Fanny Lépine, Yannick Cador
26.11.2012 | 14:30

Die Ruinen der Griechen: Olympia und Eleusis

Web-Reportage Einst zähmten Spiele in Olympia die Kriegslust der Griechen, wurde in Eleusis das Geheimnis des Ackerbaus gelüftet. Was bleibt? Aktuelle Web-Reportagen aus Griechenland

„Europa ohne Griechenland wäre wie ein Kind ohne Geburtsurkunde“, sagte einst der ehemalige französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing. Für ihn war klar: Griechenland muss zu Europa gehören. Das war in den achtziger Jahren, als Griechenland noch auf der Kandidatenliste für den EU-Beitritt stand. Heute ist es das erste Land, das für einen eventuellen Austritt aus der Euro-Zone in Frage kommt. Ist Griechenland das Stiefkind Europas? Doch nicht zu vergessen: Mit Aristoteles, Platon, Perikles, Euripides oder Sophokles ist Griechenland nicht nur die Wiege der Demokratie, sondern auch eine antike Hochkultur, die die Entwicklung der europäischen Zivilisation maßgeblich mitgeprägt hat.

Was ist von diesem goldenen Zeitalter heute noch übrig? Die Folgen der Wirtschaftskrise berühren alle Lebensbereiche der griechischen Bevölkerung, auch das Gesundheitssystem leidet. Arbeitslosigkeit, politischer Extremismus, soziale Ungleichheit, Angst vor dem Anderen und eine bankrotte Kulturindustrie – kehrt Griechenland zurück an die Anfänge der Zivilisation? An zehn Orten und in zehn Themenblöcken wollen Fanny Lépine und Yannick Cador in ihren Web-Reportagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen, um daran zu erinnern, wie eng Griechenland noch immer mit seiner einstigen Größe verbunden ist.

1. Folge: Olympia - der Sport

Zwischen 776 v. Chr. und 393 n. Chr. fanden in Olympia alle vier Jahre die Olympischen Spiele statt. Dann legten die Griechen die Waffen nieder, zähmten ihre Kriegslust und maßen sich friedlich in sportlichen Wettkämpfen. Als die Olympischen Spiele 2004 nach Athen kamen, kehrten auf symbolische Art auch die Werte des Sports an ihren Geburtsort zurück. Doch das kostspielige Ereignis vergrößerte das Loch in der Staatskasse und ist heute das beste Beispiel für die Unbekümmertheit der damaligen griechischen Regierung, die das Event nicht für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes auszunutzen wusste. Fanny Lépine und Yannick Cador rücken Olympia und Sport in den Mittelpunkt der ersten Folge ihrer Webreportagen:

  • So vergrößerten die Olympischen Spiele von 2004 die griechische Auslandsverschuldung um zwei bis drei Prozent. Heute sind 70 Prozent der damals gebauten Stätten verlassen. Das Faliro-Stadion in einem Athener Vorort, in dem damals Handballspiele und Taekwondo-Wettkämpfe stattfanden, ist heute außer Betrieb und der Parkplatz wird als Camp genutzt.
  • Der Sport hilft vielen, in Krisenzeiten nicht den Mut zu verlieren. In einer Fan-Kneipe erklären uns Anhänger eines Fußballclubs, welche Rolle ihr Lieblingsverein in ihrem privaten und sozialen Leben spielt. Was halten sie von den exorbitanten Gehältern der Profifußballer?
  • Wie überstehen die kleinen Vereine die Krise? Der Leichtathletik-Verband schätzt, dass die staatlichen Subventionen im letzten Jahr um ein Drittel gekürzt wurden und dieses Jahr erneut beschnitten werden. Wie wirkt sich das auf den Amateursport aus? Welche Rolle spielt das ehrenamtliche Engagement? 

2. Folge: Eleusis - die Landwirtschaft

Eleusis ist ein Kultort der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Dem Mythos zufolge übergab sie den Stadtbewohnern das Geheimnis des Ackerbaus als Dank für deren Gastfreundschaft. Noch heute steht die Landwirtschaft im Mittelpunkt der griechischen Ökonomie. Griechenland ist eines der wenigen Länder mit verhältnismäßig wichtigem primärem Sektor (er stellt 13 Prozent der Arbeitsplätze, gegen 4,2 Prozent in Frankreich), und die Landwirtschaft hat sogar einigen Stadtbewohnern geholfen, die Krise zu meistern. In der zweiten Folge erzählen Fanny Lépine und Yannick Cador landwirtschaftliche Geschichten aus dem heutigen Griechenland:

  • Denn in kritischen Zeiten muss man eben schauen, wie man zurechtkommt: Aus diesem Gedanken heraus entstand die „Kartoffelbewegung“, ein Netzwerk für den direkten Handel zwischen Produzenten und Konsumenten. Inzwischen ist die erfolgreiche Initiative auf andere Produkte wie Olivenöl, Reis und Mehl ausgeweitet worden.
  • Sie treffen ein junges Bauernpaar und sprechen über Stadtflucht und die Rückkehr zur Landwirtschaft.
  • Das griechische Nationalgetränk Ouzo wurde durch starke Besteuerung zu teuer für die griechische Bevölkerung. Das bringt die Produzenten in Schwierigkeiten.

    Hier entlang zu den Web-Reportagen aus Griechenland:

      Quelle: Arte Reportage