sie würden nichts ändern, zu sehr sind ihnen die Sinne von Anbeginn vernebelt worden - die Verbildungsmaschinerie, sie funktioniert wie geschmiert.

Betroffenheit ist wohl eines der kurzlebigsten Gefühle die der Mensch kennt - auf einen Impuls Gier bedürfte es wohl derer tausende an Betroffenheit um diesen zu überlagern.

Es ist eine traurige Episode, eine Episode, deren wunderbare Facetten leider nichts weiter sind, als schmückendes Beiwerk einer grausamen Walze, die wie eine biologische Furie die grandiosen Schöpfungen unserer Erde plattwalzt und versiegelt -

eines Tages wird wohl ein Mensch schreiben ----

 

An die Nachgeborenen

nur wird er keine menschlichen Wesen damit ansprechen wollen....

maguscarolus 08.01.2013 | 10:48

Das deutsche "Wählervolk" wird wieder problemlos Frau Märktel wählen. Es hat in früheren Zeiten schon ganz andere Wahlen getroffen.

Im globalen "Sandkasten" linker Blogs darf man darüber denken und räsonieren wie man will, solange nichts von dem Sand in das perfekt geschmierte Getriebe "neoliberaler Zukunftsgestaltung" gerät und dort störend wirkt.

GWalter 09.01.2013 | 12:59

US-Finanzmafia will den EURO zerstören
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Wer es bis heute noch nicht gemerkt hat, was da auf dem Finanzmarkt gespielt wird, bei dem ist nun wirklich “Hopfen und Malz verloren”. Just in dem Augenblick, als Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und der französische Präsident, Sarkozy, die gesamte EU auf ein “Schuldenreglement” per Änderung des Lissabon-Vertrages verpflichten wollen, attackiert die US-Rating-Agentur S & P (Standard & Poor) die Kernländer der Eurozone.
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Es ist aber "absurd", dass die USA mit 10,8 Prozent laufendem Haushaltsdefizit und 15 Prozent Arbeitslosigkeit als größter Schuldner der Welt bei anderen Ratingagenturen weiter mit AAA bewertet würden und etlichen soliden europäischen Ländern die Herabstufung angedroht werde.
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Aber Angela Merkel (CDU), die wenige Monate zuvor sich die Zustimmung der BILDERBERGER zur ihrer Kanzlerschaft einholte, als sie quasi von Schäuble nominiert wurde , setzte auf den neoliberalen Zeitgeist und den Ausbau der bereits despotischen EU (nach Prof. Dr. iur. Karl Albrecht Schachtschneider, ehemals Lehrstuhl für öffentliches Recht an der Universität Erlangen-Nürnberg) nach den Wünschen der Finanzoligarchen und der US-Administration.
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Sie kündigte sofort die zuvor intensivierte Zusammenarbeit zwischen Russland, Frankreich und Deutschland auf. Damit vergab sie für Europa die Chance, mit dem größten östlichen einstiegen Kriegsgegner die Vergangenheit zu überwinden. Stattdessen mündete diese absurde, von Machtgier getriebene Politik wieder in den offenen KALTEN KRIEG, als G.W. Bush die Aufstellung der Raketen in Polen durchsetzte, um insbesondere den Franzosen und Deutschen klar zu machen, dass eine enge, freundschaftliche Zusammenarbeit mit Russland unerwünscht ist. Als Reflex auf diese Politik, auch bezogen auf die Auseinandersetzung um die Energie-Profite, wurde nach der “provozierten politischen Sperre der Gas-Transitleitungen” nach Westeuropa das “Northstream-Projekt” aufgelegt, dem das konkurrierende “Nabucco-Projekt” folgte.
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"Das Ganze ist politisch motiviert. Es findet ein Wettlauf um den Weltwährungsstatus statt." Die USA benötigten den Dollar als Weltreservewährung, um über die Ausgabe weiterer Dollars ihr Außenhandelsdefizit zu finanzieren, erläuterte Otte. Der Euro habe aber in den letzten zehn Jahren von 17 auf 27 Prozent der Weltreserven zugelegt. "Durch aktive Schwächung des Euro könnten die USA ihren Weltreservestatus erhalten", ist sich Otte sicher.
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Der EURO wäre auf der Grundlage der oben skizzierten Zusammenarbeit zwischen Russland und Europa beinahe unangreifbar, abgesehen von der endgültigen Beendigung des KALTEN KRIEGES. Jetzt wird die EU von der US-Finanzmafia in einer konzertierten Aktion (inklusive US-Rating-Agenturen) angegriffen, um Europa vollends und dauerhaft dominieren zu können. Geradezu peinlich ist, dass sich die Bundeskanzlerin mit ihrer Politik gegen die Interessen Europas und Deutschlands gewandt hatte, auch weil sie an die erfolgreiche Außenpolitik ihrer Vorgänger nicht anknüpfen wollte.
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Stattdessen verkündete sie in 2005 anlässlich der 60-Jahr-Feier der CDU sinngemäß, dass die Deutschen nicht auf alle Ewigkeit den Anspruch auf Demokratie hätten!!! Bereits damals kehrte sie der Demokratie den Rücken, um den KONZERNEN und insbesondere der FINANZWELT über die despotische EU die (ökonomische) Herrschaft über Europa zu bereiten.
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Es ist Michael Mross (MMnews) zuzustimmen wenn er annimmt, dass auch für den US-Dollar dann die letzte Stunde eingeleitet wird.
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Zu Recht weist er auf die 45 Millionen “Essensmarkenbeziehern” in den USA hin; schlimm genug in einem Land, das die DEMOKRATIE wie eine Monstranz vor sich herträgt. Oder anders gesagt: der neoliberale Zeitgeist ist gründlich gescheitert bzw. das Märchen von den “Selbstheilungs-kräften” der Wirtschaft hat sich als volksverdummende Ideologie, auf die selbst Hochschullehrer hereingefallen sind, herausgestellt.
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Aber ehe man die Einsicht zugibt, dass WIRTSCHAFT völlig neu erfunden werden muss, insbesondere die FINANZWELT, die sich von der Realwirtschaft gelöst hatte, wird man lieber KRIEGE anzetteln, wie demnächst im Nahen Osten (Syrien, Iran, Palästina).
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Jetzt sind Umsicht und Kreativität gefragt.

Helmut Eckert 09.01.2013 | 15:00

Schuld daran ist nur das Wetter,

Schuld daran ist nur der Schnee.

Täglich negative Letter,

Alle schreien nur oh weh!

Die Parteien machen weiter,

die FDP sie hebt längst ab.

Alle nehmen es ganz heiter,

stehen längst vor ihrem Grab.

Die Wähler wollten es so haben,

jeder wusste wer da lügt.

Die Politik sitzt längst im Graben,

doch die Dummheit weiter siegt!

Alle glauben deren Lügen,

weil  die Worte so gut klingen.

Leicht fällt allen das Betrügen,

Wahrheit kann hier niemals siegen.

Ist die Wahl erst mal gewonnen,

kommt der Knüppel aus dem Sack.

All die Hoffnung ist zerronnen,

zahle, zahle dummes Pack……